Ebola-Tote würdevoll beerdigen

21.11.2014. Millionen Menschen trauern um Ebola-Opfer. World Vision sorgt für einen würdevollen Abschied.

Ansteckungen bei Sterbenden und rituellen Beerdigungen tragen zur Ausbreitung der Ebola-Epidemie in Westafrika bei. In Sierra Leone schult unsere Mitgliedsorganisation World Vision Teams freiwilliger Helfer. Sie begleiten Trauergemeinden, damit sie ihre Toten würdevoll und hygienisch bestatten können. Wenn in einer der Einsatzzentralen ein Todesfall gemeldet wird, macht sich ein Team von acht Helfern auf den Weg. Vor Ort erklärt der Leiter den Angehörigen und der Trauergemeinde den Prozess: Gemeinsam Abschied zu nehmen ist möglich, aber körperlicher Kontakt muss unbedingt vermieden werden. Denn Ebola wird über Körperflüssigkeiten übertragen, Tote tragen eine hohe Konzentration der Viren in sich. Bei den in Sierra Leone üblichen rituellen Waschungen besteht ein hohes Ansteckungsrisiko.  Die Helfer unterstützen – in Schutzkleidung – die Familien auch noch bei anderen Vorsichtsmaßnahmen, indem sie beispielsweise deren Haus desinfizieren.

Als die 42-jährige Betty Thomas Anfang des Monats starb, hinterließ sie zwei 13 und 15 Jahre alte Söhne und viele Freunde. Die Trauernden riefen ein Beerdigungsteam in ihr Dorf im Moyamba-Distrikt und folgten schweigend aber aufmerksam den Vorbereitungen für das Begräbnis. Bettys Pastor sprach und betete mit ihnen, bevor die Tote im Beisein ihrer Familie von Helfern in Schutzanzügen zu Grabe getragen wurde. „Ich bin sehr froh, dass wir unsere Schwester würdig bestatten konnten“, sagte ein Dorfältester zu den Helfern.

Noch vor ein paar Monaten kam es in Sierra Leone bei solchen Gelegenheiten zu chaotischen Szenen. Viele Verwandte wollten ihre Ebola-Toten nicht einfach in Plastiksäcke stecken und wegbringen lassen. Immer wieder kam die Polizei mit Tränengas. Inzwischen zeigt die flächendeckende Aufklärungsarbeit über Ebola via Radio, Straßentheater, Haus-zu-Haus-Besuchen und Plakatkampagnen mehr und mehr Wirkung. Die Menschen sind zunehmend bereit, sich helfen zu lassen. Hilfsangebote wie die Trauerhelfer geben ihnen die Möglichkeit, an ihre Traditionen anzuknüpfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Informationen über das Angebot werden unter anderem über die Distriktverwaltungen und deren Gesundheitsteams verbreitet.

Da Krankheits-und Sterbefälle in Sierra Leone mit Unterstützung von Hilfsorganisationen jetzt genauer nachverfolgt werden, sind die Beerdigungsteams derzeit oft im Einsatz.  Sie haben mit vielen Problemen zu kämpfen: Straßensperren und unpassierbare Straßen, Lücken im mobilen Telefonnetz, Stigmatisierung und vor allem Ängste: „Ein ganzes Netzwerk muss im Hintergrund Vertrauen aufbauen, Rückendeckung geben und logistische Hilfe leisten“, berichtet World Vision Mitarbeiter Jonathan Bundu.  Dies gelte auch für die weiterhin dringend erforderliche Aufklärungsarbeit in den Dörfern und die Erstaufnahme von Kranken. World Vision nutzt hierzu seine Kontakte zu Dorfältesten, Gesundheitsstationen, Frauen-und Jugendgruppen, Lehrern und Religionsgemeinschaften. Die Ansprache ist allerdings durch das allgemeine Versammlungsverbot erschwert. Hausbesuche und Radiosendungen, die auch den Schulunterricht der Kinder ersetzen müssen, werden umso wichtiger.

Wie die Kinder der gestorbenen Betty Thomas, benötigen immer mehr zurückbleibende Waisen, aber auch andere Angehörige und Bewohner isolierter Ortschaften, psychosoziale und materielle Unterstützung, denn zur ständigen Angst vor Ebola kommt der Verlust von Einkommen und Kontakten hinzu. Erhalten einzelne bedürftige Haushalte jedoch Nahrungsmittel, erleben sie inzwischen nicht selten Anfeindungen aus dem Umfeld. Soziale Spannungen steigen, da die allgemeine Ernährungssituation immer kritischer wird und die Lebenshaltungskosten steigen. „Mehr internationale Aufmerksamkeit und Hilfe ist dringend nötig, um diese Probleme nicht eskalieren zu lassen“, betont Caroline Klein, zuständig für die Ebola-Hilfsprogramme von World Vision Deutschland.

Weitere Informationen zum gefährlichen Ebola-Virus, der sich ausbreitenden Epidemie und den dramatischen Folgen finden Sie hier.

Foto: © AFP/Getty Images