Politische Debatte um den Begriff „Nafri“ entflammt

Warum die Bezeichnung „Nafri“ für Nordafrikaner diffamierend ist und für die Betroffenen in der Perspektivlosigkeit endet.

Via Twitter teilte die Kölner Polizei am Silvesterabend mit: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“ Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies sowie das Bundesinnenministerium distanzierten sich später von der Verwendung dieses Begriffs. Trotzdem entflammte im neuen Jahr eine heftige Debatte.

Europäische und internationale Menschenrechtskonvention in Gefahr?

„Nafri“ ist eine interne Arbeitsbezeichnung der Kölner Polizei, die nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in 2015 für Nordafrikaner oder nordafrikanischer Intensivtäter gefunden wurde. Damals hatten gewaltbereite Männergruppen Frauen eingekesselt, sexuell angegriffen und beraubt. Viele der später Beschuldigten waren Nordafrikaner.

In diesem Jahr schickte die Polizei in der Silvesternacht vorbeugend ein riesiges Aufgebot an den Hauptbahnhof. Wieder waren auffallend viele Nordafrikaner vor Ort, die von der Polizei als „Nafri“ identifiziert auf den bloßen Verdacht hin zu hunderten festgehalten und überprüft wurden. Der Jahreswechsel in Köln und der Tweed der Kölner Polizei lösten eine politische Diskussion über die Verwendung einer kollektiven Bezeichnung aus, mit der Nordafrikaner insgesamt diffamiert werden.

Eine solche Bezeichnung sei „entmenschlichend“ und „vorverurteilend“ sagte der SPD Politiker Christopher Lauer. Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter nannte den Begriff „völlig inakzeptabel“, da er eine herabwürdigende Gruppenbezeichnung sei. Jan Bömermann antwortete auf den Tweed der Kölner Polizei polemisch mit der Frage: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Nafri und Neger?“

Kontrovers wurde nicht nur die politisch inkorrekte Bezeichnung einer Gruppe diskutiert, sondern vielmehr auch das gezielte Vorgehen der Polizei nach ethnischen Gesichtspunkten, was in den Medien mitunter als „Racial Profiling“ bezeichnet wurde. Eine Praxis, die dem Geist des deutschen Rechtsstaates und dem Grundgesetz widerspricht, das die Diskriminierung eines Menschen „wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen“ untersagt. Außerdem breche die Praxis europäische und internationale Menschenrechtskonventionen.

Kritiker wie Tahir Dellar von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) sehen den Einsatz in Köln indes als Beweis dafür, dass die Polizei „Racial Profiling“ betreibt.

Negative kollektive Zuschreibungen – schwindende Perspektiven für Nordafrikaner

Wie lebt es sich eigentlich als Marokkaner, Algerier oder Tunesier in Deutschland, wenn man allein wegen seines Aussehens zum „Nafri“ und damit zum Synonym für einen kriminellen Straftäter geworden ist? Kollektive negative Zuschreibungen seien generell problematisch und führen dazu, dass Mitglieder einer Gruppe, denen etwas unterstellt wird, sich erst recht abschotten. Der Weg in die Perspektivlosigkeit und Kriminalität werde damit geebnet, gibt der Leiter des Caritas-Fachdienstes Integration/Migration Tim Westholt zu bedenken.

Er sieht außerdem die Gefahr, dass durch die negativen Zuschreibungen, die Nordafrikaner seit den beiden Silversternächten erleiden, die Gewaltbereitschaft dieser Menschen wachse. Für die betroffenen Nordafrikaner, die in Deutschland Schutz oder ein besseres Leben suchen, bedeute diese Stigmatisierung nur ein weiterer Stein auf ihrem Weg.

Foto: Spontandemonstration nach den Silvestervorfällen in Köln 2015/2016, Superbass, CC-BY-SA-4.0