Von Nollywood nach Wakaliwood – afrikanischer Film in Aufbruchstimmung

Ob Nollywood in Nigeria oder Wakaliwood in Uganda, afrikanische Filmschaffende sind in Aufbruchstimmung. Sie sind die ewigen Stereotypen über ihren Kontinent leid und wollen ein positives Afrika-Bild vermitteln. Im Rahmen des Berlinale Africa Hub wurde diskutiert, wie man an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen kann.

Afrikanische Filmemacher sind die Stereotypen über ihren Kontinent als das ewige Sorgenkind der Welt leid. Sie wollen in ihren Filmen athentische Geschichten erzählen und ein positives Afrika-Bild vermitteln. Beim Berlinale Africa Hub, das kürzlich im Rahmen der Filmmesse European Film Market in Berlin stattfand, wurde  unter anderem darüber und über neue Verbreitungsformen afrikanischer TV- und Kinoproduktionen diskutiert. Der Afrikanische Film gewinnt an Selbstbewusstsein und eine ganze Filmindustrie ist im Aufbruch, auch durch die Erfolge der letzten Jahre.

Von den Cape Town Film Studios bis nach Nollywood

Die Vorzeigeprojekte der afrikanischen Filmindustrie kommen aus Südafrika und Nigeria. Die in Kapstadt 2010 eröffneten Cape Town Film Studios spielen bereits heute in einer Liga mit den ganz Großen. Die Filmstudios wollen vor allen Dingen internationale Filmschaffende gewinnen und bieten Hollywood mit modernster Technik und geringeren Produktionskosten die Stirn. Zu den recht rar gesäten südafrikanischen Produktionen, die in den Cape Town Studios realisiert wurden, gehört die Verfilmung von Nelson Mandelas Autobiografie A Long Way to Freedom. Ein weiteres Erfolgsprojekt der afrikanischen Filmwelt ist Nigerias Nollywood, wo pro Jahr durchschnittlich bis zu 2.000 Filme produziert werden – in erster Linie Unterhaltungsfilme. Nollywood gehört damit zu den größten Filmnationen der Welt, noch vor Indien. Anders als in Kapstadt, wird in Nigeria hauptsächlich für den heimischen Markt produziert und für weite Teile Westafrikas. Ein Großteil, über 70 Prozent der Filme sind zudem in lokalen Sprachen wie Yoruba, Hausa, Bini oder Igbo. Seit 2004 kommen nigerianische Filmemacher auch zur Berlinale.

Wakaliwood und Eastleighwood – die Hollywoods aus Uganda und Somalia

Doch auch in anderen Ländern Afrikas bewegt sich etwas auf dem Filmmarkt, wie zum Beispiel in Uganda und Somalia. In Wakaliga, einem Slum in Ugandas Hauptstadt Kampala, gründete Isaac Nabwana Wakaliwood – die Action Film Fabrik Ugandas. Schon über 40 Filme wurden dort gedreht und erfreuen sich nicht nur bei der einheimischen Bevölkerung steigender Beliebtheit. Nabwanas bekanntester Film Who Killed Captain Alex aus dem Jahr 2010 ist bei YouTube mehr als eine halbe Million Mal angesehen worden. Nabwana selbst gilt als Ugandas Quentin Tarantino („Pulp Fiction“). Zu den ehrgeizigen, eher wenig beachteten Projekten des afrikanischen Filmmarktes gehört Eastleighwood in Somalia. Mit eigens produzierten Low-Budget Filmen und TV-Shows versucht der Eastleighwood Filmschaffende Iman Burhan, dem weit verbreiteten negativen Image von Somaliern zu begegnen und autentische eigene Geschichten zu erzählen. „Wir versuchen zu wachsen. Wir wollen nicht, dass nur der Westen weiterhin unsere Geschichten erzählt“, erklärt Burhan. Zu den letzten Produktionen von Eastleighwood zählt unter anderem der Actionfilm Mistaken, der die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die von einer Gang in Nairobi gekidnappt wird.

Afrikanischer Filmmarkt vor großen Aufgaben

Um an die Erfolge der letzten Jahre weiter anknüpfen zu können, muss die afrikanische Filmindustrie in den nächsten Jahren einige Herausforderungen meistern. Denn in vielen Regionen Afrikas ist Kino schlichtweg ein Luxus. Auch wenn das Interesse an afrikanischen Filmen in der einheimischen Bevölkerung steigt, so haben doch nur wenige die Möglichkeit, diese auch zu konsumieren. In ganz Afrika gibt es aktuell 1100 Kinos, 750 davon befinden sich in Südafrika. Eine der größten Herausforderungen für den afrikanischen Filmmarkt ist, digitalisierte Verbreitungswege für afrikanische TV- und Kinoproduktionen stärker zu etablieren und so immer mehr Menschen zu erreichen. Der afrikanische Filmmarkt bietet gerade vor diesem Hintergrund großes Wachstumspotential. Das hat auch das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) erkannt und hat pünktlich zum Start der Berlinale die Initiative Zukunft.Markt.Film vorgestellt. Das BMZ will künftig stärker in die afrikanische Film- und Medienwirtschaft investieren. So sollen neue Einkommens- und Investitionsmöglichkeiten in Afrika entstehen.

Foto: Daniel K Daniel Nollywood Actor, Wikipedia, CC BY-SA 4.0