Uganda: „Bidi Bidi“ nun weltweit größtes Flüchtlingscamp

18.04.2017: Der Bürgerkrieg im Südsudan sowie die zunehmende Hungersnot vertreiben immer mehr Menschen aus dem Land. Das angrenzende Uganda nimmt im Norden des Landes tausende Geflüchtete auf. Das Flüchtlingscamp „Bidi Bidi“ ist nun zum Größten der Welt aufgestiegen und löst somit das in Kenia liegende „Dadaab“ ab.

Uganda Flüchtlingslager Adjumani

Seit Monaten überqueren tausende Südsudanesen täglich die Grenze zwischen dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Südsudan und dem Norden Ugandas. Allein in der ugandischen Region Yumbe siedelten sich so in einem geringen Zeitraum mehr als 270.000 Menschen an. Die Regierung Ugandas stellte einen ganzen Landstrich bereit, der heute unter dem Namen „Bidi Bidi“ eine traurige Bekanntheit erlangt, um den Menschen eine Zuflucht zu ermöglichen. Derweil löste „Bidi Bidi“ das kenianische „Dadaab“, welches laut UNHCR aktuell ca. 245.000 Menschen beheimatet, als weltweit größtes Flüchtlingscamp ab. Das Ausmaß von „Bidi Bidi“, das von der Bevölkerungszahl her in Deutschland mittlerweile als Großstadt betitelt werden könnte, stellt die ugandische Regierung sowie die Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen. Hierzu zählen vor allem die Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung sowie die medizinische Betreuung der Menschen, die jedoch nicht nur in „Bidi Bidi“ unterkommen, sondern in vielen weiteren Flüchtlingscamps, die über den gesamten Norden Ugandas verteilt sind. In den sogenannten „Settlements“, wie die Flüchtlingscamps genannte werden, sind zudem Krankheiten die größte Gefahr für die Bewohner. Cholera und Malaria sind weitverbreitet und müssen von den Hilfsorganisationen zusätzlich bekämpft werden.

Flüchtlingscamps benötigen Hilfsgelder

Für die Umsetzung der aufgezählten Maßnahmen sind Hilfsgelder unabdinglich. Laut der Deutschen Afrika Stiftung forderte Ugandas Regierung die internationale Staatengemeinschaft unlängst dazu auf, die bereits zugesagten Hilfsgelder in Höhe von ca. 780 Millionen USD zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zur Verfügung zu stellen. Bisher wurden jedoch lediglich acht Prozent der versprochenen Summe für das laufende Jahr bereitgestellt. Die USA, die im vergangenen Jahr allein 86 Millionen USD als Unterstützung bereitstellten, denken indes unter der neuen Regierung über eine drastische Kürzung der Hilfegelder nach.

Vorbildliche Flüchtlingspolitik

Unter afrikanischen Staaten gilt die Flüchtlingspolitik Ugandas als sehr liberal. Die Geflüchteten bekommen nach ihrer Ankunft und Registrierung in den Aufnahmezentren ein kleines Stück Land zugewiesen. Hier können sich die Geflüchteten mit der Hilfe von bereitgestellten Materialien und Werkzeugen Unterkünfte errichten. Zudem werden Nahrungsmittelpakete und Wasserkanister an die Geflüchteten ausgeteilt. Mehr als 800.000 Menschen, die in den vergangenen Jahren aufgrund des Bürgerkriegs und der Hungersnot aus dem Südsudan fliehen mussten, konnten so von einer dringend benötigten Erstversorgung in den verschiedenen Flüchtlingscamps profitieren. In einigen „Settlements“ werden zudem nachhaltige Strukturen gefördert. Im weitläufigen Flüchtlingscamp im ugandischen Adjumani beispielweise, bekommen die Geflüchteten die Möglichkeit einen eigenen landwirtschaftlichen Anbau zu starten, um langfristig dazu beizutragen, eine Eigenversorgung zu generieren. Hier werden von den Behörden zusätzlich zum Grundstück Setzlinge zur Verfügung gestellt.

Gemeinsam für Afrika besuchte im November 2016 unter anderem das „Settlement“ in Adjumani, um sich selbst ein Bild von der aktuellen Situation zu machen. Die GfA-Reise nach Uganda wurde von uns in einem Film (siehe unten) dokumentiert.

 

Foto: Gemeinsam für Afrika