Land und Ressourcen

Fruchtbare Böden, Öl, Diamanten, Gold – Subsahara Afrika verfügt über beträchtliche und vielfältige Rohstoffvorkommen. Vor allem in der ertragreichen Landwirtschaft liegt Afrikas großes Potenzial. Doch trotz dieser guten Bedingungen profitiert die Bevölkerung kaum von diesem Reichtum.

Fruchtbare Böden, Öl, Diamanten, Gold – Subsahara Afrika verfügt über beträchtliche und vielfältige Rohstoffvorkommen. Vor allem in der ertragreichen Landwirtschaft liegt Afrikas großes Potenzial.  Doch trotz dieser guten Bedingungen profitiert die Bevölkerung kaum von diesem Reichtum.

Land und Ressourcen satt und trotzdem Hunger

Afrika südlich der Sahara ist reich an fruchtbaren Böden und natürlichen Ressourcen. Den Landwirten mangelt es nicht an Flächen. Pro Einwohner gibt es heute ca. 0,25 Hektar Nutzfläche, diese entspricht dem Weltdurchschnitt. Auch die Rohstoffvorkommen sind üppig: 10 Prozent der weltweiten Ölvorkommen, 50 Prozent der Diamantenvorkommen und 25 Prozent der globalen Goldvorkommen befinden sich in Afrika. Viele weitere natürliche Ressourcen wie Mangan, Kobalt, Chrom und Coltan sind wichtige Rohstoffe und attraktiv für die Erzeugung von Stahl, für die Luftfahrtindustrie oder von besonderer Bedeutung für die Mobiltelefonindustrie. Besonders rohstoffreiche Länder sind Sudan, Nigeria oder die demokratische Republik Kongo.

In diesen Ländern profitiert die Bevölkerung kaum vom Handel mit den Ressourcen, obwohl große Mengen an Rohstoffen von den Industrieländern exportiert werden. In vielen Ländern regt sich in der Bevölkerung der Widerstand gegen den Ausverkauf ihrer Länder.

Die Rohstoffinitiative der EU verschärft die Armut

Die Kritik vieler Länder des subsaharischen Afrikas richtet sich dabei gegen Aspekte der EU-Politik.
Diese sichert sich mit ihrer Rohstoffinitiative (2011) den ungehinderten Zugriff auf wertvolle Bodenschätze und Rohstoffe und übt dabei massiven Druck auf die Exportländer aus. So sollen die entsprechenden Länder Handelsbegrenzungen wie Exportsteuern für Rohstoffe abschaffen und ausländische Direktinvestitionen ermöglichen.
Ökologische, soziale, politische sowie entwicklungspolitische Belange finden in dieser geostrategisch ausgerichteten Initiative der EU kaum Beachtung.

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Landraub gefährdet die Ernährungssicherung

Neben den bekannten Rohstoffen wie Öl, Diamanten oder Coltan ist seit einigen Jahren vor allem der fruchtbare Boden vieler afrikanischer Länder von verwertbarem Interesse für viele Staaten. Durch die wachsende Nachfrage nach Agrarprodukten sind Industrie- und Schwellenländern zunehmend an fruchtbaren Flächen in Afrika interessiert.

Die wachsende Nachfrage ist beispielsweise mit dem verschwenderischen Einsatz von Nahrungsmitteln für Agrartreibstoffe und einem steigendem Fleischkonsum, der wiederum die Nachfrage nach Futtermitteln erhöht hat, zu erklären. Viele Millionen Hektar Land haben sich ausländische Regierungen und Konzerne durch Kauf oder Pacht in den letzten Jahren in Subsahara-Afrika gesichert.

Auf diesem Land werden zunehmend Grundnahrungsmittel oder Energiepflanzen für die Nahrungs- und Energiesicherung der investierenden Länder angebaut. Durch diese Praxis werden bestehende Landrechte der Besitzer, beispielsweise Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, verletzt. Die Praxis des Landraubs gefährdet massiv die Ernährungssicherung der betroffen Menschen, da ihnen das Land nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung steht.

Zudem werden die verbleibenden Böden durch falsche Anbaumethoden verarmt oder zerstört oder aufgrund mangelnder Investitionen vernachlässigt.

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Potenziale liegen in der ländlichen Entwicklung

Der Umfang der Mittel und Programme für die Landwirtschaft ist in den vergangenen 20 Jahren ständig zurückgegangen.
Die Folgen davon spüren die Bauern in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara: In den vergangenen 25 Jahren sind die Einkommen in der Landwirtschaft in dieser Region im Schnitt um weniger als ein Prozent pro Jahr gewachsen. Das ist im weltweiten Vergleich die mit Abstand niedrigste Rate.

Potenziale, wie sie die kleinbäuerliche Landwirtschaft bietet, werden so nicht ausgeschöpft. Dabei machen bereits heute Millionen kleiner Subsistenzlandschaften und diversifizierter Kleinbetriebe den Großteil der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion aus. Zudem sichert die kleinbäuerliche Landwirtschaft langfristig mehr soziale Gerechtigkeit und schützt die natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft, Energie und die Vielfalt landwirtschaftlicher Nutzpflanzen.

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Ländliche Entwicklung kann Hungerkatastrophen verhindern

Auch die erschreckende Hungerkrise in Ostafrika 2011 ist im Kern auf die jahrzehntelange mangelnde Unterstützung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, den unzureichenden Zugang zu Land und die Übernutzung der Böden zurückzuführen. Wäre hier rechtzeitig gehandelt und bereits früher mehr investiert worden, hätte die Hungersnot vermieden werden können.