Äthiopien: Die tägliche Sorge um Wasser

Unsere Mitgliedsorganisation Menschen für Menschen unterstützt den Aufbau von Trinkwasserversorgungssystemen in Äthiopien.
Projektgebiet Dano_©Menschen für Menschen / Rainer Kwiotek

Äthiopien: Die tägliche Sorge um Wasser

Wenn ein Kind stirbt, sagen die Äthiopier, muss es nicht unbedingt von einem Priester beerdigt werden. Eine junge Seele, sagen die Leute, findet den Weg ins Paradies auch ohne Zeremonie.  Schließlich ist sie frei von Sünden. Die kleine Gitu wurde im Kreis ihrer engsten Familie auf einem Hügel vor der Stadt begraben. Als die Fieberkrämpfe, das Erbrechen und der Durchfall immer schlimmer wurden, brachte die Gifare, die Mutter, Gitu zur Gesundheitsstation. „Sie haben alles getan“, sagt Gifare. Vergeblich. Am zehnten Tag ihrer Krankheit starb Gitu. Sie wurde sechs Jahre alt.

Zwei Wasserstellen für 15.000 Einwohner

2016 wurde die Kleinstadt Seyo, rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Addis Abeba gelegen, von einer schweren Epidemie heimgesucht. Hunderte Menschen wurden mit Symptomen wie heftigem Fieber, Durchfall und Erbrechen zur Gesundheitsstation gebracht. „Die Wurzel des Problems ist die schlechte Wasserversorgung in dieser Stadt“, sagt Sintayehu Gowalu. Die Stadt, die er regiert, zählt 15.000 Einwohner – und zwei Wasserstellen. Beide wurden von unserer Mitgliedsorganisation Menschen für Menschen errichtet. Alle weiteren Quellfassungen und Brunnen in der Stadt sind versiegt. Und so bilden sich täglich lange Warteschlangen vor den wenigen Zapfhähnen, aus denen noch Wasser sprudelt. „Wenn sie zu lange warten müssen, weichen die Menschen auf Wasserstellen in der Umgebung aus“, sagt Sintayehu. Viele aber wollen sich den langen Marsch mit einem schweren Kanister auf dem Rücken ersparen und holen ihr Wasser am Fluss. Wo das Vieh säuft und die Autos gewaschen werden. Kurz: Wo das Wasser voller Keime ist. „Im Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Epidemie ausbricht.“

Aufbau von Trinkwasserversorgungssysteme

In Seyo setzt unsere Mitgliedsorganisation derzeit ein lokales Versorgungssystem um. Bis heute hat Menschen für Menschen in vier äthiopischen Kleinstädten Trinkwasserversorgungssysteme umgesetzt. Ungleich höher ist die Zahl der Brunnen mit Handpumpen und Quellfassungen, die die Stiftung gebaut hat: Bis Ende 2017 belief sich ihre Zahl auf 2.416. Im zersiedelten Äthiopien sorgen diese Wasserstellen noch in den entlegensten Gegenden für einen sicheren Zugang der Menschen zu Trinkwasser. Nach Möglichkeit werden sie zudem um Waschplätze, Duschkabinen, Tiertränken oder Nachtspeicher für die landwirtschaftliche Bewässerung ergänzt. Alle neuen Wasserstellen werden außerdem von Aufklärungsprogrammen zur Gesundheitspflege begleitet. In Seyo haben die Arbeiten vor Kurzem begonnen. Wenn sie beendet sind, werden die Einwohner nicht mehr stundenlang um ein paar Liter Wasser anstehen müssen. Niemand wird mehr viele Kilometer zur nächsten Wasserstelle gehen, niemand mehr seinen Wasserkanister im Fluss füllen müssen.

Mehr zu Wasser-Projekten von Menschen für Menschen erfahren Sie hier.

 

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