Äthiopien: Gesundheit macht Schule

Schmutziges Wasser, mangelnde Hygiene und schlechte medizinische Versorgung führen zur Verbreitung zahlreicher Krankheiten in Äthiopien. Vor allem Kinder sind betroffen. Um sie zu schützen, bietet unsere Mitgliedsorganisation Menschen für Menschen an Schulen Gesundheitsvorsorge und Hygiene-Trainings an.
Projektgebiet Dano_©Menschen für Menschen / Rainer Kwiotek

Äthiopien: Gesundheit macht Schule

Einmal im Monat steht Gesundheitsprävention auf dem Stundenplan in der Schule von Abu Dorani, nicht theoretisch, sondern ganz praktisch. So auch an diesem Freitag: Rund 500 Mädchen und Jungen stehen auf dem staubigen Schulhof aufgereiht wie Perlen an einer Kette. Auf Tischen haben Lehrer sowie Mitarbeiter unserer Mitgliedsorganisation Menschen für Menschen und der lokalen Gesundheitsbehörde die wirkungsvollsten Mittel gegen Krankheitserreger vorbereitet: Schüsseln mit sauberem Wasser und duftende Seifenstücke. Auf Zuruf treten die ersten Kinder vor, feuchten sich die Hände an, verteilen Seife darin und beginnen, sich die Gesichter gründlich einzuschäumen. Anschließend spülen sie die Seife mit Wasser ab und machen Platz für die nächsten Schüler.

Seife – ein Luxusprodukt

„Natürlich kennen die Kinder Wasser und Seife“, sagt Belay Chebud. Er ist Krankenpfleger bei Menschen für Menschen im Projektgebiet Dano. „Doch in vielen Familien spielt Hygiene keine große Rolle.“ Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Viele Familien sind sehr arm. Für sie ist Seife ein Luxusprodukt, auf das man eher verzichten kann, als etwa auf Getreide. Erst trinken und essen, waschen kann warten: Das ist nachvollziehbar – und gefährlich zugleich. Denn wo tägliche Hygiene-Rituale fehlen, haben Krankheitserreger leichtes Spiel. Wie etwa die Bakterien, die Trachom auslösen, eine in Äthiopien verbreitete, gefährliche Augenentzündung. Die Krankheitserreger werden durch direkten Kontakt, gemeinsam benutzte Gegenstände oder Fliegen übertragen. Die Entzündung, die sie am inneren Augenlid auslösen, ist von einem starken Juckreiz begleitet, schädigt die Hornhaut des Auges und kann unbehandelt zur Erblindung führen. „In dieser Gegend fehlt es an Brunnen und Quellfassungen“, sagt Belay. „Deshalb ist das Trachom weitverbreitet.“

Schulen bauen, Lernbedingungen verbessern

„Wer die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig verändern will, muss verschiedene Bereiche gleichzeitig anpacken“, sagt Demere Anno, Projektmanager in Dano. Beispiel Bildung: Noch in diesem Jahr will Menschen für Menschen mit dem Bau einer neuen Schule in Abu Dorani beginnen. Die dunklen, von Termiten und Sandflöhen befallenen Lehmhütten werden hellen, modernen Gebäuden aus Stein weichen. „Bessere Lernbedingungen verbessern das Bildungsniveau“ sagt Demere. Doch eine neue Schule allein nützt wenig, wenn die Kinder nicht lernen können, weil sie für die Familie Wasser holen oder krank im Bett liegen. Deshalb müssen parallel Brunnen gebaut und eine medizinische Versorgung organisiert werden.

Weniger Fehlzeiten dank Wurmtabletten

Rund 300 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Abu Dorani, im Projektgebiet Wogdi, baut Tegene Fentaw von Menschen für Menschen seine provisorische Ambulanz im Schatten eines Schulgebäudes auf. Ein paar Meter weiter haben sich rund 30 Mädchen und Jungen versammelt und beobachten jeden Handgriff von Tegene genau. Sie wissen längst, was jetzt passiert, schließlich kommt Tegene bereits seit drei Jahren alle sechs Monate hierher, in die Dorfschule von Abye Gurba. Tegene streift sich den weißen Kittel über, reißt den ersten Karton auf und zieht eine Schachtel hervor. Ein Kind nach dem anderen tritt vor, öffnet den Mund, schluckt zwei Tabletten, spült mit Wasser aus dem Kanister nach und schon ist die Prozedur vorbei. Wurmprophylaxe am Fließband, nur so kann Tegene alle versorgen. „Früher waren Wurmparasiten hier weitverbreitet“, erinnert sich Tegene. Vor allem der Spulwurm plagte die Menschen. Er gelangt über verunreinigte Lebensmittel und schmutziges Wasser in den Körper und nistet sich im Darm ein, wo seine Weibchen bis zu 200.000 Eier am Tag legen. Die Larven wandern über Leber, Herz, Lunge und Kehlkopf zurück in den Darm. Die Folgen reichen von Mangelerscheinungen und Müdigkeit bis hin zu Darmlähmungen und Koliken. „Die Parasiten waren dafür verantwortlich, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen konnten“, sagt Tegene. „Das ist vorbei, seit wir die Wurmprophylaxe durchführen.“ Das Ergebnis ist eindeutig: Die Schüler fehlen seltener, lernen mehr und schaffen ihren Schulabschluss.

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