Beistand für Kinder in Gefängnissen und Polizeigewahrsam

Kinder und Jugendliche in Togo, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten oder Opfer einer Straftat wurden, haben oft keinen Zugang zu Rechtschutz und einer Grundversorgung. Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e. V. hat in diesem Projekt die Umsetzung der Rechte dieser Kinder gefördert und sie bei der Wiedereingliederung unterstützt.

Beistand für Kinder in Gefängnissen und Polizeigewahrsam

Die Rechtssituation und die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, Opfer einer Straftat wurden, vernachlässigt oder gefährdet sind, haben sich dank des Einsatzes unserer Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e. V. zusammen mit dem lokalen Projektpartner CREUSET-Togo in der Zentralregion sowie in der Region Kara in Togo verbessert.

Ausgangssituation

Togo hat bereits im Jahr 2007 ein modernes Kinderschutzgesetz verabschiedet. Leider wurden bis zum heutigen Zeitpunkt die meisten der für die Umsetzung notwendigen Durchführungsverordnungen nicht erlassen. Nur sehr wenige Vertreter von Polizei, Justiz und Strafvollzug in den Projektregionen kennen zudem die neuen Vorschriften.

Kinder und Jugendliche in Togo werden in der Regel zusammen mit Erwachsenen inhaftiert. So sind sie den gewaltsamen oder sexuellen Übergriffen der erwachsenen Mithäftlinge meist hilflos ausgeliefert. Die Haftzellen sind häufig überfüllt, schlecht belüftet, haben kaum Tageslicht und verfügen selten über angemessene Sanitäranlagen. Ausreichende Verpflegung, medizinische Grundversorgung, psychosoziale Betreuung sowie Bildungs- und Freizeitangebote für die Kinder und Jugendlichen in Haft fehlen.

Unter Missachtung des Schutzes ihrer Identität sowie ohne Rechtsbeistand werden Minderjährige nach oft langen Wartezeiten in öffentlichen Verhandlungen zu unverhältnismäßig hohen Haftstrafen verurteilt. Die bestehenden Vorurteile in der Bevölkerung tragen schließlich dazu bei, dass die Kinder und Jugendlichen nach ihrer Haftentlassung im sozialen Leben nicht oder nur sehr schwer wieder Fuß fassen können.

Ähnlich prekär stellt sich auch die Situation der Kinder dar, die Opfer einer Straftat wurden, vernachlässigt oder gefährdet sind. In der Regel werden diese Kinder von der Polizei, bei der sie „stranden“, an staatliche Sozialdienste überstellt. Diese sind aufgrund fehlender Kompetenzen und Finanzmittel mit ihrer Betreuung, Rehabilitierung sowie sozialen Wiedereingliederung jedoch oft überfordert.

Projektziel

Das Projekt von Kinderrechte Afrika e. V. förderte die Umsetzung der Rechte dieser Kinder und Jugendlichen. Sie erhielten Zugang zu Rechtsschutz und -beistand sowie anderen Diensten der Grundversorgung. Außerdem wurden sie bei ihrer sozialen, familiären, schulischen und beruflichen Wiedereingliederung unterstützt. So wurden Jugendlichen beispielsweise nach ihren Gefängnisaufenthalten Ausbildungsplätze vermittelt (s. Foto). Dadurch bekamen sie eine Perspektive und mussten sich nicht mehr auf der Straße durchschlagen, wo sie in Versuchung geraten, zu stehlen, um zu überleben. In den Ausbildungen wurden die Jugendlichen dann regelmäßig besucht und betreut, um unter anderem den Ausbildungsfortschritt nachzuverfolgen.

Weitere Maßnahmen stärkten das Jugendgerichtssystem in Togo, indem staatliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Initiativen professionalisiert bzw. mobilisiert wurden. Dabei wurden außergerichtliche Streitschlichtung und Haftalternativen, Opferschutz sowie ein auf Resozialisierung und Rehabilitierung ausgerichteter Strafvollzug ausgebaut. Ein besonderer Fokus lag auf dem Schutz und der Rehabilitierung von Kindern, die als Hexen verfolgt wurden.

Mahoumbas Geschichte:

„Ich heisse Mahoumba, ich bin 11 Jahre alt. Mein Vater hat mir gesagt, dass meine Mutter nach Ghana verreist ist und dass sie mit vielen Geschenken zurückkommen wird. Ich habe lange gewartet. Sie ist nie gekommen.

Eines Tages hat mein Vater mir gesagt, dass ich bei einer Nachbarin bleiben muss, weil er nach Sokodé geht. Ich musste mit ihren anderen Kindern auf das Feld gehen. Aber ich konnte nicht so arbeiten wie sie. Die Nachbarin hat mit mir geschimpft und mich geschlagen. Manchmal hat sie mir nichts zu essen gegeben. Weil ich Hunger hatte, bin ich auf den Markt in einem Nachbarsdorf gegangen. Ich habe heruntergefallenes Essen eingesammelt. Abends hat mich ein Mann zum Dorfchef gebracht. Der Chef hat gesagt, dass ich bei ihm bleiben darf, um die Schule zu besuchen. Ich war gut in der Schule. Nach ein paar Wochen hat mir der Chef gesagt, dass ich gehen muss. Er sagte, dass er kein Geld habe. Ich weinte, ich wusste nicht, wohin ich gehen soll.

Ich habe mich in die Stadt nach Bassar aufgemacht. Ich bin lange auf der großen Straße gelaufen, aber es war noch weit. Ich hatte sehr viel Angst, weil ich niemanden auf der Straße sah. In Bassar habe ich einem Mann die Fotos von meinem Vater und meiner Mutter gezeigt. Er hat mir den Weg zur Polizei gewiesen. Die haben bei CREUSET angerufen und dann ist einer von ihnen gekommen und hat mich mitgenommen. Sie haben eine Pflegefamilie für mich gefunden. Sie behandeln mich gut. Ich gehe wieder zur Schule und ich bin sehr glücklich.“

 

Dieses Projekt ist abgeschlossen. Weitere aktuelle Projekte von Kinderrechte Afrika e.V. finden Sie hier.

 

Foto: Maßnahme zur Wiedereingliederung: Jugendlicher in Ausbildung. Copyright: Luise Hoffmann/Kinderrechte Afrika e. V.