Benin: Förderung eines schützenden familiären Umfeldes für Kinder

Bei ihrer Arbeit mit Kindern in Notsituationen und deren familiären Wiedereingliederung haben Sozialarbeiter(innen) im Benin festgestellt, dass schwerwiegende Trennungskonflikte zwischen Eltern oft ursächlich für die Notsituation der Kinder sind.

Benin: Förderung eines schützenden familiären Umfeldes für Kinder

Jedes vierte Kind in Benin lebt derzeit nicht bei beiden Eltern, auch wenn diese am Leben sind, sondern oft bei einem Elternteil und der Stieffamilie. Konflikte zwischen sich trennenden Eltern sind dabei teilweise so gewalttätig, dass die Kinder, die diese miterleben, traumatisiert werden und von Zuhause weglaufen. Ohne Schutz und familiären Halt finden sie sich auf der Straße wieder, wo sie leicht Opfer von Missbrauch, Entführung, Freiheitsberaubung, Frühschwangerschaften oder Früh- und Zwangsehe werden. Viele von ihnen arbeiten auf den Märkten, wobei sie von ihren Arbeitgeber(inne)n oft ausgebeutet werden. Ein Großteil der Kinder, die auf den Märkten im Departement Ouémé arbeiten, ist unter 14 Jahre alt, viele sogar unter 10. Auffällig ist der hohe Anteil an Mädchen (knapp 80%). Diese Kinder tragen ein hohes Risiko, körperliche und psychische Langzeitschäden von der schweren Arbeit davon zu tragen.

Die kritische Situation der Kinder, die ein strukturelles Ausmaß annimmt, hat ESGB und unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e. V. alarmiert und dazu bewegt, sich in dieser Problematik zu engagieren. In diesem Projekt werden Kinder, die in Not geraten sind, medizinisch versorgt, psychosozial begleitet und bei ihrer familiären und schulischen oder beruflichen Wiedereingliederung mit Starthilfen unterstützt. Zudem bietet ESGB Familienmediationen an, die verhindern sollen, dass Kinder aufgrund elterlicher Konflikte in Not geraten.

Laure, 13 Jahre, benachteiligt und misshandelt.

Laure* wuchs bei ihrem Vater auf, seit sich ihre Eltern vor langer Zeit getrennt haben. Die Stiefmutter jedoch behandelte Laure schlecht und schlug sie oft mit Riemen oder Stöcken. Bei ihrer Mutter konnte sie ab und an Schutz suchen, doch als diese plötzlich starb, nahm das Laure schwer mit. Sie verhielt sich oft wie ein kleines Kind, weinte viel und war ab und an trotzig. Ihre Stiefmutter hatte wenig Verständnis, glaubte gar Laure sei eine Hexe und hätte ihre Mutter getötet. Sie misshandelte das Mädchen, verweigert ihr schließlich den Schulbesuch und ließ sie zu Hause wie eine Dienstmagd schuften. Mit Wunden und einem geschwollenen Auge floh Laure vor weiteren Prügeln. Als sie nachts am Straßenrand schlief, wurde ESGB auf sie aufmerksam und versuchte zu vermitteln.
Das Mädchen wollte die Familie verlassen und zu ihrem Onkel ziehen. Doch auch dort kam es zum Streit. Laure wurde darauf im Kinderschutzzentrum La Passerelle aufgenommen, wo die Psychologin intensiv mit ihr arbeitete. Sie lernte im Zentrum, welche Rechte sie hat und wo sie Unterstützung finden kann. Sie musste allerdings auch verstehen, dass sie Verantwortlichkeiten in der Familie und gegenüber ihren kleinen Geschwistern hat.Gleichzeitig begann eine Mediation in der Familie, um diese auf Laures Rückkehr und das künftige Zusammenleben vorzubereiten. Bereits nach 10 Tagen kehrte Laure auf eigenen Wunsch zu ihrem Vater zurück. Laure und ihre Familie werden weiter begleitet, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen und zu festigen.

Mehr Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.

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