Hilfe für Vergewaltigungskinder in der DR Kongo

23.08.2016: In der Demokratischen Republik Kongo sichert unsere Mitgliedsorganisation ChildFund Kindern von Vergewaltigungsopfern Ernährung, Unterkunft, Integration in Familien und soziale Rehabilitation.

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Hilfe für Vergewaltigungskinder in der DR Kongo

Hintergrund: “Afrikas Weltkrieg“ in der DR Kongo

Seit 20 Jahren herrscht im Ost-Kongo Krieg, der sich auch gegen die Zivilbevölkerung richtet. Das Versagen des Staates und der Griff der Nachbarstaaten nach den Schätzen des Landes, wie Gold, Diamanten, Kupfer oder dem für die Halbleiterindustrie wichtigen Erz Coltan, haben einen Dauerkrieg verursacht, der ganze Landstriche verwüstet und entvölkert hat.

„Afrikas Weltkrieg“ hat die meisten Todesopfer seit 1945 gefordert; Dutzende Seiten sind darin verstrickt. Besonders perfide: Alle Seiten setzen Vergewaltigungen als Waffe ein. Zehntausende Frauen, Mädchen und auch Männer wurden vergewaltigt: ob im Gewaltrausch, aus Rache oder zur Zerstörung sozialer Strukturen. Was bleibt, sind Scham, soziale Ächtung und zerstörte Familien. Und Vergewaltigungskinder, deren Zahl keiner kennt. Sie werden verstoßen, leben außerhalb der Gesellschaft, sind nicht registriert und gehen nicht zur Schule.

Vergewaltigungskinder erinnern die Menschen jeden Tag an etwas, das man vergessen möchte, sie sind zur Verkörperung des Traumas geworden. Ihren Müttern fällt es schwer, eine liebevolle Beziehung zu den Kindern aufzubauen, denn diese stehen für die Erniedrigung, die sie erleiden mussten, und verstärken die Ablehnung, die sie durch ihr Umfeld erfahren. Wie soll ein Mann einen Jungen akzeptieren, ihm vielleicht gar seinen Namen geben, dessen leiblicher Vater seiner Familie Leid angetan hat? Die Tragik dabei: Kinder, die niemals Liebe und Bestätigung erfahren haben, sind die Rebellen und Kriminellen von morgen.

ChildFund unterstützt Vergewaltigungskinder

ChildFund setzt sich dafür ein, die Stigmatisierung und Ausgrenzung der Kinder zu überwinden und sie in die Gesellschaft zu integrieren – durch behördliche Registrierung, Zugang zu medizinischer Versorgung, einen geregelten Schulbesuch. Ziel ist die Rückkehr zu ihren Familien. TherapeutInnen und SozialarbeiterInnen begleiten die gegenseitige Annäherung, sprechen mit den Familien und auf Dorfversammlungen.

Das Kanyola Projekt

In Kanyola, einem Ort nahe Bukavu, der gleich mehrfach Ziel von brutalen Überfällen war, kann mit der Hilfe von ChildFund insgesamt 57 dieser Kinder geholfen werden. Derzeit leben sie unter der Obhut einer mutigen Frau, deren Familie ermordet und die selbst vergewaltigt wurde.

„Als wir die Kinder fanden, waren viele unterernährt oder krank; es fehlte einfach an allem. Sofort haben wir Nahrung, Betten, Kleidung, Medikamente und einen Arzt organisiert. Die schlimmste Not konnten wir lindern.“ (ChildFund)

Doch die Kinder brauchen viel mehr als ein Bett und etwas zu essen: Sie brauchen eine echte Chance. Diese bekommen sie durch psychologische Hilfe, ein liebevolles Umfeld, Schulbildung – und vor allem sozialen Anschluss, angefangen bei der Reintegration in ihre Familien.

Durch Versöhnung mit der Vergangenheit Frieden schaffen

Stigmatisierung und Ausgrenzung bereiten den Boden für Gewalt – dies gilt es bei jeglicher Friedensarbeit in der DR Kongo zu vermitteln. Es gibt keine einfachen Lösungen, um die physischen und seelischen Wunden, die der Krieg geschlagen hat, zu heilen. Das gilt auch für den Weg, den ChildFund zusammen mit den Menschen gestalten will. Doch es ist der einzige, der wirklich hilft, sie mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen und echten Frieden zu ermöglichen.

Foto: Kinder, die aus einer Vergewaltigung stammen, tragen eine schwere Bürde. Doch sie sind unschuldig! Dies zu verstehen ist der erste Schritt zur Versöhnung.

© ChildFund