Beiträge

Corona: Bildungskrise durch Schulschließungen

Vor der Corona-Pandemie gingen bereits 258 Millionen Kinder weltweit nicht zur Schule. Durch Schulschließungen und fehlendem Zugang zu Fernunterricht hatten in den vergangenen Monaten 463 Millionen Kinder keine Möglichkeit zu lernen.

Weitersagen

Corona: Bildungskrise durch Schulschließungen

Laut UNICEF waren 1,5 Milliarden Kinder auf der Welt während der Corona-Pandemie von Schulschließungen betroffen. Mindestens jedes Dritte dieser Kinder hatten keine Möglichkeit ihre Schulbildung durch Fernunterricht zuhause fortzusetzen. Das sind mindestens 463 Millionen Kinder. Monatelang hatten diese Kinder keine Lernmöglichkeiten. Die UN warnen vor diesem Hintergrund vor einer globalen Bildungskrise. Die Folgen könnten, laut UNICEF Exekutivdirektorin Henrietta Fore, noch Jahrzehnte lang in Wirtschaft und Gesellschaft bemerkbar sein.

Afrika ist besonders stark betroffen

Der Bericht „The Remote Learning Reachability” zeigt die Herausforderungen und tiefen Ungleichheiten beim Zugang zu alternativen Lernmöglichkeiten auf. UNICEF prüfte die Verfügbarkeit von verschiedenen Fernbildungsangeboten in 100 Ländern. Untersucht wurden die technologischen Voraussetzungen und die Anwendungen, die für den Unterricht von Zuhause benötigt werden. Der Zugang zu sowie die Verfügbarkeit von Schulmaterialien in Online-Kursen und Bildungssendungen in Radio und Fernsehen wurden analysiert. 

Die Ergebnisse zeigen starke Unterschiede zwischen Regionen. Kinder in Subsahara-Afrika sind am stärksten betroffen: 49 Prozent der der Schulkinder dort hatten Zuhause keinen Zugang zu Unterrichtsmaterialien. Im Vergleich sind in Südasien 38 Prozent und in Osteuropa und Zentralasien 34 Prozent der Schulkinder betroffen. Die meisten Kinder haben in Lateinamerika und in der Karibik Zugriff auf Fernbildungsangebote, hier konnten 91% die Angebote nutzen. Die meisten der Kinder ohne alternative Lernmöglichkeiten leben in ländlichen Gegenden, in armen Haushalten ohne Internetverbindung oder Stromversorgung.  

Situation noch schlimmer als befürchtet

Die Zahlen sind bereits alarmierend, doch geht UNICEF davon aus, das die Realität noch schlimmer ist. Denn selbst wenn Kinder den Zugang zu Radio, Fernsehen oder sogar einem Computer mit Internetverbindung haben, kommen andere Störfaktoren hinzu: Viele Kinder müssen im Haushalt helfen, werden zur Arbeit gezwungen oder leben in einer Umgebung, in der es zu laut und unruhig ist, um sich zu konzentrieren. 

In nur sechs der 29 Länder in Afrika südlich der Sahara sind die Schulen inzwischen wieder ganz geöffnet. Einige Länder haben beschlossen, die Schulen erst ab Januar 2021 wieder zu öffnen. Es wird damit gerechnet, dass 25 Prozent aller Kinder nach den Schließungen nicht ins Klassenzimmer zurückkehren. Die Bildungswege einer ganzen Generation sind in Gefahr.

Die Verluste durch Schulschließungen gehen auch weit über das Lernen hinaus. In der Schule bekommen auch viele Kinder ihre einzige warme Mahlzeit am Tag. Sie haben erwachsene Ansprechpersonen und ein wichtiges stützendes soziales Netzwerk. Die Schule bietet gerade für Mädchen Schutz vor sexueller Gewalt, Frühverheiratung und Schwangerschaften, von denen derzeit wieder vermehrt Schülerinnen betroffen sind. 

Forderungen von UNICEF und der WHO

UNICEF und die WHO fordern nun die afrikanischen Regierungen auf, die sichere Wiedereröffnung von Schulen zu fördern und gleichzeitig Maßnahmen zur Begrenzung der Verbreitung des Virus zu ergreifen. Wenn Geschäfte wieder geöffnet werden können, sollten auch Schulen wieder öffnen. Es ist wichtig die Sicherheit von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften zu gewährleisten. Dazu sollten Sicherheitsmaßnahmen wie Abstandsregelungen streng befolgt werden.

Falls eine Wiedereröffnung nicht möglich ist, sollten die Regierungen an Alternativen für Schülerinnen und Schüler arbeiten. Bei der Anpassung der Bildungssysteme müsse insbesondere an ohnehin marginalisierte Kinder gedacht werden. Schulsysteme sollten außerdem für weitere Krisen gewappnet sein, so UNICEF.

Quellen:

‚Education emergency‘ as third of world’s children lack remote learning‚ –  Nita Bhalla, news.trust.org, 27.08.2020 

COVID-19: JEDES DRITTE SCHULKIND HATTE KEINEN ZUGANG ZU FERNUNTERRICHT– UNICEF, 27.08.2020

Corona-Schließungen in Kenia: Droht eine verlorene Generation?‚– Berliner Zeitung, 31.08.2020

Helden gegen COVID-19 im August

Das nigerianische Unternehmen "KeMaTim Concepts" entwickelte, anlässlich der aktuellen Corona-Pandemie, ein vollautomatisches Handwaschsystem.

Weitersagen

Helden gegen COVID-19 im August

Auf der Webseite theAfricanDream.net werden die „Heldinnen und Helden von COVID-19“ gekürt. Einzelpersonen oder Organisationen, die sich mit ihren Aktionen für andere stark machen, werden geehrt.

Im August 2020 wird das Unternehmen „KeMaTim Concepts“ gefeiert, welches die Zwillingsbrüder Marvelous Taye Ayodele und Innocent Kehinde Ayodele gegründet haben. Das nigerianische Unternehmen entwickelt und produziert innovative Technologien.

Vollautomatisches Handwaschgerät

Das Unternehmen entwickelte als Antwort auf die andauernde Corona-Pandemie ein vollautomatisiertes, mobiles Handwaschgerät. Beim Händewaschen mit diesem Gerät muss man weder den Wasserhahn, den Seifenspender oder den Desinfektionsspender berühren. Dadurch verringert sich die Übertragungswahrscheinlichkeit von Viren erheblich.

Heldenhafter Einsatz

Wirklich heldenhaft wurde diese Innovation allerdings erst, als sich das Unternehmen dazu entschied, ihr Pionierprodukt an die „Presidental Task Force“ gegen COVID-19 zu spenden. Das Handwaschgerät soll nun in der geschäftigen Hauptstadt von Nigeria, Abuja, zum Einsatz kommen.

Das aufstrebende Technologieunternehmen engagiert sich so in der Corona-Pandemie für die Gesundheit der Menschen und setzt damit ein Zeichen der Solidarität.

Innovative Jugend Nigerias

Innocent Ayodele erklärte außerdem, dass sie mit dem Gerät und der Spende Aufmerksamkeit auf die innovative Jugend Nigerias lenken wollen. Afrika sei voller junger Frauen und Männer mit großartigen Talenten, großer Leidenschaft und viel Potential, welches mit den richtigen Ressourcen gefördert werden könne, so Ayodole.



Weitere Informationen:

Ofori, O. / theAfricanDream.net Heroes of COVID-19: Kematim Concepts Donates Pioneer Nigeria Made Automated Handwash Device

Corona Update: Infektionszahlen in Afrika steigen weiter an

Die frühzeitigen Vorsichtsmaßnahmen in vielen Ländern Afrikas, haben die Ausbreitung des Virus verzögert. Doch ist die Zahl der Neuinfektionen auf dem afrikanischen Kontinent inzwischen höher als die in Europa.

Weitersagen

Corona Update: Infektionszahlen in Afrika steigen weiter an

In Afrika könnte nun die kritische Phase der Pandemie beginnen meint Michael Ryan, Nothilfekoordinator der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Afrika verzeichnet zurzeit um die 20.000 Neuinfektionen täglich – mehr als in Europa und doppelt so viele wie im letzten Monat. Das Virus hat sich nun auch auf alle 55 Ländern des Kontinents ausgebreitet.

Sterberate in Afrika

Am stärksten betroffen ist Südafrika, das Land verzeichnete bisher nun mehr als eine halbe Millionen Infektionen und 8153 Tote. In Afrika insgesamt sind 20.444 Menschen (Stand 04.08.2020) in Folge von einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Sterberate ist in afrikanischen Ländern geringer als in Europa, zurückzuführen ist dies vermutlich auf das geringe Durchschnittsalter von 19,5 Jahren (zum Vergleich in Europa: 43 Jahren). Aufgrund weniger Testungen als in europäischen Ländern sind die Zahlen allerdings auch weniger aussagekräftig. In Südafrika war beispielsweise die Sterblichkeitsrate zwischen dem 6. Mai und dem 14. Juli um 59% höher als im Vorjahr, was auf eine höhere Zahl von tatsächlichen Covid-19-Opfern hinweist. 

Unzureichende Versorgung

Viele Länder Afrikas haben für zusätzliche Krankenhausbetten gesorgt, Beatmungsgeräte gekauft, Sensibilisierungskampagnen durchgeführt und Warnsysteme aufgebaut um sich auf die Ausbreitung des Virus vorzubereiten. Trotzdem bleibt zu befürchten, dass viele Länder Afrikas eher schlecht auf eine Pandemie vorbereitet sind, da viele Gesundheitssysteme unterfinanziert sind. Krankenhäuser vieler Staaten Afrikas fehlt es an medizinischer Schutzausrüstung, weshalb sich bereits über 10.000 Ärztinnen und Ärzte und Krankenpflegerinnen und -pfleger angesteckt haben.

Folgen des Lockdown

Viele Länder Afrikas haben verhältnismäßig früh einen nationalen Lockdown ausgerufen und den Flugverkehr unterbrochen, doch die meisten Länder lockern nun trotz steigender Neuinfektionen die Schutzmaßnahmen wieder. Noch schlimmer als die Angst vor dem Virus ist für die allermeisten Menschen die Sorge um das tägliche Überleben. 85% der in Afrika lebenden Menschen arbeiten laut ILO (2018) im informellen Sektor. Ein Lockdown bedeutete für diese Menschen den Wegfall all ihrer Einnahmen und Armut und Hunger als Folge. Die Gewalt an Frauen und Mädchen stieg an und Schulschließungen brachten vielfältige Herausforderungen mit sich.

Unsere Mitgliedsorganisationen sind vor Ort

Vielerorts sind die Menschen auf eine gesundheitliche Versorgung von internationalen Hilfsorganisationen angewiesen. Auch unsere Mitgliedsorganisationen sind unter diesen erschwerten Bedingungen weiterhin vor Ort und leisten wichtige Beiträge zur gesundheitlichen Versorgung Afrikas. Das ist in der aktuellen Krise wichtiger denn je! ADRA Deutschland beispielsweise unterstützt mit Spenden die Beschaffung von medizinisch-hygienischen Hilfsgütern in Krisengebieten und action medeor unterstützt den Versand von Medikamenten weltweit. Die Stiftung Menschen für Menschen leistet mit ihren Hygieneprojekten in Äthiopien einen wichtigen Beitrag bei der Eindämmung von Infektionen.

Rund um die Uhr arbeiten unsere Mitgliedsorganisationen nicht nur daran, die Ansteckungsgefahr zu verringern, sondern auch den Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Ernährungssituation entgegenzuwirken. Sie verteilen unter anderem Lebensmittelpakete, ermöglichen E-Learning-Kurse, nehmen Straßenkinder auf und erhöhen die Angebote für Hilfe bei geschlechtsspezifischer Gewalt.

Um unsere Mitgliedsorganisationen auch weiterhin mit Spenden zu unterstützen, bitten wir Sie in dieser schwierigen Situation, Ihren Blick für die humanitäre Lage über die eigenen Grenzen hinaus nicht zu verlieren und sich solidarisch zu zeigen, soweit es Ihnen möglich ist.

Helfen Sie mit einer Spende. Wenn wir alle zusammen stehen, werden wir diese Krise gemeinsam überwinden!

Welttag für den Kompetenzerwerb junger Menschen

Gute Bildung ist der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und zu nachhaltiger Entwicklung weltweit. Darauf will die UNESCO am 15. Juli aufmerksam machen - dem Welttag für den Kompetenzerwerb junger Menschen. Schulschließungen während der Covid-19-Pandemie stellen das Bildungswesen in afrikanischen Ländern vor besondere Herausforderungen.

Weitersagen

Welttag für den Kompetenzerwerb junger Menschen

Afrika ist demographisch der jüngste Kontinent der Erde. Fast 20 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner kommen laut BMZ* jedes Jahr neu auf den afrikanischen Arbeitsmarkt. 2030 werden fast ein Drittel aller jungen Arbeitskräfte weltweit aus Afrika stammen. Um einen guten Job finden und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, ist eine gute Aus- und Weiterbildung besonders wichtig.

Mangelnde digitale Infrastruktur als Hürde

Während der andauernden Covid-19-Pandemie können 1,2 Milliarden Kinder auf der Welt nicht zur Schule gehen, allein in Afrika sind es 297 Millionen. Im Gegensatz zum globalen Norden ist es in Ländern Afrikas oftmals nicht so einfach auf Homeschooling [Hausunterricht] umzusteigen.

Die digitale Bildung in Afrika boomt: 2019 gab es 200 Start-Ups im E-Learning-Bereich. An innovativen Ideen fehlt es also nicht. Allerdings an Ausrüstung, laut UNESCO haben 89% der Schülerinnen und Schüler in afrikanischen Ländern südlich der Sahara keinen Zugang zu einem Computer und 82% keinen Zugang zum Internet. Der Gebrauch digitaler Medien nimmt zu, doch für die Umstellung auf Online-Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler reicht es somit bei Weitem nicht. Damit sie dennoch an Online-Kursen teilnehmen konnten, brachten einige Eltern ihre Kinder in Internet-Cafés. Diese waren aber oft überfüllt und bargen so ein hohes Ansteckungsrisiko.

Rückgriff auf Fernsehen und Radio

Einige afrikanische Länder setzen auf traditionelle Medien: Im Fernsehen werden beispielsweise Bildungsprogramme für die Grundschule und auch für die Sekundarstufe 1 und 2 zum Teil schon seit Jahrzehnten ausgestrahlt. Diese Technik hat zum Vorteil, dass mehrere Familien darauf zugreifen können und sich Familien nicht erst in Online-Angebote einarbeiten müssen. Aber auch bei dieser Möglichkeit zeigen sich Schwierigkeiten. Nur 42% aller Haushalte (102 Millionen) in Afrika südlich der Sahara besitzen einen Fernseher.

Die zugänglichste Technologie stellt immer noch das Radio dar, in 80 bis 90% der Haushalte in Ländern Afrikas südlich der Sahara ist es vorhanden. In vielen dieser Länder laufen Bildungssendungen deshalb auf dem weitverbreiteten Rundfunkgerät. Auch hier gibt es Sendungen für verschiedene Altersgruppen und verschiedene Fächer. Beim Radio gibt es zwar keine visuelle Unterstützung der Lerninhalte, mit Aufgaben und Spielen kann die Aufmerksamkeit der Zuhörenden dennoch erfolgreich geweckt werden.

Lernen über SMS

Eine weitere Methode stellt ein SMS-System dar, welches in Kenia entwickelt wurde: Eneza Education. Schon seit 2011 stellt das Unternehmen Lerninhalte, Frage-Antwort-Spiele, den Zugang zu einer Enzyklopädie und vieles mehr über den SMS-Service bereit. Eigentlich kostet das Eneza Education Paket 20 US-Dollar pro Jahr, während Corona stellten sie ihren Dienst aber kostenlos zur Verfügung.

Mit diesen vielfältigen Möglichkeiten wird versucht, das Lernen während der herausfordernden Covid-19-Pandemie in afrikanischen Ländern aufrecht zu erhalten und den Kompetenzerwerb junger Menschen zu fördern. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierungen weiter in digitale Bildung investieren, aber auch dass die Schulen bald wieder öffnen können, denn eine lange Unterbrechung des Lernens kann die Jobaussichten und eine sicherere Zukunft für Jugendliche gefährden.

Weitere Informationen

Da Silva, I. / TRT World (2020) Covid-19 reveals digital divide as Africa struggles with distance learning

Burns, M. / Global Partnership for Education (2020) School, interrupted: 4 options for distance education to continue teaching during COVID-19

Kuwonu, F. / Africa Renewal (2020) Radio lessons: In Africa schools are closed, but learning goes on

__

*Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Recycling gegen Corona: Takataka Plastics

Das innovative Projekt aus Uganda hilft nicht nur der Verschmutzung durch Plastikmüll entgegen zu wirken und traumatisierten Menschen eine Arbeit zu ermöglichen – Takataka Plastics stellt seit April 2020 auch Schutzvisiere für medizinisches Personal aus Plastikmüll her.

Weitersagen

Recycling gegen Corona: Takataka Plastics

In Uganda werden pro Tag 600 Tonnen Plastikmüll generiert, nur 50 % davon können eingesammelt werden. In der Stadt Gulu sind es sogar nur 20 %. Der Plastikmüll wird größtenteils verbrannt, da der nächste Recyclinghof ganze sechs Stunden Autofahrt entfernt ist. Bei der Verbrennung von Plastikmüll entsteht Kohlenstoffdioxid und das für Menschen und Tiere hochgiftige Kohlenstoffmonoxid.

Die Idee hinter Takataka Plastics

Das Pilotprojekt Takataka Plastics (Takataka heißt „Müll“ auf Suaheli) hat 2019 eine Lösung für dieses Problem gefunden: Es recycelt Plastik in einem lokalen Betrieb zu verkäuflichen Bauteilen weiter. Gründerin Paige Balcom und Gründer Peter Okwoko wollen sich für die Menschen und die Umwelt in Uganda einsetzen. Paige Balcom promoviert als Maschinenbaustudentin an der University of California, Peter Okwoko ist Gründer von zwei weiteren gemeinnützigen Organisationen in Gulu (AfriGreen Sustain und Hashtag Gulu).

Takataka Plastics entwickelte Maschinen, die Plastikmüll zu kleinen Flocken schreddern und einschmelzen – ohne dass giftige Gas entstehen. Die Flüssigkeit kann dann in eine gewünschte Form gegossen werden und ein neues Produkt entsteht. Hauptsächlich wurden so Plastikkacheln  produziert. Diese sind im Hausbau für Boden und Wände geeignet und im Gegensatz zu Keramikkacheln günstiger und stabiler. Der Plastikmüll auf Gulus Straßen wird eingesammelt und verarbeitet. Außerdem will das Projekt Arbeitsplätze für obdachlosen und traumatisierten Menschen schaffen.

Takataka hilft gegen Corona

Seit April 2020 werden anlässlich der Covid-19-Pandemie nun statt Plastikkacheln Schutzvisiere für das medizinische Personal in Gulus Krankenhäusern hergestellt. Takataka Plastics stellt 400 Schutzvisiere pro Tag für einen Preis von 25 Cent pro Stück her.

Ziele von Takataka Plastics

Finanziert wurde das Projekt bis jetzt über Fördergelder der Berkeley Universität sowie private Spenden. Das Ziel von Takataka Plastics ist es, bald 50 % des Plastikmülls in Gulu zu recyceln und 30 neue Mitarbeitende einzustellen. Auf lange Sicht wollen sie ihr Projekt in andere Städte und möglicherweise sogar Länder expandieren.

Weitere Informationen unter:

Berkeley News (10.04.2020): https://news.berkeley.edu/2020/04/10/student-in-uganda-creates-face-shields-for-covid-19-medical-responders-using-recycled-plastic/

Webseite von Takataka Plastics: https://www.takatakaplastics.com/

Brillante afrikanische Innovationen gegen Covid-19

Die Corona-Pandemie stellt die ganze Welt vor schwierige Herausforderungen, überall werden deshalb innovative Lösungen gesucht. Einige spannende Innovationen wurden beim „Brilliant African Innovations Against COVID-19“- Contest mit Preisen ausgezeichnet.

Weitersagen

Symbolbild: Idee

Brillante afrikanische Innovationen gegen Covid-19

Am 28. Mai 2020 wurde der „Brilliant African Innovations Against COVID-19“- Contest veranstaltet und drei Preise vergeben. Der Contest wurde von Africa.com organisiert. Die Jury bestand aus Juliet Ehimuan, Direktorin von West Africa-Google; Andile Ngcaba, Gründungspartner und Vorsitzender von Convergence Partners; Eric Osiakwan, Geschäftsführender Gesellschafter von Chanzo Capital; und Adrian Vermooten, Leiter der Abteilung Digitale Innovation der Standard Bank. Die beste Innovation wurde mit 75% Stimmanteil von einer Jury aus Geschäftsleuten und mit 25% Stimmanteil von 2000 Zuschauerinnen und Zuschauern gewählt. Die Gewinnenden erhielten Preisgelder, Mentorenprogramme und ein Mediapaket von Africa.com.

Corona-Schnell-Test mit kombinierbarer App

Den ersten Platz erhielt Laud Basing, Gründer von Incas Diagnostics aus Ghana. Sein Unternehmen entwickelte einen Covid-19 Test, der sehr schnell Ergebnisse liefert und mit einer App kombinierbar ist. Diese übermittelt Symptome, Testergebnisse und den Standort der Anwendenden an Gesundheitsbehörden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewerbungsvideo von Laud Basing (auf Englisch)

Erst planen, dann fahren: Epesi Trip Planner

Den zweiten Platz belegte Mary Mwangi, Gründerin von Data Integradet aus Kenia, für ihre App „Epesi Trip Planner“. Mit Hilfe dieser App lassen sich Tuk-Tuk-Fahrten, im Voraus online buchen und bezahlen. Tuk-Tuks sind Autorikschas, die in Kenia als öffentliches Verkehrsmittel dienen. Dies wirkt überfüllten Bussen und dem Kontakt mit Bargeld entgegen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewerbungsvideo von Mary Mwangi (auf Englisch)

Digitale Antworten statt langen Warteschleifen dank Wellvis

Dr. Wale Adeosun aus Nigeria erhielt den dritten Platz. Er entwickelte Wellvis, ein Programm welches Menschen dabei hilft, ihr Risiko an Covid-19 zu erkranken einzuschätzen und auf Grundlage dessen Tipps zum weiteren Vorgehen gibt. Das hilft dabei, unnötige Anrufe und Besuche in überlasteten Kliniken oder Arztpraxen zu vermeiden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewerbungsvideo von Dr. Wale Adeosun (auf Englisch)

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels Meet the Winners of Africa.com’s Brilliant African Innovations Against COVID-19 Competition von africanews.com, welcher am 28.05.2020 veröffentlicht wurde.

Corona-Songs: Sound der Krise

Während der Corona-Krise nutzen viele afrikanische Interpretinnen und Interpreten Musik als Kanal, um Informationen auf ihre Art und Weise zu verbreiten. Ganz besonders in West- und Ostafrika ist in den letzten Monaten ein neues Genre entstanden: Corona-Songs sollen das Bewusstsein schärfen oder Hoffnung wecken, aber auch Bedenken kommen zum Ausdruck.

Weitersagen

Screenshoot von YouTube: Mzee wa Bwax - CORONA

Corona-Songs: Sound der Krise

Die Veranstalter von Festivals und Musikprojekten bangen derzeit um deren zukünftiges Bestehen. Viele Musikerinnen und Musiker haben außerdem Einkommensverluste aufgrund der wegfallenden Auftritte zu beklagen. Daher produzierten sie nun teilweise in Rekordgeschwindigkeit Corona-Songs. Die Lieder verbreiten sich insbesondere auf sozialen Netzwerken. Doch Sogenannte Infotainment-Lieder sind schon zu Zeiten der Ebola-Epidemie beliebtes Instrument zur Aufklärung gewesen.

In Südafrika bekommen einige Künstlerinnen und Künstler aufgrund von Covid-19 staatliche Unterstützung. Allerdings beschränkt sich diese Unterstützung nur auf jene, die normalerweise für Regierungsveranstaltungen gebucht werden und auf sogenannte „Legenden der Industrie“. In anderen Ländern Afrikas gibt es derzeit keinerlei finanziellen Support für Musikerinnen und Musiker.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Im Video von Mzee wa Bwax wird die Problematik der schnellen Übertragung des Virus visualisiert. Die Musik stammt aus Uswahilini – Das sind Gebiete in Dar es Salaam, Tansania, in denen Menschen normalerweise eng beieinander leben. Hier mangelt es an sanitären Anlagen und Möglichkeiten, sich sozial zu distanzieren.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Maua Sama und Marioo sind tansanische Vertreter des Bongo-Flava, einer weit verbreiteten afrikanischen Hip-Hop-Richtung aus Tansania. In ihrem aktuellen Corona-Song geht es um die Gefahren des Virus und um entsprechende Präventionsmaßnahmen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Auch der Ugander Bobi Wine, welcher ebenfalls als Politiker aktiv ist, verdeutlicht gemeinsam mit Nubian Li in seinem Video die Gefahren von Corona und zählt Vorsorgemaßnahmen auf. Die Musiker rufen vor allem dazu auf, das Virus ernst zu nehmen.

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „Musicians in East Africa rush to produce ‘corona’ songs — even as the industry falters” von globalvoices.org, welcher am 27.03.2020 veröffentlicht wurde.

Besonders wichtig in Afrika: Informationen über Corona in Regionalsprachen

Seit dem Ausbruch des Corona-Virus wird immer wieder betont: Prävention ist wichtig. Sie schützt Menschen vor Krankheit und Gesundheitssysteme vor der Überlastung. Doch die wichtigen Informationen erreichen nicht jeden. Eine Initiative möchte diese Informationen nun auch in Regionalsprachen verfügbar machen. Besonders in Afrika ist dies wichtig, da auf dem Kontinent über 2.000 Sprachen gesprochen werden.

Weitersagen

Symbolbild: Informationen durch Videos verbreiten

Besonders wichtig in Afrika: Informationen über Corona in Regionalsprachen

Die Verbreitung von Informationen zum Coronavirus und entsprechender Prävention ist eine Herausforderung für Gesundheitsinstitute wie die WHO. Gerade Sprecherinnen und Sprecher von Regionalsprachen laufen Gefahr, wichtige Informationen während der anhaltenden Pandemie nicht zu erhalten.

Diesem Problem hat sich die Initiative virALLanguages angenommen. Die Linguistin und Linguisten Mandana Seyfeddinipur, Pierpaolo Di Carlo und Jeff Good initiierten das Projekt. Dafür arbeiten sie mit lokalen Gemeindeleiterinnen und –leitern zusammen und teilen wichtige Informationen zum Coronavirus über YouTube und Facebook mithilfe von kurzen Videos oder Audiodateien. Diese Zusammenarbeit ist zwischen einem Projekt der State University in Buffalo, USA, und dem Sprachendepartment der SOAS Universität in London entstanden.

Bisher fand das Programm mit sechs verschiedenen Sprachen Kameruns statt und hat sich als erfolgreich erwiesen. Kamerun als Anhaltspunkt ist exemplarisch, da in dem zentralafrikanischen Land insgesamt über 230 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Der Fokus von virALLanguages liegt dabei vorrangig auf Regional- oder Lokalsprachen, die teilweise kein eigenes Schriftsystem haben oder auf Sprachen, die nicht für die offizielle Verbreitung von relevanten Informationen genutzt werden. Das Projekt kann somit auch für andere afrikanische Länder zu einem wichtigen Werkzeug werden. Denn insgesamt werden auf dem afrikanischen Kontinent mehr als 2.000 verschiedene Sprachen gesprochen.

Wichtig für das Projekt ist auch, dass Informationen über einen vertrauensvollen Partner verbreitet werden. Das bedeutet, dass lokal angesehene Kontakte wie etwa Ärztinnen und Ärzte zur Vermittlung genutzt werden. Falls relevantere Kanäle als YouTube oder Facebook vorhanden sind, sollen auch diese genutzt werden. Das können beispielsweise Apps oder Radioprogramme sein. Ziel ist es, mit vielen freiwilligen Unterstützerinnen und Unterstützern so viele Sprachen wie möglich abzudecken.

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels und Interviews „Promoting coronavirus education through indigenous languages“ von Subhashish Panigrahi und virALLanguages. Dieser Artikel wurde am 11.05.2020 auf GlobalVoices veröffentlicht.

Website der Initiative: https://virallanguages.org/


Corona-Krise in Afrika: Ein Überblick der Deutschen Afrika Stiftung

Die Deutsche Afrika Stiftung hat am 7. Mai in der „Afrikapost aktuell“ eine umfangreiche Momentaufnahme zum derzeitigen Zustand, den ergriffenen Maßnahmen und zu erwarteten Zukunftsszenarien Afrikas in Hinblick auf die aktuelle Corona-Krise veröffentlicht.

Weitersagen

Symbolbild: Corona in Afrika

Corona-Krise in Afrika: Ein Überblick der Deutschen Afrika Stiftung

Afrikanische Länder ergriffen schnelle Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise

Die Zahlen der Corona-Infizierten sind in vielen afrikanischen Ländern nach wie vor gering. Nord- und Westafrika ist bislang stärker vom Virus betroffen als der restliche afrikanische Kontinent. Die gesundheitliche Krise steht jedoch nicht im Vordergrund. Es sind die wirtschaftlichen und politischen Einschnitte, welche derzeit schlimme Folgen hinterlassen. Viele Menschen sind in ihrem Alltag betroffen und müssen mit großen Einbußen oder dem kompletten Wegfall ihrer Einnahmen leben. Auch die Wirtschaft leidet bereits sehr unter den Einschränkungen.

Während es in vielen Ländern des globalen Nordens länger dauerte, bis Maßnahmen getroffen wurden, reagierte Afrika vergleichsweise schnell. Beschränkungen im öffentlichen Leben und des Flugverkehrs gibt es fast überall. In 37 der 54 afrikanischen Länder wurde inzwischen sogar der Ausnahme- oder Katastrophenzustand ausgerufen.

Viele Länder verhängten nächtliche Ausgangssperren und Schulschließungen. Versammlungsbeschränkungen oder –verbote und Einschränkungen des öffentlichen Nahverkehrs wurden in unterschiedlichem Ausmaße durchgesetzt. Südafrika beschloss eine der strengsten Ausgangsperren, die das Militär und die Polizei durchsetzen. Trotz der enormen wirtschaftlichen Folgen gibt es bisher nur bedingt Diskussionen zur Lockerung der strengen Bestimmungen, darunter nächtliche Ausgangsverbote und Maskenpflicht.

Unter den Schulschließungen, die mittlerweile in fast allen Ländern durchgesetzt werden, leiden vor allem die Kinder aus einkommensschwachen Familien. Während teure Privatschulen ihren Schülern online Unterricht anbieten können, müssen die Kinder in ländlichen, strukturschwachen Regionen wochenlang ohne Schulunterricht ausharren. Durch den Wegfall des Mittagessens in den Ganztagsschulen ist sogar die Ernährung von Millionen Schülerinnen und Schülern in Gefahr.

Regierungen beschließen Hilfen und Notfallpläne

Die Staaten wollen im Rahmen von Notfallplänen sowohl gezielt die Gesundheitssysteme unterstützen als auch die ökonomischen Folgen der Krise auffangen. Für wirtschaftliche Unterstützung gibt es verschiedene Ansätze wie etwa Steuererleichterungen, Verlängerung von Zahlungsfristen oder Fonds zum Abfedern von Einkommensverlusten. In manchen Ländern, wie z. B. Botsuana, Marokko, Simbabwe oder Togo, wird der informelle Sektor ebenfalls unterstützt. Als einen Akt der Solidarität verzichten einige Regierungen auf Teile ihrer Gehälter.

In vielen Staaten sind auch die Wahlen betroffen und mussten verschoben werde. Das betraf in Äthiopien die Parlamentswahlen, die Kommunalwahlen in Tunesien sowie einzelne Nachwahlen, etwa in Nigeria, Kenia und Simbabwe,

Wirtschaftsinstitute prognostizieren Rezession

Für die Zukunft prognostizieren McKinsey, die Afrikanische Union und die Weltbank ein eher düsteres Bild für die Wirtschaft Afrikas. Vor dem Ausbruch der Pandemie erwarteten diese Institutionen für Afrika 2020 ein Wirtschaftswachstum von über 3 %. Inzwischen gehen jedoch sieben der acht dargestellten Szenarien von einem starken Abschwung aus. Das bestmögliche Szenario von McKinsey sagt + 0,4 % hervor, das schlimmste Szenario der Weltbank – 8,3 %. Die Gründe dafür sind vor allem der Wegfall von Importen und Exporten, die Folgen der staatlichen Maßnahmen und der Verfall des Ölpreises.

17 Staats- und Regierungschefs, darunter auch Angela Merkel, forderten ein Wirtschaftspaket in Höhe von 100 Milliarden USD, um Afrika in dieser Krise finanziell zu unterstützen. Wenngleich dieses Paket noch nicht verabschiedet wurde, stellten Institute wie die Weltbank, der IWF, die EU und die Afrikanische Entwicklungsbank bereits Hilfsgelder und Kredite in Milliardenhöhe zur Verfügung. Der IWF befreite außerdem 23 Länder teilweise von Schulden, darunter 19 afrikanische.

Nicholas Opiyo, ugandischer Menschenrechtler, gibt im Interview einen detaillierten Einblick zur Lage in Uganda. Die Menschen seien sehr besorgt, es gebe ein richtiges Gefühl der Angst. Corona sei außerdem auch eine Herausforderung auf menschenrechtlicher Ebene. Opiyo sagt, dass Aufgabe auch für die Zukunft sein wird, sich stärker mit den globalen Ungerechtigkeiten auseinander zu setzen.

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „Covid-19: Wie stark ist Afrika betroffen? Daten, Gegenmaßnahmen, Szenarien” der Deutschen Afrika Stiftung e.V. Der Artikel wurde am 07.05.2020 in der Afrikapost aktuell veröffentlicht.


Häusliche Gewalt steigt in afrikanischen Ländern während Lockdown an

Während der Ausgangssperren nimmt häusliche Gewalt gegen Frauen in mehreren afrikanischen Ländern zu. Auch die Zahl an Zwangsehen steigt derzeit an. Aktivistinnen und Aktivisten aus Afrika appellieren deshalb an die Regierungen, Maßnahmen zu ergreifen.

Weitersagen

Symbolbild: häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt steigt in afrikanischen Ländern während Lockdown an

Frauen aus 48 von 54 afrikanischen Ländern schlossen sich zusammen und appellierten an die Afrikanische Union und das Afrika-Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention, Frauen und Mädchen während der Corona-Pandemie finanziell zu unterstützen.

FEMNET ist ein Kommunikations- und Entwicklungsnetzwerk mit Sitz in Nairobi, welches sich für die Rechte afrikanischer Frauen einsetzt. Die feministische Organisation berichtete nun über zunehmende häusliche Gewalt gegen Frauen während der Corona-Pandemie. Fälle von Zwangsehen nähmen derzeit ebenfalls zu. Regierungen stellen sich laut FEMNET diesem Problem nicht.

Das Problem liege darin, dass Frauen und Mädchen aufgrund der Ausgangssperren verstärkt mit zusätzlicher Gewalt konfrontiert sind. Menschen befinden sich an der Belastungsgrenze, was zu Gewalt führen kann, und die Opfer haben momentan durch die Ausgangssperren kaum Möglichkeiten, sich gewalttätigen Situationen zu entziehen.

Auch Irungu Houghton, der Geschäftsführer des Amnesty International Büros in Nairobi, sagt, dass ein Anstieg häuslicher Gewalt seit dem Ausbruch von Covid-19 in vielen afrikanischen Ländern, darunter Südafrika, Nigeria und Kenia, zu verzeichnen ist. In Kenia meldete man eine Zunahme der Hilferufe um 34 % während der nächtlichen Sperrstunde. Rechtsschutz, Hilfe-Hotlines, Unterkünfte und der Zugang zu Gerichten seien unerlässlich, um die Rechte und Freiheit von Frauen zu gewährleisten.

Victoria Maloka, Direktorin der AU Kommission des Gender and Development Direktorats, betonte außerdem, dass Mädchen gerade jetzt zwangsverheiratet werden.. Da man versuche, besonders die wirtschaftlichen und sozialen Rückschläge zu überwinden, rücken Probleme wie Zwangsehen derzeit in den Hintergrund. Maloka forderte die Regierungschefs auf, sich diesen Problemen auch während der Corona-Pandemie wieder mehr zu widmen.

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „Activists appeal to AU as abuse against women, girls soars under Covid-19“ von James Shimanyula, welcher am 27.04. auf rfi.fr veröffentlicht wurde.

Weiterführendes Video zur Problematik der häuslichen Gewalt gegen Frauen mit Beispielen aus der Demokratischen Republik Kongo (auf Englisch): Domestic violence victims fear for their lives in DR Congo

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Das Problem zunehmender Gewalt, insbesondere gegen Frauen, aufgrund von Auswirkungen der Corona-Pandemie betrifft nicht nur afrikanische Länder sondern ist ein weltweites Problem. Auch in Deutschland rechnet man mit einer Zunahme häuslicher Gewalt.

Weitere Informationen

Tagesschau (29.04.20): Corona-Krise. Sorge um Zunahme von häuslicher Gewalt

Covid-19: Muslime feiern den Ramadan unter starken Einschränkungen

Der Ramadan findet dieses Jahr vom Abend des 23. April bis zum Abend des 23. Mai statt. Das Coronavirus jedoch wird einen großen Einfluss auf den Fastenmonat der Muslime haben. Rund ein Drittel der muslimischen Weltbevölkerung lebt in Afrika und muss dieses Jahr mit starken Einschränkungen leben.

Weitersagen

Covid-19: Muslime feiern den Ramadan unter starken Einschränkungen

In den meisten afrikanischen Ländern gibt es Ausgangssperren und Versammlungsverbote. Das hat entscheidenden Einfluss auf den diesjährigen Ramadan, schließlich ist diese Zeit nicht nur die Zeit des Fastens, sondern auch des Beisammenseins. Die Familie spielt für viele Menschen währenddessen eine besonders große Rolle.  

Einige Länder jedoch kündigen an, ihre Beschränkungen nun zu lockern. So zum Beispiel Ägypten. Die nächtliche Ausgangssperre erschwerte die Einkäufe in Kairo, weswegen der Beginn der Sperre nun auf 21 Uhr verschoben wurde. Die Geschäfte sollen außerdem auch am Wochenende wieder geöffnet haben, allerdings bereits um 17 Uhr schließen. In Ägypten gibt es 4.319 registrierte Corona-Fälle und 307 Tote (Ende April 2020). Falls die Fälle über die Erwartungen hinaus wieder ansteigen sei man bereit, die Beschränkungen wieder zu verstärken. 

In Niger gibt es aufgrund der Beschränkungen öffentlicher Gebete Unruhen. Mehr als 300 Menschen nahm man fest, weil sie Autos angezündet oder Straßen blockiert hatten. Auch wenn was Land offiziell bislang noch nicht viele Covid-19 Tote zu beklagen hat, hat die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen, Ausgangssperren verhängt und Moscheen sowie Schulen geschlossen. Eine Lockerung dieser Ausgangssperre wurde nun veranlasst, sodass sie nur noch von 21 Uhr bis 5 Uhr gilt anstatt von 19 Uhr bis 6 Uhr. 

Im Nachbarland Nigeria wurden außerdem 15 Imame verhaftet, weil sie trotz des Verbotes ihre Freitagsgebete abgehalten hatten. Präsident Muhammadu Buhari erkannte in einer Stellungnahme die besonderen Herausforderungen für Muslime im diesjährigen Ramadan in Nigeria und weltweit an, bat aber dringend darum, von einigen Ritualen und Traditionen im Ramadan Abstand zu halten. So sollten Gebete und Speisen zu Hause allein oder in der Familie durchgeführt werden. In Senegals Hauptstadt Dakar haben sich Wohltätigkeitsorganisationen dazu entschieden, Nahrungsmittel in Koranschulen zu verteilen anstatt wie normalerweise üblich an Bedürftige auf der Straße. So sollen die Abstandsregeln besser eingehalten werden können. 

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „Africa adapts to new taste of Ramadan under Covid-19 lockdown”  von Christina Okello. Der Artikel wurde am 26.04.2020 auf rfi.fr veröffentlicht. 

Weiterführend: 

Das Video „In shadow of coronavirus, Muslims face a Ramadan like never before” von Reuters: 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kenia: Studierende entwickeln erste heimische Beatmungsgeräte

In Kenia gibt es derzeit nur wenige Beatmungsgeräte. 15 Studierende entwickelten nun die ersten heimischen Beatmungsgeräte und können damit schon bald in die Massenproduktion gehen. Viele kenianische Krankenhäuser und Gesundheitszentren können somit in Zukunft ihre Ausstattung aufstocken und sich auf Covid-19 vorbereiten.

Weitersagen

Kenia: Studierende entwickeln erste heimische Beatmungsgeräte

Derzeit gibt es in Kenia 384 Corona-Infizierte und 15 Tote (Stand: 30.03.). Das kenianische Gesundheitswesen ist momentan jedoch mit nur 259 Beatmungsgeräten ausgestattet. Im Ernstfall sind das zu wenig, denn stark betroffene Patientinnen und Patienten sind auf die Geräte angewiesen. Kranke benötigen oft wesentlich mehr Sauerstoff. Studierende der Kenyatta University haben sich nun diesem Problem angenommen.

15 Studentinnen und Studenten haben gemeinsam mit einem Team des Chandaria Business Incubation and Innovation Centers die ersten einheimischen Beatmungsgeräte entwickelt. Diese geben mit genügend Druck sauerstoffhaltige Luft in die Lunge. Vorher passiert sie einen Luftbefeuchter, um den Körper mit genügend Feuchtigkeit zu versorgen. Die Studierenden kommen aus verschiedenen Fakultäten, etwa der medizinischen oder der technischen Fakultät.

Diese Entwicklung soll jetzt nun sogar in die Massenproduktion gehen. Nach erfolgreich abgeschlossenen Tests will das Team in einer Woche 50 Geräte produzieren. Die Geräte sind für den medizinischen Gebrauch in Krankenhäusern und Gesundheitszentren geeignet. Damit helfen sie, einer drohenden Knappheit an medizinischem Gerät vorzubeugen.

Auch Studierende aus Ghana und Uganda entwickelten bereits heimische Beatmungsgeräte und setzten ihre Fähigkeiten somit gezielt zur Lösung aktueller Probleme ein.

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „Kenyan students innovate to fill Covid-19 ventilator shortage” von James Shimanyula. Der Artikel wurde am 28.04.2020 auf rfi.fr veröffentlicht.


COVID-19: Regierungen in Afrika gehen unterschiedlich streng mit Lockdowns um

In den afrikanischen Ländern gibt es verglichen mit Europa deutlich weniger registrierte Corona-Infizierte. Die Gesundheitssysteme sind jedoch viel instabiler und auf den Ernstfall möglicherweise nicht vorbereitet. Regierungen verkündeten daher teilweise Ausgangsbeschränkungen, bevor es überhaupt registrierte Fälle gab. In 13 Ländern wurden frühzeitig die Schulen geschlossen. Die Lockdown-Ansätze sind jedoch sehr unterschiedlich.

Weitersagen

Symbolbild: Lockdown

COVID-19: Regierungen in Afrika gehen unterschiedlich streng mit Lockdowns um

In einigen Ländern gab es kaum Beschränkungen, in anderen setzten die Polizei und das Militär die Anordnungen rabiat und gewaltvoll durch. Eine der striktesten Sperrungen weltweit ordnete die Regierung Südafrikas an. Die Schulen und Universitäten schlossen, Besuche in Krankenhäusern und Gefängnissen durften nur noch mit Ausnahme erfolgen und nur noch systemrelevante Arbeiterinnen und Arbeiter durften sich frei bewegen. Zudem sprach die Regierung ein landesweites Alkoholverbot aus. Auch in Simbabwe gibt es einen totalen Lockdown. In Kenia hingegen gilt die Ausgangssperre nur nachts.

In den meisten afrikanischen Ländern sind Veranstaltungen und Versammlungen verboten. Einige wollen nun die Einschränkungen nach und nach wieder locken, etwa Nigeria und die Demokratische Republik Kongo. Einer der Hauptgründe ist, dass die Lockdowns starke Auswirkungen auf den armen Teil der Bevölkerung haben. Wer zuhause bleiben muss, kann auch nicht arbeiten gehen und die Familie ernähren. Afrikanische Länder haben derzeit nicht die Möglichkeit, viel Geld in Sozialhilfesysteme zustecken. Der ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo sagte, dass auch die Verbesserung der Test- und Behandlungssituation es inzwischen erlauben würde, die Maßnahmen zu lockern.

Der Generaldirektor der WHO Tedros Ghebreyesus betonte, dass die Lockerungen der Maßnahmen nicht ein Ende der Pandemie bedeuten würde. Das Durchschnittsalter in Ländern südlich der Sahara liegt zwar oft bei etwa 20 Jahren, doch die Gefahr ist nicht gebannt. Nach wie vor spielen eine unzureichende medizinische Versorgung und fehlende sanitäre Anlagen eine große Rolle.


Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „Coronavirus: The different approaches to lockdowns in Africa” von Christopher Giles und Peter Mwai. Der Artikel wurde am 28.04.2020 auf bbc.com veröffentlicht.

Coronavirus beeinträchtigt Kampf gegen Heuschreckenplage

Inmitten der Corona-Pandemie tritt leider völlig in den Hintergrund, dass das Coronavirus nicht die einzige Krise ist, mit der einige Länder zu kämpfen haben. Mehrere Länder Ostafrikas versuchen beispielweise noch immer, die Ausbreitung der gigantischen Heuschreckenschwärme unter Kontrolle zu bekommen, die sich seit Monaten immer weiter ausbreiten und die Lebensgrundlage von Millionen Menschen gefährden.

Weitersagen

_©picture alliance / AP Images

Coronavirus beeinträchtigt Kampf gegen Heuschreckenplage

Bei den Heuschreckenschwärmen handelt es sich bereits um die zweite Generation. Diese gilt als aggressiver als die erste und könnte laut UNO bis zu 20 mal größer werden. Sie fressen die Felder kahl und sorgen dafür, dass Menschen keine Vorräte anlegen können. Dabei haben diese Menschen sowieso oft schon mit Armut und Hunger zu kämpfen. Äthiopien, Kenia und Somalia sind am schlimmsten von der Plage betroffen. Einen starken Anstieg der Schwärme konnte man bereits Ende des Jahres 2019 beobachten. 

Die Bekämpfung der Schwärme stellte eine große Herausforderung dar, da Schutzkleidung, Pestizide, Sprühgeräte sowie –flugzeuge erst noch für diese Größenordnung beschaffen werden mussten. Während der Corona-Pandemie fallen zudem viele Flüge aus, die zur Beschaffung der Pestizide aus Japan, Marokko und den Niederlanden benötigt werden. Diese Fracht ist daher nun nicht nur unzuverlässiger, sondern auch teurer geworden. Pilotinnen und Piloten, die aus anderen Ländern kommen, müssen sich außerdem erst einer Quarantäne unterziehen. 

Schätzungen der FAO besagen, dass allein in Äthiopien eine Millionen Menschen von Hunger betroffen sein könnten. Äthiopien ist mitunter am stärksten von der Heuschreckenplage betroffen. Die Plage und die von den Regierungen verhängten Ausgangssperren zur Eindämmung der Infektionen mit dem Corona-Virus werden vermutlich verheerende Auswirkungen auf Armut und Hunger haben. Jasper Mwesigwa, ein Spezialist für Ernährungssicherheit, sagte, dass bereits 25 Millionen Menschen in den acht afrikanischen Ländern, die unter den Heuschreckenschwärmen leiden, Schwierigkeiten haben, sich ausreichend zu ernähren. Weitere 5 Millionen könnten von Hunger bedroht sein, wenn die man die Heuschrecken nicht unter Kontrolle bringt.

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „ How do you fight a locust invasion amid coronavirus?”  von Catherine Byaruhanga. bbc.com veröffentlichte den Artikel am 25.04.2020. 

„No Pata Pata”: Ein Welthit wird für die Corona-Krise neu vertont

„Pata Pata” lässt sich mit „touch touch” übersetzen. Hierbei handelt es sich um einen Song der südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba aus dem Jahr 1967. Inzwischen wurde der Song aufgrund des Coronavirus mit einer Überarbeitung wiederbelebt.

Weitersagen

„No Pata Pata”: Ein Welthit wird für die Corona-Krise neu vertont

Xhosa ist eine der elf Amtssprachen Südafrikas und die Sprache, in der Miriam Makeba das Lied „Pata Pata” verfasste. Die Sängerin gewann 1966 bereits einen Grammy für ihr Album und gelangte zu weltweiter Berühmtheit. Den Song „Pata Pata” benannte sie nach einer Tanzbewegung ihrer Heimatstadt Johannesburg. 

Eine Überarbeitung erhielt der Song durch die Künstlerin Angelique Kidjo aus Benin. „No Pata”, also „nicht berühren”, ist das neue Motto des Songs. Er steht somit ganz im Zeichen der Prävention in Corona-Zeiten. UNICEF organisierte die Veröffentlichung und setzte somit ein Zeichen in mehreren afrikanischen Ländern. 

Doch das Lied soll nicht nur aufklären, sondern auch Mut in schweren Zeiten machen. Miriam Makeba setzte sich gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in Südafrika ein. So wurde „Pata Pata” schon damals zum symbolischen Song im Kampf gegen die Apartheid, den man somit bald über den afrikanischen Kontinent hinaus kannte.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Angelique Kidjo – No Pata Pata
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Miriam Makeba – Pata Pata (1967)

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „’No Pata Pata‘: 60s South Africa dance hit revived to spread word on coronavirus” von Reuters, welcher am 23.04.2020 auf theguardian.com veröffentlicht wurde.

Südafrika: Mobiles Gesundheitspersonal und mobile Kliniken gegen Covid-19

In Südafrika sollen eine umfangreiche Erfassung medizinischer Daten in Städten und auf dem Land sowie Ausgangssperren die Ausbreitung von Covid-19 stoppen. Dazu mobilisierte das Land tausende Medizinerinnen und Mediziner und errichtete mobile Kliniken. Momentan sieht es so aus, als ob diese Strategie erfolgreich sein könnte.

Weitersagen

Südafrika: Mobiles Gesundheitspersonal und mobile Kliniken gegen Covid-19

Südafrika ist derzeit das Land mit der höchsten Anzahl an Corona-Infizierten im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern. Momentan gibt es etwa 3400 registrierte Fälle (Stand 21.04.2020). Laut Regierung ist die Zahl jedoch nur aufgrund aggressiver Testverfahren so hoch. Südafrika zeigte von Beginn an entschlossenen Einsatz im Kampf gegen das Virus, was dem Land vielleicht einen Vorteil verschaffte. 

Die Mobilisierung zehntausender Medizinerinnen und Mediziner machte die umfangreiche Erfassung medizinischer Daten möglich. Insgesamt gehen etwa 28.000 Gesundheitsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von Tür zu Tür. Sie erfassen unter anderem die Reisegeschichten der Ansässigen, die Körpertemperaturen und ihre Vorerkrankungen. In von Armut stark betroffenen Gebieten („Townships”) errichtete man mobile Pop-Up-Kliniken, um Testmöglichkeiten und medizinische Versorgungszentren zu schaffen, wo vorher keine waren. 

Südafrika führt diese Tests und Hausuntersuchungen im ganzen Land durch und bezieht dabei auch abgelegene Provinzen und die dort Lebenden mit ein. Bis zum Ende des Monats will man dort 33.000 Menschen täglich testen, um ein genaues Bild zur Ausbreitung des Virus zu bekommen. 

Präsident Cyril Ramaphosa wird international oft für seine Strategie gelobt. Er habe schnell reagiert, bevor das Virus das Land überwältigen konnte. Dabei ist auch die Erfahrung im Umgang mit HIV und Tuberkulose ein Vorteil. Die GeneXpert-Testsysteme, die auch bei Tuberkulose im Einsatz waren, entwickelten jetzt auch Tests für Sars-CoV-2. Maßnahmen wie Screenings, Tests, Diagnosen, Nachverfolgung von Kontakten und Isolierung setzte man bereits bei der Bekämpfung von Tuberkulose ein. 

Die wirtschaftliche Krise, die aus dem radikalen Lockdown resultiert, hat jedoch schlimme, teilweise lebensbedrohliche Folgen für viele Menschen dort. Ramaphosa kündigte daher kürzlich ein Hilfspaket in Höhe von 26 Milliarden US-Dollar an. 

Dieser Artikel ist eine übersetzte Zusammenfassung des Artikels „South Africa is hunting down coronavirus with thousands of health workers” von Bonolo Mogotsi and Max Bearak. Der Artikel wurde am 21.04.2020 auf washingtonpost.com veröffentlicht. 

Sonderpressespiegel der Deutschen Afrika Stiftung zum Thema Covid-19 in Afrika

Der Umgang mit der Corona-Krise, die Bewertung der Krise und ihrer Auswirkungen sowie die Berichterstattung darüber sind so divers wie die afrikanischen Länder selbst. Ein Sonderpressespiegel der Deutschen Afrika Stiftung vom 21. April fasst diese unterschiedlichen Sichtweisen aufgrund der Berichterstattung in den letzten Wochen zusammen.

Weitersagen

_Graffiti in Conakry/Guinea

Sonderpressespiegel der Deutschen Afrika Stiftung zum Thema Covid-19 in Afrika

Die anfangs erschienen Artikel zum Thema kreisten vor allem darum, ob und wie stark der afrikanische Kontinent vom Virus heimgesucht werden wird. Hoffnungen, dass der Virus im tropisch-heißen Klima Afrikas nicht überleben könnte oder dass die überwiegend junge Bevölkerung nicht so stark vom Virus bedroht sei, haben sich schnell zerschlagen. Die aktuelle Berichterstattung zeichnet ein eher pessimistisches Bild und warnt vor der Gefahr einer schnellen Ausbreitung und auf die Pandemie völlig unzureichend vorbereitete Gesundheitssysteme.

Wirtschaftliche Folgen

Vor allem die wirtschaftlichen Folgen werden in den Artikeln übereinstimmend als desaströs prognostiziert, kein afrikanisches Land werde von der Wirtschaftskrise ausgenommen sein. Der Verfall der Rohöl- und Kupferpreise, das Ausbleiben von Touristinnen und Touristen, der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen und die besonders hart durch die Ausgangssperren betroffenen Tagelöhnerinnen und Tagelöhner zeichnen ein durchweg pessimistisches Bild in den Medien.

Inner-afrikanischer Diskurs

Gegen diesen „Afropessimismus” gibt es jedoch ein starkes Aufbegehren seitens Afrikas Intellektueller. Die vergleichsweise geringe Zahl der Infizierten und Afrikas lange Erfahrung im Umgang mit Infektionskrankheiten wie Ebola zeigten, dass der Kontinent durchaus eigene Antworten auf diese Krise finden könne. Die kolportierten Krisenszenarien hätten das Potential, eine selbsterfüllende Prophezeiung zu werden und durch das Abschrecken von Investoren sogar die Wirtschaftskrise noch zu verstärken. Deshalb fordert eine ganze Reihe afrikanischer Intellektueller, dass Afrika es wagen müsse, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken, „sich vom Traumbild der westlichen industriellen Modernität und dieses Modells der Zivilisation zu verabschieden und gar die Pandemie als Katalysator zu nehmen, um die Dekolonialisierung zu vollenden“ (Felwine Sarr). Der afrikanische Kontinent müsse sein Schicksal jetzt in die eigenen Hände (zurück-)nehmen. Dass das bereits gelingt, zeigt unter anderem der lebhaft geführte inner-afrikanische Diskurs, mit dem Kommentatorinnen und Kommentatoren aus afrikanischen Ländern teilweise kontrovers die unterschiedlichen Auswirkungen und Maßnahmen gegen die Krise diskutieren.

Afrikanische Antworten auf den Umgang mit der Krise

Während einige Kommentatorinnen und Kommentatoren eher Afrikas Unterstützung durch den Westen fordern, etwa durch Schuldenerlass, suchen andere vielmehr afrozentrische Lösungen und dem eigenen Kontext entsprechende Antworten auf die Krise. Eine Kopie der im Norden getroffenen Maßnahmen sei kein Allheilmittel für Afrika. Dafür könne der Kontinent auf Ressourcen zurückgreifen wie seine Erfahrung im Umgang mit Pandemien, beispielsweise der Ebola-Krise in Liberia und Sierre Leone, sein Verständnis von Gemeinschaft und Solidarität sowie den Online-Aktivismus seiner jungen Bevölkerung. Kritisch diskutiert wird in diesem Kontext der überzogene Einsatz von polizeilicher Gewalt in einigen afrikanischen Staaten zur Durchsetzung von Quarantänemaßnahmen.

Afrikas Rollentausch und Aufruf zur Zusammenarbeit – nur gemeinsam überwinden wir die Krise

Einigkeit herrscht vor allem darin: die Krise habe die üblichen Narrative in ihr Gegenteil verkehrt. Somit sei es nicht mehr Afrika, sondern Europa, Asien und Nordamerika, die zum Krisenherd, sogar zu einer Gefahr geworden seien. Prozeduren wie gesundheitliche Atteste, Quarantäne oder Einreiseverbote, wie sie bisher vor allem in Europa einreisende Menschen aus Afrika erlebt haben, müssen nun auch nach Afrika reisende Europäerinnen und Europäer erdulden – wenn der Flugverkehr aus Europa nicht sogar ganz gestoppt wurde. Dieser Rollentausch bzw. der Verlust von Privilegien eines europäischen Passes nehmen viele Menschen in Afrika ganz bewusst wahr.

Nichtsdestotrotz plädieren starke Stimmen aus Afrika gegen nationale Alleingänge und eine Politik der Abschottung. Sie rufen vielmehr dazu auf, mit der Welt zusammen zu stehen, Informationen auszutauschen und gemeinsam zu handeln. Damit decken sie sich mit Bundespräsident Steinmeiers und Bundkanzlerin Merkels Aufrufe zur Zusammenarbeit und mit der Erkenntnis: „ Diese Pandemie kann nur besiegt werden, wenn Afrika einbezogen ist.“

Weitere Informationen

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des „Sonderpressespiegel Covid-19 in Afrika” der Deutschen Afrika Stiftung mit Stand vom 21.04.2020. Den vollständigen Pressespiegel, geschrieben von David Schwake, können Sie hier als PDF herunterladen.

Malawi: Patientenversorgung mithilfe von Drohnen

Der Einsatz von Drohnen kann die Versorgung von Menschen in abgelegenen Gebieten erleichtern, beispielsweise während der Corona-Pandemie. Auch das Sammeln von Daten in Katastrophengebieten wird so auf innovative Art ermöglicht. In Malawi gibt es deshalb jetzt die erste Akademie, die Drohnen-Pilotinnen und Piloten ausbildet.

Weitersagen

Malawi: Patientenversorgung mithilfe von Drohnen

Die erste Drohnen-Akademie weltweit 

Innovation und technischer Fortschritt können Menschenleben retten, ganz besonders in Krisen- und Katastrophensituationen. Das wird nun auch in Malawi genutzt. In dem Land, in dem es vor einigen Jahren das erste Drohnenfluggebiet gab, gibt es seit Januar 2020 eine Drohnenakademie. Die Studierenden können sich an der “African Drone and Data Academy” zu Drohnenpilotinnen und Drohnentechnikern ausbilden lassen. 

In Malawi gibt es viele ländliche Gebiete, die davon profitieren könnten. 2019 hat der Zyklon Idai das Land ganz besonders schwer getroffen. Bereits hier kamen Drohnen zum Einsatz, etwa um Überlebende ausfindig zu machen und ihnen so zur Hilfe zu kommen. Der erste Studiengang der Drohnen-Akademie besteht aus 26 Studentinnen und Studenten, großteils aus Malawi oder anderen Teilen des afrikanischen Kontinents. Diese lernen nicht nur, wie man die Drohnen präzise fliegt und steuert, sondern gewinnen auch Kenntnisse zur Datenanalyse, der Wartung und dem Bau der Drohnen. So können die Drohnen in Zukunft noch vielfältiger eingesetzt werden.  

Patientenversorgung mithilfe von Drohnen in Corona-Zeiten 

Eine Einsatzmöglichkeit ist beispielsweise die Verortung von Überflutungen, doch auch jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, haben die Drohnen großes Potenzial. Medikamente, Blutkonserven und Lebensmittel können mit ihrer Hilfe in abgelegene Gebiete transportiert werden und das Überbringen von Labortests wird so vereinfacht. 

Derzeit gibt es in Malawi vergleichsweise wenig registrierte Corona-Fälle. Steigt die Zahl jedoch erst einmal an, sind solche technischen Hilfsmittel besonders wertvoll, denn in dem Land gibt es nur eine erschreckend geringe Anzahl an Intensivbetten: 100 Betten für 18 Millionen Einwohner. Die Versorgung von Patienten muss umgedacht und schlecht ausgebaute Transportwege müssen umgangen werden. Der Einsatz von Drohnen bietet da eine gute Möglichkeit. 

Weitere Informationen finden Sie hier: 

Thomas Denzel, Das Erste (20.04.2020): Malawi: Studiengang Drohnen-Bauen  

Tagesschau (19.04.2020): Medizinversorung im Armenhaus Afrikas: Drohneneinsatz in Malawi 

UNICEF (2020): The African Drone and Data Academy in Malawi. Drones and Data for Good  

COVID-19: 50 Millionen Menschen in Westafrika von Hunger bedroht

Unsere Mitgliedsorganisation CARE hat zusammen mit sieben weiteren regionalen und internationalen Hilfsorganisationen eine Medieninformation zum Hunger in Westafrika veröffentlicht. Darin erklären sie, warum Menschen in Westafrika durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie von Hunger und Unterernährung bedroht sind und was jetzt zu tun ist.

Weitersagen

_©CARE / Sabine Wilke

COVID-19: 50 Millionen Menschen in Westafrika von Hunger bedroht

Acht regionale und internationale Hilfsorganisationen, darunter CARE, Aktion gegen den Hunger, Oxfam und Save the Children, warnen anlässlich des beginnenden Ramadans vor den Auswirkungen des Corona-Virus in Westafrika. Die Vorräte aus der vergangenen Ernte gehen langsam zu Neige, Konflikte dauern an und die Pandemie bedeutet für die westafrikanische Bevölkerung gerade in der Zeit des Fastens und Teilens eine zusätzliche Belastung. Laut der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) könnte die Zahl der Menschen, die von Ernährungsunsicherheit und Unterernährung bedroht sind, zwischen Juni und August 2020 von 17 Millionen auf 50 Millionen Menschen steigen. Die Hilfsorganisationen fordern Maßnahmen, um besonders gefährdete Personen zu schützen und die Nahrungsmittelproduktion in der Region sicherzustellen.

Die Corona-Krise verschärft die Instabilität der Märkte und trifft mit voller Wucht auf eine bereits sehr fragile Ernährungssituation. Der Zugang zu Lebensmitteln ist trotz Bemühungen der Regierungen sowohl in den Hauptstädten der Region wie auch in ländlichen Gebieten erschwert, denn die Preise steigen und viele Grundnahrungsmittel sind kaum verfügbar. Grund hierfür sind die restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus, wie Ausgangssperren und Grenzschließungen, sowie Unsicherheiten in bestimmten Gebieten. In Burkina Faso oder Niger deckt die humanitäre Hilfe nicht den Nahrungsmittelbedarf von Tausenden Binnenvertriebenen.

Amadou Hamadoun Dicko, Präsident der Vereinigung zur Förderung des Viehbestands in der Sahelzone und in der Savanne (APESS), beschreibt die Situation in Burkina Faso: „In wenigen Tagen ist der Preis für einen 100-Kilogramm-Sack Hirse von 16.000 auf 19.000 CFA gestiegen und die Kosten für einen Liter Speiseöl haben sich verdoppelt. Auch Viehzüchter zahlen mehr für die Fütterung ihrer Tiere. Zusätzlich zu den ohnehin bestehenden Unsicherheiten kommt nun noch das Virus. Ich frage mich, wie dieses Jahr der Ramadan gelebt werden kann.“

Landwirtschaft sichert drei Viertel der Bevölkerung die Lebensgrundlage

Die landwirtschaftliche Saison beginnt gerade erst. Doch Produzenten sowie Bauern sind bereits jetzt wirtschaftlich stark von der Krise betroffen und haben Schwierigkeiten, hochwertiges Saatgut und Düngemittel zu beschaffen. Die Landwirtschaft macht 30,5 Prozent der westafrikanischen Wirtschaft aus. Für 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung ist sie die größte Einkommens- und Lebensgrundlage, hauptsächlich für Frauen, die von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen sind. „Wir haben 75 Prozent unseres Marktes durch die Sperrung der Stadt Bobo Dioulasso verloren“, sagt Toe Hazara, die in der Molkerei Café Rio in Burkina Faso arbeitet. „Die Situation ist unerträglich, denn wir können weder unsere 13 Mitarbeiter noch unsere Lieferanten bezahlen“, sagt sie.

Nomadische Viehzüchter, die bereits stark mit den Auswirkungen der Klimakrise und anderen Unsicherheiten zu kämpfen haben, trifft die Corona-Krise ebenfalls hart, weil die Schließung von Grenzen und Regionen die Wanderung ihrer Herden unmöglich macht und Konflikte zwischen Hirten und Bauern verschärft. „Die Ausgangssperren schränken die Möglichkeit ein, den Tieren nachts Wasser zu geben, mit der Folge, dass die Wasserstellen tagsüber überfüllt sind“, sagt Ismael Ag, Mitglied der Vereinigung Billital Maroobé Network (RBM).

Um diese Krise zu überwinden, bauen Bauern, Hirten, Fischer und Lebensmittelproduzenten auf die Unterstützung der regionalen Regierungen. Ibrahima Coulibaly, Präsident des Netzwerks der Bauern- und Erzeugerorganisationen Westafrikas (ROPPA), erklärt: „Wir hoffen, dass politische Entscheidungsträger und Bürger sich der Notwendigkeit bewusst werden, die lokale Produktion und den lokalen Verbrauch zu fördern. Das ist heute wichtiger denn je.“

Corona-Krise verlangt internationale Solidarität

Die lokalen Bauernorganisationen und internationalen NGOs fordern alle Regierungen auf, die Preise stabil zu halten, die Versorgung mit Lebensmitteln von Familienbetrieben sicherzustellen und den grenzüberschreitenden Warenverkehr zu gewährleisten. Zudem sind dringend Maßnahmen zur sozialen Sicherung und zum Schutz besonders gefährdeter Menschen erforderlich.  

Diese globale Krise verlangt regionale und internationale Solidarität. Um sie zu bewältigen, brauchen westafrikanische Staaten, Bauernorganisationen und die lokale Zivilgesellschaft dringend die Unterstützung von Gebern.

Die unterzeichnenden Organisationen sind Aktion gegen den Hunger, APESS, Care, Oxfam, RBM, ROPPA, Solidarités International, Save the Children.

Dieser Text stammt von der Website unserer Mitgliedsorganisation CARE und ist dort am 21.04.2020 unter dem Titel „50 Millionen Menschen in Westafrika durch COVID-19 vom Hunger bedroht“ von Stefan Brand veröffentlicht worden.

Schuldenmoratorium für die ärmsten Länder

Angesichts der aktuellen Corona-Krise einigten sich die wohlhabendsten Länder der Welt am 15.04.2020 darauf, die Schuldenforderungen an arme Nationen einzufrieren. Die Bemühungen der Länder im Kampf gegen Corona sollen so erleichtert werden.

Weitersagen

Schuldenmoratorium für die ärmsten Länder

Bereits im März riefen der Internationale Währungsfonds sowie die Weltbank zu einem Moratorium der Schuldenzahlungen für die ärmsten Länder der Welt auf. Die Finanzminister der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) schlossen sich dieser Forderung an und appellierten an die G20-Mitglieder, die Schulden zeitweise auszusetzen. Jetzt stimmten die G20-Staaten dem Schuldenmoratorium zu. 

Das Moratorium soll vom 1. Mai 2020 bis Jahresende gelten – je nach Notwendigkeit aber auch verlängert werden können. Gestundet werden alle Zinsen und Tilgungsraten für Verträge, die vor dem 24. März 2020 abgeschlossen wurden. Nach dem tilgungsfreien Jahr sollen die Staaten drei Jahre Zeit haben, das Geld zu zahlen. 

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire berichtete, dass etwa 76 Länder für den Zahlungsaufschub berechtigt wären. Das schließt etwa 40 afrikanische Länder südlich der Sahara ein. Schuldenzahlungen in Höhe von etwa 20 Milliarden US-Dollar würden insgesamt ausgesetzt werden. Auch zusätzliche Zahlungen an multilaterale Institutionen wie beispielsweise die Weltbank könnten ausgesetzt werden. 

Der IWF genehmigte außerdem bereits 500 Millionen US-Dollar um sechsmonatige Schuldenzahlungen für 25 der ärmsten Länder der Welt zu erlassen – darunter 19 afrikanische Länder. 

Die Schuldnerländer sollen die freiwerdenden Ressourcen in ihren Gesundheitssektoren einsetzen und somit mehr Mittel für Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie bereitstellen können. 

Die Afrikanische Union ernannte vier Sonderbeauftragte, um den Zugang zu medizinischen Hilfsgütern zu erleichtern und Unterstützung zu mobilisieren. Außerdem schuf sie eine Plattform, mit der den Ländern Afrikas geholfen werden soll, größere Mengen medizinischer Ware zu günstigeren Preisen zu kaufen.  

Obwohl der afrikanische Kontinent hinsichtlich der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus hinter Europa und den USA liegt, schätzen Beobachterinnen und Beobachter, dass der Anstieg der Fälle ähnlich wie in Europa verlaufen könnte. Man gehe davon aus, dass ein Konjunktur-Paket von 100 Milliarden Dollar nötig sei, um Afrika zu unterstützen. 

Dies ist ein übersetzter Auszug des Artikels “Richest countries agree to freeze poorer nations’ dept”  von Cara Anna und Aya Batrawy. Erschienen ist der Artikel am 15.04.2020 auf AP News. 

Weitere Informationen auf Deutsch dazu bei Deutsche Welle (15.04.2020): G20 stunden Schulden der ärmsten Länder  

Kenia: Schutzbekleidung aus dem 3D-Drucker

Kenia bereitet sich auf steigende Corona-Fallzahlen vor – auf ungewöhnliche Weise. 3D-Druck-Unternehmen designen und drucken jetzt verschiedene Hilfsgüter für die Krise. Das können beispielsweise Schutzausrüstung oder aber Teile medizinischer Geräte sein.

Weitersagen

Symbolbild: 3D-Drucker in Aktion

Kenia: Schutzbekleidung aus dem 3D-Drucker

Ultra Red Technologies, eines der führenden 3D-Unternehmen Kenias, nutzte etwa frei verfügbare Prototypen eines schwedischen Unternehmens und konnte so Gesichtsschutze aus Plastik herstellen. Die Technologie des 3D-Druckes bietet darüber hinaus auch im medizinischen Bereich viele Möglichkeiten: Ultra Red stellte in Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen bereits einen Prototypen für einen Adapter für Beatmungsgeräte her, mit dem entweder zwei oder sogar vier Patientinnen und Patienten gleichzeitig behandelt werden können. Das wäre eine enorme Hilfe für überfüllte Krankenhäuser.

Doch der 3-Druck im Bereich der Medizin ist in Afrika schon länger auf dem Vormarsch. In Uganda werden beispielsweise Prothesen für Amputierte gedruckt und getestet. Weitere Beispiele finden sich vielerorts. Expertinnen und Experten warnen allerdings davor, den 3-D-Druck als perfekte, langfristige Lösung zu bewerben und äußern Bedenken. Technologische Lösungen liefen Gefahr, nicht im breiteren Kontext gesehen zu werden.

Kurzfristig ist der 3D-Druck aber eine gute Lösung, die vielen Menschen helfen kann in einer Zeit, in der Schutzbekleidung und medizinische Geräte Mangelware sind. In Kenia gibt es derzeit 225 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus und 10 Todesfälle (Stand: 15.04.2020).

Dies ist ein übersetzter Auszug des Artikels Kenya’s 3D printing community is making Covid-19 equipment to fill a deficit as caseloads rise von Neha Wadekar. Erschienen ist der Artikel am 16.04.2020 auf Quartz Africa.

Ausgangssperren – Wer nicht arbeiten kann, dem droht Hunger

Arme und benachteiligte Menschen sind von Krisen oft besonders betroffen und ihnen schutzlos ausgesetzt. So wirken sich auch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus drastisch auf sie aus.

Weitersagen

_©picture UNHCR-Will-Swanson

Ausgangssperren – Wer nicht arbeiten kann, dem droht Hunger

Die Corona-Pandemie breitet sich auch immer weiter in den Ländern Afrikas aus. Mittlerweile (Stand 08.04.2020) haben 52 Länder in Afrika Infektionen mit dem neuartigen Virus gemeldet. Als eine geeignete Maßnahme gegen die weitere Verbreitung von COVID-19 gelten Ausgangssperren. Diese sollen den physischen Kontakt zwischen Menschen minimieren. Deshalb entscheiden sich immer mehr Länder in Afrika für solche Ausgangssperren. Für die Bevölkerung, insbesondere für arme und benachteiligte Menschen, bedeuten diese Maßnahmen mehr als nur die Beschränkung der Bewegungsfreiheit. Ihnen drohen Hunger und Mangelernährung.

Worüber sich momentan sehr viele Menschen noch größere Sorgen machen als über die Verbreitung von COVID-19 ist, wie sie überleben sollen, wenn alles geschlossen wird und die Menschen ihr Zuhause nicht mehr verlassen dürfen. Viele Menschen konnten nichts für schlechte Zeiten zurücklegen, weil sie zu arm sind.

Das hart verdiente Geld reicht meistens gerade für das tägliche Essen, Miete, Medikamente, Schulgebühren und kleinere alltägliche Auslagen – oft aber nicht einmal für das. So sind diese Menschen gezwungen, von Tag zu Tag zu leben. Verdienen sie ein paar Tage nichts, sind sie existenziell bedroht. In „normalen“ Zeiten können Freunde, Familie und Nachbarn bei finanziellen Engpässen kurzzeitig aushelfen, jetzt aber befinden sie sich ebenfalls in existenzieller Not und diese sozialen Netzwerke funktionieren nicht mehr.

Hinzukommt, dass die Lebensmittelpreise stark steigen, wie beispielsweise in der 20-Millionen-Metropole Lagos. Dies führte dazu, dass es sich arme Menschen vor der in Nigeria verhängten Ausgangssperre nicht leisten konnten, genügend Lebensmittel für die Zeit der Schließungen einzukaufen. Es drohen für weite Bevölkerungsschichten Hunger, Mangelernährung und der Verlust der Lebensgrundlage.

Zwar hat der Gouverneur von Lagos State, Babajide Sanwo-Olu, Lebensmittelhilfen für 200.000 Sechspersonenhaushalte als erste Maßnahme zugesichert und auch Nigerias Vizepräsident Yemi Osinbajo kündigte insbesondere für die von Armut betroffenen Bevölkerungsschichten Unterstützungen an. Doch die angekündigten Maßnahmen sind bei weitem nicht ausreichend, um die Gefahr des Hungers abzuwehren. Mit jedem weiteren Tag, an dem die Ausgangssperren gelten, wächst die Gefahr einer Hungersnot und der Druck auf die Regierungen zu handeln.

Quellen und weiterführende Links

CNN Africa: ‚We don’t work, we don’t eat‘: Informal workers face stark choices as Africa’s largest megacity shuts down‘ (31.03.2020)

CNN Africa: South African President announces three-week lockdown over coronavirus (24.03.2020)

CNN Africa: Nigeria overtakes India in extreme poverty ranking (26.06.2018)

The Guardian: We will starve‘: Zimbabwe’s poor full of misgiving over Covid-19 lockdown (3.04.2020)

Nigeria virus lockdown pushes Lagos poor to the brink (2.04.2020)

Solidarität: Regierungen in Afrika verzichten auf Teile ihres Gehalts

Immer mehr Regierungen verzichten aufgrund der Coronakrise auf einen Teil ihres Gehalts. Die Einschnitte variieren von Land zu Land.

Weitersagen

Symbolbild: Solidarität, alle ziehen an einem Strang

Solidarität: Regierungen in Afrika verzichten auf Teile ihres Gehalts

In Ghana spendete Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo drei Monatsgehälter an einen speziell eingerichteten Fonds zur Bekämpfung des Virus. Die Gesetzgeber in Nigeria haben vor Wochen zugestimmt auf ihre Gehälter als Beitrag zum Kampf gegen COVID-19 zu verzichten. Aus dem gleichen Grund nahmen auch Kenias Präsident und hochrangige Regierungsbeamte Gehaltskürzungen vor.

In Malawi kündigte Präsident Peter Mutharika an, zusammen mit seinen Ministern eine Gehaltskürzung von 10 % vorzunehmen.

„Der Coronavirus-Angriff hat enorme negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Unternehmen überall. Es gibt viele Geschäftsleute und Akteure der Branche, für die die aktuelle Situation Unsicherheit bedeutet. Ich weiß, dass alle besorgt sind “, sagte er. „Daher wird die Regierung Maßnahmen ergreifen, um Arbeitsplätze, Einkommen und Unternehmen zu schützen und die Kontinuität der Lieferketten und das Überleben der Wirtschaft sicherzustellen.“

Unter anderem wies Präsident Mutharika die Zentralbank von Malawi an, den Banken zu gestatten, kleinen und mittleren Unternehmen einen dreimonatigen Aufschub von Zinszahlungen für Kredite anzubieten. Er wies auch die Wettbewerbskommission des Landes an, strenge Preiskontrollen einzurichten und jeden zu bestrafen, der auf Kosten der Malawier steigende Preise verlangt.

Ruandische Minister und Spitzenbeamte haben sich diesem wachsenden Trend nun angeschlossen. Kabinettsminister und andere haben vereinbart, ihre Gehälter für den Monat April zu spenden, um dem Land bei der Bekämpfung der Pandemie zu helfen.

Dieser Text ist ein übersetzer Auszug aus dem Artikel African officials donate salaries to COVID-19 fight: Rwanda cabinet joins list. Der Artikel ist am 07.04.2020 auf der Website africanews.com erschienen.

Ein Hackathon gegen Corona

Am 1.April veranstaltete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Brazzaville, ihrem Regionalbüro für Afrika, einen dreitägigen Hackathon um Strategien im Umgang mit der COVID-19-Pandemie zu entwickeln.

Weitersagen

Ein Hackathon gegen Corona

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Dr. Moredreck Chibi, regionaler Berater für Gesundheitsinnovationen der WHO äußerte sich wie folgt zur aktuellen Situation der COVID-19-Pandemie: „Eine Reaktion (auf die Pandemie) erfordert Handeln über den Gesundheitssektor hinaus.“

Im Kollektiv kreative Strategien entwickeln

So startete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am ersten April 2020 in Brazzaville einen dreitägigen, virtuellen Hackathon mit rund hundert führenden Innovatorinnen und Innovatoren aus Subsahara-Afrika. Das Ziel des Hackathons der WHO sollte die Entwicklung kreativer Lösungen gegen die COVID-19-Pandemie sein. Dabei sollten speziell kritische Regionen unterstützt werden.

Ein Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“) ist eine kollaborative Soft- und Hardwareentwicklungs­veranstaltung. Ziel eines Hackathons ist es, innerhalb der Dauer dieser Veranstaltung gemeinsam Soft- und Hardwareprodukte herzustellen als Lösungen für gegebene Probleme. Die Teilnehmenden kommen aus unterschiedlichen Bereichen und bearbeiten ihre Projekte häufig in funktionsübergreifenden Teams.

Die WHO entwickelte einen Strategieplan im Zuge der Eindämmung des Coronavirus. Dieser lässt sich in acht Bereiche unterteilen: Koordination, Überwachung, Risikokommunikation und gemeinschaftliches Handeln, Eingangspunkt, Labor, Infektionsprävention- und Kontrolle, Fall-Handling und Kontinuität essenzieller Gesundheitsversorgung und operationelle und logistische Unterstützung. Die Teilnehmenden des Hackathons wurden in genau diese acht Kategorien eingeteilt, um speziell dafür Lösungen zu finden.

Die Ergebnisse wurden am letzten Tag gepitcht. Jeder Gruppe wurde hierbei ein WHO-Experte oder eine WHO-Expertin zugewiesen und die besten drei Projekte erhielten eine Startfinanzierung. Die Ideen reichten von Selbstdiagnose- bis zu Mapping-Tools.

Mit wenig Ressourcen viel erreichen

Gerade jetzt gilt es solidarisch und gemeinsam im Kollektiv innovative Wege und Lösungen im Umgang mit der Krise zu finden. Auch hierin sieht Dr. Moredreck Chibi eine klare Stärke der Länder Afrikas, da sie Erfahrung in der Entwicklung von Innovationen unter eingeschränkten Ressourcen haben. Gleich zu Anfang der Virus-Ausbreitung in Afrika wurde beispielsweise nach Möglichkeit digital statt bar gezahlt, um den Kontakt von Mensch zu Mensch gering zu halten. Der digitale Fortschritt in Sachen Geldtransfer erleichtert mit Bezahlsystemen wie M-pesa den bargeldlosen Zahlungsverkehr um ein Vielfaches.

Quellen und weiterführende Links

Website der WHO Regional Office for Africa: WHO in Africa holds first ‘hackathon’ for COVID-19 (01.04.2020)

Relief Web – Humanitäres Informationsportal: WHO in Africa holds first ‘hackathon’ for COVID-19 (02.04.2020)

The Daily Telegraph – Britische Tageszeitung: Dirty banknotes may be spreading the coronavirus, WHO suggests (02.03.2020)

TechCrunch: Online-Nachrichten-Portal für Technologieunternehmen: Africa Roundup: Africa’s tech ecosystem responds to COVID-19 (01.04.2020)

Wikipedia.de (09.04.2020): Hackathon

Website von World Remit – Geldtransferdienst: worldremit.com

Weniger Überweisungen an Familienmitglieder in Afrika durch COVID-19

Viele Menschen schicken ihren Familien im Ausland regelmäßig Geld. Durch COVID-19 ist diese Einkommensquelle gefährdet.

Weitersagen

Symbolbild

Weniger Überweisungen an Familienmitglieder in Afrika durch COVID-19

Maßnahmen gegen die Verbreitung von COVID-19 führten in vielen Industrieländern zu Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen. Dadurch können viele Menschen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen und müssen zu Hause bleiben. Dies betrifft auch Menschen mit Familie im Ausland, die Geld an ihre Familien schicken, um sie zu unterstützen. Die Weltbank schätzt, dass im Jahr 2018 durch solche Überweisungen 529 Milliarden US-Dollar über offizielle Kanäle an Entwicklungsländer überwiesen wurden. Weitere Milliarden sind vermutlich in bar geflossen.

Viele dieser Überweisungen werden von Menschen getätigt, die als Tagelöhner oder in Dienstleistungsberufen arbeiten und kein geregeltes Einkommen haben. Sie sind meistens die ersten, die in einer Krise ihre Arbeit verlieren und sind somit momentan am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen.

In Afrika überstiegen diese Überweisungen an Familienangehörige die Höhe ausländischer Hilfszahlungen und Direktinvestitionen, wodurch die Auswirkungen der Corona-Krise in den Industrieländern auch jetzt schon in afrikanischen Ländern zu spüren ist. Ein Geldtransferunternehmen in Europa, das Geld nach Afrika schickt, verzeichnete innerhalb einer Woche einen Volumenrückgang von 80 Prozent, teilte das in Washington ansässige Center for Financial Inclusion im vergangenen Monat mit.

In Somalia machte sich Abdalla Sabdow, ein ehemaliger Sicherheitsbeamter und Vater von sechs Kindern, letzte Woche auf den Weg durch Mogadischu, um die 200 Dollar abzuholen, die er monatlich von seinem Cousin Yusuf Ahmed, einem Taxifahrer in den USA, erhält. Aber das Geld war nicht angekommen. Sein Cousin war, wie viele in den USA, seit fast drei Wochen in seinem Haus eingesperrt und konnte nicht arbeiten. Für Sabdow bedeutet dies, dass er seine Miete nicht bezahlen kann und ihm langfristig sogar Obdachlosigkeit drohen könnte.

Dies ist ein übersetzter Auszug des Artikels „Virus crisis cuts off billions sent to poor around the world” von Gisela Salomon, Sonia Pérez und Michael Weissenstein. Erschienen ist der Artikel am 07.04.2020 auf AP News.

Burkina Faso – Was COVID-19 für das Land bedeutet

Am 9. März 2020 wurde der erste Fall von COVID-19 in Bobo-Dioulasso, Burkina Faso bekannt. Expertinnen und Experten sehen die Ausbreitung der Pandemie als große Bedrohung. Wie wirkt sich COVID-19 auf das Land aus, welches schon vor COVID-19 mit großen Problemen zu kämpfen hatte?

Weitersagen

_©picture Islamic Relief

Burkina Faso – Was COVID-19 für das Land bedeutet

Innerhalb Westafrikas ist Burkina Faso am stärksten von der Ausbreitung von COVID-19 betroffen. Reisestoppps innerhalb des Landes wurden erst 15 Tage nach Bekanntwerden der ersten Fälle eingeführt. Das heißt, es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächsten Fälle in anderen Teilen des Landes bekannt werden. Auch Testlabore für COVID-19 sind kaum  vorhanden.

Das Land mit rund 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hat eines der schwächsten Gesundheitssysteme in der Region, da die bestehende Infrastruktur in den letzten Jahren weitreichend durch kriegerische Auseinandersetzungen zerstört wurde. Folglich sind die Menschen in Burkina Faso auf Hilfsgüter angewiesen. Doch mit der Ausbreitung von COVID-19 wurden die Lieferungen der Hilfsgüter aus anderen Ländern größtenteils gestoppt, da auch politisch stabile Staaten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind.

Die Versorgung der Bevölkerung ist gefährdet

COVID-19 unterbricht die Lieferkette von humanitären Gütern in die am stärksten auf Hilfe angewiesenen Gebiete. Nichtregierungsorganisationen, die Projekte in Burkina Faso betreiben, stellen ebenfalls ihre Reisetätigkeiten ein. Sie versuchen tagtäglich aufs Neue, ihre Arbeit aufrechtzuerhalten. Beispielsweise werden Essensausgaben so angepasst, dass eine geringere Anzahl von Menschen gleichzeitig aufeinander trifft. Dies ist in der Organisation nicht immer einwandfrei umzusetzen, da man auf beengtem Raum und in Warteschlangen nur schlecht Abstand halten kann.

Große Unternehmen und Lieferanten von Grundnahrungsmitteln und Zusatznahrung für unterernährte Kinder haben ihre Standorte in Ländern wie Frankreich oder Indien, die ebenfalls von strikten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen sind. Folglich werden Produktion und Lieferung eingestellt oder verlangsamt. Die Flughäfen in Ouagadougou und in Bobo-Dioulasso und die Landesgrenzen wurden aufgrund der weltweiten Ausbreitung der Pandemie vorerst geschlossen. Eine Ausnahme gibt es für Gütertransporte, doch es kommt zu erheblichen Verzögerungen bei der Belieferung.

Die Nahrungsmittelpreise in den von Gewalt und Terrorismus betroffenen Regionen sind verhältnismäßig hoch. Die Wasserversorgung in den Städten ist knapp geworden, da nun eine größere Anzahl an Menschen zentriert auf einem Gebiet lebt. Die Regierung hat kostenfreie Gesundheitsleistungen für Erkrankte und die Distribution von Nahrungsmitteln für Hilfsbedürftige angekündigt. Denn auch große Märkte in der Hauptstadt Ouagadougou und der Umgebung wurden vorerst geschlossen. Auch hier ist damit zu rechnen, dass die staatlichen Mittel nur für eine geringe Zahl der Menschen ausreichen.

Herausforderungen bei der Eindämmung der Pandemie

In Burkina Faso tätige NGO versuchen die bestehenden Informationskanäle zu nutzen, um Menschen über COVID-19 zu informieren, Schutzmaßnahmen und aktuelle Informationen zu verbreiten. Religiöse Praktiken und die Arbeitsverhältnisse lassen jedoch Maßnahmen wie das sogenannte Social Distancing meist nicht zu. Da sich viele Menschen auf der Flucht befinden oder in Camps in überfüllten Städten leben, ist eine Verlangsamung der Ausbreitung der Pandemie kaum möglich.

Ein weiteres Problem stellt das mangelnde Vertrauen gegenüber staatlichen Institutionen bzw. der Regierung dar. Viele Menschen gehen bei Auftreten von gesundheitlichen Beschwerden zu traditionellen Heilerinnen und Heilern und vertrauen den Informationen der Regierung nicht.

Dominoeffekt: wenn die reichen Länder straucheln, trifft es auch die armen

Die Zahl der Binnenvertriebenen steigt konstant an. Es stellt sich die Frage, in welchem Maße mit dem Ausbleiben von Hilfsleistungen zu rechnen ist. Denn die geringen Hilfeleistungen, die Burkina Faso von beispielsweise den Vereinigten Staaten zugesichert wurden, aber die nicht einmal die nötigen humanitären Hilfsgüter abdecken, sind nun gefährdet. Denn die Vereinigten Staaten haben derzeit selbst sämtlichen Betrieb eingestellt und haben insbesondere im Gesundheitssektor mit Ressourcenknappheit zu kämpfen.

Die Lücke im Gesundheitssystem des westafrikanischen Landes wird mit der Pandemie täglich größer.

Zwischen Juni und Oktober wird sich die Situation für Kleinkinder ganz besonders verschärfen. Die zu erwartende Hungerkrise im Juni und die Malaria-Saison stehen bevor. Hier wird sich zeigen, wie stark das gängige Spendenaufkommen zur Malaria-Prävention und Masern-Impfung von der Corona-Pandemie betroffen ist.

Die Reisebeschränkungen verhindern teilweise den Einsatz von weiterem, gut ausgebildetem medizinischen Personal in den betroffenen Regionen.

Umso wichtiger schätzen Expertinnen und Experten nun also den Schutz des medizinischen Personals ein, welches sich im Einsatz befindet.

Quellen und weiterführende Links:

The New Humanitarian (2020) Burkina faso’s spiraling crisis: Humanitarians, violence, and coronavirus. https://www.thenewhumanitarian.org/video/2020/03/31/Burkina-Faso-crisis-violence-coronavirus

BBC News (2020) Burkina Faso

UN News (2020) Burkina Faso crisis and COVID-19 concerns highlight pressure on Sahel food security

U.S. Embassy in Burkina Faso (2020) COVID-19 Information

Schlein, L. / VOA News (2020) UN Warns Mass Hunger Facing West Africa Will Worsen as Coronavirus Takes Hold

Al Jazeera and News Agencies (2020) Four Burkina Faso gov’t ministers test positive for coronavirus

Food and Agriculture Organization of the United Nations (2020), PDF: GIEWS Country Brief Burkina Faso

Médecins Sans Frontières (2020) Four questions on the unprecedented humanitarian emergency in Burkina Faso

Norwegian refugee Council (2020) Burkina Faso shattered by world’s fastest growing displacement crisis

Electoral Institute for Sustainable Democracy in Africa (2019) 2020 African election calendar

International Institute for Democracy and Electoral Assistance (International IDEA) (2020) Global overview of COVID-19: Impact on elections

Corona – wie gut ist Afrika gewappnet?

Das Corona-Virus ist vergleichsweise verspätet nun auch in Afrika angekommen. Auch wenn die Zahlen verhältnismäßig gering sind, so kann es hier allerdings besonders gefährlich werden: Viele Länder haben ein geschwächtes Gesundheitssystem und dort Lebende können gebietsweise ohnehin schon nur unzureichend versorgt werden. Die medizinische Versorgung kommt hier schnell an ihre Grenzen, die Ausbreitung des Virus beschleunigt sich möglicherweise außerordentlich schnell.

Weitersagen

Corona – wie gut ist Afrika gewappnet?

Mangelnde allgemeine Gesundheitsversorgung

Fehlende Technik, fehlendes Personal und viel zu geringe Kapazitäten in den Krankenhäusern sorgen dafür, dass viele afrikanische Länder besonders schlecht auf das Virus Sars-CoV-2 vorbereitet sind. Die mangelnde medizinische Grundversorgung stellt afrikanische Länder vor eine besondere Herausforderung im Umgang mit dem Virus.

Im gesamten afrikanischen Raum gibt es laut WHO derzeit etwa 250 Fälle, mit 93 befinden sich die meisten davon in Ägypten, an zweiter Stelle ist Südafrika mit 38 Fällen. Innerhalb von 24 Stunden sind sieben neue afrikanische Länder hinzugekommen, welche von offiziell bestätigten Fällen berichten (Stand: 15.03.20). Allerdings gibt es Grund zur Annahme, dass die Dunkelziffer bereits viel höher ist: Es gibt nur begrenzte Testmöglichkeiten, da nicht genügend Labore den Virus nachweisen können. Wer krank ist, weiß also noch nicht unbedingt davon – weil ihm die Möglichkeiten fehlen, es in Erfahrung zu bringen, oder weil die Symptome bislang noch nicht aufgetreten sind. Es ist also damit zu rechnen, dass die Zahlen zeitnah rasant ansteigen werden und wir uns derzeit noch weit vor den tatsächlichen Werten befinden.

Afrika bereitet sich auf Corona vor

Inzwischen gibt es 39 Labore, die geschult und entsprechend ausgestattet sind, anfangs waren es nur zwei. Die Maßnahmen der Regierungen zum Schutz der Bevölkerung sind – durch die Erfahrungen im Umgang mit Seuchen wie Ebola – routinierter und entschlossener als europäische. Viele verfügen schon ab dem ersten bestätigten Corona-Fall, teilweise sogar schon vorher, drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens. An Flughäfen finden verstärkte Gesundheitskontrollen statt und der Flugverkehr, insbesondere zu Risikogebieten, wird eingeschränkt bzw. ganz unterbrochen. In Ländern wie Namibia, Südafrika und Madagaskar schließen bereits Schulen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, das Virus einzudämmen, oder es zumindest in seiner Ausbreitung zu verlangsamen, ist neben entsprechender hygienischer Vorsorge und medizinischer Versorgung außerdem die Transparenz: Gerade China stellt ein Negativbeispiel dafür dar, wie Vertuschung und fehlende Aufklärung zu rasanter Verbreitung führen können.

Ebola-Medikament soll im Kampf gegen Corona getestet werden

Derzeit laufen Medikamententests auf Hochtouren. Unter anderem wird momentan auch ein Ebolamittel getestet, welches die Vermehrung des Erbguts bestimmter Viren, zu denen auch das Coronavirus zählt, ausbremsen soll (Stand: 13.03.20).

Die letzte Ebola-Epidemie fand zwischen 2014 und 1016 hauptsächlich im westafrikanischen Raum statt und gilt mit ihrem Ausmaß als eine der schlimmsten seit ihrer erstmaligen Diagnose 1976. Damals wurden mit dem Medikament Remdesivir bereits Menschen behandelt, die an Ebola erkrankt waren, es erfüllte jedoch nicht die Erwartungen. Nun wird es im Kampf gegen Corona geprüft.

Welchen Beitrag leisten unsere Mitgliedsorganisationen?

Unsere Mitgliedsorganisationen leisten wichtige Beiträge zur gesundheitlichen Versorgung Afrikas. Das ist in der aktuellen Krise wichtiger denn je! ADRA Deutschland beispielsweise unterstützt mit Spenden die Beschaffung von medizinisch-hygienischen Hilfsgütern in Krisengebieten und action medeor unterstützt Hilfsprojekte und den Versand von Medikamenten weltweit. Die Stiftung Menschen für Menschen leistet mit ihren Hygieneprojekten in Äthiopien einen wichtigen Beitrag bei der Eindämmung von Infektionen.

Um unsere Mitgliedsorganisationen auch weiterhin mit Spenden zu unterstützen, bitten wir Sie in dieser schwierigen Situation, Ihren Blick für die humanitäre Lage über die eigenen Grenzen hinaus nicht zu verlieren und sich solidarisch zu zeigen, soweit es Ihnen möglich ist.

Leisten Sie mit ihrer Spende einen Beitrag und helfen Sie bei der Schaffung von Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten der Virus-Erkrankung in Afrika!

Quellen und weitere Informationen:

Aktueller Überblick der WHO zur Ausbreitung des Corona-Virus

Interview vom Spiegel zur Lage des Corona-Virus in Afrika

Artikel des Ärzteblattes zur Studie mit Ebola-Medikament

Artikel der Westdeutschen Zeitung zur Corona-Situation in Afrika

TAZ-Artikel zum Umgang Afrikas mit der Corona-Situation