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Kinderarbeit in Lebensmitteln

Viele Lebensmittel, bei denen wir es nicht vermuten, werden mit Hilfe von Kinderarbeit erzeugt. Meist geschieht das schon so früh in der Lieferkette, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, Kinder könnten in die Produktion involviert sein.

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Kinderarbeit in Lebensmitteln

In Afrika arbeitet jedes fünfte Kind. Laut der International Labour Organisation (kurz: ILO) wird 85 % der Kinderarbeit auf dem afrikanischen Kontinent in der Landwirtschaft geleistet. Nach der Arbeit im Baugewerbe und im Bergbau gilt die Landwirtschaft als drittgefährlichster Wirtschaftssektor. Nach Informationen der ILO sterben etwa 22.000 Kinder pro Jahr bei Arbeitsunfällen.  

Kinderarbeit kann in fast jedem Lebensmittel stecken! Hier vier Beispiele von Lebensmitteln, denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. 

Kinderarbeit auf Palmöl-Plantagen 

Müsli, Kekse, Schokoriegel oder Fertigsuppen: Etwa jedes zweite Produkt, das im Supermarkt angeboten wird, enthält Palmöl. Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen. Diese wächst nur in Äquatornähe. Weltweit werden auf 19 Millionen Hektar Ölpalmen angebaut. Das meiste Palmöl stammt aus Plantagen in Malaysia und Indonesien. Doch auch in mehreren Ländern Afrikas, wie Nigeria oder der Côte d’Ivoire, wird immer mehr Palmöl angebaut.  

Da die Nachfrage stetig wächst, wird immer mehr Regenwald für den Anbau gerodet. In einigen Plantagen nehmen die Arbeitsbedingungen menschenrechtsverletzende Ausmaße an. Unter anderem sind Beschäftigte giftigen Pestiziden ausgesetzt. Diese können Hautausschläge, Erkrankungen der Atemwege sowie Krebs verursachen. Zudem müssen oft Kinder unter 14 Jahren ihren Eltern helfen, die viel zu hohen Zielvorgaben der Firmen zu erfüllen.  

Die Kinder leiden unter den langen Arbeitstagen, der Hitze und der Sonneneinstrahlung. Zudem kommt es zu Unfällen durch umstürzende Palmen und herabfallende Früchte. Frauen wurden mit Lohnkürzungen bedroht, falls sie Überstunden verweigerten. Das Tragen schwerer Säcke voller Früchte verursacht insbesondere bei Kindern häufig Haltungsschäden. Die Arbeit mit spitzen Werkzeugen führt auch immer wieder zu Verletzungen. 

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun

Da Palmöl in so vielen Produkten vorkommt, ist es schwer, darauf zu verzichten. Auch der Wechsel zu anderen pflanzlichen Fetten stellt keine Lösung dar – vor allem aus ökologischer Sicht. Denn Ölpalmen sind dreimal ertragreicher als Raps und sechsmal so ertragreich wie Soja.  

Jede und jeder kann mit bewussterem Konsum dazu beitragen, weniger Palmöl zu verbrauchen. Palmöl kommt in sehr vielen verarbeiteten Lebensmitteln wie Süßwaren und Fertiggerichten vor. Auch Fleisch aus konventioneller Haltung verschlingt große Mengen Palmöl, da es als Teil des Futtermittels verwendet wird. Zusätzlich sollte bei Produkten mit Palmöl darauf geachtet werden, dass diese zertifiziert sind.  

Folgende Siegel kennzeichnen Palmöl-Produktionen mit Mindestanforderungen an soziale Standards (Verbot von Kinderarbeit) und Nachhaltigkeit:  

Kinderarbeit für Bananen

Bananen sind das meistkonsumierte Frischobst der Welt. Einer der größten Bananenimporteure ist Deutschland. Die meisten Bananen werden in Südamerika angebaut. Doch auch in Asien und Afrika gibt es große Bananenplantagen. Mehr als 80 Prozent der geernteten Früchte auf Plantagen in Ghana, Kamerun oder der Côte d’Ivoire gehen an die EU.  

Auf vielen Bananen-Plantagen ist Kinderarbeit weit verbreitet. Kinder müssen bis zu 40 Kilogramm schwere Bananenstauden tragen und sind giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt. Pestizide können zu Bauchschmerzen, Hautausschlag, Augenirritationen und langfristig sogar zu Unfruchtbarkeit und Krebs führen.  

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun

Durch den bewussten Einkauf von regionalem und saisonalem Obst ist es möglich auf Lebensmittel, die mit Hilfe von Kinderarbeit produziert wurden, zu verzichten. Eine weitere Möglichkeit bieten fair gehandelte Produkte. Inzwischen bieten selbst die meisten Discounter Bananen aus fairem Handel an (mehr dazu unten). 

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen

Die Kinderarbeit im Kakaoanbau soll schon seit 20 Jahren abgeschafft werden. 2020 stieg die Zahl der arbeitenden Kinder in diesem Sektor allerdings sogar wieder an.  

60 Prozent des weltweiten Kakaos stammen aus den westafrikanischen Ländern Côte d’Ivoire und Ghana. Da Kleinbäuerinnen und -bauern oft weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag verdienen, müssen ihre Kinder sie unterstützen.  

Die Kinder helfen bei der Ernte des Kakaos, tragen die Früchte zusammen, jäten Unkraut und düngen und pflegen die Bäume. Außerdem übernehmen sie andere Aufgaben auf der Plantage, wie Wäsche waschen, putzen oder kochen. Die Arbeit auf den Plantagen ist schwer: Kinder müssen zum Teil mit gefährlichen Werkzeugen, wie Macheten, arbeiten oder Kakaosäcke schleppen, die bis zu 70 Kilogramm wiegen können. Außerdem müssen sie Kakaopflanzen mit giftigen Pestiziden besprühen, die ihre Gesundheit schädigen. Teilweise arbeiten Kinder auf anderen Plantagen als die eigenen Eltern und haben kaum Kontakt zu ihnen. Manche Kinder werden auch beschimpft, gedemütigt oder geschlagen. Dies führt zu physischen und psychischen Störungen bei den Kindern.   

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun

Beim Einkauf von Kakao oder Schokolade sollte auf Produkte aus fairem Handel zurückgegriffen werden (mehr dazu unten). 

Kinderarbeit bei der Kaffee-Produktion 

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen: Jährlich trinkt eine Person etwa 150 Liter. Der Großteil des nach Deutschland importierten Rohkaffees kommt aus Südamerika und Afrika. In Afrika wird Kaffee vor allem in Äthiopien, Kenia, Uganda, Burundi, Kamerun und der Côte d’Ivoire angebaut.  

Der Preis für Rohkaffee ist sehr gering. Für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Kaffeeplantagen ist es deshalb schwierig genügend Kaffee zu ernten, um ihr Leben damit ausreichend finanzieren zu können. Deshalb müssen häufig ihre Kinder mithelfen. Diese helfen bei der Ernte, säubern und sortieren die Bohnen oder düngen die Pflanzen. Teilweise müssen Kinder auch schwere Säcke voller Kaffeebohnen schleppen. Dies stellt eine große Belastung für den Rücken und die Gelenke dar.  

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun

Auch bei Kaffee ist der Kauf von fair produziertem und gehandeltem Kaffee eine Möglichkeit, Kinderarbeit zu verhindern. Leider sind nur etwa 10 Prozent des in Deutschland erhältlichen Kaffees fair gehandelt. Dennoch bieten fast alle Supermarktketten inzwischen auch fairen Kaffee an, als Bohnen, Pulver oder Pads. 

Wichtige Siegel für fair gehandelte Lebensmittel, bei denen Kinderarbeit verboten ist 

Quellen:

Seiffert, B. / Kinderarbeit in der Landwirtschaft: Wo liegt der Schlüssel zur Wende? In Welternährung von Dezember 2020. 

o. A. / Palmöl in WWF vom 23.10.2020.  

Flatley, A. / Kinderarbeit was kann ich dafür? In Utopia vom 15.06.2021 

Utopia Team / Palmöl: Die tägliche Regenwald-Zerstörung beim Einkauf in Utopia vom 14.10.2019. 

Kinderarbeit für Elektrogeräte

Immer mehr elektronische Geräte führen zu einem Anstieg der Nachfrage nach seltenen Rohstoffen, wie Kobalt, Kupfer oder Coltan. Beim Abbau dieser Rohstoffe arbeiten häufig auch Kinder unter schlimmsten Bedingungen. Zudem gibt es immer mehr Elektroschrott, der auf Müllhalden landet und dort unter anderem von Kindern verbrannt wird, um an das verbaute Gold oder Kupfer zu gelangen. Die giftigen Dämpfe schädigen die Gesundheit nachhaltig.

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Kinderarbeit für Elektrogeräte

Elektronische Geräte bestimmen einen Großteil unseres Alltags. In Deutschland besitzen etwa 60 Millionen Menschen ein Smartphone. Viele von ihnen richten den ersten Blick nach dem Aufwachen auf ihr Handydisplay. Die Nachrichten werden dann über den Bluetooth-Lautsprecher gehört und bevor man das Haus verlässt, wird die Smartwatch umgelegt. Einige steigen in ihr E-Auto, um zur Arbeit zu kommen. 2021 fuhren erstmals über eine Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen. 

All diese Geräte haben eines gemeinsam: leistungsstarke Akkus, häufig Lithium-Ionen-Akkus. Die wachsende Nachfrage an Lithium-Ionen-Akkus führt dazu, dass immer mehr Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Kupfer gefördert werden müssen, um sie herzustellen.  

Kinderarbeit bei der Rohstoffförderung 

Kinderarbeit für Elektrogeräte beginnt bei der Förderung von Rohstoffen. In Kobaltminen im Süden des Kongos beispielsweise arbeiten etwa 40.000 Kinder. Sie arbeiten unter gefährlichsten Bedingungen und müssen teils bis zu 24 Stunden unter der Erde verbringen.  

Bei Erdrutschen können Minen leicht einstürzen, bei Regen kommt es häufig zu Überschwemmungen. Es gibt kaum Sicherheitsmaßnahmen und viele Kinder arbeiten ohne festes Schuhwerk oder Helme. Der eingeatmete Staub bei der Arbeit führt zu Lungenproblemen. 

Trotz der harten Arbeit ist der Verdienst der Kinder gering und liegt bei etwa ein bis zwei US-Dollar pro Tag. Diese sind jedoch oft unabdingbar, um das Überleben der Kinder und ihrer Familien zu sichern.  

Faire und sichere Arbeitsbedingungen für Erwachsene sind ein wichtiger Schritt gegen Kinderarbeit. Denn nicht die Verwendung von den seltenen Rohstoffen ist problematisch, sondern ihre Gewinnung. Es wäre fatal wenn die Industrie in Europa auf Rohstoffe aus afrikanischen Ländern verzichten würde, denn Millionen Menschen hätten dann gar keine Einnahmequelle mehr. Stattdessen muss dafür gesorgt werden, dass Eltern genug verdienen, also ein faires Gehalt bekommen, um ihren Kindern Bildung und eine sichere Zukunft zu ermöglichen.  

Das Lieferkettengesetz in Deutschland ist ein Ansatz für faire Arbeitsbedingungen und gegen Kinderarbeit , doch leider greift das Gesetz nicht weit genug und der Anfang von Lieferketten, gerade dort, wo die meisten Menschenrechtsverletzungen stattfinden, wird kaum kontrolliert.  

Elektroschrott und  Kinderarbeit 

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 22 Millionen neue Smartphones verkauft. Doch was passiert mit den alten Geräten? 2019 sind in der EU 54 Millionen Tonnen Elektroschrott angefallen. Die WHO schätzt, dass etwa 20 % dieses Schrotts illegal exportiert wurde.  

Der Elektroschrott landet bspw. auf der größten Müllhalde der Welt in Accra, Ghana. Weltweit arbeiten etwa 18 Millionen Kinder auf Müllhalden für Elektroschrott. Dort durchsuchen sie den Müll nach Spuren von Gold, Coltan oder Kupfer, die in den Altgeräten verbaut sind. 

Um die Rohstoffe zu gewinnen, müssen die Elektrogeräte verbrannt und zerstört werden. Dabei werden oft hochgiftige Gase freigesetzt. Der Kontakt mit Blei, Zink und Chrom reizt die Augen und führt zu Kopfschmerzen. Langfristig wird das Nervensystem geschädigt, Krebs- und schwere Lungenerkrankungen sind häufige Folgen.  

Das konsequente Recycling von Batterien in E-Autos oder kleinen Elektrogeräten kann in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass weniger der seltenen Rohstoffe abgebaut werden müssen. Das schont auch Umwelt und Ressourcen. 

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun, um Kinderarbeit für Elektrogeräte zu verhindern

Am besten ist es, elektronische Geräte gebraucht zu kaufen und so lange wie möglich zu nutzen. Für Elektrogeräte wie Smartphones, Smartwatches, Kopfhörer, Lautsprecher, Monitore, Laptops oder Kameras, aber auch Küchengeräte gibt es die Möglichkeit, sie “refurbished” also “wiederaufbereitet” zu kaufen. 

Diese Geräte sind also Second Hand, haben aber mindestens ein Jahr Garantie. Kritische Komponenten wie das Display oder die Akkus werden oft ausgetauscht, so dass man ein voll funktionstüchtiges Gerät erhält. So kann die Lebenszeit von Geräten teilweise verdoppelt werden und beim Kauf spart man auch noch Geld.  

Bei Smartphones gibt es zudem fair produzierte Produkte wie das neue Fairphone 3 oder das Shift 5me, mit denen Kinderarbeit für Elektrogeräte verhindert wird. 

Bis 2022 will die “Global Battery Alliance” ein Qualitätssiegel entwickeln, welches die sozialen, ökologischen und ökonomischen Faktoren der Batterieherstellung transparent machen soll. Das Siegel soll Batterien auszeichnen, die ohne Kinderarbeit und mit bestimmten Sicherheits- und Gesundheitsstandards produziert wurden.  

Oft wird die Kinderarbeit im Abbau von Kobalt und anderen seltenen Rohstoffen als Argument gegen die Mobilitätswende und Elektro-Autos missbraucht. Dieses Argument lässt allerdings außenvor, dass nicht die Rohstoffe und ihre Verwendung das Problem sind, sondern die Art und Weise wie sie gefördert werden und daran kann etwas geändert werden. 

Auch bei der Entsorgung von Altgeräten kann jede und jeder etwas tun. Elektroschrott gehört weder in den Hausmüll noch in die gelbe Tonne. Elektrogeräte können kostenlos bei kommunalen Sammelstellen abgegeben werden. Kleinere Elektrogeräte mit einer Seitenlänge bis zu 25 cm (z.B. Handys, Toaster, Fernbedienungen) können auch bei Elektrofachgeschäften (mit einer Ladenfläche über 400 Quadratmetern) kostenlos abgegeben werden. Vorteil der richtigen Entsorgung ist, dass die Geräte recycelt und wichtige Rohstoffe zurückgewonnen und wieder verwertet werden. Das schont Umwelt und Ressourcen. 

Quellen: 

Cascais, A. / Kongo: Kinderarbeit für Smartphones? In DW vom 11.06.2021. 

Flatlay, A. / Kinderarbeit – was kann ich dafür? In Utopia vom 15. 06.2021. 

Flatlay, A / Für unsere Smartphones arbeiten Kinder in Utopia 17.03.2021. 

o. A. / Kinderarbeit in Afrika in UNICEF, o. D.  

Zeitler, A. / Giftiger Elektromüll in Planet Wissen vom 03.09.2019. 

Scheid, L. / Der Weg zu fairen Batterien in der Zeit vom 20.03.2021. 

Seiwert, M. / Der Hype um Kobalt könnte schon bald vorbei sein in der WirtschaftsWoche vom 06.09.2021. 

Philipp, A. / Öko-Akkus garantiert ohne Kinderarbeit: Industrie entwickelt E-Auto-Siegel in E-Fahrer vom 25.02.2020. 

Kinderarbeit in Kleidung

Fast Fashion bedeutet sehr oft, sehr günstige Kleidung kaufen - den neusten Trends entsprechend. Um niedrige Preise zu gewährleisten, müssen allerdings oft Kinder arbeiten. Ob auf Baumwollfeldern, Spinnereien oder Nähereien: Überall arbeiten Kinder unter unwürdigen Bedingungen.

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Kinderarbeit in Kleidung

Fast Fashion in Deutschland 

In Deutschland besitzt jede erwachsene Person im Durchschnitt 95 Kleidungsstücke. Pro Jahr kommen 60 dazu. Das sind etwa doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Etwa ein Drittel der Kleidung wird fast nie getragen und 60 % werden schon nach einem Jahr wieder entsorgt.  

Neue Fashion-Trends kommen immer schneller; einige Bekleidungsunternehmen bringen 20 Kollektionen im Jahr auf den Markt. Deutschland ist der zweitgrößte Textilimporteur der Welt, etwa 90 % der Kleidung kommen aus asiatischen Nähereien. 

Der lange Weg von Baumwollfeldern bis in die Läden 

Doch Kleidung hat einen viel längeren Weg als aus der Näherei in die Läden: Er beginnt auf den Baumwollfeldern dieser Erde. Benin, Burkina Faso und Côte d’Ivoire sind einige der größten Exporteure von Baumwolle in Afrika.  

Kinderarbeit in der gesamten Lieferkette von Kleidung

In 18 Ländern weltweit arbeiten Kinder auf Baumwollplantagen. Dort bestäuben sie die Blüten der Pflanzen, versprühen Pflanzenschutzmittel und helfen bei der Ernte.  

In den Spinnereien sind die Arbeitskräfte häufig unter 18 Jahren alt, wenn sie anfangen zu arbeiten. Kinder arbeiten auch in Nähereien. Dort färben sie die Kleidung, nähen Knöpfe an, legen Kleidung zusammen und verpacken sie.  

An allen Stationen der Textilproduktion arbeiten Kinder unter menschenunwürdigen Bedingungen und gesundheitsschädlicher Belastung. Sie atmen giftige Pestizide und Farbdämpfe ein, arbeiten mit gefährlichen Maschinen und sind der sengenden Hitze oder der staubigen Luft in Fabrikhallen ausgesetzt.  

Teufelskreis der Kinderarbeit 

Entlohnt wird die Arbeit von Kindern schlechter als die von Erwachsenen. Die meisten Kinder arbeiten, um ihre Eltern finanziell zu unterstützen. Armut ist immer der größte Treiber von Kinderarbeit. Arbeiterinnen und Arbeiter müssen fair bezahlt werden, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Denn nur wenn Kinder die Möglichkeit auf eine gute Bildung haben, können sie später einen besseren Beruf erlernen und aus dem Teufelskreis der Kinderarbeit ausbrechen.  

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun  

Fast Fashion Trends sind oft sehr verlockend. Trotzdem sollte beim Kauf von neuer Kleidung darauf geachtet werden, wie sie produziert wurde. Wichtige Anhaltspunkte dafür bieten Siegel, die fair gehandelte und produzierte Ware kennzeichnen. Folgende Siegel können beim Kleiderkauf helfen:  

Eine andere Möglichkeit, um Kinderarbeit in Kleidung zu vermeiden, sind Second-Hand-Läden. Dort sind teilweise echte Modeschätze versteckt. Nicht nur nachhaltig, sondern auch sehr lustig können “Kleidertausch-Partys” mit Freundinnen und Freunden sein. Alle bringen ihre aussortierten Anziehsachen mit und schauen, ob ihnen bei den anderen Teilnehmenden etwas gefällt und tauschen munter drauflos. 

Quellen: 

Derya / Die Verantwortung des deutschen Konsumenten in Utopia vom 30.04.2021. 

Derya / Unser Komfort: ein bisschen Kinderarbeit für ganz viel Fast-Fashion in Utopia vom 16.04.2021. 

Moulds, J. / Child labour in the fashion supply chain in the guardian o. D. 

Kinderarbeit in Kosmetikprodukten

Glitzernder Lidschatten und schimmernder Nagellack können eine dunkle Seite haben. Denn in vielen Kosmetika sind Inhaltsstoffe enthalten, die durch Kinderarbeit gewonnen werden.

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Kinderarbeit in Kosmetikprodukten

In einer Vielzahl von kosmetischen Produkten befinden sich die Inhaltsstoffe Palmöl und Mica. Palmöl verleiht Cremes und Make-Up die richtige Konsistenz und Mica lässt Lidschatten und Rouge schimmern und glänzen. Beide Inhaltsstoffe werden teilweise unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen gewonnen. Oft auch unter Einsatz von Kinderarbeit.  

Kinderarbeit auf Plantagen: Palmöl zur Herstellung von Kosmetik 

In der Kosmetik wird Palmöl unter anderem für Cremes, Shampoo, Badezusatz oder Seife verwendet. Sogenannte Palmöl-Derivate werden als Tenside oder Emulgatoren eingesetzt. In einigen Palmöl-Plantagen müssen auch Kinder bei der Ernte helfen. Hier sind sie vielen Gefahren, wie umfallenden Palmen oder giftigen Pestiziden ausgesetzt. Diese können zu Haut- und Augenirritation führen, sind schädlich für die Lunge und können sogar krebserregend sein.  

Auf den Plantagen müssen die Kinder schwere Säcke mit den Palmöl-Früchten tragen. Dies führt zu Haltungsschäden und Schmerzen. In unserem Artikel über Lebensmittel haben wir das Problem mit Palmöl näher beleuchtet. 

Der Mineralstoff Mica ist vielseitig einsetzbar 

Mica ist ein Mineralstoff, der auch als Glimmer bekannt ist. Es kann in Lidschatten, Lippenstiften, Highlightern oder Rouge gefunden werden. Es lässt Produkte besonders schön glitzern und kann die Haut vor UV-Strahlen schützen. Mica wird außer für Kosmetik auch für Autolacke und Elektrogeräte verwendet. Jährlich werden 150.000 Tonnen des Minerals verarbeitet.  

Mica kommt aus Minen mit Kinderarbeiterinnen und -arbeitern 

Madagaskar gehört mit Indien und China zu einem der größten Mica-Exporteure. 2019 arbeiteten hier über 10.000 Kinder in Mica-Minen. Einige von ihnen sind nicht älter als vier Jahre alt. Die Familien der Kinder sind sehr arm und die Kinder müssen arbeiten, um ihr Überleben zu sichern. Denn Zwischenhändler zahlen nur einen sehr geringen Preis für das wertvolle Mineral.  

Folgen der harten Arbeit in Minen für die Gesundheit von Kindern 

In den Minen kann es sehr heiß werden, so dass Kinder schnell dehydrieren. Die staubige Luft kann zu Atemwegserkrankungen führen. Bei der Arbeit mit Werkzeugen und Steinen kommt es zu Verletzungen wie Schnittwunden. Da die Familien sehr arm sind, sind viele der Kinder unterernährt. Dies führt dazu, dass Infektionskrankheiten sich schneller verbreiten. 

Da die Kinder den ganzen Tag arbeiten müssen, können sie nicht in die Schule gehen. Ohne ausreichende Bildung werden sie später kaum Chancen haben, einem anderen Beruf nachzugehen.  

Fehlende Transparenz der Lieferketten führt zu Kinderarbeit in Kosmetik

Große Marken wie H&M, Sephora, L’Oréal und The Body Shop haben sich zur “Responsible Mica Initiative” zusammengeschlossen, um Kinderarbeit in der Mica-Gewinnung zu beenden. Ein wichtiger Vorsatz ist es, Mica nur noch aus legalen Minen zu kaufen. Allerdings wird nicht ausreichend kontrolliert, ob das gesamte Mica auch in eben diesen Minen abgebaut wird. Denn die genauen Lieferketten sind oft intransparent. 

Kleine Zwischenhändler kaufen sich gefälschte Lizenzen. Diese zeichnen sie fälschlicherweise aus, Mica nur aus Minen ohne Kinderarbeit zu gewinnen. Dadurch kann kaum sichergestellt werden, dass an der Gewinnung keine Kinder beteiligt waren.  

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun 

Wer beim Kauf von Kosmetik Kinderarbeit vermeiden möchte, sollte darauf achten, ob Mica unter den Inhaltsstoffen aufgelistet wird. Alternativ zu “Mica” werden Begriffe wie „Kaliumaluminiumsilikat“ oder „CI 77019“ verwendet. Es gibt pflanzliche Alternativen aus Zellulose, welche ebenso den gewünschten Glitzereffekt hervorbringen. 

Allerdings ist ein kompletter Rückzug der Kosmetik-Industrie aus dem Mica-Geschäft keine Lösung. Denn Mica stellt die Lebensgrundlage der Familien dar, die es abbauen. Unternehmen sollten die Verantwortung für die Arbeitskräfte in ihren Lieferketten tragen. Als Verbraucherinnen und Verbraucher kann es sich lohnen, mehr Informationen über das Lieblings-Kosmetikunternehmen zu sammeln. 

Dabei helfen Fragen wie:  

  • Wie groß ist die Transparenz der Lieferketten? 
  • Wie setzt sich das Unternehmen gegen Kinderarbeit bzw. für gute Arbeitsbedingungen ein? 
  • Sind sie Teil der “Responsible Mica Initiative”? 
  • Wie setzt sich das Unternehmen für die Gemeinden ein, in denen Mica abgebaut wird? 

Diese Siegel können beim Kauf von fair produzierter und gehandelter Kosmetik helfen: 

  • Fairtrade gilt als sehr vertrauenswürdig und ist weit verbreitet 
  • Fair for Life ist eines der anspruchsvollsten Siegel  
  • World Fair Trade Organisation zeichnet Unternehmen aus, die sich für eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Produzenten in Entwicklungsländern einsetzen 

Quellen: 

Utopia Team / Mica: Problematisches Mineral für Glitzerkosmetik – Kinderarbeit inklusive in Utopia vom 10.06.2021. 

Baranzelli, B. / Kinder schuften für Europas Schminke in ZDF vom 05.02.2020. 

Franke, S. / Glitzer in Kosmetik: Warum in Make-up Kinderarbeit steckt in CodeCheck vom 24.06.2016. 

Cavazuti, L und Romo, C. / Labor Department lists mica mined in Madagascar in report on child labor in NBCNews vom 10.11.2020.