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Stimmen Betroffener – Klimaheld*innen

Haoua Abdoulaye aus dem Niger und Josiane Ramaroson aus Madagaskar sind „Klimaheldinnen“. In ihren Heimatländern setzten sich die beiden Frauen für den Kampf gegen den Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen für die dort lebenden Menschen ein.

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Stimmen Betroffener – Klimaheld*innen

Haoua Abdoulaye: ‚Halbmonde‘ gegen die Klimakrise

Klimaheldin Haoua Abdoulaye aus Niger baut trotz Trockenheit mit der Halbmond-Methode erfolgreich Getreide an_©CARE/Vlad Sokhin
Klimawandel in Niger: Star der Halbmonde – Haoua Abdoulaye ©CARE/Vlad Sokhin

Haoua Abdoulaye hat der Klimakrise den Kampf angesagt. In ihrem Heimatdorf Kobio ist sie der ‚Star der Halbmonde‘. Trotz weniger Regen und der Wüste, die sich einen Weg in ihr Dorf bahnt, baut Haoua erfolgreich Getreide an.

Geschafft hat sie das mit Hilfe von unserer Mitgliedsorganisation CARE und den Frauen aus ihrem Dorf: Sie grub ‚Halbmonde‘ in den trockenen Boden, füllte sie mit Kompost auf, und pflanzte Bäume darauf. Mit dem Verkauf der Ernte verdient sie Geld, das sie gewinnbringend in einer Kleinspargruppe angelegt.

Klimaheld*innen im Kampf gegen Trockenheit und Hunger

Haouas Heimatland Niger liegt in der westafrikanischen Sahelzone, wo Regen- und Trockenzeiten sich seit Menschengedenken abwechseln. Doch die Trockenzeiten werden länger, der Regen fällt weniger üppig und die Ernteerträge reichen nicht, um alle Menschen zu ernähren.

Doch dann kamen die ‚Halbmonde‘ nach Kobio. CARE stellte eine Methode vor, Gruben in trockenen Boden zu graben, diese mit Kompost zu füllen und dort Bäume zu pflanzen. Ihre Arbeit macht sich bezahlt: Regenwasser wird gespeichert und der Anbau von Hirse und Bohnen ist ertragreicher.

„Unsere Männer sagten, sie würden das nicht können, diese Halbmonde graben“, erzählt Haoua. „Also haben wir Frauen ihnen die Kinder gegeben und sind selbst losgezogen. Und CARE hat uns sogar dafür bezahlt.“

Große Ziele

Heute baut Haoua Getreide an, hat fünf Schafe und zwei Kühe und spart in einer Kleinspargruppe mit anderen Frauen gemeinsam, um auch in größere Anschaffungen investieren zu können. „Wir wollen noch mehr lernen! Und unsere Seife auf dem Markt verkaufen können. Ich möchte ein Haus aus Zement bauen. Und dass meine Kinder eine bessere Schulbildung bekommen. Wir haben noch so viel vor!“ (1)

Josiane Ramaroson pflanzt Nadelbäume gegen Naturgewalten

Klimaheldin Josiane Ramaroson pflanzt Bäume an der Küste Madagaskars_©CARE/laif core/Rijasolo
Klimawandel in Madagaskar: Klimaheldin Josiane Ramaroson ©CARE/laif core/Rijasolo

Mit ihren Fingern kann sie kaum greifen, ihre deformierten Füße sind zum Schutz in Stoff gewickelt. Als Josiane Ramaroson 20 Jahre alt war, erkrankte sie an Lepra. Sie wurde in ein Dorf geschickt, wo Leprakranke gemeinsam leben. „Meine Familie wollte sich nicht um mich kümmern. Ich schämte mich so, hatte große Schmerzen und weinte jeden Tag.“

Eine Baumschule entsteht

Irgendwann begannen die Medikamente schließlich zu wirken. In ihrem neuen Heimatdorf erinnerte sich Josiane an ihre Stärken: Sie hatte früher in einer Baumschule gearbeitet und von unserer Mitgliedsorganisation CARE eine Ausbildung in der Aufzucht und Pflege von Bäumen und anderen Gewächsen erhalten. „Das Dorf lag keine 200 Meter von der Küste entfernt. Der Wind peitscht hier ungeschützt übers Land, denn die Region ist stark abgeholzt. Da habe ich mich entschieden, meine eigene Baumschule zu gründen. Uns war allen klar: Wir müssen etwas gegen die Abholzung tun und die Umwelt schützen, um unser Einkommen zu sichern.“

Und so wurde Josiane zur Klimaheldin: Zwischen 2008 und 2014 pflanzte sie gemeinsam mit ihren Nachbar*innen hunderte Nadelbäume in Küstennähe. Die Bäume schwächen den starken Wind vom Meer ab und helfen dabei, die Überflutungen bei starkem Regen zu bremsen. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist spürbar: „Beim letzten Zyklon Anfang 2017 wurde kein einziges Haus in der Region zerstört.“

Kampf für eine bessere Zukunft

Heute ist Josiane Mutter zweier Mädchen, die sie alleine großzieht. Die 44-Jährige wohnt inzwischen in der Gemeinde Antalaha im Nordosten von Madagaskar. „Ich arbeite hart, damit meine Mädchen zur Schule gehen können und es eines Tages besser haben werden. Zwar kann ich mir keine Angestellten leisten, aber die Mädchen sollen keinen Tag Unterricht verpassen. Ich hoffe, sie können mich unterstützen, wenn ich alt bin und zu müde, um noch zu arbeiten.“ (2)

Quellen:

(1) CARE Deutschland: Klimawandel im Niger: Star der Halbmonde!

(2) CARE Deutschland: Klimawandel in Madagaskar: Nadelbäume gegen Naturgewalten

Folgen der Klimakrise für Afrika und Europa

Bereits jetzt ist die Klimakrise überall spürbar. Viele afrikanische Länder leiden besonders stark unter ihren Folgen. Sie bedroht dort 120 Millionen Menschen, die bereits jetzt unter dem Existenzminimum leben.

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Folgen der Klimakrise für Afrika und Europa

Die Erderhitzung hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten. Viele afrikanische Länder leiden besonders stark unter den Folgen der Klimakrise.  Überflutungen, Dürren und extreme Hitze nehmen zu.

Steigende Temperaturen und Zunahme von Extremwetterereignissen

Konkret lässt sich das an folgenden Beispielen sehen:

  • Die Gletscher auf dem Kilimandscharo, des Mount Kenia sowie des ugandischen Ruwenzori-Gebirges werden bis 2040 abgeschmolzen sein.
  • Der Meeresspiegel steigt besonders schnell an, im südlichen Atlantik derzeit um 3,6 Millimeter, im Indischen Ozeans sogar um 4,1 Millimeter im Jahr. Im Mittelmeer steig der Meeresspiegel dagegen „nur“ um 2,6 Millimeter pro Jahr.
  • Die Luft heizt auf dem afrikanischen Kontinent schneller auf. Dort war die Temperatur 2020 um 0,86 Grad wärmer als die Durchschnittstemperatur der letzten 30 Jahre.
  • Überschwemmungen, wie 2020, als der Nil im Südsudan und Sudan einen historischen Höchststand erreichte. Der Victoria-See und der Fluss Niger traten ebenfalls stark über ihre Ufer und zerstörten die Ernten von Millionen von Menschen. Auch aktuell ist der Südsudan wieder von schweren Überschwemmungen betroffen, die ganze Landstriche unbewohnbar machen.
  • In anderen Teilen des Kontinents herrschen schwere Dürren, momentan beispielsweise in einigen Regionen Ostafrikas, wie Somalia, Äthiopien und Kenia sowie in den Ländern entlang der Sahelzone in Westafrika. Regelzeiten werden immer unzuverlässiger, die Regenmenge variiert stark, in einigen Regionen hat es seit Jahren nicht geregnet.

Die Folgen dieser Entwicklungen bedeuten unter anderen den Verlust an biologischer Vielfalt, Wasserknappheit, geringere Nahrungsmittelproduktion, weniger Wirtschaftswachstum und die Gefährdung von Menschenleben. Sozioökonomische, politische und ökologische Faktoren spielen hier zusammen.

Soziale Auswirkungen der Klimakrise

In vielen Ländern, insbesondere in Subsahara-Afrika, sind sehr viele Menschen in der Landwirtschaft tätig und dadurch direkt betroffen von den Folgen der Klimakrise. Wassermangel, extreme Hitze, Dürren, schwere Stürme oder Überschwemmungen vernichten die Ernten, führen zu Nahrungsmittelknappheit und steigenden Lebensmittelpreisen. Das trifft besonders die Menschen, die ohnehin unter dem Existenzminimum leben. Sie können sich teureres Essen schlichtweg nicht leisten und haben keine Rücklagen, um in Anpassungsmaßnahmen, wie hitzeresistentes Saatgut oder sparsame Bewässerungssysteme zu investieren (4).

Das bedroht auch die Wirtschaft in vielen Ländern Afrikas, vor allem in Subsahara-Afrika. Expert*innen rechnen aufgrund der Klimafolgen mit einem Einbruch der afrikanischen Wirtschaft um drei Prozent bis Mitte des Jahrhunderts. Soziale Ungleichheit zwischen und innerhalb der Länder wird weiter zunehmen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen hat der weltweite Hunger einen neuen Höchststand erreicht. Laut World Food Programme (WFP) waren bereits 2021 weltweit rund 928 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – ein Anstieg um 148 Millionen im Vergleich zu 2020. Aktuell leiden 280 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unter Hunger, über 45 Millionen in Ostafrika sogar unter extremen Hunger (WFP). Das heißt, ihr Leben oder ihre Existenzgrundlage sind unmittelbar gefährdet.

Das ist ungerecht!

Die 1,34 Milliarden Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verantworten nur 3,7 Prozent der globalen CO2-Emissionen im Gegensatz zu den 9,8 Prozent, die die 750 Millionen Europäer*innen verursachen (2).

Bei Betrachtung der pro Kopf-Emissionen werden die Unterschiede noch deutlicher: beispielsweise in Tansania, das weder zu den ärmsten noch zu den reichsten Ländern Afrikas zählt, liegt der jährliche Verbrauch bei 0,2 Tonnen CO2 pro Kopf, in Deutschland dagegen bei 7,7 Tonnen pro Kopf, ist also 38-mal höher (3).

Anpassung und Vorsorge sind wichtig

Mit 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr für Anpassungs- und Schutzmaßnahmen rechnen Expert*innen der Weltorganisation für Meteorologie. Dazu gehören Infrastrukturmaßnahmen, wie der Bau von Dämmen in überschwemmungsgefährdeten Gebieten, Drainagen und Wasserreservoirs ebenso wie Warnsysteme, die die Menschen rechtzeitig vor Zyklonen und anderen schweren Naturereignissen warnen.

Die beim Pariser Klimagipfel 2015 vereinbarten versprochenen jährlichen Zahlungen von 100 Mrd. zum Schutz vor den Klimafolgen, wurden bisher nie erreicht. Knapp 80 Milliarden waren bisher der höchste bezahlte Betrag für den Globalen Süden insgesamt (1).

Folgen der Klimakrise in Deutschland

Auch Deutschland und die anderen europäischen Länder werden die Folgen der Erderhitzung immer mehr zu spüren bekommen. Bereits in den letzten 30 Jahren wurde deutlich mehr Starkregen und damit verbundene Sturzfluten verzeichnet als in den vergangenen 500 Jahren. In Deutschland könnte sich die Häufigkeit sehr intensiver Regenfälle in den Sommermonaten sogar verdoppeln, wenn die Emissionen nicht deutlich reduziert werden. Auch Überschwemmungen in den Küstengebieten werden sich häufen und mit großen finanziellen Schäden einhergehen.

Viele küstennahe Städte, wie etwa Venedig, Antwerpen, Amsterdam, Bordeaux, Le Havre und die Landstriche um Lissabon und London werden bei gleichbleibenden oder gar steigenden Emissionen bis zum Jahr 2100 überflutet sein. Auch Hamburg, Bremen, Oldenburg wären schwer betroffen und die Insel Sylt komplett unter Wasser. (5)

Darüber hinaus werden die Temperaturen mit der Erderhitzung weiter steigen. Bis Mitte des Jahrhunderts werden sich die Menschen, die infolge von hitzebedingten Krankheiten sterben, vervierfachen. Eine schnelle Reduktion der CO2-Emissionen ist dringend notwendig.(4)

Globale Folgen der Erderhitzung

Die Erderhitzung und ihre Auswirkungen sind global spürbar. Sie beeinträchtigen schon jetzt internationale Lieferketten, Märkte, Finanzen und Handel.  Die Verfügbarkeit von Gütern in Deutschland verschlechtert sich und die Preise erhöhen sich. Verringerter landwirtschaftliche Erträge, Schäden an kritischer Infrastruktur und Preissteigerungen bei Rohstoffen führen zu finanzieller Instabilität. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte es aufgrund der Klimakrise zu einem Rückgang des globalen BIP um 10-23 % führen, verglichen mit einer Welt ohne Erhitzung. Starkregen, schwere Stürme und der Anstieg des Meeresspiegels werden zu mehr Überschwemmungen in Häfen und anderen Küsteninfrastrukturen führen und den Transport von Nahrungsmitteln und anderen Gütern beeinträchtigen.

Das Risiko weit verbreiteter Ernteausfälle aufgrund von Extremereignissen, die mehrere Orte auf der Welt treffen, wird zunehmen, wenn die Emissionen nicht rasch reduziert werden. Dies könnte zu einer weltweiten Nahrungsmittelknappheit und einem Preisanstieg führen, der vor allem ärmere Menschen treffen und das Risiko sozialer Unruhen erhöhen würde. Das, in Kombination mit zunehmender Wasserknappheit, könnte in den betroffenen Ländern zu mehr bewaffneten Konflikte führen. (4)

Quelle:

(1) Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/politik/klimawandel-in-afrika-wen-die-klimakrise-am-haertesten-trifft/27733422.html

(2) Our world in data: https://ourworldindata.org/co2-emissions#annual-co2-emissions

(3) Tagesspiegel: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/klimawandel-afrika-welt-wer-das-klima-schaedigt-und-wer-die-folgen-traegt/

(4) IPCC Sixth Assessment Report: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg2/

(5) Travelbook: https://www.travelbook.de/natur/umwelt/weltkarte-ueberschwemmungsgebiete-2

Erstellt am 30.05.2022

Unsere Mobilität beginnt und endet in Afrika

Vom Abbau von Rohstoffen unter oft desaströsen Bedingungen bis zum Export von in Europa nicht mehr zulässigen Gebrauchtwagen in afrikanische Länder - unsere Mobilität beginnt und endet in Afrika.

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Unsere Mobilität beginnt und endet in Afrika

Mehr als 48 Millionen Autos sind in Deutschland derzeit zugelassen (Stand 2021) und während sich zwischen den Jahren 1976 und 2018 die Zahl der jährlich durchschnittlich zurückgelegten Kilometer pro Person verdoppelt hat, ist im gleichen Zeitraum die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs – Fuß, Rad, Bus und Bahn – von 24 auf 20 Prozent zurückgegangen. (2) Da der Trend zusätzlich in Richtung größerer, schnellerer, leistungsstärker und damit CO2-intensiverer Autos geht, ist es nicht verwunderlich, dass der Verkehrssektor im Jahr 2021 mit einem Anteil von 19 Prozent der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland war. (1) Zu den direkten CO2-Emissionen kommen die Freisetzung schädlicher Stickstoffoxide, die nicht nur unsere Gesundheit, sondern mit ihrer überdüngenden und übersäuernden Wirkung auch unsere Ökosysteme (Gewässer, Grundwasser und Boden) belasten, und Feinstaub, für den das Gleiche gilt (2).

Doch unsere Mobilität auf den Straßen hat nicht nur Auswirkungen auf die Ökosysteme, das Klima und die Gesundheit der Menschen hierzulande, sondern auch auf afrikanische Staaten. Und diese beginnen schon, bevor das Auto überhaupt auf den Straßen fährt.

Wo das Leben deutscher Autos beginnt

Rohstoffe wie Stahl, Aluminium und andere Metalle werden in großen Mengen in deutschen Autos verarbeitet. Die deutsche Industrie insgesamt, aber die deutsche Automobilindustrie im Besonderen ist dabei zu fast 100 Prozent auf Importe angewiesen, die zu einem Großteil aus afrikanischen Ländern eingeführt werden. So wird etwa das für die Aluminiumproduktion wichtige Bauxit zu mehr als 90 Prozent aus Guinea nach Deutschland importiert.

E-Autos, die so wichtig gehandelten Bausteine für eine klimagerechte Mobilitätswende, verschärfen diese Rohstoffabhängigkeit noch einmal. Zwar weisen sie auf den ersten Blick eine bessere Klimabilanz auf als Autos mit Verbrennungsmotoren, doch geht mit der Elektromobilität eine massiv steigende Nachfrage nach Materialien wie Lithium, Kobalt, Graphit und Nickel einher. So wird zum Beispiel für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien Kobalt benötigt, das als Nebenprodukt der Kupferförderung zu einem großen Teil in der DR Kongo gewonnen wird. (2)

Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen durch unsere Mobilität

Der Abbau dieser Rohstoffe ist nicht nur besonders energieintensiv und damit klimaschädlich, er bringt auch vielfältige und gravierende Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen mit sich. Durch den erhöhten Bedarf und der damit einhergehenden Ausweitung des Bergbaus vor Ort kommt es zu Abholzungen, Bodenzerstörung, Vergiftung von Flüssen und Grundwasser sowie Schadstoffemissionen. Das bedeutet unter anderem, dass das Land für die Bewirtschaftung durch die weitgehend ländliche Bevölkerung nicht mehr nutzbar ist und Siedlungsgebiete sowie natürliche Schutzzonen kaum noch zur Verfügung stehen. Angemessene Entschädigungen für den Verlust von Ackerflächen, Wasser und anderen Ressourcen an die ansässige Bevölkerung wird jedoch selten gezahlt. Stattdessen werden sie zum Teil gewaltvoll umgesiedelt und Informations- und Beteiligungsrechte der Anspruchsgruppen missachtet. Proteste gegen dieses Vorgehen werden in vielen Fällen unterdrückt und Menschenrechtsverteidiger*innen verfolgt oder gar getötet. (2) Mehr zu den Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in Minen erfahren Sie hier.

Das Ende auf europäischen und der Anfang auf afrikanischen Straßen

Wo das Leben unserer Autos unter so schlechten Bedingungen beginnt, dort endet es auch oft. Laut einer 2018 veröffentlichten Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) wurden zwischen 2015 und 2018 weltweit 14 Millionen gebrauchte Autos und Kleintransporter exportiert, wobei mehr als die Hälfte der Altfahrzeuge nach Afrika ging. (3) Die Studie zeigt, dass etwa 80 Prozent dieser exportierten Gebrauchtwagen die in den Exportländern geltenden Standards für Sicherheit und Schadstoffwerte nicht erfüllen. Bestandteile wie Filter, Airbags oder Katalysatoren wurden entweder entfernt oder funktionieren nicht mehr. (4) Sie tragen damit erheblich zur Luftverschmutzung bei und verstärken die Auswirkungen der Klimakrise. Doch die Nachfrage nach Gebrauchtwagen in Afrika bleibt hoch, da kaum Alternativen zum individualisierten Nahverkehr gegeben sind. Viele Bahnstrecken sind stillgelegt und das Fahrradfahren ist aufgrund der Masse von Autos nicht selten gefährlich. (3)

Um dem Problem entgegenzuwirken haben mehrere afrikanische Länder bereits Richtlinien erlassen. Ghana beispielsweise begrenzt den Import von Fahrzeugen, die in einem schlechten Zustand sind (5) und Südafrika ist eines von insgesamt vier Ländern Afrikas, die den Import von Gebrauchtwagen vollständig verbieten (4). Einige Wissenschaftler*innen sehen in einem Exportstopp von Gebrauchtwagen jedoch auch keine Lösung, da selbst importierte Neuwagen in kürzester Zeit nicht mehr den hierzulande bestehenden Standards entsprechen. Der Grund dafür ist, dass es vor Ort oft an solider Wartung in Fachwerkstätten und Abgasuntersuchungen fehlt. (3)

Die Lösung? Weniger Autos, mehr ÖPNV

Eine Mobilitätswende, in der es nur um Antriebsalternativen geht, ist nicht zielführend und in Deutschland trägt der Verkehrssektor bisher als einziger kaum zu den CO²-Einsparungen bei.

Für eine klimafreundliche und mit den Menschenrechten im Einklang stehende Fortbewegung ist ein Umdenken auf den Straßen erforderlich, hin zu weniger Autos und einem massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehres, Fahrradwegen und Fußgängerzonen. Das gilt für Deutschland ebenso wie für afrikanische Länder.

Weitere Vorteile einer Mobilitätswende

Eine ernsthafte Mobilitätswende würde deutlich mehr Lebensqualität in die Städte bringen. Menschen würden wieder im Mittelpunkt stehen und nicht Fahrzeuge. Statt Parkplätzen könnte es mehr und breitere Fahrradwege sowie zusätzliche Grünflächen geben, statt befahrener Straßen autofreie Spielstraßen. Frische und saubere Luft, mehr Grünanlagen und weniger Lärm würden mehr Menschen zum Verweilen draußen einladen. Der öffentliche Raum wäre wieder für alle gut und sicher nutzbar. Zudem wirken sich eine bessere Luftqualität und ein niedrigerer Lärmpegel positiv auf die Gesundheit der Menschen, als auch auf die der Tiere und Pflanzen aus. Auch die Verkehrsunfälle würden stark zurückgehen.

Quellen

(1) Umweltbundesamt: „Klimaschutz im Verkehr“ (März 2022)

(2) Brot für die Welt/ Misereor/ PowerShift: „Weniger Mobilität, mehr globale Gerechtigkeit“ (September 2021)

(3) Süddeutsche: „Gebrauchtwagen-Exporte – Ab nach Afrika.“ (März 2021)

(4) DW: „Gebrauchtwagen – Zu dreckig für Deutschland, noch gut für Afrika?“ (November 2020)  

(5) Deutschlandfunk: „Afrika als Europas Schrottplatz“ (November 2020)

(Verfasst am 17.05.2022)

Klimaabkommen & Ziele

Im Jahr 1979 fand die allererste UN-Weltklimakonferenz in Genf statt. Die niederschmetternde Bilanz nach 42 Jahren Blah Blah Blah!

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Klimaabkommen & Ziele

Im Jahr 1979 fand die allererste UN-Weltklimakonferenz in Genf statt. Dort stellten Wissenschaftler*innen ihre Klimamodelle und -beobachtungen vor, die immer deutlichere Hinweise darauf gaben, dass sich das Klima erhitzt – durch den zunehmenden Anteil von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Die delegierten Personen beschlossen die Schaffung eines Weltklimaprogramms und die Gründung des Weltklimarats (IPCC) wurde angestoßen.

In den Jahren 1988 und 1990 fanden weitere Weltklimakonferenzen in Toronto und Genf statt. Durch diese gelang es, die Klimakrise auf die internationale politische Agenda zu setzen. Das Ergebnis in der Genfer Konferenz war eine Erklärung zu internationalem kooperativen Handeln, um die Klimakrise aufzuhalten. In Toronto wurde eine Forderung zu Minderung der Treibhausgasemissionen erklärt.

                                              Climate Inaction Stripes

Climate Inaction Stripes

@MuellerTadzio, @wiebkemarie, @MariusHasenheit, @sustentioEU [PG]

1992, bei der großen Umweltkonferenz in Rio de Janeiro, wurde die Klimarahmenkonferenz vereinbart. Als Institution dieser Klimarahmenkonvention finden seit 1995 jährlich die UN-Weltklimakonferenzen (United Nations Climate Change Conferences, Conference of Parties, COP) an wechselnden Orten statt.

Beim COP 3 1997 in Kyoto wurde das Kyoto-Protokoll beschlossen, in dem erstmals rechtlich verbindliche Ziele für Emissionshöchstmengen für Industrieländer international festgelegt wurden. Es trat aber erst 2005 in Kraft, nachdem nach jahrelangen Verhandlungen die notwendige Anzahl von Unterzeichnerstaaten gewonnen werden konnte.

Dieses wurde 2015 beim COP 21 vom Pariser Klimaabkkommen abgelöst. Dabei handelt es sich um einen Vertrag, den 195 Vertragsparteien und die EU anlässlich der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) mit dem Ziel des Klimaschutzes geschlossen haben und das bis heute wirksam ist. Beschlossen wurde, die Erderhitzung auf  max. 1,5 °C zu begrenzen. Für so genannte Entwicklungsländer wurden zudem Finanzhilfen zugesagt. Doch ein großer Haken des Abkommen sist, dass es nicht rechtlich bindend ist, sondern auf die freiwillige Umsetzung in den einzelnen Staaten setzt.

Mehr Informationen zu den Klima-Gipfeltreffen finden Sie hier.

Obwohl also seit über 40 Jahren bekannt ist, dass Treibhausgase für die Klimakrise verantwortlich sind, nimmt der CO2-Gehalt in der Atmosphäre immer mehr zu und die Erde erhitzt sich unaufhaltsam weiter. Extreme Wetterereignisse – also sehr heiße oder sehr kalte Tage, Hitzewellen und Dürren, Starkregen und Überschwemmungen oder auch Stürme – werden immer häufiger. 

Das absolut niederschmetternde Ergebnis

Drei Jahre bleiben laut des neuesten IPCC-Berichtes des Weltklimarats nur noch, um eine zu großen Teilen unbewohnbare Welt zu verhindern, unumkehrbare Kipppunkte zu überschreiten und den Klimakampf für die kommenden Generationen zu verlieren. (2) „Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wollen Regierungen weltweit im Jahr 2030 aber noch doppelt so viele fossile Brennstoffe produzieren, wie das Pariser Klimaabkommen zulässt.“ (3) Fakt ist aber auch, dass der IPCC seit seiner Gründung 1988 mehrfach in seinen Berichten die Klimakrise unterschätzt hat. Grund ist, dass das Gremium einen Konsens der Wissenschaft bieten soll und die Schlussfolgerungen somit als konservativ zu bewerten sind.

„Blah Blah Blah“

42 Jahre und 26 Klimakonferenzen voller Blah Blah! Oder um es mit Gretas Worten auszudrücken:

UN-Generalsekretär António Guterres wirft einigen Regierungen und Unternehmen sogar „Lügen“ über ihr Klimaschutz-Engagement vor: „Einige Regierungen und Verantwortliche von Unternehmen sagen das eine und tun das andere.“ (4)

Drei Jahre

Diese Zahl sollte eigentlich ausreichen, um in absolute Panik zu verfallen und wirklich alles Menschenmögliche zu unternehmen, um die Klimakrise aufzuhalten. Fakt ist aber auch: obwohl wir uns keine Zehntel Grad mehr auf der Temperaturskala nach oben leisten dürfen und es eines sofortigen und totalen Ausstiegs aus Gas, Öl und Kohle bedarf, will die EU gigantische Gas-Projekte fördern und in Deutschland mit Steuergeldern LNG-Terminals (Flüssig­­erdgas, engl. „liquefied natural gas“) bauen, um Flüssigerdgas aus Übersee zu importieren. Doch diese stellen ein Sicherheitsrisiko für Mensch und Natur in der Umgebung dar und nehmen eine Bauzeit von zwei bis drei Jahren in Anspruch .

Laut Greenpeace ist Methan ein farbloses und unsichtbares Gas, welches um das 25-fache klimaschädlicher als CO2 ist. Noch dramatischer ist es, wenn Gas durch Lecks oder sogar dem absichtlichen Abfackeln oder Ablassen der Firmen aus reinen finanziellen Interessen in die Atmosphäre gelangt. (5)

EU bezieht Fracking-Gas aus Nicht-EU-Ländern

Fracking ist in weiten Teilen Europas verboten, weil u. a. die verwendeten Chemikalien das Grundwasser verschmutzen. (6) Und deshalb bezieht die EU ihr Fracking-Gas einfach aus Nicht-EU-Ländern. Alsbald auch aus Katar, wo es zu massiven Menschenrechtsverletzungen kommt. 15.000 Arbeiter* starben bei den Bauarbeiten zur Fußball-WM 2022. Darüber hinaus  herrscht dort ein Klima aus Homophobie, Misogynie und radikalislamische Gruppen werden unterstützt.

Zusätzlich hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) aktuell ein sogenanntes „LNG-Beschleunigungsgesetz“ angekündigt: neben der Abschaffung von Umweltprüfungen sowie Einschränkungen der Klagemöglichkeiten für Anwohner*innen und Umweltverbände, sollen plötzlich sieben LNG-Terminals in Deutschland gebaut werden – obwohl Olaf Scholz im Bundestag zwei Terminals angekündigt hatte. Begründungen sowie Zahlen fehlen – es wird lediglich von „öffentlichen Interesse“ gesprochen. „Damit droht eine krasse fossile Überkapazität und neue Abhängigkeit von zweifelhaften Lieferländern – finanziert von den Steuerzahler*innen, deren Beteiligungsrechte sogar noch eingeschränkt werden sollen.“ (7)

Was bleibt?

Um das Ruder der uns bevorstehenden Klima-Apokalypse noch herumreißen zu können, benötigen wir zwingend eine absolut radikale Änderung unserer gesamten Lebens- und Wirtschaftsweise. Das bedeutet Strom aus 100 % erneuerbaren Energien, der sofortige Stopp aller fossiler Infrastrukturen für Öl, Gas und Kohle und die massive Reduzierung des Individualverkehrs. Zudem braucht es einen Umstieg auf regionale Produkte für alle statt weltweiter Anbau wenig nachhaltiger Produkte sowie eine Wirtschaft, welche Umweltschutz mit sozialer Gerechtigkeit verbindet. Einen Vorschlag dafür bietet beispielsweise die Donut-Ökonomie der Wirtschaftswissenschaftlerin und Oxford-Professorin Kate Raworth.

Eine weitere ernüchternde Bilanz

Was die Welt noch benötigt: Klimagerechtigkeit für den Globalen Süden! Der Globale Süden fordert seit Jahren einen Fonds von den Hauptverursacher*innen der Klimakrise für Schäden und Verluste („Loss and Damage“), die durch die Folgen der Klimakrise entstanden sind. Der Fonds wurde auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 nicht beschlossen.

Widerstand gab es von der USA und der EU… .

Weil sie „fürchten, für Klimaschäden haftbar gemacht zu werden. Auch bei anderen Zahlungen fühlen sich so genannte Entwicklungsländer verprellt. 100 Milliarden US-Dollar jährlich ab 2020 wollten Industrienationen für Klimaprojekte im globalen Süden bereitstellen, um beim Übergang zu grüner Energie und bei der Anpassung an die Krise zu helfen – zum Beispiel durch Frühwarnsysteme oder Küstenbefestigungen. Die Summe wird frühestens 2023 zum ersten Mal erreicht.“ (8)

 

 Quellen:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz
  2. https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg3/
  3. https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/fossile-brennstoffe-unep-101.html
  4. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ipcc-bericht-guterres-wirft-regierungen-und-firmen-luegen-beim-klimaschutz-vor-a-d0d2d654-281e-4670-a4ac-9576e9bb7075
  5. https://www.energiezukunft.eu/politik/lng-terminals-sind-eine-gefahr-fuer-mensch-und-klima/
  6. https://www.dw.com/de/us-fracking-gas-f%C3%BCr-europa-freiheit-oder-klima-selbstmord/a-61296262
  7. https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/lng-beschleunigungsgesetz-soll-umweltvertraeglichkeitspruefungen-abschaffen-deutsche-umwelthilfe-befue/
  8. https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-01/cop-26-globaler-sueden-klimawandel-gerechtigkeit-5vor8

Klimagerechtigkeit

Was bedeutet Klimagerechtigkeit und warum ist sie so wichtig? Welche historischen Hintergründe und unterschiedlichen Perspektiven sind dabei zu beachten?

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Klimagerechtigkeit

Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sind verzahnt, könnte man meinen. Schützen wir das Klima, schützen wir auch alle Menschen gleichermaßen. Diese Annahme ist leider falsch, da gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven der Katastrophe die globalen Ungerechtigkeiten weiter verschärfen. (1) 

Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

Die Klimakrise ist eine Frage der Gerechtigkeit, denn sie trifft die Menschen und Bevölkerungsgruppen in den verschiedenen Weltregionen unterschiedlich hart:

  • Häufig sind die Menschen, die ohnehin am Existenzminimum leben, von den Folgen der Klimakrise besonders hart betroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. Zudem haben sie meistens keine Ressourcen, um diese Folgen abzufedern.
  • Die historischen Hauptverursacher*innen der Erderhitzung – die Industriestaaten im Globalen Norden – verfügen auch über die meisten Ressourcen, sich gegen die Folgen der Klimakrise absichern.

Klimagerechtigkeit bedeutet deshalb, dass der Globale Norden, das sind vor allem die Industriestaaten in Europa, Asien und Amerika, dabei den angemessenen Teil an Verantwortung übernimmt. Das heißt, der Globale Norden muss seine Emissionen stark reduzieren und alle klimaschädlichen Praktiken stoppen. Gleichzeitig erhalten die Länder und Menschen im Globalen Süden Unterstützung, die bereits vorhandenen Folgen abzuschwächen und sich zukünftig besser gegen die Folgen der Klimakrise wappnen zu können.

Beitrag Afrikas zur Erderhitzung

Afrika trägt mit weniger als 4 Prozent nur einen sehr geringen Anteil zu den weltweiten klimaschädlichen Treibhausgasemissionen und damit zur Erderhitzung bei, bei einer Bevölkerung von 1,34 Milliarden.

Die Europäische Union (EU-28) ist mit 9,8 Prozent der globalen Emissionen der drittgrößten Verursacher von CO2-Emissionen weltweit, bei einer Bevölkerung von nur 750 Mio. Deutschland stößt aktuell 2 Prozent der globalen Emissionen aus – bei nur 83 Mio. Einwohner*innen –  und steht damit auf Platz 6 der Klimasünder weltweit.

Doch der afrikanische Kontinent ist eine der Regionen, die am stärksten von den verheerenden Folgen der Klimakrise betroffen ist. Bereits jetzt haben sich die Umweltbedingungen schon stark verschlechtert, mit tiefgreifenden sozioökonomischen Folgen.

Welchen Hintergrund hat Klimagerechtigkeit?

Auch wenn die gesamte Menschheit leidet unter der Klimakrise leidet, so treffen lebensgefährliche Klimakatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Stürme insbesondere die Länder des Globalen Südens unverhältnismäßig stark. Sturmfluten zerstören Heimatorte, Brände vernichten Lebensgrundlagen, Hitzewellen nehmen Leben. „Im Vergleich zum Globalen Norden ist der Globale Süden zwei- bis dreimal stärker von der Klimakrise betroffen.“ Betrachten wir die grausame Geschichte der europäischen Kolonialisierung, liegt darin der Ursprung vieler weitreichender Ungerechtigkeiten. Ab Ende des 15. Jahrhunderts begannen die Kolonialisierungszüge und schafften auf Grundlage von Genoziden, Unterdrückung und Versklavung Systeme der Ausbeutung. Fossile Ressourcen wie Silber und Gold, später Kohle, Öl und Gas, wurden geraubt und garantierten den europäischen Ländern Profite und eine prosperierende Industrialisierung. Das Zeitalter fossiler Brennstoffe und profitgieriger Großkonzerne war eingeläutet. Die Ressourcen beziehen wir bis heute unter oft menschenunwürdigen und Menschenrechte verletzenden Bedingungen aus Ländern des Globalen Südens. „So ist der Globale Norden für mehr als zwei Drittel der Treibhausgasemissionen seit Mitte des 19. Jahrhunderts verantwortlich“. Fossiler Kapitalismus und Klimaungerechtigkeit sind wesentliche Gegner*innen im Kampf um globale Gerechtigkeit. Es gab nie Chancengleichheit und die gibt es systembedingt auch heute nicht. (1) 

Sensibilisierung für unterschiedliche Perspektiven 

Neben der globalen Klimagerechtigkeit gibt es weitere Missstände, wie die sogenannten soziale Gerechtigkeit: „Zum Beispiel wohnen 27 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland aus Haushalten mit niedrigem Einkommen an stark befahrenen Straßen“. Sie sind also einer deutlich höheren Luftverschmutzung ausgesetzt. Bei Kindern und Jugendlichen aus einkommensstärkeren Haushalten sind es hingegen nur 10 %. Wenn Menschen, aufgrund ihres Einkommens auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt werden und deshalb gesundheitsschädlicher wohnen müssen, ist dies eine Form der Diskriminierung. Diese und weitere Diskriminierungsformen wie z. B. die Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Aussehens, des Geschlechts, der Sexualität oder der Fähigkeiten offenzulegen ist unumgänglich, um die ungerechte Verteilung der Klimakrisenfolgen und Umweltzerstörung besser zu verstehen und ein gutes Leben für alle Menschen zu ermöglichen.  

Klimaschutz und der 30 Prozent-Plan 

Doch Klimagerechtigkeit kommt auch nicht ohne Klimaschutz aus. Der „Global Deal for Nature“ mag zunächst gut klingen: „Bis 2030 sollen zumindest 30 Prozent der Erde effektiv geschützt sein.“ (2) Die Natur soll also unberührt bleiben, die Möglichkeit haben, sich zu erholen. Die Erweiterung von Naturschutzgebieten auf fast ein Drittel der Erdoberfläche klingt zielführend. Doch hier geht es um neokolonialistische Strukturen. „Die Geschichte des Naturschutzes ist eng verbunden mit der Kolonialzeit und der Vertreibung lokaler Bevölkerungen.“ Weltweit wurden für die Errichtung von Nationalparks indigene Gemeinschaften von weißen Kolonialisten gewaltvoll aus ihren Lebensräumen vertrieben. Noch heute finden vergleichbare, vom Westen finanzierte Menschenrechtsverletzungen im Subsahara-Raum statt. Die Menschenrechtsaktivistin Fiore Longo befürchtet, dass Schutzgebiete dort geschaffen werden, wo lokale Gemeinschaften leben. Sie werden vertrieben und die Gebiete militarisiert. Die Umsetzung des 30 Prozent-Plans würde den größten „Landraub der Geschichte“ darstellen „und die Lebensgrundlage derjenigen zerstören, die am wenigsten für die Umweltzerstörung verantwortlich sind.“ (3) Derzeit tagt die UN-Biodiversitätskonferenz in Genf und verhandelt mit den Mitgliedsstaaten, Naturschutzorganisationen und Unternehmensvertretern über den Plan.  

 

Das kannst du für mehr (Klima-) Gerechtigkeit tun:

  • Reflektion: Ungerechtigkeiten existieren und manchmal sind wir auch ganz unbewusst ein Teil davon – ohne dass wir es wollen. 
  • Empowerment: Tausche dich mit Menschen aus, die ähnlich denken wie du. 
  • Zuhören: Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, brauchen Unterstützung und deine Lernbereitschaft. 
  • Sichtbarkeit: Oft nehmen weiße Personen mehr Raum in den Medien ein. Versuche, weniger sichtbare BIPoC-Personen zu stärken und sichtbar zu machen.  
  • Sensibilisierung: Versuche ein Bewusstsein für unterschiedliche Bedürfnisse zu schaffen und damit mehr Menschen den Zugang zu Treffen und Aktionen zu verschaffen. 
  • Solidarität: Biete den Betroffenen deine Unterstützung an, wenn sie Diskriminierungen erfahren. Frage sie, welche Form sie sich an Unterstützung wünschen. 
  • Verstehen: Lerne über die Zusammenhänge von Geschichte und Klimaungerechtigkeit, von Kolonialisierung und Klimakrise. Sprich mit deinen Mitmenschen. (1) 

 

 Quellen:

(1) BUNDjugend / „Für ein Klima der Gerechtigkeit“, o.D. 

https://www.bundjugend.de/wp-content/uploads/Fuer-ein-Klima-der-Gerechtigkeit-Flyer.pdf 

(2) Morgenroth, N. / „Ein Drittel der Erde soll unter Naturschutz gestellt werden“ in Deutschlandfunk Kultur vom 07.09.2021 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/erhalt-der-biodiversitaet-ein-drittel-der-erde-soll-unter-100.html 

(3) Survival International / „#DearHumanity“, o.D.  

https://www.survivalinternational.de/ueber/dearhumanity 

Klimakrise

Wer oder was ist der Klimawandel und warum wir von Klimakrise sprechen müssen?

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Klimakrise

Das Klima hat sich in der Vergangenheit schon oft gewandelt und weist natürliche Schwankungen auf. Natürliche Schwankungen sind Änderungen in der Umlaufbahn der Erde, das Aufsteigen von Magma aus dem Erdmantel und Veränderung der Sonnenstrahlung. Ohne den natürlichen Treibhausgaseffekt wäre das Klima der Erde ca. 33 °C kälter, die Erde fast vollständig eingefroren und ein Leben auf der Erde nicht möglich.

Der natürliche Treibhauseffekt

Die meiste Sonneneinstrahlung gelangt durch die Erdatmosphäre und trifft dort auf die Erdoberfläche. Nachdem diese von der Erde aufgenommen worden sind, werden Sie wieder als Wärmestrahlung abgegeben. In der Erdatmosphäre befinden sich die Gase Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Ozon, Lachgas und Methan. Diese Gase verhindern nämlich den direkten Austritt aus der Erdatmosphäre, indem sie einen großen Teil der Wärmestrahlung aufnehmen und ihn dann wieder an die Erdoberfläche abgeben. Diese Gase entstanden vor der Industrialisierung ausschließlich durch sogenannte „natürliche Emissionen“. Dazu zählen z. B. Ruß und Schwefeldioxid von Vulkanausbrüchen, Pollen und organische Gase aus Pflanzen, Methan aus Sümpfen und CO2 aus Waldbränden (1).

Der menschengemachte Treibhausgaseffekt

Seit der Industrialisierung verstärkt der Mensch diese natürlichen Treibhausgaseffekt jedoch durch menschengemachte (anthropogene) Emissionen, wodurch von keinem Klimawandel mehr gesprochen werden kann. Bei diesen Emissionen handelt es sich u. a. um Feinstaub und CO2 aus dem Verkehr, der Wärme- und Stromerzeugung, Stickstoff aus der Landwirtschaft und Methan aus der Tierhaltung. Obwohl die Natur einen Teil dieser Kohlenstoff-Emissionen in Mooren, Böden und Wäldern speichern kann, bleibt etwa die Hälfte in der Erdatmosphäre zurück (2).

Dadurch stieg laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Weltklimarat), einem unabhängigen wissenschaftlichen Gremium aus Klimawissenschaftler*innen, „die globale Mitteltemperatur in Bodennähe im Zeitraum von 1880 bis 2020 um mehr als 1,2 °C“ (2). „Der Einfluss des Menschen auf das Klima wurde in der Erwärmung der Atmosphäre⁠ und des Ozeans, in den Veränderungen des globalen Wasserkreislaufs, in der Abnahme von Schnee und Eis und im Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels“ mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 100 % nachgewiesen.

Fakt ist aber auch, dass der IPCC seit seiner Gründung 1988 mehrfach in seinen Berichten die Klimakrise unterschätzt hat. Grund ist, dass das Gremium einen „unbedingt verlässlichen Überblick über die aktuelle Fachliteratur“ bieten soll und die Schlussfolgerungen somit als konservativ zu bewerten sind.

  • Steigende Durchschnittstemperaturen weltweit_©Met Office Hadley Centre

Auf Grundlage des 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris beschlossenem Pariser Klimaabkommens „den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten, möglichst sogar auf 1,5 °C, zu begrenzen, errechnete der IPCC die verbleibenden CO2-Budgets für die einzelnen Länder – ohne jedoch die historischen Emissionen mit einzuberechnen. In drei Jahren wird der Gehalt an CO2 in der Erdatmosphäre höher sein, als in der wärmsten Periode der vergangenen 3,3 Millionen Jahre (3). Genau das war der Umsprung von der Eiszeit (Pleistozän) zur Warmzeit (Holozän o. a. Nacheiszeitalter genannt), in der wir Heute – noch – leben. „Diese durch den Menschen verursachten Veränderungen des globalen Klimas sowie der Beschaffenheit der Erdoberfläche, der Ozeane und der Biosphäre haben ein solches Ausmaß erreicht, dass viele Wissenschaftler*innen die Erde am Übergang in ein neues geologisches Zeitalter, das Anthropozän“, sehen (4). Forscher*innen berichten im Fachblatt Scientific Reports, dass bei ähnlicher CO2-Marke vor gut drei Millionen Jahren, in Europa Giraffen beheimatet waren, in der Antarktis Pflanzen wuchsen, Grönland eisfrei war und der Meeresspiegel 15 bis 20 Meter höher war.

Das Anthropozän

Die Definition Anthropozän geht auf den Nobelpreisträger für Chemie Paul Crutzen im Jahre 2007 zurück. Crutzen zählt u. a. neben der Erhöhung der atmosphärischen Konzentration von Treibhausgasen, das antarktische Ozonloch, den Raubbau an 30-50 % der weltweiten Landoberflächen, das Ausschlachten der Meere, unumkehrbare und zerstörerische Eingriffe in die Landschaft durch das Bauen von Deichen sowie Flussumleitungen zu den gefährlichsten Faktoren.

Warum Klimakrise?

Mit jedem Zehntelgrad, um das wir den Planeten erhitzen, steigt auch das Risiko, sogenannte Kipppunkte im Klimasystem zu überschreiten. Hier steht die 1,5 Grad-Grenze in der Wissenschaft als wichtiger Schwellenwert. Wird dieser überschritten, wird es zu abrupten, nicht-linearen und unumkehrbaren Klimaveränderungen kommen. Neusten Kenntnissen zufolge könnte das bereits im Jahr 2026 passieren (WMO). Als bessere Veranschaulichung wird oft von einer Dominoreihe gesprochen: sobald der erste Stein umkippt, löst er eine Kettenreaktion aus. Selbst die effektivsten Methoden und Zukunftstechnik könnte diese dann nicht mehr beeinflussen. Das Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK) hat 9 verschiedene Kipppunkte benannt, welche sich in sich in drei Klassen aufteilen (5):

– schmelzende Eiskörper
– sich verändernde Strömungs- und Zirkulationssysteme von Ozeanen und in der Atmosphäre
– bedrohte bedeutende Ökosysteme

Wissenschaftler*innen befürchten, dass schon Kipppunkte erreicht wurden (6). Laut einer aktuellen Studie vom PIK, nähert sich der Amazonas seinem Kipppunkt mit verheerenden Auswirkungen für das Weltklima (7). Wann dieser genau überschritten sein wird, kann jedoch aufgrund von unkalkulierbaren Faktoren nicht exakt berechnet werden.

Fest steht: „Wenn er dann zu beobachten ist (das Überschreiten des Kipppunktes), wäre es wahrscheinlich zu spät, ihn aufzuhalten. Der Amazonas-Regenwald speichert erhebliche Mengen an Kohlenstoff und besitzt eine Schlüsselrolle für das Weltklima und die Artenvielfalt. (…) Forscher warnen davor, dass sich beim Überschreiten eines Kipppunktes ein Großteil des Amazonasgebiets in eine Savanne verwandeln könne. Laut Greenpeace-Expertin Gesche Jürgens trägt der Fleischimport und das Füttern der Nutztiere in Europa mit Futtersoja aus dem Amazonasgebiet erheblich zur Zerstörung des Waldes bei. Oder um es mit den Worten von Professorin Dr. Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) auszudrücken: „von den Top 6 globalen Risiken sind 5 ökologisch und das sechste Massenvernichtungswaffen“.

Quellen:

(1)  https://www.klimafakten.de/meldung/fakten-rund-ums-klima-emissionen

(2)  https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/beobachtete-kuenftig-zu-erwartende-globale#-ergebnisse-der-klimaforschung-

(3)  https://www.nature.com/articles/s41598-020-67154-8

(4)  https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/eis_der_erde/warnsignal_klima-eis_der_erde-kapitel-2_5.pdf

(5)  https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente/kippelemente

(6)  https://tc.copernicus.org/articles/15/1501/2021/

(7)  https://www.tagesschau.de/ausland/amazonas-klimawandel-101.html