Beiträge

Auswirkungen der Pandemie auf Afrika

Die Auswirkungen der Pandemie auf den afrikanischen Kontinent wirken sich drastisch auf das Leben der Bevölkerung dort aus. Doch es gibt Lichtblicke.

Weitersagen

Auswirkungen der Pandemie auf Afrika

Die vierte Corona-Welle hat uns erreicht. In Deutschland (mit Höchstinzidenz seit Pandemiebeginn) und in ganz Europa in bislang nicht gekanntem Ausmaß. Auch auf dem Nachbarkontinent Afrika herrscht die Pandemie. Aktuelle Zahlen dazu werden eher verhalten kommuniziert, doch vernachlässigen sollte man deshalb das Infektionsgeschehen zwischen Casablanca und Kapstadt auf keinen Fall. Denn die Auswirkungen für die Menschen sind schwerwiegend.

Hohe Dunkelziffer, wenig Möglichkeiten

Ohnehin wird die Dunkelziffer der in Afrika an Covid19 erkrankten Menschen hoch sein. Testung und die Behandlung Betroffener scheitern an einem Gesundheitswesen, das für Situationen wie diese rasch an seine Belastungsgrenzen stößt.


Laut UNICEF gab es in Uganda „zwischen März und Juni 2021 einen Anstieg von Covid19-Fällen um 2800 Prozent“ (1). Namibia hatte in den letzten Monaten sogar die höchste Todesrate in Afrika zu verzeichnen. Im Kongo fehlt es an lebenswichtiger Gesundheitsausstattung und Intensivpflegebetten. Von den weltweit 2,7 Milliarden Impfdosen wurden lediglich 1,5 % an Menschen in Afrika verimpft (1).

Folgen von Lockdowns und Schulschließungen

Die Auswirkungen der Pandemie sind ähnlich wie hierzulande. Und doch sind sie anders, hat man erstmal den Blick geschärft für die Armut, in der viele Menschen in den meisten Ländern Afrikas leben. So kam es zum Beispiel in den meisten Ländern zu mehrwöchigen Schulschließungen. Dadurch gerieten die Kinder in gesellschaftliche Isolation und waren der wohnlichen Enge zuhause ausgesetzt – oft wohnen mehrere Generationen auf engem Raum zusammen. Lernrückstände verheißen nichts Gutes. Insbesondere Kinder aus bildungsferneren Schichten haben den Anschluss in der Schule verloren. Teilweise mussten oder müssen Kinder arbeiten gehen, um ihre Familien finanziell zu unterstützen, weil die Eltern ihren Job verloren haben. Bildungspolitische Erfolge, auch durch internationale Unterstützung, erleiden Rückschläge. Online-Unterricht scheitert oft an der technischen Ausstattung der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, teilweise mangelt es auch an der notwendigen Infrastruktur und dem Knowhow.

Darüber hinaus hat die häusliche Gewalt zugenommen. Missbrauch und Teenager-Schwangerschaften häufen sich signifikant (1). Erstmals seit vielen Jahren ist die Anzahl an Kinderehen wieder gestiegen. Insbesondere Mädchen, die bereits im Kindesalter verheiratet werden, leiden meist ihr Leben lang unter den Folgen. Häufig gehen sie nicht zur Schule und bekommen sehr jung Kinder, was oft Komplikationen in der Schwangerschaft mit sich bringt. Alle diese Faktoren erschweren ihr gesellschaftliches Teilhabe innerhalb ihrer Gemeinschaften.

Hunger und Unterernährung nehmen zu

Auch für die Wirtschaft bringt die Verbreitung des Coronavirus schwerwiegende Einschnitte. IWF (Internationaler Währungsfond) und Weltbank errechneten für 2020 ein Minus von 1,6 % beim Wirtschaftswachstum auf dem afrikanischen Kontinent – so viel wie seit 25 Jahren nicht mehr (2).

Ausgangssperren schränkten den weitverbreiteten Kleinhandel stark ein. Da gerade in diesem Bereich viele Menschen unter prekären Bedingungen arbeiten und kaum über Rücklagen verfügen, und Nahrungsmittel aufgrund von Produktions- und Lieferengpässen teurer geworden sind, nahmen Hunger und Armut seit Pandemiebeginn deutlich zu. Aktuell sind 282 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unterernährt (5).

Der Lichtblick

Allerdings: Bei der Bekämpfung des Coronavirus flammt Hoffnung auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang 2020 federführend die Initiative COVAX ins Leben gerufen (3). COVAX will weltweit einen gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen gewährleisten. Sie kauft beispielsweise Impfstoffe weltweit auf, um sie dann verstärkt in Afrika verimpfen zu lassen. Die Organisation stand und steht dabei in Konkurrenz zu den Abnehmern aus den wohlhabenden Ländern, die den Weltmarkt für diese Vakzine mit ihrer hohen Kaufkraft rasch leergefegt hatten. Fehlende Kühlhäuser vor Ort in Afrika kommen erschwerend hinzu (1). Dennoch sollte das Engagement von COVAX hoch geschätzt werden. Doch es ist noch ein langer Weg, bis die Pandemie unter Kontrolle sein wird. Dazu müssten alle Länder weltweit zusammenarbeiten und die vorhandenen Ressourcen gerecht aufteilen.

Quellen:

(1) „Tödliche Corona-Welle in Afrika südlich der Sahara„, UNICEF, 28.06.2021

(2) „Die ärmsten Länder trifft es hart“, Tagesschau, 18.05.2021

(3) „Pandemie-Folgen in Afrika: Mehr Teenager bekommen Kinder“, Deutsche Welle, 09.09.2021

(4) „Afrika: Ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie“, Deutsche Welle, 10.03.2021

(5) UN: Pandemie verschärft Hunger auf der Welt“, zdf heute, 21.07.2021

(6) UNICEF: Corona forciert Kinderehen“, Deutsche Welle, 08.03.2021

Das wilde Polio-Virus wurde in Afrika ausgerottet

Nach jahrzehntelangem Kampf wurde das wilde Polio-Virus nun im August in Afrika ausgerottet. Es ist nach den Pocken erst das zweite Virus, welches auf dem Kontinent als ausgerottet gilt. Das Risiko, dass das Virus aus anderen Ländern importiert wird, besteht weiterhin und auch das Impf-Polio stellt eine Gefahr dar – trotzdem ist die Ausrottung ein riesiger Erfolg.

Weitersagen

Das wilde Polio-Virus wurde in Afrika ausgerottet

Was ist Polio? 

Polio oder Kinderlähmung ist eine durch den Polio-Virus übertragene, hochansteckende Infektionskrankheit. Polio kann, anders als der Name vermuten lässt, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu dauerhaften Lähmungen führen. Vor allem sind jedoch Kleinkinder im Alter von 3-8 Jahren gefährdet, zu erkranken. Das Virus kann über eine Tröpfcheninfektion übertragen werden. Häufiger kommt allerdings eine „fäkal-orale“-Übertragung durch mit Kot verunreinigtem Wasser oder Lebensmittel vor. 

Polio als weltweite Bedrohung 

Polio war früher weltweit verbreitet, 1988 beschloss die Weltgemeinschaft, das Virus auszurotten. Durch große Impfkampagnen konnte Amerika 1994 für poliofrei erklärt werden, der westpazifische Raum ist seit 2000 frei von dem Virus, Europa seit 2002 und Südostasien seit 2014. 

Polio in Afrika 

In Afrika gab es viele große Herausforderungen: eine schlechte Infrastruktur, Konflikte, geflüchtete Menschen und Misstrauen gegenüber Impfungen verlangsamten die Ausrottung des Virus. 

Noch 1996 lähmte das wilde Polio-Virus laut der World Health Organisation (WHO) 75.000 Menschen in Afrika. Im August 2020 gab die unabhängige Africa Regional Certification Comission (ARCC) bekannt, dass das wilde Polio-Virus in allen 47 Ländern der Afrika-Region der WHO ausgerottet sei.  

Nach 40 Jahren wurde nach den Pocken nun Polio als das zweite Virus überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent ausgerottet.  

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wurden viele Impfprogramme durch Hygienevorschriften behindert. Umso wichtiger ist der Erfolg im Kampf gegen die Kinderlähmung. 

Die Gefahr ist noch nicht gebannt 

In Afghanistan und Pakistan gab es dieses Jahr insgesamt noch über 100 Fälle. In diesen Ländern halten sich Gerüchte, dass Kinder durch die Polio-Impfung sterilisiert werden würden. Durch die ausgesetzten Impfprogramme aufgrund der Corona-Pandemie wurden in Pakistan schätzungsweise 40 Millionen Kinder nicht geimpft. 

Auch das so genannte Impf-Polio könnte weiterhin ein, wenn auch geringes, Risiko für Kinder in Afrika darstellen. In 15 Ländern Afrikas wurden dieses Jahr laut WHO ca. 350 Fälle von Impf-Polio gemeldet. Es handelt sich um ein Polio-Virus, der in seltenen Fällen aus der Schluckimpfung mutieren kann. Das liegt daran, dass die Schluckimpfung ein Lebendimpfstoff ist. Sie enthält abgeschwächte Viren. Es gibt auch Totimpfungen, diese enthalten nur abgetötete Erreger, Bruchstücke oder deren Gift. 

Lebend- und Totimpfungen haben beide Vor- und Nachteile. Nach der Lebendimpfung kann das Polio-Virus nicht mehr an andere übertragen werden, außerdem übersteht er große Hitze, ist billig und einfach zu verabreichen. Bei einer Todimpfung werden geimpfte Kinder zwar nicht krank, können das Polio-Virus allerdings weiterhin ausscheiden und so andere infizieren. 

Trotzdem ein Erfolg 

Doch der Erfolg des Polio-Programms in Afrika bringt einen zusätzlichen Gewinn mit sich: die Impfprogramme sind in Sachen Infrastruktur, Expertise und Personal die größten Gesundheitsprogramme auf dem Kontinent. Nun werden Helfer und Infrastruktur für den Kampf gegen die Corona-Pandemie eingesetzt. 

Weiter Informationen: 

DAZ.online Afrika ist frei von Polio-Wildtyp (26.08.2020)

Amberger J. / Deutschlandfunk Rückschlag nach der Auslöschung des Poliovirus (16.10.2020)