Die Kindernothilfe: Selbsthilfegruppen in Ruanda

In einem Projekt für Selbsthilfegruppen verbessert unsere Mitgliedsorganisation, die Kindernothilfe, die Situation von Frauen und Kindern, die unter den Nachwirkungen des Genozids in Ruanda leiden.

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_© Kindernothilfe e.V.

Die Kindernothilfe: Selbsthilfegruppen in Ruanda

Bei dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 wurde fast eine Million Menschen er­mordet. Unter diesem nationalen Trauma leiden auch heute noch viele Menschen. Das Programm richtet sich an die Ärmsten der Armen, oftmals leben gerade Witwen und Waisen in großer Armut. Natürlich wirkt der Genozid noch immer nach, doch sind die Armutsursachen vielfältig.

In einem Projekt für Selbsthilfegruppen verbessert unsere Mitgliedsorganisation, die Kindernothilfe, die Situation dieser Frauen und Kinder. In der Gemeinschaft erfahren die Mitglieder Solidarität und Stärkung und entwickeln ein nie gekanntes Selbstvertrauen. Sie sparen gemein­sam Geld. Die angesparte Summe können sie reihum als Kredit in Anspruch neh­men, um sich zum Beispiel ein kleines Geschäft aufzubauen.

Traumata wirkt nach

Ruanda – das kleine ostafrikanische Land ist geprägt durch Völkermord und Bürger­krieg. 1994 fiel fast eine Million Menschen den Grausamkeiten zum Opfer. Inner­halb von nur 100 Tagen wurden Angehörige der Tutsi und gemäßigte Hutu von Hu­tu-Milizen ermordet. Dieses nationale Trauma bestimmt auch heute noch das Le­ben der Menschen in Ruanda, es hat gesellschaftliche Strukturen zerstört und vie­le Waisen und Witwen hinterlassen. Weil während des Völkermordes viele Schulen zerstört und Lehrer umgebracht wurden, ist die Analphabetenrate sehr hoch.

Ein starkes Bündnis!

Durch die Etablierung und Stärkung der Frauengruppen ist der Selbsthilfegruppenansatz Instrument eines immer stärker werdenden Entwicklungsmodells. Um die Ärmsten der Armen zu erreichen, arbeitet der Kindernothilfe-Partner African Evangelistic Enterprise seit 2002 mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz in fünf Regionen Ruandas (Kigali, Huye, Rwamagana, Gicumbi, Muhanga und Rubavu/ Nyamagabe). Der Fortschritt ist enorm: Mittlerweile gibt es schon 6.872 Gruppen mit 128.908 Mitgliedern, durch die 34.1992 Kinder erreicht wer­den (Stand April 2016). Es gibt 608 übergeordnete Gruppenverbände (CLAs), so dass auch auf kommunaler Ebene Verbesserungen erreicht werden. Es wurden Föderationen gegründet, die lernen die Gruppenverbände eigenständig zu steuern, so dass die Partnerorganisation AEE für diese immer weniger Hilfestellung leisten muss. Das Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird wahr. Der Selbsthilfegruppen-Ansatz umfasst drei Bereiche: die soziale, wirtschaftliche und politische Stärkung der Ärmsten der Armen.

Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die mit ihren Geschwistern ihren eige­nen Haushalt führen müssen und Witwen, die sich um viele Waisen kümmern. Sie schließen sich zu Gruppen von je 15 bis 20 Teilnehmern zusammen und treffen sich wöchentlich: zum Reden, zum Ideensammeln, zum gegenseitigen Mutmachen und Geldsparen. Die Gruppe hilft ihren Mitgliedern aus Einsamkeit und gesellschaftli­cher Isolation. In der Gemeinschaft erfahren alle Solidarität und Stärkung, sie ent­wickeln ein nie gekanntes Selbstvertrauen. Gerade in Ruanda kann so intensiv zur Traumabewältigung und Versöhnungsarbeit nach dem Völkermord beigetragen wer­den. Wenn ein Gruppenmitglied krank wird, helfen die anderen bei der anstehen­den Feldarbeit und stellen in Notfällen Geld zur Verfügung.

Wirtschaftliche Stärkung

Neben der sozialen Entwicklung ist auch die wirtschaftliche Stärkung der Men­schen wichtig. Das angesparte Geld wird reihum als Kredit vergeben, damit sich Einkommen schaffende Maßnahmen durchführen lassen. Denn die Mitglieder sol­len selbst für ihre Familien und Kinder sorgen können. Die dritte wichtige Komponente ist die politische Stärkung. Die Mitglie­der der Selbsthilfegruppen wählen dazu Vertreter in übergeordnete Gruppen, die sich dann um Anliegen der gesamten Gemeinschaft kümmern, z.B. Verbesserung der Wasserversorgung oder Impfkampagnen. Durch die große Zahl von Menschen, die sie nun vertreten, finden sie eher Gehör bei Regierungsstellen.

Der Partner AEE hilft in der Gründungsphase, indem er die Gruppen intensiv be­treut. Die Mitarbeiter nehmen an den wöchentlichen Gruppensitzungen teil. Work­shops zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel Gesundheitsvorsorge, HIV/Aids, Konfliktbewältigung oder organischem Landbau werden veranstaltet. Im Laufe der Zeit nimmt die Intensität der Betreuung jedoch ab, da die Gruppen selbständig wer­den sollen. Sie organisieren selbst Alphabetisierungskurse oder Kinderbetreuung für die Kleinsten. Der Partner steht dann aber immer noch als Ansprechpartner zur Verfügung. Ganz wichtig dabei ist, dass die Initiative von den Menschen selbst aus­geht. Darin werden sie durch den Selbsthilfegruppen-Ansatz gefördert und so wird nachhaltige Entwicklung erreicht.

Foto: Kindernothilfe