Togo: „Kinder sind keine Hexen! – Macht euch nicht zu Komplizen der Gewalt.“

In Togo werden einige Kinder der Hexerei bezichtigt. Unsere Mitgliedsorganisation kämpft zusammen mit einem lokalen Partner dagegen.
Ein Junge auf einer Schaukel_©Kinderrechte Afrika e.V.

Togo: „Kinder sind keine Hexen! – Macht euch nicht zu Komplizen der Gewalt.“

Bei dem Engagement für Kinder, unserer Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e.V., in Togo hat sich gezeigt, dass Kinder der Hexerei zu beschuldigen und daraufhin aus der Gemeinschaft auszuschließen oder – im Zuge der Hexenaustreibung – schwer zu misshandeln, ein verbreitetes und in der Gesellschaft verwurzeltes Phänomen ist. Viele unschuldige Kinder, vor allem in ländlichen Regionen sind dabei grausamen Ritualen ausgesetzt. Aus Angst vor übernatürlichen Kräften oder gesellschaftlicher Missgunst wagen es wenige lokale Akteure, dagegen vorzugehen und sich für diese Kinder einzusetzen.

Unerschrocken jedoch und mit unerbitterlichem Engagement sucht die Partnerorganisation CREUSET unserer Mitgliedorganisation Kinderrechte Afrika e.V. das Problem an den Ursachen zu bekämpfen, betroffene Kinder zu rehabilitieren und wiedereinzugliedern.

Kinder werden der Hexerei bezichtigt

Es gibt zahlreiche Gründe, warum Kinder der Hexerei bezichtigt werden:

  • Ereilt zum Beispiel ein Schicksalsschlag die Familie eines Kindes, gibt das in aller Regel ein Rätsel auf: War es Unglück, ein Unfall, eine schwere Krankheit? Es „muss“ eine erklärliche, personifizierte Ursache für den Todesfall, das Verschwinden o.ä. gefunden werden. Jemand aus der Familie „muss“ übernatürliche Kräfte besitzen. Jemand muss der Sündenbock sein.
  • Eine körperliche Auffälligkeit eines Kindes, wie beispielsweise ein  vergrößertes Auge, führt dazu, dass das Kind als „Monster“ wahrgenommen wird. Viele Verwandte glauben aufgrund von Äußerlichkeiten, den Kindern magische Kräfte zuordnen zu können. Sie glauben, das Kind stelle eine Gefahr dar, die Unglück erwarten lasse.

Herausragende Eigenschaften, die sich deutlich vom „Normalen“ unterscheiden, werden wenig toleriert und nicht selten bekämpft. Im Extremfall werden Kinder mit besonderen Eigenschaften aus der Gemeinschaft ausgestoßen und sogar zu Tode gebracht. Die Dunkelziffer der Opfer ist hoch, da der Staat mit seinen Institutionen (Polizei, Justiz) diese Praktiken im Allgemeinen toleriert und selbst bei eklatanten Kinderrechtsverletzungen nicht konsequent eingreift. Die Praktiken zur Hexenaustreibung werden im öffentlichen Diskurs weitgehend tabuisiert, angefangen von eher harmlosen Ritualen bis hin zu sozialer Ausgrenzung, wirtschaftlicher Ausbeutung, Gewaltexzessen und brutaler Folter.

Präventionsmaßnahme und Begleitung von beschuldigten Kindern

Kinderrechte Afrika und seine Partnerogranisation legt einen Schwerpunkt auf verschiedene Präventionsmaßnahmen (z. B. Aufklärung, Konferenzen und Schulung wichtiger Akteure) sowie die Begleitung von Kindern, die der Hexerei beschuldigt werden. Diese erhalten im Kinderschutzzentrum Kandyaa in Togo Schutz und Obdach und werden, je nach Bedarf bzw. Notwendigkeit, u. a. medizinisch versorgt, physisch und psychisch stabilisiert, nehmen an Alphabetisierungsaktivitäten teil und können fürsorglich betreut wieder Kind sein. Alle Kinder werden durch verschiedene Maßnahmen auf ihre soziale, familiäre oder schulische bzw. berufliche Wiedereingliederung vorbereitet. Evtl. erhalten sie eine materielle Unterstützung für ihren Schulbesuch, ihre Berufsausbildung oder ihre Unterbringung außerhalb der Familie. Folgebesuche in den Familien, Schulen und Ausbildungsstätten tragen dazu bei, dass die Wiedereingliederung der Kinder und Jugendlichen positiv verläuft.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

 

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