Wie stehen afrikanische Regierungschefs zur Bekämpfung von Fluchtursachen

05.11.2015: In der Debatte um die Bekämpfung von Fluchtursachen müssen auch afrikanische Regierungschefs eingebunden werden.

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Wie stehen afrikanische Regierungschefs zur Bekämpfung von Fluchtursachen

Mit den weiter ansteigenden Flüchtlingszahlen rückt ein Thema immer mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion: die Bekämpfung von Fluchtursachen. Fast wöchentlich kommen europäische Staats- und Regierungschefs zusammen, um sich über die vielschichtigen Ursachen von Flucht auszutauschen und Lösungsansätze zu finden. Selten jedoch hört man, wie afrikanische Politiker zu diesem Thema stehen und das, obwohl viele der Ursachen in ihren Ländern liegen. Um die Probleme, die viele Menschen dazu zwingen ihre Heimat zu verlassen, zu bekämpfen, müssen alle an einem Strang ziehen – und dafür ist es wichtig, auch afrikanische Staats- und Regierungschefs in die Debatte einzubeziehen.

Partnerschaften zwischen Europa und Afrika

Am direktesten äußerte sich Senegals Präsident Macky Sall. Er fordere einen partnerschaftlichen Umgang zwischen Europa und Afrika. Damit Menschen nicht mehr gezwungen seien zu fliehen, müsse die Wirtschaft in den Ländern Afrikas gestärkt werden. Dafür seien Investitionen nötig, von denen auf lange Sicht sowohl Afrika als auch Europa profitieren würden, denn auch für Europa sei ein wachsender Markt in Afrika von Vorteil. Afrika müsse die Chance bekommen, eigene Wertschöpfungsketten aufzubauen. Außerdem forderte Sall die Schaffung von Möglichkeiten der legalen Einreise in die EU, gerade für Studenten, Wissenschaftlern oder Intellektuellen, die den Kulturaustausch ankurbeln könnten.

Afrikas Machthaber in der Verantwortung

Auch der im Mai gewählte Präsident Nigerias, Muhammadu Buhari, fand klare Worte zur derzeitigen Situation. Er sagte, die Bilder der afrikanischen Jugendlichen, die im Mittelmeer ertrinken, seien eine Schande für die Staats- und Regierungschefs. Die Politiker müssten sich ihrer Verantwortung stellen und sich stärker für die Bekämpfung von Fluchtursachen einsetzen. Die Bemühungen um wirtschaftliches Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen müssten weiter steigen und verfolgt werden. Gleichzeitig müssten Demokratie, Menschenrechte und gute Regierungsführung respektiert und gefördert werden.

Ghanas Präsident John Mahama pflichtete Sall und Buhari bei. Wirtschaftliche Entwicklung und die Schaffung von Wertschöpfungsketten seien der Schlüssel dafür, dass weniger Menschen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer wagen.

Im Gegensatz zu Sall,  Buhari und Mahama weisen andere Regierungschefs, wie in Gambia und Eritrea, jegliche Verantwortung von sich. Das autoritär regierte Eritrea beschwerte sich bei den Vereinten Nationen über die Flucht tausender ihrer Bürger nach Europa und hielt den UN-Sicherheitsrat an, für „Gerechtigkeit“ zu sorgen. Jeden Monat fliehen laut UN-Berichten 5.000 Eritreer ins Ausland, obwohl die Grenzen mit Stacheldraht und Minen gesichert sind.

Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie bei zebrablogs – read between the lines von Nico Beckert.

Foto: HE John Dramani Mahama, President of the Republic of Ghana, von Chatham House, London, CC BY 2.0.

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