Klimagerechtigkeit

Was bedeutet Klimagerechtigkeit und warum ist sie so wichtig? Welche historischen Hintergründe und unterschiedlichen Perspektiven sind dabei zu beachten?

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Klimagerechtigkeit

Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sind verzahnt, könnte man meinen. Schützen wir das Klima, schützen wir auch alle Menschen gleichermaßen. Diese Annahme ist leider falsch, da gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven der Katastrophe die globalen Ungerechtigkeiten weiter verschärfen. (1) 

Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

Die Klimakrise ist eine Frage der Gerechtigkeit, denn sie trifft die Menschen und Bevölkerungsgruppen in den verschiedenen Weltregionen unterschiedlich hart:

  • Häufig sind die Menschen, die ohnehin am Existenzminimum leben, von den Folgen der Klimakrise besonders hart betroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. Zudem haben sie meistens keine Ressourcen, um diese Folgen abzufedern.
  • Die historischen Hauptverursacher*innen der Erderhitzung – die Industriestaaten im Globalen Norden – verfügen auch über die meisten Ressourcen, sich gegen die Folgen der Klimakrise absichern.

Klimagerechtigkeit bedeutet deshalb, dass der Globale Norden, das sind vor allem die Industriestaaten in Europa, Asien und Amerika, dabei den angemessenen Teil an Verantwortung übernimmt. Das heißt, der Globale Norden muss seine Emissionen stark reduzieren und alle klimaschädlichen Praktiken stoppen. Gleichzeitig erhalten die Länder und Menschen im Globalen Süden Unterstützung, die bereits vorhandenen Folgen abzuschwächen und sich zukünftig besser gegen die Folgen der Klimakrise wappnen zu können.

Beitrag Afrikas zur Erderhitzung

Afrika trägt mit weniger als 4 Prozent nur einen sehr geringen Anteil zu den weltweiten klimaschädlichen Treibhausgasemissionen und damit zur erderhitzung bei, bei einer Bevölkerung von 1,34 Milliarden.

Die Europäische Union (EU-28) ist mit 9,8 Prozent der globalen Emissionen der drittgrößten Verursacher von CO2-Emissionen weltweit, bei einer Bevölkerung von nur 750 Mio. Deutschland stößt aktuell 2 Prozent der globalen Emissionen aus – bei nur 83 Mio. Einwohner*innen –  und steht damit auf Platz 6 der Klimasünder weltweit.

Doch der afrikanische Kontinent ist eine der Regionen, die am stärksten von den verheerenden Folgen der Klimakrise betroffen ist. Bereits jetzt haben sich die Umweltbedingungen schon stark verschlechtert, mit tiefgreifenden sozioökonomischen Folgen.

Welchen Hintergrund hat Klimagerechtigkeit?

Auch wenn die gesamte Menschheit leidet unter der Klimakrise leidet, so treffen lebensgefährliche Klimakatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Stürme insbesondere die Länder des Globalen Südens unverhältnismäßig stark. Sturmfluten zerstören Heimatorte, Brände vernichten Lebensgrundlagen, Hitzewellen nehmen Leben. „Im Vergleich zum Globalen Norden ist der Globale Süden zwei- bis dreimal stärker von der Klimakrise betroffen.“ Betrachten wir die grausame Geschichte der europäischen Kolonialisierung, liegt darin der Ursprung vieler weitreichender Ungerechtigkeiten. Ab Ende des 15. Jahrhunderts begannen die Kolonialisierungszüge und schafften auf Grundlage von Genoziden, Unterdrückung und Versklavung Systeme der Ausbeutung. Fossile Ressourcen wie Silber und Gold, später Kohle, Öl und Gas, wurden geraubt und garantierten den europäischen Ländern Profite und eine prosperierende Industrialisierung. Das Zeitalter fossiler Brennstoffe und profitgieriger Großkonzerne war eingeläutet. Die Ressourcen beziehen wir bis heute unter oft menschenunwürdigen und Menschenrechte verletzenden Bedingungen aus Ländern des Globalen Südens. „So ist der Globale Norden für mehr als zwei Drittel der Treibhausgasemissionen seit Mitte des 19. Jahrhunderts verantwortlich“. Fossiler Kapitalismus und Klimaungerechtigkeit sind wesentliche Gegner*innen im Kampf um globale Gerechtigkeit. Es gab nie Chancengleichheit und die gibt es systembedingt auch heute nicht. (1) 

Sensibilisierung für unterschiedliche Perspektiven 

Neben der globalen Klimagerechtigkeit gibt es weitere Missstände, wie die sogenannten soziale Gerechtigkeit: „Zum Beispiel wohnen 27 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland aus Haushalten mit niedrigem Einkommen an stark befahrenen Straßen“. Sie sind also einer deutlich höheren Luftverschmutzung ausgesetzt. Bei Kindern und Jugendlichen aus einkommensstärkeren Haushalten sind es hingegen nur 10 %. Wenn Menschen, aufgrund ihres Einkommens auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt werden und deshalb gesundheitsschädlicher wohnen müssen, ist dies eine Form der Diskriminierung. Diese und weitere Diskriminierungsformen wie z. B. die Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Aussehens, des Geschlechts, der Sexualität oder der Fähigkeiten offenzulegen ist unumgänglich, um die ungerechte Verteilung der Klimakrisenfolgen und Umweltzerstörung besser zu verstehen und ein gutes Leben für alle Menschen zu ermöglichen.  

Klimaschutz und der 30 Prozent-Plan 

Doch Klimagerechtigkeit kommt auch nicht ohne Klimaschutz aus. Der „Global Deal for Nature“ mag zunächst gut klingen: „Bis 2030 sollen zumindest 30 Prozent der Erde effektiv geschützt sein.“ (2) Die Natur soll also unberührt bleiben, die Möglichkeit haben, sich zu erholen. Die Erweiterung von Naturschutzgebieten auf fast ein Drittel der Erdoberfläche klingt zielführend. Doch hier geht es um neokolonialistische Strukturen. „Die Geschichte des Naturschutzes ist eng verbunden mit der Kolonialzeit und der Vertreibung lokaler Bevölkerungen.“ Weltweit wurden für die Errichtung von Nationalparks indigene Gemeinschaften von weißen Kolonialisten gewaltvoll aus ihren Lebensräumen vertrieben. Noch heute finden vergleichbare, vom Westen finanzierte Menschenrechtsverletzungen im Subsahara-Raum statt. Die Menschenrechtsaktivistin Fiore Longo befürchtet, dass Schutzgebiete dort geschaffen werden, wo lokale Gemeinschaften leben. Sie werden vertrieben und die Gebiete militarisiert. Die Umsetzung des 30 Prozent-Plans würde den größten „Landraub der Geschichte“ darstellen „und die Lebensgrundlage derjenigen zerstören, die am wenigsten für die Umweltzerstörung verantwortlich sind.“ (3) Derzeit tagt die UN-Biodiversitätskonferenz in Genf und verhandelt mit den Mitgliedsstaaten, Naturschutzorganisationen und Unternehmensvertretern über den Plan.  

 

Das kannst du für mehr (Klima-) Gerechtigkeit tun:

  • Reflektion: Ungerechtigkeiten existieren und manchmal sind wir auch ganz unbewusst ein Teil davon – ohne dass wir es wollen. 
  • Empowerment: Tausche dich mit Menschen aus, die ähnlich denken wie du. 
  • Zuhören: Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, brauchen Unterstützung und deine Lernbereitschaft. 
  • Sichtbarkeit: Oft nehmen weiße Personen mehr Raum in den Medien ein. Versuche, weniger sichtbare BIPoC-Personen zu stärken und sichtbar zu machen.  
  • Sensibilisierung: Versuche ein Bewusstsein für unterschiedliche Bedürfnisse zu schaffen und damit mehr Menschen den Zugang zu Treffen und Aktionen zu verschaffen. 
  • Solidarität: Biete den Betroffenen deine Unterstützung an, wenn sie Diskriminierungen erfahren. Frage sie, welche Form sie sich an Unterstützung wünschen. 
  • Verstehen: Lerne über die Zusammenhänge von Geschichte und Klimaungerechtigkeit, von Kolonialisierung und Klimakrise. Sprich mit deinen Mitmenschen. (1) 

 

 Quellen:

(1) BUNDjugend / „Für ein Klima der Gerechtigkeit“, o.D. 

https://www.bundjugend.de/wp-content/uploads/Fuer-ein-Klima-der-Gerechtigkeit-Flyer.pdf 

(2) Morgenroth, N. / „Ein Drittel der Erde soll unter Naturschutz gestellt werden“ in Deutschlandfunk Kultur vom 07.09.2021 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/erhalt-der-biodiversitaet-ein-drittel-der-erde-soll-unter-100.html 

(3) Survival International / „#DearHumanity“, o.D.  

https://www.survivalinternational.de/ueber/dearhumanity