Aus dem Südsudan nach Uganda – Die Geschichte einer Flucht

12.11.2014: 150.000 südsudanesische Flüchtlinge suchen Sicherheit in Uganda. Peter und seine Familie gehören dazu.

Aus dem Südsudan nach Uganda – Die Geschichte einer Flucht

In Uganda leben zur Zeit etwa 405.000 Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan. Der größte Teil der mehr als 150.000 Südsudanesen sind Dinkas und Nuers aus den Bundesstaaten Jonglei, Upper Nile und Unity sowie der Hauptstadt Juba. Seitdem die Konflikte im Südsudan im Dezember 2013 eskalierten, kommen immer wieder große Gruppen von Flüchtlingen nach Uganda. Unsere Mitgliedsorganisation, der UNO-Flüchtlingshilfe e.V., erzählt die dramatische Geschichte zweier Flüchtlinge. Eine besondere von tausenden besonderer Geschichten.

Uganda setzt auf Selbständigkeit

In Uganda können die Flüchtlinge in Siedlungen anstatt in Flüchtlingslagern leben. Dort erhalten sie wenn möglich ein Stück Land, um ihre eigenen Nahrungsmittel anzubauen. Unter den Flüchtlingen sind auch Peter und Mariam, die gerade als Flüchtling registriert wurden, jedoch noch darauf warten, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können, denn die ugandische Regierung hat immer öfter Schwierigkeiten geeignetes Land für die Flüchtlinge zu finden.

Die Angst bleibt

Peter sitzt im Schatten eines großen Baumes. Er hat noch immer große Angst davor, dass die Gewalt, die ihn und seine Familie zur Flucht zwang, einholen wird. „Irgendetwas in mir lässt mich denken, dass vielleicht jemand nachts kommt und mich umbringen will und ich wache auf und will davonlaufen,“ erzählt der 26-jährige Südsudanese. „Ich beruhige mich dann – aber manchmal kommt es zurück.“

Er denkt zurück an den Tag im April 2013, als zwischen ethnischen Murle und Nuer in seiner Heimatstadt Gogolthin Kämpfe ausbrachen. Peter und seine Frau rannten mit den beiden kleinen Kindern um ihr Leben, um sich herum die Schreie der Nachbarn. Unter den Toten waren auch seine Brüder und Schwestern.

Einen Monat auf der Flucht

30 Tage lang liefen sie Richtung Juba, der Hauptstadt des Südsudan. Die Kinder trugen sie auf dem Rücken und nachts schliefen sie mit nur den Kleidern auf dem Leib. Peter weiß noch immer nicht, ob seine Eltern aus Gogolthin heraus kamen. „Wir hatten solche Angst, dass wir nicht auf den Hauptstraßen liefen,“ erinnert er sich. „Wir aßen Wurzeln, Grass und wilde Früchte – es war Regenzeit.“

In Juba gab ihnen der Pfarrer einer Presbyterischen Kirche zu Essen und für zwei Tage einen Platz zum Schlafen. Er schlug ihnen vor, Hilfe bei UNHCR im Norden Ugandas zu suchen. Ein Freund des Pfarrers fuhr die Familie in die Grenzstadt Nimule. Dann waren sie wieder auf sich allein gestellt.

Mitte Juni erreichte Peter mit seiner Familie den Distrikt Adjumani. Obwohl sie in Sicherheit sind, ist das Leben noch immer ein Kampf: „Die Menschen schlafen unter freiem Himmel und es ist nicht genug Platz und nirgendwo kann man Moskitonetze aufhängen,“ erklärt Peter, während er seinen Sohn tröstet, der seit Tagen krank ist. „Das Gesundheitszentrum ist gut und nicht weit weg, aber es gibt nicht viele Malaria-Medikamente. Ich will nicht zurück,“ sagt Peter.

„Meine Leute sind bereits tot und die Kämpfe gehen noch immer weiter.“ Jetzt will er und seine Familie nur eins: leben!

Fotos: UNHCR/B. Sokol