Friedensaktivisten des Monats März

10.03.2016: Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) erlebt seit über zwei Jahren immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den muslimischen Séléka-Rebellen und den christlichen Anti-Balaka Milizen. Rund 1.000 Menschen sind seitdem gestorben, ein Viertel der Bevölkerung musste ihre Heimat verlassen.

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Friedensaktivisten des Monats März

Drei Religionsführer in der ZAR nutzen ihren Einfluss, um der Gewalt ein Ende zu setzen und den Frieden wiederherzustellen. Für ihren Einsatz wurden sie mit den Preisen „Search for Common Ground“ und „Sergio Vieira de Mello“ – einem ehemaligen UN Mitarbeiter, der besonders für seinen Einsatz für Frieden und Sicherheit bekannt war – ausgezeichnet.

Einsatz für Frieden und Stabilität

Oftmals wird der Konflikt in der ZAR medial als eine religiöse Auseinandersetzung zwischen Muslimen und Christen ausgelegt. Das stimme aber nicht, vielmehr werde die Religion für politische Ziele instrumentalisiert, so Dieudonné Nzapalainga, katholischer Erzbischof der Hauptstadt Bangui und Vorsitzender der Zentralafrikanischen Bischofskonferenz. Er ist einer der drei Religionsführer, der sich in der ZAR für die Förderung des Friedensprozesses einsetzt. Die verschiedenen Gruppen würden die Religion instrumentalisieren, um Anhänger für ihre politischen Ziele zu gewinnen. Nicht alle Muslime würden der Séléka angehören, ebenso, wie nicht alle Christen den Anti-Balaka Milizen angehörten – so Erzbischof Nzapalainga.

Gemeinsam mit dem Pastor und Präsident der Evangelischen Allianz, Pastor Nicolás Guérékoyame-Gbangou und Imam Omar Kobine Layama, dem Präsidenten des Islamischen Rates, setzt sich Nzapalainga für den Friedensprozess und die Aussöhnung in seinem Land ein. Bei Gesprächen in aller Welt – Rom, Washington, Paris, London, Brüssel und Berlin – fordern sie immer wieder internationale Anstrengungen, um den Konflikt zu beenden. Eine weitere Forderung der Religionsführer ist es, die noch immer weit verbreitete Straffreiheit in der ZAR zu beenden – denn eine funktionierende Justiz sei eine der wichtigsten Grundlage, um den Prozess der Versöhnung beginnen zu können.

Friedliches Zusammenleben

Laut Imam Layama habe das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen das Land schon vor der im Jahr 1960 erlangten Unabhängigkeit der ZAR von Frankreich ausgezeichnet. Imam Layama und seine Mitstreiter setzten sich dafür ein, diesen Zustand wiederherzustellen und den Menschen vor Augen zu führen, dass die derzeitige Situation umkehrbar ist.

Um den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu fördern, riefen die drei Religionsführer 2013, kurz nachdem die Gewalt in ihrem Land ausbrach, die „Interfaith Peace Platform“ ins Leben. Im Rahmen dieser Initiative finden Reisen durch die Zentralafrikanische Republik statt, um den Dialog in einzelnen Gemeinden und Dörfern gezielt zu fördern. „Wir möchten dafür sorgen, dass die Bevölkerung diesmal am Prozess der Aussöhnung beteiligt wird“, so Imam Layama. Wahrheit und Gerechtigkeit seien die Voraussetzung für eine Versöhnung, fügt Nzapalainga hinzu. „Sonst bleiben immer Hass und der Wunsch nach Rache zurück.“

Ihr Ziel sei es, den Menschen zu zeigen, was sie vereine – und sich nicht darauf zu fokussieren, was sie trenne. Es müsse wieder ein Staat entstehen, in dem jeder einen Platz hat, damit Anhänger jeder Religion und jeden Glaubens wieder friedlich zusammenleben können. Die Religionsführer würden eine schrittweise Verbesserung beobachten, doch bewaffnete Gruppen hätten noch immer zu viel Einfluss.

Für ihren unermüdlichen Einsatz wurden die drei von dem amerikanischen TIME Magazin unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2014 gewählt. Die französische Zeitung „Le Monde“ betitelte sie sogar als die „Drei Heiligen von Bangui“.

Weitere Informationen zu den Religionsführeren aus der Zentralafrikanischen Republik.

Foto: Dieudonné Nzapalainga, Nicolas Guérékoyame Gbangou et Omar Kobine, von Voice of America, Public Domain Mark 1.0