Kenia: Internetzugang durch Riesen-Ballon

07.08.2018 Tennisplatzgroße Ballons sollen in Kenia den Internetzugang verbessern. Insbesondere entlegene Regionen sollen von dem Projekt profitieren.
Der Loon Ballon beim Launch Event._© CC BY 2.0 by Doug Coldwell

Kenia: Internetzugang durch Riesen-Ballon

Ein Großteil der rund 49 Millionen Einwohner*innen Kenias ist über das Mobilfunknetz mit Internet versorgt. Doch insbesondere in ländlichen Regionen sind enorme Teile des Landes von Internetanbietern abgekoppelt. Ein Netz aus riesigen Ballons soll dies nun ändern.

Riesen Internet-Ballons in der Stratosphäre über Kenia

Nach einer mehrjährigen Entwicklungsphase soll es nun endlich losgehen. Das Unternehmen „Loon“ hat in Partnerschaft mit dem Telekommunikationsanbieter „Telkom Kenya“ angekündigt, Internetverbindungen in abgelegenen Regionen Kenias zu ermöglichen. Dabei sollen von „Loon“ entwickelte Riesenballons eingesetzt werden. Die tennisplatzgroßen Ballons schweben hoch in der Stratosphäre, etwa 20 km über dem Meeresspiegel. Laut dem Unternehmen eine Höhe, die außerhalb des Bereichs von Luftverkehr, Stürme und Wildtiere liegt. Die ballonähnliche Konstruktion besteht aus Polyethylen, ist mit Helium gefüllt und soll von einem Solarpanel angetrieben werden. Die Ballons sind so konzipiert, dass sie monatelang in der Luft bleiben und sich durch das Surfen in Windkanälen bewegen.

Antennen übertragen Signal in entlegene Regionen

Jeder Ballon trägt eine Antenne mit sich. Diese leitet vom Boden übertragene Internet-Signale weiter. Durch den Einsatz des Ballon-Netzwerkes soll zunächst eine zusätzliche Reichweite von 5.000 Quadratkilometern erreicht werden. Im Zuge der neuen Partnerschaft wird „Telkom Kenya“ die Internet-Signale bereitstellen und „Loon“ diese mit Hilfe der neuen Ballon-Technologie in entlegene Gebiete von Kenia verbreiten. Ken Banks, Experte für afrikanische Konnektivität und Leiter der sozialen Auswirkungen bei „Yoti“ sagte zum bevorstehenden Projekt: „ Die Konnektivität ist in den ländlichen Gebieten ein Problem!“. Die Installation einer physischen Infrastruktur für Internetverbindungen und Mobilfunk in diesen Regionen sind mit größeren Hindernissen behaftet. Insbesondere die großen Entfernungen machen es unpraktisch Glasfaserkabel zu verlegen oder eine Reihe von mobilen Masten aufzustellen. Laut des Experten ist ausschließlich die neue Technologie von „Loon“ eine Option, der fehlenden Konnektivität entgegenzuwirken.

Experten warnen vor Kommunikationsmonopol

Doch trotz der vielen positiven Stimmen zum geplanten Projekt gibt es durchaus auch kritische Anmerkungen. Experten warnen, dass es im Zuge der neuen Partnerschaft zwischen „Telkom Kenya“ und „Loon“ zu einem Kommunikationsmonopol kommen könnte. Viele Menschen könnten besorgt sein, dass durch das Projekt eine Abhängigkeit von kommerzieller, ausländischer Technologie entstehe. Nutzer*innen des Netzwerkes wären zudem der Preisgestaltung und den Geschäftsbedingungen der neuen Partnerschaft ausgesetzt. „Das wäre vielleicht weniger ein Problem, wenn es mehr als einen Anbieter geben würde. So könnten Nutzer einfach das Netzwerk wechseln – aber wenn Loon und Telkom Monopole in diesen Bereichen haben, könnte das eine tickende Zeitbombe sein.“, so Ken Banks.

Internet auf dem afrikanischen Kontinent zu teuer

Laut dem Ziel der UN-Breitband-Kommission für Internet-Erschwinglichkeit, sollen ein Gigabyte mobile Daten zukünftig nicht mehr als 2% des Bruttonationaleinkommens pro Kopf kosten. Auf dem afrikanischen Kontinent ist man davon jedoch aktuell weit entfernt. Ein Gigabyte mobile Daten kosten derzeit durchschnittlich 18% des monatlichen Einkommens. Nanjira Sambuli von der World Wide Web Foundation betont daher: „Die Partnerschaft ist also ein guter Schritt, um die Konnektivität voranzutreiben. Es ist jedoch zwingend erforderlich, dass diese Partnerschaft nicht nur qualitativ hochwertige Konnektivität (4G) erreicht, sondern auch, dass sie erschwinglich und sinnvoll ist.“

 

 

Foto|Quelle: flickr|BBC