Lisha, 22, aus Nigeria

Lesen Sie hier das Einzelschicksal von Lisha.
Lisha_©CC0/Holger Schué

Lisha, 22, aus Nigeria

Ein junges afrikanisches Mädchen, Lisha (22), lernte bei einer Feier in Nigeria eine ältere Frau kennen, die Lisha zunächst für ihre handwerklichen Fähigkeiten bewunderte. Später schlug sie ihr vor, nach Deutschland zu gehen. Dort verdiene sie mit ihrer Arbeit viel mehr Geld. Die Reisekosten könne sie nach und nach zurückzahlen.

Lisha sah ihre große Chance. Ihren Verwandten, die sie nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern aufgenommen hatten, fiel sie zunehmend zur Last. Vor der Abreise brachte die Frau Lisha zu einem Voodoo-Meister. Dort musste sie schwören, die 30.000 Euro Reisekosten so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Da Voodoo Alltag in ihrer Heimat ist, war Lisha darüber nur wenig verwundert.

In Deutschland angelangt, verlangte man von Lisha, in einem Bordell zu arbeiten. Sie musste einen hohen Tagesumsatz schaffen. Tat sie das nicht, wurde sie bedroht, geschlagen und vergewaltigt. Einmal lief sie mit einem Freier weg, woraufhin die Täter Lishas Familie in Afrika bedrohten. Einem Onkel brachen sie, sozusagen als Warnung, die Arme der Voodoo-Puppe. Die Familie bat Lisha am Telefon inständig, weiter zu arbeiten, damit sie in Afrika nicht weiterhin in Angst und Schrecken leben müsste. Lisha kehrte daraufhin ins Bordell zurück. Als es für sie immer unerträglicher wurde, ergriff sie trotz ihrer eigenen Todesangst und der Angst um ihre Familie nach einigen Monaten die Flucht. Ein Freier half ihr dabei und ging mit ihr direkt zur Polizei. Dort sagte sie gegen die Täter aus und JADWIGA wurde eingeschaltet.

Die Fachberatungsstelle JADWIGA setzt sich für die Rechte der Opfer von Frauenhandel ein. Sie bietet umfassende Unterstützung und Hilfen für die Betroffenen in Krisensituationen an und konnte Lisha durch folgende Angebote unterstützen:

JADWIGA besorgte eine sichere Unterkunft in einer Schutzwohnung; begleitete Lisha oft zum Arzt, da die Zeit in den Bordellen körperliche Spuren bei ihr hinterlassen hatte; koordinierte die Hilfen mit Ämtern und Behörden; begleitete Lisha zur Polizei und zum Gericht; vermittelte sie in einen Deutschkurs; gab Unterstützung bei der Arbeitssuche; leistete kontinuierlich psycho-soziale Unterstützung durch regelmäßige Treffen.

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