Anschlag auf Flüchtlingscamp in Nigeria

11.02.2016: In Nigeria ist es am Dienstag zu zwei Selbstmordanschlägen in einem Flüchtlingscamp in dem nordöstlichen Bundesstaat Borno gekommen. Informationen drängen jedoch erst jetzt in die Medien vor.

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Anschlag auf Flüchtlingscamp in Nigeria

Eindeutige Angaben über die Zahl der Toten und Verletzten gibt es noch nicht: sie schwanken zwischen fünfzig und siebzig. Rund achtzig Menschen sollen verletzt worden sein.

Zwei Sprengsätze

Ersten Ermittlungen nach zu Folge zündeten zwei als Flüchtlinge verkleidete junge Frauen inmitten des Flüchtlingslagers Dikwa ihre Sprengsätze. Die Attentäterinnen waren am Abend zuvor in Dikwa angekommen und als Flüchtlinge registriert worden. Eine dritte mutmaßliche Attentäterin machte den Ermittlern zufolge einen Rückzieher, als sie erfuhr, dass sich auch ihre Eltern und Geschwister in dem Flüchtlingslager aufhielten. Sie stellte sich der Polizei und warnte vor weiteren terroristischen Anschlägen in der Region.

Racheaktion gegen Militäreinsatz

Bis jetzt hat sich noch keine Gruppe offiziell zu den Anschlägen bekannt. Vieles weist jedoch auf die Terrororganisation Boko Haram hin. In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Anschläge von Frauen und Kinden verübt, die zuvor entführt und indoktriniert worden waren. Der Doppelanschlag in dem Camp Dikwa, in dem 50.000 Menschen vor Boko Haram Zuflucht gefunden haben, könnte ein Vergeltungsschlag gegen Armeeangriffe in Borno sein. Die nigerianische Armee hatte in den vergangenen Wochen drei Dörfer in der Nähe der Stadt Kalabalge angegriffen, die als Hochburgen von Boko Haram gelten. Dabei waren dutzende Kämpfer der Terrororganisation getötet worden.

Bundespräsident Gauck in Nigeria

Zum Zeitpunkt der Anschläge befand sich Bundespräsident und Schirmherr von GEMEINSAM FÜR AFRIKA Joachim Gauck in der nigerianischen Stadt Lagos. Noch bis einschließlich morgen besucht Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt Nigeria und Mali. Während einer Ansprache in der Hauptstadt Abuja rief er zum Kampf gegen Terrorismus und gegen die Ursachen von Flucht auf. Den Menschen in Deutschland und Europa werde immer mehr bewusst, dass Afrika keine ferne Welt, sondern unser Nachbarkontinent sei, so Gauck. „Vielen, die bisher die Augen vor den wechselseitigen Abhängigkeiten verschließen konnten, wird gerade angesichts der jüngsten regionalen und globalen Krisen klar, dass wir gemeinsam handeln müssen“, so der Bundespräsident weiter. Außerdem forderte er die internationale Gemeinschaft zu Spenden für die Menschen auf, die vor der Terrororganisation Boko Haram fliehen müssen.

Auch in Kamerun Selbstmordanschläge

Auch in Nigerias Nachbarländern kommt es immer wieder zu Selbstmordanschlägen durch Boko Haram. Im Norden Kameruns rissen zwei Selbstmordattentäterinnen sechs Menschen in den Tod, mehr als 30 sollen verletzt worden sein. Es ist der fünfte Anschlag seit Beginn des Jahres in dem Nachbarland. Seitdem die Gruppe ihre Anschläge auf die Grenzregion ausgeweitet hat, sind der kamerunischen Regierung zufolge rund 1200 Menschen getötet worden. Im Nordosten Nigerias, sowie in Kamerun, Niger und Tschad kontrolliert die islamistische Terrororganisation ganze Landstriche. In den vergangenen sieben Jahren sind durch Anschläge und Angriffe der Gruppe mindestens 14.000 Menschen getötet worden.

Weitere Informationen zu den Selbstmordanschlägen in Nigeria.

Foto: Queuing for registration in the heat of the sun, von Cate Turton/Department for International Development, CC BY 2.0

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