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Chinas Engagement in Afrika – Fluch oder Segen für die Entwicklung des Kontinents?

In den letzten Jahrzehnten hat China sich als bedeutender Akteur in Afrika etabliert, indem es erhebliche Investitionen getätigt und teilweise auch aktiv am politischen Geschehen des Kontinents teilgenommen hat. Laut Daten der China-Africa Research Initiative der Johns-Hopkins-Universität (Baltimore, USA) beliefen sich Chinas Investitionen in Afrika bis 2021 auf 299 Milliarden US-Dollar. Dieses bedeutsame wirtschaftliche Engagement hat gleichermaßen Enthusiasmus und Skepsis sowie eine komplexe Diskussion über die Rolle Chinas für die Zukunft Afrikas ausgelöst.

Chinas wirtschaftlicher Einfluss in Afrika hat sich in den letzten Jahren rapide ausgeweitet, mit Investitionen in Infrastruktur, der Ausbeutung natürlicher Ressourcen sowie dem Bau von Produktionsstätten. Die von China im Jahr 2013 gestartete Belt and Road Initiative (BRI) spielt dabei eine Schlüsselrolle bei der Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und afrikanischen Ländern. Nach einem Bericht des Brookings Instituts von 2021 beliefen sich Chinas Finanzierungszusagen allein im Transport- und Energiesektor Afrikas auf 148 Milliarden US-Dollar. Durch massive Infrastrukturprojekte wie Straßen, Häfen und Eisenbahnen strebt China an, die interkontinentalen Transportwege zu verbessern, was das Potenzial birgt, die gesamte wirtschaftliche Entwicklung auf dem Kontinent zu fördern.

Obwohl diese Investitionen zweifellos zur Verbesserung der Infrastruktur Afrikas beigetragen haben, wird aber auf Seiten der Kritiker oft argumentiert, dass sie auch zu einer (neuen) Abhängigkeit der afrikanischen Länder führen (können). Bedenken hinsichtlich der Kreditbedingungen und der Gefahr der sogenannten „Schuldenfallendiplomatie“ haben sich in letzter Zeit vermehrt. Auch gibt es immer wieder Zweifel bezüglich der von chinesischen Unternehmen angewandten Umweltstandards und Arbeitsbedingungen. Deshalb wird allgemein die Notwendigkeit betont, sicherzustellen, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit gegenseitig vorteilhaft und nachhaltig ist.

Chinas Interessen in Afrika reichen augenscheinlich aber über rein wirtschaftliche Belange hinaus. Das Chinesisch-Afrikanische Kooperationsforum (FOCAC) dient als Plattform für diplomatischen Dialog und Zusammenarbeit zwischen China und afrikanischen Ländern. Chinas Beteiligung an Friedenssicherungsmaßnahmen und Konfliktlösungen auf dem Kontinent spiegelt dabei ein wachsendes Engagement für politische Stabilität in der Region wider. Gemäß dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) hat China signifikant zur UN-Friedenssicherung in Afrika beigetragen, mit über 2.500 chinesischen Soldaten in verschiedenen Missionen. Allerdings wird Chinas militärisch-politisches Engagement in Afrika dahingehend kritisiert, da es als „nicht-interventionistisch“ betrachtet wird und wirtschaftliche Interessen über Menschenrechte und Minderheitenschutz stellt. Dabei wäre es insbesondere in Afrika von großer Bedeutung, die wirtschaftliche Zusammenarbeit gleichzeitlich mit dem Aufbau von demokratischen, rechtsstaatlichen Strukturen zu fördern, um eine umfassende und nachhaltige Entwicklungspartnerschaft zu gewährleisten.

Zusammenfassend ergibt sich somit ein recht ambivalentes Bild, was Chinas Rolle in Afrika betrifft: Einerseits tragen seine Investitionen erheblich zur dringend benötigten Entwicklung der Infrastruktur bei, fördern das Wirtschaftswachstum und reduzieren die Armut. Laut Studien der Weltbank entwickeln Investition in die Infrastruktur einen „Multiplikatoreffekt“ auf die wirtschaftliche Entwicklung, indem sie Arbeitsplätze schaffen und den Lebensstandard der Bevölkerung insgesamt verbessern. Andererseits dürfen die vielfältigen Bedenken hinsichtlich Transparenz, Umweltschutz und sozialer Auswirkungen nicht ignoriert und sichergestellt werden, dass die Erträge der Kooperation gerecht geteilt und langfristige Entwicklungsziele erreicht werden. Sollte dies gelingen, ist es aber durchaus möglich, dass China in Zukunft zu einer positiven Entwicklungsagenda für Afrika beitragen wird und damit einen Präzedenzfall für zukünftige globale Bemühungen setzt.

Quellen:

  1. China-Africa Research Initiative at Johns Hopkins University. (2021): “Cumulative Chinese Investment in Africa” (China’s Global Investment Tracker)
  2. Brookings Institution (2021): “Foresight Africa 2021. Chinese Financing Commitments in Africa”                
  3. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) (2023): SIPRI Yearbook 2023: “Chinese Peacekeeping Troops in Africa.
  4. World Bank (2023): World Bank on Infrastructure Investment

Verfasst am 29. November 2023