Gideon, 16 Jahre, aus Ghana

Lesen Sie hier das Einzelschicksal von Gideon.
Gideon_©IJM/Lydia Strauss

Gideon, 16 Jahre, aus Ghana

„Mein Name ist Gideon. Ich komme aus Ningo. Wie alt ich bin, weiß ich nicht“, sagt der Junge, den Mitarbeiter von IJM (International Justice Mission) auf etwa 16 Jahre schätzen. Er ist groß, sein Oberkörper ist muskulös, sein Blick ernst. Er wirkt viele Jahre älter. Die harte Arbeit in der Fischerei hat Spuren hinterlassen, nicht nur die Narben an Armen und Beinen. An seine Kindheit erinnert sich Gideon nur noch dunkel. Doch er ging nicht eine Stunde in die Schule. Ein skrupelloser Kinderhändler nahm Gideon seiner Mutter weg und entführte ihn, um ihn in der  Fischerei als Sklave zu halten. Als Kinderarbeiter fischte er Tag und Nacht. Mit 8500 Quadratkilometern ist der Lake Volta in Ghana der weltweit größte künstlich angelegte See. Zehntausende Kinder arbeiten dort in der Fischindustrie, viele davon unfreiwillig,  in ausbeuterischer Kinderarbeit gefangen. Experten in Ghana schätzen die Zahl der Jungen, die brutal zur Arbeit gezwungen werden auf 35.000 bis 50.000.

Die Kleinsten sind erst vier Jahre alt, die meisten gerade mal zehn Jahre. Sie tragen zerrissene Kleidung oder sind nackt. Ihrer Körper sind gezeichnet von Gewalt, Ausschlag und offenen Wunden durch die harte tägliche Kinderarbeit. Sie müssen immer wieder mit den Fischen kämpfen, die sie mit ihren scharfen Zähnen oder Stacheln verletzen. Wenn sich ein Netz unter Wasser verfängt, müssen die Kinder tauchen und die Netze befreien. Die meisten von ihnen können nicht richtig schwimmen. Regelmäßig ertrinken Kinder auf dem See. In ihren kleinen Holzbooten wirken sie hilflos und panisch. Viele sind unterernährt und vollkommen erschöpft. Auch Gideon litt, während er von dem Mann, der ihn entführt hatte, zur Kinderarbeit gezwungen wurde. „Ich wurde oft geschlagen. Ich bettelte, zurück zu meiner Mutter zu dürfen. Doch der Mann sagte, sie sei tot. Es gäbe kein zu Hause mehr“, sagt Gideon.

Auch sein siebenjähriger Bruder wurde zum Fischen gezwungen und Gideon musste zusehen, wie auch er geschlagen wurde.

Ermittler von IJM recherchierten wochenlang, um nach Jungen und Mädchen zu suchen, die wie Gideon zur Kinderarbeit gezwungen sind. Sie fanden Gideon und befreiten mit ihm zusammen neun weitere Jungen. Acht Männer wurden wegen Verdacht auf Kinderhandel zeitgleich von der Polizei verhaftet.

Es war die erste Befreiung des IJM Büros in Ghana, das 2014 gegründet wurde. Von Gideons Bruder fehlt bis heute jede Spur. Er ist irgendwo da draußen – so wie tausende andere Kinder.

IJM Deutschland e. V. ist der deutsche Zweig der internationalen Menschenrechtsorganisation International Justice Mission (IJM). Weltweit setzt sich IJM für die Rechte armer Menschen ein, die von Gewalt betroffen sind. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung von Menschenhandel und moderner Sklaverei. IJM hat seinen internationalen Hauptsitz in den USA in Washington, D. C. und wurde dort 1997 von dem Menschenrechtsanwalt und ehemaligen UN-Chefermittler Gary A. Haugen gegründet. Inzwischen arbeiten über 1000 festangestellte Mitarbeiter in 16 Ländern, um mit lokalen Partnern Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika umzusetzen.

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