Kindern in Not helfen heißt: ihre Rechte verwirklichen

25.06.2014: Was ist der Kinderrechtsansatz und wie arbeitet eine Kinderrechtsorganisation?

Kindern in Not helfen heißt: ihre Rechte verwirklichen

Anlässlich des 25. Jahrestages der Kinderrechts-Konvention der Vereinten Nationen, stellen wir Ihnen am Beispiel unserer Mitgliedsorganisation Kindernothilfe vor, wie eine Kinderrechtsorganisation arbeitet.

Was brauchen Kinder, um ein gutes Leben führen zu können? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort: Sie brauchen Bildung, gewaltfreie Erziehung sowie Freizeit und vieles, vieles weitere, das sie schützt, stärkt und beteiligt.

Mehr noch: Sie haben ein Recht auf all das. Das haben die Vereinten Nationen 1989 mit ihrer Kinderrechtskonvention festgeschrieben, und fast alle Staaten der Welt haben sich darauf geeinigt. Bis zur konsequenten Verwirklichung und Wahrung der Kinderrechte ist es aber noch ein weiter Weg: Immer noch leben eine Milliarde Mädchen und Jungen in Armut. Mehr als 171 Millionen werden ausgebeutet, über 200.000 in Kriegen und Konflikten eingesetzt.

Die Kindernothilfe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Umsetzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen mit voranzutreiben. Denn wer Kindern in Not nachhaltig helfen will, muss genau das: dazu beitragen, dass ihre Rechte verwirklicht werden. Wie wir das tun? Mit einer ganz bestimmten Arbeitsweise, dem sogenannten Kinderrechtsansatz – dieser ist bestimmend ist für unsere Projekte im Ausland sowie all unsere Bildungs- und Kampagnenarbeit in Deutschland.

Was ist der Kinderrechtsansatz?

Nach einem Kinderrechtsansatz zu arbeiten, bedeutet vor allem: Kinder als eigenständige Persönlichkeiten zu behandeln und sie entsprechend zu beteiligen. Es bedeutet zudem auf einer klaren Wertebasis zu stehen – den Kinderrechten – und ein klares Ziel zu verfolgen: die Kinderrechte zu verwirklichen.

Für die Verwirklichung von Kinderrechten beseitigen wir mit unseren lokalen Partnerorganisationen nicht nur akute Kinderrechtsverletzungen wie etwa Missbrauch, sondern wirken auf die gesellschaftlichen und politischen Strukturen ein, damit diese langfristig gerechter werden und die Menschen und Institutionen Kinderrechte wahren und verwirklichen.

Kinderrechte verwirklichen statt verletzen: Wer ist verantwortlich?

Dass Kinder Zugang zu Bildung und gesundheitlicher Versorgung haben, dass sie nicht ausgebeutet oder missbraucht werden, dass sie genügend Freizeit haben und vieles mehr, um ein selbstbestimmtes Leben aufbauen zu können – für all das sind in erster Linie die Staaten zuständig. Denn mit der Ratifizierung der Kinderrechte haben sie sich zu deren Verwirklichung verpflichtet – indem sie genügend entsprechende Einrichtungen schaffen und dauerhaft finanzieren.

Aber auch Eltern, Verwandte und die gesamte Zivilgesellschaft tragen eine Mitverantwortung dafür, dass Kinderrechte wahr werden – indem sie etwa die Kinder nicht schlagen oder sie zur Schule schicken statt schuften zu lassen.

Die Gründe für eine unzureichende Umsetzung der Kinderrechte sind zahlreich: Staaten fehlt etwa das Interesse und das Geld oder sie investieren es in andere Bereiche wie das Militär. Zudem mangelt es Beamten und Behörden, aber auch Eltern und großen Teilen der restlichen Zivilgesellschaft häufig an Bewusstsein für Kinderrechte oder sie missachten und unterdrücken sie vorsätzlich.

Kinderrechte verwirklichen: Wie geht das?

Um die Umsetzung von Kinderrechten voranzutreiben, beseitigt die KIndernothilfe mit ihren Partnern und Projekten zum einen akute Kinderrechtsverletzungen. Zum anderen wirkt sie auf gesellschaftliche und politische Strukturen ein – damit diese gerechter werden und die Menschen und Institutionen Kinderrechte dauerhauft verwirklichen und wahren.

Am Anfang eines jeden Projektes steht eine Analyse des Umfeldes: Mit dieser wird geprüft, unter welchen Kinderrechtsverletzungen die Mädchen und Jungen am meisten leiden. Darauf aufbauend entwickeln die Partner der Kindernothilfe mit den Projektbeteiligten passende Maßnahmen zur dauerhaften Verwirklichung von Kinderrechten. Dies geschieht auf drei Ebenen.

1. Die individuelle Ebene: Bei akuten Kinderrechtsverletzungen greift die KIndernothilfe ein, um sie so schnell wie möglich zu beseitigen. Das heißt etwa: Wenn Kinder keine Chance auf Bildung haben, wird sie ihnen ermöglicht. Wenn Kinder Opfer von Ausbeutung wurden, werden sie vor weiterer Ausbeutung geschützt. Wenn Kinder hungern müssen oder keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung haben, wird ihnen all das ermöglicht.

2. Die zivilgesellschaftliche Ebene: Die Kindernothilfe stärken mit lokalen Partnern Kinder, deren Familien und die Zivilgesellschaft. Etwa indem sie aufklärt über Kinderrechte und ihre Bedeutung und wie man sie einfordert, verwirklicht und bewahrt. Zudem unterstützt sie die Menschen dabei, sich zu organisieren und zu vernetzen – damit ihre Stimmen noch kraftvoller und wirksamer werden.

3. Die politische Ebene: Die Partner wirken vor Ort auch mit Lobby- und Advocacy-Arbeit auf Politiker und Behörden ein, etwa indem sie einfordern, mehr Geld für den Bildungssektor bereitzustellen.

Kinderrechte verwirklichen durch politische und Kampagnen-Arbeit in Deutschland: Auch in Deutschland setzt die Kindernothilfe alles daran, um die Verwirklichung von Kinderrechten in Entwicklungsländern voranzutreiben. In Bündnissen macht sie national und international Druck auf Politiker, damit sie sich für Kinder in Entwicklungsländern einsetzen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen für sie verbessern.

Ein Beispiel ist das UN-Individualbeschwerderecht für Kinder, das nach 10 Jahren politischer Arbeit endlich Wirklichkeit geworden ist. Durch Kampagnen-Arbeit in Deutschland wie etwa mit den Action!Kidz, klärt sie die Öffentlichkeit hierzulande über die Lebenssituation von Kindern in Entwicklungsländern auf und ermutigt sie zur Unterstützung.

 Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Homepage der Kindernothilfe.

Foto: GEMEINSAM FÜR AFRIKA/Pascal Bünning