Plastiktüten: Afrika ist Vorreiter bei Verbot – Deutschland tut sich noch schwer

Während afrikanische Länder wie Kenia, Ruanda oder Tansania bereits ein Verbot für Plastiktüten verordnet haben, setzten die EU und Deutschland noch auf Mechanismen zur Reduktion.
_© Andrew Kartende (CC BY-SA 4.0)

Plastiktüten: Afrika ist Vorreiter bei Verbot – Deutschland tut sich noch schwer

Viele afrikanische Länder haben Plastik den Kampf angesagt und greifen dabei hart durch: Import, Export, Produktion und Verkauf von Einweg-Plastiktüten – alles ist dort verboten.

In Ruanda etwa wurden Plastiktüten bereits 2008 komplett verboten. Wer mit einer der verbotenen Tüten erwischt wird, der muss  sogar Strafe zahlen. Sogar bei der Einreise ins Land wird genau hingeschaut: Eingeführte Plastiktüten werden vom Zoll sofort beschlagnahmt. Eine Sondergenehmigung und teure Gebühren ermöglichen es Unternehmen noch gelegentlich auf die umweltschädliche Transportmöglichkeit zurückgreifen. Unternehmer, die illegal Plastiktüten nutzen, landen hingegen auch schon mal für einige Monate im Gefängnis. Ruandas Hauptstadt Kigali gilt mittlerweile als sauberste Stadt in ganz Afrika.

Im Laufe der Jahre folgten immer mehr afrikanische Länder dem Beispiel. In Mauretanien etwa gilt das Gesetz seit 2014, in Marokko seit 2016. Im Jahr 2017 folgte dann auch Kenia. Etwa 100 Millionen Tüten wurden der kenianischen Umweltbehörde zufolge allein von Supermärkten jährlich ausgeteilt. Die Tüte landete in Bäumen und auf Straßen, in Abflüssen und an Stränden. Wer nun trotz des Verbotes Plastiktüten verkauft, dem drohen Geldstrafen bis zu 40.000 US-Dollar und bis zu vier Jahre Gefängnis. Auch wer eine Plastiktüte mit sich trägt, kann mit bis zu 35.000 US-Dollar bestraft werden. Kenia hat damit aktuell das härteste Anti-Plastiktüten-Gesetz des Kontinents.

Frisch dabei ist auch Kenias Nachbar Tansania. Seit dem 01.06.2019 droht Herstellern von Plastiktüten in dem ostafrikanischen Staat eine Geldstrafe von bis zu einer Milliarde tansanischer Schillinge (etwa 390.000 Euro) oder sogar zwei Jahre Haft. Auch Verbraucher müssen bei Verstoß gegen das Verbot mit empfindlichen Strafen rechnen: Ein Plastiktütenbenutzer könnte demnach mit 30.000 Schillingen (etwa 12 Euro) oder zwei Wochen Gefängnis bestraft werden. Plastik für medizinische Zwecke, für Landwirtschaft oder Bauindustrie sind von dem Verbot ausgenommen.

Deutschland tut sich mit einem Verbot noch schwer

Hierzulande gibt es seit 2015 eine EU-Richtlinie, die die europäischen Mitgliedsstaaten explizit dazu auffordert, ihren Plastiktütenkonsum bis 2025 auf 40 Plastiktüten pro Kopf und pro Jahr zu reduzieren. Die Richtlinie umfasst jedoch nicht alle Plastiktüten, sondern nur solche mit einer Wandstärke von weniger als 50 µm (Mikrometer), also 0,05 mm. Zudem steht es den Mitgliedsstaaten frei, Ausnahmen für sehr leichte Plastiktüten mit einer Wandstärke geringer als 15 µm zu ermöglichen. Diese werden in der Regel aus Hygienegründen zur Verpackung loser Lebensmittel in Supermärkten verwendet.

So viele Plastiktüten verbrauchen wir

In Deutschland existiert bisher nur eine auf Basis der EU-Richtlinie getroffene Vereinbarung mit dem Handel, Kunststofftüten zukünftig nicht mehr kostenlos abzugeben. Diese trägt durchaus Früchte: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland durchschnittlich 24 Plastiktüten pro Kopf verbraucht. Das sind fünf Tüten weniger als in 2017. Im Jahr 2015 war der Verbrauch mit 68 Tüten pro Person noch mehr als doppelt so hoch. Dies ist vor allem eine Konsquenz der EU-Richtlinie. Insgesamt betrachtet werfen die Deutschen jedoch immer noch knapp zwei Milliarden Tüten pro Jahr in den Müll. Weltweit sind es eine Billion Tüten.

Dazu kommt: Der Verbrauch der dünnen Plastiktüten, die z.B. in der Obst- und Gemüseabteilung oder an der Fleischtheke angeboten werden, ist seit Einführung der Richtlinie gestiegen. Denn mit einer Wandstärke unter 0,015 Millimeter sind sie von der Regelung ausgenommen. 2016 haben die Deutschen noch 36 dieser Tüten pro Kopf genutzt, 2017 waren es 39. 2018 hat jeder Verbraucher in Deutschland 37 der so genanten Hemdchenbeutel benutzt. Allein in Deutschland wurden mehr als drei Milliarden davon verbraucht. Anstatt für Einkaufstüten zu bezahlen, nehmen offenbar immer mehr Menschen die dünnen Gratis-Tüten, um ihre Einkäufe zu verstauen.

Selbst aktiv werden – Was kannst Du tun?

  • Achte darauf, dass Plastiktüten nicht in die Landschaft oder in Gewässer gelangen.
  • Nutze mehrfach verwendbare Taschen, Netze Körbe oder Rucksäcke.
  • Hab immer einen Reservebeutel in deiner Einkaufs- oder Arbeitstasche und in Deinem Kofferraum, Helmfach oder Fahrradkorb.
  • Verwende alle Tüten – egal ob (Baumwoll-)Beutel, Plastik- und Papiertüten – immer so oft wie möglich.
  • Am besten: Bastel Dir eine UNITED FOR AFRICA-Bag und sei damit nicht nur plastikfrei, sondern auch voll im Trend und dank Upcycling nachhaltig

 

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