Südsudan: Hoffnung auf Ende des Bürgerkriegs

Die Friedensgesprächen zwischen Salva Kiir und seinem Rivalen Riek Machar waren zunächst gescheitert - doch nun gibt es Hoffnung. Die Bevölkerung muss dennoch mit weiteren harten Zeiten rechnen.

Südsudan: Hoffnung auf Ende des Bürgerkriegs

Am 21.06.2018 haben sich der südsudanesische Präsident Salva Kiir und sein Rivale, der frühere Vizepräsident und aktuelle Rebellenführer Riek Machar zu Friedensgesprächen auf neutralem Boden in Äthiopien getroffen. Zu dem von allen erhofften Durchbruch kam es zunächst nicht – eine gemeinsame Erklärung sollte vorerst nicht zustande kommen und auch auf eine Übergangslösung konnte man sich nicht einigen.

Es war das erste Treffen seit 2016. Seit Dezember 2013 wurden mehr als zehntausend Menschen bei Kämpfen zwischen den Anhängern beider Rivalen getötet. Im Dezember vergangenen Jahres wurde eine Waffenruhe geschlossen – jedoch kommt es immer noch zu Kämpfen. Circa 4,5 Million Südsudane*innen befinden sich auf der Flucht. Knapp die Hälfte leben in Lagern im eigenen Land, die andere Hälfte in den Nachbarstaaten; großenteils in Uganda.

Frieden in Sicht – zweites Treffen macht Hoffnung

Ein zweites Treffen bringt Hoffnung auf Frieden zurück! Auch wenn das erste Gespräch zu keinem positiven Ergebnis führte, konnte am Mittwoch, dem 27. Juni, ein weiteres Treffen im Sudan einen Durchbruch in den Friedensgesprächen bewirken. Ziel war es, bis zum Gipfel der Afrikanischen Union am 1. Juli einen Friedensvertrag neu zu fomulieren, so dass dem langjährigen Krieg ein baldiges Ende gesetzt werden kann.

Die beiden Rivalen Salva Kiir, Präsident des Südsudan, und Rebellenführer Riek Machar unterschrieben in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum das langersehnte Abkommen. Dieses besagt unter anderem, dass binnen 72 Stunden ein Waffenstillstand in Kraft tritt. Zudem sieht das Abkommen vor, ein Übergangsregierung innerhalb der kommenden vier Monate zu bilden, die anschließend drei Jahre Zeit hat, um Neuwahlen zu organisieren. Weitere Details aus dem Abkommen, wie die Stationierung von internationalen Truppen zum Friedenserhalt, sind bisher noch nicht offiziell bestätigt. Vor dem Hintergrund früherer gescheiterter Friedensversuche ist die Skepsis aktuell jedoch groß, dass das neue Abkommen zum langfristigen Frieden führt.

Das Leiden hält weiter an

Trotz der politischen Fortschritte, hält das Leiden der Bevölkerung an. Besonders durch den Beginn der Regenzeit wird es immer bedrohlicher. Der Regen bringt Hunger, Krankheiten und Tod. Die meisten Geflüchtete finden Unterschlupf in elenden Unterkünften. Das Wasser dringt in die Zelte ein, die Bewohner*innen werden krank – Husten, Lungenentzündung, Masern und Hirnhautentzündungen sind keine Seltenheit. Dazu kommt, dass die medizinischen Vorräte fast aufgebraucht sind. Die Medikamente vor Ort sind entweder nicht zu bekommen oder extrem teuer.

Lebensmitteltransporte können viele Städte und Dörfer durch die aufgeschwemmten Böden nicht erreichen – sie bleiben stecken. Die Landwirtschaft ist fast vollständig zum Erliegen gekommen, weil sich die Menschen aufgrund von Plündereien nicht mehr auf die Felder trauen. Die Menschen im Südsudan stellen sich auf eine weitere schwierige Zeit ein, geprägt von Hunger und Nahrungsmittelknappheit.

Gefährliche Situationen für humanitäre Helfer

Auch für Helfende wird die Situation immer schwieriger und gefährlicher. Zum Einen ist der Südsudan pleite, eine Arbeitserlaubnis für Helfer*innen kostet Tausende von US-Dollar. Darüber hinaus werden humanitäre Helfer*innen immer wieder Ziel von Entführungen. Mehr als 100 Helfer*innen sind seit 2013 getötet worden. In der vergangenen Woche bezeichnete die UN den Südsudan als gefährlichstes Land für humanitäre Helfer*innen. „Viele internationale Hilfsorganisationen haben ihre Mitarbeiter evakuiert […].“, erläutert Martin J. Wilde, Geschäftsführer von unserer Mitgliedsorganisation Don Bosco Mondo. Weitere Hilfsorganisationen überlegen ebenfalls ihre Mitarbeiter*innen aus dem Südsudan herauszuholen. Das würde verherrende Auswirkungen für die Bevölkerung haben.

Unsere Mitgliedsorganisationen sind aktiv

Ebenso leisten noch  viele Hilfsorganisationen Nothilfe – sowohl im Südsudan, als auch in den Nachbarländern, in denen geflüchtete Südsudanes*innen eine sichere Unterkunft finden. Auch die Mitgliedsorganisationen von GEMEINSAM FÜR AFRIKA und ihre einheimischen Partner sind tagtäglich im Südsudan im Einsatz. Wir unterstützen die Geflüchteten dabei, langfristig wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Im Folgenden zeigen wir, in welchen Hilfsprojekten die Mitgliedsorganisationen von GEMEINSAM FÜR AFRIKA im Südsudan tätig werden.

Unsere Mitgliedsorganisationen action medeor und Don Bosco Mondo liefern Medikamente in die betroffenen Regionen.

action medeor

Unsere Mitgliedsorganisation action medeor versorgt die Region rund um die Hauptstadt Juba, die am stärksten von den letzten Kämpfen betroffen war, mit medizinischem Material. In Kooperation mit anderen Partnern beliefert sie eine zentral gelegene Gesundheitsstation in Gumbo, nur acht Kilometer südöstlich von Juba, von der aus die Menschen der ganzen Region versorgt werden können. Weitere Informationen zum Hilfsprojekt von action medeor finden Sie hier.

action medeor und DON BOSCO MONDO

Um die Versorgung der notleidenen Bevölkerung zu unterstützen, bringen unsere Mitgliedsorganisationen action medeor und Don Bosco Mondo e.V. eine große Hilfssendung an Gesundheitseinrichtungen von Don Bosco in Wau, Gumbo, Maridi und Tonj auf den Weg. Die Hilfssendung umfasst dringend benötigte Medikamente, wie Malariamedikamente, Verbandsmaterial, Schmerzmittel und Antibiotika.

ADRA

Die chronische Ernährungsunsicherheit ist eine große Herausforderung für die Binnenflüchtlinge im Südsudan. Die Organisation für Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland e. V. fördert die Ernährungssicherheit in den Bezirken Nasir und Ulang durch die Verteilung von Spezialnahrung, Schulungen zu verbesserten Anbaumethoden und durch das Anlegen von Saatgutbanken. Detaillierte Informationen zum Projekt erhalten Sie hier.

Aktion Canchanabury

Unsere Mitgliedsorganisation Aktion Canchanabury setzt sich im Südsudan für HIV/Aids-Betroffene ein. Bereits vor dem Bürgerkrieg hatte sich die „Rainbow Community“ gegründet, die seinerzeit wohl erste und einzige Initiative für HIV/Aids-Betroffene im gesamten Südsudan. Zu den Mitgliedern zählen neben Betroffene auch Berater sowie freiwillige Helferinnen und Helfer. Man hilft und unterstützt sich gegenseitig und berät und betreut andere HIV-Infizierte und Aids-Kranke. Näheres zum Projekt erfahren Sie hier.

CARE Deutschland-Luxemburg

Wegen der Dürre und der Vertreibung vieler Bäuerinnen und Bauern werden Lebensmittel im Land immer knapper und die Preise steigen enorm an. Ein Drittel der Bevölkerung leidet unter Mangelernährung. Unsere Mitgliedsorganisation CARE hilft vor Ort mit Nahrungsmittelpaketen, medizinischer Kraftnahrung für Kinder, Schwangere und Stillende, sauberem Trinkwasser und Hygiene-Maßnahmen. Die Organisation unterstützt zahlreiche Gesundheitsstationen dabei, die medizinische Versorgung unter schwierigsten Bedingungen aufrecht zu erhalten. Dabei legt CARE besonderen Wert auf die Versorgung von schwangeren Frauen und Kindern. Weitere Informationen zur Hilfe von CARE im Südsudan finden Sie hier.

DON BOSCO MONDO

Gemeinsam mit ihren Partnern bietet DON BOSCO MONDO in Einrichtungen Schutz für Vertriebene. Für ihre Versorgung hat das Mitglied von GEMEINSAM FÜR AFRIKA ein Nothilfe-Programm für Binnenvertriebene gestartet.

UNO Flüchtlingshilfe und UNHCR

Im Südsudan sind UNHCR-Helfer*innen Tag und Nacht im Einsatz und versorgen Flüchtlinge und Vertriebene mit dem Lebensnotwendigsten. Die UNO Flüchtlingshilfe sendet Hilfslieferungen in Flüchtlingslager und auch in abgelegene Gegenden, die aufgrund der schlechten Infrastruktur und schwierigen Witterungsbedingungen meist nur schwer zu erreichen sind. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

 

Dieser Artikel wurde am 29.06.2018 aufgrund neuer Entwicklungen aktualisiert.