Von W wie Wasser bis X wie Xylofon

Wissenswertes über Afrika von W bis X.
Zugang zu sauberem Trinkwasser:_©©GEMEINSAM FÜR AFRIKA/Thomas Einberger

Von W wie Wasser bis X wie Xylofon

Wasser

Fehlender Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung gehören zu den größten sozialen Problemen weltweit und auf dem afrikanischen Kontinent. Die betroffenen Menschen haben kaum Chancen, sich an gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Prozessen zu beteiligen. Die Sicherung des Zugangs zu Trinkwasser und sanitären Anlagen ist deshalb auch ein Aspekt der Millennium-Entwicklungsziele. Im Weltwasserbericht 2012 bemängelt die UNESCO, dass von den reichlichen Wasserressourcen in Afrika gerade einmal fünf Prozent tatsächlich verwendet werden. Die bislang mangelhafte Wasserinfrastruktur führt häufig zu unsauberem Trinkwasser und folglich zur Ausbreitung zahlreicher Krankheiten wie der Cholera. Einen Zugang zu sanitären Einrichtungen haben momentan sogar nur 31 Prozent aller Afrikaner.

Unsere Mitgliedsorganisationen wie die Malteser International oder die Welthungerhilfe haben wichtige Projekte ins Leben gerufen, die die Wasserversorgung in Afrika nachhaltig verbessern werden. Erfahren Sie mehr über verbesserte Hygiene mit dem „Tippy Tap“ oder die Errichtung von Wasserkiosken und Tanks. Kein Tropfen auf den heißen Stein!

Siehe auch: Gesundheit, Infrastruktur , Landwirtschaft

Widerstand

Oft taucht die Frage auf, weshalb sich die afrikanischen Völker nicht gegen die grauenvolle Herrschaft der Kolonialregime erhoben hätten. Doch diese Annahme ist ein Mythos. Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts während der kolonialen Machtergreifung entfachten die Unterdrückten teilweise massive Widerstände. Sei es der Maji-Maji-Aufstand 1905 bis 1907 im heutigen Tansania als Antwort auf die deutsche Schreckensherrschaft, der Chilembwe-Aufstand 1915 im heutigen Malawi gegen die britische Besatzung oder der langjährige Widerstand im Baoulé-Gebiet in der Elfenbeinküste gegen die französische Kolonialmacht. Doch gegen die waffentechnische Überlegenheit der Kolonialisten hatten die Aufständischen keine Chance. Besonders blutig endete der Krieg der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialmacht im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika. Im Jahr 1904 ereignete sich der Aufstand, bei dem sich Tausende Familien am Waterberg nahe der heutigen namibischen Hauptstadt Windhoek gegen die Kolonialherren verschanzten. Der Generalleutnant Lothar von Trotha ließ den Aufstand blutig niederschlagen und gab den Befehl zur völligen Vernichtung der Herero. Bis zu 80 Prozent der Herero und damit ca. 70.000 Menschen mussten bei den Kämpfen und beim anschließenden Völkermord ihr Leben lassen. Im Jahr 2004, 100 Jahre nach dem verheerenden Völkermord, reiste die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nach Namibia und entschuldigte sich inständig für die Verbrechen der Deutschen an den Herero.

Informieren Sie sich hier im Detail über den Herero-Aufstand 1904 und seine weitreichenden Folgen.

Siehe auch: Kolonialismus, Torte

Wiege der Menschheit

Sind wir nicht alle ein bisschen Afrika? 1871 war Charles Darwin der Erste. Und der Großteil der modernen Forscher schlossen sich seiner These an: Afrika ist die Wiege der Menschheit. Fossile Funde in Äthiopien, Kenia und Tansania untermauern, dass sich die Entwicklung des Homo sapiens auf dem afrikanischen Kontinent vollzogen hat. 1924 entdeckten Forscher erstmals in Südafrika ein Fossil, das diese These unterstützt. Das sogenannte „Kind von Taung“ (der Schädel eines vormenschlichen dreijährigen Mädchens) wird heute auf ein Alter von rund 2,4 Millionen Jahre geschätzt. 2001 wurde im Tschad das bislang älteste Relikt entdeckt: ein rund sieben Millionen Jahre alter Schädel eines Sahelanthropus tchadensis. Auch in kultureller Hinsicht nimmt Afrika eine Vorreiterrolle ein. Als erste Hochkulturen prägten die Sumerer ab 4000 v. Chr. und die Ägypter ab ca. 3150 v. Chr. die Menschheitsgeschichte. Monumentale Bauten wie die Pyramiden von Gizeh sind dabei ein ausschlaggebendes Indiz.

Mittlerweile bestehen jedoch Zweifel an der Hypothese, dass Afrika das Geburtsgebiet der menschlichen Gattung sei – zumindest nicht das einzige. Funde im Kaukasus lassen darauf schließen, dass der Homo erectus in Eurasien eine zeitgleiche Entwicklung wie in Afrika durchlief.

Xenophilie/Xenophobie

Das Fremde – die einen stehen ihm offen gegenüber, empfinden Neugier und versuchen es zu verstehen und zu erkunden. Bei anderen ruft das Unbekannte Angst und Unbehagen hervor, manche verachten es, fühlen sogar eine gewisse Feindseligkeit. Überall auf der Welt kreuzen sich Xenophilie (Fremdenfreundlichkeit) und Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit). Xenophobie läuft uns besonders in der deutschen Geschichte in Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus häufig über den Weg, wobei vor allem Menschen aus anderen Nationen mit anderen Kulturen zum Opfer wurden. Auch in weiten Teilen Afrikas ist Xenophobie ein verbreitetes Problem. Laut GIGA-Institut sei Xenophobie ein Fluch des neuen Nationalismus. Dieser gehöre zu den wichtigsten politischen Entwicklungen im Rahmen der Demokratisierungswelle in Afrika. Zudem ist ein bedeutender Grund für die Skepsis gegenüber Fremden die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen armer und reicher Bevölkerung. Die Erfahrungen der Geschichte bestätigen, dass für Missstände und Unzufriedenheit immer Verantwortliche gefunden werden müssen. Gerade Menschengruppen, die durch ihre Fremdheit und infolgedessen durch ihre Undurchsichtigkeit Unbehagen bei der Bevölkerung auslösen, eignen sich oftmals am besten als Sündenböcke.

Erfahren Sie im GIGA Focus „Neuer Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in Afrika“ mehr über Xenophobie in Afrika.

Xhosa

„Bonke abantu bazalwa bekhululekile belingana ngesidima nangokweemfanelo. Bonke abantu banesiphiwo sesazela nesizathu sokwenza isenzo ongathanda ukuba senziwe kumzalwane wakho.“ (Dt.: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“) Wenn Sie versuchen, diesen Satz in der Sprache Xhosa auszusprechen, werden Sie als Nichtmuttersprachler vermutlich kläglich scheitern. Ein Grund ist eine Besonderheit in der Aussprache. Xhosa ist eine der sogenannten Klicksprachen, die sich durch außergewöhnliche Schnalzlaute auszeichnen. Als eine der acht Amtssprachen Südafrikas macht der Sprecheranteil knapp 15 Prozent aller Einwohner Südafrikas aus. Der Name Xhosa bezeichnet gleichzeitig die ethnische Gruppe. Diese Ethnie besteht aus rund acht Millionen Mitgliedern. Um 1770 kam es zu blutigen Konflikten um Weideland zwischen den Buren und den Xhosa, die vorrangig von der Viehzucht lebten. Aufgrund der Kolonisierung Südafrikas wurden die Xhosa aus ihrer ursprünglichen Heimat zwischen dem Bushmans River und dem Kei River verdrängt und siedelten sich anschließend in der Region um das Eastern Cape an.

Erfahren Sie hier mehr über die Xhosa und ihre Sprache.

Siehe auch: Ethnie, Sprachen

Xylofon

Hierzulande verbinden viele Menschen mit Musik aus Afrika zuallererst die Klänge von Trommeln. Doch tatsächlich ist die musikalische Vielfalt wie auch die Instrumente grenzenlos. Kennen Sie das Balafon? Es handelt sich hierbei um ein hölzernes Xylofon aus Burkina Faso. Mit diesem Instrument und außergewöhnlichen Talenten ist die Gruppe Farafina zu Ruhm und Ehre gekommen. Exzellente Musiker aus Burkina Faso schlossen sich 1978 in der Stadt Bobo-Dioulasso zusammen und trugen westafrikanische Musik in die Welt. Ihre internationale Bekanntheit fand ihren Höhepunkt, als sie 2008 zu Nelson Mandelas 90. Geburtstag im Londoner Wembley-Stadion vor über 70.000 begeisterten Zuschauern auftraten. Mit zahlreichen Deutschlandtouren verzauberten sie auch hierzulande zahlreiche Fans. Ist Ihre Neugier geweckt? Dann gönnen Sie sich hier einmal eine musikalische Kostprobe!

Siehe auch: Orchester

Foto: CARE