Von I wie Informeller Sektor bis J wie Jugend

Wissenswertes über Afrika von I bis J
Kenia: Strassenszene im Flüchtlingslager Kakuma

Von I wie Informeller Sektor bis J wie Jugend

Informeller Sektor

Schuhe putzen, Obst verkaufen, Haare frisieren – Dienstleistungen wie diese geschehen auf afrikanischen Straßen oftmals im Vorbeigehen. Preise sind Verhandlungssache. Die meisten Anbieter dieser Dienste sind im sogenannten informellen Sektor tätig. Das heißt, ihr Gewerbe ist nicht angemeldet, wodurch sie keine steuerlichen Abgaben an den Staat leisten. Gleichzeitig aber verzichten sie gezwungenermaßen auf Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, Mutterschutz oder Arbeitsschutz. Über 60 Prozent beträgt der Anteil der informellen Arbeit in afrikanischen Städten, sogar mehr als 90 Prozent der gegenwärtig neu entstehenden Jobs liegen in dieser ökonomischen Grauzone, so die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Der ILO zufolge sind Merkmale wie ein leichter Ein- und Ausstieg ins Gewerbe, geringer Kapitalbedarf, wenige Beschäftigte, Anstellung von Familienangehörigen wie auch die Abwesenheit von Beschäftigtenversicherungen oder offiziellen Arbeitsrechten charakteristisch für „Unternehmen“ im informellen Sektor. Fehlende Steuereinnahmen schwächen aber die nationale Wirtschaft enorm, führen zu immer weniger offiziellen Beschäftigungsmöglichkeiten und zwingen die Bevölkerung wiederum zu informeller Arbeit ohne soziale und finanzielle Absicherung. Ein Teufelskreis, der durch Maßnahmen wie eine Verbesserung des Arbeitsrechts oder Vereinfachung des Zugangs zu Unternehmensgründungskrediten unterbrochen werden könnte.

Vor allem Frauen sind im informellen Sektor tätig. Mit ihren Einnahmen ernähren sie häufig ihre ganze Familie.

Siehe auch: Frauen

Infrastruktur

Abgesehen von der äußerst guten Vernetzung durch Mobiltelefone auf dem afrikanischen Kontinent hinkt die Infrastruktur insgesamt stark hinterher. Der beschränkte Zugang zu Verkehrsmitteln, das lückenhafte Angebot an Telekommunikationsdienstleistungen sowie die unzureichende Energie- und Trinkwasserversorgung bilden immer noch ein großes Hemmnis für eine nachhaltige Entwicklung. Betrachtet man allein das überregionale Straßennetz Afrikas fällt auf, dass es schon auf quantitativer Ebene keine ausreichende Transportleistung erbringen kann. Für den Auf- und Ausbau der Infrastruktur und damit für die Förderung von Handel und Wirtschaft haben die Afrikanische Union, die Europäische Union und der NEPAD (New Partnership for Africa’s Development) im Jahr 2006 die Infrastrukturpartnerschaft EU-Afrika (i-STAP) ins Leben gerufen. Der Schwerpunkt liegt bei der Förderung der regionalen und kontinentalen Verbundfähigkeit, d.h.:

  • Ausbau des Verkehrswesens (Straßen- und Eisenbahnverbindungen, Häfen, See- und Binnenschifffahrtswege, Luftverkehr) zur Senkung der Transportkosten
  • Verbesserung der Wasser- und Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Schaffung geeigneter sanitärer Bedingungen
  • Ausbau der Energieversorgung als Voraussetzung für den Netzausbau sowie die Anbindung ländlicher Gebiete an das Stromnetz
  • Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnologien durch Sicherung eines adäquaten Zugangs zu erschwinglicher Technik im Rahmen von Maßnahmen, die auf die Unterstützung von Reformen der Rechtsvorschriften, den Kapazitätsausbau und den Aufbau von Breitbandinfrastruktur ausgerichtet sind

Siehe auch: Elektrizität, Handy, Urbanisierung

Internet

Für uns in Europa ist es normal, dass fast jedes Haus einen Internetanschluss hat und wir auch unterwegs jederzeit unsere E-Mails, Nachrichten, Facebook oder Twitter abrufen können. In Afrika hingegen bietet sich ein anderes Bild: obwohl sich das Internet dort rasant verbreitet (zwischen 2000 und 2013 stieg die Zahl der Internetnutzer von 4,5 auf 240 Millionen!) haben auch heute noch nur 13,5 Prozent der Bewohner des Kontinents direkten Zugang zum Internet. Südafrika ist das einzige Land, das mit Europa vergleichbare Werte hat und das 80% der Internetbenutzer des Kontinents beherbergt. Das Internet ist in Afrika oftmals noch immer ein Luxus und die Verbreitung wird durch die eingeschränkte Stromversorgung in weiten Teilen des Kontinents weiter erschwert. Da der Internetzugang oft beschränkt ist, werden Internetcafés stark genutzt. Genauso schnell wie das Internet breitet sich auch die Nutzung von Smartphones und Handys auf dem afrikanischen Kontinent aus. Mehr als 650 Millionen Menschen haben bereits ein Handy – mehr als in Europa und den USA. Der Trend ist weiter ansteigend.

Hier finden Sie weitere Informationen zur weltweiten Internetnutzung.

Siehe auch: Handy, Computer

Islam

Dass der Islam in Nordafrika die vorherrschende Religion darstellt, ist allseits bekannt. Doch auch in Afrika südlich der Sahara ist diese Weltreligion weitverbreitet. Durch Wanderungsbewegungen nomadischer Berber aus der nördlichen Sahara wurde der Islam erstmals im 11. Jahrhundert in den Süden getragen. Die ethnische Gruppe der Tukulor im heutigen Senegal sowie die Soninke in Mauretanien gelten als erste Ethnien des westlichen Afrika, die den Islam als ihre Religion praktizierten. Seit dem 18. Jahrhundert breitete sich der Islam in ganz Westafrika aus, prägte Handwerk und Architektur und formte eine Philosophie auf den Grundfesten des Korans. Zudem hielt der Islam auch Einzug in ostafrikanischen Küstengebieten. Schon im achten Jahrhundert entdeckten die Araber die Region als Handelsstützpunkt für sich und überbrachten gleichzeitig die Lehren des Islam. So sind 97 Prozent der Bewohner auf Sansibar Muslime. Auch die Sprache wurde von den arabischen Einflüssen berührt. Unzählige Worte aus dem Swahili sind auf das Arabische zurückzuführen oder wurden teilweise direkt übernommen.

Von „dem“ Islam in Afrika kann alerdings nicht die Rede sein. Aufgrund unterschiedlicher historischer, regionaler und gesellschaftlicher Begebenheiten wurden die islamischen Lehren und Traditionen immer an die jeweilige Lebensrealität angepasst. Informieren Sie sich auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung über die verschiedenen Ausprägungen des Islam in Subsahara-Afrika, über deren detailreiche Geschichte sowie über die heutige politische Bedeutung des Islam.

Siehe auch: Christentum, Judentum, Religion

Judentum

Zwischen 1400 und 1500 wanderten zahlreiche Juden nach Afrika ein, da sie aus anderen Ländern wie beispielsweise Spanien und Portugal vertrieben wurden. Der jüdische Glaube setzte sich allerdings nicht in dem Maße durch wie das Christentum oder der Islam. Gegenwärtig ist das Judentum in Afrika eher wenig verbreitet. Die meisten Juden leben gegenwärtig im Süden des Kontinents. Insgesamt sind zwischen 1 und 2 Prozent aller Afrikaner Juden. Wie viele Gläubige sich tatsächlich an die klassische Form des Judentums halten und diesen Glauben praktizieren, lässt sich schwer bestimmen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich das Judentum, ähnlich wie das Christentum, mit den zahlreichen indigenen Glaubensrichtungen vermischt hat. Synkretistische Ausprägungen des Judentums lassen sich folglich auf dem gesamten Kontinent finden.

Siehe auch: Christentum, Islam, Religion

Jugend

Der Großteil der afrikanischen Bevölkerung ist jung. 41 Prozent der Menschen sind jünger als 15 Jahre (DSW-Datenreport 2016). Diese demografische Tatsache stellt den Kontinent vor große Herausforderungen: Jugendliche Menschen müssen unterstützt werden,  z.B. mit einer beruflichen Ausbildung mit Perspektiven auf ein festes Arbeitsverhältnis. Dies ermöglicht jungen Menschen einen eigenständigen Start ins Leben. In vielen Ländern Afrikas haben Jugendliche diese Möglichkeit aber meist nicht. Oft müssen sie sich schon sehr jung am Einkommenserwerb der Familien beteiligen oder sich um jüngere Geschwister kümmern. Viele Kinder sind sogar gezwungen, als Straßenkinder einen tagtäglichen Überlebenskampf zu bestehen. Unsere Mitgliedsorganisation Don Bosco Mondo hat es sich deshalb zur Hauptaufgabe gemacht, Jugendlichen in Afrika Schutz und Perspektiven zu geben. Informieren Sie sich hier über die konkrete Projektarbeit von Don Bosco Mondo.
Um die Lebenssituation von Jugendlichen zu verbessern, ist es auch notwendig, das Bevölkerungswachstum zu verlangsamen. Besonders wichtig ist es daher, Jugendlichen Zugang zu Aufklärung und Verhütung zu ermöglichen. Sie sind die Eltern von morgen und der Schlüssel zur Entwicklung ihres Landes.

Siehe auch: Bevölkerung, Bildung

Foto: GEMEINSAM FÜR AFRIKA/Trappe