Von S wie Sahara bis T wie Torte

Wissenswertes über Afrika von S bis T.
Sahelzone im Tschad.©Care/Brenda Bennon

Von S wie Sahara bis T wie Torte

Sahara

Ein Meer mitten in Afrika? Tatsächlich. Umgangssprachlich wird die Sahara im Arabischen als ‏بحر بلا ماء‎ (baḥr bilā māʾ) als „Meer ohne Wasser“ bezeichnet. Mit ihren neun Millionen Quadratmetern Gesamtfläche macht sie der Fläche der USA Konkurrenz und trägt gleichzeitig den Status der größten Trockenwüste der Erde. Im Durchschnitt fallen in der Sahara jährlich nur 45 mm Niederschlag. In manchen Jahren berührt sogar kein einziger Tropfen Wasser den Boden. Entgegen vielen Vorstellungen breitet sich zwischen Atlantikküste und Rotem Meer kein überdimensionaler Sandkasten aus. Nur etwa 20 Prozent der Sahara sind mit Sand bedeckt. Der Großteil besteht aus Felsen, Kies und Geröll. Auch durchgängig hohe Temperaturen im Wüstengebiet sind ein Trugschluss. Neben Höchstwerten von 60 Grad Celsius kann das Thermometer in winterlichen Nächten auch mal die Minus-zehn-Grad-Marke unterschreiten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Sahara)

Wussten Sie schon, dass die Sahara Ihnen näher ist, als Sie vermuten? Knallrote Sonnenuntergänge, rotbraune Staubfilme auf Autodächern – das sind Millionen von Sandkörnern aus der Sahara, die sich mit dem Wind auf den Weg um die Welt machten. Durchschnittlich neun Mal im Jahr bekommen wir in Deutschland diesen staubigen Besuch aus Nordafrika. Lesen Sie in diesem Artikel mehr über den sogenannten „Blutregen“, seine Ursachen und Auswirkungen.

Siehe auch: Desertifikation, Temperaturen, Wasser

Second-Hand-Kleidung

In Deutschland fallen jedes Jahr allein 750.000 Tonnen gebrauchte Kleidung an, die teilweise gespendet werden. Dabei sind 30-40% der in die Sammelcontainer geworfenen Kleidung noch tragbar. Würde man diesen Anteil an noch tragbarer Kleidung auf eine Wäscheleine hängen, reiche diese von der Erde bis zum Mond (ca. 400.000km). Der größte Teil der gespendeten Bekleidung wird zum Kilopreis weiterverkauft – rund 60% der Ware gelangt nach Afrika. Der Anteil der Gebrauchtkleidung am afrikanischen Kleidungsmarkt wird inzwischen auf 60 bis 70 Prozent geschätzt. Alleine in Tansania kommen im Monat insgesamt etwa 40.000 Tonnen Altkleider aus westlichen Ländern an. Viele Menschen leben inzwischen vom Handel und der Weiterverarbeitung von Second-Hand-Ware. In Kenia zum Beispiel verkaufen 200 000 kleine Markthändler die importierten Gebrauchtkleidung. In Tansania gehen Jugendliche mit einem Arm voll Secondhandkleidung in die Büros, wo Interessierte ihre Wünsche nach bestimmten Kleidungsstücken äußern können. Auch viele Schneiderinnen und Schneider verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Umarbeiten oder „redesign“ von Gebrauchttextilien. Auf dem Kleidermarkt kostet eine Jeans ungefähr zehn Euro, ein Hemd oder eine Bluse gibt es für zwei bis drei Euro. Seit vielen Jahren gibt es eine kontroverse Diskussion, in welcher Weise sich der Export von Secondhand-Kleidung auf die Märkte in den Importländern,  vor allem die Märkte der afrikanischen Länder südlich der Sahara, auswirkt. Mehrere Studien beschäftigen sich intensiv mit dieser Fragestellung – mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen.

Zudem ist der Handel mit Second-Hand-Kleidung in Afrika deswegen umstritten, da in diesem Sektor durchaus Korruption, illegale Einfuhren, nicht gezahlte Zölle und die Marktmacht von Groß-Importeuren vorherrschen. Befürworter argumentieren, dass Secondhand-Kleidung unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen in vielen afrikanischen Ländern nicht wegzudenken ist. Hauptgrund ist die geringe Kaufkraft. Außerdem gibt es kein ausreichendes und erschwingliches Bekleidungsangebot aus lokaler Produktion. Die auf den Märkten angebotene Neuware kommt überwiegend aus China, ist aber oft von minderer Qualität.

Slums

Die Definitionen des Begriffs Slum sind mit Sicherheit genauso vielfältig wie die informellen Siedlungen selbst. Die UN HABITAT (Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen) versteht eine Siedlung als Slum, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale in Siedlungen des städtischen Raumes NICHT gegeben ist:

  • stabile und dauerhafte Unterkünfte,
  • ausreichender Platz in der Unterkunft, d.h. dass sich nicht mehr als drei Personen einen Raum teilen,
  • leichter und bezahlbarer Zugang zu sicherem Trinkwasser sowie angemessene Infrastruktur,
  • angemessene sanitäre Anlagen in ausreichender Zahl,
  • sichere Eigentumsverhältnisse, die gewaltsame Vertreibungen verhindern.

Viele urbane Gebiete in Afrika südlich der Sahara weisen diese Merkmale nicht auf. Das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geht davon aus, dass 62,2 Prozent der Bevölkerung in Afrikas Städten in Slums lebt. Häufig wird mit Slums ein chaotisches Zusammenleben assoziiert. Doch entgegen dieser Annahme steht fest, dass u.a. durch informelle Sicherheitssysteme eine allseits akzeptierte Ordnung zwischen den Bewohnern besteht. Außerdem verfügen Slums über ein enormes soziales und produktives Potenzial der Slumbevölkerung, die in der Regel einen wichtigen Beitrag zur Stadtökonomie leistet. Einer der berühmtesten Slums Afrikas ist der in Nairobi gelegene Kibera. Auf 2,5 Quadratkilometern beherbergt er zwischen 500.000 und 700.000 Menschen (UN-Habitat). Bis 2009 war Kibera ein weißer Fleck auf der Karte von Nairobi.

Erstmals erstellten junge Kiberer eine offizielle Karte des Slums und gaben der Siedlung somit ein Gesicht. Schauen Sie sich doch auch einmal um!

Siehe auch: Informeller Sektor, Infrastruktur, Urbanisierung

Sprachen

Ina sonki (Hausa). Nakupenda (Kiswahili). Nobnale (Wolof). Afekrischalehou (Amharisch). Das war nur eine kleine Auswahl, falls Sie einmal jemandem in einer afrikanischen Sprache Ihre Liebe gestehen wollen. Insgesamt gibt es auf dem afrikanischen Kontinent über 2000 eigenständige Sprachen. Sie werden in vier Sprachgruppen unterteilt: Afroasiatisch, Khoisan, Niger-Kongo und Nilosaharanisch. Mit etwa 370 Millionen Sprechern sind die Niger-Kongo-Sprachen am weitesten verbreitet. Man spricht sie in Teilen West-, Zentral- und Südafrikas. Eine der hierzulande bekanntesten Vertreterinnen dieser Sprachen ist das Kiswahili. Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Sprachen hat sie den Status einer offiziellen Amtssprache (Tansania). Noch heute entsprechen die Amtssprachen in vielen afrikanischen Ländern den ehemaligen Kolonialsprachen wie Englisch und Französisch. Vielerorts kursieren Debatten über die „richtige“ Wahl der jeweiligen Amtssprache als vereinendes Medium. Sind die europäischen Sprachen ein Merkmal des Neokolonialismus oder verkörpern sie eine Neutralität, die keinen Sprecher einer lokalen Sprache bevorzugt oder benachteiligt? Erfahren Sie hier mehr und bilden Sie sich Ihre Meinung zu dem Thema.

Erinnern Sie sich an Simba im Zeichentrickfilm „König der Löwen“? Aus dem Kiswahili übersetzt bedeutet sein Name schlicht und ergreifend „Löwe“.

Siehe auch: Ethnie

Temperaturen

Dass die Temperaturen in vielen Gegenden Afrikas sehr hoch sind, ist für viele keine Neuigkeit. Der Kontinent gilt als der heißeste Kontinent der Welt. Mit 57,7 Grad Celsius wurde im nordafrikanischen Libyen bisher die höchste Temperatur auf bewohntem Gebiet gemessen. Die große West-Ost-Ausdehnung des Kontinents und seine meist flache Oberfläche sorgen für eine große Reichweite der äquatorialen und tropischen Einflüsse auf das Klima. Bezogen auf die Temperaturen finden sich große Gegensätze: In der Sahara erreichen die Temperaturen im Sommer über 50 Grad, im Winter hingegen fällt das Thermometer auf minus 10 Grad. Vielerorts, z.B. im südlichen Afrika, sind die Temperaturen durchaus mit denen in Europa vergleichbar. Viele Fußballfans vor dem Fernseher staunten nicht schlecht, zur Fußball-WM 2010 auf den Zuschauertribunen in südafrikanischen Stadien Fans mit Jacken und Mützen zu sehen. Informieren Sie sich hier über das Klima des Kontinents.

Siehe auch: Sahara

Theater

Das Theater präsentiert sich auf dem afrikanischen Kontinent in einem breit gefächerten Spektrum von Formen und Stilen. Gespielt wird in afrikanischen Sprachen, in Pidgin, in Englisch, Französisch, Portugiesisch oder in einer Mischung aus mehreren Sprachen. Theater wird sowohl von Schul- und Universitätstheatergruppen, professionellen und halb professionellen Gruppen, Amateurgruppen in „richtigen“ Theatern, in Gemeinde- und Schulsälen, aber auch auf Straßen und Plätzen gespielt. Die Theaterszene des Kontinents im Detail zu erläutern ist hier nicht möglich. Erwähnt sei aber die bekannte „Concert Party“-Szene in Ghana. Dabei handelt es sich um eine lokale Theaterform, in der Klatsch und aktuelle Ereignisse in Form von kurzen Sketchen auf die Bühne gebracht werden. Einer der berühmtesten Schauspieler dieser Theaterform ist Agya Koo. Er wurde sprichwörtlich vom Tellerwäscher zum Millionär. Erst arbeitete er als Schuhmacher in den Straßen Accras – heute gehört er zu Ghanas bekanntesten Schauspielern.

Siehe auch: Filme, Literatur

Tierwelt

Kaum ein Kontinent auf der Welt beherbergt so viele und seltenen Tierarten wie Afrika. Giraffen, Zebras, Nilpferde und Schimpansen zum Beispiel existieren nur in Afrika. Außerdem beherbergt der Kontinent 99% aller Löwen, 85% aller Elefanten und 25% aller Vogelarten weltweit. Allein in Kenia beispielsweise gibt es über 400 Säugetierarten, 1080 Vogel und 300 Reptilienarten. Afrika ist für diese vielfältige und einzigartige Tierwelt bekannt, die jährlich hunderttausende Touristen in die Nationalparks lockt. Die sogenannten „Big Five“ (Büffel, Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn) werden weltweit mit dem Kontinent Afrika assoziiert. Auf Safaris kann man Tiere in freier Wildbahn sehen und fotografieren. Da Safaris inzwischen in allen Preisklassen angeboten werden, hat sich dadurch ein neuer Wirtschaftszweig entwickelt. Auf der einen Seite wird die Infrastruktur des jeweiligen Landes gestärkt und viele neue Arbeitsplätze geschaffen, was die Wirtschaft antreibt. Andererseits belastet der Safari-Tourismus die Tiere und die Natur durch Abgase und Müll in den Nationalparks.

Torte

Biskuitboden, Kirschfüllung, Sahnehäubchen und Schokoraspeln – diese Zutaten können nur eine Leckerei ergeben: die berühmte Schwarzwälder Kirschtorte. Wussten Sie, dass Sie diese Spezialität auch in Afrika finden können? Im namibischen Swakopmund läuft sowohl Einheimischen als auch Touristen das Wasser im Mund zusammen beim Anblick der süßen Verführung. Neben der Schwarzwälder Kirschtorte erinnern viele weitere Dinge an die deutsche Kultur. Seien es Gebäude im wilhelminischen Stil oder Unterredungen auf der Straße in deutscher Sprache. Noch heute zeichnet sich dies als Erbe der deutschen Kolonialzeit ab. Zwischen 1884 und 1915 gehörte Namibia als „Deutsch-Südwestafrika“ zum Deutschen Kaiserreich unter der Regentschaft von Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. Der deutsche Einfluss in Architektur und Kultur erinnert gleichzeitig an die schlimmen Kolonialverbrechen, die die Deutschen besonders an der Bevölkerungsgruppe der Herero begangen haben. Bei dem sogenannten Herero-Aufstand 1904 starben in massakerartigen Gefechten über 70.000 Herero, die gegen die stark bewaffneten deutschen Truppen keine Chance hatten. 2004, 100 Jahre nach diesem ersten deutschen Völkermord, bat die Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im Namen der Deutschen die Nachfahren der Opfer offiziell um Entschuldigung für die grausamen deutschen Kolonialverbrechen.

Verschaffen Sie sich hier einen Eindruck über die „deutsche Insel“ mitten in Afrika.

Siehe auch: Kolonialismus, Widerstand

Foto: CARE/ Brenda Bennon