Der Mann, der die Wüste stoppte

Yacouba Sawadogo ist der Mann, der die Wüste stoppte. Für seinen großen Einsatz wird ihm nun der Alternative Nobelpreis verliehen.
Bauern in der Sahelzone_©CARE

Der Mann, der die Wüste stoppte

Das westafrikanische Land Burkina Faso ist immer wieder Dürren ausgesetzt. In vielen Gebieten sind die Böden unfruchtbar und hart. Yacouba Sawadogo stammt aus der Provinz Yatenga in Burkina Faso und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. In Mali besuchte er eine Koranschule. Leider erfolgslos – er lernte weder lesen noch schreiben. Sein Einkommen generierte er durch Verkäufe auf dem Markt. Nebenbei nahm sich Yacouba der Problematik der Dürre an. Er entwickelte das traditionelle Anbausystem „Zai“ weiter. Dadurch konnte er bereits 1980 ein fast 40 Hektar großes unwirtliches Areal in ein fruchtbares Waldgebiet umwandeln. Mittlerweile umfasst das Waldgebiet mehr als sechzig Baum- und Buscharten.

Right Livelihood Award – Der alternative Nobelpreis

Im Jahr 2018 wird Yacouba Sawadogo nun mit dem Alternativen Nobelpreis „Right Livelihood Award“ für seine Bekämpfung der Wüste ausgezeichnet. Das Preiskomitee lobte ihn „dafür, dass er es geschafft hat, unwirtliches Wüstenland in Wald zu verwandeln und Landwirten beibringt, ihre Böden mit einer innovativen Idee wiederherstellen zu können.“. Das Preisgeld hilft dabei weitere afrikanische Bauern und Bäuerinnen zu schulen. Doch Yacouba sagte einmal: „Wenn wir etwas nicht selbst ändern können, dann kann Geld es auch nicht.“ Der Weg von Yacouba Sawadogo zum Alternativen Nobelpreis war kein kurzer.

Am Anfang war die „Zai“-Methode

Vormals säten Familien traditionell Hirse in kleine Erdgruben. Damit der Wind die Saat nicht wegweht, wurden jeweils halbmondförmige Erdwälle um die Erdgrube gebaut. Das System setzte sich jedoch nicht durch, da der Wind die Saat weiterhin fortwehte. Yacouba beschloss die halbmondförmigen Erdwälle zu vergrößern sowie diese mit Kompost oder anderen organischen Abfällen zu mischen. Auch bedeckte er die Grube mit ein bisschen Erde. Durch die organischen Abfälle wurden Termiten angelockt, die den Boden durchgruben und in Folge lockerten. Wasser konnte nun besser gespeichert werden und die Wurzeln leichter zu den benötigten Nährstoffen gelangen. Dank der Weiterentwicklung der traditionellen Methode stiegen die Ernten der Familien um ein Vielfaches.

Doch Yacouba konnte noch einen weiteren Effekt beobachten: Neben der Hirse keimten auch Austriebe junger Bäume. Obwohl die Austriebe mit der Hirse konkurrierten, ließ Yacouba die jungen Bäume wachsen – glücklicherweise – denn die Bäume spendeten Schatten und hielten auch den Wind davon ab die Saat wegzuwehen. Herabgefallene Blätter schützten den Boden vor Austrocknung, sodass das Erdreich länger feucht blieb. Die Bäume dienten ebenfalls als Holzmaterial zum Kochen oder Bauen.

Grüne Haine in der Sahelzone

Zu Beginn seines Versuches die „Zai“-Methode weiterzuentwickeln, wurde Yacouba vielerorts als „verrückt“ bezeichnet. Sogar seine Felder wurden angezündet. Doch 30 Jahre nach seinem ersten Versuch benutzen heute viele Familien in Burkina Faso und auch Mali oder Niger die Anbaumethode. Yacouba ist viele Tage im Jahr unterwegs, um andere Bauern und Bäuerinnen über die weiterentwickelte Anbaumethode aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie ihr Land wieder fruchtbar machen können. Mittlerweile sind in der Sahelzone wieder grüne Haine mit Heil- und Futterpflanzen zu finden. Der Grundwasserspiegel ist ebenfalls wieder angestiegen. Neben diesen direkten Effekten wurde die Zai-Methode auch zu einem wichtigen Instrument bei der Bekämpfung von Fluchtursachen und der Schaffung von dauerhaftem Frieden.

Algerien Gartenprojekt_©UNO Flüchtlingshilfe / D. Kappe

 

Ursachen der Desertifikation

Was würde passieren, wenn Yacouba nicht die Ausbreitung der Wüste (=Desertifikation) gestoppt hätte? Desertifikation stammt von dem lateinischen Ausdruck „desertus facere“ ab und wird mit „wüst machen“ oder „verwüsten“ übersetzt. Auch wird der Mensch als Verursacher der Desertifikation in den Vordergrund gestellt. Durch seine raumverändernden Handlungen in Verbindung mit klimatischen Bedingungen kommt es zu „man-made-desert“. Mehr als eine Milliarde Menschen leben in Trockengebieten und das zumeist in Armut. Stark betroffene afrikanische Regionen liegen in Nordafrika (Sahelzone) und auch im südlichen Afrika.

Desertifikation geschieht durch einen Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Hauptfaktor ist die Überbeanspruchung der natürlichen Ressourcen in Verbindung mit Bevölkerungsexplosionen. Die Überweidung von Flächen ist eines der größten Problemen. Durch Überweidung verliert der Boden seine schützende Vegetationsschicht und erodiert. Auch eine Übernutzung von Böden durch zum Beispiel falsche Anbautechniken oder kürzere Brachezeiten entziehen den Böden Nährstoffe und verringern den Pflanzenbewuchs. Auch hier kommt es zur Erosion des Bodens. Zur Gewinnung von Brenn- und Bauholz, Ackerland oder Industrieflächen werden Wälder vernichtet, was den Baumbestand verringert und ganze Regionen veröden lässt. Wachsende Bevölkerung, landwirtschaftliche Bewässerung und Tourismus entziehen der Natur Wasserressourcen, die anderweitig fehlen.

Folgen der Desertifikation

Folgen der genannten Ursachen sind, dass die Regionen nicht mehr in der Lage sind, sich auf natürliche Weise zu regenerieren. Es entsteht eine flecken- bis flächenhafte Zerstörung der Vegetationsdecke, was zu Bodenerosionen führen kann, denn die Wurzeln der Pflanzen geben den fruchtbaren Bodenschichten keinen Halt mehr. So können Wanderdünen entstehen, aber auch Weidegründe, Anbauflächen und andere infrastrukturelle Flächen bedroht werden. Das ganze Ökosystem wird gefährdet. Durch die Erosionen und Austrocknung ist der Wasserhaushalt gestört. Um die Tiere und Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgen zu können, werden Tiefbrunnen genutzt. Die Tiefbrunnen reichen bis tief in das Erdreich bis hin zur wasserführenden Erdschicht. Zusammen mit dem Einsatz von Pumpen führen die Tiefbrunnen zum Absinken des Grundwasserspiegels, da nachsickerndes Wasser nicht genug Zeit hat nachzufließen, um das entnommene Wasser zu ersetzen. Auch die Vegetationsdecke, die nun flächenhaft zerstört ist, und eigentlich als Schutz vor Sonneneinstrahlung dient und Wasserverdunstung vermeiden soll, kann ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen. Der Boden trocknet aus, die Fruchtbarkeit lässt nach, noch mehr vegetationsfreie Flächen entstehen und die Artenvielfalt nimmt ab.

Gegenmaßnahmen

Im Jahr 1994 unterzeichneten 100 Staaten das „Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung in den von Dürre und/oder Wüstenbildung schwer betroffenen Ländern, insbesondere in Afrika“. So sollen Entwicklungsländer der Desertifikationsbekämpfung Priorität einräumen und Industrieländer die Bestrebungen im Rahmen der Entwicklunngszusammenarbeit unterstützen. Auch werden zusammen mit der lokalen Bevölkerung nationale Aktionsprogramme ausgearbeitete, die das landwirtschaftliche Potential der betroffenen Regionen beurteilt, bisherige Vorgehen anlaysiert und den Grad der Desertifikation bestimmt sowie Ziele, Maßnahmen und Projektvorschläge aufzeigt. Diese Programme werden dann lokal durchgeführt. Vor allem eine nachhaltigere Bodennutzung soll gewährleistet werden. So können längere Pachtverhältnisse die Bauern und Bäuerinnen dazu bringen nachhaltiger in den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit zu investieren. Auch Pflanzenhügel oder -dämme helfen dabei großflächige Erosion des Oberbodens durch Regenfälle zu verhinden. Wiederaufforstung kann ebenso die Vegetation wiederherstellen, den Boden schützen und agrarwirtschaftliche Nutzung verbessern sowie die Versorgung der Bevölkerung mit Holz sichern. Vor allem sollen angepasste Anbaumethoden, wie die von Yacouba Sawadogo, eine nachhaltigere Bodennutzung fördern.