(Faire) Mode und die SDG #17Ziele

Woher kommt eigentlich unsere Kleidung? Warum ist sie oft so günstig? Was hat das alles mit Afrika und globaler Gerechtigkeit zu tun? Und was kann ich selbst tun, um einen positiven Beitrag zu leisten?

_© GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Kleider machen Leute

… lautet ein altes, bekanntes Sprichwort und beschreibt ein Phänomen, das bis heute aktuell ist: Unsere Kleidungsstücke sind nicht nur dazu bestimmt, uns vor Sonne, Regen und Kälte zu schützen, sondern stellen darüber hinaus ein wichtiges Medium dar, um etwas über uns zu erzählen. Beispielsweise ist unser Kleidungsstil oft jenen Menschen ähnlich, die wir gern mögen – und unterscheidet sich von jenen, denen wir uns nicht verbunden fühlen. Das ist heute leicht möglich, denn ein Preis von 3-5 € für ein gewöhnliches T-Shirt in einem Geschäft können sich viele Personen leisten.

Es steht uns also eine große Auswahl an Kleidungsstücken zur Verfügung und wir können mit dem schnellen Tempo wechselnder Modetrends mithalten. Mode stellt damit einen wichtigen Bestandteil unseres Zusammenlebens dar.

Leute machen Kleider

Was jedoch oft vergessen oder selten hinterfragt wird: Woher kommt unsere Kleidung überhaupt? Und wie entstehen so günstige Preise? Denn jedes T-Shirt, das für 5 € im Laden zu erwerben ist, muss ein Mensch herstellen. Rohstoffe, Transport, Lohn, Gewinnmarge – all das kostet Geld. Wie passt das zusammen?

Etwa 10 bis 15 Prozent der Baumwolle, die weltweit hergestellt wird, kommt aus Afrika. Das bedeutet, jedes zehnte Kleidungsstück, das bei uns zu Hause im Kleiderschrank hängt, ist aus Baumwolle aus afrikanischen Ländern gefertigt. Oft passiert die Herstellung unter Bedingungen, welche eine Gefahr für das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter und die Umwelt darstellen – zu einem Lohn, der kaum zum Leben reicht. Häufig spielt auch Kinderarbeit dabei eine Rolle. Kleiderproduktion und -verkauf tragen damit zur global existierenden Ungerechtigkeit bei.

Mode und die #17Ziele

Um globaler Ungerechtigkeit entgegenzuwirken, haben die Vereinten Nationen im September 2015 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung („Sustainable Development Goals“, kurz: SDG) beschlossen. Sie gelten für alle Länder gleichermaßen, also auch für Deutschland, und sollen bis zum Jahr 2030 erreicht werden.

Ein gesteigerter Konsum und die Massenproduktion von Kleidung können sich zwar positiv auf die wirtschaftliche Lage einiger Menschen auswirken, gehen jedoch oft mit einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse anderer einher. Deshalb stellt sich die Frage, wie wirtschaftlicher Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde gestaltet werden kann. In einem ersten Schritt ist es dafür wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wer derzeit die Kosten für die Kleidungsstücke zahlt, die wir tragen – denn der Preis eines T-Shirts ist in der Regel weit höher als 5 €.

Wofür stehen die 17 Ziele und was ist der Unterschied zwischen den Millenniumzielen und den SDG? mehr erfahren

Was kann ich tun, um die 17 Ziele zu unterstützen? mehr erfahren

Die Menschen hinter Deiner Kleidung

In afrikanischen Ländern arbeiten etwa 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt mit Baumwolle: Sie bauen Baumwolle an, schneidern daraus Kleider oder designen ganze Kollektionen. In den Steckbriefen stellen wir sieben dieser Menschen vor:

  • Die Erntehelferin Clarisse aus Burkina Faso
  • Der Baumwollbauer Moussa aus Mali
  • Die Fair-Trade-Baumwollbäuerin Djènèba aus Mali
  • Die Weberin Clémentine aus Burkina Faso
  • Die Schneiderin Mestaet Tegegne aus Äthiopien
  • Der Designer Gjey aus Kenia
  • Die Designerinnen Nelly und Nelsa aus Mosambik

Im Kleinen anfangen: Upcycling und Do-It-Yourself

GEMEINSAM FÜR AFRIKA-Bag _© GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Es ist keine Seltenheit, dass wir Kleidung im Kleiderschrank haben und nicht wissen, was wir damit anfangen sollen. Jährlich werden 50 Millionen Tonnen Textilien achtlos weggeworfen – und das alleine in Europa! Lediglich 25 Prozent dieser Textilien werden recycelt. Upcycling bei Mode und Kleidung beschreibt eine Form der Wiederverwertung von Stoffen, bei der die Stoffe aufgewertet werden. Beim Recycling werden Stoffe hingegen meistens wieder in ihre Einzelteile zersetzt. Beim Upcycling werden vielfältige Stoffe verwendet: Von Feuerwehrschläuchen über alte Armeedecken – alles kann in hochwertige Produkte umgewandelt werden. So lässt sich etwa aus einem alten T-Shirt ganz einfach eine individuelle, einzigartige Tasche fertigen.

Wie genau das geht und wie Du damit zeitgleich noch etwas Gutes tun kannst, erfährst Du hier: UNITED FOR AFRICA-Bag.

Augen auf: Die wichtigsten Siegel für Mode und Textil

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich sozial-ökologisch hergestellte und fair gehandelte Kleidung. Flächendeckend menschenwürdige und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen sind jedoch weiterhin leider eher die Ausnahme als die Regel. In Kleidung und Textilien sind trotzdem öfter Label und Siegel zu finden, die auf faire Herstellungsprozesse hinweisen. Wir zeigen, für welche Standards einige der Logos stehen.

Fairtrade

  • Entlohnung unabhängig von Preisschwankungen auf dem Weltmarkt
  • Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Zahlung von Fairtrade-Prämien für Soziales, Infrastruktur und Bildung

Fairtrade Cotton

  • Siegel für Rohbaumwolle, die ohne genmanipuliertes Saatgut angebaut wurde
  • Verbesserte Arbeitsbedingungen, z. B. bezüglich Arbeitszeiten und Überstunden
  • Umsetzung von Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen, z. B. zu Arbeiterrechten

MADE IN GREEN von OEKO-TEX

  • Gehört zu den strengsten Textilsiegeln am Markt
  • Fabriken unterliegen einem umfassenden Nachhaltigkeitsprogramm, das Chemikalien, Umwelt- und Qualitätsmanagement und auch Arbeitssicherheit betrifft
  • Endprodukte sind schadstoffgeprüft

IVN Best

  • Strengstes Textilsiegel, nur Naturfasern
  • Alle wichtigen Chemikalien sind für die gesamte Lieferkette – vom Anbau bis zum Endprodukt – verboten.
  • Strenge Sozialstandards

GOTS-Siegel

  • Öko-Textilsiegel, das vor allem ein Umweltsiegel ist
  • Wird an die gesamte Produktionskette vergeben – vom Rohstoffanbau bis zum Endprodukt
  • Verbot von allen besonders gefährlichen Chemikaliengruppen

Cradle to Cradle

  • Kreislaufkonzept
  • Produkte werden nach Materialgesundheit, Wiederverwendung, erneuerbaren Energien, sozialer Fairness und  Wasser bewertet.
  • Zertifizierung erfolgt stufenweise: Ein Unternehmen startet mit Basic und kann sich bis zu Platin hocharbeiten.

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