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Hidden Figures

"Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" erzählt die Geschichte von drei afroamerikanischen Wissenschaftlerinnen bei der NASA, in Zeiten des kalten Krieges.

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Hidden Figures DVD

Hidden Figures

Hidden Figures ist ein US-amerikanischer Film über drei Schwarze Mathematikerinnen, die in den 1950er- und 60er-Jahren maßgeblich am Mercury- und Apollo-Programm der NASA beteiligt waren: Katherine Johnson berechnet die Flugbahnen für den Flug des ersten Amerikaners ins Weltall. Mary Jackson arbeitet in der Abteilung für Raumkapselentwicklung, dort wird ihr empfohlen, Ingenieurin zu werden. Um diese Stelle zu erlangen, muss sie allerdings an einer Universität studieren, die keine Schwarzen Frauen zulässt. Mary zieht vor Gericht und bekommt Recht. Sie wird die erste Schwarze Ingenieurin bei der NASA. Dorothy Vaughan übernimmt aufgrund der Erkrankung ihrer Vorgesetzten die Aufgaben einer Supervisorin der „Colored Computers“-Abteilung, erhält aber nicht deren Stelle oder das Gehalt. Aufgrund eines neuentwickelten Computers geraten die Stellen der Rechnerinnen in ihrer Abteilung in Gefahr. Deshalb eignet sich Dorothy die Fähigkeit an, die Maschine zu programmieren und gibt dieses Wissen an die anderen Frauen in ihrer Abteilung weiter. So sichert sie die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen und wurde die erste afroamerikanische Supervisorin der NASA.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt die Geschichte dreier herausragender Schwarzer Frauen in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

Hidden Figures steht allerdings auch in der Kritik, „White Saviorism“ abzubilden. Der „White Savior“ (weißer Retter) ist eine regelmäßig wiederkehrende Figur in amerikanischen Büchern und Filmen. Der Begriff sowohl wird in der Filmkritik verwendet als auch als Filmgenre sowie als Stereotyp verstanden. Dabei retten weiße Menschen in Eigenregie Schwarze aus einer Notlage, dadurch wird impliziert, dass Schwarze Menschen außerstande seien, sich selbst zu helfen.Al Harrison ist der Chef von Katherine Johnson und spielt eine entscheidende Rolle im Film, in vielen Schlüsselszenen ist er der weiße Mann, der Katherine erst den Erfolg ermöglicht, weil er ihr – im übertragenen und wörtlichen Sinn – „Türen öffnet“. Diese Person hat es allerdings in Wirklichkeit nie gegeben.

Externe Filmkritik

Zwei Filmkritiken, die bei der Betrachtung und Analyse des Films mit Schülerinnen und Schülern hilfreich sein könnten und die Vielschichtigkeit der Themen des Films aufzeigen:

Wolfgang M. Schmitt, Filmanalyse (2017): „Hidden Figures – unerkannte Heldinnen – Kritik & Analyse“ (YouTube): www.youtube.com/watch?v=XwytyxlyY-E

Carolin Gasteiger, Süddeutsche Zeitung (2017): „Warum ‚Hidden Figures‘ den Oscar verdient hat“: www.sueddeutsche.de/kultur/academy-awards-warum-hidden-figures-den-oscar-verdient-1.3378452

Der Film erzählt die Geschichte von drei afroamerikanischen Frauen, die sich in einer von (hauptsächlich) weißen Männern dominierten Branche durchsetzen. Die Geschichte macht schwarzen Mädchen und Frauen Mut, dass sie alles erreichen können, was sie wollen. So trägt AB3D auch zum Erreichen der 17 Ziele bei, insbesondere des fünften Zieles: Geschlechtergleichheit.

Tipp!

Die DVD „Hidden Figures“ ist Teil unseres Lernkoffers Innovation. Mit Hilfe des Lernkoffers, lernen Schülerinnen und Schüler Erfinderinnen und Erfinder aus Afrika und ihre Innovationen kennen.

Sie möchten die DVD „Hidden Figures“ im Unterricht einsetzen? Wir haben für Sie Arbeitsblätter mit unterschiedlichen Aufgaben erstellt, die Sie hier herunterladen können. Gerne können Sie die Arbeitsaufträge verändern und erweitern, um sie an die Bedürfnisse Ihrer Schülerinnen und Schüler anzupassen.

Arbeitsblatt „A23 Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen für die Sekundarstufe I und II:


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GEMEINSAM FÜR AFRIKA

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Das neue Lieferkettengesetz

Durch das Lieferkettengesetz sollen Unternehmen für Verletzungen von Menschenrechten innerhalb ihrer Lieferkette verantwortlich gemacht werden können.

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Das neue Lieferkettengesetz

Nach langem Streit über das Lieferkettengesetz konnte sich die Bundesregierung am 12. Februar 2021 auf ein Gesetz geeinigt werden. Bis jetzt sollten Unternehmen auf freiwilliger Basis dafür sorgen. Da diese Selbstregulierung allerdings kaum erfolgte und als gescheitert gilt, folgt nun eine gesetzliche Regelung.  

Betroffen sind in Deutschland ansässige Unternehmen ab 3.000 Mitarbeitenden bzw. ab dem Jahr 2024 Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitenden. Das Gesetz soll noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden. 

Bestandteile des Lieferkettengesetzes 

Hauptbestandteil des neuen Lieferkettengesetzes soll die Festlegung von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten für Unternehmen sein. Diese lässt sich durch die folgenden Punkte beschreiben: 

1. Pflicht zur Risikoanalyse 

Unternehmen müssen Risiken in ihrer Lieferkette ermitteln. Zu diesen Risiken gehören unter anderem Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Umweltschädigung und Einschränkung der Vereinigungsfreiheit. Die Vereinigungsfreiheit von Arbeitnehmenden ist bspw. notwendig für die Bildung von Gewerkschaften. Unternehmen müssen gewährleisten, dass es zu keinen Menschenrechtsverstößen bei ihren unmittelbaren Zulieferern kommt. Bei mittelbaren Zulieferern muss nur noch eine abgeschwächte Form der Risikoanalyse stattfinden. Dies betrifft beispielsweise Rohstofflieferanten. 

2. Pflicht zu Folgemaßnahmen: Neue Absprachen mit Lieferanten 

Auf die Risikoanalyse müssen laut des Gesetzentwurfs Maßnahmen des Unternehmens folgen, um den negativen Auswirkungen vorzubeugen und die bestehenden Auswirkungen zu minimieren. So müssen beispielsweise neue Absprachen mit Lieferanten getroffen werden. Der Abbruch einer Geschäftsbeziehung soll nur als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden.  

3. Berichterstattungspflicht 

Betroffene Unternehmen werden zudem verpflichtet, jährlich öffentlich einen Bericht über die Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns auf die Menschenrechte vorzulegen. 

4. Bemühenspflicht und Prinzip der Angemessenheit 

Sowohl bei der Pflicht zur Risikoanalyse als auch bei der Verpflichtung zur Ergreifung von Folgemaßnahmen handelt es sich um eine Bemühenspflicht und nicht um eine Erfolgspflicht. Das heißt, dass Unternehmen nicht verpflichtet werden, alle Menschenrechtsverstöße in ihrer Lieferkette zu verhindern. Sie werden zu zumutbaren und verhältnismäßigen Maßnahmen, die zur Verringerung von Menschenrechtsverstößen beitragen, verpflichtet. 

Konsequenzen 

Falls die vom Lieferkettengesetz vorgeschriebenen Sorgfaltspflichten missachtet werden, müssen Unternehmen Zwangs- und Bußgelder in Höhe von bis zu 10 % ihres Umsatzes zahlen. 

Kritik 

Deutsche Unternehmen haften nach wie vor nicht für Menschenrechtsverletzungen in ihrer globalen Lieferkette. Es kann also zu Strafen wie Bußgeldern kommen, allerdings kann niemand dafür zivilrechtlich angeklagt oder eingesperrt werden. 

Viola Wohlgemuth, Expertin für Konsum und Ressourcenschutz bei Greenpeace kritisiert zudem: “Die Umwelt- und Menschenrechtsverbrechen geschehen vor allem am Anfang der globalen Lieferketten und damit in Produktionsländern außerhalb der EU”. Der Anfang der Lieferkette wird durch das Lieferkettengesetz allerdings nur bedingt abgedeckt, da deutsche Unternehmen hauptsächlich für ihren direkten Lieferanten verantwortlich sind.  

Auch die Beschränkung des Lieferkettengesetzes auf große Unternehmen wird kritisiert.  

Cornelia Heydenreich, Leiterin des Teams Unternehmensverantwortung bei Germanwatch (Teil der Inititative Lieferkettengesetz) meint: „Diese Einigung auf ein Gesetz ist ein wichtiger erster Schritt, um Menschenrechte in den Lieferketten deutscher Unternehmen zu stärken. Aber für wirkungsvollen Schutz vor Menschenrechtsverletzungen ist er noch zu klein“. 

Das Sorgfaltspflichtengesetz, wie der offizielle Name lautet, könnte Vorbild der EU-Initiative für eine ähnliche Regelung sein.  

Weitere Informationen:  

o. A. /  Das neue Sorgfaltspflichtengesetz (Lieferkettengesetz) aus Noerr vom 16.02.2021 

Zacharakis, Z. / Zügel für den globalen Kapitalismus aus der Zeit vom 12.02.2021 


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Chinua Achebe – Vater der modernen afrikanischen Literatur

Chinua Achebe ist einer der ersten bedeutenden nigerianischen Schriftsteller, der die Literatur Afrikas über den Kontinent hinaus bekannt machte. In seinem Werk setzt er sich mit den Krisen des aufstrebenden Afrikas auseinander. Er beschreibt die Konflikte des afrikanischen Dorfes beim Erstkontakt mit dem weißen Mann sowie die Herausforderungen moderner afrikanischer Großstädter.

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Chinua Achebe – Vater der modernen afrikanischen Literatur

Chinua Achebe wurde 1930 in Ogidi, Nigeria geboren. Er studierte zunächst Medizin, dann Literatur, Geschichte und Religion an der Universität von Ibadan. Später wurde er Leiter des nigerianischen Rundfunks. Während des nigerianischen Bürgerkriegs engagierte sich Achebe für die Unabhängigkeit Biafras, ein Staat der Volksgruppe der Igbo, der 1967 seine Unabhängigkeit von Nigeria erklärte. Der Bürgerkrieg endete 1970 mit der Auflösung des Biafra-Staates. Achebe nahm Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten von Nigeria an. 1990 zog er in die USA und unterrichtete an verschiedenen Universitäten.  

Things Fall Apart 

Sein erstes Buch „Things Fall Apart“, erschienen 1958, gilt als der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete. Achebe beschreibt darin den Konflikt einer archaischen Kultur mit dem Regime der britischen Kolonialherren. Hauptfigur des Romans ist Okonkwo, der im Konflikt mit den strengen Stammesregeln seines Dorfes steht und an der Herrschaft der britischen Kolonialherren zerbricht. 

Achebe schuf mit seinem Roman endlich eine literarische Stimme für Afrika, die auch außerhalb des Kontinents gehört wurde. Nelson Mandela schreibt über ihn: »Da war ein Autor mit dem Namen Chinua Achebe, in dessen Gesellschaft die Gefängnismauern einstürzten.«  

Achebe setzte sich in seinem Schaffen mit dem Wirken von Kolonialismus auseinander und setzte sich für die Beachtung der Menschenrechte in seinem Heimatland ein. Er übte Kritik an der Rezeption Afrikas durch den Schriftsteller Joseph Conrad. Die Auffassung Achebes wurde zunächst nicht gehört, später fand diese aber Anerkennung, vor allem im Rahmen der postkolonialen Rezeption Conrads. 

Chinua Achebe erhielt 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2013 starb er in Boston, USA.  

Achebe prägt bis heute Nigerias junge Schriftsteller-Generation, wie beispielsweise die Autorin Chimamanda Ngozie Adichie.  

Weitere Informationen:

Chinua Achebe Nigerian Author in Britannica, 10.12.2020

Chinua Achebe Biography in Biography, 17.06.2020  


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Anton Wilhelm Amo Afer – der erste afrikanische Philosoph Deutschlands

Seit 25 Jahren fordern Aktivistinnen und Aktivisten, die Mohrenstraße in Berlin Mitte umzubenennen. Einen Vorschlag für einen neuen Namensgeber lieferten sie direkt mit: Anton Wilhelm Amo, der erste afrikanische Philosoph Deutschlands.

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Schreibfeder

Anton Wilhelm Amo Afer – der erste afrikanische Philosoph Deutschlands

1707 wurde der vierjährige Junge Amo von holländischen Menschenhändlern aus seinem Heimatdorf Axim, welches im heutigen Ghana liegt, in die Niederlande verschleppt. Nur ein Jahr zuvor wurde eine Straße in Berlin-Mitte “Mohrenstraße” genannt. 

Amos Werdegang 

Drei Jahre nach seiner Verschleppung wurde er dann an den deutschen Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfsbüttel “verschenkt”. Vielen Menschen der damaligen europäischen Oberschicht dienten afrikanische Kinder als Statussymbol. Es zeugte von Wohlstand und Weltgewandtheit. Der junge Amo überzeugte den Herzog allerdings schnell von seiner unbeugsamen Haltung und Intelligenz. Herzog Anton Ulrich hatte einen Verwandten, Zar Peter den Großen, an dessen Hof ein Afrikaner lebte, welchem die beste Erziehung ermöglicht wurde. Herzog Anton Ulrich war einer der gebildetsten seiner Zeit und beschloss, Amo eine ebenso gute Erziehung und Bildung zuteil werden zu lassen.  

Amo lernte Latein, Griechisch, Hebräisch, Holländisch und Französisch und nahm sich vor, irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen. Als Amo acht Jahre alt war, sollte er auf den Namen Anton Wilhelm getauft werden, doch er bestand darauf, seinen Geburtsnamen ebenfalls zu behalten. In seinem späteren Leben fügte er den Namen “Afer”, das lateinische Wort für Afrikaner, als Bekenntnis zu seiner Heimat hinzu.  

Die erste wissenschaftliche Arbeit über die Rechte der Schwarzen in Europa 

Am 9. Juni 1727 schrieb sich Anton Wilhelm Amo Afer an der Universität Halle für Philosophie und Jura ein. Während seines Studiums nahm er sich vor, den Umgang mit den Afrikanern auf die akademische Tagesordnung zu bringen. Seine erste Dissertation schrieb er über “die Rechte der Mohren in Europa”.  

Anfang des 18. Jahrhunderts herrschten in Europa der Adel und die Geistlichen, andere Teile der Bevölkerung hatten weniger oder gar keine Rechte. Diese Aufteilung wurde durch eine göttliche Ordnung gerechtfertigt. Eine kritische Stellungnahme zur ungerechten Behandlung einer Bevölkerungsschicht war also sehr mutig von Amo. Es war außerdem die erste bekannte wissenschaftliche Arbeit über die Rechtsstellung von Schwarzen in Europa! 

Amo vertrat die Haltung, dass der Glaube an ein feudales Herrschaftssystem (also ein System, in dem der Adel und die Geistlichen mehr Macht haben) und eine unkritische Einstellung gegenüber dem Glauben einer fortschrittlichen Entwicklung im Weg stehen würde. 

Unter einigen Gleichgesinnten war Amo hochangesehen. Im Mai 1733 leitete er sogar einen Empfang für August III., dem damaligen König von Polen, an der Universität Halle. 

Das traurige Ende seiner beeindruckenden Karriere 

Nach dem Tod seiner Freunde und langjährigen Förderer wurde es allerdings immer schwieriger für den afrikanischen Philosophen. Er hatte aufgrund wachsender Diskriminierung keine Chance, weiterhin an einer Universität zu arbeiten. Da er nichts mehr verdiente, war er sehr arm und überlegte, ob er nach Afrika zurückkehren sollte. Da er allerdings die Sprache seiner Eltern nicht mehr sprach und nicht einmal wusste, ob sie noch lebten, beschloss er, in Deutschland zu bleiben.  

Als er sich mit fünfzig Jahren in eine Frau verliebte und diese seine Liebesbriefe veröffentlichte und ihn so öffentlich demütigte, kränkte ihn das so sehr, dass er sich doch dazu entschied, nach Ghana zurückzukehren. 

In Ghana lebten nur noch sein Vater und seine Schwester. Da Amo ihre Sprache nicht sprach, führte er wahrscheinlich ein Einsiedlerleben in großer Armut. Anton Wilhelm Amo Afer starb vermutlich 1759 im holländischen Fort Chama in Ghana.  

Schon seit 25 Jahren fordern Initiativen, insbesondere aus der Schwarzen Community Berlins, die Mohrenstraße in Berlin-Mitte umzubenennen. Das Bündnis “Decolonize Berlin” schlägt Anton Wilhelm Amo als Namensgeber vor. 

Was wir daraus lernen sollten 

Amos außergewöhnliche, aber tragische Karriere als erster afrikanischer Philosoph in Deutschland könnte uns so im Alltag immer wieder daran erinnern, dass Integration trotz bester Voraussetzungen aufgrund von Vorurteilen scheitern kann. Diese Vorurteile müssen wir bei uns selbst suchen, um allen Menschen eine echte Chance auf gelungene Integration zu bieten. 

Weiter Informationen: 

Eine Welt Stadt Berlin Mohrenstraße

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Ushahidi: Die Menschenrechts-Plattform

Die Menschenrechtsplattform Ushahidi gibt Menschen in Krisengebieten und besonders denen, die durch Benachteiligung weniger gehört werden, eine Stimme. Zeugenaussagen oder andere Beobachtungen können auf der Open Source Plattform gemeldet werden.

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Logo: Ushahidi

Ushahidi: Die Menschenrechts-Plattform

Die Menschenrechts-Plattform Ushahidi nutzt Crowdsourcing, um Aussagen von Menschen in Krisengebieten auf einer Karte darzustellen. Crowdsourcing bedeutet, dass viele verschiedene Personen als Quelle von Informationen herangezogen werden. Wenn jemand also beobachtet, wie sich beispielweise Beamte, Polizistinnen oder Soldaten z.B. unangebracht, oder gar übergriffig verhalten, kann diese Person den Vorfall an Ushahidi melden. Diese Möglichkeit hilft auch in Situationen, in denen sich der Beobachter nicht traut, das Geschehen direkt – z. B. auf dem Polizeirevier – zu melden. Menschen, denen sonst vielleicht nicht zugehört wird, bekommen durch Ushahidi eine Stimme. Zeugenaussagen, Videos und Fotos können per E-Mail, Twitter, SMS oder Webformular abgegeben werden.

Das Programm wird heute weltweit eingesetzt – es wurde beispielsweise für die Überwachung der Wahlen in Kenia 2008 und 2017 benutzt, im Syrienkonflikt oder nach dem Tsunami in Japan. Denn auch bei Naturkatastrophen ist Ushahidi nützlich: Wenn Menschen eine zerstörte Straße oder ein zusammengestürztes Haus sehen, können sie dies auf der Plattform angeben. Sie können auch melden, wenn sie selbst Hilfe brauchen. Die Anwendung ist ein sogenanntes „Open-Source-Programm“, jede und jeder kann eigene Karten erstellen und das Programm an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das Unternehmen wurde 2008 in Nairobi von Erik Hersman, Ory Okolloh, Juliana Rotich und David Kobiage gegründet. Bis heute sind über Ushahidi schon über 10.000.000 Beobachtungen gepostet worden.

Oft werden nur wenige privilegierte Personen gehört. Ushahidi gibt Menschen, egal welchen Geschlechts, mit welchem sozio-ökonomischen Status und welcher Herkunft eine Stimme. Ushahidi kann auch zur Überwachung staatlicher Institutionen dienen, wie die Wahl in Kenia 2017 bewies. So trägt Ushahidi auch zum Erreichen der 17 Ziele bei, insbesondere des 10. Zieles: Weniger Ungleichheit.

Tipp!

Die Menschenrechts-Plattform Ushahidi ist Teil unseres Lernkoffers Innovationen für die Sekundarstufe I und II. Mit Hilfe des Lernkoffers lernen Schülerinnen und Schüler inspirierende Erfinderinnen und Erfinder aus afrikanischen Ländern und ihre Innovationen kennen.

Sie möchten die Menschenrechts-Plattform Ushahidi im Unterricht behandeln? Wir haben für Sie Arbeitsblätter mit unterschiedlichen Aufgaben erstellt, die Sie hier herunterladen können. Gerne können Sie die Arbeitsaufträge verändern und erweitern, um sie an die Bedürfnisse Ihrer Schülerinnen und Schüler anzupassen.

Arbeitsblatt „A20 Ushahidi für die Sekundarstufe I und II:


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Tag der Menschenrechte – prekäre Situation für viele Flüchtlinge: schutzlos und ausgegrenzt

Die UNO-Flüchtlingshilfe macht zum Tag der Menschenrechte auf die zahlreichen Menschen aufmerksam, die auf der Flucht Verletzungen ihrer grundlegenden Rechte oft schutzlos ausgeliefert sind.

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Tag der Menschenrechte – prekäre Situation für viele Flüchtlinge: schutzlos und ausgegrenzt

Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Jedem Menschen sollten dadurch die gleichen Rechte und Freiheiten zugesichert sein – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sozialem Status.

71 Jahre später sind weltweit mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht: für unsere Bündnisorganisation UNO-Flüchtlingshilfe ein trauriger Rekord, der im krassen Widerspruch zur Intention der Menschrechtscharta steht. Aufgrund ihrer prekären Situation bleibt vielen Geflüchteten der Zugang zu grundlegenden Rechten verwehrt, oft sind sie Menschenrechtsverletzungen schutzlos ausgeliefert. Sie werden wegen ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, der politischen Gesinnung oder sexueller Neigung verfolgt, bedroht oder diskriminiert. In einigen Ländern der Welt droht zum Beispiel Homo- und Transsexuellen die Todesstrafe. In vielen weiteren werden diese Menschen mit langen Haftstrafen bestraft.

„Menschenrechtsverletzungen werden tagtäglich, weltweit und millionenfach begangen. Wir dürfen uns damit nicht abfinden. Und wenn wir vielleicht als Einzelpersonen diese Taten nicht verhindern können, so kann jede und jeder zumindest die Opfer unterstützen“, so Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe.

Fehlen Gesundheitsvorsorge, ein Bildungssystem oder die Möglichkeit, sich ausreichend zu ernähren, wird ein Leben in Würde unmöglich. Kommen politische Verfolgung, Diskriminierung und Folter einzelner Gruppen wie ethnischer oder religiöser Minderheiten hinzu, sehen viele Menschen nur den Ausweg der Flucht, um für sich und ihre Familien eine neue Zukunft aufzubauen.

Beispiel Demokratische Republik Kongo

Bereits seit 1999 ist die Friedensmission MONUC in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) stationiert. Der Krieg ist seit 2003 beendet – doch das Land kommt nicht zur Ruhe. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Die Menschen leiden unter der Gewalt, marodierenden Banden, Zwangsrekrutierungen, Missbrauch, Folter und Mord. Die Flüchtlingskrise in der DR Kongo hat inzwischen ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Insgesamt 5,4 Millionen Kongolesen sind durch die Gewalt im Land entwurzelt worden: 4,5 Millionen Menschen leben als Vertriebene im eigenen Land und fast 900.000 Kongolesen als Flüchtlinge in verschiedenen afrikanischen Ländern. Gleichzeitig leben über eine halbe Million Flüchtlinge aus anderen Ländern in der DR Kongo.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), das die UNO-Flüchtlingshilfe als nationaler Partner unterstützt, hilft Geflüchteten weltweit: Der UNHCR unterhält Depots für Material, das im Notfall benötigt wird, registriert, informiert und berät Menschen auf der Flucht, kämpft für den Schutz und die Rechte von Flüchtlingen, Vertriebenen und Staatenlosen.

 

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Menschenrechtsverletzung und Flucht

Trotz einer Vielzahl von Menschenrechtsabkommen- und Institutionen werden weltweit täglich Menschenrechte verletzt. Eine Vielzahl von Organisationen hat Menschenrechtsverletzungen den Kampf angesagt.

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Bootsflüchtlinge_c_UNO-Fluechtlingshilfe

Menschenrechtsverletzung und Flucht

Verletzung von Menschenrechten

Es gibt weltweit zahlreiche Menschenrechtsabkommen und Institutionen, die sich für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Dennoch werden Tag für Tag in aller Welt Menschenrechte verletzt.

Es gibt wohl kaum einen Staat, in dem keine Menschenrechtsverletzungen stattfinden, selbst der moderne demokratische Rechtsstaat der Industrienationen bietet keinen absoluten Schutz. Besonders häufige und schwere Menschenrechtsverletzungen ereignen sich allerdings gegenwärtig in manchen Schwellen- und Entwicklungsländern. Selten verletzt dabei ein Staat nur ein einzelnes Menschenrecht, meist sind es gleich mehrere Rechte gleichzeitig.

Menschenrechtsorganisationen:
Verschiedene Nichtregierungsorganisationen, wie amnesty international oder Human Rights Watch, veröffentlichen jährlich Berichte, die über die Menschenrechtverletzungen weltweit berichten. Damit wollen sie die Einhaltung der Menschenrechte einfordern und Menschen vor Willkür und Unterdrückung bewahren. Einige dieser Organisationen haben Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Menschenrechtsverletzungen als Fluchtursache

Die wenigsten Menschen verlassen ihre Familie und ihre Heimat ohne Grund – vor allem, wenn der der Fluchtweg lebensgefährlich ist. Meist sind Verletzungen der Menschenrechte die Ursache von Flucht, aufgrund von politischer Verfolgung, kriegerischen Konflikten – und Armut: Wird das Recht auf Nahrung, auf Bildung, auf Gesundheitsfürsorge, auf Erwerbseinkommen – also auf ein menschenwürdiges Leben – nicht verwirklicht, dann haben Menschen keine Perspektiven. Sie sehen sich gezwungen, ihr Land zu verlassen, um für sich und ihre Familien eine neue Zukunft aufzubauen.

Doch wenn Menschen nicht vor bewaffneten Konflikten fliehen oder nachweislich politisch verfolgt werden, haben sie meist geringe Chancen, in reichen Ländern Asyl zu erhalten. Sie werden hierzulande oft als „Wirtschaftsflüchtlinge” bezeichnet. In diesem Fall wird den Menschen, die aufgrund von Armut ihre Heimat verlassen, ihr legitimer Anspruch auf Rechte und ein Leben in Würde nicht gewährt. Im Gegenteil, auch in Europa werden die Menschenrechte der Flüchtlinge noch verletzt. Viel zu oft müssen sie in menschenunwürdigen Umständen leben, ohne Nahrung, ohne Sicherheit und ohne ein Dach über dem Kopf.

Schuld daran ist die europäische Flüchtlingspolitik. Aufgrund der Dublin III-Verordnung müssen Flüchtlinge in dem Land Asyl beantragen, in dem sie erstmalig registriert werden. Die meisten Flüchtlinge kommen über Italien, Spanien und Griechenland nach Europa. Sie müssen dort Asyl beantragen, selbst wenn sie Familienangehörige in anderen EU-Ländern haben. Sind sie einmal in einem Land als Flüchtling anerkannt, können sie in keinem anderen europäischen Land mehr Asyl beantragen. Doch in den Ländern Südeuropas erhalten sie meist wenig Unterstützung vom Staat und sind auf sich alleine gestellt. Viele sind obdachlos und haben kaum Möglichkeiten legal Geld zu verdienen.

Weltweit über 50 Millionen Menschen auf der Flucht

Über 50 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. So viel wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Neben dem Nahen Osten sind auch afrikanische Herkunftsländer stark betroffen. Die Länder in Afrika, aus denen derzeit die meisten Geflüchteten stammen, sind Somalia mit 1,1 Millionen, Sudan mit 670.000, Südsudan mit 510.000 und die Demokratische Republik Kongo mit 490.000 Flüchtlingen (UNHCR).

Fluchtroute Mittelmeer

Da Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern eine legale Einreise nach Europa meist nicht möglich ist, bleibt ihnen oft nur der gefährliche Weg über das Mittelmeer. 2014 wagten laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mindestens 218.000 Flüchtlinge und Migranten die Überfahrt, mehr als 3.400 Menschen kamen dabei ums Leben. Seit dem Jahr 2000 sind laut einer Erhebung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 22.000 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa umgekommen, die meisten von ihnen auf dem Mittelmeer.

Aufnahme von Flüchtlingen

Es sind keineswegs vor allem die reichen Länder, die die Flüchtlinge aufnehmen. Die allermeisten von ihnen – neun von zehn – finden Zuflucht in benachbarten Ländern. Es sind die armen und ärmsten Länder, die die Hauptlast tragen. Nur ein bis zwei Prozent der Geflüchteten gelangen nach Europa!

GEMEINSAM FÜR AFRIKA fordert menschenwürdiges Leben in Herkunftsländern

GEMEINSAM FÜR AFRIKA fordert, dass die Ursachen von Flucht ernst genommen und tragfähige Lösungen gesucht werden – für ein menschenwürdiges Leben in den Herkunftsländern. Um Perspektiven für die Menschen zu schaffen, müssen die Menschenrechte geachtet, langfristig wirksame Entwicklungszusammenarbeit ausgebaut, der Klimawandel bekämpft und ungerechte Wirtschafts- und Handelsstrukturen beseitigt werden.

Um weitere Bootskatastrophen zu verhindern, muss darüber hinaus dringend eine gemeinsame europäische Mission zur Seenotrettung gestartet werden, nachdem im Oktober 2014 die italienische Seenotrettungsaktion „Mare Nostrum“ beendet wurde. Die momentan laufende europäische „Triton-Mission“, ausgeführt von Frontex, beschränkt sich vor allem auf den Grenzschutz und ist unzureichend ausgestattet.

Hier finden Sie eine Stellungnahme von GEMEINSAM FÜR AFRIKA zum Thema Migration und Flucht.

Fact Sheet: Wie Migrations- und Entwicklungspolitik verknüpft werden können

 

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Menschenrechte in der Entwicklungszusammenarbeit

Im Rahmen der 2015 verabschiedeten Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) spielen Menschenrechte und ihr Schutz eine zentrale Rolle.

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Zentrum für Kinder mit Behinderung_©Pascal Bünning/GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Menschenrechte in der Entwicklungszusammenarbeit

Menschenrechte in der Entwicklungszusammenarbeit

Die Millennium-Entwicklungsziele (MDG) sind politische Zielsetzungen für so genannte Entwicklungsländer, die 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden. Als übergeordnetes Ziel gilt die Halbierung der Armut. In der Millenniums-Erklärung wird betont, dass Frieden, Armutsbekämpfung und die Verwirklichung der Menschenrechte eng miteinander verbunden sind und Voraussetzung für erfolgreiche Entwicklung sind.

Neue Entwicklungsagenda

Ab dem Jahr 2015 ersetzen die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs: Sustainable Development Goals) die MDGs. Bei den SDGs handelt es sich ebenfalls um politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die an die MDGs anknüpfen und nachhaltige Entwicklung auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene sichern sollen. Anders als die MDGs, sollen die SDGs für alle Länder weltweit gelten, auch für den globalen Norden. Die Wahrung der Menschenrechte gilt als Schlüssel für Entwicklung und nimmt dabei eine zentrale Position ein. Auf diese Weise sollen nicht nur die Folgen der Armut, sondern vor allem auch ihre Ursachen bekämpft werden.

Menschenrechte spielen zentrale Rolle

Ziel der SDGs ist es, Voraussetzungen zu schaffen, dass Menschen in Würde leben und ihre Fähigkeiten entfalten können. Deshalb müssen soziale Sicherheit, menschenwürdige Arbeit, Gleichberechtigung, Bildung, Gesundheitsfürsorge, sauberes Trinkwasser und sanitäre Versorgung als Menschenrechte in der neuen globalen Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsagenda festgeschrieben werden, und alle Menschen müssen Zugang zu diesen Rechten erhalten (Quelle und weitere Informationen: VENRO).

Mehr Informationen zu den MDGs und den SDGs finden Sie hier.

Menschenrechtsansatz in der Entwicklungspolitik

Grundgedanke des Menschenrechtskonzepts in der Entwicklungspolitik ist, dass sich die gesamte entwicklungspolitische Arbeit systematisch an menschenrechtlichen Standards und den Prinzipien internationaler und regionaler Menschenrechtsabkommen orientiert. Menschenrechtsorientierte Entwicklungszusammenarbeit fördert demnach „inklusive“ Entwicklung, d.h. sie beseitigt gesellschaftliche Barrieren und stärkt partizipative Prozesse, damit auch die Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen verwirklicht werden.

Jeder hat das Recht auf ein Leben in Würde

Wichtig ist hier die Wahrnehmung, dass Menschen, die in Armut leben oder unter den Folgen von Konflikten und Katastrophen leiden, Inhaber von Rechten sind, keine Empfänger von Wohltätigkeit. So wird anerkannt, dass jeder Einzelne einen legitimen Anspruch auf Rechte und ein Leben in Würde hat, und dass gleichzeitig bestimmten gesellschaftlichen Akteuren die Pflichten und Verantwortlichkeiten zukommen, Menschenrechte umzusetzen (z.B. Regierung, Justiz, Parlament).

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Armut und Menschenrechte

Armut und Menschenrechtsverletzungen gehen oftmals Hand in Hand, denn Armut kann Menschen davon abhalten ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte einzufordern.

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Kleinbauern in Äthiopien_©Foto: GEMEINSAM FÜR AFRIKA/Pascal Bünning

Armut und Menschenrechte

Menschenrechte sind die Voraussetzung für ein Leben in Freiheit, Würde und Gleichberechtigung. Ihre Verwirklichung ist notwendig für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung. Sie gewährleisten, dass jeder Mensch am politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben teilnehmen und seinen Lebensstil, seine Kultur und Religion frei wählen kann.

In der Erklärung der UN-Weltkonferenz zu Menschenrechten in Wien im Juni 1993 ist bereits ausgeführt, dass „die Existenz der weit verbreiteten extremen Armut den vollen und effektiven Genuss der Menschenrechte hemmt …, insbesondere der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte.“

Armut verletzt Menschenrechte

Mangelnder Zugang zu Bildung, Gesundheitsfürsorge, Nahrung und anderen existentiellen Grundbedürfnissen behindert häufig auch den Zugang zu bürgerlichen und politischen Rechten. Er hält Menschen davon ab, auch ihre wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte einzufordern. Dadurch bleiben sie oft in einem Kreislauf aus verletzten Rechten, Armut und Ohnmacht gefangen. Dies zeigt, dass Menschenrechte nicht teilbar sind und sich gegenseitig bedingen.

Obwohl dieser Zusammenhang bekannt ist, und 1986 von der UN-Generalversammlung eine Erklärung zum Recht auf Entwicklung verabschiedet worden ist, leben weltweit über eine Milliarde Menschen in extremer Armut – oft unter Bedingungen, die sie aus eigener Kraft nicht ändern können. Dabei werden ihnen grundlegende Rechte verweigert: auf Nahrung, auf Bildung oder auf körperliche und geistige Gesundheitsfürsorge.

Wachsende soziale Ungleichheit

Solche Rechte werden nicht umgesetzt, obwohl ausreichend Ressourcen für alle Menschen vorhanden sind. Allerdings sind die Ressourcen sehr ungleich verteilt. So besitzt allein ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des weltweiten Vermögens (Quelle: Studie Oxfam), es besitzen die wohlhabendsten 20 Prozent der Weltbevölkerung 84 Prozent des globalen Haushaltseinkommens. Die Schere zwischen Armut und Reichtum wird weltweit immer größer und lässt hunderte Millionen Menschen in extremer Armut leben. Deshalb muss soziale Ungleichheit, innerhalb und zwischen den Staaten, überwunden werden.

Armut und die Folgen von Armut verletzten tagtäglich die Menschenrechte von unzähligen Menschen weltweit!

Hintergrundinformationen zum Thema Hunger und Armut.

 

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Menschenrechtsinstitutionen und -konventionen

Als eine der ersten Initiativen der Vereinten Nationen verabschiedeten deren Mitgliedsstaaten am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR). Sie enthält 30 Artikel, in denen erstmals die Rechte aller Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft umfassend formuliert wurden.

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Allgemeine Erklärung der Menschenrechte_©GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Menschenrechtsinstitutionen und -konventionen

Internationale Menschenrechtsdokumente

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Als eine der ersten Initiativen der Vereinten Nationen verabschiedeten deren Mitgliedsstaaten am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR).

Sie enthält 30 Artikel, in denen erstmals die Rechte aller Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft umfassend formuliert wurden. Die AEMR ist universell und unteilbar. Die Artikel betreffen wirtschaftliche, soziale, kulturelle, politische und bürgerliche Menschenrechte.

Da es sich bei der AEMR nur um eine Deklaration handelt, ist sie vor allem eine Absichtserklärung der UN-Mitgliedstaaten. Für die rechtliche Gültigkeit dieser erklärten Rechte müssen sie in Konventionen, die internationale Regeln festsetzen, niedergelegt werden.

Hier können Sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte herunterladen.

Thema „Menschenrechte“ und „Geschichte der Menschenrechte“ im Detail.

Internationale Charta der Menschenrechte

1966 wurden die ersten völkerrechtlich verbindlichen Menschenrechtspakte zu den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten (Sozialpakt) sowie zu den politischen und bürgerlichen Rechten (Zivilpakt) von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet.

Zusammen mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bilden diese beiden Menschenrechtspakte die Internationale Charta der Menschenrechte.

Zentrale international geltende Menschenrechtsabkommen

Neben der Internationalen Charta der Menschenrechte gibt es zahlreiche weitere spezielle, internationale Übereinkommen.

Schutz der Menschenrechte

Sobald ein Staat eine Konvention ratifiziert, wird diese für ihn rechtlich bindend. Der Staat akzeptiert darin festgelegte Verfahren, um zu überprüfen, ob die in der Konvention festgelegten Rechte gewährleistet sind, auch wenn dafür nationale Gesetze geändert werden müssen. Monitoring- und Berichtsverfahren dienen der Kontrolle, ob die eingegangenen Verpflichtungen eingehalten und Fortschritte in der Gewährleistung von Menschenrechten erreicht werden.

Völkerrechtlich verbindliche Abkommen dienen Menschenrechtsorganisationen und –aktivist/-innen als Arbeitsbasis. Sie können sich auf diese Positionen berufen, wenn sie von ihren Regierungen Schutz vor Menschenrechtsverletzungen einfordern.

Hier finden Sie mehr zum Thema im Detail.

Internationale Institutionen für Menschenrechte

Vereinte Nationen:

UN-Generalversammlung

UN-Sicherheitsrat

UN-Menschenrechtsrat

UN-Hochkommissariat für Menschenrechte

Internationaler Strafgerichtshof

Weitere Menschenrechtsorgane der UNO finden Sie hier.

Daneben gibt es zahlreiche nationale und regionale Menschenrechtsinstitutionen, wie in Europa die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), den Europarat und die Europäische Union.

Auf dem afrikanischen Kontinent spielt dabei die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), die 2002 in die Afrikanische Union (AU) überführt wurde, eine wichtige Rolle. Es gibt dort eine Afrikanische Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker sowie Afrikanische Gerichtshöfe.

Afrikanisches Menschenrechtsabkommen

Auch wenn die in den UN-Konventionen festgeschriebenen Menschenrechte für alle gelten, gibt es zusätzliche Menschenrechtsschutzsysteme in den unterschiedlichen Weltregionen. Die regionalen Menschenrechtskonventionen sollen die UN-Konventionen verstärken.

Dazu zählt beispielsweise die Afrikanische Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker. Diese wird auch Banjul-Charta genannt und wurde auf dem 18. Treffen der Staats- und Regierungschefs der Organisation für Afrikanischen Einheit (OAU) am 27. Juni 1981 in Nairobi einstimmig verabschiedet. Am 21. Oktober 1986 trat sie in Kraft; sie wurde von allen afrikanischen Staaten ratifiziert. Damit ist sie das mitgliederstärkste regionale Menschenrechtsabkommen weltweit.

Die Banjul-Charta ist in drei Teile gegliedert: Rechte und Pflichten (Art. 1-29), Maßnahmen zum Schutze der Menschenrechte und Rechte der Völker (Art. 30-63) und Allgemeine Bestimmungen (Art. 64-68).

Zu ihren Besonderheiten gehört, dass sie

  • anders als europäische oder amerikanische Konventionen wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ebenso abdeckt wie bürgerliche und politische Rechte.
  • über die individuellen Rechte hinaus auch kollektive Rechte von Völkern schützt.
  • anerkennt, dass Personen nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben. Sie führt bestimmte Pflichten des Einzelnen gegenüber der Familie, der Gesellschaft, dem Staat und der internationalen Gemeinschaft auf. (Quelle: DIMR, Kompass)

Ausführlichere Informationen zur Afrikanischen Charta finden Sie hier.

Hier können Sie die Afrikanische Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker lesen.

Weitere regionale Menschenrechtsabkommen finden Sie hier.

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