Wie Smartphones und Kinderarbeit zusammenhängen

21.01.2016: Ein Bericht von Amnesty International und Afrwatch zeigt, wie die Förderung von Kobalt, das in Handys genutzt wird, mit Kinderarbeit zusammenhängt.

Wie Smartphones und Kinderarbeit zusammenhängen

Weltweit nimmt die Nutzung von Handys, Tablets und Laptops zu. Zu oft gerät dabei aber in Vergessenheit, was für negative Folgen das in anderen Teilen der Welt haben kann – wie zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo. Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalt – einem Material, dass für die Herstellung von Batterien und Akkus notwendig ist – kommt aus der DR Kongo.

Kobalt wird seit längerer Zeit als „Konfliktmaterial“ eingestuft. Ein von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und Afrewatch am Dienstag veröffentlichter Bericht bestätigt dies noch einmal und zeigt auf, wie die Produktion von Akkus für Laptops und Smartphones Kinderarbeit fördert.

Weit verbreitete Kinderarbeit

In den Kobaltminen der DR Kongo ist Kinderarbeit laut dem Bericht von Amnesty International weit verbreitet. Tausende Kinder – manche gerade einmal sieben Jahre alt – arbeiten täglich bis zu zwölf Stunden unter prekären Bedingungen. Täglich verdienen sie dabei gerade einmal ein bis zwei Dollar. Obwohl die Arbeit in den Kobaltminen die Lungen angreifen und zu dauerhaften Atemwegserkrankungen führen kann, arbeiten die Kinder meist ohne jegliche Sicherheitsausrüstung wie Atemschutzmasken oder Handschuhen. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schätze, dass 2014 rund 40.000 Minderjährige in den Kobaltminen im Süden der DR Kongo beschäftigt waren.

Obwohl in der DR Kongo die Grundschule theoretisch kostenfrei ist, fallen praktisch trotzdem Extrakosten – wie für die Schuluniform oder Lernmaterialien – an, die sich die meisten Familien nicht leisten können. Auch die Kinder, die eine Schule besuchen, müssen oft trotzdem in der wenigen freien Zeit, die sie haben, in den Kobaltminen arbeiten, um sich die Bildung überhaupt leisten zu können.

Vertrag zur Abschaffung von Kinderarbeit in Minen

Nachdem die kongolesische Regierung immer wieder von Nichtregierungsorganisationen, den Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation wegen der weit verbreiteten Kinderarbeit in die Kritik gekommen ist, wurde 2011 ein Plan entworfen, der Kinderarbeit bis 2020 beenden soll. Doch auch fünf Jahre später wurde dieser Plan noch nicht offiziell verabschiedet.

Internationale Unternehmen betroffen

Laut dem Bericht von Amnesty International sind auch große Hersteller wie Apple, Samsung und Sony betroffen, da sie nicht ausschließen könnten, dass sich von Kindern gefördertes Kobalt in ihren Handys, Laptops und Smartphones befindet. Die Firma Apple teilte Amnesty International mit, dass man noch dabei sei, in den Produkten verwendete Materialien auf Umwelts- und Arbeitsrisiken zu prüfen. Autohersteller Daimler wiederum gab an, die Lieferketten seien zu komplex, um genau nachvollziehen zu können, ob auch durch Kinderarbeit gefördertes Kobalt in ihren Autos Verwendung finden würde.

Amnesty International fordert, dass Produzenten ihre Bemühungen verstärken, um zu verhindern, dass Batterien, die von Kindern gefördertes Kobalt enthalten, in ihren Produkten genutzt werden. „Alle an der Kobalt-Lieferkette beteiligten Unternehmen müssen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachkommen und dies auch öffentlich machen. Falls sie von Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette erfahren, müssen sie sofort Abhilfe leisten – so wie es die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verlangen“, fordert Verena Haan von Amnesty International Deutschland.

Kinderarbeit Kobalt

Die Lieferketten des in der DR Kongo abgebauten Kobalt bis zum Handel auf dem Weltmarkt.

Quelle: Amnesty International und Afrewatch

Den ganzen Bericht von Amnesty International finden Sie hier.

Foto: Mining in Kailo, von Julien Harneist, CC BY-SA 2.0