Aus Abfall wird Energie: Afrikapreis für Innovationen 2021 für Biogasanlage

Für seine Biogasanlage, die Kleinbäuerinnen und -bauern in Côte d’Ivoire zu Nebeneinnahmen verhelfen kann, gewann der Chemieingenieur Noël N'guessan den Afrikapreis für Innovationen 2021.

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Aus Abfall wird Energie: Afrikapreis für Innovationen 2021 für Biogasanlage

Noël N’guessan entwickelte die kostengünstige Biogasanlage “Kubeko”, die Bioabfälle zu Energie weiterverarbeitet. Dafür werden landwirtschaftliche Ernteabfälle kompostiert. Bei diesem Prozess entstehen trockener und feuchter Kompost sowie Gas, das zum Kochen verwendet werden kann. 

Die Geräte können Kleinbäuerinnen und -bauern dabei helfen, Bioabfälle effizient zu nutzen und zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. Sie ermöglichen ihnen und ihren Familien, ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand mehr Einkommen aus den Nebenprodukten ihrer Ernte zu erzielen.  

N’guessan ist der erste Ivorer, der mit einer in Côte d’Ivoire entwickelten Innovation den Afrikapreis gewinnt.  

Aus Abfall werden Nebeneinkünfte 

„Bioabfälle machen das Zwei- bis Fünffache der verkauften Ernten oder Produkte aus, d. h. 30 Millionen Tonnen Abfall, die jährlich in Côte d’Ivoire entsorgt werden“, so N’guessan. „Durch die Wiederverwendung dieser Abfälle kann Kubeko den Ivorern helfen, ein zusätzliches Einkommen zu erzielen, was das Leben von Tausenden von Landwirten und ihren Familien erheblich verbessert.“  

Senkung der Produktionskosten, um Kubeko erschwinglicher zu machen 

Seitdem das Kubeko-Team in die engere Wahl für den Afrikapreis gekommen ist, hat es seine Produktionskosten von 800 auf 700 Dollar verringert, was seine Produkte finanzierbarer macht. Das Team hat zwei Biogasanlagen in Betrieb genommen und bisher 50 Komposter auf Kakao-, Palmöl- und Mangofarmen installiert. Kubeko wurde auch vom Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung in Côte d’Ivoire beauftragt, im Rahmen der nationalen Kompostierungs- und Bioabfallstrategie des Ministeriums mögliche Nutzerinnen und Nutzer in der Verwendung von Kubeko zu schulen.  

Afrikapreis für Innovationen unterstützt aufstrebende Talente 

Die britischen Royal Academy of Engineering verleiht den Afrikapreis für Innovation seit 2014. Er ist Afrikas größter Preis für technische Innovationen und hat viele heute erfolgreiche Ingenieurinnen und Ingenieure entdeckt. In seinem siebten Jahr unterstützt der Preis talentierte afrikanische Unternehmerinnen und Unternehmer aus Ländern südlich der Sahara, die technische Innovationen entwickelten und damit wichtige Probleme in der Gesellschaft auf neue Weise angehen.  

Mentoring der Teilnehmenden vor der Preisverleihung 

Sechzehn Erfinderinnen und Erfinder aus acht Ländern südlich der Sahara, die in die engere Wahl gekommen waren, wurden acht Monate begleitet, entwickelten ihre Geschäftspläne und lernten, ihre Innovationen zu vermarkten. Die Gruppe wurde darin geschult, effektiv zu kommunizieren, sich auf Kunden zu konzentrieren und selbstbewusst auf Investierende zuzugehen.  

Networking für die Zukunft 

Der Afrikapreis stellt außerdem Kontakte zu Menschen und Netzwerken im Vereinigten Königreich und in ganz Afrika her, die ihre geschäftliche und technologische Entwicklung beschleunigen können – von anderen Unternehmerinnen und Unternehmern hin zu potenziellen Investierenden und Lieferunternehmen. 

Englische Übersetzung des Artikels “First Ivorian-based innovation wins the Africa Prize for Engineering Innovation” von Robin Whitlock vom 13.07.2021 aus dem Renewable Energy Magazine. 

04.08.2021

Die dritte Welle in Afrika

Im Juli 2021 stieg die dritte Corona-Welle in Afrika stark an. In nur einer Woche meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Anstieg der Todesfälle um über 40 %. Der Impffortschritt verläuft hingegen nur schleppend.

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Die dritte Welle in Afrika

Die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation für Afrika Dr. Matshidiso Moeti, welche für ihre lange Erfahrung im Amt und bedächtigen Aussagen bekannt ist, teilte Anfang Juli in einer eindringlichen Nachricht mit, dass die dritte Welle Afrika sehr stark treffen würde und dass es zu einer Tragödie kommen könnte.  

Gründe für die dritte Welle: Delta-Variante und fehlender Impfstoff 

Schuld daran ist die Delta-Variante des Covid-19-Virus und der fehlende Impfstoff in den meisten afrikanischen Ländern. Erst 3,2 % der Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent sind mindestens einmal geimpft. Zum Vergleich: in der EU sind es 58,3 % (Stand 29.07.2021, Our World in Data). 

Unterschiedliche Probleme 

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Erde, mit über 1,3 Milliarden Menschen auf 55 Länder verteilt. Dass sich die Situationen in den einzelnen Ländern unter anderem stark voneinander unterscheidet, sollte klar sein.  

Der Mythos, das Corona-Virus würde Afrika aufgrund des jungen Durchschnittsalters und viel Aktivität an der frischen Luft “verschonen”, wurde von den aktuellen Ereignissen widerlegt.  

Überlastete Krankenhäuser und fehlender Impfstoff in Uganda 

Das größte Problem in den meisten Ländern ist der fehlende Impfstoff. In Uganda beispielswiese kamen im März nur eine Millionen Impfdosen AstraZeneca über die COVAX-Initiative an. Damit konnte nur ein Bruchteil der über 44 Millionen Menschen im Land geimpft werden.  

Im Juli waren die Krankenhäuser im ganzen Land überlastet, Sauerstoff wurde knapp und viele Menschen mussten ihre Verwandten zuhause selbst versorgen. In Uganda kostet eine Behandlung auf der Intensivstation 2000 € pro Tag, das können sich die meisten Menschen nicht leisten. Auch die Corona-Behandlungszentren sind überfüllt und nicht ausreichend ausgestattet. Nun droht die Regierung mit mehrmonatigen Haftstrafen für das nicht Einhalten von neuen Lockdown-Maßnahmen.  

Vielzahl der Coronatoten in Südafrika tauchen nicht in Statistik auf 

Auch in Südafrika war die Lage zuletzt bedrohlich: Anfang Juli wurde eine Übersterblichkeit von 3.200 Menschen innerhalb einer Woche verzeichnet, die Behörden gaben allerdings nur 700 offizielle Corona-Tote an. Es wird vermutet, dass teilweise nur die Toten in den Statistiken auftauchen, die auf Corona-Intensivstationen starben. Es ist wahrscheinlich, dass es in anderen Ländern zu vergleichbaren Situationen kommt. 

In Tansania startet die Impfkampagne unter neuer Präsidentin 

Bessere Nachrichten kommen aus Tansania, dort startete am 28. Juli die erste Impfkampagne des Landes. Der ehemalige Präsident Tansanias Magufuli hatte, statt auf Impfungen, auf heilende Gebete gesetzt. Die neue Präsidentin Samia Suluhu Hassan, hatte sich nun am 28. Juli als eine der ersten Personen impfen lassen, um die Vorurteile und Ängste der Bevölkerung zu verringern. In Tansania sollen zunächst medizinisches Personal, Ältere und Menschen mit Vorerkrankung geimpft werden. Doch auch in Tansania gab es für 58 Millionen Menschen nur eine Millionen Dosen Johnson und Johnson. 

Impfskepsis führt zur Vernichtung von Impfdosen im Kongo  

Im Kongo hingegen müssen nun wahrscheinlich 300.000 Impfdosen vernichtet werden, da das Ablaufdatum überschritten wurde. Im März hatte der Kongo 1,7 Millionen Dosen AstraZeneca durch COVAX erhalten, 1,3 Millionen davon allerdings bald an andere Länder weitergegeben, da zu erwarten war, dass viele Menschen im Kongo sich nicht impfen lassen würden. 

Neben der schlecht ausgebauten Infrastruktur gab es eine große Impfskepsis im Kongo. Ausgelöst durch die Thrombosewarnungen durch AstraZeneca, falsche Informationen und fehlende Kommunikation.  

Auch in Deutschland wurde AstraZeneca nach Informationen über die möglichen Gefahren einer Hirnthrombose kaum mehr verimpft, da die Menschen lieber auf andere Impfstoffe zurückgriffen. Im Kongo wird nun darauf gehofft, dass bei der nächsten Lieferung von COVAX auch Impfstoffe der Hersteller BioNTech-Pfizer oder Moderna dabei sein werden. 

Afrikanische Länder wollen selbst Impfstoff produzieren 

Mehrere Länder in Afrika wollen nun mit der eigenen Produktion von Impfstoff beginnen. Darunter der Senegal, hier soll ab 2022 Impfstoff hergestellt werden. In Südafrika soll zunächst einmal nur Impfstoff abgefüllt werden, dies allerdings schon in näherer Zukunft, so das Unternehmen BioNTech-Pfizer. 

Ungleiche Verteilung des Impfstoffes  

Zurzeit stellt die ungleiche Verteilung des Impfstoffes auf der Welt das größte Problem der Pandemie dar: in den wohlhabendsten Ländern der Erde ist ein immer größerer Teil der Bevölkerung immunisiert. Doch in großen Teilen der Welt ist die nicht der Fall. Die Mutationen des Covid-19-Virus, die dort entstehen wo es noch zu einer Vielzahl von Ansteckungen kommt, werden sich in der ganzen Welt ausbreiten. Es kommt schon bei der aktuellen Delta-Variante dazu, dass auch geimpfte Menschen sich infizieren. 

Auch Deutschland ist Teil des Problems 

Das Horten von Impfdosen von reichen Ländern ist nicht nur egoistisch, sondern bringt niemandem etwas, denn sobald sich Mutationen in Gebieten entwickeln, welche nicht genug Impfstoff haben, können sie sich auf der Welt ausbreiten. 

Auch in Deutschland hatte Gesundheitsminister Spahn Anfang Juli bekanntgegeben, dass er mit 200 Millionen Impfdosen für Deutschland im nächsten Jahr planen will. Während in Deutschland 2022 die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten wird sich ein drittes Mal impfen zu lassen, werden viele Menschen in afrikanischen Ländern aber auch weltweit noch nicht einmal Zugang zu einer einfachen Impfung erhalten haben.

Quelle:   

o. A. / Hoffnung auf Impfstoff “Made in Senegal” vom 22.07.2021 in Tagesschau.  

Van Dijk, L. / “Schlimmer als alles bisher” vom 05.07.2021 in der taz.  

Hoffmann, H. / Heilkräuter statt Sauerstoff vom 15.07.2021 im Spiegel.  

Raupp, J. / Impfskepsis: Kongo muss massenhaft COVID-Vakzin vernichten vom 22.07.2021 in DW.  

Wilhelm, J. P. / COVID-19: Afrika plant die Impfstoff-Revolution vom 02.07.2021 in DW.  

AFP / Samia Suluhu Hassan kicks off Tanzania’s Covid vaccination with first jab vom 28.07.2021 in africanews. 

Könnte Heilpflanze gegen Malaria auch gegen Covid-19 wirken?

Die Heilpflanze Artemisia annua wird in Deutschland Einjähriger Beifuß genannt. Aus dem chinesischen Heilkraut wird der Wirkstoff Artemisinin gewonnen. In Reinform gilt dieser als das bisher wirkungsvollste Mittel gegen Malaria.

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Könnte Heilpflanze gegen Malaria auch gegen Covid-19 wirken?

Malaria ist eine der verbreitetsten Krankheiten auf dem afrikanischen Kontinent. Erst vor kurzem wurde eine wirksame Impfung gegen sie entwickelt. Zur Behandlung wird eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamenten empfohlen. Unteranderem dem Wirkstoff Artemisinin. Der Wirkungsmechanismus des Mittels ist bisher noch nicht vollständig geklärt. 

Pflanzenheilkunde gegen Malaria 

Artemisinin kann aus der Heilpflanze Artemisia annua gewonnen werden, diese Pflanze wird von einigen Menschen selbst im Garten angebaut und als Naturheilmittel gegen Malaria und weitere Krankheiten eingesetzt. 

Tatsächlich wurde in einer Studie die Wirksamkeit von Tee aus der Heilpflanze gegen Malaria nachgewiesen. Hierbei wurde Tee aus den Pflanzen Artemisia annua und Artemisia afra gebrüht. Es zeigte sich, dass Tees aus beiden Pflanzen besser wirkten als herkömmliche Medikamente. Da die Artemisia afra allerdings den Wirkstoff Artemisinin nicht enthält, muss der Erfolg der Heilmittel auf zum Teil unterschiedlichen Wirkungsmechanismen beruhen.  

Artemisinin ein echter Allrounder 

Jedoch nicht nur gegen Malaria kann Artemisinin helfen. Der Wirkstoff wird in vielen weiteren Medikamenten eingesetzt, bspw. zur Behandlung von AIDS oder Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen. Die effiziente Entwicklung von möglichst konzentriertem Artemisinin ist daher von größter Wichtigkeit. Auch, da sich Menschen immer wieder mit Malaria infizieren können, was bedeutet, dass einige Familien ihren Kindern mehrmals im Jahr Medikamente kaufen müssen. Dies ist für einige Familien zu teuer.  

Suche nach effizienter und kostengünstiger Herstellung  

Eine kostengünstige und effiziente Herstellung des Wirkstoffes Artemisinin aus der Heilpflanze wäre die Lösung. Der Potsdamer Forscher Peter H. Seeberger entwickelte ein Verfahren, für welches es nur gehäckselte Pflanzenfette, Luft und Sonne benötigt.  

Solche Methoden könnten durchaus auch in Afrika entwickelt und ausgebaut werden. Kritisiert wird häufig, dass die Pharmaindustrie sich gegen die Forschung an dem Naturheilkraut zu stellen scheint.  

So sprach sich die Weltgesundheitsorganisation gegen die Anwendung von Tees mit Artemisia afra aus, da die Befürchtung im Raum stünde, dass sich eine Resistenz gegen Malariamedikament entwickeln könnte.  

Die Anwendung von Tees gegen Malaria wurde erst wenig erforscht, doch die Chance einer günstigen und effizienten Alternative zu Medikamenten aus Europa oder den USA sollten Grund genug sein, um in tiefergehende Forschungen zu investieren. 

Artemisinin gegen Covid-19? 

2020 kam der Wirkstoff Artemisinin wegen seinen antiviralen Aktivitäten auf den Radar der Forschung gegen das Corona-Virus. 2005 hatten Untersuchungen gezeigt, dass ein alkoholisches Extrakt aus Artemisia annua gegen SARS, einem dem Corona-Virus verwandten Virus, Wirkung zeigte.  

Inspiriert davon, kam es 2020 auch zu einer Studie des Max-Planck-Instituts. Ob der Wirkstoff nun neben Malaria auch erfolgreich gegen das Covid-19-Virus eingesetzt werden kann, wird sich zeigen, die Studie wurde noch nicht abgeschlossen. 

Quellen:

Wildermuth, V. / Afrikanischer Kräutertank als Heilmittel gegen Covid-19? Vom 10.06.2020 in Deutschlandfunk.   

Budinger, V. / Artemisia Annua: Forschung in Deutschland, ungeprüfter Kräutertee in Madagaskar vom 11.05.2020 in der Deutschen Apotheker Zeitung.  

Flähming, R. / Der Kampf mit dem Fieber vom 13.02.2021 in der Süddeutschen Zeitung. 

Eine smarte Brille übersetzt gesprochene Worte in Gebärdensprache – und andersherum!

Der Student Omar Abdel Salam aus Ägypten entwickelte eine smarte Brille, die gesprochene Worte in Gebärdensprache übersetzt und auf einem kleinen Display vor den Brillengläsern abbildet. Die Erfindung funktioniert auch in die andere Richtung: Über einen kleinen Lautsprecher können Wörter akustisch abgespielt werden, die aus der Gebärdensprache übersetzt wurden.

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Eine smarte Brille übersetzt gesprochene Worte in Gebärdensprache – und andersherum!

Omar Abdel Salam, der Entwickler der smarten Brille namens “SensEar Glasses”, ist Student an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Mansoura University in Ägypten und studiert Kommunikation und Informatik.  

Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen gehörlosen und hörenden Menschen 

Er startete sein Projekt 2015, als ihm klar wurde, dass der Großteil der Menschen keine Gebärdensprache beherrscht und gehörlose Menschen dadurch häufig darauf angewiesen sind durch das Lesen und Schreiben von Wörtern zu kommunizieren. Dies funktioniert allerdings nicht, wenn Menschen weder lesen noch schreiben können. Unabhängig davon, ob es sich dabei um die gehörlose oder hörende Person handelt, kann in diesem Falle nicht direkt kommuniziert werden.  

Smarte Brille soll Gebärdensprache übersetzen 

Abdel Salam kam die Idee zu einer smarten Brille, die gesprochene Sprache in Gebärdensprache übersetzt und andersherum. Dadurch könnten hörende Personen, Menschen verstehen, die in Gebärden kommunizieren und andersherum könnten diese sprechende Menschen verstehen.  

Vor allem Menschen, die weder lesen noch schreiben können, könnten so einfacher mit Menschen kommunizieren und sich leichter in das Gemeinschaftsleben einbringen.  

Andere Innovationen zur Vereinfachung der Kommunikation von gehörlosen Menschen 

Zunächst recherchierte Abdel Salam nach wissenschaftlichen Innovationen auf diesem Gebiet. An der Washington University wurde er fündig: Dort hatten Wissenschaftler Handschuhe und eine Software entwickelt, die Gebärdensprache in Echtzeit in gesprochene Worte übersetzen konnten. Diese Handschuhe sind allerdings auf 660 Zeichen limitiert und helfen nur hörenden Menschen dabei, Gebärden zu verstehen und nicht umgekehrt.  

Auch bei Google wurde Abdel Salam fündig: Google entwickelte eine Brille, die gesprochene Wörter in Schrift umwandelte und diese auf einer Linse vor den Brillengläsern abbildet. Allerdings wurde diese Brille eher für schwerhörige Menschen entwickelt. Zudem gibt Abdel Salam zu denken, dass viele gehörlose Menschen nicht gut lesen können. 

Anteil an funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten unter Gehörlosen sehr hoch 

In Deutschland sind etwa 80 % der gehörlosen Menschen funktionale Analphabetinnen und Analphabeten, bei hörenden Personen liegt der Anteil bei etwa 13 %. Funktionaler Analphabetismus liegt vor, wenn eine Person zwar einzelne Wörter lesen und bspw. Den eigenen Namen schreiben kann, allerdings zu stark eingeschränkt ist, um in angemessener Form am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.   

Der hohe Anteil bei gehörlosen Menschen ist damit begründet, dass die Gebärdensprache eine eigene Sprache mit eigener Grammatik ist. Die deutsche Schriftsprache hat eine vollkommen andere Grammatik und muss somit wie eine komplett neue Sprache erlernt werden. Dies erschwert das Lernen von Lesen und Schreiben.  

Ein langer Prozess zur praktisch anwendbaren smarten Brille 

Abdel Salam entwickelte mehrere aufeinander aufbauende Modelle seiner smarten Brille. Zunächst handelte es sich erst um ein Programm auf einem Smartphone, welches gesprochene Wörter in Zeichensprache übersetzte. In den nächsten Schritten wurde die Zeichensprache vor der Linse von Brillen abgebildet, teilweise verwendete er dafür Virtual-Reality-Technologien. Mit der Zeit schaffte er es die Größe und das Gewicht der Brille zu reduzieren. Auch die Anzahl an Wörtern, die übersetzt werden konnte, stieg mit der Zeit an.  

In seinem siebten Modell schaffte er es, die praktische Anwendung der Brille stark zu verbessern: Mit Hilfe eines kleinen Lautsprechers an der Brille kann die übersetzte Zeichensprache in gesprochene Wörter abgespielt werden. So kann mit der Brille nun auf einfache Weise in beide Richtungen kommuniziert werden. 

Smarte Brille könnte zum „Lesen” von Büchern verwendet werden 

Zurzeit arbeitet Abdel Salam an einem Update, welches es möglich machen soll, dass geschriebene Wörter und ganze Bücher durch die Brille in Zeichensprache übersetzt werden können. So kann gehörlosen Menschen, die nicht lesen können, der Zugang zu Büchern und Bildung ermöglicht werden.  

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels “Smart glasses” may solve the problems of the deaf and dumb .. What did Omar Abdel Salam do? von Moataz Ghoneim in RUETIR vom 16.05.2021 (ursprünglich in skynewsarabia vom 16.05.2021). 

21.07.2021 

Die Hungersnot in Madagaskar – eine Folge des Klimawandels

In Madagaskar herrscht eine schwere Hungersnot. Durch mehrere Dürrejahre in Folge kam es zu hohen Ernteausfällen. 400.000 Menschen sind vom Hungertod bedroht.

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Die Hungersnot in Madagaskar – eine Folge des Klimawandels

In Madagaskar waren die letzten Jahre von großer Trockenheit und Dürre geprägt, 2021 trat nun die schlimmste Dürre seit 40 Jahren ein. Infolgedessen und aufgrund verheerender Sandstürme wurden Felder unbestellbar.  

Viele Madagassinnen und Madagassen sind auf Ernteerträge angewiesen 

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und hat etwa die 1,6-fache Größe Deutschlands. Auf der riesigen Insel leben etwa 27 Millionen Menschen. Im Süden des Landes versorgen sich 90 % der Bevölkerung selbst. Das bedeutet sie züchten Vieh und bauen Getreide und andere Lebensmittel auf ihren Feldern an.  

Verschlimmerung der Hungersnot durch die Corona-Pandemie 

Die Corona-Pandemie sorgt zudem dafür, dass Einnahmen wegfallen, Lieferketten durchbrochen sind und die Preise von Grundnahrungsmitteln steigen.  

Dies führt dazu, dass zurzeit 400.000 Menschen auf Madagaskar vom Hungertod bedroht sind. Der Landesleiter der Welthungerhilfe vor Ort gibt an, dass Menschen Insekten, Lehm und Blätter essen. Im aktuellen Welternährungsbericht heißt es, dass weltweit 10 % der Menschen unterernährt sind.  

Hunger als globales Problem  

Laut Weltbank leiden etwa 270 Millionen Menschen an Hunger. Die internationale Staatengemeinschaft setzte sich 2015 das Ziel, den Hunger bis 2030 zu stoppen. Allerdings könnten laut Prognosen bis 2050 sogar 80 Millionen zusätzliche Menschen von Hunger, in Folge von Dürre, ausfallenden Ernten und steigenden Preisen betroffen sein. 

Hungersnot in Madagaskar als Folge des Klimawandels 

Die Menschen, die in Madagaskar verhungern, sterben weder an Kriegen noch an Konflikten, sondern an den Folgen des Klimawandels. Obwohl die Länder des globalen Südens am wenigsten Treibhausgase ausstoßen, sind die klimatischen Folgen dort am verheerendsten.  

Klimakatastrophen und Hungersnöten sind häufige Fluchtursachen 

Bis 2050 könnten 143 Millionen Menschen gezwungen sein, in Folge des Klimawandels aus ihrer Heimat zu fliehen. In Afghanistan bspw. flüchten schon heute mehr Menschen vor Trockenheit und Überflutung als vor terroristischen Angriffen der Taliban.  

Die Agenda 2030 und die 17 Ziele 

Mit der Agenda 2030 verpflichteten sich alle 193 Staaten, die den so genannten “Zukunftsvertrag” unterschrieben, allen Menschen der Erde bis 2030 ein Leben in Würde zu ermöglichen. Vor allem die wohlhabenderen Länder stehen in der Pflicht zu handeln.  

Vernetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung 

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die in der Agenda 2030 beschlossen wurden, müssen immer vernetzt betrachtet werden. Um Hungersnöte wie in Madagaskar zu verhindern, müssen mehrere Ziele verfolgt werden:  

Zunächst liegt das wichtigste Ziel auf der Hand: Ziel 2 – Kein Hunger. Um dies zu erreichen, ist es allerdings notwendig Ziel 1 “Keine Armut” und Ziel 13 “Maßnahmen zum Klimaschutz” mit einzubeziehen. Zu diesen Maßnahmen gehört es bspw., dass unser wachsender Energiebedarf in Zukunft nur noch durch klimaneutrale Quellen gedeckt werden soll. Armut kann durch hochwertige Bildung (Ziel 4) und Geschlechtergleichheit (Ziel 5) verhindert werden. Auch das 16. Ziel “Friede, Gerechtigkeit und starke Institutionen” spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Armut.  

Akute Hilfe und langfristige Lösungen sind nötig 

Zurzeit ist akute Hilfe durch Nahrungsmittel in Madagaskar essentiell und für viele der Menschen überlebensnotwendig. Um zukünftige Ereignisse dieser Art zu vermeiden, müssen langfristige und nachhaltigere Lösungen angegangen und umgesetzt werden.  

Falls auch Du Dich für die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung einsetzen möchtest, gibt es hier einen interessanten Artikel für Dich.  

Quellen:

o. A. / Hunderttausenden droht der Hungertod vom 26.06.2021 in der Tagesschau.  

Büscher, G. / Madagaskar: Wenn Corona und Hungersnot aufeinandertreffen vom 13.07.2021 in der WAZ.  

21.07.2021

WhatsApp-Alternativen aus Afrika

WhatsApp ist der wichtigste Messenger-Dienst in Afrika südlich der Sahara. Alternative Apps wie Ayoba und Moya Messaging bieten jedoch vielversprechende Zusatzfunktionen, die auf spezielle regionale Bedürfnisse angepasst sind.

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WhatsApp-Alternativen aus Afrika

Weltweit verwenden zwei Milliarden Menschen WhatsApp mindestens einmal im Monat. In Nigeria ist WhatsApp sogar die meistgenutzte Messenger-App, mit 90 Millionen Nutzenden! In Kenia ist WhatsApp für etwa die Hälfte des Datenflusses im Internet verantwortlich.  

Vorteile von WhatsApp 

Einige Mobilfunkunternehmen bieten “WhatsApp-Pakete” an. Diese sind günstiger als gewöhnliche Datenpakete und rentieren sich sowohl für WhatsApp als auch die Mobilfunkunternehmen.  

Gerade diese Pakete erschweren den Markteintritt von kleineren Messenger-Diensten, obwohl diese zum Teil sehr praktische Zusatzfunktionen beinhalten.  

Alternativ-Messenger Ayoba ist in vielen Sprachen erhältlich 

Zum einen wäre da die Messenger-App Ayoba. Sie wurde in Südafrika von dem Mobilfunkunternehmen MTN entwickelt und ist in 22 Sprachen erhältlich: unter anderem in afrikanischen Sprachen wie Hausa, Igbo, Kinyarwanda, isiXhosa, isiZulu, Swahili und Yoruba.  

Die App hat neben dem Direktnachrichtensystem viele Zusatzfunktionen . Es ist gibt beispielsweise mehr als 100 Informationskanäle in den verschiedensten Bereichen, über Sport, Musik, Politik, Kultur und vieles mehr. Alle Inhalte werden von einer Redaktion darauf geprüft, ob sie jugendfrei sind.  

Ayoba lässt die Kommunikation mit ausschließlich SMS-fähigen Handys zu 

Eine Besonderheit der App ist es, dass sie eine barrierefreie Kommunikation zwischen Smartphones und älteren 2G-Mobiltelfonen zulässt. Denn Nachrichten, die über Yoruba an ein Telefon geschickt werden, auf dem die App nicht installiert ist, werden einfach in SMS umgewandelt. Umgekehrt werden SMS einfach in die Messenger-Software übersetzt. Dies ist ein Vorteil, da die Mehrheit der Menschen in Afrika südlich der Sahara noch kein Smartphone haben.  

In Zukunft will MTN ein Bezahlsystem in die App integrieren, mit dem Nutzerinnen und Nutzer einfach über ihr Telefon bezahlen können. Auch das Musik- und Video-Streamen soll in Zukunft über Yoruba möglich sein.  

Moya Messaging funktioniert ohne eigene mobile Daten 

Eine weitere interessante Messenger-App ist Moya Messaging. Denn diese App ist nicht nur komplett kostenlos wie die meisten anderen Messenger-Dienste, sie verbraucht auch nicht die mobilen Daten der Nutzenden. Das bedeutet, es fallen auch keine Extrakosten an ein Mobilfunkunternehmen an. Dies wird durch Videowerbung möglich, welche den Nutzenden von Zeit zu Zeit vorgespielt wird.  

Zahlen mit der Moya-Messaging-App 

Zudem hat Moya schon ein Zahlungssystem integriert: Moya Pay. Dies verwenden viele Klein- und Kleinstunternehmenden, die so eine alternative Zahlungsmöglichkeit zum Bargeld anbieten können.  

Bis jetzt hat Moya Messaging 4,5 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer und Ayoba 5,5 Millionen. Ob sich die zwei Dienste in Zukunft durchsetzen werden, wird sich zeigen. Die Zusatzfunktionen sind auf jeden Fall vielversprechend! 

Quellen:

Knupp, M. / Streaming und FinTech aus Südafrika in Germany Trade & Invest vom 21.05.2021.  

Fröhlich, S. / Afrika: Es muss nicht WhatsApp sein in DW vom01.07.2021.  

Ousmane Sembènes ausgezeichneter Film “Mandabi” restauriert und ins Deutsche übersetzt

Ousmane Sembène wird als Vater des afrikanischen Kinos bezeichnet. Sein zweiter Langspielfilm “Mandabi” feierte 1968 seine Erstveröffentlichung. Nun wurde der Film in einer 4K Auflösung restauriert und erstmals auf Deutsch veröffentlicht.

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Ousmane Sembènes ausgezeichneter Film “Mandabi” restauriert und ins Deutsche übersetzt

Inhalt des Films 

Die Drama-Komödie “Mandabi” handelt von Ibrahima Dieng, einem arbeitslosen Mann in Dakar. Dieser erhält eines Tages eine Postanweisung von seinem Neffen aus Paris. Eine Postanweisung ist eine Geldsendung von einer Poststelle zur anderen.  

Diengs Neffe schickt ihm 20.000 Franc, wovon er allerdings nur 2.000 behalten soll. Das restliche Geld soll er für seinen Neffen und dessen Mutter aufbewahren. Ibrahim Dieng hat eine große Familie zu versorgen. Als diese Familie, Nachbarn und Freunde Wind von dem angeblichen Reichtum Diengs bekommen, sehen sie ihre Chance der Armut zu entfliehen.  

Das Problem ist allerdings nicht nur, dass nur ein Zehntel des Geldes für Dieng und seine Familie gedacht ist, sondern zudem, dass ein Ausweis nötig ist, um die Postanweisung abzuholen. Da Dieng weder Ausweis noch Geburtsurkunde besitzt, beginnt für ihn eine nervenaufreibende Reise durch die korrupte senegalesische Bürokratie.  

Der Film “Mandabi” basiert auf einer Kurzgeschichte von Ousmane Sembène. Im Film wird die senegalesische Gesellschaft tief ironisch und gezeichnet von Kolonialismus, Korruption, Gier und Armut dargestellt. 

“Mandabi” ist der erste lange Spielfilm auf Wolof 

“Mandabi” ist der erste Film, der in der afrikanischen Sprache Wolof gedreht wurde. Drehbuchautor und Regisseur Ousmane Sembéne hatte den Wunsch einen Film zu produzieren, der für den Großteil der senegalesischen Gesellschaft zugänglich ist. Obwohl Französisch die Amtssprache Senegals ist, verstehen mehr als 66% der Menschen diese Sprache nicht. Wolof hingegen ist weit verbreitet und wird von 80% der Bevölkerung gesprochen.  

Ousmane Sembène als Vater des afrikanischen Kinos 

Ousmane Sembène gilt als der Vater des Kinos in Afrika südlich der Sahara. “Mandabi” zählt zu seinen brillantesten und lustigsten Filmen. 1968 wurde er bei den 29. Filmfestspielen Venedigs mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt Sembène den Sowjetischen Regiepreis des Taschkent Film Festival of African and Asian Cinema. 

Restauration und Übersetzung ins Deutsche 

Nun wurde der Film restauriert und mit neuem Artwork des nigerianischen Künstlers Adekunle Adeleke versehen. Der restaurierte Film wurde 2019 beim Lumiere Festival in Lyon präsentiert und ist seit dem 24.06.2021 auf DVD in deutscher Sprache erhältlich.   

Weitere Infos:  

Studiocanal: MANDABI / DIGITAL REMASTERED 

Nairobis Matatus – Popkultur auf Kleinbussen

In Nairobi sind Matatus die häufigsten Fortbewegungsmittel. Dabei handelt es sich um Kleinbusse, die den öffentlichen Nahverkehr in Kenias Hauptstadt prägen. Wegen der großen Konkurrenz dreht sich alles darum die Kleinbusse so unterschiedlich und auffällig wie möglich zu bemalen und auszubauen.

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Nairobis Matatus – Popkultur auf Kleinbussen

Matatus – die wichtigsten Fortbewegungsmittel Nairobis 

Kenias Hauptstadt Nairobi ist eine ständig wachsende Stadt mit einer einzigartigen Identität. Das zeigt sich auch im öffentlichen Nahverkehr der Stadt. 

Die vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Nairobis werden tagtäglich von einer großen Menge an Kleinbussen hin- und her transportiert. Diese Kleinbusse haben schon eine große Berühmtheit erlangt und sind unter den Namen Matatus bekannt.  

Konkurrenzkampf wird zu Kreativität 

Über die Zeit hat sich die Matatu-Industrie von einem praktischen Beförderungsdienst hin zu einer blinkenden aufregenden Kultur verwandelt. 

Aber weshalb machen sich die Anbietenden von Matatu-Fahrten so einen großen Aufwand mit dem Ausbau ihrer Busse, wenn diese doch scheinbar nur für den öffentlichen Verkehr gebraucht werden? 

Die Konkurrenz ist groß: Um aus der Menge an verschiedenen Matatus herauszustechen, ließen die Betreibenden immer auffälligere Bilder auf ihre Kleinbusse malen. 

Die Matatus sind mit den unterschiedlichsten Bildern und Schriftzügen geschmückt, von Filmtiteln und -charakteren über Religionsbekundungen, lokalen und internationalen Prominenten und vielen weiteren Motiven ist alles dabei. Auch leuchtende LED-Buchstaben gibt es an einigen Matatus zu bestaunen. 

Ihre Innenräume sind mit hochwertigen Soundsystemen ausgestattet, damit die Kundinnen und Kunden die Musik auf der Fahrt zu ihrem Ziel in bester Soundqualität genießen können. 

Der Matatu-Fahrer Moses glaubt, dass durch die Verzierungen eine ganz bestimmte Altersgruppe von Kundinnen und Kunden angesprochen wird. Ein weiterer Fahrer meint, dass sich die Busse durch die aufwändige Bemalung und Soundanlagen schneller füllen würden und die Menschen somit pünktlicher zur Arbeit kommen.  

Dokumentation der Matatu-Kultur 

Brian Wanyama ist der Gründer von “Matwana Matatu Culture”, einer Organisation, welche sich die Dokumentation der neuen Trends in der Matatu-Industrie verschrieben hat und diese über die Grenzen Kenias bekannt machen möchte. Wanyamas Meinung nach sind Matatu-Fahrten mehr als reine Beförderung.  

Die Matatu-Kultur erreichte schon internationale Aufmerksamkeit durch das Forbes-Magazin, welches die Fahrt mit einem der Kleinbusse jedem Besuchenden Nairobis ans Herz legt und als eine der besten Erlebnisse in der Hauptstadt beschreibt. 

Stetige Veränderung durch popkulturelle Trends 

Da die Kultur der Matatus von popkulturellen Trends beeinflusst wird, verändern sich die Kleinbusse ständig – doch durch Wanyamas Organisation bleiben wenigstens Bilder der Kunstwerke erhalten! 

Übersetzung des Artikels “Nairobi’s Matatus, pimped-up rides like no other” Agak, R. in africanews vom 17.06.2021. 

Datum: 02.07.2021 

Tsitsi Dangarembga ist Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2021

Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga wurde am 21. Juni 2021 zur Friedenspreisträgerin des Stiftungsrats des Deutschen Buchhandels gewählt.

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Tsitsi Dangarembga ist Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2021

Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga wurde am 21. Juni 2021 zur Friedenspreisträgerin des Stiftungsrats des Deutschen Buchhandels gewählt.

Herero-Anführer Vekuii Rukoro verstorben

Das Oberhaupt der Herero ist am 18. Juni 2021 in Windhoek an Covid-19 gestorben. Vekuii Rukoro hatte in der letzten Zeit immer wieder das deutsch-namibische Aussöhnungsabkommen kritisiert.

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Herero-Anführer Vekuii Rukoro verstorben

Vekuii Rukoro wurde 1954 im damals noch von Südafrika besetzten Südwestafrika, heute Namibia, geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Rechtsanwalt und Geschäftsmann.  

Die einflussreiche Karriere von Vekuii Rukoro 

Schon in den 70er Jahren trat Rukoro in die South West African National Union (SWANU) ein, in der viele Herero organisiert waren. Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 war die SWANU eine von mehreren kleineren Parteien, welche die Dachorganisation Namibia National Front bildeten. Diese Front trat zu den ersten Wahlen Namibias an. Dadurch gelang es Rukoro bei der Verfassungsgebenden Versammlung dabei zu sein und bei der Verfassung Namibias mitzuwirken. 

1990 wurde Rukoro zum Vize-Justizminister ernannt, fünf Jahre später wechselte er die Partei und wurde zum Generalstaatsanwalt. Diesen Posten behielt er bis 2000, als er in die Wirtschaft ging.  

Er leitete den Vorstand der nationalen Fluggesellschaft Air Namibia und war bis 2017 Geschäftsführer der Meat Cooperation Namibia.  

2014 wurde er zum Oberhaupt der Herero ernannt. Diese Entscheidung wurde innerhalb der Volksgruppe teilweise kritisiert. 

Rukoros Forderungen  

In seiner Rolle als “Paramount Chief” der Herero setzte Rukoro sich stark für die Forderung nach Gerechtigkeit bezüglich des Völkermordes ein, der vom Deutschen Reich an den Herero und Nama Anfang des 20. Jahrhunderts verübt wurde.  

Erst Ende Mai dieses Jahrs ergaben die mehr als fünfjährigen Verhandlungen zwischen der deutschen und der namibischen Regierung ein Abkommen, durch welches Deutschland den Völkermord an den Herero und Nama anerkennt und 1,1 Milliarden Euro Hilfszahlungen an Namibia zusagte.  

Kritik am deutsch-namibischen Abkommen 

Dieses Abkommen wurde von Rukoro stark kritisiert. Einerseits, da neben der namibischen Regierung die Oberhäupter und Repräsentierenden der Herero und Nama zu wenig in die Diskussion miteinbezogen worden waren. Andererseits kritisierte er die Summe von 1,1 Milliarden Euro und sah die Höhe dieser als Beleidigung an. Zudem handelt es sich um eine “Hilfszahlung”, die an die namibische Regierung gehen wird, statt um Reparationszahlungen an die Nachkommen der Opfer der deutschen Kolonialmacht in Namibia.  

Vekuii Rukoro verstarb mit 66 Jahren 

Als Rukoro bis zuletzt zu Demonstrationen bspw. gegen den Besuch von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier aufrief, war ihm immer wichtig, dass die Corona-Schutzmaßnahmen von Demonstrierenden beachtet wurden. Nichts destotrotz erlag er nun am 18. Juni einer Covid-19-Infektion. 

Quellen:

Ngutjinazo, O. / Meinung: Vergebliche Entschuldigung für den Völkermord in Namibia in DW vom 11.06.2021. 

Nebe, C. / Herero-Anführer Vekuii Rukoro: Ein kompromissloser Kämpfer ist tot in DW vom 18.06.2021. 

Datum: 28.06.2021

Common Voice – größter öffentlicher Sprachdatensatz

Das Non-Profit-Unternehmen Mozilla entwickelt eine Open-Source-Plattform, um sprachgesteuerte Technologien in jeder lebendigen Sprache möglich zu machen. Dies könnte insbesondere Menschen, die nicht lesen oder schreiben können in Zukunft das Leben erleichtern.

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Common Voice – größter öffentlicher Sprachdatensatz

Heute können viele neue Technologien ganz einfach mit der eigenen Stimme gesteuert werden, ob Smartphone, die Beleuchtung der Wohnung oder sogar Autos. Allerdings sprechen diese Sprachassistenten nicht alle Sprachen der Welt. Weder Apples Sprachassistentin Siri noch Amazons Alexa beherrschen auch nur eine afrikanische Sprache.  

Common Voice als Alternative  

Mozilla ist ein Non-Profit-Unternehmen, das unter anderem den Webbrowser Firefox entwickelte. Im Juni 2017 ging dann die freie Datenbank für Spracherkennungs-Software “Common Voice” online. Die Open-Source-Initiative “Common Voice” gab im Mai 2021 bekannt, dass nun an einem Datensatz zur Sprache Swahili, die unter anderem in Ruanda, Kenia und Tansania gesprochen wird, gearbeitet werden soll. Finanziell unterstützt wird dieses Vorhaben von der deutschen und britischen Regierung und der Bill und Melinda Gates Stiftung. 

Sprachsteuerung diversifizieren 

Common Voice wurde allerdings nicht exklusiv für afrikanische Sprachen entwickelt, vielmehr setzten sich die Entwicklerinnen und Entwickler zum Ziel eine Open-Source-Plattform aufzubauen, die die Grundlagen für sprachgesteuerte Technologien in allen 7.100 “lebendigen Sprachen” legt. Bei lebendigen Sprachen handelt es sich um Sprachen, die heute von einer Sprachgemeinschaft verwendet werden. 

Bis heute wurden 9.000 Stunden Sprachaufnahmen von 160.000 Menschen in 60 verschiedenen Sprachen eingereicht. Für sprachgesteuerte Technologien werden riesige Datenmengen benötigt. Große Unternehmen nutzen dabei Daten, die der Allgemeinheit nicht zugänglich sind. Mozilla möchte mit Common Voice freizugängliche Datensätze schaffen, mit denen jeder und jede eigene Programme entwickeln kann – und das in jeder Sprache. 

Die Common VoicePlattform ist einfach zu bedienen: Auf der Webseite kann man direkt beginnen seine eigene Stimme aufzunehmen und etwas beizutragen. Praktisch sollen fünf verschiedene Sätze vorgelesen und aufgenommen werden. Diese Sätze werden dann in einem nächsten Schritt von mindestens zwei anderen Menschen angehört, diese müssen dann bestätigen, dass sie richtig vorgelesen wurden. Auch diese Aufgabe kann auf der Webseite übernommen werden.  

Nach Hackathon wird Chatbot Mbaza entwickelt 

12 Millionen Menschen in Ruanda sprechen die Sprache Kinyarwanda. Nach einem Hackathon, den Common Voice in der Hauptstadt Kigali veranstaltete, ist Kinyarwanda nun eine der schnellst wachsenden Sprachen der Plattform.Bisher wurden 1.700 Stunden Sprachaufnahmen eingeschickt. 

Infolge des Hackathons entstand das Startup “Digital Umuganda”, welches sich auf Lösungen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz spezialisierte. Umugunda bedeutet “Gemeinschaft” und “Kooperation” in Kinyarwanda.  

Digital Umuganda entwickelte den Chatbot Mbaza mit Hilfe des Datensatzes von Common Voice. Mbaza eröffnet Menschen, die nicht lesen oder schreiben können, einen einfacheren Weg mit lokalen Behörden und Regierungen Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. Beispielsweise durch Spracherkennung, somit können auch Menschen, die nicht schreiben können, Briefe verfassen oder Informationen aus öffentlichen Dokumenten ziehen. Die Kommunikation mit Behörden oder Banken könnte dadurch für Analphabetinnen und Analphabeten erleichtert werden. Dadurch könnten sie ihr Leben auch unabhängiger von anderen führen.  

Sprachsteuerung für alle 

Nun soll Common Voice in Afrika expandieren, begonnen werden soll mit ostafrikanischen Sprachen. Da Common Voice auf die Sprachspenden seiner Community angewiesen ist, wird derzeit der nächste Schritt sein diese Community zu vergrößern.  

Wie wichtig Sprache ist und welche innovativen Lösungen für Verständigungs- und Repräsentationsschwierigkeiten schon entwickelt wurden, könnt ihr in diesen Artikeln nachlesen:  

Student entwickelt Übersetzungssoftware für die Sprache „Fon” 

Afrikanische Schülerinnen und Schüler schreiben Wikipedia-Artikel über ihren Heimatkontinent 

Quelle:  

Baumann, F. / NVIDIA investiert 1,5 Millionen Dollar in Mozillas Common Voice-Projekt in mobile geeks am 16.04.2021. 

Corbley, A. / Siri and Alexa Don’t Support African Languages But This Nonprofit Swooped in to Offer 60 New Voices – Including Welsh im Good News Network vom 09.06.2021 

Datum: 25.06.2021

Designer Pathé Ouédraogo feiert 2021 seine 50-jährige Karriere

Pathé Ouédraogo wurde in den 90er Jahren als Schneider von Nelson Mandela bekannt und ist eine der wichtigsten Fashion-Ikonen Afrikas. Mandela trug 1994 das erste Mal eines von Pathé’Os bunten Hemden, welche als sein Aushängeschild gelten. 2021 feiert Pathé’O sein 50-jähriges Jubiläum als Designer.

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Designer Pathé Ouédraogo feiert 2021 seine 50-jährige Karriere

Als 20-Jähriger verließ Pathé Ouédraogo sein Heimatland Burkina Faso, um an der Cote d’Ivoir Arbeit zu finden. Er wollte auf einer Kakaoplantage arbeiten, dies klappte allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht. Deshalb brachte er sich das Schneidern bei.  

Mit der Zeit machte er sich einen immer größeren Namen, 1987 gewann er die lokale Preisverleihung der “Golden Scissors”. Seinen ersten eigenen Laden eröffnete er in Abidjan, dort ist er noch heute jeden Tag anzutreffen.  

Nelson Mandela trägt Pathé’Os Hemden 

Sein Durchbruch gelang Pathé’O (unter diesem Namen bekannt) 1994 als die Sängerin Miriam Makeba vier seiner Hemden an den ehemaligen südafrikanischen Präsident Nelson Mandela verschenkte. Dieser trug eines der Hemden zu einem Besuch in Frankreich und erwähnte Pathé’Os Namen. Neben Nelson Mandela trugen weitere afrikanische Oberhäupter wie Marokkos König Mohammed VI oder Ruandas Präsident Paul Kagame Pathé Ouédraogos Hemden. 

Pathé’Os Signaturstück sind mit bunten afrikanischen Mustern bedruckte Hemden. Sein Ziel ist es, den Stolz und Respekt vor Afrikas eigener Mode zu steigern. Er designt und produziert seine Stücke zu 100 % in Afrika.  

Luxusmode aus Afrika 

2020 arbeitete Pathé Ouédraogo an der Dior Cruise 2020 Kollektion mit. Durch die Zusammenarbeit wollte Pathé’O zeigen, dass auch afrikanische Mode Haute Couture sein kann.  

100 % Made in Africa 

Heute besitzt Pathé’O Geschäfte in zehn Ländern Afrikas und beschäftigt 60 Mitarbeitende. Außerdem gibt er Workshops für Schneiderlehrlinge. Pathé Ouédraogo möchte nun der nächsten Generation die Werkzeuge mitgeben, um afrikanische Mode zu kreieren und diese mit Stolz zu tragen.  

Quellen:

Salter, S / meet the dior cruise collaborator who dressed nelson mandela in I-D vom 01.05.2019.  

o.A. / 50 YEARS ON, MANDELA’S TAILOR, PATHE’O, IS ON A MISSION TO BOOST AFRICAN FASHION In eyewitness news vom 02.06.2021. 

Hamaji / Pathe O, the designer who dressed royals in Hamajimagazin vom 31.10.2019. 

Datum: 25.06.2021

Gynäkologin Dr. Jemimah Kariuki erhält Auszeichnung der WHO für ihren Einsatz in Kenia

Die 28-jährige kenianische Gynäkologin Dr. Jemimah Kariuki erhält eine Auszeichnung der WHO für ihre Initiative „Wheels for Life“, mit der sie seit April 2020 in Nairobi dafür kämpft, Schwangeren den Zugang zu medizinischer Versorgung zu sichern.

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Gynäkologin Dr. Jemimah Kariuki erhält Auszeichnung der WHO für ihren Einsatz in Kenia

Angefangen hatte alles mit einem Twitter-Beitrag von Jemimah Kariuki am 07. April 2020, in dem sie einen Aufruf startete: Alle schwangeren Frauen, die sich während der Ausgangssperre in einer Notfallsituation befinden, sollten sich melden und sie würde probieren zu helfen. Tausende Frauen schrieben ihr! 

Angestiegene Müttersterblichkeit in Folge der Maßnahmen gegen Covid-19 

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Müttersterblichkeitin Kenia stark gestiegen. Durch die nächtlichen Ausgangssperren fiel der öffentliche Nahverkehr aus und die Preise für Krankenhaustransporte stiegen. Laut Deutscher Welle konnten in einigen Teilen Kenias nur noch ein Viertel der schwangeren Frauen eine Mütterberatungsstelle aufsuchen.  

Eine Studie der Johns-Hopkins-Universität fand heraus, dass in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in Folge der erforderlichen Maßnahmen gegen Covid-19 1,1 Millionen mehr Kinder und 56.700 mehr Mütter bei der Geburt oder während der Schwangerschaft ums Leben kamen. Weitere Gefahren, die während der Covid-19-Pandemie für Frauen und Mädchen zugenommen haben, sind der schlechte Zugang zu Verhütungsmitteln und Bildung, Übertragung des HI-Virus, Kinderhochzeiten und häusliche Gewalt

Kostenlose medizinische Beratung und Transport für schwangere Frauen 

Jemimah Kariuki erkannte die gefährlichen Auswirkungen der Ausgangsperren für Schwangere. Da es in Kenia keinen öffentlichen Rettungskräfte gibt, entwickelte sie die Idee von “Wheels for Life”. Durch einen kostenlosen Telefondienst können Schwangere bei Wheels for Life medizinische Beratung sowie einen kostenfreien Transport zum nächstgelegenen Krankenhaus erhalten. Bis heute erhielt Wheels for Life mehr als 100.000 Anrufe. Durch die Beratung und den kostenlosen Transport in einem Rettungswagen oder in einem Auto konnten über 1000 Babys sicher geboren werden. Wheels for Life wird durch Spenden und öffentliche Mittel finanziert. Das Programm hat mittlerweile weitere Ärztinnen und Ärzte dazu bewogen, sich zu beteiligen. 

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Als Reaktion auf ihre Auszeichnung schrieb Kariuki bei Twitter, der Award sei ein Zeichen an junge Menschen, dass sie es schaffen können etwas zu ändern und an Schwangere, dass der Welt ihr Leben am Herzen liege.    

Form

Quellen: 

Cherono, Stella / Kenyan doctor wins WHO Director General’s award vom 26.05.2021 auf Nation Africa. 

Deutsche Afrikastiftung / Pressespiegel KW 21: Kurswechsel vom 22.05.-28.05.2021.  

Datum: 23.06.2021

Verhindern Fairtrade-Produkte Kinderarbeit?

In Deutschland werden rund 1,9 Milliarden Euro jährlich für faire Produkte ausgegeben, damit ist Deutschland eines der wichtigsten Absatzmärkte für fair gehandelte Waren. Die Vorstellung, mit ein paar Cent mehr die Lebensbedingungen der Produzierenden in Ländern des globalen Südens zu verbessern und Produkte zu konsumieren, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, klingt verlockend.

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Verhindern Fairtrade-Produkte Kinderarbeit?

Es gibt unterschiedliche Siegel auf den deutschen Märkten die Produkte als “fair gehandelt” auszeichnen. Alternativen zum sehr bekannten “Fairtrade”-Siegel sind “GEPA fair+”, “Naturland fair” und “Rapunzel Hand in Hand”. Produkte mit Fairtrade-Siegel werden nicht nur in Biomärkten, sondern auch in Discountern angeboten. 

Ein Ziel von Fairtrade und Co. ist es sich für bessere Arbeits- und Lebensverhältnisse der Produzierenden einzusetzen. So ist es auch erklärtes Vorhaben Kinderarbeit zu bekämpfen.  

So wirkt Fairtrade gegen Kinderarbeit 

Im Fairtrade-System sind ausbeuterische Kinderarbeit und Zwangsarbeit verboten. Um dies zu erreichen, gibt es bei Fairtrade bestimmte Vorgaben. Wenn ein von Fairtrade verifizierter Produzent in einem Land liegt, in dem die Wahrscheinlichkeit für Kinderarbeit hoch ist, müssen bestimmte Maßnahmen umgesetzt werden.  

Dazu gehört es, dass sich die produzierenden Betriebe in ihren Richtlinien klar gegen Kinderarbeit positionieren und ein eigenes Kontrollsystem erarbeiten, um Kinderarbeit zu verhindern. Falls es doch zu ausbeuterischer Kinderarbeit kommt, sind alle Menschen im Fairtrade-Netzwerk verpflichtet diesen Verstoß zu melden. Nicht nur bei Fairtrade selbst sondern auch bei lokalen und internationalen Kinderrechtsorganisationen.  

So soll gesichert werden, dass das Kindeswohl so schnell wie möglich wieder geschützt werden kann. Sollten die Verstöße zu schwerwiegend sein, verliert der Produktionsstandort die Fairtrade-Verifizierung. 

Mindestpreise gegen Armut 

Außer Prävention und Bestrafung gibt es bei Fairtrade den Ansatz der fairen Bezahlung. Denn Armut ist die größte Ursache für Kinderarbeit. Fairtrade zahlt immer einen festen Mindestpreis, so haben die Menschen in Fairtrade-Produktionen ein regelmäßiges Mindesteinkommen. Ob dies ausreichend ist, wird allerdings häufig kritisch hinterfragt. Zusätzlich gibt es eine Prämie mit der Projekte, wie der Bau von Schulen oder Spielplätzen, finanziert oder Stipendien ermöglicht werden können. 

Fairtrade-Verifizierung zu teuer für viele 

Für kleinere Produzierende beispielswiese Kleinbäuerinnen und -bauern, die Kakao oder Kaffee anbauen, ist ein Fairtrade-Zertifikat zu teuer. Die Antragsgebühr liegt bei etwa 525 Euro, die für die Erstzertifizierung sogar bei 2.250 Euro. Dazu kommen jährliche Kosten, die Fairtrade mit Schulungen für die Steigerung der Produktivität erklärt. 

Keine langfristigen positiven Erfolge durch Fairtrade? 

Unterschiedliche Forschungsgruppen stellten außerdem fest, dass einige Fairtrade zertifizierte Produzierende in Äthiopien und Uganda weniger verdienen als vergleichbare Betriebe ohne Fairtrade-Zertifizierung. Eine andere Forschungsgruppe fand heraus, dass es kaum langfristige positive Effekte für Kaffeebäuerinnen und -bauern in Guatemala durch Fairtrade gab, da die hohen Zertifizierungskosten die wirtschaftlichen Vorteile wieder neutralisierten. 

Einige Ökonomen gehen davon aus, dass der “ethische Konsum” in Ländern des globalen Nordens Kinderarbeit sogar fördert, anstatt sie zu verringern. Grund dafür ist die Annahme, dass wenn mehr und mehr Produktionsstätten sich durch Fairtrade verifizieren lassen und Kinder als Arbeitskräfte dort nicht mehr zulässig sind, vermehrt Kinderarbeit in die informellen Sektoren der Landwirtschaft verschoben wird. Dort sind Bezahlung und Arbeitsbedingungen meist noch schlechter und im schlimmsten Fall müssen mehr Kinder einer Familie arbeiten gehen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. 

Fairtrade wirkt nur schlecht gegen Kinderarbeit 

Fairtrade steht also häufig in der Kritik nicht effektiv gegen Kinderarbeit zu wirken. Das bedeutet nicht, dass fair gehandelte Produkte insgesamt nicht dafür sorgen können, dass sich die Arbeitsbedingungen für Produzierende verbessern. Es scheint allerdings nötig zu sein, sich genauer mit einzelnen Produkten, ihren Lieferketten und ihrer Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, um ganz sicher sein zu können.  

Echte Veränderungen durch Politik und Wirtschaft 

Die Wirtschaft und Politik sind die entscheidenden Kräfte die grundlegend etwas an Kinderarbeit und Zwangsarbeit verbessern könnten. Höhere Mindestpreise für Produkte wären eine Option. Auch die Verarbeitung von Produkten wie Kakao oder Kaffee in den Anbauländern würde zu einer Wertsteigerung und einem wirtschaftlichen Aufschwung führen. Auch Deutschland ist Teil des Problems: Beispielsweise kann Rohkaffee zollfrei nach Deutschland eingeführt werden, wohingegen gemahlener und gerösteter Kaffee mit 7 % bezollt wird. Diese Ungleichheiten führen zu weniger Investitionen in den Ausbau von Weiterverarbeitungsbetrieben in den Anbauländern selbst. Somit bleiben die Lebensumstände dieselben.  

Quellen:

o. A. / Fairtrade und Kinderrechte Factsheet vom 05.2020 von Fairtrade Deutschland.  

Döpke, M. / Hilft Fairtrade wirklich? Ausgabe 7/10 Geo.   

Scherer, K. / Der bittere Beigeschmack der Schokolade vom 02.01.2018 in der Süddeutschen Zeitung. 

Hansen, A. / Wenn Kaffee bitter schmeckt 18.08.2014.  

Datum: 09.06.2021

Menstruationshygiene kennt keine Pandemie

Am 28. Mai war Menstrual Hygiene Day – doch während auch an den anderen 364 Tagen im Jahr ein großer Teil der Weltbevölkerung menstruiert, stellt die Pandemie und ihre ökonomischen Folgen Menstrual Hygiene Management vor alte Herausforderungen und gefährdet Erfolge.

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Menstruationshygiene kennt keine Pandemie

MHM und die Sustainable Development Goals

Ungefähr 1.8 Milliarden weibliche, non-binäre und Trans-Personen menstruieren. Das sind eine Menge Menschen, die bei der Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) nicht zurückgelassen werden dürfen. Menstrual Hygiene Management (MHM) umfasst die Maßnahmen, die notwendig und angebracht sind, damit Mädchen und generell alle Personen, die menstruieren in unterschiedlichen Kontexten privat und sicher ihre Monatsblutung managen können. Dazu gehören unter anderem der Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäranlagen und bezahlbaren Hygieneartikeln, Wissen über den eigenen Körper und gesundheitsfördernde Maßnahmen sowie der Abbau von Stigmata durch Bildung. Für Menstruationsgesundheit und den Abbau von Stigmata sind Investitionen in nachhaltige Wasser-, Sanitär- und Hygieneeinrichtungen notwendig. Denn MHM ist eine wichtige Grundlage für die psychische, sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen und die Erreichung von SDGs 3 (Gesundheit), 4 (Bildung), 5 (Geschlechtergleichstellung), 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) und 10 (Weniger Ungleichheiten).

Periods Don’t Stop for Pandemics

Obwohl durch Covid-19 Hygienemaßnahmen wie Händewaschen stärker ins Bewusstsein gerückt sind, werden andere hygienebezogene Bedürfnisse eher verdrängt: Doch Menstruierende brauchen nach wie vor Periodenprodukte, den Zugang zu Toiletten, Seife, Wasser und nicht zuletzt Privatsphäre. Schätzungsweise 500 Millionen Menstruierende auf der Welt haben aber bereits unabhängig von der Pandemie nicht die benötigten Ressourcen dazu.

Die Pandemie birgt nun die Gefahr, bestehende Mängel im MHM zu verschärfen. Ein Faktor kann der Mangel an Impfstoff außerhalb von reichen Ländern sein. Denn so verharrt der Fokus von Regierungen auf einer Verhinderung der Ausbreitung des Virus durch Hygienemaßnahmen und Lockdowns.
Der dadurch gestiegene Bedarf an Wasser und Seife lässt diese dann an anderer Stelle knapp werden: zum Beispiel bei der Menstruationshygiene. Schulen und öffentliche Toiletten wurden zum Teil geschlossen und so fehlt auch vermehrt der Zugang zu Sanitäreinrichtungen. Schulschließungen führen zudem zu weniger Bildung über sexuelle Gesundheit. Wissen über die Menstruation ist jedoch wichtig, um sie sicher zu managen.

Dazu kommt, dass Lieferengpässe infolge von Lockdowns und Grenzschließungen zu Preissteigerungen von Waren geführt haben – darunter auch Binden, Tampons und Seife. Gleichzeitig zwingt ein verringertes Haushaltseinkommen viele Mädchen und Frauen dazu, ihren Bedarf an Periodenprodukten hintenanzustellen. Bei einem Mangel an Periodenprodukten behelfen sich menstruierende Personen mit Stoffresten oder Zeitungspapier. Diese bergen jedoch ein hohes Infektionsrisiko und sind nicht genügend saugfähig. Aus Angst vor Flecken auf ihrer Kleidung verpassen so viele Mädchen und Frauen Schulunterricht und haben damit nicht den gleichen Zugang zu Bildung.

Kostengünstiger und nachhaltiger als Wegwerfprodukte

Die Firma „Ruby Cup“ bietet mit wiederverwendbaren Menstruationstassen eine sichere, nachhaltige und kostengünstige Alternative. (Der Ruby Cup befindet sich auch in unserem Afrika-Koffer für die Sekundarstufe). Mit der Initiative „Buy One, Give One“ wird durch jede verkaufte Menstruationstasse eine weitere gespendet – an ein Mädchen in Kenia ohne Zugang zu Periodenprodukten. Zu dem Projekt gehören außerdem die Verteilung der Menstruationstassen in Schulen sowie ein Workshop, der über die Verwendung der Menstruationstasse, die weibliche Anatomie und den Zyklus informiert.

Mädchenfreundliche Toiletten und Kampf gegen das Periodentabu

Neben Hygienemaßnahmen brauchen Mädchen Räume, in denen sie Privatsphäre haben und sich sicher fühlen. Unsere Mitgliedsorganisation CARE unterstützt in der Provinz Mashvingo im Süden Simbabwes mädchenfreundliche Toiletten. Diese sind mit Hygieneartikeln, Spiegeln und einem Vorrat an waschbaren Stoffbinden ausgestattet. Die Spiegel geben den Mädchen Sicherheit, weil sie darin Flecken auf ihren Schuluniformen sehen könnten. Mit dem Kinderhilfswerk Global Care werden in Uganda wiederverwendbare und hygienische Binden genäht und zusammen mit Eimern und Reinigungsutensilien verteilt.

Neben Menstruationstassen sind wiederverwendbare Binden für viele erschwinglich und angenehm. Schließlich entscheidet nicht nur der Kostenfaktor über die Wahl des Menstruationsartikels. Jede menstruierende Person muss die Möglichkeit haben durch Wissen und Zugang frei darüber entscheiden zu können, was angenehm und sicher für sie ist. Dafür braucht es mehr Initiativen, wie die unserer Mitgliedorganisationen, damit alle Menschen gleichberechtigt am sozialen und ökonomischen Leben teilhaben.

Quellen:

Kamowa, V., Mahon, T.; Sommer, M. / Creating a more equal post-COVID-19 world for people who menstruate vom 28.05.2020 auf WaterAid.org.  

Sommer, M. / Menstrual hygiene management in humanitarian emergencies: Gaps and recommendations vom Januar 2012, Practical Action Publishing.

WASH United / PERIODS DON’T STOP FOR PANDEMICS vom 28.05.2020 menstrualhygieneday.org.

Datum: 08.06.2021


Geringe Kaffeepreise führen zu Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen

Kaffee ist das absolute Lieblingsgetränk der Deutschen, fast 150 Liter trinkt jede Person durchschnittlich im Jahr. Außerdem ist Kaffee nach Erdöl der wichtigste Exportrohstoff der Welt. Der meiste Kaffee wird in Südamerika und Afrika produziert. Doch in vielen Anbauländern gibt es immer noch ausbeuterische Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen.

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Geringe Kaffeepreise führen zu Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen

Die Kaffeebohnen werden mühsam von Hand geerntet. Trotzdem ist der Preis für Rohkaffee sehr gering. Der Weltmarktpreis lag im Januar 2020 bei etwa einem US-Dollar pro Pfund (etwa ein halbes Kilo). Für die Menschen auf den Kaffeeplantagen ist es schwierig genügend Kaffee zu ernten, um ihr Leben damit ausreichend finanzieren zu können. Deshalb müssen häufig ihre Kinder mithelfen.  

Kinder arbeiten auf Kaffeeplantagen als Erntehelfende, aber auch um die Bohnen zu säubern und zu sortieren oder die Pflanzen einzusprühen und zu düngen. Viele Kinder müssen zudem die schweren Kaffeesäcke schleppen. Die großen Gewichte sind eine starke Belastung für den Rücken und die Gelenke.  

Fairer Kaffee ist eine Seltenheit in Deutschland 

Nur etwa zehn Prozent des deutschen Kaffees werden fair produziert. Fairtrade zahlt einen festen Mindestpreis von 1,40 US-Dollar pro Pfund, um die Schwankungen des Weltmarktpreises abzudämpfen. Zusätzlich erhalten die Kaffeeanbauenden eine Prämie von 20 US-Cent pro Pfund, mit der Gemeinschaftsprojekte, wie der Bau von Schulen, finanziert werden sollen. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten und es gibt Systeme zur Kontrolle und Prävention. 

Für biologisch angebauten Kaffee gibt es eine weitere Prämie von 30 US-Cent pro Pfund. Leider reicht dies trotzdem nicht aus, damit alle Fairtrade zertifizierten Kaffeebäuerinnen und -bauern ein existenzsicherndes Einkommen haben. 

Die Wertschöpfung liegt in Deutschland statt in den Rohstoffländern 

Afrikanische und südamerikanische Länder sind die größten Exporteure von Rohkaffee, doch die wahre Wortschöpfung passiert in anderen Ländern. Deutschland ist der größte Exporteur von geröstetem Kaffee. Dieser lässt sich im Vergleich zu Rohkaffee für mehr als das Doppelte verkaufen. Das bedeutet, dass erst das Rösten der Kaffeebohnen den günstigen Rohstoff zu einem mitunter teuren Konsumgut werden lässt.  

Deutschland unterstützt dieses Vorgehen, indem die Steuern für gerösteten Kaffee, der aus anderen Ländern importiert wird, bei 7,5 % liegt – Rohkaffee darf hingegen zollfrei eingeführt werden.  

Gerechtere Kaffeepreise, um Kinderarbeit zu reduzieren 

Der Grund von ausbeuterischer Kinderarbeit ist die Armut ihrer Eltern. Hohe und transparente Kaffeepreise könnten das Problem lösen. Ein Vorschlag dafür ist, dass die Arbeitenden umgerechnet 10 US-Cent pro Tasse Kaffee erhalten sollten (bei Fairtrade Kaffee sind es etwa 2,5 US-Cent). 

Verlagerung der Wertschöpfung nach Afrika und Südamerika für eine nachhaltige Veränderung 

Ein anderer Vorschlag ist es, dass Rohstoffländer ihren Kaffee selbst rösten, mahlen und verpacken sollten, um dann das fertige Produkt exportieren zu können. So könnte 60 % mehr Umsatz erwirtschaftet werden und die Wertschöpfung würde in den Rohstoffländern bleiben. Davon würden nicht nur Kaffeebäuerinnen und -bauern profitieren, sondern auch die Menschen, die den Kaffee rösten, die Verpackungen herstellen und die Etiketten für diese drucken.  

Schätzungsweise könnten so in Äthiopien – dem größten Rohkaffeeexporteurs Afrikas – etwa 280.000 neue Jobs entstehen. Weitaus mehr als durch klassische Entwicklungshilfe möglich wäre. 

Weitere Informationen: 

Kaffee Fact Sheet von Fairtrade von Mai 2019. 

Amann, S. et al. / Die bittere Wahrheit über unser Lieblingsgetränk vom 21.09.2017.  

k. A. / Kaffee vom 29.11.2010 in aktiv-gegen-kinderarbeit.  

Datum: 03.06.2021

Kinderarbeit in Minen

In den Minen afrikanischer Länder werden einige der wertvollsten und wichtigsten Rohstoffe unserer Zeit wie Kupfer, Coltan, Gold und Kobalt gefördert. Allerdings geschieht das häufig, indem Kinder unter gefährlichen Bedingungen extrem hart körperlich arbeiten müssen und ausgebeutet werden.

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Kinderarbeit in Minen

Kinderarbeit in Goldminen 

In Tansania und Niger wird das wertvolle Metall Gold gefördert. Kinder, die in Goldminen arbeiten tun dies meist ohne Schutzkleidung. Das führt dazu, dass sie Staub einatmen und in Berührung mit giftigem Quecksilber kommen. Dies und die Gefahr in den Minen abzustürzen, birgt große gesundheitliche Risiken.  

Kinderarbeit in Kobaltminen 

In der Demokratischen Republik Kongo, einem der rohstoffreichsten Länder der Erde, wird vor allem das Metall Kobalt abgebaut. Mehr als 60 % des weltweiten Kobalts stammt hierher. Allerdings wird es oft unter höchstgefährlichen Bedingungen gefördert: Immer wieder stürzt die Erde über Menschen ein, Steine fallen auf Köpfe oder Menschen stürzen beim Klettern in eine Mine ab. Kinderarbeit ist keine Seltenheit. 2019 arbeiteten im Kongo mindestens 22.000 Kinder in den Minen. Die über 7-jährigen Kinder arbeiten oft mehr als acht Stunden pro Tag. Dabei verdienen sie kaum mehr als 1,50 Euro an einem ganzen Tag. Kobalt wird für Smartphone-Akkus genauso gebraucht wie für die Batterien von Elektro-Autos.   

Kobaltabbau im eigenen Garten 

Viele Menschen graben bis zu 50 m tiefe Löcher in ihre eigenen Gärten, um dort nach Kobalt zu graben. Doch auch in offiziellen Kobaltminen werden die von der Regierung auferlegten Sicherheitsregeln und das strenge Verbot von Kinderarbeit häufig missachtet.  

Fehlende Perspektiven sind Grund für gefährliche Arbeit 

Trotzdem gibt es für viele Menschen im Kongo keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen. Und da sich viele Familien die Schulbildung für ihre Kinder nicht leisten können, fangen diese schon in jungen Jahren an zu arbeiten. Mit ihrem Lohn können die meisten aber gerade mal für ihre Kleidung und ihr Essen aufkommen. Kinder werden in der Regel schlechter bezahlt als Erwachsene. 

Sparen, Bildung oder die Finanzierung von Medizin ist für Familien und Kinder kaum möglich. Jedoch verdient ein Mensch, der in Minen arbeitet, mehr als eine Person, die in der Landwirtschaft tätig ist. Vielen Kindern wird keine bessere Alternative geboten, weshalb sie sich trotz der Gefahr für die Arbeit in den Minen entscheiden. 

Keine gute Lösung in Sicht 

Viele große Automobilhersteller setzen nun auf industrielle Großminen, um Kinderarbeit ausschließen zu können. Diese Großminen verschmutzen allerdings ihre Umwelt und können das Problem der Armut in der Bevölkerung nicht lösen. So schleichen sich die Menschen nachts auf unbewachte Großminen und setzen sich in der Dunkelheit noch größeren Gefahren aus.  

Andere Unternehmen geben an überhaupt kein Kobalt mehr aus der DR Kongo zu beziehen. Doch dies scheint auch nicht die Lösung zu sein. Der Bedarf an Kobalt wird in den nächsten Jahren ansteigen und nicht ohne die Vorkommen der DR Kongo gedeckt werden können. Dies könnte laut Experten zu einem erheblichen Anstieg von Schmuggel führen.  

Quellen: 

Staude, L. / Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones vom 25.07.2017 in Deutschland Funk.  

Gerding, J. / Kobalt aus dem Kongo: Der Makel der E-Mobilität vom 02.07.2019 in DW.  

Datum: 03.06.2021

Ist das neue Lieferkettengesetz wirksam gegen Kinderarbeit?

Deutschland ist stark von Importen aus dem Ausland abhängig. Somit ergibt sich eine Verantwortung für Menschen, die in anderen Ländern Produkte unseres alltäglichen Lebens herstellen. Um beispielsweise etwas gegen ausbeuterische Kinderarbeit innerhalb unserer Lieferketten zu sorgen, soll nun das Lieferkettengesetz verabschiedet werden.

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Ist das neue Lieferkettengesetz wirksam gegen Kinderarbeit?

Von allen Industrienationen der Erde ist Deutschland am stärksten  in internationale Lieferketten eingebunden. Im Jahr 2018 machten 320.000 deutsche Exportunternehmen einen Umsatz von 1,32 Billionen Euro. Sogar über 770.000 Unternehmen sind über den Import im internationalen Handel aktiv und erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von 1,09 Billionen Euro. 

Viele alltägliche Dinge kommen aus anderen Ländern 

Die wichtigsten Importe aus anderen Ländern stellen mit 63 % Textilien dar, auch elektronische Geräte werden zu 45 % importiert. Die chemisch pharmazeutische Industrie bezieht 39 % Rohstoffe und Produkte aus anderen Ländern. Auch 39 % der Lebensmittel müssen nach Deutschland importiert werden. 

Sehr viele alltägliche Produkte werden also nicht in Deutschland hergestellt. Viele Rohstoffe, die für diese Produkte nötig sind, kommen aus dem globalen Süden. Einige dieser Rohstoffe und Produkte werden in anderen Ländern unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen produziert. Dazu gehören unter anderem ausbeuterische Kinderarbeit oder Zwangsarbeit. 

Deutschlands Verantwortung für menschenwürdige Arbeitsbedingungen 

Durch die engen internationalen Verbindungen durch Lieferketten steht Deutschland auch in der Verantwortung etwas gegen menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen in anderen Ländern zu tun. Denn laut Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar. Und das schließt nicht-deutsche Menschen mit ein.  

Nach langen Diskussionen zwischen den Bundesministerien für Entwicklung, Arbeit und Wirtschaft verabschiedete das Bundeskabinett im März 2021 ein Gesetzentwurf für ein neues Lieferkettengesetz. Möglicherweise wird der Entwurf noch im Juni 2021 vom Deutschen Bundestag verabschiedet. 

Das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten 

Zunächst heißt das Gesetz eigentlich “Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten” und klingt erst einmal vielversprechend: Deutsche Unternehmen sollen die Menschenrechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in ihren Zulieferunternehmen aus dem Ausland schützen. Dafür sollen Risikoanalysen durchgeführt werden und Präventionsmaßnahmen bspw. gegen Kinderarbeit oder Zwangsarbeit entwickelt und umgesetzt werden.  

Zudem sollen Beschwerdeverfahren eingerichtet werden, damit Arbeiterinnen und Arbeiter aus ausländischen Unternehmen Menschenrechtsverletzungen melden können. Diese müssen dann mit Hilfe deutscher Unternehmen in Zukunft vermieden oder zumindest minimiert werden. 

Lobbyarbeit führt zu milderem Gesetzentwurf 

Das Gesetz wurde allerdings durch Lobbyverbände deutscher Unternehmen stark abgemildert: Nun sollen nicht mehr alle Unternehmen von dem Gesetz betroffen sein, sondern nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Das sind etwa 4.800 in Deutschland. Auch große Niederlassungen ausländischer Unternehmen in Deutschland sind von dem neuen Gesetz betroffen. 

Deutsche Unternehmen nur für direkte Zulieferfirma verantwortlich 

Unternehmen sind nun auch nicht mehr direkt für alle Zulieferfirmen in ihrer Lieferkette verantwortlich, sondern nur noch für die unmittelbaren. Das bedeutet, die ersten Stationen der Lieferketten müssen nicht aktiv von deutschen Unternehmen kontrolliert werden. Ihre Sorgfaltspflichten gelten bei mittelbaren Zulieferern nur anlassbezogen, d.h. wenn eine Beschwerde vorliegt oder bereits ein Schaden entstanden ist. Allerdings sollen auch für mittelbare Zulieferfirmen Beschwerdeverfahren eingerichtet werden. Sollten menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen bei mittelbaren Zulieferfirmen dem Unternehmen bekannt werden, müssen Konzepte zur Minimierung dieser erarbeitet und umgesetzt werden. Konkrete Verantwortung tragen deutsche Unternehmen allerdings nur für ihre direkten Zulieferfirmen. 

Keine Schadensersatzansprüche im Falle von Gesetzverstößen 

Falls diese Auflagen verletzt werden, sollen deutsche Unternehmen künftig Bußgelder zahlen müssen. Zivilrechtliche Strafen, wie Schadensersatzansprüche, werden allerdings durch das Gesetz ausgeschlossen. Trotzdem soll es für ausländische Arbeitnehmende möglich werden sich im Falle von menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen von Nichtregierungsorganisationen oder Gewerkschaften in Deutschland vertreten zu lassen und deutsche Unternehmen zu verklagen. Allerdings kann nicht auf Schadensersatz geklagt werden. 

Abgemildertes Lieferkettengesetz kaum wirksam gegen Kinderarbeit 

Insgesamt erfüllt das Gesetz nicht die Erwartungen auf einen wirksamen Schutz der Menschen- und Kinderrechte. Denn Kinderarbeit findet sich selten bei den direkten Zulieferern deutscher Unternehmen, sondern eher in früheren Stationen der Wertschöpfungskette. So beispielsweise beim der Kakao– und Kaffeeanbau, bei der Baumwollernte oder im Bergbau. Diese Stationen fallen allerdings kaum unter das neue Lieferkettengesetz bzw. Müssen nur anlassbezogen kontrolliert werden. Zusätzlich entsteht die Gefahr das Kinderrechtsverletzungen in frühere Stufen der Lieferkette verlagert werden, damit sie nicht von deutschen Unternehmen nachverfolgt werden müssen. Es ist außerdem fraglich, ob der Beschwerdemechanismus für Kinder und Jugendliche auch praktisch zugänglich ist. Nicht zuletzt steht Kinderarbeit in Verbindung mit Kinderarmut. Diese wird durch das Gesetz nicht bekämpft. 

Um Rechte von Kindern tatsächlich richtig schützen zu können, wäre es nötig alle Beteiligten einer Lieferkette sorgfältig zu überprüfen. Der aktuelle Entwurf des Gesetzes wird wohl wenig positive Auswirkungen auf Kinderrechte mit sich bringen. 

Quelle:

Much, L. / Warum Kinder ein wirksames Lieferkettengesetz brauchen von Unicef vom 19.02.2021.  

o. A. / Durchbruch bei umstrittenen Lieferkettengesetz vom 31.05.2021 in absatzwirtschaft.  

Gesetzentwurf über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten vom 24.03.2021 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Datum: 02.06.2021

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen nimmt zu

Obwohl sich einige der größten kakaoverarbeitenden Unternehmen schon 2001 das Ziel setzten Kinderarbeit auf Kakaoplantagen abzuschaffen, stieg diese zuletzt wieder an. 2020 arbeiteten mehr Kinder auf Kakaoplantagen als noch vor 10 Jahren. Statt höhere Kakaopreise an Kakaobäuerinnen und –bauern zu zahlen, setzen Unternehmen auf Aufklärungskampagnen gegen Kinderarbeit.

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Kinderarbeit auf Kakaoplantagen nimmt zu

Über 60 % des weltweiten Kakaos stammt aus den westafrikanischen Ländern Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) und Ghana. Diese Gegend ist am stärksten von Kinderarbeit betroffen. Die meisten Kakaoplantagen gehören Kleinbäuerinnen und -bauern. Diese verdienen oft pro Tag weniger als 1,25 US-Dollar, was deutlich unter der Armutsgrenze liegt. Um Arbeitskräfte auf ihren Plantagen einzustellen, reicht das Geld oft nicht aus, dann müssen auch die eigenen Kinder arbeiten.  

Welche Folgen hat die Arbeit auf Kakaoplantagen für Kinder? 

Kinder helfen bei der Ernte des Kakaos, tragen die Früchte zusammen, pflegen die Bäume, jäten Unkraut, düngen und übernehmen andere Aufgaben auf der Plantage, wie Wäsche waschen, putzen oder kochen. 

Die Arbeit auf den Plantagen ist schwer: Kinder müssen zum Teil mit gefährlichen Werkzeugen, wie Macheten arbeiten oder Kakaosäcke schleppen, die bis zu 70 Kilogramm wiegen können. Außerdem müssen sie Kakaopflanzen mit Pestiziden besprühen, die giftig sein können. Teilweise arbeiten Kinder nicht auf der Plantage der eigenen Eltern und haben kaum Kontakt zu ihnen. Manche Kinder werden auch beschimpft, gedemütigt oder geschlagen. Dies führt zu physischen und psychischen Störungen bei den Kindern.  

Teufelskreis der Kinderarmut 

Arbeitende Kinder haben zudem kaum eine Chance die Schule zu besuchen und erfolgreich abzuschließen. Dadurch bleibt es ihnen oft unmöglich einen richtigen Beruf zu erlernen und einer sicheren Arbeit nachzugehen, um sich und ihre zukünftigen Familien ernähren zu können.  

Anstieg der Kinderarbeit im Kakaoanbau 

In den letzten zehn Jahren stieg die gefährliche Kinderarbeit auf Kakaoplantagen um 14 %. Dem guten Vorsatz großer kakaoverarbeitender Unternehmen wie Mars, Ferrero und Nestlé zum Trotz: Diese und weitere Unternehmen nahmen sich 2001 vor, dass bis 2005 keine Kinder mehr auf Kakaoplantagen arbeiten sollten. Dieses Vorhaben wurde mehrmals verschoben und abgeschwächt. Zuletzt sollte Kinderarbeit bis 2020 um 70 % reduziert werden, auch dieses Vorhaben scheiterte kläglich.  

Da der niedrige Weltmarktpreis der Grund für Kinderarbeit ist, müssten die Bäuerinnen und Bauern produktiver werden, so die großen Unternehmen wie Mars, Ferrero und Nestlé. Die Unternehmen stellten Bäuerinnen und Bauern deshalb produktivere Anbaumethoden vor und veranstalteten Kampagnen gegen Kinderarbeit. 

Niedrige Kakaopreise führen zu Kinderarbeit 

Etwa 30 Gramm Kakao sind in einer Standardschokolade enthalten, im Einkauf kosten diese etwa 7 Cent. Erst mit der Weiterverarbeitung durch die Industrie steigt der Wert von Kakaoprodukten erheblich an. Ein höherer Kaufpreis von Kakao würde von Konsumierenden also kaum bemerkt werden und könnte Existenzen sichern. Der Kakaopreis ist heute mit 2000 US-Dollar pro Tonne nur noch etwa halb so hoch wie in den 1970er Jahren.  

Lösungen im Kampf gegen Kinderarbeit 

Heute arbeiten über 1,6 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen in Westafrika, 10.000 von ihnen sind von Sklaverei und Kinderhandel betroffen. Die Regierungen Ghanas und Côte d’Ivoires gründeten 2020 eine Art Kartell, welches das Kakaoangebot sowie den Kakaopreis regulieren soll. Die Regierungen verlangen pro verkaufter Tonne Kakao einen Aufschlag von 400 US-Dollar. Dieser soll Kakaobäuerinnen und -bauern einen existenzsichernden Mindestpreis garantieren. Die Auswirkungen des Aufschlags sind allerdings noch nicht endgültig geklärt oder belegt.  

Trotzdem wird deutlich, dass die Regierungen der beiden Länder im letzten Jahr mehr für Kakaobäuerinnen und -bauern getan hat als die Kakaoindustrie in den letzten 20 Jahren.  

Ein Lieferkettengesetz könnte Unternehmen in Deutschland und Europa dazu verpflichten, auf die Einhaltung des Verbots von Kinderarbeit auf den Plantagen zu achten und diese gründlicher zu kontrollieren. 

Fairtrade-Schokoladenanbietende garantieren Kakaobäuerinnen und -bauern einen Mindestpreis von 2.100 US-Dollar pro Tonne. Kritische Stimmen meinen jedoch, dass selbst dieser Preis nicht für ein existenzsicherndes Einkommen ausreichen würde. Trotzdem: Fairtrade-Unternehmen kontrollieren ihre Lieferkette ganz genau, um zu verhindern, dass Kinder auf ihren Plantagen arbeiten.  

Quellen: 

Northoff, E. / Mit höheren Kakaopreisen gegen illegale Kinderarbeit vom 12.2020 in Welthungerhilfe.  

o. A. / Kinderarbeit im Kakaosektor von Oro Verde.  

Becker, A. / Kakao: Kein Fortschritt im Kampf gegen Kinderarbeit vom 13. 11.2020 in DW.  

Datum: 27.05.2021

Kinderarbeit auf Baumwollplantagen in Afrika

In Deutschland kaufen Menschen im Schnitt 60 Kleidungstücke im Jahr, sind aber selten bereit genug Geld auszugeben, um eine faire Produktion zu gewährleisten. Kinderarbeit ermöglicht es Unternehmen, ihre Ware sehr günstig zu produzieren. Auch in Afrika arbeiten Kinder auf Baumwollplantagen oder in der Textilindustrie. Dort sind sie gesundheitlichen Risiken wie Pestiziden oder giftigen Dämpfen ausgesetzt.

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Kinderarbeit auf Baumwollplantagen in Afrika

Weltweit gibt es etwa 152 Millionen arbeitende Kinder, 73 Millionen von ihnen führen gefährliche Kinderarbeit aus. Das bedeutet, dass sie gesundheitsgefährdende, ausbeuterische oder körperlich zu anstrengende Tätigkeiten ausüben müssen und nicht zur Schule gehen können. 71 % der Kinder arbeiten in der Landwirtschaft: Baumwolle ist dabei eines der häufigsten Produkte, bei dessen Ernte und Weiterverarbeitung Kinder zur Arbeit angestellt werden.  

Kinderarbeit auf Baumwollplantagen  

In der Textilindustrie ist Kinderarbeit ein großes Problem. In Afrika arbeiten insbesondere auf Baumwollplantagen viele Kinder. Da Baumwolle in großen Monokulturen angebaut wird, verbreiten sich Schädlinge schnell. Kinder müssen in den Sommermonaten infizierte Blätter und schädliche Raupen von den Pflanzen entfernen. Bei der Baumwollernte bevorzugen Arbeitgebende Kinder, weil ihre kleinen Finger die Blüten weniger beschädigen.  

Gesundheitliche Gefahren  

Auf den Feldern sind Kinder den vielen Pestiziden ausgesetzt, die zum Schutz vor Schädlingen auf die Pflanzen gesprüht werden. Die jungen Organe der Kinder können diese Giftstoffe schlechter abbauen, zudem gelangen die Gifte auch schneller durch die dünne Kinderhaut in den Körper. Viele Kinder leiden an chronischen Augenentzündungen, Nieren- und Leberproblemen oder Atemwegserkrankungen. 

Textilindustrie nutzt Kinder als günstige Arbeitskräfte aus 

Auch für die einzelnen Schritte in der Produktion von Kleidung werden niedrigqualifizierte Arbeitskräfte benötigt. Beispielsweise beim Annähen von Knöpfen, Färben von Stoffteilen oder Besticken von Kleidung. Beim Färben von Kleidung sind die Kinder giftigen Dämpfen ausgesetzt.  

Kinder werden eingestellt, weil sie weniger Geld kosten. Sie sind nicht in Gewerkschaften organisiert und können sich schlechter für ihre eigenen Bedürfnisse einsetzen. Da Lieferketten in der Modeindustrie lang und komplex sind, ist es für Unternehmen schwer, jede Produktionsstation genau zu kontrollieren. Das ermöglicht es zuliefernden Produktionsfirmen, Kinder einzustellen ohne dass große Marken etwas davon erfahren. 

In Nähereien, eine der letzten Stationen vor dem Verkauf im Laden, arbeiten heute kaum noch Kinder, da große Unternehmen hier einen Einblick in die Produktion haben. Die Lieferkette bis hin zu einzelnen Baumwollplantagen zu verfolgen, ist hingegen aufwändiger. 

Fast-Fashion als Treiber von ausbeuterischer Kinderarbeit 

Der weltweite Fast-Fashion Trend begünstigt Kinderarbeit in der Textilindustrie. Zwischen den Jahren 2000 und 2015 hat sich die Zahl an verkaufter Kleidung verdoppelt. Ein Mensch in Deutschland kauft sich im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke im Jahr. Das bedeutet es wird viel mehr Kleidung produziert. Trotzdem geben Menschen in Deutschland nur etwa 8 % mehr Geld für Kleidung aus als vor 15 Jahren. Das heißt, dass Kleidung heute deutlich weniger kostet bzw. billiger produziert wird, als noch vor einigen Jahren. 

Es wird nur wenig faire Kleidung verkauft 

Obwohl vielen Menschen bekannt ist, dass günstige Kleidung nur durch ausbeuterische Arbeit produziert werden kann, machen Fairtrade-Produkte nur einen kleinen Anteil an verkaufter Kleidung aus. 2018 machten sie gerade mal 0,3 % des Gesamtumsatzes durch Bekleidung in Deutschland aus. 

Kinderarbeit verbieten reicht nicht aus 

Das Verbot von Kinderarbeit allein ist nicht die Lösung des Problems. Familien sind häufig dazu gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu schicken, da das Gehalt der Eltern nicht für den Lebensunterhalt der ganzen Familie ausreicht. Wenn die Lebenssituation der Kinder und ihrer Familien nicht insgesamt verbessert wird, könnte ein Verbot von Kinderarbeit dazu führen, dass sich die Arbeit in weitaus schlimmere Bereiche wie Drogenhandel oder Prostitution verlagert. 

Durch kostenlose Bildung, die Einführung der Schulpflicht und existenzsichernde Mindestlöhne könnte Kinderarbeit vorgebeugt werden. Auch das neue Lieferkettengesetz in Deutschland soll dazu dienen, Kinderarbeit zu reduzieren. 

Bewussterer Konsum und Nachhaltigkeitssiegel 

Auch ein bewusster Konsum kann einen Teil der Lösung darstellen. Weniger Kleidung zu kaufen, kann ein erster Schritt sein, genau wie Second-Hand einzukaufen oder auf die faire Produktion von Kleidungsstücken zu achten. Das kann durch Nachhaltigkeitssiegel gelingen. Siegel wie Fairtrade, die Fair Wear Foundation, oder der Global Organic Textile Standard (GOTS) überprüfen ihre gesamte Lieferkette. 

Erfahrt in unserem digitalen Workshop über Baumwolle und Kleidung aus Afrika mehr über dieses Thema! 

Quellen: 

Reichert, I. / Darum ist uns Kinderarbeit beim Kleiderkauf egal vom 13.12.2019 in Quarks.  

Fröhlich, S. / Verbieten reicht nicht: Kinderarbeit in Afrika vom 12.06.2019 in DW.  

Moulds, J. / Child labour in the fashion supply chainn in the guardian.  

Datum: 26.05.2021

Ghanas Jugend protestiert über die sozialen Medien für ein besseres Leben

In Ghana riefen junge Menschen die Regierung über soziale Medien auf, für bessere Lebensbedingungen in dem westafrikanischen Staat zu sorgen. Nun wurde die Bewegung davon abgehalten, ihren Protest auf die Straße zu bringen.

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Ghanas Jugend protestiert über die sozialen Medien für ein besseres Leben

Hashtag für bessere Lebensbedingungen 

Nutzerinnen und Nutzer der sozialen Medien in Ghana begannen vor kurzem unter dem Hashtag #fixthecountry (Deutsch: repariert das Land) die Regierung dazu aufzufordern, für bessere Lebensbedingungen der Bevölkerung zu sorgen. Einige ihrer Forderungen sind mehr Arbeit, weniger Steuern, keine Korruption und eine bessere Bildung.  

Die Initiative beginnt nun auch in der analogen Welt Fuß zu fassen. Der Aktivist Ernesto Yeboah erklärte, dass die Aktion aus dem Gefühl der Jugend heraus entstand, nicht von den regierenden Mächten gehört zu werden.  

Ghanas Jugend übt Druck auf Regierung aus 

Unter 35-Jährige machen etwa 77 % der afrikanischen Bevölkerung aus. Junge Afrikanerinnen und Afrikaner haben schon lange bemerkt, dass sie über die sozialen Medien einen gewissen Druck auf Regierungen ausüben können. Nach größeren Protesten in den sozialen Medien reduzierte die ghanaische Erdöl-Behörde vor kurzem die Preise für Benzin – allerdings ohne zuzugeben, unter jeglichem Druck zu stehen. 

Geringe Jobmöglichkeiten führen zu Unzufriedenheit 

Die Unterstützerin der Bewegung Maltiti Sayida Sadick zog aus dem Norden Ghanas nach Accra, um einen Job zu finden. Doch selbst in der Hauptstadt ist es schwierig für Sadick, ein sorgenfreies Leben mit ihrem Gehalt zu finanzieren. Trotz einer abgeschlossenen Schulausbildung verdient sie kaum genug, um Miete, Essen, Strom-, Gas- und Wasserrechnungen bezahlen zu können. 

Nur 10 % der 270.000 Studierenden in Ghana finden ein Jahr nach ihrem Abschluss einen Job. Immer mehr junge Menschen sprechen auf den sozialen Medien über ihre Lebenssituation. Die Regierung kennt die Probleme. Der Regierungssprecher Courage Nobi erklärt, dass Ghana in Folge der Corona-Pandemie vor vielen Herausforderungen stünde, für die allerdings niemand etwas könnte. Zudem tue die Regierung alles, um die Situation zu verbessern.  

Aus dem Internet auf die Straße 

Die Bewegung #fixthecountry ist wenig überzeugt von diesen Aussagen und rief in der ersten Mai-Woche 2021 in den sozialen Medien zu einer Demonstration auf. Diese wurde von einem Gericht auf Geheiß der Regierung gestoppt, da sie gegen Corona-Schutzmaßnahmen verstoßen würde.  

Die Entscheidung wurde kritisiert, da auch Wahlkampfveranstaltungen ohne besondere Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie stattfanden. 

Kritik von Seiten der Regierung 

Der Parlamentarier Frank Annoh-Dompreh missbilligt die Bewegung und Regierungsbefürworter verwendeten den Hastag #fixyourself (Deutsch: repariere dich selbst) als Antwort auf die Kritik an der Regierung. Daraufhin gab es jedoch einen so großen Protest in den sozialen Medien, dass Annoh-Dompreh sich für seine Aussagen entschuldigte.  

Für den Aktivisten Ernesto Yeboah reicht das nicht aus. Viele jüngere Menschen glauben nicht daran, dass die bestehende Regierung dazu fähig ist, die Probleme des Landes zu lösen. Yeboah setzt seine Hoffnung in die Jugend Ghanas. 

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels Ghana’s youth turn to social media to ‚fix country’s problems‘ von Krippahl, C. in DW vom 12.05.2021. 

Deutschland entschuldigt sich für den Völkermord an den Herero und Nama

Seit 2015 laufen die Verhandlungen über die Anerkennung des Vernichtungskrieges an den Herero und Nama als Völkermord. Nun konnte eine Einigung erreicht werden.

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Deutschland entschuldigt sich für den Völkermord an den Herero und Nama

Am 15. Mai 2020 einigten sich der frühere CDU-Abgeordnete Ruprecht Polenz und der namibische Ex-Diplomat Zedekia Ngavirue auf ein gemeinsam erarbeitetes Rahmenabkommen, welches in zwei Wochen von den Außenministern Namibias und Deutschlands unterzeichnet werden soll.  

In diesem Dokument wird unter anderem festgelegt, dass Deutschland den Vernichtungskrieg an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 aus heutiger Sicht als Völkermord anerkennt.  

Völkermord an den Herero und Nama 

Das Deutsche Kaiserreich besetzte zu Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem die Kolonie Deutsch-Südwestafrika, welche im Gebiet des heutigen Namibias liegt. Die existenzbedrohenden Maßnahmen der deutschen Kolonialmacht und rassistische Diskriminierung führten im Januar 1904 zum Aufstand der dort lebenden Volksgruppe der Herero. 

Dieser Aufstand wurde im August 1904 niedergeschlagen und deutsche Soldaten trieben Tausende Hereros in die fast wasserlose Omaheke-Wüste, wo diese verdursteten. 

Im Oktober 1904 griff daraufhin das Volk der Nama in einem Guerillakrieg an. Durch den Tod wichtiger Anführer verloren diese allerdings den Kampf und ergaben sich den deutschen Kolonialmächten. Der Krieg wurde im März 1907 für beendet erklärt.  

In den folgenden Jahren wurden Herero und Nama in Konzentrationslager gebracht, in denen die Hälfte der Menschen starb. Die koloniale Vernichtungspolitik der Deutschen in Südwestafrika forderte zwischen 50.000 und 70.000 Opfer. 

Entschuldigung und Entschädigung 

Bundespräsident Steinmeier soll nun im Laufe des Jahres zu einem Festakt ins namibische Parlament kommen und dort offiziell um Entschuldigung bitten. Des Weiteren sollen Entschädigungszahlungen in soziale Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama fließen. 

Kritisiert wird, dass die genaue Höhe der Zahlungen bisher nicht bekanntgegeben worden ist. Einen weiteren Kritikpunkt stellt der Umgang mit den Vertreterinnen und Vertretern der Herero und Nama dar, die nur am Rande an den Verhandlungen beteiligt waren. Stattdessen verhandelte Deutschland hauptsächlich mit der namibischen Regierung. 

Quellen: 

o.A. / Versöhnungsabkommen zwischen Deutschland und Namibia paraphiert in Deutschlandfunk vom 15.05.2021. 

Van Riel / Deutschland entschuldigt sich für Genozid in Neues Deutschland vom 16.05.2021. 

Die Südafrikanische Romcom-Revolution

In Südafrika gibt es einen Boom von romantischen Komödien (Romcoms) mit mehrheitlich schwarzen Menschen vor und hinter der Kamera. Eine neue Generation von Filmschaffenden wächst heran und zeigt Johannesburg als moderne Metropole.

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Die Südafrikanische Romcom-Revolution

Netflix in Südafrika 

Netflix kam Anfang 2016 auf den südafrikanischen Markt. Der Streaming-Anbieter für Filme, Serien und Dokumentationen veränderte die Film- und Fernsehbranche Südafrikas, wie überall auf der ganzen Welt auch.  

Einen weiteren Wendepunkt stellten die seit etwa 2015 immer populärer werdenden schwarzen romantischen Komödien dar, die bis heute große kommerzielle Erfolge in Südafrika feiern. Zum ersten Mal hatten südafrikanische Filmemacherinnen und -macher große Erfolge an den Kinoabendkassen. Zudem konnten sie ihre Filme bei Streaming-Plattformen anbieten. 

Netflix hat 2021 etwa 200 Millionen Abonnenten. Die Art und Weise, in der Streaming-Dienste die Produktion, die Verteilung und den Verbrauch von Inhalten verändert haben, stellt den größten Umbruch in der Filmindustrie seit Jahren dar. 

Hindernisse für die Verbreitung von Netflix in Afrika 

Auf dem afrikanischen Kontinent verläuft die Ausbreitung von Netflix allerdings langsamer als an anderen Orten der Welt. Das liegt einerseits an den Kosten für Netflix selbst, andererseits an den hohen Kosten für die Internetverbindung. Dies führt dazu, dass der Anbieter nur 1,4 Millionen Abonnenten auf dem Kontinent hat. Trotzdem wachsen die Branchen für die Produktion und Erfassung von Onlineinhalten für Streaming-Plattformen in vielen afrikanischen Ländern.  

Lokale Konkurrenz  

Es geht dabei nicht nur um Netflix, sondern auch um südafrikanische Unternehmen wie Multichoice, welches digitales Sattelitenfernsehen DStv und einen Video-Streamingdienst namens Showmax anbietet. Nach eigenen Informationen sollen DStv und Showmax mittlerweile sogar mehr lokale Nutzerinnen und Nutzer haben als Netflix. 

Leichte Unterhaltung durch romantische Komödien 

Südafrikanische Romcoms scheinen perfekt geeignet für die Welt der Streamingdienste. Derzeit auf Netflix verfügbar sind romantische Komödien wie “Mrs. Right Guy” (2016), „Catching Feelings” (2017) und „Seriously Single” (2020). 

Die Filme “Vir Altyd” (Für immer) von 2016, “Happiness Is a Four-Letter Word” und “Mr Right Guy” spielten alle Rekordgewinne in den südafrikanischen Kinos ein. Kommentatoren meinen, dass das südafrikanische Publikum genug von anspruchsvollen intellektuellen, sozialkritischen Filmen hat und sich eher Genre-Filmen und leichterer Kost zuwendet. 

Die neue Generation an Filmschaffenden in Südafrika 

Die neuen südafrikanischen Romcoms brechen mit dem Narrativ der interkulturellen Liebe, welches die vorherige Generation vermehrt bearbeitete. Heute spielen die Romcoms häufig in der Mittel- und Oberschicht Johannesburgs und zeigen hauptsächlich junge, hippe, wohlhabende, gutaussehende, heterosexuelle schwarze Charaktere, die sich ineinander verlieben. 

Ein weiterer Unterschied zu der früheren Generation ist, dass alle Filme (bis auf Vir Altyd) von schwarzen Regisseurinnen und Regisseuren produziert wurden. Dies zeigt, dass Südafrikas Filmindustrie sich langsam verändert. 

Das moderne Johannesburg 

Die meisten Filme spielen in Johannesburg und zeigen die Stadt als moderne Metropole. Dabei wird allerdings nicht vergessen, die Wiedersprüche aufzuzeigen, die es in einer Stadt mit sozialen Konflikten und sozioökonomischen Ungleichheiten gibt. Dies wird durch Erzählstränge und Bilder erreicht.  

In den südafrikanischen Romcoms werden schwarze urbane Menschen gezeigt, die sich in wohlhabenden Umgebungen bewegen, von denen sie lange ausgeschlossen waren. Wahrscheinlich erfreuen sich die Filme auch deshalb so großer Beliebtheit. 

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels South Africa’s romcom revolution and how it reimagines Joburg von Frassinelli, P. veröffentlicht in The Conversation am 02.05.2021. 

Investigativjournalistin Tobore Ovuorie wird mit dem Freedom of Speech Award ausgezeichnet

Tobore Ovuorie ist investigative Journalistin aus Nigeria. 2013 recherchierte sie zu internationalem Sex- und Organhandel. Dafür arbeitete sie undercover als Sexarbeiterin. Nun erhielt sie den Freedom of Speech Award der Deutschen Welle.

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Investigativjournalistin Tobore Ovuorie wird mit dem Freedom of Speech Award ausgezeichnet

Verdeckte Recherche zum Menschenhandel

Sieben Monate recherchierte Tobore Ovuorie verdeckt zu den Vorgängen im organisierten Sex- und Organhandel in Nigeria. Dafür baute sie sich mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen eine falsche Identität auf, veränderte ihr Erscheinungsbild und ihre Art zu sprechen. Sie gab sich als Prostituierte aus und wurde von einer Zuhälterin aufgenommen.  

Nach einigen Monaten erklärte ihr ihre Zuhälterin, dass sie nun nach Italien geschmuggelt werden könnte. Ovuorie wurde kurz darauf mit einigen anderen Prostituierten in einem Bus in das benachbarte Benin gebracht. Während der Fahrt musste Ovuorie miterleben, wie zwei ihrer Mitfahrerinnen enthauptet wurden, ihnen sollten Organe entnommen werden.  

In Benin gelang ihr dann mit Hilfe einer befreundeten Journalistin die Flucht. Ihre Recherche war ein voller Erfolg. Nigerianische Behörden ermittelten infolgedessen gegen einen Menschenhandelsring. Außerdem wurde ihre Geschichte durch den Netflix-Film Òlòtūré adaptiert. Dies allerdings ohne die ausdrückliche Erlaubnis der Journalistin.  

Ovuorie wird mit dem Freedom of Speech Award ausgezeichnet 

Nun zeichnete sie die Deutsche Welle mit dem Freedom of Speech Award aus. Dieser Award wird an Menschen vergeben, die sich in herausragender Weise für die Freiheitsrechte, insbesondere die Presse- und Meinungsfreiheit, einsetzen. Mit diesem Preis soll Ovuorie persönlich, aber auch der gesamte freie Journalismus Afrikas gefördert werden, so DW-Intendant Peter Limbourg. 

In ihrer Zeit undercover wurde Tobore Ovuorie geschlagen und missbraucht, sie kam ins Krankenhaus und wäre fast gestorben. All diesen Risiken setzte sie sich aus, um die Wahrheit herauszufinden und die Realität tausender Frauen authentisch abzubilden. 

Gerechtigkeit durch investigativen Journalismus 

Schon als Kind war Tobore Ovuorie klar, dass sie Journalistin werden wollte. Sie schrieb viele Texte und schickte sie an nigerianische Tageszeitungen. Sie gab nicht auf, egal ob die Zeitungen ihre Texte ablehnten oder nicht. 

Ihr Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit begann in der Oberschule, als die Mutter einer Klassenkameradin beschuldigt wurde, ihren Mann durch Hexerei getötet zu haben. Sie widersprach diesem Gerücht. 

Und obwohl alle ihr sagten, sie solle sich nicht einmischen und still sein, protestierte sie weiter. Sie schrieb alle Details der Geschichte auf und als ihr Vater den Text fand, ermutigte er sie, mit ihrem Schreiben für Gerechtigkeit einzustehen. 

In ihrem späteren Berufsleben musste Ovuorie immer wieder mit den Vorurteilen in der nigerianischen Medienbranche Frauen gegenüber aufräumen. Sie wollte nicht nur über Familie, Mode und Unterhaltung schreiben, sondern sich ernsthafteren Themen zuwenden.  

Folgen der traumatischen Erlebnisse  

Viele der schrecklichen Erfahrungen, die Ovuorie in ihrer Zeit undercover erlebte, haben langfristige Folgen für sie. Ovuorie leidet unter Depressionen und posttraumatischer Belastungsstörung, eine Zeit lang dachte sie sogar an Selbstmord. 

Auch nach der Recherche zu Zwangsprostitution widmet sich Ovuorie schweren Themen wie dem Menschenhandel in Libyen oder der Stigmatisierung von mit HIV infizierten Kindern. Zurzeit recherchiert sie, ob Botschaftsangestellte in Nigeria etwas mit Menschenhändlern zu tun haben und diesen möglicherweise bei ihren Geschäften helfen. 

Weitere Informationen:  

Sina, M. / Tobore Ovuorie: Aufstehen für die Stimmlosen in DW vom 03.05.2021. 

Ovuorie, T. / From Sex Work To Slavery And Murder in Zam vom 22.01.2014. 

Frauenrechtlerin Nawal El Saadawi verstorben am arabischen Muttertag

Nawal El Saadawi war eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen aus Ägypten. Sie setzte sich gegen Genitalverstümmelung und für die Rechte von Frauen ein. Für viele verkörperte sie den Kampf der arabischen Frauen für Selbstbestimmung. Am 21. März 2021, dem arabischen Muttertag, ist sie in Kairo verstorben. Sie wurde 89 Jahre alt.

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Frauenrechtlerin Nawal El Saadawi verstorben am arabischen Muttertag

Die Frauenrechtlerin, Ärztin und Aktivistin Nawal El Saadawi wurde 1931 in einem Dorf namens Kafr Tahlan in der Nähe Kairos geboren. Ihre Eltern waren gebildet und erklärten ihr immer wieder, Mädchen und Jungen seien gleich. Im Alter von sechs Jahren allerdings wurde sie eines Nachts aus ihrem Bett gezogen und ins Badezimmer gebracht. Dort wurden ihr unter schrecklichen Schmerzen und den Blicken ihrer Mutter ihre Genitalien verstümmelt.  

Aktivistin gegen Genitalverstümmelung 

Dieser Vorfall führte dazu, dass sie sich ihr ganzes Leben gegen Genitalverstümmelung einsetzte.  
Im Jahr 1955 schloss El Saadawi ihr Medizinstudium ab und begann in den ländlichen Gebieten Ägyptens zu arbeiten, wo sie die Missstände der Bevölkerung kennenlernte. Dort behandelte sie häufig Mädchen, die wie sie Opfer von Genitalverstümmelung geworden waren.  

Publikationen zur Sexualität der Frau 

Später arbeitete sie im Universitätsklinikum in Kairo und wurde 1967 zur Direktorin für Gesundheitserziehung im ägyptischen Ministerium für Gesundheit. In dieser Stellung veröffentlichte sie die Zeitschrift  aṣ-Ṣiḥḥa (Deutsch: „Die Gesundheit“). Nach der Veröffentlichung einer provokativen Studie zu Frauen und ihrer Sexualität wurde die Zeitschrift allerdings eingestellt.  

Politische Folgen von El Saadawis Aktivismus 

Als El Saadawis Buch “Frauen und Sex” 1972 in Ägypten veröffentlicht wurde, wurde sie aus ihrem Amt im Gesundheitsministerium enthoben. Während der Amtszeit des Präsidenten Anwar Sadat wurde El Saadawi wie viele linke Aktivistinnen und Aktivisten in Ägypten zu dieser Zeit inhaftiert. Ende der 90er Jahre verließ sie Ägypten und ging in die USA ins Exil. Erst 2005 kehrte sie nach Ägypten zurück. 

Nawal El Saadawi schrieb über Themen wie Jungfräulichkeit, sexuellen Missbrauch, Prostitution und zeigte auf, dass finanzielle Probleme ebenso wie Moralvorstellungen und religiöser Extremismus zu Missbrauch führen können. Ihre Publikationen führten immer wieder zu Kontroversen in Ägypten. 

Sie schrieb insgesamt 50 Sach­bücher und Romane über ­Sexualität und Frauenrechte, mehrere davon wurden in Ägypten und anderen arabischen Staaten verboten.  

Kritik an weltweiten patriarchalen Strukturen 

In Deutschland oder den USA wurde El Saadawi hingegen gefeiert. Allerdings kritisierte sie die Darstellung “der arabischen Frau” in den Medien der USA und Deutschlands. El Saadawi betonte, dass die Unterdrückung der Frau nicht nur im Islam vorkommen würde, sondern dass ebenso das Christen- und Judentum patriarchalen Strukturen dienten. In einem Interview mit dem SPIEGEL von 2012 forderte sie säkulare Gesetze. 

Außerdem kritisierte El Saadawi, dass die Unterdrückung der arabischen Frau oft allein als Folge von Kultur und Religion angesehen wurde, und wirtschaftliche und politische Faktoren häufig unberücksichtigt blieben. 

Internationaler Feminismus 

Sie setzte sich für eine internationale Solidarität unter Frauen ein. Diese Solidarität ist laut El Saadawi nur möglich, wenn alle Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, Gemeinsamkeiten anerkannt und Unterschiede akzeptieren werden.  

El Saadawis kontroverser politischer Aktivismus  

2011 war sie Teil des Protestes gegen die Mubarak-Regierung und kritisierte 2012 die Muslimbruderschaft, die Errungenschaften der Revolution in Ägypten für sich zu nutzen.  

Nach der Machtübernahme des heutigen Präsidenten Abdel Fatah al-Sisi 2014 verteidigte El Saadawi diesen, trotz seiner bekannten Menschenrechtsverletzungen. Dies stellt einen Bruch zu ihrem jahrelangen Kampf gegen illegitime politische Macht dar.  

Dennoch verkörpert Nawal El Saadawi für viele Frauen in Ägypten und anderen arabischen Ländern den Kampf gegen Unterdrückung und Ungleichheit von Frauen. Ihr Werk und ihre Errungenschaften stehen, auch nach ihrem Tod am 21. März 2021, für ihren stetigen Aktivismus für die Selbstbestimmung der Frau. 

Quellen:  

o. A. / Frauenrechtlerin Nawal al-Saadawi verstorben in DW vom 21.03.2021. 

El-Gawhary, K. / Tod einer Ikone in der taz vom 22.03.2021. 

Engelcke, D. / Wie Nawal El Saadawi zur Ikone des Feminismus wurde in zenith vom 29.03.2021. 

Besondere Therapie gegen Depressionen in Zimbabwe: Freundschafts-Bänke

Dixon Chibanda entwickelte eine besondere Form der Therapie in Zimbabwe, damit jeder Person in Not geholfen werden kann: Ausgebildete Großmütter sitzen auf “Freundschafts-Bänken” und bieten Verhaltenstherapie für Menschen mit Depressionen an.

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Besondere Therapie gegen Depressionen in Zimbabwe: Freundschafts-Bänke

Depressionen und Suizid 

In Zimbabwe leben 16,5 Millionen Menschen, viele Menschen sind HIV-positiv und das Land leidet unter Dürre, Inflation, Korruption und Nahrungsmittelmangel. Medikamente und gesundes Essen sind für viele Menschen zu teuer. Unterstützung von ausgebildetem medizinischem Personal gibt es kaum. Denn in ganz Zimbabwe gibt es nur ein paar dutzend Psychologinnen und Psychologen.  

Weltweit leiden etwa 300 Millionen Menschen an Depressionen, einer der häufigsten Gründe für Selbstmord. In Zimbabwe werden Depressionen oder Angststörungen “Kufungisisa” genannt, das heißt “zu viel denken” auf Shona.  

Viele Menschen sehen keinen Ausweg aus ihrem Leid und die Selbstmordrate in Zimbabwe steigt seit Jahren an, sie ist eine der höchsten in ganz Afrika.  

Kaum Therapiemöglichkeiten in Zimbabwe 

Dixon Chibanda ist Psychologe in Zimbabwe, ein Schlüsselerlebnis brachte ihn auf eine Idee, die vielen das Leben rettet:  

Ein Kollege aus einer anderen Stadt rief ihn abends an, eine Patientin von Chibanda war in ein Krankenhaus eingeliefert worden, 200km von Harare entfernt. Sie hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Arzt und Chibanda einigten sich, dass die Patientin, sobald sie entlassen wurde, mit ihrer Mutter zu Chibanda nach Harare kommen sollte, um mit ihm zu sprechen.  

Als die Frau nach mehreren Wochen nicht gekommen war, meldete sich schließlich ihre Mutter: ihre Tochter hatte sich vor drei Tagen am Mangobaum der Familie erhängt. Chibanda war geschockt und fragte, weshalb sie nicht zu ihm gekommen waren. Die Mutter antwortete, dass sie die 15 Dollar für ein Busticket nach Harare nicht bezahlen konnten.  

Therapiemöglichkeiten in der Nähe 

Durch dieses Erlebnis wurde Chibanda das Problem deutlicher als je zuvor. Es gab zu wenig psychologische Hilfe, um für jede Person erreichbar zu sein. So entschloss Chibanda, dies in die Hand zu nehmen und zu ändern.  

Chibanda erkannte, dass es eine verlässliche Personengruppe in jeder Gemeinde gab: Großmütter. Es gibt sie überall und die Chancen sind gering, dass sie ihre Gemeinden bis zum Tod noch einmal verlassen werden. 

TherapieTools für Großmütter 

So begann er 2006, Großmütter in evidenzbasierter Gesprächstherapie zu trainieren. Die alten Damen erlernten die Fähigkeit richtig zuzuhören und empathisch zu reagieren. Ihnen wurde gezeigt, wie sie bei Menschen eine Verhaltensaktivierung erwirken können oder Aktivitätenplanungen aufzustellen. Alles auf einer verhaltenstherapeutischen Grundlage.  

Wenn die Großmütter eine Einführung in die Gesprächstherapie erhalten haben, können sie auf sogenannten “Freundschafts-Bänken” (Original: “Friendship Bench”) für andere da sein. Betroffene Menschen können den Großmüttern ihr Leid klagen und ein offenes Ohr und konstruktive Hilfe erhalten.  

Freundschafts-Bänke stehen mittlerweile in fünf verschiedenen Ländern, insgesamt arbeiten dort 700 ausgebildete Helferinnen und Helfer im Alter von 35 bis 85 Jahren.  

Wirkung der therapeutischen Maßnahmen 

Die Auswirkungen der Freundschafts-Bänke wurden 2016 in einer klinischen Studie belegt. Es konnte eine Reduzierung von Selbstmordgedanken und Depression um 80% und eine 60-prozentige Steigerung der Lebensqualität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nachgewiesen werden. 

Bis heute saßen etwa 65.000 Menschen auf den Freundschafts-Bänken und erhielten Hilfe bei mentalen Problemen.  

2020 wurde das Konzept sogar in die USA importiert, auch in New York gibt es heute Freundschafts-Bänke. Auf ihnen sitzen allerdings nicht hauptsächlich Großmütter, sondern Menschen jeden Alters. 

Auswirkungen von Corona auf Depressionen und die Freundschafts-Bänke 

Die Corona-Pandemie fordert viele Opfer. Gerade in schweren Krisen ist die mentale Gesundheit stark gefährdet. Viele der Helferinnen auf den Freundschafts-Bänken sind Großmütter im hohen Alter, sie gehören zur Risikogruppe. Trotzdem bringen es viele von ihnen nicht übers Herz, hilfesuchende Menschen in Not abzuwimmeln. Als Alternative sind Telefongespräche möglich, doch nicht jede Person hat ein Telefon und manchmal ist der persönliche Kontakt zu einem Menschen das Einzige, was hilft.  

Chibanda selbst verlor schon sechs befreundete Kolleginnen und Kollegen an das Corona-Virus und auch einige Großmütter erlagen der Krankheit. Wenn Selbstisolierung keine Möglichkeit darstellt, ist der einzige Ausweg aus der Pandemie ein schneller Zugang zu Impfstoffen für alle, so Chibanda. 

Quellen:  

Webseite „Friendship Bench“

o. A. / Coronavirus in Zimbabwe: ‚We need vaccines now‘ in BBC vom 26.01.2021.

Chibanda, D. / „Why I train grandmothers to treat depression“ in TEDWomen 2017 von November 2017.

Mehr Kinderehen infolge der Corona-Pandemie

Durch Schulschließungen in der Corona-Pandemie verpassen Schülerinnen und Schüler in Afrika nicht nur ihre Chance auf Bildung. Häusliche Gewalt, Kinderehen und frühe Schwangerschaft können weitere schrecklichen Folgen sein.

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Mehr Kinderehen infolge der Corona-Pandemie

In fast allen Ländern der Welt wurden zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Schulen geschlossen. In Afrika südlich der Sahara blieben die Schulen im Schnitt 101 Tage geschlossen. 

Anstieg von häuslicher und sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen 

Während der Schulschließungen verbrachten Kinder mehr Zeit zuhause. Vor allem für Mädchen bedeutete dies, häufig häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein und schlimmstenfalls ungewollt schwanger zu werden. 

10 % mehr Kinderehen im nächsten Jahrzehnt 

UNICEF schätzt, dass es infolge der Corona-Pandemie in den nächsten zehn Jahren zu etwa 10 % mehr Kinderehen kommen wird. Das würde bedeuten, dass im nächsten Jahrzehnt 110 Millionen Kinder in einem Alter unter 18 Jahren heiraten werden.  

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 2 % der Mädchen nach Wiedereröffnung der Schulen nicht zurückkehren werden. Ein Grund ist, dass Eltern die Erfolge durch Bildung in diesen Zeiten nicht sehen können und teilweise keinen Sinn in der Fortführung des Schulbesuches sehen. 

Lockdown- und Social-Distancing-Maßnahmen haben in vielen Haushalten zu einem Einbruch von Einkommen geführt. Um sich aus finanziellen Notlagen zu retten, mussten viele Familien sparen, beispielsweise bei Kosten für die Bildung ihrer Kinder. Auch die Verkleinerung des Haushalts führt zu weniger Kosten und kann Eltern dazu zwingen, ihre Kinder zu verheiraten. Dieses Vorgehen geht oft mit dem Wunsch einher, den eigenen Kindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Wenn zudem eine Mitgift an die Familie der Braut gezahlt wird, steigt das Risiko einer Kinderehe in wirtschaftlichen Krisen um 3 % (UNICEF). 

Folgen von Kinderehen für junge Mädchen 

Mädchen, die heiraten, wenn sie minderjährig sind, sind häufiger von häuslicher Gewalt betroffen und besuchen kürzer eine Schule. Dadurch haben Mädchen und Frauen geringere Chancen, mit ihrer Arbeit genug Geld zu verdienen, um sich selbst zu versorgen und können in eine Abhängigkeit zu ihrem Ehemann geraten. Kinderehen können außerdem dazu führen, dass Mädchen aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen werden und ihre Bezugspersonen verlassen müssen. 

Frühe Schwangerschaft als Folge von Kinderehen 

Zudem werden Mädchen durch eine frühe Heirat früher schwanger, das führt häufig zu gesundheitlichen Problemen während der Schwangerschaft und der Geburt. Im globalen Süden bekommen jährlich etwa 12 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 und mindestens 770.000 unter 15-Jährige ein Kind.  

Die weltweit häufigste Todesursache für Mädchen zwischen 5 und 19 Jahren sind Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt. Von etwa 5,6 Millionen Schwangerschaftsabbrüchen von Mädchen zwischen 5 und 19 sind 3,9 Millionen nicht sicher.  

Maßnahmen für den besseren Schutz von Frauen und Mädchen nötig 

Die Corona-Pandemie hat Geschlechterungleichheit verschärft und bedroht Fortschritte in der Entwicklung hin zu einer gerechteren Welt. Die Nachwirkungen der Pandemie werden noch etwa ein Jahrzehnt zu spüren sein.  

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore meint, ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie wären sofortige Maßnahmen nötig, um die Folgen für Mädchen und ihre Familien zu mildern: „Durch die Wiedereröffnung von Schulen, die Umsetzung wirksamer Gesetze und Politiken, die Sicherstellung des Zugangs zu Gesundheits- und Sozialdiensten – einschließlich geschlechtsspezifischer und fortpflanzungsmedizinischer Gesundheitsdienste – und die Bereitstellung umfassender sozialer Schutzmaßnahmen für Familien können wir das Risiko eines Mädchens, dass ihr ihre Kindheit durch Kinderheirat gestohlen wird, deutlich verringern“.  

Quellen:  

“Corona treibt Hunderttausende Mädchen in Zwangsehe” in DW vom 01.10.2020. 

WHO: “Adolescent pregnancy” 31.01.2020. 

WHO: “School closures and teenage pregnancy“ 2021. 

UNICEF Bericht: “COVID-19: A threat to progress against child marriage” März 2021. 

UNICEF: “Early childbearing” November 2019. 

Neuer wirksamerer Malaria-Impfstoff gefunden

An der Oxford University wurde ein neuer Impfstoff gegen die in tropischen Gebieten verbreitete Infektionskrankheit Malaria entwickelt. Erste Studien machen Hoffnung auf eine hohe Wirksamkeit des Impfstoffs.

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Neuer wirksamerer Malaria-Impfstoff gefunden

Pünktlich zum Weltmalaria-Tag am 25.04.2021 gab es die Vorveröffentlichung einer Studie zu einem neuen, wirksameren Malaria-Impfstoff. Der Impfstoff “R21/Matrix-M” wurde von Forschenden der Oxford University entwickelt und erreichte nun in einer klinischen Studie mit 400 Teilnehmenden eine Wirksamkeit von 77 %. Nun soll eine breiter angelegte Studie in mehreren afrikanischen Ländern diesen Erfolg bestätigen.  

Was ist Malaria und wo kommt die Krankheit vor? 

Malaria ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch einen Plasmodium-Parasiten, welcher von den weiblichen Tieren der Anopheles-Mücke auf den Menschen übertragen wird. 2019 wurden 229 Millionen Fälle und 400.000 Tote registriert. Zwei Drittel der Toten waren Kinder unter fünf Jahren. 

Drei Milliarden Menschen auf der Welt leben in Gebieten, in denen Anopheles-Mücken leben. Diese kommen in subtropischen und tropischen Teilen der Erde vor. Malaria ist eine der gefährlichsten und häufigsten Infektionskrankheiten der Welt. Sie löst Fieber und Gliederschmerzen aus und kann zu Hirnhautentzündungen und somit zum Tod führen.  

Unterschiede bei der Impfstoffentwicklung bei Malaria im Vergleich zu Covid-19 

Obwohl bereits seit den 1980er Jahren an Medikamenten und Impfstoffen gegen die Krankheit geforscht wird, konnte erst jetzt ein wirksamer Impfstoff entdeckt werden. Zuvor gab es zwar schon andere Impfstoffe, diese erreichten allerdings nicht die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an eine Wirksamkeit von mindestens 75 %. Gerade im Vergleich mit der Geschwindigkeit, in der Covid-19-Impfstoff entwickelt wurden, wirkt dieser Umstand irritierend.  

Ein großer Unterschied zwischen dem Coronavirus und dem Plasmodium-Parasiten ist ihre Biologie. Plasmodien sind Einzeller und weitaus komplexere Organismen als das Coronavirus. Sie durchlaufen im Körper eines Menschen mehrere Stadien. Darum ist es sehr viel komplizierter, dem menschlichen Körper durch eine Impfung “beizubringen”, wie er sich dagegen schützen kann. 

Ein weiterer Grund für die unterschiedliche Geschwindigkeit der Entwicklung ist allerdings der finanzielle Aspekt: für die Suche nach einem Covid-19-Impfstoff investierten Europa und die USA im Jahr 2020 über 100 Milliarden Euro. In die Malaria-Forschung wurde laut Peter Kremsner (Leiter des Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie des Universitätsklinikums Tübingen) in den letzten zehn Jahren nicht einmal eine Milliarde Euro investiert. Dies liegt seiner Meinung nach an der Entfernung Europas zu dieser Krankheit.  

Einfluss der Corona-Pandemie auf die Bekämpfung von Malaria 

Die Corona-Pandemie beeinflusst den Kampf gegen Malaria negativ: medizinisches Personal musste abgezogen und anderswo eingesetzt werden. Zudem konnte die Verteilung von Moskito-Netzen und Medikamenten durch unterbrochene Lieferketten nicht mehr überall gewährleistet werden. In Afrika gingen die Malaria-Behandlungen um 15 % zurück, in Asien sogar um 60 %. 

Neue Malaria-Impfung als Chance

Die Forschenden der Universität von Oxford hoffen, bei einer Zulassung des Impfstoffs R21/Matrix-M die Todeszahlen von 400.000 auf zehntausende pro Jahr reduzieren zu können. Da in betroffenen Ländern die Impfbereitschaft oft hoch ist, könnte dies tatsächlich einen Meilenstein in der Bekämpfung Malarias darstellen. 

Quellen:  

Wüstenhagen, C. / Malaria ist weit weg in der Zeit vom 25.04.2021. 

Sepehr, J. / Chance auf Durchbruch bei Malaria-Impfung auf zdf.de vom 25.04.2021.  

o. A. / Erstes Malaria-Vakzin mit hoher Wirksamkeit auf Tagesschau.de vom 25.04.2021.

Gambia hat die Bindehautkrankheit Trachom besiegt

Gambia ist das zweite Land Afrikas, welches die Bindehautkrankheit Trachom erfolgreich bekämpft hat. Ghana gelang dieser Erfolg schon 2018. Das Trachom ist eine der häufigsten Augenkrankheiten weltweit.

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Gambia hat die Bindehautkrankheit Trachom besiegt

Das Trachom ist eine durch Chlamydien verursachte Infektionskrankheit. Bei wiederholten Entzündungen durch ein Trachom kann es zu Bindehautvernarbungen, Hornhauttrübungen (durch das Scheuern von nach innen wachsenden Wimpern auf der Hornhaut) und schließlich Blindheit kommen. Kinder sind besonders häufig betroffen. 

Vorkommen von Trachomen 

Die Krankheit ist oft in trockenen und heißen Klimazonen zu finden. Eine hohe Bevölkerungsdichte, Armut und Wassermangel begünstigen ihre Verbreitung. Trachome werden durch Schmierinfektionen übertragen, bspw. bei der gemeinsamen Benutzung eines Handtuchs. Auch Fliegen können die Krankheit übertragen.  

In den Anfangsstadien gibt es gute Aussichten auf Heilung. Erst eine wiederkehrende Infektion oder ein langer Verlauf verschlechtern die Prognosen. Im Jahr 2019 waren 142 Millionen Menschen von einem Trachom betroffen. 1,9 Millionen erblindeten in Folge einer Infektion. 

Prophylaxe und Behandlung von Trachomen 

Sanitäre Anlagen, sauberes Wasser und die Gesundheitsaufklärung zur Verbesserung der Hygiene können vor einer Infektion schützen. Behandelt werden können Trachome durch Antibiotika. Durch Operationen kann eine Fehlstellung des Augenlids korrigiert und so das Scheuern der Wimpern beseitigt werden. 

Die gambische Regierung und Hilfsorganisationen investierten Jahre, um Trachome auch bei Patientinnen und Patienten in ländlichen Regionen nachzuweisen und zu behandeln. Nun können wichtige medizinische Ressourcen gegen andere Krankheiten eingesetzt werden. 

Quelle:

Leicht, S. / Trachom in DocCheck Flexikon vom 26.11.2020.  

Ahmed, K. / The Gambia becomes second African state to end trachoma in The Guardian vom 22.04.2021. 

Covid-19: Update zum Impfstatus in Afrika

In Afrika ist erst weniger als ein Prozent der Bevölkerung geimpft, in Europa sind es 17,5 %. Grund dafür sind neben regionalen Verteilungsproblemen und Angst vor Nebenwirkungen in der Bevölkerung vor allem der Impfnationalismus des globalen Nordens.

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Covid-19: Update zum Impfstatus in Afrika

Die Afrikanische Union gibt an, dass die Impfstoffe, welche über die COVAX-Initiative nach Afrika geliefert werden, nicht ausreichen werden, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden nur 2 % der Impfungen weltweit in Afrika verabreicht. 

Zusätzlich zu den Lieferengpässen durch den globalen Impfnationalismus kommt es auch in Afrika zu Akzeptanzproblemen der Vakzine. Durch Berichte über Nebenwirkungen oder Desinformationskampagnen im Internet haben einige Menschen Angst, sich impfen zu lassen. 

Verteilungsprobleme innerhalb der Länder 

Auch die Verteilung der Impfdosen in den einzelnen Ländern führt zu Problemen: In Kenia wurde versucht, die Impfdosen gleichmäßig in die einzelnen Regionen des Landes zu verteilen. In den Städten sind jedoch deutlich mehr Menschen bereit, sich impfen zu lassen und es gibt bessere Organisations- und Infrastrukturen als auf dem Land. Dies führte dazu, dass in den Städten zu wenig Impfdosen vorhanden waren und dafür in den ländlichen Regionen liegen blieben. 

Ruanda hatte sich bei der Verteilung der Impfdosen auf die Ballungszentren konzentriert. So wurden in der Hauptstadt Kigali inzwischen neben älteren Menschen auch Gefangene, Motorrad-Taxifahrerinnen und -fahrer und Menschen, die auf Märkten arbeiten, geimpft. Außerhalb der Hauptstadt wurde zunächst vornehmlich medizinisches Personal geimpft. So konnten alle 350.000 zur Verfügung stehenden Impfdosen (Stand: 21.04.2021) genutzt werden. 

Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung 

In Afrika wird aufgrund des günstigen Preises und der einfachen Lagerung ohne starke Kühlung am häufigsten mit dem Impfstoff AstraZeneca geimpft. Trotz der Berichte zu den Nebenwirkungen des Präparats haben sich die meisten afrikanischen Länder dazu entschieden, weiterhin mit AstraZeneca zu impfen.  

AstraZeneca kann in sehr seltenen Fällen zu Sinusvenenthrombosen führen.Auch andere Impfstoffe stehen im Verdacht, diese Form der Thrombose zu begünstigen. Tatsächlich ist die Gefahr einer Sinusvenenthrombose nach einer Covid-19-Infektion allerdings deutlich höher als nach der Impfung [1]. 

In Südafrika wurde das Impfen mit AstraZeneca allerdings komplett ausgesetzt, da der Wirkstoff schlechter gegen die südafrikanische Variante des Virus schützt. Auch die Impfungen mit der Alternative von Johnson & Johnson wurde nun aufgrund einiger Fälle von Sinusvenenthrombosen gestoppt. Somit kam die komplette Impfkampagne Südafrikas zum Erliegen. 

Südafrika ist mit 54.000 an Covid-19 verstorbenen Menschen und 1,5 Millionen Infizierten (Stand: 21.04.2021), das am stärksten betroffene Land Afrikas.  

Ungerechte globale Impfstoffverteilung bleibt größtes Problem 

Trotz allem bleibt die Lieferung der Impfstoffe das größte Problem. Der bestehende Impfstoffnationalismus führt dazu, dass einige Länder schon große Teile ihrer Bevölkerung geimpft haben und andere weniger als ein Prozent. Wenn nun wohlhabende Länder aus Angst auf Impfstoffe wie AstraZeneca verzichten und diese in afrikanischen Ländern landen, kann dies zu großem Misstrauen in der Bevölkerung führen.  

Die COVAX-Initiative setzte sich zum Ziel, im Jahr 2021 zwei Milliarden Impfdosen zu liefern, 600 Millionen davon in afrikanische Länder. Bisher wurden allerdings erst 50 Millionen Dosen an 110 Staaten weltweit verteilt. Selbst mit zwei Milliarden Impfdosen könnten nur etwa 20 % der Bevölkerung der Nehmerstaaten, geimpft werden. Doch auch zu diesem Ziel fehlen noch 27 Millionen US-Dollar. 

Darum sollte mehr Geld in die COVAX-Initiative investiert werden, appelliert die WHO. So soll eine gemeinsame Impfstoffentwicklung gefördert und eine gerechte Verteilung ermöglicht werden. Südafrika und Indien stellten zudem einen Antrag bei der WHO, um die Patentrechte der Impfstoffe vorübergehend aufzuheben. Ob dies das Problem nachhaltig lösen würde, wird von einigen Expertinnen und Experten jedoch bezweifelt.  

Quelle:  

Cascais, A. /  https://www.dw.com/de/covid-19-so-l%C3%A4uft-die-impfkampagne-in-afrika/a-57232256 in DW vom 17.04.2021. 

Dieterich, J. / https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/westliche-staaten-blockieren-patentrechte-afrika-klagt-ueber-die-impfstoff-apartheid/27110744.html in Der Tagesspiegel vom 20.04.2021. 

[1]: Brey, M. / “Nach Thrombose-Risiko-Behauptung in Oxford-Studie: Biontech veröffentlicht Statement – mit deutlichem Ergebnis“ im Merkur vom 21.04.2021. 

Spannende Innovationen im Gesundheitsbereich aus Afrika

Im Zuge der Covid-19-Pandemie kommt es in den unterschiedlichsten Bereichen des Gesundheitswesens in Afrika zu nützlichen Innovationen. Mit Technologien wie dem solarbetriebenen Rucksack beispielsweise können medizinische Messungen auch in ländlichen Gegenden, weit ab von einem Krankenhaus, durchgeführt werden.

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Spannende Innovationen im Gesundheitsbereich aus Afrika

Ob ein Pflegeroboter aus dem Senegal, die Covid-19-App, die in Ghana schon früher gelauncht wurde als in Deutschland, oder die Doctors E-Consult App aus Botsuana, überall in Afrika kommt es zu wichtigen Innovationen im Gesundheitswesen. 

Im Oktober 2020 veröffentlichte die WHO eine Analyse über modifizierte oder neue Technologien im Gesundheitsbereich als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie. Von 1.000 untersuchten Innovationen stammten 120 aus afrikanischen Ländern. Die Innovationen stammen aus Bereichen wie der Rückverfolgung von Kontakten, der Behandlung von Patienten, neuen Laborsystemen und der Prävention.  

Neue Informations- und Kommunikationstechnologien machen über die Hälfte der Innovationen aus Afrika aus 

Bei 57,8 % der Innovationen aus Afrika handelt es sich um Informations- und Kommunikationstechnologien. Dazu gehören bspw. WhatsApp-Chatbots aus Südafrika, Selbstdiagnose-Programme aus Angola, die Kontaktverfolgungs-App aus Ghana oder mobile Informationsplattformen aus Nigeria. 

Weitere 25 % der Innovationen basieren auf der 3D-Drucktechnik, so werden bspw. Gesichtsvisiere für medizinisches Personal gedruckt. Bei knapp 11 % handelt es sich um Technologien aus dem Robotik-Bereich, ein Beispiel stellt ein Roboter aus Ruanda dar, der die Temperatur der Menschen misst und sie auf die Maskenpflicht aufmerksam macht. Die meisten Innovationen kamen aus den Ländern Südafrika (13 %), Kenia (10 %), Nigeria (8 %) und Ruanda (6 %). 

Covid-19 als Chance für innovative Unternehmensideen 

Dr. Matshidiso Moeti, der WHO Regionaldirektor Afrikas, sieht die Herausforderung der Covid-19-Pandemie auch als Chance für neue Unternehmensideen. Als Beispiele nennt er solarbetriebene und mobile Handwaschstationen und Informationsprogramme für Mobiltelefone. Diese Innovationen sind genau auf den afrikanischen Kontinent zugeschnitten. 

Das Regionalbüro der WHO in Afrika baut eine globale Datensammlung zu Innovationen auf, in der Informationen und Wissen geteilt und Ideen ausgetauscht werden können. 

Solarbetriebener Rucksack für medizinische Untersuchungen in ländlichen Gebieten 

Die innovative Plattform Afiya verknüpft digitale Technologien im Gesundheitssektor mit Solartechnik. Mitarbeitende im Gesundheitssektor werden mit Smartphones und einem solarbetriebenen Rucksack ausgestattet, welcher über Bluetooth mit verschiedenen medizinischen Messinstrumenten verbunden ist. So können Patientendaten sicher gesammelt und gespeichert werden. Die Gesundheitsdaten der Patienten werden automatisch in eine Cloud hochgeladen, sobald das Smartphone eine Internetverbindung aufbauen kann. Während das Gesundheitswesen so einen Überblick erhält und medizinisches Personal sinnvoll koordinieren kann, ermöglicht der Rucksack Menschen in abgelegenen Gegenden medizinische Betreuung. 

Ein Roboter aus Ägypten könnte medizinisches Personal entlasten 

In Ägypten entwickelte der Mechatronik-Ingenieur Mahmoud el-Koumi einen ferngesteuerten Roboter, der Ärzten bei der Durchführung von Tests an verdächtigen Covid-19-Patienten hilft. Der Roboter heißt Cira-03, er hat ein menschliches Gesicht, um nicht beunruhigend auf Menschen zu wirken. Außer einem Covid-19-Test kann Cira-03 noch weitere medizinische Tätigkeiten durchführen. Er kann bspw. einen Bluttest nehmen, die Temperatur messen, einen Ultraschall durchführen oder eine Röntgenaufnahme machen. 

So ermöglicht der Roboter dem medizinischen Personal, weniger Kontakt mit   infizierten Menschen aufnehmen zu müssen.  

Obwohl Innovationskraft in der Regel mit der ökonomischen Stärke eines Landes zusammenhängt, performen vor allem Staaten in Sub-Sahara Afrika deutlich besser als erwartet. 

Mehr über Innovationen aus Afrika kann in unserem Unterrichtsmodul Innovation für die Grundschule und Sekundarstufe I und II nachgelesen werden.

Quellen:

Asala, K. / “Egypt’s COVID-19 robot hospital assistant might just save lives” in Africa News vom 23.03.2021. 

Hoffmann, H.  / “Wir waren schneller als Europa” in Der Spiegel vom 14.01.2021. 

Sheikhdon, Y. / “In Somalia, innovation is key to revolutionizing health care” in World Bank Blogs vom 01.12.2020. 

o. A. / “COVID-19 spurs health innovation in Africa” in WHO – Regional Office For Africa vom 29.10.2020. 

Rühl, B. /“Corona in Ruanda: Roboter statt Krankenpfleger” in BR vom 06.06.2020. 

Archäologen in Ägypten entdecken die „Verlorene Goldene Stadt“

In Ägypten wurde die antike “Verlorene Goldene Stadt” entdeckt. Archäologinnen und Archäologen sind begeistert, es handelt sich wahrscheinlich um die größte antike Stadt, die je in Ägypten freigelegt wurde.

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Archäologen in Ägypten entdecken die „Verlorene Goldene Stadt“

Mit den Ausgrabungen wurde im September 2020 begonnen. Gegraben wurde zwischen den Tempeln von Ramses III. und Amenophis III., etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo. (Auf dem Bild ist die Statue des Amenophis III. bei seinem Tempel in der Nähe der Ausgrabungsstätte zu sehen). Die Stadt ist laut den Archäologinnen und Archäologen gut erhalten. Ganze Räume sind erkennbar und voller Alltagsgegenstände. 

Größte antike Stadt Ägyptens 

Die antike Stadt in Ägypten ist wahrscheinlich die größte, die je dort entdeckt wurde. Der Archäologe Zahi Hawass, der die Expedition anführte, erklärt, dass die Stadt aus der Zeit des Königs Amenophis III. stammt, der von 1391 – 1353 v. Chr. das Land regierte. Auch in den Zeiten der Pharaonen Tutanchamun und Ay soll die Stadt noch bewohnt gewesen sein. 

Erst Anfang April 2021 wurden die Mumien der alten ägyptischen Königinnen und Könige, unter ihnen auch Amenophis III., in einem prunkvollen Zug in das neue Nationalmuseum der Ägyptischen Zivilisation in Kairo gebracht. 

Gut erhaltene Ausgrabungsfunde 

Die sogenannte “Verlorene Goldene Stadt” wurde schon von vielen zuvor gesucht, und doch nie gefunden. Nun fanden die Archäologinnen und Archäologen bei der Ausgrabung sogar Schmuckstücke, Skarabäen, Keramikgefäße und Lehmziegel mit dem Siegel des Königs Amenophis III., die eine genaue Datierung ermöglichen. 

Unter anderem konnten auch Verwaltungsgebäude und eine Bäckerei mit Öfen freigelegt werden.  

Die “Verlorene Goldene Stadt” stammt aus einer Zeit, als sich das ägyptische Reich vom Euphrat im heutigen Irak und Syrien bis zum Sudan erstreckte. Laut der amerikanischen Archäologin Betsy Bryan handelt es sich bei diesem Fund um den zweitwichtigsten in der ägyptischen Geschichte, seit der Entdeckungen des Grabes von Tutanchamun vor etwa 100 Jahren.  

Quelle: 

Größte antike Stadt „Lost Golden City“ entdeckt “ aus DW vom 10.04.2021. 

Afrikan Echoes: Digitalisierung mündlich überlieferter Geschichten

Eine afrikanische Hörbuch-App möchte die lange Tradition der mündlichen Überlieferung von afrikanischen Geschichten endlich in das digitale Zeitalter übersetzen.

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Afrikan Echoes: Digitalisierung mündlich überlieferter Geschichten

Der Unternehmer Herman Chinery-Hesse, Gründer des größten Softwareunternehmens Ghanas, entwickelte die App „Afrikan Echoes”.  

Damit soll es möglich werden, mündliche Geschichten zum Preis von 1$ zu downloaden und anzuhören. Alle Menschen sollen eigene Geschichten in ihrer Erstsprache aufnehmen und einsenden können. Das Team von Afrikan Echoes wird dann entscheiden, welche Geschichten in einem Studio aufgezeichnet und in der App gehört werden können. 

Die Vision hinter Afrikan Echoes 

Allen Menschen soll es möglich gemacht werden, ihre Geschichte(n) zu erzählen. Denn auch, wer nicht lesen oder schreiben kann, kann Geschichten zuhören und diese weitererzählen.  

Der Wunsch von Chinery-Hesse ist es, dass Menschen auf der ganzen Welt afrikanische Geschichten von afrikanischen Menschen hören, die auf afrikanische Weise erzählt werden. 

Auch auf dem afrikanischen Kontinent wünscht er sich einen internationalen Austausch von Geschichten. Die einzelnen Geschichten, Sagen, Autobiografien, historischen Erzählungen oder Romanzen sollen in unterschiedliche afrikanische Sprachen wie Yoruba, Swahili oder Amharisch übersetzt werden. 

Auch ländliche Gegenden ohne Internetzugang wurden bei der Konzeption der App mitbedacht: So soll es möglich sein, mit einer Internetverbindung einen “Großeinkauf” in der App zu tätigen und die einzelnen Geschichten dann über Bluetooth an andere Geräte weiterzuschicken – ganz ohne Internet. 

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels An audiobooks app will tell unheard African stories von Beighton, R. und Wood, R. veröffentlicht von CNN am 18.01.2021. 

Spuren des Kolonialismus: Koloniale Denkmäler in Deutschland

Im Zuge der weltweiten Black Lives Matter Demonstration 2020 setzen sich immer mehr Menschen mit Kolonialismus auseinander. Bilder von gestürzten kolonialen Denkmälern aus den USA oder Großbritannien gingen um die Welt. Doch auch Deutschland hat eine Kolonialvergangenheit.

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Spuren des Kolonialismus: Koloniale Denkmäler in Deutschland

Deutschlands koloniale Vergangenheit 

Deutschland eignete sich ab 1884 Kolonien in Afrika, Ozeanien und Ostasien an und verfügte damit zeitweise über das viertgrößte koloniale Gebiet. Die gewaltvolle Herrschaft der Deutschen führte zu Aufständen in den Kolonien. Unter anderem kam es zum Aufstand der Herero und Nama, welcher zwischen 1904 –1908 so brutal niedergeschlagen wurde, dass er als erster Genozid des 20. Jahrhunderts gilt. 

Nach dem ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich seine Kolonien. Gerade in der Zeit danach sollten koloniale Denkmäler die Erinnerung an das “Weltreich” in der Bevölkerung wachhalten. 

Wie wird mit Kolonialdenkmälern umgegangen? 

In der DDR wurden nach 1945 alle kolonialen Denkmäler abgetragen, um so ein Zeichen zu setzen und sich vom deutschen Kolonialerbe zu distanzieren. 

Ein bekanntes Beispiel für ein heute umgedeutetes Denkmal stellt ein 10 Meter hoher Elefant aus Ziegelsteinen im Bremer Nelson-Mandela-Park dar. Dieser Elefant wurde 1932 errichtet, um an die im Ersten Weltkrieg in den deutschen Kolonien gefallenen Soldaten zu erinnern.  

Anlässlich der Unabhängigkeit Namibias 1990 wurde das ursprüngliche Reichskolonialehrendenkmal in ein Antikolonialdenkmahl umgewidmet. Im Laufe der Jahre wurden dem Denkmal mehrere Bronzetafeln hinzugefügt, welche an die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft erinnern.  

Wie sollte mit kolonialen Denkmälern in Deutschland umgegangen werden? 

Die Initiative Berlin Postkolonial setzt sich heute für einen kritischen Umgang mit kolonialen Denkmälern ein. Statt Denkmäler einfach abzubauen oder bloß kleine Infotafeln aufzustellen, könnten Gegendenkmäler erbaut werden. Eine weitere Möglichkeit wäre es, bestehende Denkmäler zu verfremden, indem sie durchgesägt, auf den Kopf gestellt oder hingelegt würden.  

Auch Straßennamen sind Erinnerungsorte im öffentlichen Raum. Sie können dazu dienen, historisch bedeutsame Menschen, Ereignisse oder Orte besonders zu ehren. So gehören Namen problematischer Personen in die kollektive Erinnerung der Gegenwart, oft ohne Informationen über ihre ursprünglichen Träger (und Trägerinnen – obwohl maximal zehn Prozent aller nach Personen benannten Straßennamen weiblich sind). 

Das kann allerdings kein Grund für Tatenlosigkeit sein. Auch eine kontextlose Umbenennung der Straßen stellt keine echte Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands dar.  

Ein positives Beispiel: Die Anton-Wilhelm-Amo-Straße in Berlin-Mitte 

Es muss sich bei problematischen Straßennamen nicht immer um Menschen oder Ereignisse aus der Vergangenheit handeln. Auch anderweitig kritische Namen müssen diskutiert werden. 

So wurde im August 2020 die Mohrenstraße in Berlin-Mitte, aufgrund der rassistischen Konnotation des Wortes „Mohr”, umbenannt. Schon seit langem setzten sich schwarze Aktivistinnen und Aktivisten, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Umbenennung der Straße ein.  

Die Straße wurde nun nach dem ersten Philosophen mit afrikanischer Herkunft in Deutschland, Anton Wilhelm Amo benannt.  

Mehr über den Kolonialismus in Afrika können Sie in unserem Unterrichtsmodul für die Sekundarstufe I und II Kolonialismus erfahren. Dieses ist hier auch auf Englisch erhältlich.  

Quellen:  

dpa / Kritik an Kolonialdenkmälern – „Nur die Spitze des Eisbergs“ in Die Zeit vom 14.06.2020. 

Kopp, C. und Wuttke, G. / „Die Nachfahren kolonisierter Menschen sollen entscheiden“ im Deutschlandfunk Kultur vom 14.06.2020. 

Die „Doctors E-Consult“ App aus Botsuana: virtuelle Arztpraxen

Als Antwort auf die erschwerten Zugangsmöglichkeiten zu Ärztinnen und Ärzten während der Covid-19 Pandemie entwickelte eine Gruppe junger botsuanischer Unternehmerinnen und Unternehmer die App „Doctors E-Consult".

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Die „Doctors E-Consult“ App aus Botsuana: virtuelle Arztpraxen

Mithilfe der App können Patientinnen und Patienten in einen Online-Konsultationsraum eintreten und virtuell mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen. Dies soll über einen Computer sowie über mobile Endgeräte funktionieren.  

Vorteile der virtuellen Praxis 

Schon vor der Corona-Pandemie mussten Patientinnen und Patienten in Botsuana oft lange vor einer ärztlichen Praxis warten. Über die Doctors E-Consult App soll es nun möglich werden, nicht nur medizinischen Rat einzuholen, sondern auch Medikamente zu bestellen und elektronische Rezepte ausgestellt zu bekommen.  

Neben der Allgemeinmedizin soll die App weitere Fachbereiche wie die Psychologie und Kardiologie abdecken. Falls doch ein persönliches Treffen mit einem Arzt oder einer Ärztin nötig ist, könnten Termine über die App gebucht werden.  

Ein Anfang 

Zurzeit befindet sich das Start-Up im Austausch mit dem Gesundheitsministerium Botsuanas, um eine gute Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern in ländlichen Gegenden und der Doctors E-Consult App zu ermöglichen. Bis jetzt kann die App nicht heruntergeladen und genutzt werden, dies soll sich laut der Webseite allerdings bald ändern. 

Quelle:  

o.A. / “Pressespiegel KW 5/2021: An die Urne“ von der Deutschen Afrika Stiftung e.V. 


CARE-Bericht zu Covid-19: Investitionen in Gesundheitssysteme nötig!

Der neue internationale Bericht der Hilfsorganisation CARE “ Our Best Shot: Women Frontline Health Workers in other countries are keeping you safe from COVID-19" zeigt, dass es nicht ausreicht, nur in Impfstoffe für den globalen Süden zu investieren. Damit diese Impfstoffe ankommen, müssen für jeden Dollar, der in Impfstoffe investiert wird, fünf weitere Dollar in Infrastruktur wie Aufklärungskampagnen, Logistik, Schutzausrüstung und Gesundheitspersonal investiert werden.

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CARE-Bericht zu Covid-19: Investitionen in Gesundheitssysteme nötig!

Im neuen Bericht von CARE aus dem März 2021 geht es um wichtige Investitionen in die Gesundheitssysteme weltweit, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzumildern. Dazu reiche es nicht aus, Ländern aus dem globalen Süden Impfstoffe bereitzustellen. Gerade eine funktionierende Infrastruktur von Gesundheitssystemen ist entscheidend, dies zeigt sich durch frühere Epidemien. 

Für jeden US-Dollar Investition in Impfungen müssten 5 Dollar für Gesundheitspersonal, Logistik und Schutzausrüstung investiert werden. Diese setzen sich wie folgt zusammen (Quelle: CARE

  • 2,50 USD für die Unterstützung von Gesundheitspersonal, einschließlich Schulungen, Ausrüstung und Gehältern. Diese Schätzung berücksichtigt faire Löhne und Arbeitsbedingungen sowohl für Vollzeit-Gesundheitspersonal als auch für oft informell arbeitendes kommunales Gesundheitspersonal. 
  • 1,70 USD für die Stärkung und Aufrechterhaltung der Gesundheitsinfrastruktur wie Kühlketten, Trackingsysteme, Stromversorgung und Verwaltungskosten. 
  • 0,65 USD für soziale Mobilisierungs- und Aufklärungskampagnen zur Erhöhung der Impfstoffakzeptanz.
  • 0,15 USD für Kinderbetreuungskosten, damit die Mitarbeitenden des Gesundheitswesens an vorderster Front arbeiten können. 
  • 0,15 USD für den Schutz und die persönliche Schutzausrüstung von Gesundheitspersonal. 

Investitionen in Gesundheitspersonal 

Den größten Kostenpunkt stellt nach den Berechnungen von CARE die Unterstützung von Gesundheitspersonal dar. Frauen machen etwa 70 % des globalen Gesundheitspersonals aus und sogar 90 % aller Krankenpflegekräfte. Diese Frauen sind einerseits durch ihren direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten einem besonders hohen Infektionsrisiko durch Covid-19 ausgesetzt, ihre Tätigkeit ist anstrengend und kräftezehrend und sie verdienen zudem etwa 28 % weniger als ihre männlichen Kollegen.  

Anders als Ärztinnen und Ärzte erhalten Krankenpflegekräfte oder anderes Gesundheitspersonal in niedrigeren Gehaltsklassen oft weniger Anerkennung und Lob für ihre Arbeit. 

Um die Corona-Pandemie geringfügig einzudämmen, wäre es nötig, 2021 mindestens 20 % der Hochrisikogruppen weltweit zu impfen. Laut des CARE-Berichts werden für dieses Ziel ungefähr 1,1 Millionen medizinische Hilfskräfte benötigt, von denen etwa 770.000 Frauen sein werden. 

Bei der globalen Diskussion um die Impfstoffverteilung wird laut des CARE-Berichts dieser wichtige Punkt meist ausgelassen. Denn selbst wenn es genug Impfdosen für jedes Land der Erde gäbe, wie würden die Impfungen verteilt werden? In einigen Ländern fehlt es an geschultem Personal, der nötigen Logistik oder an der Bereitschaft der Menschen, sich überhaupt impfen zu lassen. Um dieses Problem zu lösen, sollten schon im Vorfeld Pläne erarbeitet werden, wie die Infrastrukturen von Gesundheitssystemen ausgebaut werden könnten und wie dies finanziert werden kann. 

Wichtig für alle 

Der globale Norden wird profitieren, wenn heute in die Gesundheitssysteme des globalen Südens investiert wird. Laut des Berichts kann davon ausgegangen werden, dass sich ein US-Dollar, fast fünffach rentieren wird, da sich die Weltwirtschaft schneller erholen kann. Fehlende Investitionen hingegen könnten zu Kosten von bis zu 4,5 Billionen US-Dollar führen. 

Welchen Beitrag CARE bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie leistet und wie auch Sie helfen können, erfahren Sie hier.  

Der gesamte Bericht “Our Best Shot: Women Frontline Health Workers in other countries are keeping you safe from COVID-19″ kann hier auf Englisch nachgelesen werden. 


Straßen aus Plastik

Straßen und Wege aus recyceltem Plastik werden rund um die Welt gebaut. Sie sind bis jetzt zwar nur Randerscheinungen, werden aber immer häufiger.

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Straßen aus Plastik

In Ghana fasste man 2018 den Vorsatz, bis 2030 die gesamte Menge an produziertem Plastik pro Jahr zu recyceln, also etwa 1,1 Millionen Tonnen. Um dies zu erreichen, sollen nun Straßen aus recyceltem Plastikmüll gebaut werden. 

Das Recyclingproblem 

Nur etwa 5 % der 5.000 Tonnen Plastik, die in Ghana täglich produziert werden, wird recycelt, der Rest liegt in Straßengräben oder wird verbrannt. Recycling ist teuer. Um es also attraktiver zu machen, Plastik weiter zu benutzen und nicht zu verbrennen, muss Recycling einen Mehrwert erzeugen. 

Von Plastikmüll zu Straßen 

In Indien kam die Idee zuerst auf, bis jetzt wurden dort etwa 97.000 Kilometer lange Straßen aus Plastik gebaut. 

Studien ergaben, dass diese Plastikstraßen mindestens genauso gut, wenn nicht besser erhalten bleiben als klassische Straßen, sie halten Wasser und Temperaturschwankungen sehr gut Stand und brechen nicht so leicht. Trotzdem fehlen Daten aus Langzeitstudien, da die meisten Plastikstraßen erst in den letzten 7 Jahren gebaut wurden. 

Plastikstraßen bestehen allerdings nicht komplett aus Plastik. Klassische Straßen werden aus 90-95  % Gesteinskörnern und 5-10 % Bitumen, einer schwarzen klebrigen Substanz, die aus Steinkohle gewonnen wird, gebaut. Ziel ist es, so viel des Bitumens wie möglich durch geschmolzenes Plastikgranulat zu ersetzen. 

In einem Land wie Ghana, in dem bis jetzt nur etwa ein Viertel der Straßen gepflastert sind, bieten Plastikstraßen eine gute Möglichkeit, Plastikmüll zu recyceln.  

Nzambi Matee als Vorbild 

Nzambi Matee hatte in Kenia eine ähnliche Idee, sie baut Bodenplatten aus Plastikmüll. Ihr Unternehmen Gjenge makers in Nairobi erhält kostenfrei Plastikmüll von großen Unternehmen, der Müll wird zerkleinert, mit Sand vermischt und stark erhitzt. Die Masse, die daraus entsteht, wird zu backsteingroßen Klötzen gepresst. Diese können zum Bau von Wegen verwendet werden. Sie sind stabiler als Stein und um einiges leichter. Das macht sie zu einer großartigen Ressource, da sie günstiger zu transportieren sind und zudem auch langlebiger als gewöhnliche Bausteine. Das Ziel von Nzambi Matee ist es, bald auch Baumaterialien für Häuser und andere Gebäude herzustellen. Ganz nebenbei hilft ihr Unternehmen so dabei, das Plastikproblem in Kenia mit zu bewältigen. Bis jetzt recycelt das Unternehmen etwa 500 kg Plastik pro Tag und stellt daraus etwa 1000 Plastiksteine her. 

Quellen:

Parson, A. / „How Paving with Plastic Could Make a Dent in the Global Waste Problem“ in Yale Environment 360 am 11.02.2021.

o. A. / „Kenyan Startup Founder Nzambi Matee Recycles Plastic To Make Bricks That Are Stronger Than Concrete“ in World Architecture News am 12.02.2021.


Samia Suluhu Hassan: Erstmals ist eine Frau Präsidentin Tansanias

Am 19. März 2021 wurde Samia Suluhu Hassan als erste Präsidentin Tansanias vereidigt. Sie ist somit eine von nur zwei weiblichen Staatsoberhäuptern auf dem afrikanischen Kontinent. Die Öffentlichkeit ist sich unsicher, ob sie dem autokratischen Kurs ihres Vorgängers John Magufuli folgen wird oder nicht.

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Samia Suluhu Hassan: Erstmals ist eine Frau Präsidentin Tansanias

Die 61-jährige Samia Suluhu Hassan wurde auf der semi-autonomen Insel Sansibar geboren und studierte in Tansania, Großbritannien und den USA. Sie arbeitete für die Welthungerorganisation, in der Regionalregierung Sansibars und wurde 2010 in das tansanische Parlament gewählt. 2015 ernannte John Magufuli sie zur Vizepräsidentin Tansanias. Zudem setzte sie sich in ihrer Laufbahn immer wieder für die Rechte und Chancen von Frauen ein.  

Tod des ehemaligen Präsidenten John Magufuli 

Am 17. März 2021 verkündete Samia Suluhu Hassan, dass ihr Vorgänger John Magufuli aufgrund seines Herzleidens verstorben sei. Die Opposition geht allerdings davon aus, dass er den Folgen einer Covid-19-Infektion erlegen sein könnte. Zu Lebzeiten verbreitete John Magufuli Falschinformationen über das Coronavirus und war einer der prominentesten Coronaleugner. Seit Mai 2020 gab Tansania keine offiziellen Coronainfektionszahlen mehr bekannt.  

Doch Magufuli schadete Tansania nicht nur durch die Falscheinschätzung des Coronavirus. In seiner fünfjährigen Amtszeit, seit 2015, verwandelte er die relativ stabile Demokratie Tansanias in eine Autokratie. Er unterdrückte Oppositionelle, kritische Stimmen sowie Journalistinnen und Journalisten. Oppositionsführer Zito Kabwe gab an, bei seinen Untersuchungen in drei Provinzen Tansanias hätte sich herausgestellt, dass etwa 400 Regimegegner verschwunden seien. Die Wahlen im Jahre 2020 galten als unfrei. Von Befürworterinnen und Befürwortern hingegen wurde Magufuli aufgrund seines Auftretens, seiner Infrastrukturprojekte und seines Kampfes gegen die Korruption unterstützt. 

Sorgt Samia Suluhu Hassan für eine neue politische Richtung in Tansania? 

Samia Suluhu Hassan ist seit 2015 Vizepräsidentin Tansanias, stand allerdings nur selten in der Öffentlichkeit. Nun stellt sich die Frage, ob Hassan den autokratischen Weg ihres Vorgängers weitergeht oder sich wieder mehr der Demokratie zuwenden wird. Zweifler erinnern an Kommentare Hassans bei einer Wahlkampfveranstaltung, bei der sie sagte, dass es egal sei, ob man die Regierungspartei CCM bei den Wahlen unterstütze oder nicht und die CCM sowieso gewinnen würde. Es gibt allerdings auch optimistische Stimmen, so auch von Oppositionsführer Zito Kabwe, der meint, dass es allein schon positiv wäre, dass nun erstmals eine Frau Tansania regiere. Auch die Wirtschaft könnte sich unter Hassan erholen, anders als ihr Vorgänger Magufuli heißt es, sie wolle den Privatsektor wieder stärker fördern. 

Zudem soll ihr Führungsstil sich von dem ihres Vorgängers stark unterscheiden: Hassan gilt als introvertierte und nachdenkliche Persönlichkeit. Magufuli hingegen wurde aufgrund seines unkonventionellen Auftretens auch “Bulldozer” genannt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Hassan im Alleingang regieren wird, stattdessen wird sie eher auf Ratschläge von beratenden Personen achten. Es wird sich zeigen, ob Samia Suluhu Hassan echte Veränderungen in Tansania bewirken kann oder dem autokratischen Vorbild ihres Vorgängers folgt. 

Quellen:

„Samia Suluhu Hassan wird Tansanias erste Präsidentin“ in DW vom 19.03.2021.

Schaap, F. / „Eine Chance für Tansania“ in Der Spiegel vom 27.03.2021.


Fortbildungsreihe: Die 17 Nachhaltigkeitsziele – Lernsnacks für Lehrkräfte

Die Fortbildungsreihe gibt Lehrkräften, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in 17 verschiedenen Workshops zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung Impulse für ihren Unterricht zum Thema entwicklungspolitische Bildungsarbeit.

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Fortbildungsreihe: Die 17 Nachhaltigkeitsziele – Lernsnacks für Lehrkräfte

Mit dieser Fortbildungsreihe möchten verschiedene Nichtregierungsorganisationen Lehrkräften und Interessierten aller Schul- und Jahrgangsformen Impulse geben die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in ihren Schulunterricht einzubinden. Zu jedem der 17 Ziele werden in Form von unterschiedlichen Angeboten aus dem Bereich der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit Anregungen und Methoden gezeigt, um dieses Wissen im Unterricht zu vermitteln. 

Zeitraum und Termine der gesamten Fortbildungsreihe

Die Fortbildungsreihe findet im Zeitraum vom 21. April bis zum 16. Juni 2021 statt. Termine und weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden sie hier.

Auch GEMEINSAM FÜR AFRIKA wird eine Fortbildung in dieser Reihe veranstalten. Unsere Fortbildung dreht sich rund um das Nachhaltigkeitsziel 4: „Hochwertige Bildung“ und wie man am besten digitale Unterrichtsmaterialien mit offenen Lizenzen konzipiert. Mehr Informationen dazu im nächsten Abschnitt.

 


Unsere Online-Fortbildung zu Nachhaltigkeitsziel 4

Bildung für alle – digitale Unterrichtsmaterialien mit offener Lizenz selbst erstellen

 

SDG 4 - Hochwertige Bildung

Wer selbst digitale Materialien erstellen möchte, die kostenlos gespeichert, verändert und geteilt werden dürfen, erfährt in diesem Online-Workshop von GEMEINSAM FÜR AFRIKA anhand von Praxisbeispielen, wie das geht.

GEMEINSAM FÜR AFRIKA erstellt unterschiedliche freie und offene Bildungsmaterialien zu globalen und afrikaspezifischen Themen – wie z. B. Unterrichtshefte, Workshops und Quizze. Diese werden den Teilnehmenden in dem Workshop vorgestellt und können im Anschluss für den jeweiligen Unterricht angepasst werden.
 

Inhalte des Workshops

1. Warum freie Bildung wichtig für das Erreichen von Nachhaltigkeitsziel vier ist.
2. Was Open Educational Resources und freie Lizenzen sind.
3. Wie man selbst digitale OER-Materialien erstellt – mit Praxisbeispielen und Unterrichtsmaterialien von GEMEINSAM FÜR AFRIKA.

Zielgruppe sind Lehrkräfte aller Schulformen sowie Menschen, die digitale OER-Materialien erstellen möchten.

Rahmendaten

Datum: 11.05.2021

Uhrzeit: 16:00 – 17:00 Uhr

Ort: Online-Veranstaltung (Link wird nach der Anmeldung verschickt)

 

Anmeldung

Bitte richten Sie Ihre Anmeldung mit dem Betreff „Anmeldung zur Fortbildung Bildung für alle am 11.05.2021“ so früh wie möglich an: schulen@gemeinsam-fuer-afrika.de, da die Teilnehmendenzahl beschränkt ist.

Bei der Anmeldung geben Sie bitte Folgendes an: Vorname und Name, Bildungseinrichtung (Schulform) oder Organisation und Ihre E-Mail-Adresse.  Nach der Anmeldung erhalten Sie die Zugangsdaten dann an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse. Die Fortbildung ist kostenlos. 

Kontakt für eventuelle Rückfragen ist Rebekka Ziegler: ziegler@gemeinsam-fuer-afrika.de, Telefon: 030 297724 15.

 

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Afrikanische Schülerinnen und Schüler schreiben Wikipedia-Artikel über ihren Heimatkontinent

Wikipedia zählt zu den meistbesuchten Webseiten im Jahr 2020. Über viele Themen, die den afrikanischen Kontinent betreffen, gibt es allerdings kaum oder nur sehr einseitige Informationen. Durch diesen Umstand werden Stereotype reproduziert. Um dies zu ändern, setzt sich das WikiAfrica Education Program seit 2006 dafür ein, dass afrikanische Schülerinnen und Schüler selbst Wikipedia-Artikel schreiben.

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Afrikanische Schülerinnen und Schüler schreiben Wikipedia-Artikel über ihren Heimatkontinent

Heutzutage ist das Internet die wichtigste Informationsquelle. Und Wikipedia ist die Webseite, die häufig erste Antworten auf eine Frage bereitstellt. Häufig ist es kaum zu glauben, zu welchen verrückten Themen es auf Wikipedia einen Beitrag gibt – häufig sogar auf Deutsch. Doch so geht es nicht allen Menschen auf der Welt!  

Einseitige Erzählungen und ihre Folgen 

Die Informationsverteilung auf Wikipedia ist ungleichmäßig. Afrika ist einer der am wenigsten sichtbaren Orte des Internets, trotz der immensen Größe des Kontinents. Zu vielen wichtigen afrikanischen Persönlichkeiten oder historischen Ereignissen ist auf Wikipedia nichts zu finden – schon gar nicht auf afrikanischen Sprachen. Dies führt nicht nur bei Rezipienten aus dem globalen Norden zu einem einseitigen und begrenzten Verständnis der Vielfalt und Komplexität des Kontinents und seiner vielen Kulturen, Sprachen, politischen und geschichtlichen Hintergründe. Auch Afrikanerinnen und Afrikaner haben weniger Möglichkeiten, schnell und umfassend Informationen zu verschiedenen Themen zu finden, die ihren Heimatkontinent betreffen. Der Begriff “Single Story” (deutsch: einzelne Geschichte), der von Chimamanda Ngozi Adichie geprägt wurde, gibt diesem Problem einen passenden Namen.  

Viele Artikel über afrikanische Kulturen, Sprachen oder geografische Begebenheiten wurden zudem von Menschen aus dem globalen Norden verfasst.  

Das bedeutet: Es gibt nicht nur weniger Beiträge über afrikanische Themen auf Wikipedia, sondern diese wurden zudem von außenstehenden Personen verfasst. Fehlender Kontext und fehlendes Wissen durch fehlende alltägliche Begegnung mit Kulturen und Sprachen kann leicht zu einer einseitigen Erzählung und Beschreibung von Begebenheiten führen. Durch solch einseitige Erzählungen werden Stereotype und Vorurteile reproduziert. 

Das WikiAfrica Education Program  

Das WikiAfrica Education Program setzt sich dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler aus afrikanischen Ländern selbst aktiv an der Informationserstellung auf Wikipedia teilhaben. Schülerinnen und Schüler sollen eigene Wikipedia-Artikel schreiben. Während sie sich mit dem Bildungssystem und kritischem Denken auseinandersetzen müssen, um Wissen neu aufzubereiten, können sie Artikel schreiben, die ihre eigene soziale und geografische Realität reflektieren. So lernen sie, dass sie Teil der Produktion und der Aufzeichnung von Wissen sein können.  

Seit 2006 wurden über 40.000 Vorschläge für Wikipedia-Artikel, Bilder, Audio-Dateien und mehr von Schülerinnen und Schülern im Zuge von WikiAfrica eingereicht. Die detailliertesten davon wurden in afrikanischen Sprachen, wie isiXhosa, verfasst. Das WikiAfrica Education Program setzt einen besonderen Fokus auf afrikanische Sprachen, da Sprache immer einen wichtigen Teil von Kultur darstellt. 

Maßnahmen während der Covid-19-Pandemie  

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie setzte sich das WikiAfrica Education Program dafür ein, dass Artikel über das Corona-Virus in afrikanische Sprachen übersetzt werden. Im Laufe der Zeit konnten so über 300 Artikel in über 20 afrikanische Sprachen übersetzt und veröffentlicht werden. Dies führt dazu, dass sich mehr Menschen in ihrer eigenen Sprache über das Covid-19-Virus informieren und besser davor schützen können.  

Weitere Informationen:

https://moleskinefoundation.org/initiative/wikiafrica/


Afrikanische Schweinepest – Was ist das?

Die afrikanische Schweinepest ist eine höchstansteckende und meist tödliche Virusinfektion bei Schweinen. Seit 2020 werden auch in Deutschland verendete Wildschweine gefunden, die mit dem Virus infiziert waren.

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Afrikanische Schweinepest – Was ist das?

Die afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Virusinfektion, die zwar für den Menschen ungefährlich ist, bei Haus- und Wildschweinen allerdings meist zum Tode führt. Das Virus kann in Fleisch, Knochen und Blut von Schweinen über Monate ansteckend bleiben und kann auch durch Schuhsohlen oder Werkzeuge verbreitet werden. 

Das Virus hat seinen Ursprung in Afrika, wo auch die höchste genetische Vielfalt gefunden werden kann. Durch Lebensmitteltransporte konnte sich die afrikanische Schweinepest (ASP) auch in Europa und Asien ausbreiten. 

Die afrikanische Schweinepest löst Fieber und innere Blutungen bei Schweinen aus, die meisten Tiere sterben, noch bevor ihr Organismus Antikörper ausbilden kann. 

Situation in Afrika 

In Afrika tritt die ASP zurzeit in 26 Ländern endemisch, also örtlich begrenzt, auf.  
Die ASP wirkt sich erheblich auf den Lebensunterhalt lokaler Gemeinschaften aus, die auf den Verkauf ihrer Tiere angewiesen sind, um die Bildung und gesundheitliche Versorgung ihrer Familien zu finanzieren. 

Das Risiko, welches ein Ausbruch der ASP mit sich bringt, ist gerade für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern groß: Die afrikanische Schweinepest kann leicht zum Tod einer ganzen Herde führen und somit den betroffenen Menschen ihre die Lebensgrundlage entziehen. 

Situation in Deutschland und Polen 

2020 wurde die ASP erstmals bei einem Wildschwein in Deutschland festgestellt. Laut dem europäischen Animal Disease Notification System (Tierseuchen-Benachrichtigungs-Behörde) infizierten sich 2021 schon 373 Wildschweine (Stand: 05.03.2021) in Deutschland. Polen verzeichnete dieses Jahr schon etwa doppelt so viele Fälle. Bislang ist es Landwirten allerdings gelungen, die Tierseuche aus den Ställen der Hausschweine herauszuhalten.  

Schutz vor der afrikanischen Schweinepest 

Bis jetzt konnte noch keine Impfung oder Behandlung gegen ASP entwickelt werden. Infizierte Tiere müssen separiert und geschlachtet werden. Ein Impfstoff wäre für die globale Schweinezucht eine starke Entlastung, mit einem solchen wird allerdings nicht vor Ende 2022 gerechnet. 

Was kann jede und jeder Einzelne tun? 

  • Kein Schweinefleisch aus dem Ausland mitbringen!
  • Keine Essensreste an Tiere verfüttern – insbesondere nicht an Wildschweine! 
  • Tierische Essensreste, wie bspw. Fleisch sollten nur im Restmüll entsorgt werden!  

Quellen:

o.A. / Afrikanische Schweinepest in AGES vom 19.03.2021 

Klose, M. / Afrikanische Schweinepest: die wichtigsten Fragen und Antworten in WWF Blog vom 10.09.2020  

o.A. / African swine fever in The University of Edinburgh vom 28.01.2021  

Maina, J. / CRISPR offers hope for controlling African swine fever in Genetic Literacy Project vom 22.03.2021 

Redaktionsnetzwerk Deutschland / Sechs Monate nach erstem Schweinepest-Fall: Landwirte bangen um Existenz in Märkische Allgemeine vom 09.03.2021 


Impfgeschichte: Erste Impfmethoden von Sklaven nach Amerika gebracht

Impfungen sind eine der wichtigsten medizinischen Erfindungen der Menschheit. Vor ihrer Entwicklung bedeuteten viele Krankheiten den Tod. Doch die Geschichte der Entstehung von Impfungen wird meist nur sehr verkürzt erzählt.

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Impfgeschichte: Erste Impfmethoden von Sklaven nach Amerika gebracht

In vielen Medizinbüchern beginnt die Geschichte der Impfung im 18. Jahrhundert mit Edward Jenner, einem britischen Mediziner. Er impfte 1796 einen kleinen Jungen mit Kuhpocken, um ihn gegen die Menschenpocken zu immunisieren. Aus dem lateinischen Wort für Kuh “vacca” leitet sich auch der Begriff Vakzination ab (anderes Wort für Impfung).  

Frühere Impfmethoden aus Afrika und Asien

Allerdings waren ähnliche Methoden in Asien und Afrika schon viele Jahrhunderte bekannt. Schon früh wurde erkannt, dass Menschen, die Krankheiten wie die Pocken oder die Pest einmal überlebt hatten, immun gegen eine zweite Infektion waren. Dieser Vorteil wurde in China genutzt, indem Krustenstücke von Pocken leicht erkrankter Personen zu einem Pulver gemahlen und in die Nase von anderen Menschen eingeführt wurde. Von dieser Technik gibt es bildliche Darstellungen, die bis in das 2. Jahrhundert v.Chr. zurückgehen.  

Ein interessanter Mann der Impfgeschichte ist Onesimus, ein versklavter Mann aus dem heutigen Ghana, dessen echter Name nicht bekannt ist. Onesimus wurde 1709 aus seiner Heimat verschleppt und nach Nordamerika gebracht, wo er von dem puritanischen Prediger Cotton Mather aus Boston “gekauft” wurde. Dieser fragte Onesimus, ob er schon einmal Pocken gehabt hatte, woraufhin er die seltsame Antwort erhielt: “ja und nein”.  

Onesimus erzählte Mather, dass er durch eine besondere Methode nur an einer sehr leichten Form der Pocken erkrankt war. In seiner Heimat wurde die Flüssigkeit aus einer Pockenblase eines erkrankten Menschen einer anderen Person mit Hilfe eines Dorns unter die Haut geritzt. Meist entwickelten diese Menschen dann nur leichte Symptome und waren nicht mehr anfällig für die Pockenkrankheit. Diese Impfmethode nennt sich “Variolation” (variola = lat. Pocken) 

Impferfolg bei der Pockenwelle in Boston 1721

In Boston grassierte 1721 wieder eine verheerende Pockenwelle und Cotton Mather versuchte die Bevölkerung von der Variolation zu überzeugen. Doch viele Menschen standen der Methode kritisch gegenüber, da sie aus Afrika stammte und von versklavten Menschen übermittelt wurde. Schließlich fand Mather den Arzt Zabdiel Boylston, welcher etwa 300 Einwohnerinnen und Einwohner Bostons impfte. Nur 2% der von ihm geimpften Personen verstarben während dieser Pockenwelle. Vom Rest der Bevölkerung starben 14%. Dieser Prozess gilt heute als einer der ersten quantitativen medizinischen Untersuchungen, wenn auch nicht als solcher geplant.  

Der Mediziner Edward Jenner entwickelt 75 Jahre später eine sicherere Methode der Immunisierung. Denn das Impfen mit Menschenpocken war weitaus gefährlicher als jenes mit Kuhpocken. Trotzdem sollten die unterschiedlichen Schritte der langen Impfgeschichte nicht außer Acht gelassen werden.  

Quellen:

o.A. / Versklavte Menschen brachten erste Impfmethoden nach Nordamerika in Deutschlandfunk Nova vom 29.12.2020 


Raubkunst ausgestellt – im neuen Humboldt Forum Berlin

Im Frühjahr 2021 soll das Humboldt Forum in Berlin das erste Mal seine Türen für Besuchende öffnen. Das Humboldt Forum befindet sich an der Stelle des historischen Berliner Schlosses. Ziel des Humboldt Forums ist es, laut eigener Webseite, ein “Ort für Kultur und Wissenschaft, des Austauschs, der Diversität und Vielstimmigkeit” zu sein. Allerdings steht es immer wieder in der Kritik, keinen richtigen Umgang mit jenen Exponaten zu haben, die als Raubkunst in der Kolonialzeit nach Deutschland kamen.

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Raubkunst ausgestellt – im neuen Humboldt Forum Berlin

Geraubte Kunst aus der Kolonialzeit 

Während der Kolonialzeit brachten Missionare, Reisende, Wissenschaftler, Soldaten oder Kolonialbeamte afrikanische Kunst oder Kulturgegenstände nach Europa und nach Deutschland. In den meisten Fällen wurden die Kunstobjekte in Afrika nicht freiwillig an Europäer abgegeben, sondern wechselten unter Gewalt und durch Erpressung den Besitz. Seit 1886 hatte Berlin ein Völkerkundemuseum, und wurde, wie weitere europäische Völkerkundemuseen, mit Kunstwerken aus den Kolonien befüllt. Da sich die Museen eine Art Wettkampf um die größte ethnologische Sammlung boten, gelangten immer mehr Kunstwerke aus Afrika nach Europa. Es wird davon ausgegangen, dass sich 80 – 90 % des afrikanischen Kulturerbes in Europa befindet.  

Kritik am Humboldt Forum 

Das Humboldt Forum wird von der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, die selbst bis 2017 im Expertenbeirat des Humboldt Forums war, als Nachfahre des Völkerkundemuseums bezeichnet. Die ethnologische Sammlung des Humboldt Forums umfasst 500.000 Exponate.  

Da der Großteil des kulturellen Erbes Afrikas sich in europäischen Museen befindet, welche die Kunstwerke in Zeiten des Kolonialismus ansammelten, und somit in einem Unrechtskontext, werden seit den 1970er Jahren die Forderungen nach einer Rückgabe an die afrikanischen Ursprungsregionen lauter. Als diese Debatte Deutschland erreichte, beschlossen Museumsdirektorinnen und -direktoren, Objektlisten über ihre Exponate nicht zu veröffentlichen. Dieser Umstand sorgt bis heute für Probleme, da der Ursprung vieler Objekte nicht mehr gut nachzuverfolgen ist.  

Im Humboldt Forum wurden erst im Jahr 2020 vier Stellen für Provenienzforschung eingerichtet. Provenienzforschung ist die Forschung nach der Herkunft und Geschichte von Kunstwerken und Kulturgütern. 

Ein Herzstück der Ausstellung im Humboldt Forum sollen die Bronzestatuen aus dem vorkolonialen Königreich Benin darstellen. Das Königreich Benin war eine weit entwickelte Monarchie im heutigen Südwesten Nigerias. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es von der britischen Kolonialmacht zerstört, da es zu mächtig geworden war. Zuvor plünderten die Briten allerdings die Paläste der Königsfamilien und stahlen wertvolle Kunstwerke. Über Kunsthändler gelangten einige der Statuen nach Deutschland. 2019 forderte der nigerianische Botschafter Yusuf Tuggar die Bronzestatuen offiziell zurück (Restitutionsforderung). Keine einzige der 530 Benin Bronzen, die sich in Berlin befinden, wurde bis jetzt zurückgegeben. 

Rückgabe von geraubten Kunstwerken aus der Kolonialzeit an ihre Ursprungsregionen 

2017 sprach sich der französische Präsident Emmanuel Macron dafür aus, dass in der Kolonialzeit geraubte Kunstwerke zurückgegeben werden müssten. Die Gegenargumente der europäischen Staaten zielen auf die ungenaue oder unmögliche Klärung der tatsächlichen Eigentümerinnen und Eigentümer und die Instabilität einiger afrikanischer Staaten ab. Dies könne dazu führen, dass die Kunstwerke nicht sachgemäß untergebracht werden könnten und so nicht gut erhalten bleiben. Die Europäer legitimierten und legitimieren den Besitz von geraubter Kunst damit, dass diese Kunstwerke wichtige Forschungsobjekte seien. Allerdings sind die meisten geraubten Kunstwerke in Deutschland weder ausgestellt noch wissenschaftlich begutachtet worden. 

Bis heute wurden zwar neue Richtlinien vom Humboldt Forum vorgestellt, welche einen multilateralen Austausch über Exponate bestrebt und die Herkunft der Objekte feststellen will. Eine Rückgabe als Ziel der meisten Untersuchungen ist allerdings nicht angestrebt, so heißt es auf der Webseite der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stattdessen bloß: “In bestimmten Fällen kann auch eine Rückgabe in Frage kommen”. 

Quelle:

o. A. / Auf den Spuren kolonialer Raubkunst in Deutschlandfunk Nova vom 12.12.2020  

o. A. / Streit um das Humboldt Forum in Deutschlandfunk Nova vom 19.03.2018  

Jedicke, P. / Berliner Humboldt Forum: Start mit offenen Fragen in DW vom 16.12.2020 


Ein Seifenunternehmen im Flüchtlingslager Kakuma

Innocent Havyarimana musste auf Grund politischer Instabilität aus seiner Heimat Burundi fliehen und gelangte 2015 in das kenianische Flüchtlingslager Kakuma. Dort baute der ehemalige Chemiestudent ein Kleinunternehmen auf, er produziert und verkauft Seife. Er hat 42 Mitarbeitende und bietet somit auch seinen Mitmenschen eine Perspektive.

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Ein Seifenunternehmen im Flüchtlingslager Kakuma

Als Innocent Havyarimana 2015 in das riesige Flüchtlingslager Kakuma im Norden Kenias kam, stellte er fest, dass es an vielen wichtigen Utensilien des täglichen Lebens für die 200.000 dort lebenden Menschen fehlte. Da es auch keine Produktion von Waschutensilien in der Nähe gab, entschied Havyarimana sich, selbst Seife herzustellen.  

Er informierte sich über das Internet, wie Seife hergestellt wird und nahm an einem Seifen-Kurs einer Hilfsorganisation teil. Zudem erhielt Havyarimana einen kleinen Kredit von einem alten Klassenkameraden aus Burundi. Er eröffnete sein Unternehmen mit zwei Mitarbeitenden und nannte es “Glap” – “God loves all people” (Gott liebt alle Menschen). 

Veränderungen durch die Covid-19-Pandemie 

Als es 2020 durch die Covid-19-Pandemie zu einem höheren Bedarf an Seife kam, entschied Innocent Havyarimana, seine Preise zu senken. Er wollte sich an der Bekämpfung des Virus beteiligen. Zurzeit beschäftigt Havyarimana 42 Mitarbeitende, die meisten sind auch geflüchtete Menschen aus Kakuma, 18 Angestellte sind Kenianerinnen oder Kenianer.  

Hilfsorganisationen kaufen Seife von Glap und verteilen sie an Geflüchtete, welche sich keine Seife leisten können. Auch Havyarimana verschenkt seine Seife zum Teil an sehr alte Menschen oder Menschen mit Behinderungen. 

Zudem bietet er Kurse für interessierte Menschen an, in denen sie erlernen können, selbst Seife herzustellen, um möglicherweise eigene kleine Unternehmen aufzubauen. Durch seine Arbeit hilft Innocent Havyarimana nicht nur sich selbst. Auch die Menschen um ihn herum profitieren von seinem Wissen. 

Kakuma: Die Übergangslösung, die zum dauerhaften Lebensraum wurde

1992 öffnete das Flüchtlingslager Kakuma für unbegleitete Minderjährige, die vor dem sudanesischen Bürgerkrieg flohen. Folgende ostafrikanische Konflikte trieben immer mehr Menschen in das Flüchtlingslager, welches ursprünglich für 23.000 Menschen konzipiert und als Übergangslösung gedacht war.  

Probleme im Flüchtlingslager Kakuma 

Viele Menschen leben dort schon in zweiter oder sogar dritter Generation. Die Straßen sind kaputt oder nicht befestigt, die Häuser müssen sich die Menschen in den meisten Fällen selbst bauen, sie leben in einfachen Unterkünften, meistens teilen sich ganze Familien einen einzigen Raum.  

Sauberes Wasser wird an die Menschen ausgegeben – rationiert, abhängig von der Größe einer Familie. Die Menge reicht allerdings häufig nicht aus, um sich zu waschen oder Geschirr zu spülen. So können sich Krankheiten über verunreinigtes Wasser aus naheliegenden Flüssen übertragen. Auch ein Abwassersystem oder sanitäre Anlagen gibt es nicht. Bei Überschwemmungen oder starken Regenfällen werden die Exkremente aus den für sie vorgesehenen Gruben gespült, verteilen sich und verbreiten Krankheiten wie Typhus und Cholera.  

Chancen durch informelle Arbeit 

Viele Menschen, die in Kakuma leben, wollen arbeiten, dürfen das allerdings nicht, da sie keinen Aufenthaltsstatus haben. Ohne diesen Status dürfen die Menschen das Lager zudem nicht ohne Erlaubnis verlassen. 

Trotzdem arbeiten viele Menschen im informellen Sektor und haben unterschiedliche Wege gefunden, Geld zu verdienen. Eine häufige Tätigkeit ist das Betreiben eines kleinen Gemischtwarenladens. Eine Studie der Weltbank von 2018 ergab, dass es zu dieser Zeit etwa 2.000 Kleinunternehmen in Kakuma gab und 12% der Menschen, die im Flüchtlingslager leben, sich selbst als Unternehmer oder Selbstständige bezeichneten. 

Unsere Mitgliedsorganisation Don Bosco Mondo bietet 4.000 Jugendlichen in Kakuma eine Berufsausbildung und damit eine Chance auf eine bessere Zukunft. Hier erfahren Sie mehr über das Projekt. 

Quellen:

Münstermann, M. & Werner, C. / Vom Leben und Arbeiten in einem der größten Flüchtlingslager der Welt im Spiegel vom 25.08.2019 

Boru, Q. / Kakuma ist längst eine dauerhafte Siedlung geworden in Entwicklung und Zusammenarbeit vom 18.12.2020  

Duarte, F./ The Burundian refugee soap maker who is fighting coronavirus in Kenya in BBC vom 09.01.2021 


Pamoja Initiative: Schwimmkurse für Frauen, Mädchen und ihr Selbstbewusstsein

Die Pamoja Initiative organisiert Schwimmkurse für Frauen und Mädchen im Lamu County, Kenia, um ihr Selbstvertrauen zu stärken und einen sicheren Ort voller Vertrauen für sie zu schaffen.

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Pamoja Initiative: Schwimmkurse für Frauen, Mädchen und ihr Selbstbewusstsein

Das Lamu County in Kenia liegt am Meer. Neben dem Festland gehören über 65 Inseln dazu, die man nur auf dem Seeweg erreichen kann. Eigentlich sollten deshalb alle Menschen, die dort leben, schwimmen lernen, um sich bei einem Bootsunglück retten zu können. Bei Schiffsunglücken in der Vergangenheit machten jedoch Frauen und Kinder 80% der Toten aus, weil sie nicht schwimmen konnten. 

Lamu ist eine muslimisch geprägte Region, in der die Männer und Jungen zum Fischen oder Schwimmen ins Wasser gehen und Frauen und Mädchen für den Haushalt zuständig sind und nur selten das Haus verlassen. Auch Kleidungsvorschriften sind mit ein Grund dafür, dass weniger Frauen und Mädchen das Schwimmen lernen.  

Die Pamoja Initiative möchte das ändern, um das Leben von Mädchen und Frauen sicherer zu machen. Sie ermöglichen Frauen und Mädchen einen Zugang zu einem Schwimmbad, eine weibliche Bademeisterin und Schwimmwettkämpfe schaffen einen sicheren Ort, wo sie durch das Schwimmenlernen selbstbewusst werden, und Bezugspersonen kennenlernen, denen sie sich anvertrauen können. Das Schwimmbad soll zu einem Ort werden, an dem sich Mädchen in ihrem Körper wohlfühlen und mit anderen Frauen über Menstruation, frühe Schwangerschaft oder andere persönliche Themen sprechen können.  

Die Pamoja Initiative möchte so Problemen wie der sehr hohen Muttersterblichkeit von über 60% entgegenwirken. Auch Kinderehen und Genitalverstümmelungen sind in Lamu weit verbreitet. Durch die Pamoja Initiative erlangen die Frauen Selbstbewusstsein, können sich austauschen und haben einen Platz außerhalb des eigenen Hauses und der Schule, an dem sie sich entfalten können. 

Weitere Informationen: 

https://www.bbc.co.uk/sounds/play/p093qr48

http://www.solfoundation.li/projects/pamoja-initiative/


Erste Erfolge der COVAX-Initiative in Afrika

Anfang März 2021 starten die Impfkampagnen in Ghana und der Elfenbeinküste gegen das Covid-19 Virus. Die Internationale COVAX-Initiative lieferte insgesamt 1.100.000 Impfdosen an die zwei Staaten. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen in den kommenden Tagen weitere 11 Millionen Impfdosen folgen. Insgesamt sollen im Jahr 2021 2 Milliarden Impfdosen verteilt werden.

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Erste Erfolge der COVAX-Initiative in Afrika

COVAX-Initiative 

190 Länder der Welt beteiligen sich an der COVAX-Initiative, um gemeinsam 2 Milliarden Impfdosen zu kaufen und fair zu verteilen, so dass 20 % der Weltbevölkerung geimpft werden kann. So sollen bspw. das medizinische Personal und ältere Menschen in Afrika geimpft werden, bevor die gesamte Bevölkerung des globalen Nordens geimpft ist.  

Weiterführende Informationen zu COVAX auf Deutsch hier

Probleme bei der fairen Impfstoffverteilung 

Obwohl Deutschland, die EU und andere Staaten des globalen Nordens die Initiative finanziell unterstützen, wirken sie durch Käufe für das eigene Land der faireren und gleichmäßigen Verteilung entgegen. 

Die Entwicklung der unterschiedlichen Covid-19 Impfstoffe wurde vorfinanziert. Das bedeutet: Länder steckten Geld in die Forschung nach einem Impfstoff, ohne zu wissen, ob diese erfolgreich sein würde. Zusätzlich sicherten sich einige Länder schon im Vorhinein eine hohe Anzahl an Impfdosen. Dadurch wird der Idee einer fairen Verteilung entgegengewirkt. 

Der IFRC (Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften) zufolge wurden bis Februar 2021 70% des Impfstoffes in den 50 reichsten Ländern der Welt gespritzt und nur 0,1% in den 50 ärmsten Ländern.  

Die Unterschiede zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden sind gravierend: Während die EU sich das Ziel gesetzt hat, bis zum Ende des Sommers 2021 70% der Bevölkerung geimpft zu haben, plant bspw. Kenia, bis Juni 2021 lediglich 5% der über 18-Jährigen zu impfen.  

Mögliche Folgen einer ungerechten Impfstoffverteilung 

Diesem Ungleichgewicht versucht die von der WHO gegründete COVAX-Initiative entgegen zu wirken. Denn, wenn bspw. in Afrika zu wenig Menschen einen Impfschutz erhalten, können sich neue Varianten des Covid-19 Virus entwickeln und diese können sich leicht auf der ganzen Welt ausbreiten. Da es möglich ist, dass die Impfstoffe nicht gegen neue Varianten des Virus wirken, könnten sich Menschen auf der ganzen Welt anstecken. 

Ausblick 

Obwohl die 2 Milliarden Impfdosen COVAX vertraglich zugesichert sind, bedeutet dies nicht, dass sie bereits erhältlich wären. Die Produktion der Impfstoffe dauert, das merken wir auch in Deutschland. Zudem konkurriert die COVAX “Einkaufsgemeinschaft” mit der EU oder anderen Staaten, die ältere Verträge und mehr Geld zur Verfügung haben. Die EU und Großbritannien kündigten zwar an, überflüssigen Impfstoff zu spenden, dies wird allerdings erst Ende des Jahres der Fall sein.  

Quellen: 

Forster, G. & Frentzen, C. / Der globale Kampf um Corona-Impfstoffe in der Apothekenumschau vom 08.02.2021  

Wildermuth, V. / COVAX-Initiative meldet erste Erfolge in Deutschlandfunk vom 02.03.2021  


Wangari Maathai: Gründerin des Green Belt Movements

Wangari Maathai war Professorin, Politikerin, Frauenrechtlerin und Umweltaktivistin. Sie wurde mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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Wangari Maathai: Gründerin des Green Belt Movements

Wangari Muta Maathai wurde 1940 in Nyeri, einer ländlichen Gegend in Kenia, geboren. Sie machte ihren Abschluss in Biologie am Mount St. Scholastica College in Atchinson, Kansas, ihren Master of Science an der Universität in Pittsburgh und promovierte 1971 an der Universität von Nairobi. Hier lehrte sie später Veterinär-Anatomie und wurde später zur Vorsitzenden des Lehrstuhls. Maathai war die erste Frau in Ost- und Zentralafrika mit einem Doktortitel. 

Maathai war von 1976 – 1987 im Nationalrat der kenianischen Frauen aktiv und war von 1981 bis 1987 im Vorstand. Hier brachte sie 1977 zum ersten Mal die Idee ein, gemeinschaftlich Bäume zu pflanzen, um die Lebensbedingungen aller zu verbessern. Daraus entstand im weiteren Verlauf das Green Belt Movement. 

Green Belt Movement 

Das Green Belt Movement (GBM) stellte zunächst eine Antwort auf die Probleme von auf dem Land lebenden kenianischen Frauen dar. Für sie wurde es immer schwieriger, genug Nahrung für ihre Familien anzubauen, da der Boden zu trocken war. Somit war keine Nahrungsmittelsicherheit gegeben und auch für Feuerholz mussten die Frauen weite Strecken zurücklegen.  

Das GBM setzte sich dafür ein, die Frauen zu ermutigen, gemeinschaftlich Bäume zu pflanzen. Durch Bäume kann die Erde Regenwasser besser aufnehmen und es wird leichter, den Boden zu bebauen.  

Die Bewegung wuchs schnell und immer mehr engagierte Frauen wollten sich beteiligen. So wurden Seminare angeboten, um das nötige Wissen weiterzugeben. Zusätzlich wurden die Baumsetzlinge kostenfrei an Initiativen und Gemeinden ausgehändigt, so dass diese nicht finanziell belastet wurden. 

Ziel der Bewegung war und ist es, durch das Pflanzen von Bäumen den Umweltschutz und die Reduzierung von Armut zu fördern und Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten. 

Maathai als Vorbild 

Wangari Muta Maathai schrieb vier Bücher: „The Green Belt Movement”, „Unowed: A Memoir”,  „The Challenge for Africa” und „Replenishing the Earth”. Zudem wurden einige Bücher und Dokumentationen über sie und das Green Belt Movement veröffentlich.  

Wangari Maathai war nicht nur im Vorstand vieler internationaler Organisationen, sondern war auch Teil des kenianischen Parlaments und gilt als Identifikationsfigur der Frauenbewegung Kenias.  

Den Nobelpreis erhielt Wangari Maathai 2004 für ihren Einsatz für die Demokratie, nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte und insbesondere Frauenrechte.  

Weitere Informationen:  

https://www.greenbeltmovement.org/wangari-maathai/biography


Kwame Nkrumah – Nationalheld Ghanas

Kwame Nkrumah führte Ghana in die Unabhängigkeit und wurde zum ersten Präsidenten des Landes. Obwohl er 1966 gestürzt wurde, wird er bis heute als Nationalheld gefeiert.

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Kwame Nkrumah – Nationalheld Ghanas

Kwame Nkrumah wurde 1909 im Südwesten des heutigen Ghanas geboren. Zu dieser Zeit war die sogenannte Goldküste eine Kronkolonie Großbritanniens.  

Ausbildung und Politisierung Nkrumahs 

Nkruhmah ging auf eine Missionsschule und machte seinen Abschluss 1930 in Accra am Achimota College. Durch die Hilfe eines Verwandten konnte Nkrumah in den USA zu studieren. 1943 erlangte er an der University of Pennsylvania einen Master of Arts in Philosophie und einen Master of Science in Pädagogik. Er dozierte zwei Jahre an der Lincoln-Universität. 

Nkrumah war schon während seiner Ausbildung in Afrika ein radikaler Gegner des ausbeuterischen Kolonialismus, doch erst in den USA kam er mit sozialistischen und marxistischen Theorien in Berührung und lernte afroamerikanische Aktivisten kennen, die seine Vorstellung vom Panafrikanismus stark beeinflussten.  

1945 studierte Nkrumah in London. Dort wurde auch sein politisches Engagement immer größer. Er organisierte unter dem amerikanischen Soziologen W.E.B. Du Bois den 5. Pan-Afrikanischen Kongress in Manchester. Zudem lernte er dort George Padmore kennen, ein kommunistischer Vordenker des Pan-Afrikanismus, dieser wurde bis zu seinem Tod 1959 sein Mentor. 

Laufbahn als Politiker 

Nkrumah kehrte 1947 zurück an die Goldküste und wurde zum Generalsekretär der gemäßigten Partei “United Gold Coast Convention” (UGCC). Nach den sogenannten Accra-Riots, an denen sich Nkrumah beteiligte, wurde er zum landesweit bekannten Helden. Danach bildete er die radikalere Partei Convention People’s Party” (CPP), die eine sofortige Autonomie der Goldküste forderte. Sie wurde 1951 bei den Parlamentswahlen zur stärksten Partei. Im März 1952 wurde Nkrumah zum Premierminister gewählt. 

Als die Unabhängigkeit von Großbritannien 1957 erreicht wurde, nannte Nkrumah das Land Ghana. Es war der zweite westafrikanische Staat, der unabhängig wurde. 

Nach der Unabhängigkeit wurden viele Probleme Ghanas deutlich: die Wirtschaft hatte sich an den Interessen der britischen Kolonialmacht orientiert, nun sollte das Land modernisiert und industrialisiert werden.  

Nkrumah sprach sich auf innerafrikanischer Ebene für ein vereinigtes Afrika aus und verdeutlichte die wirtschaftliche Ausbeutung Afrikas durch sein Werk Neocolonialism” (1965).  

Mit der Zeit wurde Nkrumah immer autoritärer und bildete einen Personenkult um sich. 1964 wurde Ghana zum Ein-Parteien-System. Zudem verschärften sich wirtschaftliche Krisen und es kam zu Nahrungsmittelknappheit. 

Sturz Nkrumahs 

Als Nkrumah 1966 auf einer Auslandsreise in Vietnam war, putschte das Militär in Ghana und die prowestliche Partei Nation Liberation Council kam an die Macht. Die CIA, der Auslandsgeheimdienst der USA, unterstützte den Putsch mit der Begründung, dass Nkrumah sich als sozialistischer Diktator bereichern würde.  

Obwohl die neuen Machthaber nach Nkrumahs Sturz versuchten, die Erinnerung an ihn auszulöschen, indem Statuen zerstört und Straßen, Schulen und Universitäten umbenannt wurden, blieb er in den Köpfen der Menschen stehts der Mann, der Ghana in die Unabhängigkeit führte.  

Noch heute wird Kwame Nkrumah als Nationalheld gefeiert. 

Weitere Informationen:

https://www.britannica.com/biography/Kwame-Nkrumah


Der Werdegang des bedeutenden Autors Ngũgĩ wa Thiong’o

Ngũgĩ wa Thiong’o ist ein kenianischer Schriftsteller von Romanen, Theaterstücken und Kurzgeschichten. Er verfasst seine Werke seit 1978 in seiner Erstsprache Gĩkũyũ und gilt als einer der bedeutendsten ostafrikanischen Autoren aller Zeiten.

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Der Werdegang des bedeutenden Autors Ngũgĩ wa Thiong’o

Der kenianische Autor und Kulturwissenschaftler Ngũgĩ wa Thiong’o schrieb 1964 den ersten englischsprachigen Roman, der von einem Ostafrikaner veröffentlich wurde: Weep Not, Child. Der Roman handelt von einer Kikuyu Familie während der Mau-Mau-Aufstände in Zeiten der kenianischen Unabhängigkeitsbewegung.  

Autor mit traditionell afrikanischer Erzählweise 

Die Gĩkũyũ sind mit 22% die größte Bevölkerungsgruppe Kenias. Ngũgĩ wa Thiong’o wurde 1938 in Limuru, Kenia als Gĩkũyũ geboren. Als es in Kenia in den 1950er Jahren zu den Mau-Mau-Aufständen kam, geriet Ngũgĩs Familie in Gefangenschaft, sein Stiefbruder starb und seine Mutter wurde gefoltert.  

Die Mau-Mau-Aufstände waren Teil der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung in Kenia gegen die Kolonialmacht Großbritannien.  

Ngũgĩ studierte an der Makere-Universität in Uganda und an der Universitsy of Leeds in Großbritannien, dort veröffentlichte er 1965 sein erstes Werk „Weep Not, Child”. In seinem dritten Roman „A Grain of Wheat” von 1967 wendet sich Ngũgĩ von einer linearen Erzählweise aus der Sicht einer einzelnen Person ab und schrieb von nun an aus vielfältigen Perspektiven und Zeitpunkten. Es war ein Wendepunkt in seiner Karriere, da er sich ab diesem Zeitpunkt nach traditionellen afrikanischen Erzählweisen richtete.  

1967 begann Ngũgĩ an der Universität in Nairobi Englische Literatur zu unterrichten. Er dozierte bis 1977 noch an zwei weiteren Universitäten. Als Ngũgĩ 1977 sein erstes Werk nach zehn Jahren veröffentlichte, handelte es sich um den Roman „Petals of Blood”, darin beschreibt er das Leben im neokolonialen Kenia kritisch und deckt Missstände auf. Auch sein im gleichen Jahr veröffentlichtes Theaterstück ist sehr gesellschaftskritisch.  

Politische Gefangenschaft 

Aufgrund dessen wird Ngũgĩ 1977 vom damaligen diktatorischen Regime ohne Gerichtsverfahren inhaftiert. Bis zum Ende des Jahres 1978 wird er gefangen gehalten. Diese Zeit beschreibt er in seinen Memoiren, im Gefängnis selbst schreibt er den Roman „Devil on the Cross” auf Toilettenpapier.  

Im Gefängnis entscheidet Ngũgĩ, seine Werke in Zukunft nur noch in seiner Erstsprache Kikuyu oder in Swahili zu veröffentlichen, da Ngũgĩ die englische Sprache als Mittel und Ausdruck eines anhaltenden politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und linguistischen Kolonialismus versteht. Er meint, dass es schädlich für das Selbstbewusstsein junger Afrikanerinnen und Afrikaner sei, wenn europäische Sprachen wie Englisch und Französisch die ersten seien, die sie lernten. So würde den Menschen vermittelt werden, dass Wissen nur von außen käme. Nach Ansicht Ngũgĩs sollten alle Afrikanerinnen und Afrikaner zunächst eine afrikanische Erstsprache erlernen, dann eine andere afrikanische Sprache, um sich mit anderen Menschen auf ihrem Kontinent austauschen zu können und erst dann eine europäische Sprache. Dies würde die Menschen ermächtigen.  

Nach seiner Entlassung, die die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erwirkt hat, darf Ngũgĩ seiner Arbeit als Dozent nicht mehr nachgehen. Trotzdem bleibt er als Autor eine kritische Stimme des autoritären Moi Regimes.  

Zeit im Exil 

Während der Vorstellung seines Buches „Devil on the Cross” in England, erfährt Ngũgĩ von einem Komplott gegen ihn, daraufhin begibt er sich ins Exil, zunächst in Großbritannien und ab 1989 in den USA.  

Im Exil setzte er sich für politische Gefangene in Kenia ein und dozierte als Professor an verschiedenen Universitäten. Als der Diktator Moi 2002 seine Herrschaft abtritt und es zu demokratischen Wahlen kommt, kehren Ngũgĩ und seine Ehefrau, Njeeri, 2004 nach 24 Jahren im Exil zurück um sein Buch „Wizard of the Crow” in Kenia zu veröffentlichen. Während dieser Reise wurden er und seine Frau in ihrem hoch abgesicherten Apartment von vier Männern überfallen. Ngũgĩ wurde verprügelt und es wurden Zigaretten an seiner Stirn ausgedrückt. Njeeri wurde von den Männern vergewaltigt. Ngũgĩ geht von einer politisch motivierten Tat aus. Drei Sicherheitsmänner und ein Neffe Ngũgĩs wurden für die Tat angeklagt.  

Ngũgĩ schrieb weiterhin und wurde vielfach ausgezeichnet. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller Ostafrikas. 

Neuestes Werk 

2018 veröffentlichte Ngũgĩ seinen bis dato letzten Roman „The perfect nine”. In diesem beschreibt er den Entstehungsmythos der Gĩkũyũ aus einer feministischen Perspektive. Der eigentliche Mythos besagt, dass der Urvater Gĩkũyũ von der höchsten Macht Ngai der Urmutter Mũmbi zugewiesen wurde, sie bekam neun Töchter. Diese neun Frauen wurden zu den Stammeshäuptern von neun Stämmen. Ihre Männer übernahmen die Macht ihrer Frauen, indem sie sie gleichzeitig schwängerten und kurz vor der Geburt unterwarfen.  

Weitere Informationen:

https://ngugiwathiongo.com/about/

https://www.britannica.com/biography/Ngugi-wa-Thiongo

Khelef, M. in DW:
https://www.dw.com/de/ngugi-wa-thiongo-zuerst-kommt-die-muttersprache/a-44312809 (21.06.2018) 

Jaggi, M in The Guardian:
https://www.theguardian.com/books/2006/jan/28/featuresreviews.guardianreview13 (28.01.2006) 

Errungenschaften Afrikas von Keith Hamaimbo

In dem Buch "Errungenschaften Afrikas" lernen Leserinnen und Leser viele bemerkenswerte Innovationen aus der Vergangenheit und Gegenwart kennen, die aus afrikanischen Ländern stammen.

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Errungenschaften Afrikas

Errungenschaften Afrikas von Keith Hamaimbo

Für viele Menschen ist es noch immer überraschend, wenn dem afrikanischen Kontinent bemerkenswerte Errungenschaften und positive Besonderheiten der Geschichte und Gegenwart zugeschrieben werden. Dr. Dr. Keith Haimambo vermittelt mit seinem Buch „Errungenschaften Afrikas“ ein anderes Afrika-Bild, das den Horizont erweitern kann.

Es zeigt, dass aktuelle afrikanische Innovationen in einer langen Tradition stehen. Zudem stellt es die bisherigen Vorstellungen von Schwarzen Menschen in Frage. Die alten Ideen werden um neue Bildern – und Vorbilder – ergänzt. Das Buch greift Errungenschaften aus den folgenden Bereichen auf:

  • afrikanische Philosophie,
  • Afrika und die Weltreligionen,
  • naturwissenschaftliche Erfolge.
  • Zudem stellt das Buch aktuelle und historische afrikanische Führungspersönlichkeiten vor.

Wir empfehlen das Kapitel „Wissenswerte Errungenschaften“ (S. 152 bis 162). Im Folgenden stellen wir drei kurze Beispiele daraus vor:

  • Im Jahr 2018 erhielt Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso den „Alternativen Nobelpreis“. Er fand heraus, wie man durch das Pflanzen von Bäumen die Ausbreitung von Wüste verhindern kann. Dazu verwendete er altes landwirtschaftliches Wissen aus seiner Heimat.
  • Bereits 1879 berichtete ein Missionar über eine erfolgreiche Kaiserschnittoperation in Uganda, bei der Mutter und Kind überlebten.
  • Nicht nur in Ägypten gibt es Pyramiden – im Sudan stehen sogar noch mehr davon als im Land am Nil, nicht wenige davon sind Frauen gewidmet.


Durch das Buch „Errungenschaften Afrikas“ lernen wir, dass der Ursprung vieler menschlicher Großleistungen in Afrika liegt. Das Buch wirkt unserer eurozentristischen Sicht entgegen und hilft so, Ungleichheit in der Wahrnehmung der Welt zu verringern. So trägt das Buch „Errungenschaften Afrikas“ auch zum Erreichen der 17 Ziele bei, insbesondere des zehnten Ziels: weniger Ungleichheit.

Tipp!

Das Buch „Errungenschaften Afrikas“ ist Teil unseres Lernkoffers Innovation. Mit Hilfe des Lernkoffers, lernen Schülerinnen und Schüler Erfinderinnen und Erfinder aus Afrika und ihre Innovationen kennen.

Sie möchten das Buch „Errungenschaften Afrikas“ im Unterricht einsetzen? Wir haben für Sie Arbeitsblätter mit unterschiedlichen Aufgaben erstellt, die Sie hier herunterladen können. Gerne können Sie die Arbeitsaufträge verändern und erweitern, um sie an die Bedürfnisse Ihrer Schülerinnen und Schüler anzupassen.

Arbeitsblatt „A21 Errungenschaften Afrikas (Buch) für die Sekundarstufe I und II:


LIZENZHINWEIS
Dieser Text steht unter einer CC BY-SA 4.0 Lizenz
www.creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de.
Der Name des Urhebers soll bei Weiterverwendung wie folgt genannt werden:
GEMEINSAM FÜR AFRIKA

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