Das Fieber

Der Dokumentarfilm "Das Fieber" zeigt den Kampf der Heilpraktikerin Rehema Namyalo aus Uganda und dem Entomologen Dr. Richard Mukabana in Kenia gegen Malaria.

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Das Fieber

Der Dokumentarfilm Das Fieber von der österreichischen Filmemacherin Katharina Weingartner begleitet die Heilpraktikerin Rehema Namyalo in Masaka, Uganda und den Entomologen Dr. Richard Mukabana von der Universität Nairobi in Kenia bei ihrem täglichen Kampf gegen Malaria. Beide versuchen mit lokalen und günstigen Mitteln gegen die Krankheit vorzugehen. Ohne Unterstützung von internationalen Gesundheitsinstitutionen und Stiftungen stoßen sie jedoch immer wieder auf finanzielle und bürokratische Widerstände.

Hintergrundinformationen

Malaria ist eine Krankheit, die für afrikanische Kinder besonders schlimm ist. 2019 wurden 229 Millionen Fälle und 400.000 Tote registriert – zwei Drittel der Toten waren Kinder unter fünf Jahren. Malaria wird durch einen Parasiten ausgelöst und durch die Anopheles-Mücke übertragen. Zu den Symptomen gehören unter anderem hohes Fieber und Schüttelfrost. Die Heilung mithilfe von Medikamenten kostet nur einige Euro, vorausgesetzt, diese sind verfügbar. Moskitonetze schützen nachts vor der Malaria-Mücke, aber arme Familien können sich die Netze oft nicht leisten. Wenn ein Kind an Malaria erkrankt, kann es nicht zur Schule gehen und auch Erwachsene können nicht arbeiten, wenn sie Malaria haben. Als Folge haben viele Menschen Schwierigkeiten, ihre Familie finanziell zu versorgen.

Malaria und andere Krankheiten kosten die betroffenen Länder jedes Jahr Milliarden, nicht nur für die Behandlungen, sondern auch durch den Ausfall von Hunderttausenden Arbeitskräften. Viel schlimmer ist aber der Verlust an Menschenleben, denn ein schwerer Verlauf von Malaria kann tödlich enden! Doch auch hier gibt es Hoffnung: Im April 2021 veröffentlichte die Oxford University eine erste Studie über einen neuen Malaria-Impfstoff. Erste klinische Studien wurden erfolgreich abgeschlossen und der Impfstoff erreichte eine Wirksamkeit von 77 Prozent. Die Forscher*innen hoffen auf eine baldige Zulassung. (1)

Tipp!

Die DVD „Das Fieber“ ist Teil unseres Lernkoffers Gesundheit! Mit Hilfe des Lernkoffers soll die Gesundheitsversorgung in afrikanischen Ländern für Schüler*innen greifbarer gemacht werden. Den Lernkoffer finden Sie hier! Er kann kostenfrei bestellt werden.

Quelle

(1) Gemeinsam Für Afrika: Neuer wirksamerer Malaria-Impfstoff gefunden 

MUAC Armband

Das MUAC-Band ist ein spezielles Maßband, mit dem der Ernährungszustand von Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren ermittelt werden kann.

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MUAC Armband

MUAC steht für Mid-Upper Arm Circumference und bezeichnet den mittleren Oberarmumfang. Das MUAC-Band ist ein spezielles Maßband, mit dem der Ernährungszustand von Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren ermittelt werden kann. Das Band wird um den Oberarm des Kindes gelegt, um den Umfang zu ermitteln. Zeigt die Farbskala des Bandes den roten Bereich, leidet das Kind unter akuter Mangelernährung und muss umgehend behandelt werden.

Die einzelnen Farben bedeuten Folgendes:

ROT: akute Mangelernährung (< 11,5 cm) = Lebensgefahr: medizinische Behandlung erforderlich
ORANGE: Mangelernährung (11,5–12,5 cm) = kalorien- und vitaminreiche Aufbaunahrung erforderlich
GELB: Gefahr für Mangelernährung (12,5–13,5 cm) = kalorien- und vitaminreiche Aufbaunahrung erforderlich
GRÜN: normaler Ernährungszustand (> 13,5 cm) = kein Handlungsbedarf (1)

Hintergrundinformationen

Trotz der weltweiten Fortschritte bei der Senkung der Kindersterblichkeitsrate in den letzten Jahrzehnten starben im Jahr 2019 schätzungsweise 5,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren – mehr als die Hälfte dieser Todesfälle ereigneten sich in den Ländern von Subsahara-Afrika. Durch die Folgen der Corona-Pandemie droht diese Zahl wieder zu steigen.

Unterernährte Kinder sind oft zu klein für ihr Alter und zu leicht. Daneben weisen sie viele weitere Symptome auf. Sie sind oft schwach, müde und apathisch. In vielen Fällen zeigt sich außerdem eine verzögerte geistige Entwicklung bis zu einer geistigen Behinderung. Auch körperlich ist eine Unter- oder Mangelernährung bei Kindern zu erkennen. Die Folgen sind ein Mangel an Fett, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Ein weiteres Merkmal ist eine Vorwölbung des Bauches, die durch Wassereinlagerungen und eine stark vergrößerte Leber entsteht. Unter- und Mangelernährung und das damit oft verbundene geschwächte Immunsystem machen die Menschen außerdem anfälliger für Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Tuberkulose. (2)

Der Test ist schnell und einfach in der Anwendung. Mit ihm kann auch eine größere Gruppe von Kindern rasch untersucht werden. Außerdem kann medizinisches Personal die Anwendung des Tests zügig lernen und dann selbstständig durchführen. Eine Variante des Armbands für ältere Kinder und Erwachsene ist derzeit in der Entwicklung. Im Niger hat die Nichtregierungsorganisation Alima ein Projekt gestartet, bei dem Frauen für die Früherkennung von Unterernährung ausgebildet werden. Mithilfe des MUAC-Schnelltests können sie den Ernährungszustand ihres Kindes selbst feststellen und durch Früherkennung Krankenhausaufenthalte vermeiden. (3)

Tipp!

Das MUAC Armband ist Teil unseres Lernkoffers Gesundheit! Mit Hilfe des Lernkoffers soll die Gesundheitsversorgung in afrikanischen Ländern für Schüler*innen greifbarer gemacht werden. Den Lernkoffer finden Sie hier! Er kann kostenfrei bestellt werden.

Quellen

(1) Aktion Deutschland Hilft: Infografik: Das Hunger-Maßband
(2) Malteser International: Unterernährung bei Kindern
(3) Euronews: Stille Revolution im Niger: Mütter übernehmen Unterernährungs-Vorsorge

Simulationsbrille Grauer Star

Die Simulationsbrille Grauer Star spiegelt circa fünf Prozent Restsehvermögen wider - Das Endstadium dieser Augenerkrankung.

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Simulationsbrille Grauer Star

Die Simulationsbrille Grauer Star von CBM* spiegelt circa fünf Prozent Restsehvermögen wider. Dies bedeutet das Endstadium dieser Augenerkrankung. Wenn die Krankheit weiter voranschreitet, würde man erblinden. Als gesetzlich blind gilt ein Mensch ab einem Sehrest von circa zwei Prozent.

Hintergrundinformationen

Augengesundheit

Weltweit leben 295 Millionen Menschen mit einer mittelgradigen bis schweren Sehbehinderung. Ein Großteil (90 Prozent) dieser Menschen lebt in einkommensschwachen Ländern. Dort sind zahlreiche Menschen von Blindheit und Sehbehinderungen betroffen, weil schwierige Lebensverhältnisse und unzureichende Gesundheitssysteme zu schlechten Hygienestandards, Mangelernährung und Erkrankungen führen. Ohne medizinische Versorgung können diese ungehindert fortschreiten und zu Blindheit führen.

Grauer Star

Der Graue Star ist die häufigste Ursache für Blindheit. Fast 40 Prozent aller Erblindungen weltweit gehen auf den Grauen Star zurück, davon sind die meisten in Afrika und Asien. Fast 20 Millionen Menschen sind blind durch diese Augenkrankheit, 83 Millionen Menschen dadurch mittelgradig bis schwer sehbehindert.

Der Graue Star ist eine Trübung der Augenlinse. Er kann angeboren sein, verletzungsbedingt oder durch bestimmte Medikamente verursacht werden. In aller Regel aber tritt der Graue Star im fortgeschrittenen Alter auf, weil sich die ursprünglich klare Linse im Laufe des Lebens ganz allmählich eintrübt. Die ersten Anzeichen sind zunehmende Lichtempfindlichkeit und abnehmende Sehschärfe. Im weiteren Verlauf verlieren die Farben an Leuchtkraft, Konturen verwischen, der Seheindruck gleicht dem Blick durch eine Milchglasscheibe.

Auch wenn die Augenkrankheit insbesondere im Alter auftritt, sind in einkommensschwachen Ländern bereits viele Kinder davon betroffen. Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft, Mangelernährung oder Vererbung spielen dabei eine Rolle. Der Graue Star ist jedoch heilbar. Am Grauen Star erblindete Menschen können durch eine Operation das Augenlicht wiedererhalten. Dabei wird die hinter der Pupille liegende, milchig gewordene Linse entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt. Das CBM-Projekt „Augenlicht schenken“ ermöglicht Kindern und Erwachsenen diese Operation.

Tipp!

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*Die Christoffel-Blindenmission (CBM) ist eine internationale Organisation der Entwicklungszusammenarbeit. Ihr Hauptziel ist es, die Lebensqualität der ärmsten Menschen zu verbessern, die eine Behinderung haben oder gefährdet sind, behindert zu werden. Mit lokalen Partnern in Asien, Afrika und Lateinamerika ist die CBM in den Bereichen Prävention, medizinische Versorgung, Rehabilitation und Bildung tätig, um Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen qualifiziert zu unterstützen. In Deutschland betreibt die CBM Bewusstseinsbildung an Schulen. Die Bildungsangebote regen Schüler*innen und Lehrkräfte dazu an, über Behinderung, menschliche Vielfalt und globale Ungleichheiten nachzudenken – und sich für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen. Die Bildungsangebote der CBM finden Sie hier.

Pinard-Stethoskop

Ein Pinard-Stethoskop ist ein geburtshilfliches Stethoskop zum Abhören der fetalen Herztöne.

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Pinard-Stethoskop

Ein Pinard-Stethoskop ist ein geburtshilfliches Stethoskop zum Abhören der fetalen Herztöne.

Hintergrundinformationen

Der französische Geburtshelfer Adolphe Pinard entwickelte das Stethoskop 1895. Heute findet es besonders in den Ländern des Globalen Südens Anwendung in der Geburtshilfe, denn CTG-Geräte (Kardiotokografie-Geräte oder Wehenschreiber), die in den Ländern des Globalen Nordens als Nachfolger des Pinard-Rohrs verwendet werden, gibt es in den meisten Kliniken Afrikas nicht. (1)

Um die kindlichen Herztöne mit dem Hörrohr abzuhören, wird der Bauch zuerst abgetastet, um die Lage des Babys festzustellen und seinen Rücken zu lokalisieren. Dort, wo der Rücken des Kindes liegt, ist das Herz (und somit der Herzschlag) der Bauchdecke am nächsten und kann am deutlichsten wahrgenommen werden. Beim Horchen wird das Hörrohr auf den Bauch gesetzt und mit dem Ohr leicht angedrückt – während des Hörens nimmt man die Hand vom Hörrohr, um Störgeräusche zu vermeiden. (2) Obwohl das CTG das standardmäßige Mittel zur Untersuchung der Herzfrequenz und der Wehentätigkeit in den Ländern des Globalen Nordens ist, benutzen einige Hebammen immer noch das Pinard-Rohr, um die Herztöne des Babys abzuhören.

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Das Pinard-Stethoskop ist Teil unseres Lernkoffers Gesundheit! Mit Hilfe des Lernkoffers soll die Gesundheitsversorgung in afrikanischen Ländern für Schüler*innen greifbarer gemacht werden. Den Lernkoffer finden Sie hier! Er kann kostenfrei bestellt werden.

Quellen

(1) DocCheck Flexikon: Pinard-Rohr
(2) Hebammenzentrum: PINARD`SCHES HÖRROHR

Wasserfilter

Der AQQA®bag ist ein Wasserfilter, der in Not- und Krisensituationen eingesetzt werden kann, um Trübstoffe, Bakterien und Krankheitserreger aus dem Wasser zu entfernen.

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Wasserfilter

Der AQQA®bag von Weise Water GmbH ist ein Wasserfilter, der in Not- und Krisensituationen eingesetzt werden kann, um Trübstoffe, Bakterien und Krankheitserreger aus dem Wasser zu entfernen. Er erreicht eine Rückhalterate von 99,99996 Prozent für Bakterien. In vielen Gegenden der Welt, in denen die Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben, sind insbesondere Bakterien (z. B. Typhus, Cholera) und andere Wasserparasiten (z. B. Bilharziose) eine akute Bedrohung für die Gesundheit. Der AQQA®bag ist dafür gemacht, in diesen Fällen die hygienische Qualität des Wassers entscheidend zu verbessern.

Hintergrundinformationen

Wasser in Afrika

In den ländlichen Gebieten Afrikas haben 90 Prozent der Bevölkerung keinen uneingeschränkten Zugang zu sauberem Wasser auf dem eigenen Grundstück. Wasserholen braucht viel Zeit und es leiden nicht nur einzelne Menschen, sondern auch die Produktivität als Ganzes. Dies führt folglich zu Armut oder erschwert die Wege aus der Armut heraus. Der Klimawandel verschärft diese Situation zusätzlich. Außerdem führt unsauberes Trinkwasser zu Krankheiten und gefährdet die Gesundheit, vor allem von Kindern. Bestimmte Krankheiten können sich infolge von unreinem Wasser und schlechter Hygiene und Sanitärversorgung besonders schnell und weitläufig verbreiten, wie zum Beispiel Malaria, Cholera oder Gelbfieber. UNICEF geht davon aus, dass 27 Prozent der Kinder, die 2015 weltweit verstorben sind, davon betroffen waren. (1)

Dr. Askwar Hilonga

Dr. Askwar Hilonga aus Tansania hat ebenfalls einen Wasserfilter erfunden – den Nanofilter, der an lokale Unterschiede in der Wasserverschmutzung angepasst werden kann. Der Chemieingenieur ist in einem kleinen Dorf in Tansania groß geworden. Wie in vielen ländlichen Gebieten in Afrika gibt es dort keine ausreichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Dr. Hilonga sah und spürte selbst als Kind die Folgen von unsauberem Wasser: Durchfall und Krankheit. Nach einem erfolgreichen Studium mit Promotion über Nanotechnologien überlegte er, wie er mit seinem Wissen den Menschen in seinem Heimatdorf am besten helfen könnte. So entstand die Idee, mithilfe von Nanotechnologie unsauberes Wasser zu reinigen. Das Ziel von Dr. Hilonga war es dabei, ein System zu entwickeln, das auf lokale Unterschiede in der Wasserverschmutzung angepasst werden konnte. 2015 gewann Dr. Hilonga dafür den ersten „Africa Prize for Engineering Innovation“ (Afrikanischer Innovations-Preis). Sein Nanofilter arbeitet in zwei Stufen: In der ersten Stufe läuft das verunreinigte Wasser durch eine Sandschicht, die viele Bakterien und größere Partikel herausfiltern kann. In der zweiten Stufe setzt der Nanofilter ein: Er reinigt das Wasser von Schwermetallen, Fluor und anderen Chemikalien. Dr. Hilonga ist überzeugt, dass der Nanofilter 70 Prozent der Haushalte in Tansania, die bisweilen ohne sauberes Wasser leben, helfen kann. (1)

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Quellen

(1) Unterrichtsmodul „Wasser“ von GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Ergebnisse der COP 27

Die UN-Klimakonferenz 2022 (COP 27) hat sich auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Der Aufbau eines Fonds für Klimaschäden und -verluste wurde beschlossen, dringend notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz fehlen jedoch.

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Ergebnisse der COP 27

Am Sonntag kam die zweiwöchige UN-Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh, Ägypten zum Ende und die fast 200 Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens haben sich auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt. 

Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden und -verlusten 

Festgelegt wurde der Aufbau eines gemeinsamen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden und -verlusten in Ländern des Globalen Südens. Dies bedeutet einen großen diplomatischen Erfolg für Afrika und andere von der Klimakrise gefährdete Nationen. Sie versuchten schon lange vor allem die Europäische Union und die Vereinigten Staaten  von der Idee eines Fonds zu überzeugen. Die beiden großen Emittenten hatten sich jahrelang gegen die Forderungen nach einem Fonds gesträubt, weil sie befürchteten, dass ein solcher Fonds sie für historische Emissionen haftbar machen könnte. Durch die Formulierung in der Vereinbarung, die vorsieht, dass die Mittel aus einer Vielzahl bestehender Quellen, einschließlich Finanzinstitutionen, stammen sollen, konnten die Bedenken zerstreut werden. (2) 

Mit dem Fonds für Klimaschäden sollen unabwendbare Folgen der Erderhitzung wie Dürren, Überschwemmungen und Stürme, der steigende Meeresspiegel und Wüstenbildung abgefedert werden. Besonders gefährdete Länder im Globalen Süden sollen Mittel aus dem Fonds erhalten, darunter viele afrikanische Staaten. Viele Fragen bleiben jedoch offen, denn in dem Beschluss werden zum Beispiel weder Summen für den neuen Entschädigungsfonds genannt noch wer den Fonds beaufsichtigen soll. Vorgesehen ist lediglich der Einsatz einer Übergangs-Kommission, die Empfehlungen dazu erarbeiten wird. Diese sollen dann auf der nächsten UN-Klimakonferenz Ende 2023 in Dubai beraten werden. Bis der Fonds existiert und zum Einsatz kommt, werden wahrscheinlich noch einige Jahre vergehen. (1) (2) 

Ein Schritt nach vorne und zwei zurück?  

Doch die Errichtung des Fonds hat auch seinen Preis. Denn eine Einigung für eine stärkere Verpflichtung auf das im Pariser Abkommen von 2015 festgelegte 1,5 Grad Ziel gab es nicht. So gaben viele der Länder im Nachhinein zu, sie hätten sich unter Druck gesetzt gefühlt, auf strengere Verpflichtungen zur Begrenzung der globalen Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu verzichten, damit die wegweisende Vereinbarung über den Fonds zustande kommen konnte.  

Der letztjährige COP26-Gipfel in Glasgow, Schottland, hatte sich auf das Thema konzentriert, das 1,5 Grad-Ziel am Leben zu erhalten. Die Länder wurden damals aufgefordert, ihre nationalen Klimaziele vor dem diesjährigen Gipfel in Ägypten anzupassen. Nur ein Bruchteil der fast 200 Vertragsparteien hat dies auch getan. Einige Länder versuchten sogar auf der diesjährigen Klimakonferenz, die in Glasgow eingegangenen Verpflichtungen zurückzunehmen. Zwar konnte dies verhindert werden, doch eine ganze Reihe ehrgeiziger, aber von der Wissenschaft als notwendig erachteter, Maßnahmen wurde blockiert: Darunter zum Beispiel wichtige Maßnahmen zum Kohleausstieg und eine klare Verpflichtung zum Ausstieg aus oder zumindest der schrittweise Abbau von weiteren fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas. Ein Vorantreiben des Klimaschutzes ist auf der diesjährigen COP also nicht gelungen. (2)  

Damit bleibt die Erklärung hinter den Forderungen vieler Klimaaktivist*innen und Umweltschützer*innen zurück. Und auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres warf der UN-Klimakonferenz vor, zentrale Ziele verfehlt zu haben: „Ein Fonds für Verluste und Schäden ist wichtig – aber er ist keine Lösung, wenn die Klimakrise einen kleinen Inselstaat von der Landkarte verschwinden lässt oder ein ganzes afrikanisches Land in eine Wüste verwandelt. Die Welt braucht immer noch einen großen Sprung in Sachen Klimaambitionen.“ (3) 

Quellen

(1) Tagesschau: COP27 einigt sich auf Abschlusserklärung (November 2022)

(2) Reuters: COP27 delivers climate fund breakthrough at cost of progress on emissions (November 2022)  

(3) Foreign Policy: What Came Out of COP27? (November 2022)

Verfasst am 22.11.2022

Handlungsoptionen

Im Vorfeld und während der COP gibt es viele weitere großartige politische Kampagnen. Besonders wichtig ist es, auch die zu unterstützen, die von den sogenannten „Frontline“ Communities und Organisationen kommen. - also von denen, die am stärksten betroffen sind.

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Handlungsoptionen

Im Vorfeld und während der COP gibt es viele weitere großartige politische Kampagnen. Besonders wichtig ist es, auch die zu unterstützen, die von den sogenannten „Frontline“ Communities und Organisationen kommen. Also von denen, die am stärksten betroffen sind. Viele haben nicht das Privileg wie die meisten von uns, gegen Ungerechtigkeiten auf die Straße gehen zu können und zu demonstrieren. Jeden zweiten Tag wird weltweit ein*e Umweltschützer*in getötet. Du kannst Aktivistis mit deiner Reichweite unterstützen. Die Staats- und Regierungschefs auf der COP27 müssen auf die Lösungen hören, die diese inspirierenden Aktivist*innen auf den Tisch bringen.    

Drei solcher Kampagnen möchten wir euch im Folgenden gerne vorstellen: 

Don’t Gas Africa – Erschließungsstopp weiterer fossiler Energien in Afrika  

Don’t Gas Africa ist ein eindringlicher Aufruf der afrikanischen Zivilgesellschaft, um sicherzustellen, dass die Afrikanische Union die Ausweitung der Förderung fossiler Brennstoffe nicht unterstützt. Die Förderung fossiler Brennstoffe in Afrika hat nicht zum Wohlstand der Bevölkerung geführt. Ganz im Gegenteil. 600 Millionen Afrikaner*innen haben nach wie vor keinen Zugang zu moderner, sauberer und erneuerbarer Energie. Don’t Gas Africa setzt sich für die Verbreitung kostengünstiger, sauberer, dezentraler und erneuerbarer Energien ein, um die Energieausgrenzung zu beenden und die Bedürfnisse der Menschen in Afrika zu erfüllen. Darüber hinaus fordern sie einen transformativen, von den Menschen getragenen Prozess, der einen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel beinhaltet, um den Menschen und Gemeinden auf dem gesamten Kontinent erneuerbare Energien zur Verfügung zu stellen.  

Auch Ihr könnt den Aufruf zum Förderungs-Stopp fossiler Energien unterstützen, indem Ihr den offenen Brief unterschreibt und in den sozialen Netzwerken teilt! 

Debt for Climate – Schuldenerlass des Globalen Südens  

Die Graswurzel-Initiative Debt for Climate – angeführt von Menschen aus dem Globalen Süden – verbindet soziale Gerechtigkeits- und Klimagerechtigkeitskämpfe miteinander, indem sie die Arbeits-, sozialen und Klima-Bewegungen des Globalen Südens und des Globalen Nordens hinter einem gemeinsamen Ziel vereint. Das Ziel ist die Überwindung der “Diplomatie der Schuldenfalle” durch die Entschuldung der Länder mit geringen finanziellen Ressourcen, sodass diese es sich leisten können, eine gerechte Energiewende zu finanzieren, ohne dabei auf fossile Energien zurückgreifen zu müssen.  

Unterstützen könnt Ihr die Initiative, indem Ihr sie in den sozialen Netzwerken teilt und euch der Bewegung anschließt.  

Rise Up Movement  

Das Rise Up Movement wurde von der ugandischen Klimaaktivistin Vanessa Nakate ins Leben gerufen und bietet afrikanischen Klimaaktivist*innen eine Plattform, auf der ihre Stimme von der Welt gehört werden kann.  

Indem Ihr das Rise Up Movement auf euren Social Media Kanälen teilt, könnt ihr die Reichweiten dieser Stimmen erhöhen.  

Klimafinanzierung auf der COP27

Jährlich 100 Milliarden US-Dollar Klimafinanzierung ab 2020 – Das wurde den Ländern des Globalen Südens von den Ländern im Globalen Norden versprochen. Mit ca. 83 Milliarden US-Dollar pro Jahr wurde das Versprechen jedoch weit verfehlt. Auf der COP27 steht die Zukunft der Klimafinanzierung nun im Mittelpunkt der Konferenz.

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Klimafinanzierung auf der COP27

Im Jahr 2009 haben sich die Länder im Globalen Norden dazu verpflichtet, den Ländern im Globalen Süden ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Schutz- und Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Also für Maßnahmen, die dazu beitragen, dass die Länder im Globalen Süden sich an die unabwehrbaren Folgen der Klimakrise anpassen können. Beispiele für Anpassungsmaßnahmen in Deutschland gegen die Klimakrise wäre z. B. die Errichtung von Dämmen. Die Bestätigung dieser Summe war ein fundamentaler Bestandteil des Pariser Klimaabkommens von 2015, in dem auch festgelegt wurde, diesen Mindestbetrag bis 2025 zu halten. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag die jährliche weltweite Klimafinanzierung seither jedoch nur bei rund 83 Milliarden US-Dollar. Das Ziel wurde also deutlich verfehlt. (1)

Diese Verfehlung bedeutet, dass bis 2023 Milliarden von Dollar für wichtige Projekte und Programme fehlen, z. B. zur Anpassung an klimatische Veränderungen, aber auch für bereits entstandene Schäden. (2) Wenn also jetzt über die Klimafinanzierung gesprochen wird, dann muss das neue Ziel deutlich über den bisherigen Zusagen liegen, um den Bedürfnissen der Länder gerecht werden zu können, die von der Klimakrise am meisten betroffen sind und über wenige finanzielle Mittel verfügen. (1) 

100 Milliarden sind ein Tropfen auf den heißen Stein  

Die Studie „Finance for Climate Action“ der „High Level Expert Group for Climate Finance” im Auftrag der britischen und ägyptischen COP-Präsidentschaft kommt nach einer neuen Berechnung zu dem Schluss, dass für das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommens bereits 2025 etwa eine Billion US-Dollar in die Energiewende, die Anpassung an die Klimakrise und den Erhalt von Naturflächen im Globalen Süden investiert werden muss. Bis 2030 steigt dieser Bedarf laut des Berichts auf 2,4 Billionen US-Dollar jährlich. Davon sollen eine Billion aus „externen Finanzflüssen“ in die Länder des Globalen Südens fließen. Zwar betonen die Autor*innen ausdrücklich, dass die Billion nicht die neue 100 Milliarden ist. Doch zeigt die Berechnung sehr deutlich, dass selbst das Versprechen der 100 Milliarden, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. (3)  Eine weitere Studie, die die die Schäden auf das Bruttoinlandsprodukte (BIP) betroffener Länder bis 2100 berechnet hat, geht von jährlichen Schäden von 13,1 % des BIPs aus (unter Voraussetzung, dass die 1,5 Grad-Grenze erreicht wird). Diese Schätzung sei sehr konservativ. (6) Bei afrikanischen Ländern werden die Schäden weit höher eingeschätzt. (7) 

Ein Schutzschirm für Verluste und Schäden 

Die Zukunft der Klimafinanzierung und der Themenpunkt „Loss and Damage“ (Verluste und Schäden) stehen auf der diesjährigen Klimakonferenz im Mittelpunkt. Dieser Fakt an sich ist schon ein Erfolg, wurden vor allem Verluste und Schäden im Zuge der Klimakrise auf den vergangenen Klimakonferenzen weitestgehend ignoriert. Zentrale Zusagen und Umsetzungspläne blieben jedoch bisher dürftig.

Heraus sticht die deutsche Initiative eines finanziellen Rettungsschirm für Klimarisiken, die von den G7-Staaten einhellig unterstützt wird. Deutschland will zu diesem Schirm 170 Millionen Euro als „Anschubfinanzierung“ beisteuern. Bisher haben sich jedoch nur sieben Staaten im Globalen Norden gefunden, die sich an diesem Schutzschirm beteiligen wollen. Neben Deutschland sind das Schottland mit ca. 2,3 Millionen Euro, Dänemark mit ca. 13,5 Millionen Euro, Österreich mit 50 Millionen Euro, Irland mit 10 Millionen Euro, Belgien mit 2,5 Millionen Euro und Neuseeland mit 12 Millionen Euro. Das sind zusammen ca. 260,3 Millionen Euro. Zu wenig, um Schäden und Verluste durch Klimakatastrophen im Globalen Süden auszugleichen. (4) Das Programm wurde auch kritisiert, weil es sich auf Versicherungen und die Verhinderung künftiger Verluste und Schäden konzentriert, anstatt direkte Mittel für die Bewältigung der bereits eingetretenen – und jüngsten – Katastrophen bereitzustellen. Außerdem sei die Initiative auch kein Ersatz für einen offiziellen UN-Schadensfonds, wie es Umweltorganisationen und Länder aus dem Globalen Süden schon lange fordern, betonte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze. (5)  

Fonds für Schäden und Verluste erst 2024? 

Die Einrichtung eines solchen verbindlichen Finanzmechanismus innerhalb des UN-Rahmens für klimabedingte Schäden und Verluste scheint sich jedoch weiterhin zu verzögern. Vor allem die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und das Vereinigte Königreich haben sich bisher gegen die Einrichtung eines “Loss-and-Damage“-Mechanismus ausgesprochen. Bevor ein verbindliches Abkommen über einen neuen Fonds für Verluste und Schäden zustande kommen könne, müssen erst alle Details der Funktionsweise geklärt werden, heißt es von Seiten der EU. So könne die COP27-Vereinbarung eine Einigung darüber beinhalten, dass an diesem Thema gearbeitet werden muss und bis 2024 eine Lösung gefunden werden sollte. Ähnliche Pläne kommen von Seiten der britischen Regierung, die einen “Prozess” in Gang setzen möchte, der spätestens 2024 zu einer konkreten Lösung führen soll. Vertreter*innen der US-Regierung haben lediglich zugesagt, ein Gespräch über Verluste und Schäden zu führen, sind aber nicht weiter darauf eingegangen, welche Art von Fonds sie letztendlich unterstützen würden. Auch sie sehen das Jahr 2024 als Frist für eine Einigung über Schäden und Verluste an, lehnen aber die bisher vorgelegten Vorschläge ab, da sie befürchten, dass die Länder im Globalen Norden in den kommenden Jahren rechtlich haftbar gemacht werden könnten. (5)

Diese Verzögerung ist jedoch nicht nur keine Garantie dafür, dass jemals ein spezieller Fonds für Schäden und Verluste im Rahmen der UN eingerichtet wird, sie bedeutet auch, dass die Länder im Globalen Süden mindestens zwei weitere Jahre auf verbindliche Zahlungen warten müssen, für Schäden und Verluste aufgrund von Klimakatastrophen, die schon jetzt eintreten.  

Quellen 

(1) VENRO Positionspapier: ZEITENWENDE FÜR KLIMAGERECHTIGKEIT – Forderungen zur 27. Weltklimakonferenz in Ägypten  

(2) Deutsche Klimafinanzierung: Klimafinanzierung im Bundeshaushalt 2023: Unfall oder absichtsvolle Missachtung? (September 2022)  

(3) Capital: COP27 – Neue Studie zeigt Billionen-Bedarf beim Klimaschutz (November 2022)

(4) Fridays for Future Berlin: Der Tag der Finanzen – COP Daily Tag 3 (November 2022)

(5) CNN: Rich countries are trying to hit pause on climate summit’s key issue (November 2022)

6) Diffenbaugh und Burke Global warming has increased global economic inequality (2019) 

7) CAN International, Christian Aid; Heinrich Böll Stiftung (Washington, DC); Practical Action & Stamp Out Poverty. LOSS AND DAMAGE FINANCE FACILITY – WHY AND HOW (2022) 

Test

Deutsche und europäische Investitionen in fossile Brennstoffe

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine seit Februar dieses Jahres macht die europäische Abhängigkeit von russischem Gas mehr als deutlich. Auf der Suche nach einer schnellstmöglichen Alternative wenden sich die EU-Staaten an Afrika. Doch dies ist der falsche Weg.

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Deutsche und europäische Investitionen in fossile Brennstoffe

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Draghi bemühte sich intensiv um neue Gasabkommen mit Algerien, Ägypten, Angola, der Republik Kongo und Mosambik (1). Bundeskanzler Scholz setzte sich beim EU-Gipfel im Oktober 2022 für die weltweite Erschließung neuer fossiler Gasfelder ein, nachdem er bereits im Mai angekündigt hatte, im Senegal mit finanzieller Hilfe neue Offshore-Gasfelder und LNG-Exportanlagen zu unterstützen. (2)  

Investitionen in nicht-zukunftsfähige Energiequellen 

Die Neuerschließung fossiler Gasfelder verstößt jedoch nicht nur gegen das Pariser Klimaabkommen von 2015. Estreibt Deutschland und die EU in neue fossile Abhängigkeiten und widerspricht der Erklärung des letzten Weltklimagipfels von Glasgow, dass keine neuen Öl- und Gasvorhaben mehr finanziert werden sollen. (2) Deutschland drängt die afrikanischen Länder auch dazu, ihre begrenzten finanziellen Reserven in den Aufbau einer Förder- und Exportindustrie für fossile Brennstoffe zu stecken, die ausschließlich europäischen Kund*innen zugutekommen würde. In ein paar Jahren, aller Voraussicht nach, wenn eigene europäische Investitionen in Erneuerbare Energien zu greifen beginnen, werden sie ihren Nutzen verlieren. Denn die EU erwartet bis 2030 einen Erdgas-Nachfragerückgang um 40 Prozent im Vergleich zu 2021. Und Deutschland und Italien planen zum Beispiel innerhalb der nächsten 30 Jahre ihre Emissionen auf null zu senken. Auch das neue CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) der EU, das kohlenstoffintensive Importe besteuert, wird den Übergang weiter beschleunigen und damit Länder, die noch von fossilen Brennstoffen abhängig sind, weiter benachteiligen. (1)   

Energiegerechtigkeit durch Investitionen in fossile Energie? 

Einige afrikanische Staatschefs dürften sich über die europäische Energie-Kehrtwende freuen, forderten sie doch zu Beginn des Jahres den Stopp der öffentlichen Finanzierung von Gasprojekten zu überdenken. So begründeten der nigerianische Vizepräsident Yemi Osinbajo und Senegals Präsident Macky Sall, dass nur mit Hilfe von Gas als Brückenstoff eine gerechte Wende möglich sei, die es den Ländern des Globalen Südens erlaube, sich zu industrialisieren, schnellen Zugang zu moderner Energie für die Bevölkerung und Wohlstand zu schaffen. Doch das extraktive Exportmodell, das zurzeit durch die EU befördert wird, wird wenig zur Entwicklung der Länder beitragen. (4)  So weist die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate darauf hin, dass afrikanische Länder, deren Volkswirtschaften ohnehin schon auf der Produktion und dem Export von fossilen Brennstoffen basieren, ein oft bis zu dreifach langsameres Wirtschaftswachstum aufweisen als Länder mit einer stärker diversifizierten Wirtschaft. In Mosambik zum Beispiel haben ausländische Gesellschaften, allen voran ENI und Total, für 20 Milliarden Dollar ein Offshore-Erdgasfeld und eine Onshore-Flüssiggasanlage aufgebaut. Dennoch sind gleichzeitig 70 Prozent des Landes von Elektrizität abgeschnitten. Ein Beispiel, dass ganz deutlich zeigt, dass weder das Gas noch die Exportprofite für die einheimische Bevölkerung bestimmt sind. (1)  

Erneuerbare Energien sollten Vorrang haben 

Dabei gibt es andere und viel bessere Optionen. Afrika verfügt über reichhaltige und erschwingliche Quellen von erneuerbaren Energien: starke Sonneneinstrahlung, heftige Winde und unerschöpfliche geothermische Energie. Diese sind nicht nur klimasicher, sondern auch zukunftsfähig. (3)  

Quellen

  1. Zeit: Deutschland will uns eine fossile Infrastruktur aufdrücken (Juni 2022) https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-06/afrika-erdgas-europa-erneuerbare-energien-klimaschutz?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F  
  2. Presseportal: Interne EU-Gipfel-Dokumente zeigen massive Gas-Förderpläne von Olaf Scholz: Deutsche Umwelthilfe fordert klare Absage an diesen Weg in die Klimakatastrophe (Oktober 2022) https://www.presseportal.de/pm/22521/5349950 
  3. Tagesspiegel: Gas aus dem Senegal statt aus Russland? (Juni 2022) https://www.tagesspiegel.de/politik/wir-wollen-euer-geld-fur-fossile-energien-nicht-5430943.html 
  4. Heinrich Böll Stiftung: Die Suche Europas nach Gasressourcen in Afrika (Juni 2022) https://www.boell.de/de/2022/06/22/die-suche-europas-nach-gasressourcen-afrika  

Katastrophale Überschwemmung in Nigeria

Nigeria wird aktuell von den schlimmsten Überschwemmungen seit einem Jahrzehnt heimgesucht, mit katastrophalen Folgen.

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Katastrophale Überschwemmung in Nigeria

In den vergangenen Wochen haben die Überschwemmungen in Nigeria massive Schäden angerichtet. Über 600 Menschen kamen ums Leben, mehr als 2.400 wurden verletzt und über 2,5 Millionen sind laut den Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dazu zählen 1,5 Millionen Kinder, die durch Ertrinken, Krankheiten und Hunger oder bedroht sind. Über 200.000 Häuser, Infrastruktur und weite Teile der landwirtschaftlichen Nutzfläche wurden beschädigt oder sind ganz zerstört. 34 der insgesamt 36 Bundesstaaten Nigerias sind betroffen. In einigen davon werden die Überschwemmungen wahrscheinlich noch mehr als einen Monat andauern. (1) (2) 

Klimakrise mitverantwortlich  

Nigeria ist an saisonale Überschwemmungen gewöhnt. Dieses Jahr sind sie jedoch deutlich schlimmer als sonst. Laut nigerianischer Regierung und den Vereinten Nationen sind ungewöhnlich starke Regenfälle und die Klimakrise mitverantwortlich für die massiven Überschwemmungen. (2) (3)  

Im Klima-Risiko-Index des Kinderhilfswerks UNICEF belegt Nigeria Platz zwei von weltweit 163 Ländern und leide daher unter einem “extrem hohen Risiko”, Schäden durch die Klimakrise zu erleiden. (2) Neben Überschwemmungen nennt das bevölkerungsreichste Land Afrikas in einem nationalen Klimapolitikdokument auch Dürren, schlechte Luftqualität, Gesundheitsgefährdung und Lebensraumverlust als Folgen der Klimakrise. (1) 

Klimakrise nicht der einzige Faktor 

Regen und Klimakrise sind jedoch wohl nicht die einzigen Ursachen für die aktuelle Katastrophe. Jedes Jahr lässt das benachbarte Kamerun Wasser aus einem Damm im Norden Kameruns ab, was zu Überschwemmungen flussabwärts in Nigeria führt. Als der Damm in den 1980er Jahren gebaut wurde, vereinbarten die beiden Länder, dass auf der nigerianischen Seite ein Zwillingsdamm gebaut werden sollte, um den Überlauf einzudämmen. Das wurde jedoch nie realisiert. Die nigerianische Ministerin für humanitäre Angelegenheiten, Sadiya Umar Farouq, machte deshalb auch die Untätigkeit anderer Regierungsstellen für das Ausmaß der Katastrophe verantwortlich. (1) Auch schlechte Planung und Infrastruktur haben laut Expert*innen die Schäden weiter verschlimmert. (3) 

Quellen

(1) New York Times: Nigeria Floods Kill Hundreds and Displace Over a Million (Oktober 2022)

(2) Tagesschau: Überschwemmungen in Nigeria – 2,5 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe (Oktober 2022)   

(3) BBC: Nigeria floods: ‚Overwhelming‘ disaster leaves more than 600 people dead (Oktober 2022)

Dickhäuter mit viel Rüsselspitzengefühl 

Elefanten haben so viele Gesichtsneuronen wie kein anderes Landsäugetier. Das verleiht den grauen Riesen besondere Feinfühligkeit, v.a. im Rüssel. Für die Forschung sind sie deshalb ein interessanter Untersuchungsgegenstand. Doch die Klimakrise schränkt ihren Lebensraum immer weiter ein.

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Dickhäuter mit viel Rüsselspitzengefühl 

Dickhäuter mit viel Rüsselspitzengefühl 

Feinfühlige Giganten  

Der Rüssel eines Elefanten hat 40.000 Muskeln und wiegt mehr als eine burmesische Python – also über 90 kg. Trotz Größe und Stärke des Anhängsels, das dem Elefanten ermöglicht sogar Bäume zu entwurzeln, ist es empfindlich genug, um zerbrechliche Tortilla-Chips aufzusaugen. Diese ausgeprägte Geschicklichkeit konnten der Neurowissenschaftler Michael Brecht und sein Team von der Humboldt Universität Berlin bei der Untersuchung der Gehirne der Dickhäuter auf die Vielzahl an Neuronen zurückführen, die diese im Gesichtsbereich haben. Elefanten haben mehr Gesichtsneuronen als jedes andere Landsäugetier der Welt. (1)  

Elefant ist nicht gleich Elefant  

Die Untersuchung trug außerdem dazu bei, wesentliche Unterschiede zwischen afrikanischen Savannenelefanten und asiatischen Elefanten aufzuzeigen. Die Forschenden fanden heraus, dass afrikanische Elefanten über 63.000 Gesichtsneuronen verfügen, ihre asiatischen Verwandten über 54.000. Die einzigen Säugetiere, die mehr Neuronen haben, sind Delfine mit fast 90.000 Gesichtsneuronen in ihrer empfindlichen Schnauze.  

Zwar sehen die Elefanten ähnlich aus, die afrikanischen haben aber zum Beispiel größere Ohren, die sie beim Angreifen auffächern. Das liegt daran, dass sie über ca. 12.000 Gesichtsneuronen verfügen, die allein für die Steuerung ihrer Ohren zuständig sind. Damit haben afrikanische Elefanten allein für ihre Ohren mehr Neuronen, als wir Menschen für unseren gesamten Gesichtsbereich – insgesamt fast 3.000 mehr.  

Ein weiterer großer Unterschied zwischen den Elefanten ist die Art und Weise, wie sie ihren Rüssel bewegen. Afrikanische Elefanten verwenden zwei fingerartige Fortsätze an den Rüsselspitzen, um Objekte zu greifen, ähnlich wie bei der Bewegung mit einem Essstäbchen. Asiatische Elefanten haben nur einen fingerartigen Fortsatz und greifen Objekte, indem sie ihren Rüssel um sie wickeln.  

Zwar seien die Anzahl der Neuronen im Gesicht der Elefanten wenig überraschend und im Vergleich auch nicht überragend, doch könne ein besseres Verständnis der Strukturen bei Elefanten auch Einblicke in andere große Säugetiere – einschließlich des Menschen – geben, glaubt Dr. Brecht. (1) 

Elefanten stark von Klimakrise betroffen  

Doch nicht nur für die Forschung sind die sensiblen Giganten von unschätzbarem Wert. Auch im Kampf gegen die Klimakrise kommt ihnen eine bedeutsame Rolle zu. Denn indem sie mit ihren Hinterlassenschaften Pflanzensamen und Nährstoffe verteilen, sorgen die Tiere für Artenvielfalt. Waldelefanten lichten darüber hinaus dichtes Gehölz, sodass sich die verbliebenen Bäume besser entwickeln können. Damit sind sie wahre Klimaschützer, die jedoch gleichzeitig selbst stark von der Klimakrise betroffen sind. So wird es für die Tiere immer schwieriger Wasser und Nahrung zu finden. (2) Allein in diesem Jahr sind bereits mehr als 179 Elefanten in Kenia an den Folgen der Klimakrise verendet (Stand Juli 2022). (3) Es ist nicht klar, wie lange Elefanten in der Lage sein werden, sich den Folgen der Erderhitzung  anzupassen. (2) Fakt ist, dass sie sich nun vor zwei menschengemachten Bedrohungen schützen müssen: Wilderei und Klimakrise.  

Quellen

(1) New York Times: It Takes a Lot of Elephant Brains to Solve This Mystery (Oktober 2022)

(2) WWF: Opfer und Hoffnungsträger zugleich: Afrikanische Elefanten in der Klimakrise (Mai 2022)

(3) Der Standard: Kenia: Klimawandel tötet zwanzigmal mehr Elefanten als Wilderei (Juli 2022)   

Verfasst am 1.11.22

Malaria Seife

Die Malaria Seife reinigt Körper, Bettlacken und Kleidung und bietet Schutz vor Malaria und allen weiteren Krankheiten, die von Mücken übertragen werden.

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Gesundheitskoffer: Malaria Seife

Malaria Seife

Joan Nalubega entwickelte eine Seife, die sechs Stunden vor Mücken schützt. Mit dieser Seife kann nicht nur der Körper gereinigt, sondern auch Bettlaken und Kleidung gewaschen werden. Somit bietet die Seife nicht nur Schutz vor Malaria, sondern vor allen Krankheiten, die von Mücken übertragen werden.

Hintergrundinformationen

Malaria ist eine Krankheit, die für afrikanische Kinder besonders schlimm ist. 2019 wurden 229 Millionen Fälle und 400.000 Tote registriert – zwei Drittel der Toten waren Kinder unter fünf Jahren. Malaria wird durch einen Parasiten ausgelöst und durch die Anopheles-Mücke übertragen. Zu den Symptomen gehören unter anderem hohes Fieber und Schüttelfrost. Die Heilung mithilfe von Medikamenten kostet nur einige Euro, vorausgesetzt, diese sind verfügbar. Moskitonetze schützen nachts vor der Malaria-Mücke, aber Familien mit wenigen finanziellen Mitteln können sich die Netze oft nicht leisten. Wenn ein Kind an Malaria erkrankt, kann es nicht zur Schule gehen und auch Erwachsene können nicht arbeiten, wenn sie Malaria haben. Als Folge haben viele Menschen Schwierigkeiten, ihre Familie finanziell zu versorgen.

Malaria und andere Krankheiten kosten die betroffenen Länder jedes Jahr Milliarden, nicht nur für die Behandlungen, sondern auch durch den Ausfall von Hunderttausenden Arbeitskräften. Viel schlimmer ist aber der Verlust an Menschenleben, denn ein schwerer Verlauf von Malaria kann tödlich enden! Doch auch hier gibt es Hoffnung: Im April 2021 veröffentlichte die Oxford University eine erste Studie über einen neuen Malaria-Impfstoff. Erste klinische Studien wurden erfolgreich abgeschlossen und der Impfstoff erreichte eine Wirksamkeit von 77 Prozent. Die Forscher*innen hoffen auf eine baldige Zulassung.

Eine Seife die Leben rettet

Joan Nalubega wuchs in Uganda in einem Waisenhaus auf. Sie und die Kinder in ihrem Umfeld erkrankten immer und immer wieder an Malaria. Über 65 Prozent der Malaria-Todesopfer sind Kinder unter fünf Jahren. Nalubega hatte Glück und erholte sich jedes Mal wieder. Sie war nie sicher, wie sie sich angesteckt hatte, da sie unter einem Moskitonetz schlief. Aus dieser Erfahrung zog sie die Motivation, etwas für die Lebensumstände von Kindern und ihren Familien zu tun, die unter Malaria leiden.

Zu Beginn waren die Produktionskosten der Seife allerdings noch deutlich zu hoch, um einen echten Mehrwert für die breite Bevölkerung Ugandas zu schaffen. Deshalb gründete Nalubega das Unternehmen Uganics und entwickelte ein spezielles Verkaufsmodell. Mit Uganics verkauft sie die Seife an Hotels und Safari-Parks zu einem höheren Preis und kann so günstigere Angebote für Menschen mit weniger Geld querfinanzieren. So können auch ärmere Menschen von ihrer Seife profitieren, ohne dass sie auf Spenden angewiesen sind.

Tipp!

Die Malaria Seife ist Teil unseres Lernkoffers Gesundheit! Mit Hilfe des Lernkoffers soll die Gesundheitsversorgung in afrikanischen Ländern für Schüler*innen greifbarer gemacht werden. Den Lernkoffer finden Sie hier! Er kann kostenfrei bestellt werden.

Ernährungspyramide

Eine Ernährungspyramide sortiert verschiedene Nahrungsmittel und Lebensmittelgruppen auf verschiedenen Ebenen ein und stellt so ein gesundes Mengenverhältnis dar.

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Gesundheitskoffer: Ernährungspyramide

Ernährungspyramide

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt – neben ausreichend Flüssigkeit von mindestens 1,5 Litern Wasser am Tag – eine vielseitige Ernährung. Über die Ernährung nehmen wir lebenswichtige Makro-und Mikronährstoffe auf, die dazu dienen, dass der Körper seinen Funktionen nachgehen kann. Makronährstoffe sind die Energielieferanten unseres Körpers und daher ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. Zu den Makronährstoffen zählen Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Auf der anderen Seite benötigt unser Körper zahlreiche Mikronährstoffe, um seine Funktionen erfüllen zu können. Zu den Mikronährstoffen zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Um ausreichend Makro- und Mikronährstoffe aufzunehmen, sollten sich die täglich verzehrten Lebensmittel aus möglichst jeder Lebensmittelgruppe zusammensetzen (siehe Ernährungspyramide). Auf jedem Teller sollten somit täglich viel Obst und Gemüse, Getreideprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kerne und Saaten, Milch und Milchprodukte sowie Öle und Fette (aus möglichst pflanzlicher Quelle) sein. Fleisch, Wurst, Fisch und Eier sollten nur wöchentlich eine Ergänzung sein.

Was ist eine Mangelernährung?

Unter Mangelernährung versteht man im Allgemeinen die mangelnde Zufuhr an Makro-und Mikronährstoffen. Eine Mangelernährung kann sich in einer Unterernährung, Überernährung oder in einem Nährstoffmangel äußern. Während Unterernährung die Folge einer unzureichenden Zufuhr an energiereicher Nahrung ist und oft auf Hunger hindeutet, äußert sich eine Überernährung oder ein Nährstoffmangel durch eine einseitige Ernährung. Diese kann zwar oberflächlich sättigen und den Energiebedarf decken, jedoch nicht zur Deckung von Mikronährstoffen beitragen. Man spricht dabei von einem versteckten Hunger. In Teilen Afrikas werden beispielsweise in großen Mengen Kochbananen, Hirse, Mais, Maniok (Cassava) oder Süßkartoffeln gegessen. Die Integration von Obst und Gemüse, Nüssen, Saaten, Hülsenfrüchten oder tierischen Produkten in die Ernährung fehlt hingegen oft. Auch wenn hier vordergründig kein Hunger zu herrschen scheint, können in der Folge Mangelerscheinungen von bestimmten Mikronährstoffen auftreten.

Eine Folge der Mangelernährung ist ein schlechtes Immunsystem, das die Betroffenen anfälliger für Krankheiten bzw. schwere Krankheitsverläufe macht. Daraus resultiert wiederum eine geringere Lebenserwartung. Besonders bei Kindern birgt eine Mangelernährung in den ersten Lebensjahren Gefahren für ihre Entwicklung. Damit stellen Hunger und Unterernährung eine der weltweit größten Gefahren für unsere Gesundheit dar.

Zwischen 2014 und 2016 lag die Zahl der unterernährten Menschen weltweit bei ungefähr 795 Millionen. Von diesen Menschen lebten circa 23,2 Prozent in Afrika. Allerdings variieren diese Zahlen pro Land stark. So verschieden und vielfältig viele Länder Afrikas sind, so verschieden sind auch die Ursachen von Unterernährung in den jeweiligen Ländern. Im Folgenden stehen zwei Ursachen im Fokus, die im direktem Zusammenhang mit unserem eigenen Konsum stehen. Daraus lassen sich schließlich eigene Handlungsmaßnahmen ableiten.

Wie der Globale Norden Einfluss auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit in anderen Ländern nimmt

Ein wichtiges Phänomen, durch das der Globale Norden Einfluss auf die Nahrungsmittelverfügbarkeit in anderen Ländern nimmt, ist Land Grabbing. Aufgrund von unklaren Bodenrechtsverhältnissen in manchen Ländern haben private, aber auch staatliche Investoren ein leichtes Spiel, Land im Ausland, vor allem im Globalen Süden, zu erwerben oder zu pachten. Die vorherigen Besitzverhältnisse werden dabei nicht beachtet, da diese meist rechtlich nicht erfasst wurden. Kleinbäuer*innen, die jenes Land seit Generationen bewirtschaften, werden im Zuge dessen vertrieben. Die Landfläche wird der einheimischen Bevölkerung vorenthalten, sodass diese nicht mehr für die Produktion eigener Grundnahrungsmittel genutzt werden kann. Laut der „Land Grabbing“-Studie des Südwind Forschungsinstituts sind in Afrika besonders Äthiopien, Ghana, Kamerun, Kenia, Kongo, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Nigeria, Sambia, Sierra Leone, Sudan und Tansania von Land Grabbing betroffen.

Diese Landflächen werden dann für den Anbau von Produkten, wie zum Beispiel Futtermittel für Tiere, genutzt. Da die Nachfrage nach tierischen Produkten, wie Fleisch und Milcherzeugnissen, im Globalen Norden steigt, steigt auch die Nachfrage an Agrarfläche im Ausland, um Futtermittel zu erhalten. Es wird deutlich, dass Fleisch ein ressourcenintensives Produkt ist. Während wir pflanzliche Lebensmittel direkt verzehren können, muss beim Konsum von Fleisch oder Milchprodukten zunächst das jeweilige Tier durch diese pflanzlichen Lebensmittel ernährt werden. Um schlussendlich auf eine beispielhafte Zufuhr von 1.000 Kilokalorien zu kommen, verzehrt das Tier bis zur Herstellung der Endprodukte Fleisch oder Milch mehr pflanzliche Produkte, als wenn wir diese selbst essen würden.

Folgende Beispiele stellen den Flächenverbrauch von Lebensmitteln dar, um 1.000 Kilokalorien über unsere Nahrung aufzunehmen. Die Einheit von Energie wird in Kilokalorien als „kcal“ angegeben (DGE). Zum Verständnis: Laut DGE benötigt ein durchschnittlicher Jugendlicher zwischen 15 und 19 Jahren, je nach Geschlecht und körperlicher Aktivität, zwischen 2.300 und 3.400 kcal pro Tag.

  • Rindfleisch: 13,7 m2/1.000 kcal
  • Schweinefleisch: 4 m2/1.000 kcal
  • Hühnerfleisch: 2,6 m2/1.000 kcal
  • Brot: 0,9 m2/1.000 kcal
  • Kartoffeln: 0,3 m2/1.000 kcal

Würde der Fleischkonsum im Globalen Norden stark zurückgehen, könnten Agrarflächen eingespart werden und Landflächen, die durch Land Grabbing angeeignet wurden, könnten somit der lokalen Bevölkerung in den entsprechenden Ländern wieder zurückgegeben werden. So könnten viele Menschen vor einer Unterernährung bewahrt werden. Auch der Konsum von Fairtrade-Produkten kann das Risiko einschränken, Land Grabbing und somit mögliche Hungerkrisen zu unterstützen.

Tipp!

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Quellen

(1) DGE (2015): Energiegehalt
(2) Galvan, O. (2010): Erhebung des Ernährungszustandes von Erwachsenen im ambulanten und stationären Bereich, in: Ledochowski, M. (Hrsg.): Klinische Ernährungsmedizin. Wien/New York, S.83–89
(3) Forum Bio-und Geotechnologie e.V. (2020): Mehr Vitamine, mehr Mikronährstoffe: Pflanzen gegen den versteckten Hunger
(4) Humanium (2018): Ernährung: Unterernährung und Mangelernährung
(5) Dullinger, E. M., Kreißl, A. & K. Widhalm (2009): Mangelernährung bei Kindern im ländlichen Guinea in Westafrika, in: Journal für Ernährungsmedizin 11/19, S. 3–4,
(6) Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Unterernährung
(7) Südwind Forschungsinstitut (2011): Studie: LAND GRABBING
(8) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2019): Fleischkonsum, Umweltund Klima

Eine Punk-Rock-Band aus Nairobi: Crystal Axis

Mit ihrer Musik bekämpft die Band systematische Unterdrückung und setzten sich gegen die jahrhundertelange koloniale Gewalt auf dem afrikanischen Kontinent zur Wehr.

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Eine Punk-Rock-Band aus Nairobi: Crystal Axis

Crystal Axis, eine fünfköpfige Afro-Punk-Band aus Nairobi, Kenia, hat sich als eine der führenden Gruppen in Kenias aufstrebender Rockmusikszene etabliert. Die Band besteht aus Sänger Ahmed Bulhan, den Gitarristen Djae Aroni und Fox Elijah, Bassist Doug Kihoro und Schlagzeuger Dan Gichia. (1) Die als Anwälte ausgebildeten Afropunk-Rocker bekämpfen systematische Unterdrückung und setzten sich gegen die jahrhundertelange koloniale Gewalt auf dem afrikanischen Kontinent zur Wehr. (2) 

Werdegang 

Ihre Ursprünge hat die Band in der alternativen Musikszene von Nairobi in den späten Nullerjahren, in der es eine Reihe von Bands gab, die von Indie-Rock über Punk bis hin zu Heavy Metal alles spielten. In dieser Zeit ging Gitarrist und Gründer der Band Djae Aroni noch zur Schule. Nachdem er sich eines Abends von Zuhause wegschlich, um eine Post-Hardcore-Band  zu sehen, gründete er kurz darauf, im Jahr 2009, Crystal Axis. 2017 stießen die weiteren Bandmitglieder dazu, Gichia kam als letztes 2021 dazu. (1) 

Wissen ist Macht 

Ihre Liedtexte, verfasst auf Englisch und ein wenig Suaheli, sind vor allem politisch und befassen sich mit Themen der Kolonialgeschichte, Korruption und Rassismus. (1) 

„Wir wollen afrikanische Geschichten aus einer afrikanischen Perspektive erzählen“

Djae Aroni. (1) 

Sie verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart und fordern die Höhrer*innen dazu auf, ihr gelerntes Wissen zu hinterfragen, gegen (neo-)koloniale Unterdrückung zu kämpfen und die Geschichte damit zu verändern. Ihre Botschaft: Wissen ist Macht! (2) So ist ihre erste veröffentlichte Single „Leopold“ ein Kommentar zu den kolonialen Gräueltaten König Leopolds II. von Belgien in der Demokratischen Republik Kongo. Ihre Hitsingle „Nyayo House“ befasst sich mit dem Erbe Daniel arap Moi, Kenias Dienstältestem Präsidenten. Moi führte das sog. „Nyayo-Regime“ . Das Nyayo House ist ein Hochhaus der Regierung im Zentrum Nairobis, das für seine Folterkammer berüchtigt ist. Dort wurden Gegner*innen von Moi, der von 1978 bis 2002 an der Macht war, gefoltert . (1)  

Ihre letzte, im August veröffentlichte, Single „Black AF“ ist eine Hommage an zeitgenössische Identitäten. Die Band verarbeitet in der Single ihre eigenen Erfahrungen als junge Schwarzafrikaner, die mit verschiedenen Herausforderungen, wie Korruption, zu kämpfen haben. Gleichzeitig aber feiert der Song ihre eigene Stärke, ihr Talent und ihre Kreativität. (1)  

“Wenn wir [als Band] einen Song machen können, der dich zum Ausrasten bringt – aber nachdem du ausgeflippt bist, machst du eine schnelle Google-Suche -, dann nutzen wir verschiedene Wege, um die Botschaft zu verbreiten, dass wir unsere Rechte schützen müssen und dass wir unsere Rechte kennen müssen.” 

Ahmed Bulhan (2) 

Aufarbeitung von Punk-Geschichte 

Darüber hinaus ist den Bandmitgliedern die Aufarbeitung der Punkrock-Geschichte, in der der Beitrag schwarzer Punk-Künstler*innen oft nur wenig Beachtung findet und weiße, männliche Bands das Genre dominieren, besonders wichtig. Schwarze Pioniere und Bands der Punkrockgeschichte, wie zum Beispiel die gruppe Death, eine 1971 in Detroit gegründete Proto-Punk-Band, und deren Beitrag zur Entwicklung des frühen Punk-Sounds werden oft nicht gewürdigt. Auch deshalb will die Band die Kraft ihrer Musik dazu nutzen, jungen Kenianer*innen zu zeigen und den Raum zu geben, solche Musik nach ihren eigenen Vorstellungen zu machen. (1) 

Wir haben eine Verantwortung, wenn wir Musiker sind, wenn wir Künstler sind. Und wenn wir jemanden erziehen können, ihm mehr über sich selbst beibringen können und ihn auf eine Art und Weise lehren können, von der er nie gedacht hätte, dass er sie lernen würde, nun, das ist … wirklich etwas.“

Fox Elijah (2)

Quellen  

(1) BBC: Letter from Africa: The Afro-punk band taking on ‚whitewashed‘ history (Oktober 2022) 

(2) Louder than War: Anticolonial Afropunk Rockers — Interview with Crystal Axis (September 2020) 

Verfasst am 19.10.2022

Mali: Weitergabe bewährter Ansätze an lokale Organisationen der Zivilgesellschaft

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e.V. stärkt zusammen mit ihrem lokalen Partner GRADEM den Wissens- und Kompetenztransfer zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen für einen besseren Zugang von Kindern und Jugendlichen zu ihren Grundrechten in benachteiligten Regionen Malis.

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Mali: Weitergabe bewährter Ansätze an lokale Organisationen der Zivilgesellschaft

Projektregionen: San, Koulikoro und Doïla in Mali
Laufzeit: 01.11.2021 bis 31.10.2024
Lokaler ProjektpartnerGRADEM (Groupe Recherche Action des Droits de l’Enfant au Mali)
Projekttitel: Stärkung des Wissens- und Kompetenztransfers zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen für einen besseren Zugang von Kindern und Jugendlichen zu ihren Grundrechten in benachteiligten Regionen Malis

Hintergründe

Die Ansätze der Projekte

die wir in den vergangenen Jahren mit GRADEM in den ländlichen Regionen Ségou, Koulikoro und Mopti umsetzen konnten, haben erfolgreich dazu beigetragen, die Kinderrechtssituation in insgesamt 76 Dörfern maßgeblich zu verbessern. Ökologische Anbaumethoden wurden eingeführt, die in der kargen Sahelregion nachhaltig zu höheren Ernteerträgen führen. Die Versorgungslage, das Einkommen der Familien und damit auch die Bildungs- und Zukunftsperspektiven der Kinder haben sich verbessert. Gemeinschaftsinitiativen der neu gegründeten Kooperativen fördern die Schulbildung der Kinder. Die Landflucht junger Mädchen konnte eingedämmt werden. Kinderrechte wurden in lokale Sprachen übertragen und verbreitet und in Schulen und Familien ist ein Wandel hin zu gewaltfreien Erziehungsmethoden zu beobachten!

Um eine größere Reichweite zu erzielen, sollen diese erfolgreichen Projektansätze nun an drei lokale Organisationen (NRO) weitergegeben werden. GRADEM arbeitet mit ihnen im Netzwerk malischer Kinderrechtsorganisationen zusammen, ist aber bislang der einzige Akteur, der diese Ansätze beherrscht. Im neuen Projekt nimmt GRADEM nun eine Coaching-Funktion ein, gibt seine Erfahrungen und Kenntnisse weiter und begleitet die drei NRO bei der Umsetzung ihrer Maßnahmen in je 5 Pilotdörfern mit dem Ziel, dass sie die Ansätze später eigenständig ausweiten können.

Die begleiteten Kooperativen engagieren sich für die Verbesserung der Bildungssi­tuation in ihrem Dorf. Die Mitglieder le­gen auch selbst Hand an, wie hier beim Verputzen der Klassenzimmer.

Projektziele

Oberziel (Impact): Beitrag zu einem wirksameren Kinderschutz in den drei benachteiligten ländlichen Regionen Dioïla, Koulikoro und San in Mali

Projektziel (Outcome): Die drei NRO Kabu-Wolo, SOLI-AM und Séniwè setzen in 15 Dörfern ihres Interventionsgebiets einen integrierten Ansatz für Kinderrechte und nachhaltige Entwicklung um.

Unterziele (Output):

  1. Die Mitarbeitenden von GRADEMs drei Partnerorganisationen haben den integrierten Ansatz zu Kinderrechten und nachhaltiger Entwicklung verstanden und die notwendigen Fähigkeiten erworben, um ihre Kenntnisse an die Dorfgemeinschaften in ihrem jeweiligen Interventionsgebiet weiterzugeben.
  2. Die Mitarbeitenden der drei im ländlichen Bereich aktiven zivilgesellschaftlichen Organisationen verfügen über erste praktische Erfahrungen bei der Umsetzung des integrierten Ansatzes zu Kinderrechten und nachhaltiger Entwicklung in insgesamt 15 Dorfgemeinschaften ihrer Interventionsgebiete.
  3. Das Bewusstsein und die Akzeptanz des integrierten Kinderrechtsansatzes als wirksames Mittel zur Verbesserung des Zugangs von Kindern zu ihren Grundrechten in benachteiligten ländlichen Gebieten in Mali sind gestärkt.

Zielgruppen

Direkte Zielgruppe:

  • 3 zivilgesellschaftliche Organisationen, die in den benachteiligten ländlichen Gemeinden Tenindougou, Motougoula, Benena aktiv sind
  • 2.000 Kinder aus 15 Projektdörfern der drei Gemeinden in den Regionen San, Koulikoro et Dioïla
  • 120 Mitglieder von 15 (vor)genossenschaftlichen Vereinigungen
  • 54 Führungskräfte aus dem Schulbereich
  • 28 Medienvertreter(innen)
  • 150 Kinderschutzakteure von Staat und Zivilgesellschaft

Indirekte Zielgruppe:

Die Bevölkerung der 15 Projektdörfer in den drei Projektgemeinden der Regionen San, Koulikoro et Dioïla (ca. 17.500 Personen)

Welche Pflanzen unterstützen sich ge­genseitig? Und wie kann ich mit der rich­tigen Fruchtfolge meine Erträge erhöhen? Auf der Farm von GRADEM lernen die Mitglieder der Kooperativen ökologische Anbaumethoden für ihre Region kennen.

Wesentliche Projektmaßnahmen

  • Diverse Schulungen der NRO zu Kinderrechten und deren Vermittlung in den Lokalsprachen, zur Realisierung von Radiobeiträgen, zur Förderung gewaltfreier Erziehungsmethoden, zum Konzept der (vor)genossenschaftlichen Vereinigungen sowie zur Agroökologie
  • Weiterbildung von 120 Mitgliedern aus 15 (vor)genossenschaftlichen Vereinigungen in nachhaltigen Anbaumethoden und Kleintierhaltung nach agroökologischen Grundsätzen sowie Treffen (vor)genossenschaftlichen Vereinigungen zum Erfahrungsaustausch
  • Begleitung von 15 Dörfern bei der Gründung einer (vor)genossenschaftlichen Vereinigung sowie Schulungen der Mitglieder
  • Förderung von Gemeinschaftsinitiativen in allen 15 Projektdörfern
  • Sensibilisierung von 2.000 Kindern und Jugendlichen zu Kinderrechten sowie ihrer eigenen Rolle bei der Durchsetzung ihrer Rechte
  • Förderung der Sekundarschulbildung, insbesondere für Mädchen, in den 15 Projektdörfern

Finanzierung

Projektkosten: 469.700 Euro

Finanzierung:

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Kinderrechte Afrika e. V. (Spenden)

Weitere Informationen zu dem Projekt von Kinderrechte Afrika e. V. in Mali finden Sie hier.

Ihre Spende hilft! Unterstützen Sie die Projekte unserer Mitgliedsorganisationen:

10 Jahre Weltmädchentag

Mädchen sind weltweit mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, die sie daran hindern, ihre Rechte voll und ganz zu entfalten.

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Weltmädchentag

10 Jahre Weltmädchentag

Die Ernennung des 11. Oktobers zum Weltmädchentag durch die Vereinten Nationen im Dezember 2011 gilt als Meilenstein auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Denn in den letzten 10 Jahren haben Regierungen, politische Entscheidungsträger*innen und die breite Öffentlichkeit Themen, die für Mädchen wichtig sind, mehr Aufmerksamkeit geschenkt und mehr Möglichkeiten für Mädchen geschaffen, sich auf der globalen Bühne Gehör zu verschaffen. (1)  

Doch warum braucht es neben dem Weltkindertag und dem Weltfrauentag auch noch einen gesonderten Tag nur für Mädchen?  

Mädchen sind mit besonderen Herausforderungen konfrontiert 

Die UN-Kinderrechtskonvention legt fest, dass Mädchen und Jungen dieselben, unveräußerlichen Rechte haben. Dennoch haben sie immer noch nicht dieselben Chancen: Im Verhältnis werden Mädchen häufiger diskriminiert und an der freien Entfaltung ihrer Rechte gehindert. Dies zeigt sich zum Beispiel im Bereich der Bildung deutlich: Weltweit gehen rund 34 Millionen Mädchen im Grundschulalter nicht zur Schule, im Vergleich zu 30 Millionen Jungen. 9 Millionen der Mädchen leben in Subsahara-Afrika (4). Barrieren, wie Frühverheiratung, Frühschwangerschaft und (sexuelle) Gewalt hindern sie daran, einen Zugang zu hochwertiger Bildung zu erhalten. (1) (3)

In West- und Zentralafrika waren beispielsweise 37 Prozent der heute 20-24-jährigen Frauen bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet – 12 Prozent von ihnen waren bei der Hochzeit nicht einmal 15 Jahre alt. (3) Prozentual die meisten Kinderbräute gibt es in Niger (76 Prozent), der Zentralafrikanischen Republik (68 Prozent), im Tschad (67 Prozent), Burkina Faso, Mali, Sudan (je 52 Prozent) und Guinea (51 Prozent) (Stand 2021). (5) Mädchen, die als Minderjährige verheiratet werden, gehen danach meist nicht mehr zur Schule, da sie sich um den Haushalt kümmern müssen und früh Mutter werden. Viele der jungen Ehefrauen geben an, dass sie physischer und sexueller Gewalt durch ihren Ehemann ausgesetzt sind. (3) 

Krisen verschärfen Ungleichheit 

Die Ungleichheit wird durch Krisen wie die Klimakrise, die Corona-Pandemie und gewaltvolle und humanitäre Konflikte weiter verstärkt. So steigt das Risiko, Opfer von (sexueller) Gewalt oder Zwangsverheiratung zu werden, in Krisen- und Katastrophensituationen deutlich an. (1) (2) Das liegt unter anderem auch daran, dass der Zugang zu Bildung in Krisenzeiten nochmals erschwert wird. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mädchen in einer Notlage nicht mehr zur Schule gehen, mehr als doppelt so hoch wie bei Jungen. Den Kindern fehlt dann nicht nur die Bildung, sondern auch der Schutz, den die Schule, zum Beispiel vor Frühehen, bietet. So kann ein einziges Jahr auf der weiterführenden Schule die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen zur Heirat gezwungen wird, um fünf Prozentpunkte oder mehr verringern. (3) 

Mädchen sind Multiplikatorinnen 

Die Gleichstellung von Mädchen hat nicht nur auf das Individuum positive Auswirkungen, sondern auf die ganze Gesellschaft: Wenn Mädchen zur Schule gehen, heiraten sie später und bekommen weniger und gesündere Kinder. Ihre Kinder gehen wiederum später auch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zur Schule. Studien haben gezeigt, dass jedes zusätzliche Jahr, das ein Mädchen die Grundschule besucht, später zu einem durchschnittlich 10 bis 20 Prozent höheren Einkommen führt. (3) 

Die vollständige Gleichberechtigung der Geschlechter ist eines der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die bis 2030 erreicht werden sollen. Ihr kommt eine besondere Rolle zu. Denn ohne die Gleichstellung der Geschlechter sind Ziele wie das Ende von Armut, Frieden und Gerechtigkeit nicht zu erreichen.  

Hinweis:  

Unter Mädchen* und Frauen* verstehen wir Personen, die sich selbst als weiblich definieren und /oder von der Gesellschaft als weiblich gelesen werden. 

Quellen

(1) Plan Deutschland: Welt-Mädchentag

(2) United Nations: International Day of the Girl Child 11 October 

(3) Unicef: Weltmädchentag – Elf Fakten über Mädchen (September 2022)   

(4) UNESCO: Education in Africa  

(5) Unicef: Kinderehen weltweit: Die wichtigsten Fragen und Antworten (November 2021)

Verfasst am 11. Oktober 2022

Modell-Herz

Die erste Herz-OP der Welt wurde 1967 von dem südafrikanischen Herzchirurgen Christiaan Barnard in Kapstadt durchgeführt.

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Gesundheitskoffer: Herz-Modell

Modell-Herz

Das Modell-Herz symbolisiert die erste Herz-OP der Welt, die der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard 1967 in Kapstadt durchgeführt hat.

Hintergrundinformation

Der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard hatte in Virginia in den USA beim berühmten Herzchirurgen Norman Shumway gelernt, wie Herztransplantationen vonstattengingen – bei Hunden. Als er 1958 nach Kapstadt zurückkam brachte Christiaan Barnard von dort eine Herz-Lungen-Maschine mit. Es verging jedoch noch fast ein Jahrzehnt, bis er erstmals ein Herz transplantierte. So fand die erste Herztransplantation erst Ende 1967 statt.

Über Wochen wartete Barnard mit seinem herzkranken Patienten Louis Washkansky auf ein Spenderorgan. Zwei vollständige Operationsteams, 31 Personen insgesamt, waren in ständiger Rufbereitschaft – eines für die Entnahme und eines für die Transplantation des Herzens. Am 3. Dezember 1967 war es dann so weit. Zunächst wurde Louis Washkansky an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Dann entnahm Christiaan Barnard das kranke Herz und setzte das neue ein. Die Herz-Lungen-Techniker*innen erhöhten langsam die Temperatur des Bluts von 21 auf 32 Grad, eine Klammer wurde gelöst – es kam wieder Sauerstoff in das Herz. Das Herz begann sofort zu schlagen. Medizingeschichte wurde geschrieben: Das erste Spenderherz klopfte in der Brust eines Menschen, dem Patienten Louis Washkansky.

Diese Sensation machte Christiaan Barnard berühmt. Und das Groote Schuur Hospitalin Kapstadt blieb für zehn Jahre das weltweit wichtigste Zentrum für Herztransplantationen. 18 Tage nach der Operation verstarb Louis Washkansky mit 54 Jahren. Er hatte Medikamente erhalten, die sein Immunsystem unterdrückten, damit er das neue Organ nicht abstieß. Bei der Obduktion kam heraus, dass es keine Abstoßung des Spenderherzens gegeben hatte. Er hatte sich eine unentdeckt gebliebene Lungenentzündung eingefangen. Im Januar 1968 transplantierte das Team aus Kapstadt das nächste Herz. Dieser zweite transplantierte Patient, Philip Blaiberg, überlebte 18 Monate.

Tipp!

Das Modell-Herz ist Teil unseres Lernkoffers Gesundheit! Mit Hilfe des Lernkoffers soll die Gesundheitsversorgung in afrikanischen Ländern für Schüler*innen greifbarer gemacht werden. Den Lernkoffer finden Sie hier! Er kann kostenfrei bestellt werden.

Menstruationstasse

Die Menstruationstasse ist eine effiziente, nachhaltige und kostengünstige Alternative zu sonst eher teuren Menstruationsprodukten.

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Menstruationstasse

In vielen afrikanischen Ländern ist die weibliche Menstruation negativ behaftet. Es ist ein Tabuthema und menstruierende Mädchen und Frauen gelten oftmals als ‚unrein‘ und werden ausgegrenzt. Hinzu kommt, dass sich viele Mädchen schlichtweg keine Binden oder Tampons leisten können. Sie helfen sich mit Notlösungen wie Lumpen, Blättern oder Watte. Das birgt nicht nur eine hohe Gefahr für Infektionen, auch die Saugfähigkeit ist meist nicht ausreichend. Diejenigen, die Hygieneartikel besitzen, werden wiederum gehindert, diese zu wechseln, da es an vielen Schulen an Waschmöglichkeiten mangelt. Aus Angst, ihre Schuluniform zu verschmutzen und von Mitschülerinnen und Mitschülern für ihre Periode gehänselt zu werden, bleiben viele Schülerinnen deshalb zu Hause. Jeden Monat verpassen diese Mädchen aus Not und Scham den Unterricht. Laut eines Berichts der UNESCO geht mindestens eines von zehn Mädchen in Afrika südlich der Sahara während ihrer Periode nicht zur Schule. Einige versäumen dadurch mehr als 20 Prozent ihrer schulischen Ausbildung, nicht wenige brechen aus diesem Grund frustriert die Schule ab.

Was hilft, ist zum einen Menstruation öffentlich zu thematisieren und zu entmystifizieren. Sie ist etwas ganz Normales und Natürliches. Mädchen und Frauen sollten daraus kein Geheimnis machen müssen, geschweige denn, sich dafür schämen. Zum anderen helfen kostengünstige und nachhaltige Menstruationsprodukte wie beispielsweise Menstruationsunterwäsche, waschbare Binden oder Menstruationstassen.

Golda Ayodo _©rubycup.com

Golden Girls Foundation

Golda Ayodo ist die Gründerin der Golden Girls Foundation. Eine NRO (Nicht-Regierungs-Organisation) in Kenia, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Mädchen und Frauen in Kenia über Mädchenhygiene aufzuklären und sie in ihrem Bildungsweg zu unterstützen. Ihr Leitsatz: „Empowering Girls and Women for a better society“, also „Stärkung von Mädchen und Frauen für eine bessere Gesellschaft“. Außerdem ist die Golden Girls Foundation eine offizielle Partnerorganisation von Ruby Cups, die Menstruationstassen herstellt und verkauft. Golda Ayodo und ihr Team verteilen diese an Mädchen und Frauen in Kenia. Die Tasse ist eine effiziente, nachhaltige und kostengünstige Alternative zu den sonst sehr teuren Menstruationsprodukten. Zusätzlich halten sie Workshops, wie man diese benutzt und generell mit der eigenen Periode umgeht. Für die jungen Frauen bieten diese Workshops auch die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sie sonst aus Angst und Scham nicht fragen würden. Golda Ayodo setzt sich so aktiv für eine bessere Zukunft für Frauen und Mädchen in ihrem Land ein!

Tipp!

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Aus Elefantenmist wird Papier 

Papier aus Elefantenmist - ein ungewöhnlicher Industriezweig, der eine nachhaltige Alternative zur Abholzung von Wäldern bietet, zum Schutz von Elefanten und Umwelt beiträgt und Gemeinschaften stärkt.

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Aus Elefantenmist wird Papier 

“When life hands you elephant dung, make paper”  

Nampath Paper (5)

Aus Sch**ße Gold machen? – Das geht wirklich. Zumindest im übertragen Sinne. Die Kataara Womens Poverty Alleviation Group (dt. Kataara-Frauengruppe zur Armutsbekämpfung) im ugandischen Distrikt Bushenyi verarbeitet Elefantenmist zu Papier. Die von Frauen geführte Organisation, mit insgesamt 83 Mitgliedern schafft eine Gemeinschaft mit nachhaltiger Lebensgrundlage, indem Armut gelindert und die Umwelt geschützt wird. Neben der Herstellung von Papier betreiben sie auch ein Handwerkszentrum. Dort wird das Papier weiterverarbeitet zu Produkten wie Büchern, Bilderrahmen und Taschen. Die Frauen züchten auch Bienen und rösten Kaffee. Darüber hinaus bieten sie Touren für Tourist*innen an, die sich zum Beispiel den Papier-Herstellungsprozess anschauen können. (3)  

Wie aus Elefantenmist Papier wird 

Bits of elephant poop paper_©flickr
Bits of elephant poop paper _©flickr

Elefanten verzehren durchschnittlich 200 bis 350 kg Nahrung am Tag, hauptsächlich von Pflanzen und Früchten. Davon fallen etwa 50 kg Dung an. Da die Dickhäuter die Zellulose in den Pflanzen nicht verdauen, wird das faserige Material fast komplett ausgeschieden. Die Zellulose wird nach dem Einsammeln zurückgewonnen, indem der Elefantendung gewaschen, mehrere Stunden gekocht und auf flachen Sieben getrocknet wird. Danach kann das Material wie herkömmlicher Holzzellstoff, der für die Herstellung von normalem Papier verwendet wird, behandelt werden. Aus den 50 kg Dung entstehen in etwa 125 Blatt (A4) Papier, das natürlich, geruchlos und frei von Bakterien ist. Qualität und Preis sind am Ende ähnlich zu dem von herkömmlichem Papier. (1) (2)  

Ein außergewöhnlicher Industriezweig 

Die Frauen der Kataara-Frauengruppe sind nicht die ersten, die diese innovative und nachhaltige Form der Industrie betreiben. Bereits 1994 kam der Unternehmer John Matano aus Kenia auf die Idee, Elefantenmist zu Papier zu verarbeiten. Sein aus dieser Idee entstandenes Unternehmen – Nampath Paper – beschäftigt heute 42 Mitarbeitende. (1)  

Sowohl in Uganda als auch in Kenia tragen die beiden lokalen Unternehmen zur Verbesserung des Lebensunterhalts der Mitglieder durch den Verkauf von Elefantenmistpapier und Kunsthandwerk bei.Die gemeinsame Arbeit an den Produkten fördert und stärkt den Zusammenhalt der Gemeinschaft. (4)   

Grey Black Elephant on Green Grass Field

Schutz der Elefanten und der Umwelt  

Die außergewöhnliche Art der Papierherstellung eröffnet jedoch nicht nur eine innovative Form der Beschäftigung und Industrie. Sie bietet auch eine nachhaltige Alternative zur Abholzung der Wälder und Schutz für Elefanten. Denn damit das Material zur Herstellung des Papiers nicht ausgeht, muss die lokale Elefantenpopulation erhalten bleiben. So helfen die Projekte den Menschen auch, die Vorteile der Pflege von Elefanten sowie die Verbesserung und Erhaltung ihres Lebensraums und der Umwelt insgesamt zu erkennen. (4) 

Am Beispiel des Mwaluganje Elephant Sanctuary in Kenia zeigt sich, dass der Schutz der Tiere wiederum den örtlichen, in der Landwirtschaft tätigen, Personen zugutekommt, nicht nur, weil sie aus deren Dung Papier herstellen können. Denn die Bauer und Bäuerinnen mussten sich vor Gründung des Schutzgebiets damit abfinden, dass Elefanten in ihr Ackerland eindrangen und die Ernten fraßen oder zerstörten. Dies führte zu schweren und manchmal tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Elefanten. Mit dem Elefantenschutzgebiet gaben die umliegenden Bauern und Bäuerinnen einen Teil ihrer Ländereien für einen Wanderkorridor für die Elefanten ab. Um die von den Elefanten zerstörten Ernten wiederum auszugleichen, erhalten sie einen Anteil an den Tourismuseinnahmen. (1) Eine Win-Win-Situation, von der die Mitglieder der örtlichen Gemeinden und die Tiere profitieren.  

Quellen

(1) BBC: Don’t pooh-pooh it: Making paper from elephant dung (Mai 2016)

(2) BBC: The Ugandan women turning elephant dung to household items (September 2022)   

(3) Kataara Womens Poverty Alleviation Group: About us (Letzter Aufruf September 2022)  

(4) SEED: Kataara Women’s Poverty Alleviation Group (Letzter Aufruf September 2022)

(5) Design Indaba: Nampath Paper (Letzter Aufruf September 2022)   

Verfasst am 29.9.2022

Vertreibung und Klimakrise

Weltweit sind so viele Menschen wie nie zuvor dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die meisten Menschen fliehen, weil sie Angst haben, Opfer von Kriegen und gewaltsamen Konflikten zu werden. Aber mehr und mehr Menschen müssen aufgrund von Naturkatastrophen und Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen.

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Vertreibung und Klimakrise

Weltweit sind so viele Menschen wie nie zuvor dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. So waren Ende 2021 laut dem aktuellen „Global Trends Report“ von UNHCR 89,3 Millionen Menschen auf der Flucht, davon 7 Millionen allein in Afrika (6). Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 steigt die Zahl mittlerweile auf über 100 Millionen Menschen an. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. (1) Die meisten Menschen fliehen, weil sie Angst haben, Opfer von Kriegen und gewaltsamen Konflikten zu werden. Aber mehr und mehr Menschen müssen aufgrund von Naturkatastrophen und Klimaveränderungen ihre Heimat verlassen.  

Vertreibung betrifft aktuell nicht nur viel mehr Menschen, sondern sie ist auch kein kurzfristiges und vorübergehendes Phänomen mehr. Wir brauchen eine grundlegend neue und positivere Haltung gegenüber allen, die fliehen – gepaart mit einem viel entschlosseneren Bestreben, Konflikte, die jahrelang andauern und die Ursache dieses immensen Leidens sind, zu lösen. 

Filippo Grandi, Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (1)

Naturkatastrophen und Klimaveränderungen tragen zu Flucht bei 

Bereits in seinem ersten Bericht von 1990 warnte das International Panel on Climate Change (IPCC) davor, dass die Auswirkungen der Klimakrise dazu führen würden, dass „Millionen von Menschen durch Küstenerosionen, Überschwemmungen und schwere Dürren vertrieben werden“ würden. (3) Laut dem Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) haben 2021 rund 23,7 Millionen Menschen ihre Heimat aufgrund von Naturkatastrophen, wie Dauerregen, langanhaltende Dürren, Hitzewellen und Stürmen sowohl kurz- als auch langfristig verlassen müssen. Und die Klimakrise verdoppelt die Anzahl der Naturkatastrophen innerhalb eines Jahres noch einmal.  

Die meisten Menschen, die im Zusammenhang mit Klimaveränderungen und Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen werden, bleiben in ihren eigenen Ländern und sind damit, formal gesehenen, Binnenvertriebene und keine Flüchtlinge. (2) Ein “Flüchtling” ist definiert als eine Person, die eine internationale Grenze überquert hat “aus der begründeten Flucht vor Verfolgung wegen ihrer Ethnie, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung”. (4) So kamen 2021 zu den 53,2 Millionen Menschen, die aufgrund von Konflikten und Gewalt innerhalb ihres Landes vertrieben wurden, 23,7 Millionen intern Vertriebene im Rahmen von Katastrophen und den Auswirkungen der Klimakrise dazu. (1) 

Kein Rechtsstatus für Klimaflüchtlinge 

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass Menschen innerhalb ihres Staates fliehen. Einer davon ist der fehlende Rechtsstatus außerhalb der Landesgrenzen. Menschen, die aufgrund klimatischer Veränderungen fliehen fallen also weder unter die Kategorie “Flüchtling” im Sinne der UN-Flüchtlingskonvention, noch gibt es eine rechtliche Definition für Klimakrisenflüchtlinge. Das ist nicht nur ein theoretisches Problem, sondern vor allem ein praktisches: Ohne rechtliche Definition haben diese Menschen keinen Anspruch auf Schutz außerhalb ihrer Landesgrenzen. (5) 

„Gefangene Bevölkerungen”  

Von den Auswirkungen der Klimakrise sind insbesondere marginalisierte Personen und Menschen mit geringen finanziellen Mitteln betroffen. Diese haben bisher wenig bis gar keinen Zugang zu Anpassungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der Umstellung auf klimaresistente Anbauprodukte. Darüber hinaus fehlt es ihnen auch oft an Zeit und sozialen Ressourcen für die Migration. Auch wenn die Menschen ihr Zuhause verlassen möchten, können sie es nicht und sie werden innerhalb der eigenen Staatsgrenzen gefangen. (3) 

Klimakrise als Sicherheitsproblem?  

Im Jahr 2008 veröffentlichten die Europäische Kommission und der Hohe Vertreter der EU für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik einen Bericht über den Zusammenhang zwischen der Klimakrise und der internen Sicherheit innerhalb der Union. Sie betonten, dass Europa in Folge der Klimakrise mit einem erheblich erhöhten Migrationsdruck rechnen müsse. 

Ein wesentlicher Bestandteil der „Versicherheitlichung“ der Klimakrise ist daher die Sorge, dass „Klimaflüchtlinge“ Europa „überschwemmen“ könnten, was dazu führt, dass die Klimakrise zunehmend als Sicherheitsproblem wahrgenommen wird. Wie jedoch oben bereits beschrieben, kommt es aus verschiedenen Gründen vor allem zu Mobilität innerhalb von Staaten infolge der Klimakrise. Einfache und alarmistische Schlussfolgerungen sind dementsprechend fehlleitend und entziehen sich jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. (3) 

Quellen

(1) UNO-Flüchtlingshilfe: Flüchtlingszahlen (Stand September 2022)   

(2) UNO-Flüchtlingshilfe: Fluchtursachen – Klimawandel (Stand September 2022)

(3) Welternährung: Mythos Migrationsdruck: Klimawandel ist kein automatischer Treiber (Juni 2021)  

(4) UNHCR: Climate Change and Desaster Displacement (Stand September 2022)   

(5) OHCHR: “Intolerable tide” of people displaced by climate change: UN expert (Juni 2022)   

(6) UNO-Flüchtlingshilfe: Flüchtlinge in Afrika (Stand September 2022)  

Verfasst am 28.9.2022

Energiewende nur MIT Afrika

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine lässt die Forderungen der Industriestaaten auf die Beschleunigung des Übergangs zu grüner Energie in den Hintergrund rücken. Alternativen zu russischem Gas müssen her. Und das auf Kosten der afrikanischen Energiewende.

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Energiewende nur mit Afrika

Energiewende nur MIT Afrika

Noch vor etwas weniger als einem Jahr drängte Europa die afrikanischen öl- und gasproduzierenden Staaten den Übergang zu grünen Energiequellen zu beschleunigen und zu forcieren. Mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine und dem Willen der europäischen Staaten, schnellstmögliche Unabhängigkeit von russischem Öl und Gas zu erlangen, rückt die Forderung nach der grünen Energiewende jedoch in den Hintergrund. Doch die Suche der Industriestaaten nach fossilen Brennstoffen außerhalb Russlands gefährdet die Energiewende Afrikas.

Der Verzicht auf fossile Energie ist nicht überall die Antwort

Auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26) im letzten Jahr einigten sich 19 Staaten darauf, die Finanzierung der fossilen Energien im Ausland zu beenden. Projekte, die Kohle, Öl oder Gas nutzen, sollen ab Ende 2022 nicht mehr finanziert werden. (1) Diese Entscheidung stieß wenig überraschend nicht überall auf Wohlwollen. Der senegalesische Präsident und seit Februar 2022 Präsident der Afrikanischen Union (AU), Macky Sall, kritisierte die Erklärung der COP 26 als „unilateral“. Bevor sie sich gegen die Finanzierung der Gasförderung für Afrika aussprechen, sollten die Unterzeichnerstaaten zunächst einmal vor der eigenen Haustür kehren und den Verbrauch von Kohle und Öl einstellen. Auch der nigerianische Vizepräsident Yemi Osinbajo forderte die Europäer*innen bei dem Treffen mit der EU-Delegation im März 2022 dazu auf, die öffentliche Finanzierung von Gasprojekten in Nigeria und anderen Ländern des Globalen Südens während ihres Übergangs zu einer Zukunft mit Netto-Nullemissionen nicht zu stoppen. Beide begründeten ihre Kritik und Forderungen damit, dass Gas als Brückentreibstoff für eine gerechte Wende notwendig sei, da es den betroffenen Ländern erlaube, sich zu industrialisieren und schnellen Zugang zu moderner Energie für die Bevölkerung sowie Wohlstand schaffe. (2) Erdgas kann potentiell die weit verbreitete Energiearmut auf dem Kontinent lindern und die fast 600 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika, die bisher ohne verlässliche Stromversorgung sind, mit Strom versorgen. Gleichzeitig kann der faire Handel mit der Ressource die finanziellen Mittel bieten, die Afrika für eine erfolgreiche Energiewende benötigt. (3)

Perspektivenwechsel: Europa auf Energie-Einkaufstour

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine seit März dieses Jahres veränderte den europäischen Standpunkt erheblich. Denn seither versucht Europa unabhängig von russischem Öl und Gas zu werden. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) bezieht die Europäische Union derzeit 45 Prozent ihrer Gasimporte aus Russland. (3) Mit der Absicht, dies schnellstmöglich zu ändern, sind die Europäer*innen derzeit auf weltweiter “Energie-Einkaufstour”. (2)

So standen Gasimporte bei der Afrikareise von Bundeskanzler Scholz im Mai zum Beispiel ganz oben auf der Agenda. Scholz besprach in Senegal mit Präsident Sall eine Zusammenarbeit für die Erschließung der Gasressourcen des westafrikanischen Landes. Anders als der Erdölgigant Nigeria steht Senegal noch ganz am Anfang seiner Förderung von Öl und Gas. Bis vor kurzem hatte das Land noch Schwierigkeiten, auf den internationalen Finanzmärkten Investitionskapital für seine Öl- und Gasförderung einzuwerben. Die gestiegene europäische Nachfrage ändert diese Situation. (2)

Extraktives Exportmodel schadet afrikanischer Energiewende

Doch von dem europäischen Sinneswandel profitiert die breite Masse der afrikanischen Bevölkerung am Ende am wenigsten. Denn das klassische extraktive Exportmodell trägt nur wenig zur Entwicklung afrikanischer Länder bei, wenn das Gas nicht für die eigene Industrie genutzt wird. Darüber hinaus wird der europäische Bedarf für Gas, sofern die Länder der EU ihre Ausbaupläne für erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff umsetzten, mittel bis langfristig stark zurückgehen. Damit drohen Teile von heute gebauter Gasinfrastruktur, deren Kosten sich oft erst über Jahrzehnte decken, sogenannte “stranded assets” (dt. “gestrandete Vermögenswerte”) zu werden – also Vermögenswerte, deren Ertragskraft oder Marktwert drastisch sinkt, bis hin zu ihrer weitgehenden oder vollständigen Wertlosigkeit. (2)

Wenn also in Afrikas Erdgas investiert wird, dann sollte der Brennstoff nicht einzig und allein zu Exportzwecken gefördert werden, sondern zum Großteil für die Industrialisierung des Kontinents reserviert bleiben. Denn die in Afrika vorhandenen Ressourcen könnten bis 2030 zusätzlich etwa 90 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr liefern, das wiederum für die einheimische Düngemittel-, Stahl und Zementindustrie sowie die Meerwasserentsalzung von zentraler Bedeutung sein könnte. Die gesamte CO2-Emission aus der Nutzung dieser Gasressourcen würden sich dabei in den kommenden 30 Jahren auf etwa zehn Milliarden Tonnen belaufen. Das entspräche lediglich einem Anteil von etwa 3,5 Prozent an den weltweiten Emissionen seit Beginn der Industrialisierung. (1)

Grünes Potential auf dem afrikanischen Kontinent

Gleichzeitig braucht es Investitionen in Afrikas erneuerbare Energien. Der afrikanische Kontinent verfügt über 40 Prozent des weltweiten Potentials für grünen Strom. Allerdings gehen nur etwa zwei Prozent der weltweiten Erneuerbaren-Investitionen nach Afrika. (1) So stehen in allen Afrikanischen Ländern zusammen heute insgesamt so viele Wind-Onshore- und Solar-Anlagen wie Deutschland sie bald in einem einzigen Jahr installieren will. (4) Laut dem im Juni veröffentlichten Africa Energy Outlook 2022 beherbergt Afrika etwa 60 Prozent der weltweit am besten geeigneten Solarstandorte. Gleichzeitig verfügt der Kontinent aber bisher nur über ein Prozent der globalen Photovoltaik-Kapazitäten. Bei einem nachhaltigen Ausbau können 80 Prozent der bis 2030 neu installierten Stromerzeugung Afrikas auf Erneuerbaren beruhen, darunter Sonne, Wind und Wärmeenergie. (1) Die internationale Staatengemeinschaft muss Afrika daher deutlich stärker auch im Ausbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft unterstützen. Denn ausgehende von dem enormen Potential erneuerbarer Energien hat Afrika die Möglichkeit, zukünftig eine zentrale Rolle bei der Erzeugung und dem Export von Strom und anderen Energieträgern wie grünem Wasserstoff zu spielen und so auf lange Sicht in doppelter Hinsicht von der Energiewende zu profitieren. (4)

Quellen

1) Klimareporter: Erneuerbare für Afrika statt Erdgas-Suche für Europa (Juni 2022)

2) Heinrich-Böll-Stiftung: Die Suche Europas nach Gasressourcen in Afrika (Juni 2022)

3) African Energy Chamber: Es ist an der Zeit, dass sich Europa und Afrika auf ein grünes Gasabkommen einigen (April 2022)

4) Deutsche Energie-Agentur: Gewaltige Potenziale Afrikas für erneuerbare Energien endlich besser nutzen (Juni 2022)

Verfasst am 21.9.2022

Kinder brauchen Schutz – Stoppt Kinderarbeit!

Kinder brauchen besonderen Schutz. Sie werden zunehmend bedroht von Armut, Klimakrise und bewaffneten Konflikten - und auch Kinderarbeit nimmt wieder zu in Folge dieser Entwicklungen.

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Kinder brauchen Schutz – Stoppt Kinderarbeit!

Weltweit müssen etwa 160 Millionen Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren arbeiten. Afrika ist besonders von Kinderarbeit betroffen: 92 Millionen Kinder – etwa 20 Prozent – müssen dort unter extremen und ausbeuterischen Bedingungen schuften. Das ist jedes fünfte Kind! Darum rufen wir unseren Appell vom letzten Jahr wieder in Erinnerung: Stoppt Kinderarbeit!

Kinderarbeit kurz erklärt

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Kinderarbeit ist eine direkte Folge von Armut

  • Familien sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder in der Landwirtschaft mithelfen oder zum Einkommen der Familie beitragen.
  • Familien können es sich nicht leisten, Kinder zur Schule zu schicken – weil die Kosten zu hoch sind oder die Schulen zu weit weg.
  • Alleinlebende Kinder ohne jegliche Unterstützung müssen Lohnarbeit nachgehen, um nicht zu verhungern.
  • Flüchtlingskinder sind häufig Opfer von Kinderhandel. Sie werden dazu gezwungen, in Fabriken, als Hausmädchen oder in der Prostitution zu arbeiten.
  • Oft geraten Kinder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse: Arbeitgeber und -geberinnen stellen Kinder ein, weil sie ihnen niedrigere Löhne zahlen können und Kinder sich nicht gewerkschaftlich organisieren.

Was kann jede*r gegen Kinderarbeit tun?

Ihr persönliches Handeln macht einen Unterschied:

  • Achten Sie beim Kauf von Produkten darauf, dass in deren Lieferketten keine Kinderarbeit steckt. Gütesiegel können hier Orientierung geben, zum Beispiel Fairtrade-Siegel. Fragen Sie aktiv in Supermärkten nach.
  • Beteiligen Sie sich an Petitionen für den Stopp von Kinderarbeit. Petitionen können Gesetzgeber zum Handeln auffordern und politischen Druck aufbauen.
  • Mit Patenschaften können Sie bedürftigen Kindern eine Schulbildung und damit eine selbstbestimmte Zukunft ermöglichen
  • Unterstützen Sie Projekte, die Familien genügend Einkommen ermöglichen, damit sie ihre Kinder zur Schule schicken können.
  • Unterstützen Sie die Arbeit von GEMEINSAM FÜR AFRIKA mit einer Spende, denn unsere Mitgliedsorganisationen sind vor Ort aktiv.
  • Machen Sie in Ihrem Freundeskreis und Ihrer Familie auf das Schicksal arbeitender Kinder aufmerksam.

Mehr zum Thema Kinderarbeit erfahren Sie hier.

Armut nimmt wieder zu

Bereits durch die Covid-Pandemie lebten in den Ländern Subsahara-Afrikas in den Jahren 2020 und 2021 etwa 40 Millionen Menschen mehr in Armut als vorher. Weltweit hat Armut seitdem zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder zugenommen.

Klimakrise verstärkt Armutstrend

Längere Hitzeperioden, ausbleibende Regenzeiten und zunehmende Extremwetterereignisse verstärken die Ernährungsunsicherheit in vielen Regionen Afrikas bereits jetzt enorm – und damit auch Armut und Abwanderung. Das ist nicht gerecht! Denn die Menschen in Afrika tragen nur rund 4 Prozent zu den weltweiten Emissionen bei, während der Globale Norden 92 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase verursacht. Es wird Zeit, dass die Industrieländer dafür endlich die Verantwortung übernehmen! Hier finden Sie weitere Informationen zu den Auswirkungen der Klimakrise und zum Thema Klimagerechtigkeit.

Verfasst am 20.09.2022

Klimaaktivistin Mitchelle Mhaka – Stärkung von Klimakompetenz in Südafrika

Mitchelle Mhaka, eine in Simbabwe geborene Aktivistin für soziale und ökologische Gerechtigkeit, setzt sich in Südafrika für die Stärkung von Klimakrisenbildung ein.

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Klimaaktivistin Mitchelle Mhaka setzt sich für mehr Klimakompetenz ein

Klimaaktivistin Mitchelle Mhaka – Stärkung von Klimakompetenz in Südafrika

Bildung kann ein entscheidendes Element sein, um die Klimakompetenz zu stärken und zusammen mit indigenen und lokalen Wissenspraktiken zu einer fundierten Anpassung an die Klimakrise und deren Folgen in ganz Afrika beitragen. Doch ein großer Teil der afrikanischen Bevölkerung hat keinen oder nur geringen Zugang zu Bildung. Das hat auch direkte Auswirkungen auf die Klimakompetenz. So liegt die durchschnittliche nationale Klimakompetenzrate in Afrika bei nur 37 Prozent.  

Das ist zu wenig, findet auch Mitchelle Mhaka. Die in Simbabwe geborene Aktivistin für soziale und ökologische Gerechtigkeit setzt sich in Südafrika für die Stärkung von Klimakrisenbildung ein.  

Stärkung von Klimakompetenz 

Mhaka ist Bildungskoordinatorin des Afrikanischen Klima-Bündnisses (African Climate Alliance (ACA)) – eine von Jugendlichen geführte Interessengruppe mit Sitz in West Cape, Südafrika. Das Bündnis konzentriert sich auf die Verbreitung von Informationen über Klima- und Umweltfragen und fordert von führenden Politiker*innen und Verantwortlichen, dass sie bei der Bewältigung der Klimakrise Verantwortung übernehmen. (1) 

Als Bildungskoordinatorin konzentriert sich Mhaka hauptsächlich auf die Entwicklung von Inhalten, die sich mit den Problemen der Klimakompetenz befassen und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Menschen, vor allem in weniger privilegierten Gemeinden, den gleichen Zugang zu Informationen über die Erhaltung der Umwelt haben. Insbesondere die Jugend soll mit Wissen ausgestattet werden, da diese eine starke Stimme sein kann, um echte Veränderung zu bewirken. (1) 

“Wir, die Jugend, sind diejenigen, auf die wir gewartet haben, um uns zu retten. Im Grunde werden wir uns selbst retten.”  (1) 

Klimakrise ist kein alleinstehendes Problem  

Viele junge Menschen, mit denen Mhaka zusammenarbeitet, leben in einem ungesunden Umfeld – sie kämpfen mit anderen dringenden Herausforderungen wie Armut, unzureichender Schulbildung, Kriminalität und weiteren Problemen. Dementsprechend hat die Klimakrise keine herausragende thematische Stellung. Informationen über diese und andere klimabezogene Themen fehlen. (1) Dabei ist es in vielerlei Hinsicht unmöglich, klimabedingte Probleme von sozialen Herausforderungen zu trennen. Sie bedingen sich gegenseitig.

“Es gibt viele Überschneidungen und es ist unmöglich, Klimafragen von anderen Themen wie sozialen Fragen zu trennen.” (2)  

Umso wichtiger ist die Aufklärungsarbeit und die damit einhergehende Stärkung und Befähigung junger Menschen, sich aktiv gegen klimaschädliche Maßnahmen von Staaten und Unternehmen zur Wehr zu setzen und ganzheitliche Lösungsansätze zur Anpassung und Prävention zu gestalten. (2) 

Ihr Wunsch 

Mhaka wünscht sich von der Regierung, dass sie die Klimaaktivismus-Bewegung vorantreibt, indem sie Informationszentren einrichtet, um die Menschen über die Klimakrise aufzuklären und sie mit ihr vertraut zu machen. (1) Menschen mit wenigen finanziellen Ressourcen und benachteiligte Personen tragen nach wie vor die Hauptlast der fehlenden Maßnahmen gegen die Klimakrise und Umweltzerstörung. Mit ihrer Arbeit hofft Mhaka, einen Teil dazu beizutragen, dass die Gesundheit und das Wohlergehen aller Südafrikaner*innen zur Priorität gemacht werden. (3) 

Quellen

(1) Daily Maverick: Mitchelle Mhaka: Arming the youth with knowledge is critical in fostering a good climate for change (Juni 2021)   

(2) The Coolest Show: EMPOWERED EDUCATION W/ MITCHELLE MHAKA (April 2022)   

(3) Mail and Guardian: Young people call for an end to the terrible legacy of coal (Juni 2021)  

Verfasst am 14. September 2022

Unterstützung der `Rwandan Daughters´ muss weitergehen

Erste positive Ergebnisse sind erfreulich, jedoch braucht es weitere Unterstützung.

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_©ora_Kinderhilfe

Unterstützung der `Rwandan Daughters´ muss weitergehen

Berlin im August 2022

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Buch- und Hilfsprojektes ‚Rwandan Daughters‘, ziehen die Initiatoren, Fotograf Olaf Heine, die Hilfswerke ora Kinderhilfe international e.V. und die Agentur spring brand ideas und der Verlag Hatje Cantz eine erste Bilanz. So konnte durch die Veröffentlichung des Buches im Hatje Cantz Verlag, durch zahlreiche Presse- und Fernsehberichte (u.a. CNN, BBC, Guardian, Die ZEIT, Süddeutsche Zeitung), die begleitenden Ausstellungen im Museum Frieder Burda Salon Berlin und der Berlin PhotoWeek sehr viel Aufmerksamkeit auf das Thema ‚Sexuelle Gewalt als Kriegswaffe‘ gelenkt werden. 

Konkrete Hilfe kam bei den Frauen an

Zwei Frauen der Rwandan Daughters. Eine der Frauen steht, die andere sitzt neben ihr auf einem weißen Holzstuhl. Die Sonne scheint durch die geöffnete Tür.

Des Weiteren konnte durch die Publikation den portraitierten Frauen und Töchtern konkret geholfen werden. Es wurden mehrere Patenschaften für die ruandischen Frauen bzw. Töchter vermittelt, Finanzierungen für den Kauf eines Grundstückes und eines Hauses gesichert sowie die Kosten der Studiengebühren der Opfer zusammengetragen. Die Kinder der Frauen, die durch die Vergewaltigungen schwanger geworden sind und die Babys bekommen haben, sind heute 25 Jahre alt. Die meisten von ihnen befinden sich inmitten eines Studiums oder einer Ausbildung. Beides ist in Ruanda kostenpflichtig.

Während der Corona-Krise konnten zudem sämtliche Frauen und im Buch dargestellten Personen mit finanziellen Geldspenden unterstützt werden, um die Covid -19 – Epidemie besser zu überstehen. Über 200 Personen wurden mit Lebensmitteln für min. einen Monat sowie Barspenden zum Kauf notwendiger Güter bedacht. Auf diesem Wege möchten sich die Initiatoren bei allen Unterstützern und Spendern bedanken. 

Zwei Frauen der Rwandan Daughters vor einer türkisfarbenen Hauswand mit Verzierung. Eine der Frauen steht, die andere sitzt neben ihr auf einem Berg mit rötlichen Ziegelsteinen.
Zwei Frauen der Rwandan Daughters vor einer türkisfarbenen Hauswand mit Verzierung. Eine der Frauen steht, die andere sitzt neben ihr auf einem Berg mit rötlichen Ziegelsteinen.

Rwandan Daughters zwischen 2016 und 2018 entstanden

Das Projekt ‚Rwandan Daughters‘ handelt von den Opfern – Mütter und Töchter – des Völkermords in Ruanda. Im Frühjahr 1994 vergewaltigten dort tausende Soldaten, Milizionäre und Mitläufer bis zu 500.000 Frauen und Mädchen. Von dieser Zahl geht das Kinderhilfswerk Unicef aus. Viele Frauen wurden von ihren Vergewaltigern schwanger und bekamen Kinder. Der Berliner Fotograf Olaf Heine hat von 2016 bis 2018 ruandische Mütter mit ihren aus diesen Vergewaltigungen entstandenen Töchtern porträtiert.

Manche haben bis heute ein distanziertes Verhältnis, für andere war das Kind der einzige Grund weiterzuleben. Viele der Frauen sind schwer traumatisiert. Für die Aufnahmen für den Bildband ‚Rwandan Daughters‘ wählten die Frauen gemeinsam mit dem Fotografen Orte, die auf die Umstände der Vergewaltigung hinweisen: ein Fluss, ein Feld, eine Kirche. Inzwischen ist Ruanda das erste Land der Welt, das die Gleichstellung von Frauen in der Verfassung festgeschrieben hat.

Verfasst am 12.9.2022

Eine Frage der Verantwortung: Vorbereitungen auf die UN-Klimakonferenz im November

Im November findet die 27. UN-Klimakonferenz in Ägypten statt. In den Vorbereitungen auf diese liegen die Prioritäten auf der Frage nach Verantwortung und Klimagerechtigkeit.

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Eine Frage der Verantwortung: Vorbereitungen auf die UN-Klimakonferenz im November

Im November 2022 richtet Ägypten, als zweites afrikanisches Land nach Marokko seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 2015, die 27. UN-Klimakonferenz (COP27) in Sharm El Sheikh aus. Das von 196 Ländern unterzeichnete Abkommen hat das Ziel, die globale Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das große Thema in diesem Jahr wird die Integration des Konzepts der Klimagerechtigkeit sein. (1) Ein Konzept, dessen Umsetzung in den letzten Jahren verfehlt wurde.  

Regionale Vorbereitungen auf die Klimakonferenz 2022 

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz 2022 finden und fanden bereits eine Reihe von Veranstaltungen statt. So kamen Ende August Vertreter*innen aus Regierungen, multilateralen Organisationen, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft zur diesjährigen Africa Climate Week (ACW 2022) in Libreville, Gabun, zusammen, um wichtige regionale Impulse im Kampf gegen die Klimakrise zu setzen. Zwei Schlüsselthemen waren dabei von besonderer Bedeutung: Die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf durchschnittlich 1,5 Grad Celsius und die Schaffung einer widerstandsfähigen Zukunft.  (2) 

Auch bei den Africa Climate Talks, die in zwei Sitzungen im Juli und August, einmal für das südliche Afrika in Maputo, Mosambik und für West-, Zentral- und Nordafrika in Niamey, Niger, stattfanden, formulierten die afrikanischen Staaten gemeinsame Prioritäten und Positionen im Vorfeld des Klimagipfels. Dabei spielten zudem besonders Indigene Stimmen eine entscheidende Rolle. Ihre Erfahrungen sollen dazu beitragen, Afrikas Position bei den internationalen Klimagesprächen zu stärken. Anstatt sich auf externe Hilfe zu verlassen, soll sich auf das Wissen und die Praktiken indigener Völker zum Schutz und zur Anpassung an die Klimakrise konzentriert werden. (3) 

Reparationsforderungen 

Die COP26 in Glasgow im letzten Jahr war in vielerlei Hinsicht erfolgreich: So ist der schrittweise Abschied aus der Kohleenergie festgelegt worden (welcher durch den Krieg in der Ukraine und der damit einhergehenden Energiekrise in weitere Ferne rückt (5)), über 140 Regierungen haben den Schutz und die Wiederaufforstung der Wälder versprochen und über 100 Länder wollen bis 2030 den Methanausstoß um ein Drittel reduzieren. Ein entscheidender Punkt – DER entscheidende Punkt – wurde im Abschlusspapier der COP26 jedoch weggelassen: Die Benennung von Verantwortung für die Klimakrise. (4)  

Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass die Länder des globalen Südens am wenigsten zu den weltweiten Treibhausgasemissionen beitragen, aber unverhältnismäßig unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden. Zehn der am meisten von der Klimakrise betroffenen Länder liegen in Afrika. Gleichzeitig haben drei Viertel der afrikanischen Länder die Klimaziele des UN-Nachhaltigkeitsziels 13 (SDG13), das Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise und seiner Auswirkungen fordert, bereits erreicht. Kein Land in Nordamerika oder der EU kann dasselbe von sich behaupten. (2)  

Die Vereinten Nationen schätzen, dass die afrikanischen Staaten bereits jetzt zwischen 2 und 9 Prozent ihres Nationaleinkommens für Naturkatastrophen im Zusammenhang mit der Klimakrise ausgeben. (3) Seit Jahren fordern die betroffenen Staaten einen Fonds für Schäden und Verluste („loss and damages“) von den Hauptverursachern der Klimakrise. Die versprochene Mobilisierung von jährlich 100 Milliarden US-Dollar für die Klimafinanzierung seitens der Industrieländer blieb bisher jedoch unerfüllt (wobei die genaue Zahl umstritten ist). (1) Die Klimafinanzierung wird dementsprechend auch dieses Jahr ein zentrales Thema auf der UN-Klimakonferenz sein.  

Herausforderungen für die diesjährige Klimakonferenz  

Resilienzstärkung, die Verwirklichung der Klimaschutzziele sowie Fachwissen, Inklusion und Rahmenbedingungen für zu treffende Maßnahmen stehen auf dem Programm des zehntägigen Gipfeltreffens. (6) In einer Zeit, in der mehrere andere Faktoren das Weltgeschehen dominieren und die Aufmerksamkeit von der Klimakrise lenken (wirtschaftliche Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, der russische Krieg in der Ukraine, angespannte Beziehungen zwischen den USA und China), bleibt jedoch abzuwarten, inwieweit die Forderungen von Verantwortungsübernahme und Reparationszahlungen auf der diesjährigen COP umgesetzt werden.  

Quellen

(1) The National News: ‚Climate justice‘ a priority at Egypt’s Cop27 summit (September 2022)

(2) UNFCCC: Africa Climate Week 2022 Builds Important Regional Momentum for Climate Action ahead of COP27 (September 2022)  

(3) Africa News: 4th edition of Africa Climate talks kicks off as the continent endures damaging weather events (Juli 2022)  

(4) Zeit: Klimaschutz oder grüner Kolonialismus? (Januar 2022)  

(5) Tagesschau: Was die Energiekrise für das Klima bedeutet (Juli 2022)  

(6) UNFCCC: Climate Action Calendar for COP27 Published (August 2022)  

Verfasst am 8.9.2022

Fortschritte in der Pandemiebekämpfung in Afrika

In der Bewältigung der Corona-Pandemie konnten in diesem Jahr bereits einige große Fortschritte auf dem afrikanischen Kontinent erzielt werden. Massenimpfkampagnen steigerten die Impfquote und internationale Zusammenarbeit fördert die lokale Impfstoffproduktion. Dennoch macht die Pandemie sehr deutlich, dass die Gesundheitssysteme Afrikas reformbedürftig sind.

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Fortschritte in der Pandemiebekämpfung in Afrika

Mit „nur“ knapp 9,3 Millionen bestätigten Covid-19-Infektionen (Stand August 2022 (2)) bildet der afrikanische Kontinent das Schlusslicht unter den sechs Kontinenten. Dennoch kann keineswegs davon ausgegangen werden, dass Afrika weniger von der Corona-Pandemie betroffen ist als der Rest der Welt. Ganz im Gegenteil: Expert*innen nehmen an, dass nur eine von sieben Infektionen in Afrika offiziell festgestellt wird. Die Dunkelziffer ist also deutlich höher. (1) 

In der Bewältigung der Pandemie konnten die afrikanischen Staaten in diesem Jahr bereits einige Fortschritte erzielen. So ist zum Beispiel die Impfquote deutlich gestiegen. 

Massenimpfkampagnen sorgen für einen Anstieg der Impfungen  

Bis zum 10. Juli dieses Jahres haben 282 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent ihre Grundimmunisierung erhalten, was 21,1 Prozent der afrikanischen Bevölkerung, und einem Anstieg von 10 Prozent der Impfungen seit Jahresbeginn entspricht. Dieser Anstieg ist auf zahlreiche Massenimpfkampagnen zurückzuführen, die im Juni und Juli in vielen Ländern Afrikas durchgeführt wurden. So ist die Durchimpfungsrate in Tansania zum Beispiel von 1,8 auf 15,8 Prozent gestiegen, im Südsudan von 2 auf 11 Prozent. Insgesamt sechs Länder konnten damit die kritische Marke von mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung überschreiten, die die erste Impfserie abgeschlossen haben. Die Zahl der Länder, die in der Gruppe unter 10 Prozent liegen, hat sich von 14 auf 8 verringert. (3)  

Ein großer Erfolg also, der jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Impfquote afrikanischer Länder immer noch deutlich unter dem globalen Durchschnitt liegt. Mit Stand 31. August 2022 waren laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 62,56 Prozent der Bevölkerung zweimal geimpft, mit Impfquoten von 63,81 Prozent in Europa und sogar 69,37 in Nord- und Südamerika. (2) Die Unterschiede der Impfquoten der Bevölkerung in den verschiedenen Teilen der Welt sind also immer noch groß. Einige der Gründe dafür finden Sie hier.   

Ausbau lokaler Impfstoffproduktion  

Die WHO, die Afrikanische Union, die Europäische Union, die Regierungen Südafrikas, Ruandas, Senegals, Deutschlands und Frankreichs sowie weitere Partner*innen arbeiten daran, die Industrie und ihre Partner*innen beim Ausbau der lokalen Impfstoffproduktion zu unterstützen und die globale und regionale Zusammenarbeit zu verbessern, um künftigen Pandemien vorzubeugen und auf sie zu reagieren. Diese gemeinsame Investition soll sicherstellen, dass alle Regionen der Welt über eine hochmoderne Produktionsinfrastruktur, geschultes Personal sowie industrielle Regelungen verfügen. So haben vor einem Jahr die WHO, Südafrika und der Medicines Patent Pool mit Unterstützung der EU, Frankreichs, Deutschlands und anderer lokaler und internationaler Partner*innen ein Technologietransferzentrum für mRNA-Impfstoffe in Kapstadt eingerichtet. Ziel des Zentrums ist es, die Technologie in Entwicklungsländern zu verbreiten, indem Hersteller geschult und lizenziert werden, damit sie ihre eigenen Impfstoffe für den nationalen und regionalen Gebrauch herstellen können. (5) 

Auch Teile des Privatsektors engagieren sich. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten „BioNTainer“ – mobile, in Schiffscontainern untergebrachte mRNA-Produktionsanlagen – des deutschen Unternehmens BioNTech. Die ersten BioNTainer sollen in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf dem afrikanischen Kontinent eintreffen und etwa 12 Monte nach der Lieferung an die endgültigen Standorte – Ruanda und Senegal, ggf. auch Südafrika – mit der Herstellung beginnen. (6) Die mRNA-Technologie ist nicht nur zur Bekämpfung von Covid-19 geeignet. Sie kann auch zur Bekämpfung anderer Krankheiten wie HIV, Tuberkulose und Malaria eingesetzt werden. (5) 

Reform der Gesundheitssysteme 

Wie in fast jedem Teil der Welt hat die Corona-Pandemie einen großen Druck auf die Gesundheitssysteme afrikanischer Länder ausgeübt. Zusätzlich wurden aber die bereits bestehenden gesundheitlichen Herausforderungen in den afrikanischen Regionen noch verschärft. Denn die Region sieht sich jährlich, mehr als jeder andere Teil der Welt, mit zahlreichen Gesundheitskrisen konfrontiert. In Notsituationen, wie die Pandemie eine darstellt, müssen viele Länder ihre Gesundheitsprogramme aufgrund von Personalverschiebungen, Unterbrechungen der Versorgungsketten und Bewegungseinschränkungen einstellen. Diese Unterbrechungen untergraben die Fortschritte auf dem Weg zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung und legen die Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung offen. So hat die Pandemie die Notwendigkeit einer Reform der Gesundheitssysteme des Kontinents besonders deutlich gemacht. Auch wenn die Länder im Zuge der Pandemie ihre Maßnahmen in den Bereichen Überwachung, Prävention, klinische Versorgung und Impfung verstärkt haben, sind weitere Anstrengungen erforderlich, um die Gesundheitssysteme robuster und widerstandsfähiger zu machen. (4) 

Quellen 

(1) Unicef: Corona in Afrika: Die Pandemie, die Folgen für Kinder und wie UNICEF hilft (März 2022)  

(2) WHO: Corona (COVID-19) Dashboard (Letzter Aufruf 30. August 2022)  

(3) WHO Regional Office Africa: COVID-19 vaccination in Africa increases by almost three-quarters in June 2022 (Juli 2022)   

(4) WHO Regional Office Africa: Transforming Africa’s health system in wake of COVID-19 pandemic (August 2022)   

(5) AllAfrica: Africa: Ending Covid-19 Pandemic – and Preventing Worse Ones – Demands Equity, Innovation, Investment (August 2022)

(6) Deutsche Afrika Stiftung: Pressespiegel KW 7/2022: Mehr als nur Symbolik? (Februar 2022)  

Bildung wichtig für Krisenbewältigung

Bildung ist ein Menschenrecht und kann ein Schlüssel für die Bewältigung von Krisen sein. Dies gilt auch im Kontext der Klimakrise.

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Bildung wichtig für Krisenbewältigung

Bildung ist ein Menschenrecht. Es ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 enthalten und wird in verschiedenen späteren Menschenrechtskonventionen erneut aufgegriffen und ausdifferenziert. (2) Eines der wichtigsten Dokumente in diesem Kontext ist der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der das Recht auf Bildung in Artikel 13 enthält. 160 Staaten haben sich zu diesem Pakt bekannt. (1)   

Bildung hat im Rahmen der Menschenrechte eine besondere Bedeutung. Sie gilt als Schlüssel für den Zugang zu weiteren Menschenrechten, da sie eine Grundlage dafür schafft, dass Menschen ihre Rechte kennen und aktiv ausüben können. Gleichzeitig ist Bildung eine wichtige Voraussetzung für die aktive politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe in der Gesellschaft. (2) Im entwicklungspolitischen Zusammenhang ist sie damit auch eine Voraussetzung für Nachhaltige Entwicklung, die Verringerung von weltweiter Armut und für ein friedliches Zusammenleben. (3)  

Das Recht auf Bildung in der Praxis  

Viele Länder und Regionen der Welt sind jedoch noch weit davon entfernt das Recht auf Bildung als universelles Menschenrecht zu realisieren. Dabei weisen afrikanische Länder südlich der Sahara nach Angaben der Vereinten Nationen die höchste Rate der Bildungsausgrenzung auf. Hier gehen mehr als ein Fünftel der Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren nicht zur Schule, gefolgt von einem Drittel der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren und 60 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. (4)  

Ursachen für fehlende Schulbildung 

Die fehlende Bildung hat verschiedene Gründe, darunter fehlende Schulinfrastrukturen, Armut, Ernährungsunsicherheit, Krisen in Form bewaffneter Konflikte und humanitärer Notlagen, wie zum Beispiel der Corona-Pandemie oder aktuell auch der Klimakrise und damit verbundenen Hungersnot in einigen Ländern Afrikas. (5) 

Vor allem Mädchen haben oft keinen Zugang zu Bildung. Dies ist fatal, da der Zugang zu Bildung nicht nur wichtig für sie selbst ist, sondern auch für die Gesellschaft, in der sie leben. So zeigen Studien, dass Bildung dazu beiträgt, dass Mädchen und Frauen gesünder sind, später heiraten und im Schnitt weniger Kinder bekommen. Wenn Mütter gebildet sind, können sie besser für die Gesundheit und Bildung ihrer Kinder sorgen. Gleichzeitig gelten Mädchen und Frauen mit guter Bildung als Motoren für die Entwicklung ihrer Gesellschaft, weil sie aktiv am Arbeitsmarkt teilnehmen und so mehr zur Produktivität und Innovation beitragen können. Diese Faktoren können dazu beitragen, Armut zu bekämpfen. (3) 

Bildung als Schlüsselelement zur Bewältigung von Krisen   

Zwar gelten Krisen, wie bereits oben erwähnt, als Ursache für das Ausbleiben von Bildung. Gleichzeitig kann der Zugang zu Bildung aber auch ein Schlüsselelement zur Bewältigung dieser sein. Dies gilt auch im Kontext der Klimakrise. Denn gute Bildungsstrukturen und funktionierende Wissenschaftssysteme können das Verständnis des menschlichen Einflusses auf die Klimakrise vergrößern und dabei helfen, wirksam auf sie zu reagieren und sich an seine katastrophalen Folgen anzupassen. (6) 

Bildung und die Klimakrise 

Eine Umfrage von Afrobarometer zeigt, dass sich die Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung zwar der Klimakrise bewusst ist und die Meinung vertritt, dass sie gestoppt werden müsse. Zu wenigen ist jedoch das Ausmaß der gegenwärtigen und zukünftigen Auswirkungen auf Afrikas Wirtschaft, Nahrungsmittel- und Wassersicherheit, Gesundheit, Infrastruktur, Städte, Kulturerbe und Ökosysteme bewusst. So liegt die durchschnittliche nationale Klimakompetenzrate in Afrika bei 37 Prozent. Im Vergleich: In Europa und Nordamerika liegt sie bei über 80 Prozent. (7) 

Bildung kann hier hochwirksam sein, wenn es darum geht, die Klimakompetenz sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu erhöhen. (7) Denn im Vergleich zu denjenigen, die keine formale Schulbildung haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diejenigen, die einen High-School-Abschluss haben, über die Klimakrise informiert sind, um 19 Prozent höher. Bei Personen mit Universitätsabschluss ist sie um 36 Prozent höher. Diese Diskrepanz zeigt sich auch je nach Geschlecht. Im Durchschnitt ist die Klimakompetenz von Frauen um 12,8 Prozent geringer als die von Männern. Dies ist zwar im Kontext des ungleichen Bildungszugangs nicht überraschend, aber umso besorgniserregender, da Frauen oft anfälliger für die Auswirkungen der Klimakrise sind als Männer. (8)  

Bildung hat das Potential, ein entscheidendes Instrument zu sein, um die Kluft in der Klimakompetenz zwischen Afrika, Europa und Nordamerika sowie die Kluft zwischen Männern und Frauen auf dem Kontinent zu verringern. (7) Und eine höhere Klimakompetenz kann, zusammen mit indigenen und lokalen Wissenspraktiken, zu einer fundierteren Anpassung an die Klimakrise und deren Folgen in ganz Afrika führen. (8) 

Quellen

(1) Bundeszentrale für Politische Bildung: Das Menschenrecht auf Bildung (September 2013)
(2) Institut für Menschenrechte: Recht auf Bildung
(3) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bildung – Ein Menschenrecht
(4) Unesco: Education in Africa
(5) Deutsche Welle: Why the right to education remains a challenge in Africa (Januar 2022)
(6) Bundesministerium für Bildung und Forschung: Afrika: Partner im Kampf gegen den Klimawandel (Juli 2017)
(7) University of Cape Town: Education, gender and poverty affect climate change literacy in Africa (Oktober 2021)
(8) The Conversation: Africa’s first continent-wide survey of climate change literacy finds education is key (Oktober 2021)

Verfasst am 29.8.2022

Wie Sprache unser Denken formt und als Element der Unterdrückung dient

Sprache formt Denken und Identität. Wie machtvoll dies sein kann zeigte sich im Kolonialismus. Bis heute prägt sein Erbe unsere und afrikanische Sprachen.

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Wie Sprache unser Denken formt und als Element der Unterdrückung dient

Afrika ist mit über 2000 gesprochenen Sprachen der Kontinent mit der größten linguistischen Diversität. Doch viele von ihnen werden von immer weniger Menschen gesprochen, teilweise sterben sie sogar ganz aus. Dies hängt auch mit den Nachwirkungen des europäischen Kolonialismus zusammen. (1) Dieser hat zum einen dafür gesorgt, dass afrikanische Sprachen aus der Gesellschaft verdrängt wurden und immer noch werden. Zum anderen sind die in jener Zeit geprägten Begrifflichkeiten bis heute tief in unserer Sprache und Wahrnehmung verankert und ein großer Bestandteil heutiger Ausgrenzung und Rassismus. Doch wie genau hängt das zusammen und was kann dagegen unternommen werden? 

Sprache ist Kultur und schafft Identität  

Sprache ermöglicht es den Menschen sich zu verständigen. Was darüber hinaus aber noch viel wichtiger ist: Mit ihr werden Gedanken und Emotionen ausgedrückt, bewusst und unbewusst Bilder erzeugt und reproduziert und die spezifische Wahrnehmung unserer Lebenswirklichkeit beeinflusst. Wird in einer Sprache gedacht und interagiert, wird eine Person durch diese auch geprägt. Damit wird Sprache selbst zu einer eigenen Kultur und spiegelt die Identität des Sprechenden wider.  

Genauso, wie Sprache uns damit eine Welt eröffnet, kann sie diese aber auch begrenzen und die Zugehörigkeit einer Person zu einer Sprachgruppe begrenzt damit auch ihre Identität und Lebensrealität. (2) (3) 

Sprache als Instrument der Abgrenzung und Unterdrückung  

Der südafrikanische Anti-Apartheitsaktivist und Linguist Neville Alexander (1936-2012) verglich die Sprache einmal mit der Luft, die wir atmen. Sie ist lebensnotwendig und doch allzu selbstverständlich. So ist uns oft nicht bewusst, wie machtvolle und einflussreich Sprache sein kann. Die europäischen Kolonisator*innen und die Urheber des Apartheidsystems wussten Sprache als Instrument der Manipulation und Durchsetzung eigener Ideologien und Machtstrukturen für sich zu nutzen. So hat die Kolonialzeit sprachlich tiefe Einschnitte hinterlassen, die bis heute wirksam anhalten. (2) 

Zunächst verschafften sich Besetzer*innen durch das Erlernen lokaler Verkehrssprachen auf Verwaltungsebene Respekt und indirekte Macht über lokale Hierarchien. War diese Macht einmal erlangt, wurde die Verwendung afrikanischer Sprachen, und damit einhergehend die Kultur und Identität der die Sprachen sprechenden Menschen, so gut es ging unterdrückt. So führten die Kolonisator*innen auf zentraler Ebene ihre jeweils eigene Landessprache ein. Bis heute werden diese in den meisten Ländern Afrikas als offizielle Landessprache sowie in den Schulen und Universitäten genutzt. Dies trägt zum Verlust der sprachlichen Diversität Afrikas bei. (1) (2) 

Während im Kolonialismus die Sprachepolitik vor allem als Element von Machtdemonstration und Unterdrückung Verwendung fand, diente sie im Apartheidsystem als Werkzeug totaler Abspaltung. Schwarze Menschen wurden entsprechend ihrer jeweiligen Sprachgruppen in getrennte geografisch definierte Wohngebiete verwiesen, den sog. Homelands an den Stadträndern. Das Ziel war es, mittels Sprachbarrieren die Kommunikation zwischen der schwarzen Bevölkerung zu begrenzen, sie zu spalten und damit Aufstände zu verhindern. (2) 

Koloniale Instrumentalisierung der Sprache wirkt bis heute 

Diese Unterdrückung und Ausbeutung mussten irgendwie legitimiert werden. Aus dieser Logik heraus entwickelte sich das (biologisch nicht akkurate) Konzept der menschlichen „Rassen“. Unterschiede wurden anhand äußerer Merkmale wie der Hautfarbe als entscheidendes Element der Abgrenzung konstruiert. Schwarzen Menschen wurden körperlichen Charakteristika, Rückständig- und Hilfsbedürftigkeit zugeschrieben und in diesem Narrativ als homogene Gruppe dargestellt. (2) 

Die Formung dieses Denkens war in der kolonisierten und der kolonisierenden Gesellschaft bei der Errichtung des Machtverhältnisses essenziell. Doch trotz der formal-politischen Emanzipation der ehemaligen kolonialen Territorien des Kolonialismus haben sich die in der Zeit entwickelten Assoziationsketten bis heute gehalten. So schwingen zum Beispiel bei den Worten “Afrikaner*in” oder der Hautfarbe “schwarz” eine ganze Reihe kolonial-rassistischer Vorstellungen mit. Denn Begriffe und die Bilder, die diese erzeugen, stehen nie für sich allein. Sie sind immer Teil eines gedanklich verknüpften Kontextes, der unsere Wahrnehmung prägt. Sprache beeinflusst so über gesellschaftlich geteilte Stereotype unser Denken und Fühlen und damit auch unser Verhalten, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Es ist dadurch eine konstruierte Wirklichkeit geschaffen worden, durch die Schwarze, Indigene und People of Color systematisch ausgeschlossen worden sind und bis heute werden. (2) 

Wie kann dem entgegengewirkt werden? 

Um dem kolonial-rassistischen Erbe in unserer Sprache entgegenzuwirken, müssen wir alle aktiv und aufmerksam unseren eigenen Sprachgebrauch reflektieren und darüber hinaus im privaten, wie im öffentlichen Bereich Diskurse anregen, die diese Denkmuster identifizieren und aufdecken.  

Dem Verlust afrikanischer Sprachen muss hingegen mit einer aktiven Förderung dieser entgegengewirkt werden. Ein Beispiel dafür ist die Sankofa Sprachschule in Berlin. Gemeinsam mit einem Team aus afrodiasporischen Leher*innen und Mitarbeitenden bietet Akwasi Badu-Aning, Gründer und Leiter der Schule, 18 afrikanische Sprachen an und fördert damit aktiv das Sprechen afrikanischer Sprachen, vor allem in der Diaspora. (1) 

Es ist „sehr wichtig, dass wir als Afrikaner*innen unsere Sprache sprechen können, damit wir unsere kulturelle Identität nicht verlieren – vor allem in der Diaspora“. –  

Fatou Cisse Kane, Wolof-Lehrerin an der Sankofa Sprachschule (1)

Einen weiteren wichtigen Schritt zur Förderung afrikanischer Sprachen stellte im Mai dieses Jahres das Hinzufügen von 24 Sprachen aus Subsahara-Afrika, Indien und Südamerika zu Google Translate dar. Damit sind nun 23 afrikanische Sprachen auf der Plattform vertreten. Und auch DuoLingo, das von den 40 angebotenen Sprachen acht unterrepräsentierte Sprachen umfasst, arbeitet daran, Zulu und Xhosa – die von 20 Millionen Menschen vor allem im südlichen Afrika gesprochen werden – noch in diesem Jahr hinzuzufügen. (4) 

Quellen

(1) RosaMag: “Wer seine Sprache nicht spricht, verliert ein Stück seiner selbst” (August 2022)

(2) Zeitschrift zum Südlichen Afrika: Von der Freiheit und Unfreiheit der Sprache. (Mai/Juni 2022)

(3) Gesprächswert: Kulturelle Identität durch Sprache (September 2017)

(4) Reuters: Students cheer as online translation tools add more African languages (August 2022)

Verfasst am 23.8.2022

Unsere Mitgliedsorganisation ADRA Deutschland wird 35!

Seit über 35 Jahren ist unsere Mitgliedsorganisation ADRA Deutschland aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe mit Projekten in vielen Ländern.

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Unsere Mitgliedsorganisation ADRA Deutschland wird 35!

Diese Art der Hilfe unterstützt Menschen, die sich aufgrund von Krisen, Konflikten oder Naturkatastrophen in einer akuten Notlage befinden und diese aus eigener Kraft nicht bewältigen können. ADRA möchte den Betroffenen ermöglichen, ein Leben in Würde und Sicherheit zu führen. In Krisen- und Konfliktgebieten seien die Helfenden oftmals unter hohem persönlichem Risiko tätig.

Aktuell beteilige sich ADRA Deutschland im eigenen Land nach den Aufräumarbeiten im Ahrtal am Wiederaufbau und unterstütze dort 80 soziale Einrichtungen logistisch und finanziell. Auch finanziere ADRA Transporte von Geflüchteten innerhalb und außerhalb der Ukraine und versorge In den Nachbarländern Flüchtlinge in Notunterkünften. In Syrien helfe ADRA in den Bereichen Gesundheit, Wasser und Bildung. Mit sauberem Trinkwasser, Hygieneartikeln und Sanitäranlagen schütze das Hilfswerk etwa 100.000 Menschen im Norden des Landes. Dazu kämen Notunterkünfte sowie Schulunterricht für rund 1.800 Kinder.

Hunger in Ostafrika

Wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mitteilt, drohe in Ostafrika aufgrund einer langanhaltenden Dürre eine Hungersnot. Etwa 82 Millionen Menschen könnten sich nicht mehr satt essen. Deshalb habe ADRA Deutschland dort auch Projekte der Entwicklungszusammenarbeit ins Leben gerufen, um langfristig und nachhaltig gegen den Hunger vorzugehen. In Äthiopien, Somalia, Madagaskar und dem Südsudan setze sich das Hilfswerk für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein, sich besser gegen Dürren wappnen zu können, die Ernten zu sichern und den Kindern positive Chancen für die Zukunft zu ermöglichen.

ADRA Deutschland e.V. ist Mitbegründer von VENRO, Aktion Deutschland Hilft und Gemeinsam für Afrika. ADRA steht für Adventist Development and Relief Agency. Weitere Informationen unter www.adra.de.

Unsere Organisationen im Einsatz: Hunger in Ostafrika, Südsudan und Madagaskar

Dürren und Überschwemmungen sowie drastisch steigende Lebensmittelpreise verschärfen die ohnehin prekären Lebensbedingungen in vielen Ländern Afrikas.

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Unsere Organisationen im Einsatz: Hunger in Ostafrika, Südsudan und Madagaskar

Dürrekatastrophe in Ostafrika

Es ist die schlimmste Trockenheit seit 40 Jahren. Inzwischen sind vier Regenzeiten in Folge ausgefallen. Die Klimakrise zeigt in Ostafrika besonders gravierende Auswirkungen.

Die ohnehin dramatische Lage wird verschärft durch horrend steigende Lebensmittelpreise. Auch wir erleben gerade Preissteigerungen vor allem bei Lebensmitteln und Energiekosten durch den Ukraine-Krieg, aber wer nur knapp drei Dollar pro Tag zum Überleben hat, kann sich eine Verdoppelung der Getreidepreise einfach nicht mehr leisten und muss dann Hunger leiden. Etwa 82 Millionen Kinder, Frauen und Männer in Ostafrika haben nicht ausreichend zu essen, mehr als 20 Millionen Menschen sind auf Unterstützung angewiesen.

Aus den Berichten unserer Mitgliedsorganisationen vor Ort erfahren wir, dass das Welternährungsprogramm (WFP) ab sofort Nahrungsrationen wegen ständig steigender Getreidepreise drastisch reduzieren musste. „Die Kürzung stellt humanitäre Organisationen vor enorme Herausforderungen und zwingt sie, unmögliche Entscheidungen zu treffen. Nicht jeder Mensch, der Hilfe benötigt, wird sie erhalten können“, klagt ein Mitarbeiter unserer Mitgliedsorgansiation CARE besorgt.

Hunger im Südsudan

Wirklich entspannt war die Lage im Südsudan seit der Unabhängigkeit vor acht Jahren selten. In den letzten Monaten hat sich die prekäre humanitäre Lage im Südsudan angesichts der anhaltenden Gewalt, der Krisen im Gesundheitssektor und der Folgen der Klimakrise weiter verschlechtert. Überschwemmungen und lokale Dürren verschlechtern die Lebensbedingungen erheblich. Auch hier verschärft der Anstieg der Lebensmittel- und Kraftstoffpreise die Situation weiter. In diesem Jahr werden voraussichtlich zwei Drittel der südsudanesischen Bevölkerung auf Unterstützung angewiesen sein. Zwei Millionen Menschen, darunter 1,3 Millionen Kinder unter 5 Jahren und 676.000 schwangere und stillende Frauen, sind von akuter Unterernährung bedroht. Auch hier ist CARE vor Ort und unterstützt die südsudanesische Bevölkerung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Schutz.

Dürre und Überschwemmungen in Madagaskar

Aufgrund von Ernteausfällen durch Überflutungen und andauernde Dürren als auch durch die Folgen der Coronapandemie hat sich die Anzahl der mangelernährten Kinder verdoppelt, 500.000 Kinder sind akut unterernährt. Unsere Mitgliedsorganisation ADRA ist in Madagaskar sowie weiteren Ländern Ostafrikas vor Ort. Sie versorgen die Menschen mit lebensnotweniger Nahrung, schaffen Zugang zu sauberem Trinkwasser und helfen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, ihre Landwirtschaft langfristig an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Unterstützen Sie die Arbeit unserer Mitgliedsorganisationen jetzt mit Ihrer Spende!

CARE-Studie: Weltweit hungern 150 Millionen mehr Frauen als Männer

Die weltweite Ernährungskrise trifft Frauen ungleich härter als Männer. Zu diesem Ergebnis ist eine neue Studie der internationalen Hilfsorganisation CARE gekommen.

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CARE-Studie: Weltweit hungern 150 Millionen mehr Frauen als Männer

Eine neue Studie der internationalen Mutterorganisation unserer deutschen Mitgliedsorganisation CARE zeigt, dass weltweit derzeit 150 Millionen mehr Frauen als Männer hungern. Diese Zahl wird bedingt durch die Klimakrise, die COVID-Pandemie und den Krieg in der Ukraine weiterwachsen. Denn Daten aus 109 Ländern belegen: Wächst die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, nimmt die Ernährungssicherheit ab.

Im Jahr 2018 hungerten 18 Millionen mehr Frauen als Männer, 2021 waren es bereits 150 Millionen. Damit ist die geschlechterspezifische Ungleichheit in Bezug auf Hunger in nur drei Jahren um das 8,4-fache gestiegen. Obwohl sowohl Männer als auch Frauen von der Ernährungskrise betroffen sind, tragen letztere nachweislich die größere Last: In Somalia etwa geben Männer an, kleinere Mahlzeiten zu essen während Frauen berichten, dass sie Mahlzeiten auslassen müssen. Im Libanon verhält es sich ähnlich, mehr Frauen als Männer geben an, kleinere Portionen zu essen. Dabei ernähren sie sich zusätzlich auch eher von minderwertigeren Lebensmitteln als Männer.

„Der CARE-Bericht wirft das Scheinwerferlicht auf ein entscheidendes, aber oft übersehenes Element der weltweiten Ernährungskrise: Nämlich wie ungleich härter die Hungerkrise Frauen trifft“, sagt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland. „Die Gleichstellung der Geschlechter ist eng mit der Ernährungssicherheit verbunden. Je größer die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in einem Land ist, desto hungriger sind die Menschen. Aber jetzt wissen wir darüber hinaus: auch der Hunger ist zwischen Frauen und Männern nicht gleich verteilt.“ 

Frauen müssen in der Ernährungskrise sichtbar gemacht werden

Obwohl Frauen auf allen Ebenen der Nahrungsmittelproduktion eine wichtige Rolle spielen, sind sie die ersten, die hungern. Dabei sind sie weltweit zu 90 Prozent für die Herstellung, Zubereitung und den Kauf von Lebensmitteln verantwortlich. Trotzdem gibt es in den globalen Datenbanken zum Thema Geschlecht – wie dem Gender Data Portal der Weltbank – kaum Angaben zur Ernährungslage oder auch zur Rolle der Frau für die Nahrungsmittelproduktion. Die Folge: Fehlende Daten führen auch zu fehlenden politischen Maßnahmen. Diese Lücken müssen sichtbar gemacht werden. Mit der vorliegenden Studie geht CARE einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

„Frauen ernähren die Welt. Darum ist es an der Zeit, das globale Verständnis über die Zusammenhänge von Ernährungssicherheit und Geschlechterungleichheit zu verbessern“, so Zentel. „Die Überwindung der Geschlechterkluft bei der Nahrungsmittelversorgung erfordert ähnliche Veränderungen wie die Überwindung der Geschlechterkluft insgesamt – Frauen müssen die gleichen Rechte, Ressourcen und Möglichkeiten haben. Nahrung ist eines der grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse – ohne gleichen Zugang zu guten Lebensmitteln ist das Gleichstellungsprojekt zum Scheitern verurteilt.“

Lesen Sie die CARE-Studie hier im englischen Original. 

Was hat die Klimakrise mit Terrorismus zu tun?

Der Aufstieg terroristischer Gruppen hat viele Ursachen. Eine davon ist die Klimakrise. Sie verstärkt bereits bestehende Konfliktdynamiken bedeutend. Terroristen nutzen dies für sich, um Kämpfer zu rekrutieren.

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Was hat die Klimakrise mit Terrorismus zu tun?

Die Klimakrise trifft die Region um den Tschadsee besonders hart. Der Binnensee, den sich die Länder Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad teilen, erstreckte sich einst über 25.000 Quadratkilometer. Heute sind von dem See weniger als 1.500 Quadratkilometer übrig. (1) Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gehen 50 Prozent des Rückgangs der Tschadseefläche auf Klimaeffekte zurück. Die andere Hälfte wird durch die verstärkte Nutzung der Zuflüsse für landwirtschaftliche Bewässerung, dem erhöhten Wasserverbrauch der wachsenden Bevölkerung und Missmanagement verursacht. Immer wiederkehrende Dürren und Hitzewellen schädigen das Pflanzenwachstum zusätzlich und schwere Regengüsse zerstören die Ernten oder spülen sie von den Feldern. Auf über einem Drittel der Landfläche schreitet die Wüstenbildung voran. (2)

_©flickr
Der Tschadsee verschwindet
(©flickr_www.grida.no/resources/5593)

Klimakatastrophe trifft auf instabile Region

Diese Klimakatastrophe trifft auf eine chronisch instabile Region. Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen ansässigen, in der Landwirtschaft tätigen, Personen und in die Region kommende Hirt*innen, die auf der Suche nach Land sind. (1) Staatliche Hilfe für die Menschen und die Region gibt es kaum. Die Regierungen haben über die sumpfigen Ufer und vielen Inseln des Tschadsee kaum Kontrolle. Ein ideales Rückzugsgebiet für Kriminelle und Islamisten. (3) So konnte sich die westafrikanische Terrormiliz Boko Haram im letzten Jahrzehnt immer weiter ausbreiten und an Stärke gewinnen. (2) Sie planen Angriffe auf das Militär und Überfälle auf Zivilist*innen. Mehr als 40.000 Menschen starben bereits in dem Krieg zwischen den Islamisten und Regierungstruppen. Zwei Millionen Menschen wurden vertrieben. (3)

“Der Klimawandel bedroht nicht nur die Nahrungsversorgung, sondern auch den Frieden.”

Hindou Oumarou Ibrahim – Klimaaktivistin (3)

Der Aufstieg der terroristischen Vereinigung von einer kleinen Gruppe radikaler Koranschüler zu einer der gefährlichsten Organisationen der Welt hängt mit verschiedenen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklungen in der Region um den Tschadsee zusammen. So haben politische Krisen, Misswirtschaft und Korruption die Legitimität von Regierungen und Institutionen untergraben, regionale Ungleichheiten, insbesondere zwischen den ölproduzierenden und anderen Regionen, führen zu politischen Missständen, und Armut und Mangel an angemessenen Dienstleistungen machen die wachsende Bevölkerung empfänglicher für politische Versprechungen von Dschihadistengruppen. (4) Zu all diesen Faktoren gesellen sich nun mehr und mehr die desaströsen Auswirkungen der Klimakrise.

Klimakrise, Ressourcenkonflikte und Terror beeinflussen sich gegenseitig

Diese verschärft die bereits bestehenden Konfliktdynamiken bedeutend. Denn knappe Ressourcen und daraus resultierende Arbeits- und Perspektivlosigkeit machen gerade junge Menschen anfälliger für die Ideologien der Terroristen. Die Islamisten nutzen Not und Armut aus, um Kämpfer zu rekrutieren. Sie locken mit Geld und Gewehren oder einem Motorrad für Botenfahrten. (1) (3)

_©Sani Ahmad Usman/ Wikimedia Commons
Die Menschen um den Tschadsee sind auf das Wasser angewiesen ©Sani Ahmad Usman/ Wikimedia Commons

In vielen Gegenden der Region können die Regierungen ihr Gewaltmonopol nicht ausüben. Und dort, wo der Staat sich durchzusetzen versucht, nimmt er teilweise wenig Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. So blockieren Soldaten im Kampf gegen Terroristen Versorgungsrouten und schränken damit Handel und Mobilität ein. Der Zugang der lokalen Bevölkerung zu und die Kontrolle über lebenswichtige Ressourcen wird massiv beeinträchtigt, was den bestehenden wirtschaftlichen Druck in den Konfliktgebieten noch erhöht. Die daraus resultierenden Störungen der Fischerei, der kleinen Landwirtschaft, der Weidewirtschaft und des Handels verschärften den Wettbewerb um die lokalen Ressourcen und belasteten die sozialen Beziehungen zwischen den Gemeinschaften erheblich, was zuweilen das Risiko gewaltsamer Konflikte zwischen den Gemeinschaften erhöht. (4)

So entwickelt sich ein Teufelskreis: Um mit der Klimakrise leben zu können brauchen die Menschen mehr Bewegungsfreiheit, diese Bewegungsfreiheit wird im Kampf gegen Boko Haram stark eingeschränkt. Konflikte um Land und Ressourcen nehmen zu. In ihrer Not schließen sich manche den islamistischen oder kriminellen Banden an und der Aufstieg terroristischer Gruppen wird befördert. An Umweltschutz ist in dieser Unsicherheit gar nicht erst zu denken. (1) (3)

Was also tun?

Um diesen negativen Wirkungskreis zu durchbrechen, müssen bei der Konfliktverhütung Umwelt und Klima mitgedacht werden. Eine ganzheitliche Herangehensweise, in der alle Maßnahmen der humanitären Hilfe, Friedensförderung und Entwicklungszusammenarbeit die Folgen der Klimakrise gezielt miteinbeziehen, kann eine wesentliche Grundlage für mehr Stabilität und nachhaltige Entwicklung in den von Konflikten betroffenen Regionen sein. (5) Wenn die Klimaeffekte weiter zunehmen und kein ganzheitlicher Ansatz in diesen Bereichen geschaffen wird, wird das Phänomen der Klimaflucht weltweit zu spüren sein. Und dann wird das Problem in den Ländern um den Tschadsee auch ein europäisches Problem. (4) (5)

„Menschliche Sicherheit ist mehr als Militär. Die größte Gefahr ist die Klimakrise für dieses und das nächste Jahrhundert.“

Annalena Baerbock, dt. Außenministerin/ Die Grünen (6)

Quellen

(1) Deutsche Welle: Tschadsee – Wie der Klimawandel den Terror befördert (Dezember 2015)
(2) Zeitschrift Vereinte Nationen: Klimawandel als Konflikttreiber in Nigeria (Oktober 2021)
(3) Tagesspiegel: 500 Dollar und eine Kalaschnikow – Wie Terroristen vom Klimawandel profitieren (Juni 2021)
(4) Climate Diplomacy: Climate and Fragility Risks – Lake Chad Region
(5) Naturschutz: Klimawandel erschwert den Kampf gegen Terrorismus in Afrika (Mai 2019)
(6) Tagesschau: Nato-Gipfel in Madrid (Juni 2022)

Verfasst am 15.8.2022

Stimme Indigener Völker: Hindou Oumarou Ibrahim

Hindou Oumarou Ibrahim, Angehörige der indigenen Mbororo-Gemeinschaft aus dem Tschad, setzt sich für eine stärkere Einbeziehung des Wissens und der Traditionen indigener Völker in den globalen Bestrebungen der Bekämpfung der Klimakrise ein. Sie kombiniert westliche Technologien mit dem Wissen ihrer Vorfahren für einen nachhaltigen Lösungsansatz.

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Stimme Indigener Völker: Hindou Oumarou Ibrahim

In vielen Regionen Europas wurden in diesem Sommer Rekordtemperaturen von über 40 Grad erreicht. Diese Wetteranomalie hielt meistens nur ein paar Tage an. Im zentralafrikanischen Tschad, wo die Durchschnittstemperaturen anderthalbmal schneller steigen als im Rest der Welt, sind hingegen Temperaturen von 45 bis 50 Grad grausame und regelmäßige Realität. Die Wüste der Sahara breitet sich unaufhaltsam aus, große Binnengewässer schrumpfen und die ohnehin schon extremen Lebensbedingungen der Bevölkerung werden zusätzlich erschwert. Die Temperaturen sind eine tödliche Gefahr für Kinder, alte Menschen und Schwangere. Dürren halten länger an und gewaltsame Konflikte entstehen um das wenige verbliebene fruchtbare Land. (1) 

Vor allem indigene Völker stellen aufgrund ihrer Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen die ersten Opfer der unmittelbaren Folgen der Erderhitzung dar. Indigene Völker und lokale Gemeinschaften bewirtschaften etwa 40 Prozent der noch intakten Landschaften der Erde. Ihre Fähigkeit, diese Landschaften zu schützen, ist untrennbar mit der Fähigkeit des Rests der globalen Gemeinschaft verbunden, die gemeinsamen Ziele in den Bereichen Klima und nachhaltige Entwicklung zu erreichen. (7) 

“Unsere indigene Lebensweise, unsere Kultur, unsere Identität sind vom Ökosystem abhängig. Das macht uns verwundbar.”

Hindou Oumarou Ibrahim (4) 

Mit westlichen Technologien und Indigenem Wissen gegen die Klimakrise  

Hindou Oumarou Ibrahim, Angehörige der nomadischen Gemeinschaft Mbororo im Tschad, findet Lösungen für die Krise in ihrer Heimat, indem sie traditionelles Wissen ihrer Vorfahren mit modernen Technologien in Verbindung bringt. (6)  Eines ihrer ersten Projekte war die Zusammenarbeit mit Meteorologen, um lokale, zeitnahe Vorhersagen zu erstellen, die ihre Gemeinde angesichts des Wetters, das durch die Klimakrise unberechenbarer wird, nutzen konnte. Daraus entstand ein SMS-basiertes Warnsystem, das sowohl die Stadtbewohner*innen als auch die Hirt*innen über schlechte Wetterbedingungen informiert. (4) 

Schlichterin von Konflikten 

Eines der hartnäckigsten Probleme der Sahelzone sind die Konflikte zwischen sesshaften, in der Landwirtschaft tätige Menschen und Nomad*innen um die rapide schwindenden Wasserressourcen. Der Tschadsee war einst einer der größten Seen in Afrika. In wenigen Jahrzehnten ist er jedoch auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft, was sich massiv auf das Leben von Fischer*innen, in der Landwirtschaft tätigen Menschen und Viehhirt*innen auswirkt. Bei einem Workshop für gleichgesinnte indigene Führungspersonen im Jahr 2010 lernte Ibrahim die partizipative Kartierung kennen, ein System, bei dem Gemeinschaften lokales Wissen und Geschichte mit den Werkzeugen der modernen Kartografie kombinieren, um die Bedürfnisse einer Region besser zu verstehen. (4)  

Beginnend in ihrer Gemeinde ließ sie Mitglieder auf Karten Höhenzüge, Flüsse und Viehkorridore dokumentieren. Frauen* vermerkten Quellen, an denen sie Wasser holten und Orte, wo sie Pflanzen für Medizin fanden. Dann wandte sie sich an Fischer, die Zugang zum Ufer benötigten sowie schließlich an Landwirt*innen, die Anbauflächen skizzierten. 3D-Landschaftsmodelle entstanden, die später digitalisiert wurden. Mit diesem Modell der verschiedenen Bedürfnisse ausgestattet, konnte sie jeder Gemeinschaft helfen, Kompromisse zu finden, die den Zugang zu Wasser ermöglichten und gleichzeitig Konflikte milderten. (4) (6)  

Zusätzlich diene die Karte aber auch als datierte Bestandsaufnahme natürlicher Ressourcen, mit dessen Hilfe künftige Veränderungen im Falle von Dürre und Überschwemmungen vorhergesagt werden können, die mit der Klimakrise immer wahrscheinlicher werden. Denn ein großer Teil der Widerstandsfähigkeit indigener Völker beruhe auf dem Wissen, was einen erwartet und der Vorbereitung darauf, so Ibrahim. (4)  

Indigene Gemeinschaften gehören zu denjenigen, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, aber sie können auch Lösungen anbieten. Das traditionelle, jahrhundertealte Wissen der indigenen Völker kann der Welt helfen, sich anzupassen.

Hindou Oumarou Ibrahim (2) 

Internationales Wirken  

Neben der Anpassung indigener Gemeinschaften an die Klimakrise ist Ibrahim auch gleichzeitig Expertin für das Thema Frauen und Klimakrise in Afrika. Auf internationaler Ebene repräsentiert sie bei UN-Klimaverhandlungen die Initiative indigener Völker und ist Koordinatorin der Organisation Indigenous Women and Peoples Association of Chad (AFPAT), die sich für die Belange indigener Frauen* einsetzt. (3) 

Für ihren Einsatz hat Ibrahim bereits einige internationale Preise und Ehrungen erhalten. So wurde sie 2019 mit dem Pritzker Emerging Environmental Genius Award ausgezeichnet, einem Umweltpreis, mit dem Menschen unter 40 geehrt werden, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Umwelt einsetzen. Im gleichen Jahr wurde sie zudem vom Time Magazine als eine von 15 Frauen* aufgeführt, die sich im Kampf gegen die Klimakrise engagieren. (5) 

Quellen

(1) Frankfurter Rundschau: Meine Gemeinschaft verschwindet (September 2019)
(2) Time: Meet 15 Women Leading the Fight Against Climate Change (September 2019)
(3) Oxfam: Aus dem Leben wird Überleben – Klimazeugen berichten  
(4) Time: An Advocate for Indigenous People Works to Unite Science and Local Knowledge (Oktober 2021) 
(5) Global Landscapes Forum: What are the main outcomes from UNCCD COP15?  
(6) Tagesspiegel: 500 Dollar und eine Kalaschnikow – Wie Terroristen vom Klimawandel profitieren (Juni 2021)
(7) Daijiworld: Public consultation to shape future carbon market (Juli 2022)   

Ghana: Schutz vor Kinderhandel sowie Früh- und Zwangsheirat

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e.V. fördert in der nördlichen Region Ghanas den Schutz vor Kinderhandel und Früh- bzw. Zwangsheirat, indem sie die lokale Bevölkerung und politische Akteure für Kinderrechte sensibilisiert.

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Ghana: Schutz vor Kinderhandel sowie Früh- und Zwangsheirat

In der Nordregion Ghanas leben fast 90% der Bevölkerung in ländlichen Gebieten. Verbreitete Armut, ein geringer Bildungsstand und wenig Aufklärung über die Gefahren für Kinder führen dazu, dass schädliche Praktiken, wie Kinderhandel (derzeit die drittgrößte kriminelle Aktivität weltweit) und Frühheirat, weit verbreitet sind. In der Projektregion wird jedes vierte Mädchen vor seinem 18. Geburtstag verheiratet. Damit verbunden sind sexuelle Ausbeutung, Frühschwangerschaften sowie häufige Schulabbrüche unter Mädchen – mit weitreichenden Folgen! Weniger als ein Drittel der Bevölkerung ist alphabetisiert und lediglich 37% davon sind Frauen. Trotz nationaler Gesetze, die Früh- und Zwangsheirat verbieten, werden in der Praxis oft weder Alter noch Zustimmung des betroffenen Mädchens berücksichtigt, dem dadurch die Chance auf (Aus-)Bildung und eine selbstbestimmte Zukunft genommen wird.

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e.V. setzt sich in der nördlichen Region Ghanas für die Förderung des Schutzes vor Kinderhandel und Früh- bzw. Zwangsheirat ein, indem sie das Bewusstsein für die Rechte von Kindern in den Projektdistrikten bei den für Kindesschutz verantwortlichen Akteuren von Staat und Zivilgesellschaft, Eltern sowie den Kindern selbst stärkt. 

Zur Umsetzung dieses Zieles wurde ein lokales Gemeinschaftsradio gegründet, das seit Ende April 2022 täglich auf Sendung ist. Die Radiosendungen teilen neben lokalen Nachrichten auch Beiträge zu Menschen- und Kinderrechtsthematiken. Diese werden in Englisch und den Lokalsprachen ausgestrahlt.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

Verfasst am 2.8.2022

Benin: Null Toleranz für sexuelle Gewalt!

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e.V. fördert in Benin den effektiven Schutz von Schüler*innen vor sexueller Gewalt über die landesweite Einführung eines Verhaltenskodex' an allen Grund- und Sekundarschulen.

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Benin: Null Toleranz für sexuelle Gewalt!

In Benin halten sexuelle Gewalt, Frühverheiratung und Frühschwangerschaften noch immer viele Kinder, insbesondere Mädchen, vom Schulbesuch ab und haben seit der Corona-Pandemie sogar noch einmal stark zugenommen. Schulen benötigen eine enge Begleitung für die Einführung und effektive Anwendung eines Verhaltenskodex und auch die Eltern und Gemeinden müssen verstärkt in den Kinderschutz mit einbezogen werden.

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e.V. fördert im Rahmen eines neuen Projekts den effektiven Schutz von Schüler*innen vor sexueller Gewalt über die Einführung eines landesweiten Verhaltenskodex‘ an allen Grund- und Sekundarschulen in Benin. Staatliche Akteure werden hierfür auf nationaler und lokaler Ebene mehr in die Verantwortung genommen. Die Begleitung der Schulen, Gemeinden und Akteure erfolgt in Kooperation mit anderen Organisationen der Allianz „Null Toleranz für sexuelle Gewalt“.

In diesem Zusammenhang wurden jugendliche Multiplikator*innen zu den Inhalten des Kodexes sowie Schutz- und Beschwerdemechanismen fortgebildet. Sie sollen diese in regelmäßigen Veranstaltungen an ihre Mitschüler*innen weitergeben und in ihrer Schule auf die Einhaltung des Kodexes achten.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Verfasst am 2.8.2022

Benin: Familienmediationen auf lokaler Ebene zur Förderung der elterlichen Verantwortung

Das elterliche Verantwortungsbewusstsein für Kinder und ihre Rechte ist im Projektgebiet gestiegen, die Gleichstellung der Frau (z. B. in Sorgerechtsfragen) bleibt aber problematisch.

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Benin: Familienmediationen auf lokaler Ebene zur Förderung der elterlichen Verantwortung

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e. V. hat gemeinsam mit ihrem Partner ESGB vor Ort in Benin eine Langzeitstudie in den Départements Ouémé und Plateau durchgeführt. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren wurden Eltern zu ihrer Auffassung von Verantwortungsbewusstsein für Kinder und ihre Rechte befragt.

Besonders im Plateau zeigte sich eine Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung hinsichtlich der Rechte der Kinder und der Verantwortlichkeiten der Eltern: Während 2019 noch 85% der befragten Eltern fanden, dass Gewalt in der Erziehung gerechtfertigt sei, konnten dies 2022 nur noch 9% bestätigen. Auch in Bezug auf das Empfinden der Minderjährigkeit lassen sich große Unterschiede feststellen: Nachdem in der ersten Umfrage 45% der Eltern des Plateau Kinder bis zum Alter von 18 Jahren als minderjährig bezeichneten, wuchs der Anteil in der neuesten Befragung auf 93%.

Die Umfrage bestätigt, dass in beiden Départements das Wissen um die Rechte der Kinder und die Pflichten der Eltern gestiegen ist. Allerdings muss die Sensibilisierungsarbeit zum Thema elterliche Mitverantwortung fortgeführt werden, da die Gleichstellung der Frau problematisch bleibt. In der Praxis ist zu beobachten, dass Mütter sowohl in der Erziehung ihrer Kinder, in der Hausarbeit als auch finanziell noch immer den größten Anteil stemmen. Ziel ist es, die Familienväter in diesem Bereich zu sensibilisieren, damit diese eine größere Mitverantwortung tragen. Es soll auch das Bewusstsein entstehen, dass die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft zu einer besseren Fürsorge der Kinder führt.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

Quelle: Kinderrechte Afrika e. V:

Verfasst am 28. Juli 2022

Film: „Eine neue Ära für Haushaltshilfen“

Awa, ein Mädchen aus der Ortschaft Bla, verlässt ihre Familie, um in Bamako Arbeit zu suchen. Mit Hilfe ihrer Tante gelangt sie nach Bamako, wo sie von einer Frau eingestellt wird. So beginnt Awas Leidensweg.

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Awa

Film: „Eine neue Ära für Haushaltshilfen“

Gemeinsam mit dem Netzwerk COMADE und unserer Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e. V. entstand der Film „Eine neue Ära für Haushaltshilfen“. Am Beispiel der jungen Awa aus Mali, die ihr Heimatdorf verließ, um sich in Bamako etwas Geld für die Mitgift zu verdienen, zeigt er eindrücklich die verzweifelte Situation vieler Haushaltshilfen in Westafrika – oft misshandelt, ausgebeutet und vergewaltigt.

Der Film in Lokalsprache mit französischem Untertitel zeigt auch die Aktionen, die unser*e Partner*in GRADEM gemeinsam mit dem Bündnis unternimmt, um die Situation von Mädchen in Mali zu verbessern. Viele Jahre lang haben wir mit GRADEM Projekte zur Unterstützung minderjähriger Haushaltshilfen in Bamako durchgeführt und für sie auch das Schutzzentrum „Bamunan“ gebaut.

Hier geht´s zum Film.

Verfasst am 26. Juli 2022

Togo: Sensibilisierung für lokale Unterstützung von Kinderschutzeinrichtungen

Unsere Mitgliedsorganisation Kinderrechte Afrika e. V. setzt sich im Togo für den Aufbau und Ausbau von verschiedenen Kinderschutzzentren ein. Die Unterstützung und Einbindung der jeweiligen Gemeinden ist dabei ein wichtiges Anliegen.   

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Togo: Sensibilisierung für lokale Unterstützung von Kinderschutzeinrichtungen

Zwei Jahre lang mussten Sensibilisierungen auch in Togo immer wieder aufgeschoben werden. Nun konnten die in unserem Projekt geförderten Kinderschutzeinrichtungen endlich die ersten Veranstaltungen in ihren Gemeinden durchführen. Sie erklärten die Rolle der Einrichtungen, ihre aktuellen Schwierigkeiten und den Bedarf an Unterstützung.   

Kinderrechte Afrika e. V. unterstützt in ihrem aktuellen Projekt sechs Kinderschutzeinrichtungen und unterstützt diese mithilfe des bereits bestehenden Zentrum Kandyaa, welches mit einem gemeinsamen Projekt mit CREUSET aufgebaut wurde. Die Erfahrungen beim Aufbau, Führen und Verwalten sollen nun auch den anderen Einrichtungen zugutekommen.  

In Togo leben viele Kinder in prekären Notsituationen, auf der Straße, in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, werden aufgrund von Anschuldigungen der Hexerei von ihren Familien oder Stieffamilien verstoßen, misshandelt oder geraten in die Hände von Kinderhändlern. 

Ca. 4.000 dieser Kinder finden derzeit Zuflucht in Kinderschutzzentren. 

Viele Kinder, die in Not geraten, werden von Sozialarbeiter*innen, Richter*innen, Polizeieinheiten oder anderen Akteur*innen an CREUSET vermittelt, dessen Zentrum Kandyaa landesweit einen guten Ruf für die Aufnahme und Begleitung von Kindern in Not hat. Dadurch kommt Kandyaa aber auch täglich an die Grenzen der Kapazitäten. In Togo besteht daher ein großer Bedarf an weiteren leistungsfähigen Einrichtungen für den Kinderschutz. Das Projekt trägt dazu bei, den institutionellen zivilgesellschaftlichen Kindesschutz in 3 der 5 Regionen Togos zu stärken. 

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

Verfasst am 25. Juli 2022

Mega-Staudämme – Grüne Energie oder Umweltsünde?

Wasserkraft wird oft als umweltfreundliche und klimaneutrale Energie gehandelt. Doch durch den Bau großer Staudämme werden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, Tier- und Pflanzenarten bedroht und Klima und Umwelt in Mitleidenschaft gezogen.

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Mega-Staudämme – Grüne Energie oder Umweltsünde?

Seit tausenden von Jahren stauen Menschen Flüsse, um Felder zu bewässern oder Mühlräder anzutreiben. Mittlerweile wird jeder zweite Fluss der Erde durch einen Staudamm reguliert. Etwa 50.000 große Staudämme gibt es weltweit. Heute dienen sie in erster Linie der Stromerzeugung. Vom Bau der Staudämme werden sich wirtschaftliche Entwicklung, Jobs und ein höherer Lebensstandard versprochen. (1) In Ländern wie Malawi, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Mosambik, Uganda und Sambia liegt der Anteil der Wasserkraft an der Stromversorgung laut der Internationalen Energie Agentur (IEA) bei 80 Prozent. (4) Der aus den Staudämmen generierte Strom wird häufig als “grün” und klimaneutral bezeichnet. Auf den ersten Blick scheint dies nachvollziehbar, da die Stromerzeugung kein Kohlendioxid ausstößt. Bei genauerer Betrachtung werden jedoch die negativen Auswirkungen offensichtlich: Große Staudämme rund um den Globus zerstören den Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten, vertreiben Menschen aus ihrer Heimat und sind darüber hinaus in der Gesamtbilanz alles andere als klimaneutral. (1) 

“Der schlimmste Eingriff in die Natur” 

Die Organisation River Watch nennt Staudämme “eine der schlimmsten Eingriffe in die Natur” und International Rivers spricht von “verheerenden Folgen” für Umwelt, Natur und Menschen. (1) Durch das Blockieren und Umleiten von Flüssen verändert sich das gesamte Fluss-Ökosystem. Diese Veränderung führt dazu, dass die Biodiversität abnimmt, weil Tier- und Pflanzenarten verdrängt oder gar ausgerottet werden. Durch die Reduzierung der Wasserfließgeschwindigkeit und dadurch, dass sich stehende Gewässer schneller erwärmen, wird das Wachstum von giftigen Algen begünstigt. Die Wasserqualität verschlechtert sich. (2) So sind viele Fischarten bedroht, weil die Bauwerke ihre Wanderwege zu den Laichgebieten blockieren und/oder sie durch die verschlechterte Wasserqualität in dem Gewässer nicht mehr lebensfähig sind. (1)  

“Flüsse sind die Lebensadern unserer Ökosysteme. Staudämme sind für sie der Super-GAU, da sie lebendig fließende Flüsse in stagnierende Stauseen verwandeln.”

Theresa Schiller, WWF-Süßwasserexpertin (3)

Darüber hinaus ist das Ausmaß der Waldvernichtung für den Bau der Mega-Staudämme immens. Straßen werden in bislang unerschlossene Gebiete gebaut und für Stromleitungen werden hunderte Kilometer lange Schneisen geschlagen. Auch am Unterlauf gestauter Flüsse wird die Natur in Mitleidenschaft gezogen. Viele Ökosysteme werden dort durch den jahreszeitlichen Wechsel von Trockenheit und Hochwasser geprägt. Dieser bleibt durch Staudämme aus oder wird geringer. Sedimente, die nach Überschwemmungen abgelagert werden und zur Fruchtbarkeit von Flussebenen beitragen, gehen verloren. In einigen Flüssen erreicht so wenig Wasser das Meer, dass das Delta schrumpft und Meerwasser ins Landesinnere vordringt. Zusätzlich gehen Geologen davon aus, dass Staudämme Erdbeben verursachen. (1) 

Staudämme und die Klimakrise  

Die Produktion von Strom durch Staudämme wird als nachhaltig und “grün” gepriesen, da dabei kein CO2 ausgestoßen wird. Sie sind aber alles andere als klimaneutral. Stauseen stoßen in erheblichem Umfang das klimaschädliche Gas Methan aus, welches entsteht, wenn Pflanzen in die Seen geschwemmt werden und dort verrotten. Insgesamt verursachen Staudämme vier Prozent des Ausstoßes von Klimagasen. Das entspricht in etwa genauso viel CO2 wie dem des Flugverkehrs. (1)  

Während sie einerseits zur Klimakrise beitragen, sind sie gleichzeitig von dieser bedroht. Denn klimabedingte Dürreperioden sowie Starkregen und Überflutungen sorgen für Einbrüche in der Wasserkrafterzeugung. So wurden zum Beispiel in Malawi durch Überschwemmungen nach dem Zyklon Idai im März 2019 zwei große Wasserkraftwerke beschädigt, wodurch die Stromversorgung in Teilen des Landes für mehrere Tage zusammenbrach. Da die sich ändernden klimatischen Bedingungen beim Bau der Staudämme oft nicht berücksichtigt werden, können der Strom und die mit diesem verbundenen Versprechen, häufig nicht eingehalten werden. (4)  

Folgen für die Menschen  

Während die Einwohner*innen in den Metropolen vermeidlich von der billigen Stromerzeugung durch die Staudämme profitieren, haben die Menschen im Gebiet um das Staudammprojekt das Nachsehen. Nach Schätzungen der Organisation World Commission on Dams (WCD) haben 40 bis 80 Millionen Menschen wegen Staudammprojekten ihre Heimat verloren, wurden vertrieben oder umgesiedelt.  Vor allem Indigene, Fischer*innen und Kleinbauer*innen sind betroffen. Sie verlieren nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern oft auch ihre kulturellen Wurzeln. Im Unterlauf der Flüsse werden weitere 500 bis 700 Millionen Menschen in Mittleidenschaft gezogen. Der durch Staudämme gestörte Transport von Sedimenten führt zum Beispiel zu sinkenden landwirtschaftlichen Erträgen. Zudem tragen Staudämme zur Verbreitung von Krankheiten bei, da am Unterlauf Überschwemmungen ausbleiben und so mehr Mückenlarven überleben. Widerstand gegen geplante Staudammprojekte wird durch die Polizei, das Militär und private Sicherheitsdienste teilweise gewaltsam niedergeschlagen. (1) 

Das Beispiel der Wasserkraft zeigt, dass erneuerbare Energien nicht immer gleichzusetzen sind mit umweltfreundlicher und klimaneutraler Energie. So macht Thilo Papacek von der deutschen Nichtregierungsorganisation Gegenströmung, die sich für sozial- und umweltverträgliches Handeln deutscher Akteure im Ausland einsetzt, deutlich, dass eine vermehrte Investition in den Ausbau der Wasserkraft beim Ausstieg aus den fossilen Energieträgern fatal wäre. Ein kompletter Verzicht auf Wasserkraft scheint wenig realistisch. Doch es muss sich die Frage gestellt werden, wo und wie gebaut wird und wie die Wasserkraftwerke in Zukunft betrieben werden sollen. (4)  

Quellen

(1) regenwald.org: Staudämme – Fragen und Antworten

(2) Wild Recreation: Warum Wasserkraftwerke negative Umweltauswirkungen haben (Mai 2019)  

(3) WWF: VerDammte Schutzgebiete (März 2021)  

(4) Deutsche Welle: Klimawandel – Welche Zukunft hat die Wasserkraft? (September 2021)  

Verfasst am 14. Juli 2022

Dürre in Ostafrika: Kurz- und langfristige Maßnahmen für mehr Klimaresilienz

Die Auswirkungen der Dürre in Ostafrika sind immens. Doch kurz- und vor allem langfristige Maßnahmen können auch in Zukunft ein Leben in den Dürregebieten ermöglichen.

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Dürre in Ostafrika: Kurz- und langfristige Maßnahmen für mehr Klimaresilienz

Am Horn von Afrika herrscht momentan die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Vier Regenzeiten sind ausgefallen, was zwei Jahren ohne ausreichend Regen entspricht. Die Folgen des fehlenden Niederschlags sind immens: Es kommt zu Ernteeinbußen von bis zu 87 Prozent, etwa 20 Millionen Menschen in Kenia, Äthiopien und Somalia sind von Hunger bedroht, über eine Millionen Menschen hat die Dürre bereits vertrieben und mehr als drei Millionen Tiere sind verendet. Hilfsorganisationen sprechen von einer humanitären Krise und der Krieg in der Ukraine verschlimmert den Hunger nochmal mehr. (1)(2) Wenn die derzeitige Erderhitzung anhält, könnten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts bis zu acht Prozent der Weltbevölkerung – also doppelt so viele Menschen wie heute – von extremen Dürren bedroht sein. Ohne effektive Klimaschutzmaßnahmen und Ressourcenerhalt wird die globale Wasserknappheit katastrophale Auswirkungen haben. (3) 

Wie genau sich Dürren in Zukunft durch die Klimakrise verändern werden, welche Folgen Dürren abseits des Hungers haben und wie die Menschen ihr Leben umstellen müssen thematisiert Julian Hilgers im 55 Countries-Afrika-Podcast mit seinen Gesprächspartner*innen Rahel Laudin, Forscherin am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), und Sam Ombeki, Projektreferent unserer Mitgliedsorganisation Care im Osten von Kenia.  

Bekannte Wetterphänomene verstärkt durch die Klimakrise  

In Ostafrika gibt es zwei Regenzeiten – den sogenannten kurzen und den langen Regen. Zwar wurde die Region auch in der Vergangenheit schon oft von Dürren heimgesucht. In den letzten Jahrzehnten hat die Periode des langen Regens jedoch an Niederschlag eingebüßt. Dies bedeutet, dass Dürren in langen Regenzeiten zunehmen, intensiver und langanhaltender sind und häufiger auftreten. Zwar sollen die Niederschläge laut Prognosen in Zukunft wieder zunehmen, aber auch die Temperatur steigt immer weiter an. Das Wasser aus dem Niederschlagsregen verdunstet durch die hohen Temperaturen und ist nicht mehr für die Pflanzen verfügbar. Diese produzieren in der Folge weniger Biomasse, was wiederum zu schlechten Ernten führt. Die Ernährungsunsicherheit nimmt zu. Darüber hinaus und damit verbunden führt die Dürre u.a. zu Migration, zunehmenden Konflikten um Ressourcen, Kinderehen und häuslicher Gewalt und schadet der Schulbildung. (1) Ausführlicher haben wir bereits im März über die Auswirkungen der Dürre in Somalia, vor allem auf Frauen und Kinder, geschrieben. Den Artikel dazu finden Sie hier.

Lösungsansätze – Kurz- und langfristige Anpassungsmaßnahmen  

Kurzfristig braucht es vor allem humanitäre Hilfe in Form von Bargeldzahlung oder Nahrungsgütern. Kurz- und mittelfristig ist eine Anpassung der Landwirt*innen an die trockenen Verhältnisse vor Ort notwendig. Dafür gibt es laut Laudin vielfältige Möglichkeiten: Dazu gehören der Anbau von trockenresistenten Pflanzen, Frühwarnsysteme sowie die Bearbeitung des Bodens auf eine Art, die zu weniger Wasserverlust führt. Darüber hinaus wird es transformative, gesellschaftlich sehr weitreichende, Prozesse geben müssen, die über die Suche von anderen Anbaugebieten und den Anbau anderer Pflanzen, bis hin zu den Möglichkeiten von Einkommensgenerierung jenseits der Landwirtschaft reichen. (1) 

Beispiel Kenia – Erfolgreiche Resilienzbildung 

Unsere Mitgliedsorganisation Care ist in Kenia tätig. Neben unmittelbarer Hilfe in Form von Nahrung und Geld geht es der Organisation auch darum, langfristige Maßnahmen, z.B. bei der Wasserversorgung, zu implementieren. Ein Großteil der Menschen in Kenia und anderen Teilen Ostafrikas lebt von der Landwirtschaft. Künstliche Bewässerungsanlagen, wie es sie hierzulande gibt, gibt es dort fast nie. Das Ziel ist es, die Landwirtschaft resistenter zu machen, dürreresistente Pflanzen einzusetzen und künstliche Bewässerungsanlagen zu bauen. Laut Ombeki haben einige der Maßnahmen bereits dazu beigetragen, den Widerstand gegen die Dürreperioden zu erhöhen: “Wenn ich Somalia, Kenia und Äthiopien sehe, dann sind Kenianer*innen relativ wenig von der Dürre betroffen. Daraus kann man schließen, dass unsere Arbeit zur Resilienz bereits Früchte trägt.”. Dies zeigt, dass auch langfristig ein Leben in den Dürregebieten Ostafrikas möglich sein kann. Die Art, wie Menschen dort leben, wird sich aber eben verändern müssen. Denn die Klimakrise wird weiter dafür sorgen, dass extreme Wetterbedingungen weiter zunehmen. (1)

Quellen  

  1. Julian Hilgers: 55 Countries – der Afrika-Podcast: Was bedeutet die Dürre für Ostafrika? (Juni 2022) 
  1. Neue Zürcher Zeitung: Dürre in Afrika (Mai 2022) 
  1. Potsdam Institut für Klimaforschung: Durch den Klimawandel wird sich die Zahl der von extremer Dürre bedrohten Menschen voraussichtlich verdoppeln (Januar 2021) 

Verfasst am 13. Juli 2022

Nigeria: Krise als Treiber der Mobilitätswende

Krisen haben auch gute Seiten, und zwar immer dann, wenn aus der Not eine Tugend gemacht wird. Mit ThinkElectric Africa, einer gemeinnützigen Organisation die sich zum Ziel gesetzt hat, den Übergang Afrikas zu erneuerbaren Energien und nachhaltigem Verkehr zu beschleunigen, ist dem Nigerianer Olukokun Tolulope genau das gelungen.  

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Nigeria: Krise als Treiber der Mobilitätswende

Energieknappheit führte zu Innovation 

Am 1. Januar 2012 verkündete der damalige nigerianische Präsident Goodluck Jonathan die Abschaffung der staatlichen Kraftstoffsubventionen, was eine Erhöhung des Benzinpreises zur Folge hatte. Daraufhin überlegte Olukokun Tolulope, wie er ohne Benzin zu seinem Büro kommen könnte und beschloss, ein Unternehmen für Elektrofahrzeuge zu gründen. Seine aus dieser Idee entstandene gemeinnützige Organisation ThinkElectric Africa hat das Ziel, den Übergang Afrikas zu erneuerbaren Energien und nachhaltigem Verkehr zu beschleunigen. (1) 

Lokal produzierte Elektrofahrräder  

Unter dem Namen ThinkBikes Africa, einem Subunternehmen von ThinkElectric Africa, werden lokal produzierte Elektrofahrräder auf den Markt gebracht. Das erste Produkt ist ein elektrisches Lastendreirad, das auf die aufkeimende Liefer- und Logistikbranche abzielt. Über 90 Prozent der Komponenten der Fahrräder stammen aus der Region, darunter die Karosserie, die Räder und die Batterien. Nur die Elektromotoren werden importiert. Die Akkus werden aus recycelten Materialien aus alten Laptops hergestellt – ein gutes Beispiel dafür, wie Elektromobilität die Kreislaufwirtschaft fördern und den negativen Folgen des Materialabbaus für Akkus entgegengewirkt werden kann. Durch den Zusammenbau von Akkupacks aus wiederverwendeten Zellen können die Kosten der Produkte zudem erheblich gesenkt werden, sodass sie für ihren Zielmarkt erschwinglicher werden. (3)  

Vorteile für Unternehmen, die Gesellschaft und das Klima  

ThinkBikes richtet sich vor allem an kleine bis mittlere Unternehmen in Nigerias boomender Logistik- und Lieferindustrie. Dazu gehören zum Beispiel Landwirt*innen, landwirtschaftliche Verarbeitungsbetriebe und Einzelhändler*innen. Die Vorteile der elektrischen Dreiräder liegen auf der Hand: Sie sind in der Logistik und im Vertrieb schneller und viel sauberer als herkömmliche Lieferwagen, haben niedrige Betriebskosten und sind so klein, dass man sich auch in den verstopften Stadtzentren gut zurechtfinden kann und haben darüber hinaus eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern im leeren und 60 Kilometern im beladenen Zustand. (2) (3) 

Einen wichtigen Zusatznutzen bieten die Fahrräder auch im Zusammenhang mit Nigerias Kraftstoffabhängigkeit. Zwar ist das Land der größte Erdölproduzent Afrikas. Doch mangelnde Raffineriekapazitäten führen dazu, dass es häufig Probleme mit der Kraftstoffversorgung gibt. Die elektrischen Fahrräder könnten auf lange Sicht zur Verringerung der Energieimporte beitragen. Außerdem schafft die Produktion lokale Arbeitsplätze und sorgt für grünes Wachstum.  

Weitere Vorteile sind weniger Lärmbelästigung, weniger CO2-Emissionen und weniger Gesundheitsrisiken durch herkömmlichen Verkehr. (1)  

Projekte der Zukunft  

Neben dem Elektrofahrradgeschäft prüft ThinkElectrics auch andere potenzielle Projekte. So hat das Unternehmen zum Beispiel zahlreiche Anfragen möglicher zukünftiger Kund*innen aus der Fischereiindustrie und dem Handel mit verderblichen Waren erhalten und arbeitet an der Entwicklung von Kühlboxen und Kühlschränken, die mit Solarzellen betrieben werden. Dies kann einen großen Beitrag zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung leisten. (3) 

Junge Unternehmer*innen wie Tolulope sind das Lebenselixier einer jeden Wirtschaft. Sie kurbeln die lokale Wirtschaft an und tragen dazu bei, eine Gemeinschaft von Menschen aufzubauen, die über die notwendigen Fähigkeiten, Ressourcen und Netzwerke verfügt, um die Herausforderungen der Klimakrise zu bewältigen. 

Quellen

(1) All Africa: Nigeria: How Nigeria’s Petrol Crisis Inspired Locally Produced Electric Bicycles #AfricaClimateCrisis (Juni 2022)
(2) Clean Technica: ThinkBikes Nigeria Starts Delivering Its Locally Produced Electric Cargo Tricycles To Customers (Mai 2022)
(3) Clean Technica: ThinkBikes Nigeria Is Launching Locally Produced Electric Tricycles (Januar 2022) 

Verfasst am 11. Juli 2022

Öl-Pipeline durch Ostafrika – Welche Akteure sind die größten Profiteure?

In Uganda soll Öl gefördert werden mit dramatischen Auswirkungen für Menschen, Tiere, Umwelt und Klima. Wer profitiert am Ende vom Ölreichtum?

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Öl-Pipeline durch Ostafrika – Welche Akteure sind die größten Profiteure?

Vor 16 Jahren, im Jahr 2006, wurde am Lake Albert im Westen Ugandas eines der größten Öl-Vorkommen in Subsahara-Afrika entdeckt. Mehr als 15 Jahre später läuft ein Großprojekt, um dieses Öl weltweit zu verkaufen: Die East African Crude Oil Pipeline (EACOP) soll über eine Distanz von 1.443 Kilometer täglich 216.000 Barrel aus den Ölfeldern Tilenga und Kingfisher in Uganda zum Exporthafen Tanga in Tansania transportieren. Im Februar dieses Jahres unterzeichneten der französische Energieriese TotalEnergies und das chinesische Unternehmen China National Offshore Oil Cooperation (CNOOC) gemeinsam mit führenden Politiker*innen aus Uganda und Tansania eine endgültige Investitionsentscheidung für das Projekt. Damit ist die längste beheizte Pipeline der Welt einen weiteren Schritt auf dem Weg zu ihrer Verwirklichung vorangekommen. Der Baubeginn ist für 2023 geplant, ab 2025 soll das Öl fließen. (1) (2)

Auswirkungen für Mensch, Tier und Umwelt

Doch Umwelt-, Klima- und Menschenrechtsaktivist*innen schlagen Alarm. Den Prognosen zufolge wird EACOP zum einen lebenswichtige, international anerkannte Ökosysteme in Mitleidenschaft ziehen. So wirkt sich der Bau der Pipeline auf etwa 2.000 Quadratkilometer geschützte Wildtierräume aus. Darüber hinaus werden ökologisch und biologisch bedeutsame Meeresgebiete bei der Umladung am Hafen von Tanga in Tansania gefährdet. Darüber hinaus wird ein Drittel der geplanten Pipeline durch das seismisch aktive Rift Valley und das Becken des Viktoriasees, Afrikas größten Süßwassersee, verlegt. Die Route wird außerdem zahlreiche Wasserläufe durchqueren, wobei eine kostengünstige Methode angewandt wird, die nicht den besten Praktiken der Branche entspricht und die Wahrscheinlichkeit eines Öllecks oder einer Ölpest und damit die Gefahr einer Wasserverschmutzung erhöht. Dies wird sich auf die Wasserversorgung von mehr als 40 Millionen Menschen auswirken. Neben der gefährdeten Wasserversorgung verlieren tausende Familien durch erzwungene Umsiedlung ihr Land, die physische und wirtschaftliche Vertreibung weiterer zehntausender Menschen wird erwartet. Entschädigt werden nur wenige von ihnen. Auch indigene Völker sind davon betroffen. (2)

EACOP-Öl-Pipeline durch Uganda und Tansania ©Wikimedia Commons

Wie neun Kohlekraftwerke…

Bei maximaler Produktion wird die Pipeline jährlich Kohlenstoffdioxidemissionen verursachen, die in etwa der CO2-Bilanz von neun Kohlekraftwerken entsprechen, bzw. dem Siebenfachen der derzeitigen Emissionen Ugandas. Die Emissionen über die gesamte Wertschöpfungskette, die den Bau, den Betrieb, die Raffination und die Produktnutzung während der 25-jährigen Lebensdauer des Projekts umfasst, werden auf 378 Millionen Tonnen CO2 geschätzt. Damit ist der Bau von EACOP unvereinbar mit der 1,5°C-Grenze, die im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegt wurde. (2)

Wer profitiert?

Bei all den negativen Folgen des Projekts stellt sich die Frage, warum weiterhin, vor allem von ugandischer Seite, am Bau der Pipeline festgehalten wird. Die Antwort scheint zunächst schlüssig: Der Ölreichtum soll v.a. Uganda aus der Armut helfen und wirtschaftliche Unabhängigkeit schaffen. Total und CNOCCC gehen davon aus, dass das Ölprojekt 150.000 neue Arbeitsplätze schaffen wird – 15.000 davon sind “direkte Arbeitsplätze”, 35.000 “indirekte Arbeitsplätze” außerhalb der Ölfelder und der Pipeline und 100.000 sogenannte “induzierte Arbeitsplätze” – Arbeitsplätze, die entstehen, wenn der Ölreichtum von Einzelpersonen oder der Regierung vor Ort investiert wird. So weit so gut. Doch von den versprochenen 15.000 direkten Arbeitsplätzen können den Prognosen zufolge nach Abschluss der Bauarbeiten nur 3500 bestehen bleiben. Es stellt sich die Frage, inwieweit Menschen von solchen befristeten Arbeitsplätzen wirklich profitieren. Und auch stellt sich die Frage, wie verlässlich die Prognosen sind, die darauf basieren, dass Menschen ihr Einkommen vor Ort ausgeben. Weiterhin sagen diese Zahlen nichts über die Nationalität der künftigen Mitarbeitenden aus. In Prognosen von Total und CNOOC heißt es, etwa 57 Prozent der direkten Arbeitsplätze gingen an ugandische Menschen – also gerade einmal etwas mehr als die Hälfte. (3) Vom Ölreichtum kommt bei den Einheimischen also nicht viel an. Wo aber dann?

Internationale Akteure sind die größten Profiteure

Die beiden Investoren, Total und CNOOC, sind an der Börse registriert. Das bedeutet, dass die Aktionäre an den Gewinnen des Projekts verdienen. Die größte bekannte Aktionärsgruppe von Total sind Mitarbeitende über sog. Beteiligungsprogramme. Und bei CNOOC ist es die Volksrepublik, die an Projektgewinnen verdient, denn 64,4 Prozent des Unternehmens sind im Besitz des chinesischen Staates. Darüber hinaus sind an beiden Unternehmen große Vermögensverwaltungsgesellschaften beteiligt. Die Kund*innen dieser leben auf der ganzen Welt. 2012 verhandelte Uganda mit den beteiligten Firmen, dass bei Ölprojekten, die mehr als 350 Millionen Barrel im Land fördern, der Staat mit 15 Prozent beteiligt ist – Ugandas Bürger*innen bekommen damit also genau den Mindestanteil, obwohl sie es sind, die die Umweltrisiken und Menschenrechtsverletzungen am Ende tragen. (3)

Kampagnen gegen die Pipeline

Die internationale Kampagne #StopEACOP gegen das Projekt, die sich gezielt an Banken und Versicherungen wendet, um sie davon zu überzeugen, das Projekt nicht zu finanzieren hat bereits dafür gesorgt, dass der Finanzierungsprozess langsam und komplex verlaufen ist. Von der Gruppe der 35 wichtigsten Finanziers von Total haben 20 – darunter zuletzt die Deutsche Bank – die Finanzierung der Pipeline ausgeschlossen. Expert*innen sind jedoch der Meinung, dass einige der Kreditgeber wieder einsteigen könnten, wenn Total auf dem Weg zu einem kohlenstoffarmen Übergang ist. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass sich große Versicherungsunternehmen an EACOP beteiligen, bei denen die Aktivist*innen nun die gleiche Strategie anwenden, wie bei den Banken. Trotz der Undurchsichtigkeit der Finanzwelt bleiben viele Aktivist*innen optimistisch, dass sie das Megaprojekt noch stoppen könnten. Gleichzeitig scheinen aber die beiden Ölgiganten ebenso zuversichtlich und entschlossen zu sein, enorme Gewinne aus dem Projekt zu ziehen. (4) (5)

Quellen

(1) Center for International Environmental Law: Japanese Bank Financing of the East African Crude Oil Pipeline (EACOP) (Juni 2022)

(2) Julian Hilgers – 55 Countries der Afrika Podcast: #14 EACOP: Warum will Uganda Öl fördern? (Juni 2022)

(3) Tagesspiegel: EACOP-Pipeline durch Ostafrika – Wer profitiert vom neuen Öl? (Juni 2022)

(4) African Arguments: The bold campaign to defund the East African Crude Oil Pipeline (Juni 2022)

(5) The East African: Eacop’s $5b financing headache as environment activists pile pressure (Mai 2022)

Verfasst am 6. Juli 2022

VENRO – G7-Abschlusserklärung: Finanzielle Zusagen allein machen die Welt nicht gerechter

In seiner Pressemitteilung zum Abschluss des G7-Gipfeltreffens in Elmau fasst der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Zusammenarbeit – kurz VENRO – die Stellungnahme der Civil 7 – einem Zusammenschluss internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen und eine der Dialoggruppen der G7-Präsidentschaften – zusammen. VENRO und das Forum Umwelt & Entwicklung koordinieren den diesjährigen internationalen Civil7-Prozess.

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VENRO – G7-Abschlusserklärung: Finanzielle Zusagen allein machen die Welt nicht gerechter

Die Civil 7 bewerten die finanziellen Zusagen der G7 für Infrastruktur und Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern als positiv. Kritisch sehen sie jedoch die fehlenden Bekenntnisse zu einer nachhaltigen und fairen Gestaltung des Welthandels.

Mathias Mogge, Vorstandsvorsitzender von VENRO bewertet den Plan, 4,5 Milliarden US-Dollar für die Ernährungssicherheit bereit zu stellen, als erstes positives Ereignis des G7-Gipfels. Strukturellen Problemen des Ernährungssystems und des Welthandels wurde dagegen leider kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dies sei fatal, da der Grund der akuten Ernährungskrise neben Klimakrise und Konflikten auch ein Handelssystem sei, das die Interessen der Länder im globalen Süden nicht ausreichend berücksichtige. Klare Bekenntnisse dazu fehlen in der Anschlusserklärung der G7.

Auch die klimapolitischen Ergebnisse des G7-Gipfels haben die Erwartungen der zivilgesellschaftlichen Organisationen nicht erfüllt, da sich die G7 nicht zu einem Kohleausstieg bis 2030 bekannt haben und darüber hinaus vorübergehend in Kohle und Gas investiert werden soll. „Das ist ein Schritt in die falsche Richtung angesichts der früheren Verpflichtung der G7 aus der internationalen Finanzierung fossiler Energien auszusteigen“ fasst Mogge zusammen.

Das Investitionsvorhaben von 600 Milliarden US-Dollar in Infrastrukturprojekte bewertet die C7 als positiv und betont ihre dringliche Notwendigkeit, da allein schon für die globale Energiewende bis 2030 in Entwicklungsländern jährlich mehr als eine Billion Dollar an Investitionen benötigt werden.

Die Positionen der C7 zu den Themen Klima und Umwelt, Wirtschaft, Gesundheit, Humanitäre Hilfe und Demokratie, ihre Empfehlungen an die G7 und weitere Informationen zum Civil7 Prozess finden Sie hier.

Die Original-Venro-Stellungnahme finden Sie hier.

Verfasst am 4. Juli 2022

Save the Okavango Delta

Das Okavango Delta bietet (bedrohten) Tieren, Pflanzen und Menschen einen einzigartigen Lebensraum. An diesem noch nahezu unberührten Ort will das kanadische Öl- und Gasexportunternehmen Recon Africa nun Ölbohrungen durchführen, mit wahrscheinlich katastrophalen Folgen für Mensch und Tier.

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Okavango Delta Luftaufnahme

Save the Okavango Delta

Das Okavango-Delta im Nordwesten Botswanas ist mit 15.000 Quadratkilometern das größte Binnendelta der Welt. Das Feuchtgebietssystem, bestehend aus permanenten Sumpfgebieten und saisonal überfluteten Ebenen, ist fast so groß wie Schleswig-Holstein und sieht vom Weltraum aus wie der Fußabdruck eines Vogels. Der längste in das Delta mündende Okavango-Fluss ist mit seinen ca. 1700 Kilometern der viertgrößte Fluss im südlichen Afrika und fließt unter anderem durch Angola und Namibia. (1) (2)

Das Okavango Delta sieht aus dem Weltraum aus wie der Fußabdruck eines Vogels (©Flickr/ Stuart Rankin)

Eine Oase für Mensch und Tier

Eines der einzigartigen Merkmale des Gebiets ist, dass die jährlichen Überschwemmungen des Flusses während der Trockenzeit stattfinden, sodass die einheimischen Pflanzen und Tiere ihre biologischen Zyklen mit diesen saisonalen Regenfällen und Überschwemmungen synchronisiert haben. So konnte das Delta das Zuhause von vielen (teils bedrohten) Tierarten werden, darunter auch den sogenannten „Big Five“ – Elefanten, Löwen, Nashörner, Büffel und Leoparden. (2) Fünf der an das Gebiet angrenzenden Länder – Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe – haben sich zusammengetan, um die Region um das Delta zu schützen. Das sogenannte Projekt Kavango Zambezi (Kaza) umfasst insgesamt 520.000 Quadratkilometer und ist damit das größte länderübergreifende Naturschutzgebiet der Welt. Grenzzäune wurden vielerorts abgebaut, sodass Wildtiere wandern und dem Wasser ohne Hindernisse folgen können. Vor allem die afrikanischen Elefanten haben so mehr Freiraum und Konflikte mit Menschen werden seltener. Das Projekt soll außerdem den Tourismus fördern, um die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen zu fördern. (3)(4)

Doch nicht nur Tiere und Pflanzen sind auf die einzige Wasserquelle in einem der sonst trockensten Teile Afrikas angewiesen: Das Okavango-Delta ist auch die Hauptwasserquelle für die lokalen Gemeinschaften. Seit Jahrhunderten ist das Gebiet von einer kleinen Zahl von Ureinwohner*innen bewohnt, wobei die verschiedenen Gruppen ihre kulturelle Identität und ihren Lebensstil an die Nutzung bestimmter Ressourcen wie Fischfang oder Jagd angepasst haben. Heute befinden sich an den Rändern des Beckens gemischte Siedlungen von Ureinwohner*innen und späteren Einwanderer*innen in diesem Gebiet. (2)

Das Okavango Delta beherbergt die weltweit höchste Anzahl von Elefanten (©Pixabay)

Aufgrund seiner herausragenden und einzigartigen ökologischen Bedeutung wurde das Delta 2014 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. (2)

Ölförderung im Okavango Delta

In diesem so sensiblen Umweltgebiet will das kanadische Öl- und Gasexportunternehmen Recon Africa nun Ölbohrungen durchführen. Mitte April 2021 gab das Unternehmen bekannt, dass die ersten Testbohrungen das Vorhandensein „eines funktionierenden Erdölsystems bestätigen“. Zum Zweck der Ölförderung wurde daraufhin ein riesiges Gebiet von knapp 35.000 Quadratkilometern in Namibia und Botswana lizensiert, das direkt an das Okavango-Feuchtgebiet grenzt und sich mit dem Kavango-Zambesi-Projektgebiet überschneidet. Das Unternehmen schätzt, dass das Becken 120 Milliarden Barrel Öl liefern könnte, was es zu einem der größten globalen Ölfunde der vergangenen Jahrzehnte machen würde. Bei wirtschaftlichem Erfolg erhält Recon Africa eine Produkionslizenz über 25 Jahre und plant dann, hunderte Bohrlöcher zur Ölförderung zu bohren. (4)

Katastrophale Folgen für Mensch und Tier

Naturschützer*innen und Wissenschaftler*innen schlagen Alarm – Denn die Ölförderung könnte katastrophale Folgen für das noch intakte Ökosystem haben.

Das größte Problem sind die möglichen Auswirkungen auf die Wasserressourcen, denn durch die Ölbohrungen und den damit verbundenen Schwerlastverkehr sind erhebliche Belastungen der Gewässer zu erwarten. (3) Die Region ist trocken mit nur geringen und unregelmäßigen Regenfällen. Grundwasser liefert hier den größten Teil des Wassers, ein kleinerer Teil wird Flüssen, wie dem Okavango, entnommen. Neben der möglichen Wasserverschmutzung befürchten Wissenschaftler*innen auch einen enorm erhöhten Wasserverbrauch. Diese Befürchtung würde sich vor allem dann bewahrheiten, wenn das Öl durch hydraulische Fakturierung – kurz Fracking – gefördert werden würde. Verweise auf “unkonventionelles Öl und Gas” – also durch Fracking erschlossenes Öl- und Gasvorkommen – des Unternehmens, lassen Naturschützer*innen vermuten, dass sie die umstrittene Technik nicht ausschließen, auch wenn das von offizieller Seite von Recon Africa immer wieder bestritten wird. (4)

Namibia und Botswana zeigen sich besorgt über die „irreführende“ Informationen über Fracking-Pläne, „da dies nicht Teil des genehmigten Explorationsprogramms ist“. Das namibische Energieministerium erklärte zwar, dass die geplanten Ölexplorationsaktivitäten das Okavango-Ökosystem in keiner Weise schädigen würden und Nationalparks ausgeschlossen sein. Das Kaza-Naturschutzgebiet ist davon jedoch ausgenommen, da es nicht den gleichen Schutzstatus genießt. (4)

Ölbohrungen werden Klimakrise verschärfen

Junge Klimaaktivist*innen in der namibischen Hauptstadt sowie mehrere andere Umwelt- und Menschenrechtsgruppen reagierten mit internationalen Aufrufen an allen Fronten, um die drohende Umweltkatastrophe zu verhindern. Die Region des südlichen Afrikas hat sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten drastisch erwärmt, mit einer Geschwindigkeit, die etwa doppelt so hoch ist wie die globale Erderwärmungsrate. (4) Fridays For Future Windhoek hat aufgedeckt, dass das geplante Öl- und Gasprojekt das Risiko birgt, die globalen Bemühungen um eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zu zwei Dritteln zu zerstören. Ausgehend von Recon Africas eigenen Hochrechnungen von 120 Milliarden Barrel Öläquivalent beläuft sich die „Kohlenstoff-Gigabombe“ auf bis zu 51,6 Gigatonnen CO2, was einem Sechstel des verbleibenden Kohlenstoffbudgets der Welt entspricht. (2)

Das rücksichtslose Streben nach kurzfristigen Gewinnen darf nicht die langfristige Gesundheit von Menschen und Tieren gefährden! SAVE THE OKAVANGO DELTA!

Quellen

(1) ZDF: Okavango Delta

(2) Greenpeace: Reasons to Save the Okavango Delta (März 2021)

(3) Deutsche Welle: Okavango Delta – Weltnaturerbe in Gefahr (Dezember 2021)

(4) Der Standard: Bedrohliche Ölbohrungen im Süden Afrikas (Oktober 2021)

Verfasst am 27.6.2022

Klimaaktivistin Fatou Jeng

Klimaaktivistin Fatou Jeng nimmt den Klimaschutz selbst in die Hand. Mit ihrer 2017 gegründeten Umwelt-NGO Clean Earth Gambia setzt sie sich für den Naturschutz, Umwelterziehung, Genderfragen und gegen die Klimakrise ein. International fordert sie eine stärkere Vertretung der Geschlechter in Klimaschutzverhandlungen und organisiert Webinare und Workshops zum Thema Gender und Klimakrise.

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_©Fatou Jeng_Privat

Klimaaktivistin Fatou Jeng

Klimaaktivistin Fatou Jeng erlebt die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise in Echtzeit. Ihr Land, Gambia in Westafrika, steht beispielhaft für viele Regionen Afrikas, die durch die Folgen der Klimakrise besonders verwundbar sind. Fast jeder zweite der 2,4 Millionen Menschen lebt hier in extremer finanzieller Armut. Die Menschen sind auf die Landwirtschaft angewiesen und unmittelbar abhängig von der Natur. Durch dürrebedingte Ernteausfälle und den steigenden Meeresspiegel sind die Gemeinden extrem gefährdet, denn Gambia ist überwiegend niedrig gelegen. Ein Anstieg des Meeresspeigels um einen Meter könnte über 8 Prozent der Landesfläche überschwemmen. So werden Lebensgrundlagen zerstört und Menschen aus ihren Häusern vertrieben.

Um diesen Zuständen entgegenzuwirken, setzt sich Fatou Jeng leidenschaftlich für die Bewältigung der durch die Klimakrise verursachten Probleme ein. Doch das ist nicht so einfach in einem Land, in dem die Klimakrise nur eines von vielen Problemen ist. Die Bevölkerung wächst schnell, die Arbeitslosigkeit ist hoch und etwa zehn Prozent der Kinder leiden unter Mangelernährung. So fehlt es den meisten Menschen in Gambia an finanziellen Mitteln, um sich an die neuen extremen Umweltbedingungen anzupassen und vor allem Frauen* und Mädchen, die die größte Last der Klimakrise schultern, trauen sich nicht, ihre Stimme zu erheben, weil die sozialen und kulturellen Hürden zu groß sind. (1) (2) In Gambia stellen Frauen* etwa 70 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte, haben jedoch nur unzureichenden Zugang zu den für die Landwirtschaft benötigten Ressourcen. (3)

“Wir haben eine progressive Klimaschutzpolitik, besser als der Westen, aber bei der Umsetzung hinken wir hinterher.”

Die gambische Regierung hat sich offiziell der Klimapolitik verschrieben. Der Kleinstaat will die Pariser Klimaziele erreichen und das, obwohl Gambia im Jahr nur 0,2 Tonnen CO2 pro Kopf ausstößt (In Deutschland sind es fast 8 Tonnen CO2 pro Kopf). Ganz oben auf der politischen Agenda stehen jedoch andere Themen: Bildung, Infrastruktur und Menschenrechten wird größere Aufmerksamkeit geschenkt, um die finanzielle Armutsspirale zu durchbrechen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes anzukurbeln.

Handeln statt Streiken

So entschied sich Fatou Jeng 2017 dazu, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und gründete die Organisation Clean Earth Gambia, eine von Jugendlichen geführte Umwelt-NGO in Gambia, die sich für Naturschutz, Umwelterziehung, Genderfragen und gegen die Klimakrise einsetzt. Das erklärte Ziel der Organisation besteht darin, Bewusstsein für Umweltfragen zu schärfen, mehr als 500 Schulkinder über die Klimakrise und Umweltfragen zu schulen und so viele Bäume wie möglich zu pflanzen. (2)

5000 Kokospalmen hat Clean Earth Gambia bisher rund um Banjul, Gambias Hauptstadt, gepflanzt – kniehohe Setzlinge, die ausgewachsen haushoch werden. Die Wurzeln der durch Spenden finanzierten Palmen sollen das Abrutschen der Küste verhindern. 3000 weitere Bäume sollen folgen. Schulstreiks in Gambia hält Jeng dagegen für wenig effektiv. In einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung weder lesen noch schreiben kann, ist Bildung ein Privileg. Dementsprechend haben hier die wenigsten Verständnis für protestierende Schüler*innen. (4)

Jengs großes Vorbild ist die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, die bereits in den 1970er-Jahren in ihrer Heimat bäume pflanzte, um dem Raubbau an der Natur entgegenzuwirken. (1)

Engagement über die Landesgrenzen hinaus – Klimagerechtigkeit muss im Mittelpunkt stehen

„Echte Veränderungen werden von jungen Menschen vorangetrieben. Wenn wir etwas erreichen wollen, können wir das nicht der älteren Generation überlassen, und deshalb setze ich mich an vorderster Front für die Rettung unseres Planeten ein“

Auch außerhalb Gambias hat Fatou Jeng sich einen Namen gemacht. Sie ist politische Leiterin der Abteilung für Frauen und Gender der Jugendvertretung der UN-Klimarahmenkonvention (YOUNGO), wo sie seit der COP23 für die Einreichung von Stellungnahmen zum Thema Gender und Klima zuständig ist. Sie fordert eine stärkere Vertretung der Geschlechter in den Klimaverhandlungen, denn allzu oft wissen unterrepräsentierte Gruppen, wie zum Beispiel Frauen*, die in fragilen Staaten leben, am besten, welche Lösung zur Bewältigung der Klimakrise erforderlich sind. Dennoch werden vor allem Frauen* systematisch von den Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. (3) Darüber hinaus organisierte sie Webinare zum Thema Gender und Klimakrise mit und arbeitete mit der Gender-Abteilung der UN Klimarahmenkonvention (UNFCCC) bei der Organisation der regionalen Gender-Workshops im Jahr 2020 zusammen. 2019 war Jeng eine der 30 jungen Menschen, die vom Büro der Jugendbeauftragten der Vereinten Nationen ausgewählt wurden, um die Organisation des allerersten Jugendklimagipfels der Vereinten Nationen zu unterstützen. (5)

„Solange große Teile der Menschheit unterrepräsentiert sind und keine Unterstützung erhalten, werden die Maßnahmen auf der Cop-Konferenz wenig Bedeutung haben.“

Auszeichnungen

In Anerkennung an ihr Engagement hat Jeng bereits zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. So hat sie es 2022 zum Beispiel als eine von sieben Klimaaktivist*innen in die Liste der 100 einflussreichsten Afrikaner*innen geschafft und der WWF, das World Scout Movement, African Alliance of YMCAs und der African Wildlife Fund listeten sie 2021 als Top 100 Young African Conservation Leaders. Auch zählt sie zu den “Women Leading on Climate” – eine Auszeichnung, die Frauen ehrt, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter und den Klimaschutz einsetzen. (5)

Quellen

(1) Tagesspiegel: So viele Bäume wie möglich: Fatou Jeng lenkt die Klimabewegung in Afrikas kleinstem Land Gambia (September 2021)  

(2) UN Gambia: From the Streets of Banjul to The Frontlines of COP26 (November 2021)   

(3) Independent: Fragile countries have to be supported if they are to fight the climate crisis (November 2021)   

(4) Tagesspiegel: Unerhört engagiert (Mai 2021)  

(5) Blue Earth Summit: Fatou Jeng  

(6) The Chronicle: COP26 – Youths From the South Pushing For More Participation (Oktober 2021)    

Verfasst am 21.06.2022

Die fossile Lobby: Verzögerung von Klimaschutzmaßnahmen durch bewusst falsche Kommunikation

Klimaschutzmaßnahmen sind vergleichsweise jung. Das liegt auch an der bewusst falschen Kommunikation der fossilen Lobby, die effektive Maßnahmen über Jahrzehnte verzögerte.

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Die fossile Lobby: Verzögerung von Klimaschutzmaßnahmen durch bewusst falsche Kommunikation

Die Klimanotlage und die daraus resultierende Krise ist kein neues, plötzlich auftretendes Phänomen. Bereits 1965 erwartete ein offizieller Expertenbericht für den damaligen US-Präsidenten Johnson einen u.a. durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursachten CO2-Anstieg um 25 Prozent bis zum Jahr 2000 und warnte vor einer für die Menschen schädlichen Klimaveränderung. 1988 wurde die globale Erderwärmung offiziell bestätigt, zwei Jahre später erschien der erste Weltklimaratsbericht und im Juni 1992 einigten sich fast alle Staaten der Erde auf die UN-Klimarahmenkonvention mit dem Ziel, eine gefährliche Klimakrise zu verhindern. (1) Warum verbrennen wir dann, mehr als ein halbes Jahrhundert nach Veröffentlichung der ersten Expert*inneneinschätzungen, immer noch fossile Brennstoffe, heute teilweise sogar mehr als früher?

Abwehrkampagne und Verschwörungstheorie gegen Klimaschutz  

Der wohl wichtigste Grund ist die bereits in den 1980er-Jahren angelaufene Abwehrkampagne gegen Klimaschutz durch fossile Energiekonzerne und durch Staaten wie Russland und Saudi-Arabien, die vom Verkauf fossiler Energie leben. Die Unternehmen entwickelten damals, zusammen mit PR-Expert*innen, einen Strategieplan – den Global Climate Science Communications Plan – der die Klimawissenschaft als umstritten darstellen und die Glaubwürdigkeit für die Öffentlichkeit untergraben sollte. Dafür wurden falsche Expert*innen gekauft, unter ihnen US-Astrophysiker Willie Soon, der über Jahrzehnte fast ausschließlich durch die fossile Energielobby finanziert wurde. Er behauptete, die Erderhitzung sei durch Sonnenaktivität verursacht – eine bereits damals rasch widerlegte These. (1)

Große Aufmerksamkeit bei Klimaleugner*innen erhielt auch der „Climategate-Skandal“ im Jahr 2009. Kurz vor dem für den Klimaschutz als so wichtig erachteten Klimagipfel wurden Tausende von der Universität East Anglia gestohlene Klimaforscher*innen-E-Mails und Dokumente im Internet veröffentlicht. Ein Großteil davon war banalen Inhalts, einige kurze, selektiv zitierte Ausschnitte daraus lieferten etlichen Medien, konservativen Politiker*innen und Klimaleugner*innen jedoch vermeidliche Belege dafür, dass es keine Klimakrise gebe und die Theorie der globalen Erderhitzung lediglich eine Verschwörung sei. Mehrere unabhängige Untersuchungen in der Folge kamen zu dem Ergebnis, dass es keine Belege für ein Fehlverhalten der Wissenschaftler*innen gebe. Doch die „Climategate“-Kontroverse reiht sich ein in eine Serie von „Angriffen“ gegen die Klimaforschung, die von einer „gut finanzierten, hochgradig komplexen und relativ koordinierten ‚Leugnungsmaschinerie‘ ausgeführt wurden“. (2)

Imagewandel: Von Klimaleugnenden zu „humanitären Klimarettenden“?

Die Lobbykampagne für fossile Energien und gegen die Klimawissenschaft war ein Erfolg für seine Urheber*innen und verzögerte den notwendigen Ausstieg aus den fossilen Energien um Jahrzehnte. Doch bereits seit Mitte der 2000er-Jahre ist die Industrie davon abgegangen, die Klimakrise öffentlich in Frage zu stellen. Stattdessen wird zu subtileren Strategien gegriffen: Konzerne weisen z.B. auf ihren Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit hin. So ist ExxonMobil, US-Ölgigant, laut eigenem Twitterkanal Vorreiter in Sachen Windenergie, hilft dabei Plastikmüll in Chile zu recyclen, den weltweiten Kampf gegen Malaria zu fördern, Kindern aus Entwicklungsländern die Chance auf einen Job und eine Karriere zu geben, und unterstützt die Erreichung der Pariser Klimaziele. Laut einer 2021 veröffentlichten Harvard-Studie ist diese Kommunikation eine ganz bewusste Strategie, um politische Maßnahmen gegen die Klimanotlage zu verlangsamen, Ölunternehmen aus der Verantwortung zu ziehen und den Nutzen von Öl und Gas in der Gesellschaft zu legitimieren. (3)

„Verantwortung tragen die Konsument*innen allein“

Die Verantwortung für die Klimakrise auf Konsument*innen zu schieben sei laut der Studie eine andere Strategie der Unternehmen. Diese Krise, so die Argumentation, würde überhaupt nicht existieren, wäre die Nachfrage nach Öl und Gas nicht so groß. Ölunternehmen würden lediglich auf den bestehenden Energiebedarf reagieren. Es liege in den Händen der Konsument*innen, die „richtigen“ Kaufentscheidungen zu treffen. Zwar schätzt auch die Wissenschaft die Relevanz von persönlichen Konsumentscheidungen als hoch ein. Viel wichtiger aber sind systematische Veränderungen, die Staaten und auch Ölkonzerne zur Verantwortung  ziehen, beispielsweise mithilfe eines effektiven CO2-Preises oder strengeren Auflagen. Denn Unternehmen wie ExxonMobil, BP oder Shell gehören zu jenen 20 Unternehmen, die zusammen für ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind. (3)

Quellen

(1) Spiegel: „Die Macht des Zweifels“ (April 2022)

(2) klimafakten.de: „Kann man sich auf die Klimaforschung verlassen?“ (August 2021)

(3) Der Standard: „Wie Big Oil Konsumenten für den Klimawandel verantwortlich macht“ (September 2021)

Harvard-Studie: „Rhetoric and frame analysis of ExxonMobil’s climate change communications“ (Mai 2021)

Verfasst am 14.6.2022

ARTE Filmreihe: Generation Africa – Migration neu erzählen

Was motiviert junge Menschen zu gehen oder zu bleiben? Dieser Frage widmet sich die Filmreihe “Generation Africa”. Insgesamt 25 junge Filmtalente dokumentieren das Leben, Probleme und Sorgen in ihren Ländern und sprechen von Vertreibung und Flucht, von Heimat und dem Ankommen in der Fremde.  

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ARTE Filmreihe: Generation Africa – Migration neu erzählen

Migration erzählen, aber dieses Mal aus afrikanischer Perspektive – das hat sich das Projekt „Generation Africa“ zur Aufgabe gemacht. Junge Filmtalente machen sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Wurzeln, sprechen von Vertreibung und Flucht, von Heimat und dem Ankommen in der Fremde. Insgesamt 25 Dokumentarfilme entstanden für die Reihe, die einfühlsame, mitreißende und überraschende Innenansichten von afrikanischen Filmemacher*innen zeigt. An zwei Abenden zeigt ARTE eine Auswahl von sieben Dokumentarfilmen, die restlichen Werke werden online bereitgestellt. 

Das Projekt “Generation Africa” konzentriert sich auf die Erfahrungen der afrikanischen Jugend, der größten Jugendbevölkerung der Welt, deren Zukunft die Form des Weltvermögens in den nächsten Jahrzehnten bestimmen wird. In Zusammenarbeit mit den Filmemacher*innen und Produktionsfirmen aus 16 afrikanischen Ländern erzählt die Kollektion eine Vielzahl von Geschichten, die mit dem Thema der Migration verbunden sind. Sie versucht herauszuarbeiten, was genau in den Köpfen und in den Herzen junger Afrikaner*innen vorgeht, wenn sie ihrer Heimat den Rücken kehren und die gefährliche Reise nach Europa antreten. Junge afrikanische Filmemacher*innen dokumentieren selbst – nicht nur das Leben in ihren Ländern, sondern auch die Probleme und Träume. Für “Generation Africa” machen sie sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Wurzeln, sprechen von Vertreibung und Flucht, von Heimat und dem Ankommen in der Fremde. 

Informationen zum Projekt und zu den einzelnen Filmen finden Sie hier 

“Generation Africa” in der ARTE Mediathek  

Nahrungsmittelspekulation – Der Handel mit dem Hunger 

Klimakrise, Pandemie und Konflikte werden immer wieder als Ursachen für den Anstieg der Lebensmittelpreise genannt. Doch eine wichtige vierte Komponente wird oft außenvor gelassen: Nahrungsmittelspekulation. Sie trägt zu den enormen Preisanstiegen bei und verschärfen die ohnehin prekäre Ernährungssituation weiter.

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Nahrungsmittelspekulation – Der Handel mit dem Hunger 

In den letzten Monaten sind die Lebensmittelpreise auf ein noch nie dagewesenes Niveau gestiegen und haben die ohnehin schon prekäre Ernährungssituation in weiten Teilen der Welt weiter verschärft. Laut dem Globalen Bericht zur Nahrungsmittelkrise (Global Report on Food Crisis) der Vereinten Nationen, der am 4. Mai veröffentlicht wurde, waren im Jahr 2021 193 Millionen Menschen von akuter Nahrungsmittelunsicherheit betroffen. Das entspricht einem Anstieg von fast 40 Millionen Menschen im Vergleich zum bisherigen Höchststand im Jahr 2020. Allein in den vier Ländern Äthiopien, Südsudan, Madagaskar und dem Jemen waren im Jahr 2021 mehr als eine halbe Millionen Menschen von einer Hungerkatastrophe betroffen. Der Bericht macht dafür die “toxische Dreifachkombination” aus Klimakrise, den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und den Konflikten der letzten zwei Jahre verantwortlich. (1)  

Mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands in die Ukraine hat sich die Situation in diesem Jahr noch verschlimmert. Lebensmittelpreise sind in die Höhe geschnellt und es kommt zu Lieferunterbrechungen von zwei der wichtigsten globalen Lieferant*innen von Agrarrohstoffen. Bereits im letzten Jahr ist der Lebensmittelpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) um 26 Prozent gestiegen und der Getreideindex hat sich um rund 30 Prozent erhöht. Dieses Jahr sind die Preise von Weizen schon um 61 Prozent gestiegen. (2) 

Doch Klimakrise, Pandemie und Konflikte und die damit einhergehenden Veränderung der grundlegenden Faktoren von Angebot und Nachfrage sind nicht die einzigen Ursachen für den Anstieg der Lebensmittelpreise, wie eine Untersuchung von Lighthouse Reports, einer gemeinnützigen Nachrichtenagentur, zeigt. Demnach tragen exzessive Spekulationen von Investmentfirmen und Fonds auf den Rohstoffmärkten zu den enormen Preisanstiegen bei. (2) 

Die Finanzialisierung der Agrarrohstoffmärkte 

Von Nahrungsmittelspekulation wird dann gesprochen, wenn Anleger*innen auf dem Rohstoffmarkt auf steigende oder fallende Rohstoffpreise an den Nahrungsmittelbörsen setzen, in der Hoffnung, Gewinne zu erzielen. (5) Der Trend zunehmender Nahrungsmittelspekulationen setzte bereits Anfang 2000 ein und trug in der Folge schon zwei Mal zu Hungerkrisen bei: 2007/2008 und 2011. In diesen Jahren sind die Weltmarktpreise für wichtige Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Weizen binnen kürzester Zeit explodiert. (3) 

Das nicht allein Angebot und Nachfrage für die Preisschwankungen verantwortlich sind, zeigt sich darin, dass es nicht immer, wenn Preise steigen, auch große Angebotsengpässe auf den realen Märkten gab. So war die globale Weizenernte 2010 gut und dennoch stiegen die Preise nach einem vergleichsweise kleinen Ausfall in Russland rapide an. (4) Gleiches zeigt sich aktuell wieder: Nach jüngsten Schätzungen der FAO vom 8. April, also nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, wird das Verhältnis zwischen Beständen und Verbrauch im Zeitraum 2021-2022 nur geringfügig zurückgehen. Das Ausmaß des Preisanstiegs lässt sich also nicht allein durch Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln erklären. (2) 

Die Folgen der Wetten auf den Hunger 

Besonders Menschen des Globalen Südens treffen die Preisschwankungen hart, denn Haushalte geben dort bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur etwa zehn Prozent. Menschen mit weniger finanziellen Ressourcen können aufgrund des Preisanstiegs weniger Nahrungsmittel kaufen, manche werden sogar komplett unerschwinglich. Zusätzlich bleibt weniger Geld für Gesundheitsversorgung und Bildung übrig. (3) 

Über die unmittelbare Nahrungsmittelknappheit hinaus gibt es aber auch längerfristige und ebenso Besorgnis erregende Auswirkungen: Mikronährstoffmangel, von Expert*innen häufig auch “versteckter Hunger” genannt. Dieser tritt auf, wenn die Aufnahme von Vitaminen und Mineralien nicht ausreicht, um eine gute Gesundheit und Entwicklung zu gewährleisten. Die Auswirkungen des versteckten Hungers können Studien zufolge zu psychischen Beeinträchtigungen, schlechter Gesundheit, geringer Produktivität und sogar zum Tod führen. (2)  

Doch nicht nur für die Verbraucher*innen von Nahrungsmitteln haben die Preisschwankungen Folgen. Auch Nahrungsmittelerzeuger*innen leiden unter den Preisschwankungen auf den Agrarrohstoffmärkten, da es für sie besonders wichtig ist, sich auf langfristig stabile Preise verlassen zu können, um zu planen und ihre Lebens- und Existenzgrundlage zu sichern. (3)  

Notwendige Maßnahmen  

Da die Mechanismen hinter der Lebenmittelspekulation nicht vollständig transparent, ihre Folgen unberechenbar und Preise nicht mehr durch realwirtschaftliche Angebots- und Nachfrageschwankungen erklärbar sind, fordern Expert*innen eine stärkere Regulierung der Nahrungsmittel-Finanztransaktionen. (3) 

Nach der Krise von 2008 gab es bereits öffentliche und politische Unterstützung für eine Reform der Rohstoffmärkte. Sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union verabschiedeten die Gesetzgeber*innen Gesetze zur Bekämpfung exzessiver Spekulationen. Doch auf beiden Seiten des Atlantiks versäumten es die Regulierungsbehörden, die ihnen aufgetragenen Regeln umzusetzen. (2) 

Wenn die diesjährige Ernte in der Ukraine dieses Jahr ausfällt, könnten laut FAO weltweit über 13 Millionen Menschen zusätzlich Hunger leiden. Die Ukraine produziert 26 Millionen Tonnen Weizen jährlich – Weizen, das zumindest zum Teil dieses Jahr auf dem Weltmarkt fehlt. Wenn die Europäische Union zum Beispiel die EU-Schweine- und Hühnerproduktion reduzieren würde, könnte sie diese Menge problemlos ersetzen und auf dem Weltmarkt zur Verfügung stellen.  (6) 

Hunger ist ein Problem mit vielen Ursachen. Steigende Preise von Grundnahrungsmitteln sind darin ein Aspekt und die Begrenzung und Kontrolle von Nahrungsmittelspekulation ist als eine mögliche Maßnahme von vielen zu verstehen. Diese ist dennoch dringlichst geboten. Der Profit von Finanzakteur*innen darf nicht vor das Menschenrecht auf Nahrung gestellt werden!  

Quellen

(1) World Food Programme: Global Report on Food Crisis – 2022 (Mai 2022)

(2) The Wire: Speculation is Contributing to Global Food Insecurity Significantly (Mai 2022)

(3) Bundeszentrale für politische Bildung: Nahrungsmittelspekulation – mit Essen spielt man nicht (Oktober 2016)

(4) Oxfam: Nahrungsmittelspekulation

(5) Brot für alle/ Fastenopfer: Nahrungsmittelspekulation (September 2013)

(6) Rosa Luxemburg Stiftung: Über Weizen, Welthunger und heilige Schweine (2022)

Verfasst am 7.6.2022

Stimmen Betroffener – Klimaheld*innen

Haoua Abdoulaye aus dem Niger und Josiane Ramaroson aus Madagaskar sind „Klimaheldinnen“. In ihren Heimatländern setzten sich die beiden Frauen für den Kampf gegen den Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen für die dort lebenden Menschen ein.

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Stimmen Betroffener – Klimaheld*innen

Haoua Abdoulaye: ‚Halbmonde‘ gegen die Klimakrise

Klimaheldin Haoua Abdoulaye aus Niger baut trotz Trockenheit mit der Halbmond-Methode erfolgreich Getreide an_©CARE/Vlad Sokhin
Klimawandel in Niger: Star der Halbmonde – Haoua Abdoulaye ©CARE/Vlad Sokhin

Haoua Abdoulaye hat der Klimakrise den Kampf angesagt. In ihrem Heimatdorf Kobio ist sie der ‚Star der Halbmonde‘. Trotz weniger Regen und der Wüste, die sich einen Weg in ihr Dorf bahnt, baut Haoua erfolgreich Getreide an.

Geschafft hat sie das mit Hilfe von unserer Mitgliedsorganisation CARE und den Frauen aus ihrem Dorf: Sie grub ‚Halbmonde‘ in den trockenen Boden, füllte sie mit Kompost auf, und pflanzte Bäume darauf. Mit dem Verkauf der Ernte verdient sie Geld, das sie gewinnbringend in einer Kleinspargruppe angelegt.

Klimaheld*innen im Kampf gegen Trockenheit und Hunger

Haouas Heimatland Niger liegt in der westafrikanischen Sahelzone, wo Regen- und Trockenzeiten sich seit Menschengedenken abwechseln. Doch die Trockenzeiten werden länger, der Regen fällt weniger üppig und die Ernteerträge reichen nicht, um alle Menschen zu ernähren.

Doch dann kamen die ‚Halbmonde‘ nach Kobio. CARE stellte eine Methode vor, Gruben in trockenen Boden zu graben, diese mit Kompost zu füllen und dort Bäume zu pflanzen. Ihre Arbeit macht sich bezahlt: Regenwasser wird gespeichert und der Anbau von Hirse und Bohnen ist ertragreicher.

„Unsere Männer sagten, sie würden das nicht können, diese Halbmonde graben“, erzählt Haoua. „Also haben wir Frauen ihnen die Kinder gegeben und sind selbst losgezogen. Und CARE hat uns sogar dafür bezahlt.“

Große Ziele

Heute baut Haoua Getreide an, hat fünf Schafe und zwei Kühe und spart in einer Kleinspargruppe mit anderen Frauen gemeinsam, um auch in größere Anschaffungen investieren zu können. „Wir wollen noch mehr lernen! Und unsere Seife auf dem Markt verkaufen können. Ich möchte ein Haus aus Zement bauen. Und dass meine Kinder eine bessere Schulbildung bekommen. Wir haben noch so viel vor!“ (1)

Josiane Ramaroson pflanzt Nadelbäume gegen Naturgewalten

Klimaheldin Josiane Ramaroson pflanzt Bäume an der Küste Madagaskars_©CARE/laif core/Rijasolo
Klimawandel in Madagaskar: Klimaheldin Josiane Ramaroson ©CARE/laif core/Rijasolo

Mit ihren Fingern kann sie kaum greifen, ihre deformierten Füße sind zum Schutz in Stoff gewickelt. Als Josiane Ramaroson 20 Jahre alt war, erkrankte sie an Lepra. Sie wurde in ein Dorf geschickt, wo Leprakranke gemeinsam leben. „Meine Familie wollte sich nicht um mich kümmern. Ich schämte mich so, hatte große Schmerzen und weinte jeden Tag.“

Eine Baumschule entsteht

Irgendwann begannen die Medikamente schließlich zu wirken. In ihrem neuen Heimatdorf erinnerte sich Josiane an ihre Stärken: Sie hatte früher in einer Baumschule gearbeitet und von unserer Mitgliedsorganisation CARE eine Ausbildung in der Aufzucht und Pflege von Bäumen und anderen Gewächsen erhalten. „Das Dorf lag keine 200 Meter von der Küste entfernt. Der Wind peitscht hier ungeschützt übers Land, denn die Region ist stark abgeholzt. Da habe ich mich entschieden, meine eigene Baumschule zu gründen. Uns war allen klar: Wir müssen etwas gegen die Abholzung tun und die Umwelt schützen, um unser Einkommen zu sichern.“

Und so wurde Josiane zur Klimaheldin: Zwischen 2008 und 2014 pflanzte sie gemeinsam mit ihren Nachbar*innen hunderte Nadelbäume in Küstennähe. Die Bäume schwächen den starken Wind vom Meer ab und helfen dabei, die Überflutungen bei starkem Regen zu bremsen. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist spürbar: „Beim letzten Zyklon Anfang 2017 wurde kein einziges Haus in der Region zerstört.“

Kampf für eine bessere Zukunft

Heute ist Josiane Mutter zweier Mädchen, die sie alleine großzieht. Die 44-Jährige wohnt inzwischen in der Gemeinde Antalaha im Nordosten von Madagaskar. „Ich arbeite hart, damit meine Mädchen zur Schule gehen können und es eines Tages besser haben werden. Zwar kann ich mir keine Angestellten leisten, aber die Mädchen sollen keinen Tag Unterricht verpassen. Ich hoffe, sie können mich unterstützen, wenn ich alt bin und zu müde, um noch zu arbeiten.“ (2)

Quellen:

(1) CARE Deutschland: Klimawandel im Niger: Star der Halbmonde!

(2) CARE Deutschland: Klimawandel in Madagaskar: Nadelbäume gegen Naturgewalten

Folgen der Klimakrise für Afrika und Europa

Bereits jetzt ist die Klimakrise überall spürbar. Viele afrikanische Länder leiden besonders stark unter ihren Folgen. Sie bedroht dort 120 Millionen Menschen, die bereits jetzt unter dem Existenzminimum leben.

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Folgen der Klimakrise für Afrika und Europa

Die Erderhitzung hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben auf unserem Planeten. Viele afrikanische Länder leiden besonders stark unter den Folgen der Klimakrise.  Überflutungen, Dürren und extreme Hitze nehmen zu.

Steigende Temperaturen und Zunahme von Extremwetterereignissen

Konkret lässt sich das an folgenden Beispielen sehen:

  • Die Gletscher auf dem Kilimandscharo, des Mount Kenia sowie des ugandischen Ruwenzori-Gebirges werden bis 2040 abgeschmolzen sein.
  • Der Meeresspiegel steigt besonders schnell an, im südlichen Atlantik derzeit um 3,6 Millimeter, im Indischen Ozeans sogar um 4,1 Millimeter im Jahr. Im Mittelmeer steig der Meeresspiegel dagegen „nur“ um 2,6 Millimeter pro Jahr.
  • Die Luft heizt auf dem afrikanischen Kontinent schneller auf. Dort war die Temperatur 2020 um 0,86 Grad wärmer als die Durchschnittstemperatur der letzten 30 Jahre.
  • Überschwemmungen, wie 2020, als der Nil im Südsudan und Sudan einen historischen Höchststand erreichte. Der Victoria-See und der Fluss Niger traten ebenfalls stark über ihre Ufer und zerstörten die Ernten von Millionen von Menschen. Auch aktuell ist der Südsudan wieder von schweren Überschwemmungen betroffen, die ganze Landstriche unbewohnbar machen.
  • In anderen Teilen des Kontinents herrschen schwere Dürren, momentan beispielsweise in einigen Regionen Ostafrikas, wie Somalia, Äthiopien und Kenia sowie in den Ländern entlang der Sahelzone in Westafrika. Regelzeiten werden immer unzuverlässiger, die Regenmenge variiert stark, in einigen Regionen hat es seit Jahren nicht geregnet.

Die Folgen dieser Entwicklungen bedeuten unter anderen den Verlust an biologischer Vielfalt, Wasserknappheit, geringere Nahrungsmittelproduktion, weniger Wirtschaftswachstum und die Gefährdung von Menschenleben. Sozioökonomische, politische und ökologische Faktoren spielen hier zusammen.

Soziale Auswirkungen der Klimakrise

In vielen Ländern, insbesondere in Subsahara-Afrika, sind sehr viele Menschen in der Landwirtschaft tätig und dadurch direkt betroffen von den Folgen der Klimakrise. Wassermangel, extreme Hitze, Dürren, schwere Stürme oder Überschwemmungen vernichten die Ernten, führen zu Nahrungsmittelknappheit und steigenden Lebensmittelpreisen. Das trifft besonders die Menschen, die ohnehin unter dem Existenzminimum leben. Sie können sich teureres Essen schlichtweg nicht leisten und haben keine Rücklagen, um in Anpassungsmaßnahmen, wie hitzeresistentes Saatgut oder sparsame Bewässerungssysteme zu investieren (4).

Das bedroht auch die Wirtschaft in vielen Ländern Afrikas, vor allem in Subsahara-Afrika. Expert*innen rechnen aufgrund der Klimafolgen mit einem Einbruch der afrikanischen Wirtschaft um drei Prozent bis Mitte des Jahrhunderts. Soziale Ungleichheit zwischen und innerhalb der Länder wird weiter zunehmen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen hat der weltweite Hunger einen neuen Höchststand erreicht. Laut World Food Programme (WFP) waren bereits 2021 weltweit rund 928 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – ein Anstieg um 148 Millionen im Vergleich zu 2020. Aktuell leiden 280 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unter Hunger, über 45 Millionen in Ostafrika sogar unter extremen Hunger (WFP). Das heißt, ihr Leben oder ihre Existenzgrundlage sind unmittelbar gefährdet.

Das ist ungerecht!

Die 1,34 Milliarden Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verantworten nur 3,7 Prozent der globalen CO2-Emissionen im Gegensatz zu den 9,8 Prozent, die die 750 Millionen Europäer*innen verursachen (2).

Bei Betrachtung der pro Kopf-Emissionen werden die Unterschiede noch deutlicher: beispielsweise in Tansania, das weder zu den ärmsten noch zu den reichsten Ländern Afrikas zählt, liegt der jährliche Verbrauch bei 0,2 Tonnen CO2 pro Kopf, in Deutschland dagegen bei 7,7 Tonnen pro Kopf, ist also 38-mal höher (3).

Anpassung und Vorsorge sind wichtig

Mit 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr für Anpassungs- und Schutzmaßnahmen rechnen Expert*innen der Weltorganisation für Meteorologie. Dazu gehören Infrastrukturmaßnahmen, wie der Bau von Dämmen in überschwemmungsgefährdeten Gebieten, Drainagen und Wasserreservoirs ebenso wie Warnsysteme, die die Menschen rechtzeitig vor Zyklonen und anderen schweren Naturereignissen warnen.

Die beim Pariser Klimagipfel 2015 vereinbarten versprochenen jährlichen Zahlungen von 100 Mrd. zum Schutz vor den Klimafolgen, wurden bisher nie erreicht. Knapp 80 Milliarden waren bisher der höchste bezahlte Betrag für den Globalen Süden insgesamt (1).

Folgen der Klimakrise in Deutschland

Auch Deutschland und die anderen europäischen Länder werden die Folgen der Erderhitzung immer mehr zu spüren bekommen. Bereits in den letzten 30 Jahren wurde deutlich mehr Starkregen und damit verbundene Sturzfluten verzeichnet als in den vergangenen 500 Jahren. In Deutschland könnte sich die Häufigkeit sehr intensiver Regenfälle in den Sommermonaten sogar verdoppeln, wenn die Emissionen nicht deutlich reduziert werden. Auch Überschwemmungen in den Küstengebieten werden sich häufen und mit großen finanziellen Schäden einhergehen.

Viele küstennahe Städte, wie etwa Venedig, Antwerpen, Amsterdam, Bordeaux, Le Havre und die Landstriche um Lissabon und London werden bei gleichbleibenden oder gar steigenden Emissionen bis zum Jahr 2100 überflutet sein. Auch Hamburg, Bremen, Oldenburg wären schwer betroffen und die Insel Sylt komplett unter Wasser. (5)

Darüber hinaus werden die Temperaturen mit der Erderhitzung weiter steigen. Bis Mitte des Jahrhunderts werden sich die Menschen, die infolge von hitzebedingten Krankheiten sterben, vervierfachen. Eine schnelle Reduktion der CO2-Emissionen ist dringend notwendig.(4)

Globale Folgen der Erderhitzung

Die Erderhitzung und ihre Auswirkungen sind global spürbar. Sie beeinträchtigen schon jetzt internationale Lieferketten, Märkte, Finanzen und Handel.  Die Verfügbarkeit von Gütern in Deutschland verschlechtert sich und die Preise erhöhen sich. Verringerter landwirtschaftliche Erträge, Schäden an kritischer Infrastruktur und Preissteigerungen bei Rohstoffen führen zu finanzieller Instabilität. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte es aufgrund der Klimakrise zu einem Rückgang des globalen BIP um 10-23 % führen, verglichen mit einer Welt ohne Erhitzung. Starkregen, schwere Stürme und der Anstieg des Meeresspiegels werden zu mehr Überschwemmungen in Häfen und anderen Küsteninfrastrukturen führen und den Transport von Nahrungsmitteln und anderen Gütern beeinträchtigen.

Das Risiko weit verbreiteter Ernteausfälle aufgrund von Extremereignissen, die mehrere Orte auf der Welt treffen, wird zunehmen, wenn die Emissionen nicht rasch reduziert werden. Dies könnte zu einer weltweiten Nahrungsmittelknappheit und einem Preisanstieg führen, der vor allem ärmere Menschen treffen und das Risiko sozialer Unruhen erhöhen würde. Das, in Kombination mit zunehmender Wasserknappheit, könnte in den betroffenen Ländern zu mehr bewaffneten Konflikte führen. (4)

Quelle:

(1) Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/politik/klimawandel-in-afrika-wen-die-klimakrise-am-haertesten-trifft/27733422.html

(2) Our world in data: https://ourworldindata.org/co2-emissions#annual-co2-emissions

(3) Tagesspiegel: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/klimawandel-afrika-welt-wer-das-klima-schaedigt-und-wer-die-folgen-traegt/

(4) IPCC Sixth Assessment Report: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg2/

(5) Travelbook: https://www.travelbook.de/natur/umwelt/weltkarte-ueberschwemmungsgebiete-2

Erstellt am 30.05.2022