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Burundi: Von Ernährungszentrum bis Bäckerei

Unsere Mitgliedsorganisation ora Kinderhilfe arbeitet seit 2016 mit dem Projektpartner "Sojpae" zusammen. Unter anderem in Musaga: Dort haben sie ein Ernährungs- und Freizeitzentrum eingerichtet, unterstützen Familien bei der Hühner- und Ziegenzucht und fördern mit einer Bäckerei das Einkommen von Müttern.

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Burundi: Von Ernährungszentrum bis Bäckerei

Leben in Burundi

Der dicht bevölkerte Binnenstaat gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung belegt es den 185. Platz von insgesamt 189 Rängen. 2018 hatte das kleine Land das niedrigste BIP der Welt. Die Übernutzung der Böden, die Auswirkungen des Klimawandels, aber besonders die gravierenden Mängel in der Regierungsführung verhindern jeglichen Aufschwung. Politische Instabilität, fehlende Rechtsstaatlichkeit und fortwährende Menschenrechtsverletzungen sorgen dafür, dass die Bevölkerung in Elend und Armut verbleibt. Die Lebenserwartung liegt bei nur 60 Jahren.

Die Not der Bevölkerung

Mit 70 Prozent hat Burundi laut der Weltbank eine der höchsten Armutsraten der Welt. Das bedeutet, dass 1,4 Menschen von unter einem Dollar am Tag leben müssen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen hungert. Etwa 2 Millionen Menschen drohen zu verhungern.

Die Kinder leiden besonders. Burundi ist ein sehr junges Land. 46 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahren alt. Umso schlimmer ist es, dass die Quote der Analphabeten bei 40 Prozent liegt. Kinder stellen die ärmste Bevölkerungsschicht dar. Etwa 11 Prozent aller lebend geborenen Kinder erleben ihr 5. Lebensjahr nicht. Sie sterben an Auszehrung oder vermeidbaren Krankheiten.

Tausende Mädchen und Jungen müssen Kinderarbeit verrichten. Ein Viertel der 10- bis 14-Jährigen schuftet schwer körperlich. Besonders schlimm sind die gewaltsamen und sexuellen Übergriffe auf Mädchen. Häufig geraten sie in die Fänge von Menschenhändlern, werden versklavt, verkauft und zur Prostitution gezwungen.

Vielseitige Projektarbeit in Musaga

Das mit wenigen Mitteln begonnene Ernährungszentrum der ora Kinderhilfe hat sich zu einem großen Projekt entwickelt. Weiterhin werden stark mangel- und unternährte Kinder dort mit einer speziellen hochkalorischen Diät aus natürlichen Zutaten versorgt. Deren Eltern erhalten Kurse zum Thema gesunde Ernährung. Sie lernen, was Vitamine sind, welche Inhaltsstoffe es gibt und was der Körper braucht, um ihn gesund zu erhalten. Der Erfolg der Behandlungen wird durch nachfolgende Hausbesuche bei den Kindern und Familien sichergestellt.

Darüber hinaus haben sich Behandlungen für Mütter im Ernährungszentrum etabliert. Mit Wurmkuren und anderen Behandlungen werden kranke Mütter behandelt. Für Schwangere gibt es ebenfalls Wurmkuren, Folsäuretabletten, ergänzende Lebensmittel bei gefährlichem Untergewicht der werdenden Mütter sowie Kurse zum Thema Ernährung und zur Schwangeren- und Kindergesundheit. Auch Hilfe im Umgang mit Behörden gehört dazu; seitdem ora Kinderhilfe das macht, haben deutlich mehr Kinder eine Geburtsurkunde erhalten.

Neben dem Ernährungszentrum gibt es im Freizeitzentrum zahlreiche Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Hausaufgabenhilfe, Tanz- oder Englischkurse machen den Teilnehmenden viel Freude.

Besonders arme Familien unterstützt ora Kinderhilfe mit Hühnern, Ziegen und Saatgut. Mehr als 400 Familien besitzen inzwischen Hühner und Ziegen. Die Zucht der Hühner hat sich auf über 2.500 Stück erhöht (Stand Oktober 2020).

Seit 2019 gibt es noch eine Bäckerei. Die dort produzierten Brote und Kuchen werden für den Einkaufspreis an die Mütter der ora-Patenkinder abgegeben. Diese wiederum verkaufen die Backwaren an Kundinnen und Kunden weiter. Die daraus erzielten Erlöse helfen den Familien ihre Situation zu verbessern.

 

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Madagaskar: Ernährungssicherheit für die Bevölkerung

Umweltkatastrophen, Klimawandel und schlechte Anbaubedingungen in Madagaskar führen zu enormer Nahrungsmittelknappheit. Unsere Bündnisorganisation ADRA unterstützt die Bevölkerung dabei, widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu werden und ihre Ernährungssituation zu verbessern.

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Madagaskar: Ernährungssicherheit für die Bevölkerung

In den letzten Jahren hat der Süden Madagaskars eine lange Dürrezeit erlebt. Die Ernte ging verloren und ca. 200.000 Menschen leiden nun unter Hunger. Unsere Bündnisorganisation ADRA möchte diesen Zustand nicht hinnehmen und hilft den Menschen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Mit dem Bau von Brunnen erhalten 68.000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zudem lernen 7.500 Kleinbauern neue Anbaumethoden kennen, um ihre Ernteerträge zu steigern. Somit sinkt der Hunger in der Region und die Freude über eine gute Mahlzeit steigt. 

Dieses Projekt wird gefördert durch: german cooperation 

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Sambia: Nahrung ist nicht gleich gute Ernährung

Sambia gehört zu den Ländern des afrikanischen Kontinents, in denen sich die Lebensbedingungen in den letzten Jahren im Durchschnitt verbessert haben. Dennoch ist die Zahl der Mangelernährung bei Kleinkindern und bei Müttern besonders in ländlichen Regionen noch immer sehr hoch.

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_©CARE

Sambia: Nahrung ist nicht gleich gute Ernährung

Ziel des mittlerweile abgeschlossenen Projekts unserer Bündnisorganisation CARE war es der Mangelernährung durch den Anbau neuer Gemüse-, Obst- und Getreidesorten entgegenzuwirken. Wichtig war auch die Aufklärung über die schonende Zubereitung von Speisen, bei der Vitamine und Mineralstoffe erhalten bleiben.

Ohne Bildung keine Gesundheit

In enger Zusammenarbeit mit dem „Program Against Malnutrition“ (PAM)  der sambischen Regierung und den zuständigen Ministerien, schulte CARE staatliche Gesundheitshelfer und -helferinnen sowie Freiwillige in den Gemeinden. Sie lernten die Vermittlung gesunder Ernährungspraktiken und von Hygienemaßnahmen, um anschließend Beratungen sowie Sensibilisierungskampagnen durchzuführen. Darüber hinaus erhielten Gemeinden gezielte Trainings zu klimagerechter Landwirtschaft, zu auf die neuen klimatischen Verhältnisse angepassten Anbaumethoden, effektiven Bewässerungssystemen, Viehzucht, Nahrungsverarbeitung sowie abwechslungsreicher Ernährung.

Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, wurden in den Gemeinden Ernährungskomitees gegründet. Um die Umstellung auf neue Sorten zu erleichtern, wurde Nutzvieh (Ziegen, Hühner) und Saatgut für Obstbäume (Mango, Guave, Pawpaw, Mexikanischer Apfel, Avocado, Orangen) verteilt. Außerdem wurde die Reparatur von neun Bohrlöchern und die Ausbildung von Verantwortlichen aus den Zielgemeinden zu deren Instandhaltung der Wasserlöcher umgesetzt. Weiterhin wurden Workshops zur Trocknung und Konservierung von Lebensmitteln für die Trockenzeit sowie zum Anlegen und Bewirtschaften von Gemüsegärten durchgeführt.

Weitere CARE-Projekte in Sambia finden Sie hier.

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„Ask Without Shame“: eine Aufklärungs-App aus Uganda

Das Thema Sex ist in vielen afrikanischen Ländern ein Tabuthema. Dadurch ist das Sprechen über alles, was damit zu tun hat, schwierig und fundiertes Wissen über Geschlechtskrankheiten nur eingeschränkt vorhanden. Mit dem Problem der mangelnden Aufklärung hatte auch Ruth Nabembezi in Uganda zu kämpfen und entwickelte deshalb eine App, über die man anonym Informationen rund um das Thema Sexualität und Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten bekommen kann.

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„Ask Without Shame“: eine Aufklärungs-App aus Uganda

Ruth Nabembezi  kommt aus Uganda und ist dort in einem Waisenhaus aufgewachsen, da ihre Eltern früh an den Folgen von Aids gestorben sind. Ihre Schwester wurde mit HIV geboren und als Ruth in die High School kam, erkrankte auch ihre Schwester an Aids. Sie verlor Gewicht, ihr fielen die Haare aus, sie bekam Hautausschlag und starb.

„Sie wäre wahrscheinlich noch am Leben, wenn sie über HIV aufgeklärt worden wäre“, so Ruth Nabembezi. Damals war ihre HIV-Infektion nicht diagnostiziert worden, sodass sie nicht die entsprechende Behandlung bekommen hat und letztendlich an den Folgen davon starb.

Nach dem Verlust ihrer Schwester war sich Ruth sicher, dass sie die Menschen über  HIV und Aids aufklären wollte. Mit dieser Intention ging sie zur Social Innovation Academy (SINA), einer  Stiftung, die benachteiligte Menschen vornehmlich in Uganda und Ostafrika ausbildet und sie dabei unterstützt, Lösungen für die Probleme ihrer Community zu finden und diese umzusetzen. Dort beschäftigte Ruth Nabembezi sich mit dem Problem des Stigmas und der Scham rund um das Thema Sexualität und entwickelte 2015 eine App namens „Ask Without Shame“. Über diese App können Menschen anonym Fragen rund um das Thema Sexualität stellen, werden über Themen wie HIV und AIDS aufgeklärt und ihnen wird Hilfe bei individuellen Fragen und Problemen angeboten. Dadurch schafft sie es, eine schamfreie Sexualaufklärung für Jugendliche zwischen 12 und 35 Jahren zu ermöglichen und hilft, weitere HIV-Infektionen durch Aufklärung zu verhindern. Im Jahre 2015 waren 1,5 Millionen Menschen in Uganda mit HIV infiziert, 2018 waren es 1,4 Millionen Menschen.

Wie funktioniert die App

Man kann sich  anonym in die App einloggen und sich  über  Themen wie Sex, Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft, Verhütung und HIV informieren. Außerdem erfährt man wie man Hilfe in Situationen sexuellen Missbrauchs oder Vergewaltigung erhält und kann auch persönliche Fragen stellen. Medizinische Expertinnen und Experten stehen den Nutzenden rund um die Uhr zur Verfügung. Wenn man kein Smartphone hat, kann man auch per SMS oder Anruf Fragen stellen. Die App kann außerdem Verbindungen zu Kliniken oder Ärztinnen und Ärzten herstellen.

Die App Heute

Ca. 57%  der Bevölkerung in Afrika besitzen ein Mobiltelefon. Im Jahr 2016 benutzten in Afrika 294 Millionen Menschen ein Smartphone und es wird prognostiziert, dass es 2021 schon 900 Millionen Nutzende sein werden. Im Jahr 2017 benutzten bereits 35.000 Menschen diese App und es werden rund 200 Fragen pro Tag gestellt. Mit der Zeit hat sich um „Ask without Shame“ herum ein Unternehmen gegründet, welches eine Klinik mit Ärztinnen, Psychologen, Beratungsdiensten und Betreuungsdiensten betreibt. Mittlerweile führen sie auch kleine Operationen durch und bieten Familienberatung sowie diverse Labordienstleistungen an. Außerdem leiten sie Schulungen an Schulen, Universitäten und Gemeinden und klären über die Themen auf.

So haben Ruth Namembezi und ihr Team einen Raum geschaffen, in dem das Thema Sexualität offen und ohne Scham behandelt werden kann.

Quellen und weitere Informationen

Link zur Webseite:  https://startup.info/askwithoutshame/

Ein Link zur App:  https://play.google.com/store/apps/details?id=com.askwithoutshame7

https://askwithoutshame.org/#our-inspiration

https://socialinnovationacademy.org/enterprise/ask-without-shame/

https://reset.org/blog/ask-without-shame-aufklaerung-app-02082017

https://askwithoutshame.org/

https://www.vodafone-institut.de/f-lane/ask-without-shame-sexual-education-africa-via-app/

https://startup.info/askwithoutshame/

https://www.avert.org/professionals/hiv-around-world/sub-saharan-africa/uganda

https://www.informationszentrum-mobilfunk.de/artikel/smartphone-nutzung-in-afrika

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/217457/umfrage/anteil-mobiler-endgeraete-an-allen-seitenaufrufen-weltweit/

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Heuschreckenplage in Ostafrika breitet sich weiter aus

Riesige Heurschreckenschwärme breiten sich weiter in Ostafrika aus und vernichten ganze Ernten. Die Folgen sind veheerend. Die betroffenen Länder kämpfen gegen die Plage an.

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_©picture alliance / AP Images

Heuschreckenplage in Ostafrika breitet sich weiter aus

Milliarden Heuschrecken fressen die Felder leer

Milliarden Heuschrecken ziehen in riesigen Schwärmen durch Ostafrika und verwüsten ganze Landstriche. Sie fressen in nur wenigen Stunden die Felder leer und vernichten damit die Nahrung von hunderttausenden Menschen. Vor allem Somalia, Äthiopien, Kenia, Eritrea sowie Teile des Sudans und Ugandas sind besonders geplagt. Große Teile der Ernten sind dort bereits zerstört.

Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Heuschreckenschwärme bis Juni um das 500-fache ansteigen und sich die Plage auf weitere Länder ausweiten könnte. Dann droht sogar ein Totalverlust der Ernte. Da die meisten Menschen in der Region von der Landwirtschaft leben, hätte das verheerende Folgen auf die Ernährungssituation in ganz Ostafrika. Bis zu 13 Millionen Menschen sind dann von Hunger bedroht.

Auswirkungen in Kenia und Somalia

Für Kenia wäre das die größte Heuschreckenplage seit 70 Jahren. Somalia hat bereits Anfang Februar den Notstand ausgerufen. Dort leiden schon jetzt 6,7 Millionen Menschen unter akuter Mangelernährung. Denn in vielen der betroffenen Gebiete haben in den letzten Jahren bereits Dürren und Überschwemmungen die Ernten vernichtet.

Uganda setzt Armee ein

Uganda setzt im Kampf gegen die Heuschrecken sogar seine Armee ein. 2.000 Soldaten wurden in die betroffenen Gebiete im Osten des Landes verlegt und zwei Flugzeuge wurden angeschafft, um die Schwärme aus der Luft mit Insektiziden zu bekämpfen. Das ist laut Experten auch die einzige wirksame Gegenmaßnahme.

Auch Äthiopien geht mittlerweile mit Luft- und Bodeneinsätzen gegen die Heuschreckenschwärme vor.

Heuschreckenschwärme breiten sich weiter aus

Mittlerweile breiten sich die Schwärme auch außerhalb Afrikas in Richtung Osten aus, wo laut FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) jetzt auch die Arabische Halbinsel, die Küste des Persischen Golfs in Kuwait, Bahrain und Katar betroffen sind.

„Die Heuschreckenschwärme treffen auf eine Region, in der Millionen Kinder bereits mangelernährt sind“, erklärt Sid Johann Peruvemba, Vorstand von action medeor, und macht den Ernst der Lage in Ostafrika deutlich: „Die Menschen stehen vor dem Nichts.“

Unsere Mitgliedsorganisationen versuchen das Schlimmste zu verhindern. Gemeinsam mit den lokalen Partnern plant beispielsweise action medeor in Somalia Bargeldhilfen, Lebensmittelverteilungen und Rehabilitationsmaßnahmen wie Saatgutverteilungen für eine spätere Nachsaat.

Quellen und weitere Informationen

https://www.agrarheute.com/tier/heuschreckenplage-bedroht-staaten-565307

http://www.fao.org/emergencies/fao-in-action/stories/stories-detail/en/c/1263522/

https://www.tagesschau.de/ausland/heuschreckenplage-103.html

http://www.fao.org/emergencies/crisis/desertlocust/intro/en/

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Somalia erklärt Notstand: Ernährungssicherheit durch Heuschreckenplage in Gefahr

Das Horn Afrikas bereitet sich auf die schwerste Heuschreckenplage seit 25 Jahren vor. Somalia ist davon besonders betroffen. Der somalische Landwirtschaftsminister Said Hussein Iid erklärte, die Heuschrecken stellen eine große Bedrohung neben der bereits vorherrschenden Ernährungsunsicherheit Somalias dar.

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Somalia erklärt Notstand: Ernährungssicherheit durch Heuschreckenplage in Gefahr

Heuschrecken bedrohen 6,7 Millionen Menschen

6,7 Millionen Menschen sind in Somalia schon jetzt von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht. Die Heuschrecken verschärfen die Lage zusätzlich. Denn eine Heuschrecke kann im Laufe eines Tages so viel fressen, wie sie selbst auf die Waage bringt. Die Schwärme können zudem große Strecken innerhalb kürzester Zeit zurücklegen – bis zu 150 km pro Tag. Die Schwärme fliegen von Nordsomalia Richtung Süden und breiten sich auch in den angrenzenden Ländern aus. In Kenia droht sogar die größte Heuschreckenplage seit 70 Jahren.

Schlechte Voraussetzungen in der Schädlingsbekämpfung

Im Somalia sind allerdings die Voraussetzungen, um die Plage in den Griff zu bekommen, besonders schlecht. Die Sicherheitssituation am Boden lässt es nicht zu, dass Flugzeuge von der Luft aus Mittel gegen die Insekten einsetzen können. Al-Shabaab-Kämpfer sowie weitere bewaffnete Gruppen könnten die Flugzeuge abschießen. Es bleiben den Menschen nur wenige effektive Mittel. Wenn die Schwärme nicht unter Kontrolle gebracht werden können, droht sogar ein Totalverlust der Ernte. Denn in wenigen Monaten – spätestens im April – startet die Erntesaison. Nun ist internationale Unterstützung gefragt. Die Lagebeurteilung der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, ähnelt der des somalischen Landwirtschaftsministers: Die Heuschreckenplage stelle eine noch nie dagewesene Bedrohung der Ernährungssicherheit und der Lebensgrundlage der Menschen in der Region dar.

Heuschrecken aus Jemen

Die Heuschreckenschwärme stammen ursprünglich aus Jemen. Aufgrund der für die Heuschrecken besonders günstigen Wetterbedingungen konnten sie sich dieses Jahr besonders stark vermehren.

Quellen und weitere Informationen

http://www.fao.org/emergencies/resources/photos/photo-detail/en/c/1250886/

http://www.fao.org/emergencies/crisis/desertlocust/intro/en/

https://www.dw.com/de/heuschrecken-fressen-ostafrika-kahl/a-52116420

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Vergessene Krisen 2019 – neuer Bericht von CARE

Krisen in Afrika erhielten 2019 die wenigste mediale Aufmerksamkeit – das zeigt der neue Bericht 'Suffering in Silence' unserer Bündnisorganisation CARE.

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Vergessene Krisen 2019 – neuer Bericht von CARE

In ihrem neuen globalen Bericht ‚Suffering in Silence‘ macht unsere Bündnisorganisation CARE auf die zehn humanitären Krisen aufmerksam, die 2019 trotz desaströser Verhältnisse die wenigste internationale Medienberichterstattung erhielten. Das vierte Jahr in Folge präsentiert die Hilfsorganisation die vergessenen Krisen und beobachtet einen besorgniserregenden Trend: Im Jahr 2019 fanden inzwischen neun von zehn Krisen auf dem afrikanischen Kontinent statt.

Hungernd und vergessen: Madagaskar auf Platz 1

In Madagaskar litten Ende 2019 2,6 Millionen Menschen an den Auswirkungen chronischer Dürren. Ein gutes Viertel der Bevölkerung (über 916.000 Menschen) ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Denn die meisten Madegassen können von ihrem Einkommen nicht leben: Drei Viertel der Bevölkerung leben von weniger als 1.70 Euro pro Tag.

Madagaskar hat die weltweit vierthöchste Rate an chronischer Unterernährung und jedes zweite Kind unter fünf Jahren ist unterentwickelt. Dies birgt eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer kognitiven und körperlichen Gesundheit und erhöht das Risiko, krank zu werden: Anfang 2019 gab es einen besonders großen Masernausbruch mit mehr als 127.000 bestätigten Fällen und gleichzeitig das saisonale Auftreten der Pest. Vor allem Kinder waren davon betroffen.

So schwer die Auswirkungen der Lage in Madagaskar ist, so wenig wird sie in der internationalen Öffentlichkeit wahrgenommen: CARE listete den Inselstaat auf Platz 1 der Krisen, die kaum Schlagzeilen produzierten.

Klimaveränderungen verstärken humanitäre Krisen enorm

„Wir beobachten seit Langem einen Zusammenhang zwischen der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung und der Länge und Komplexität von humanitären Krisen“, erklärt Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland, bei der Veröffentlichung am vergangenen Dienstag der Studie im Auswärtigen Amt in Berlin. „Obwohl das gesteigerte öffentliche Bewusstsein für die Klimakrise Mut macht, ist es gleichzeitig schockierend, wie wenig über ihre Auswirkungen im globalen Süden berichtet wird.“

Mehr Berichterstattung liegt jedoch nicht nur in der Verantwortung der Medien: „Krisen, über die am wenigsten berichtet wird, sind oft auch diejenigen, die die geringste Finanzierung erhalten. Das müssen wir ändern“, sagt Peter Felten, Leiter des Referats für Multilaterale Gestaltung der Humanitären Hilfe im Auswärtigen Amt. „Es ist unsere Aufgabe, auch dorthin zu schauen, wo es keine Medienschlagzeilen und keine einfachen Antworten gibt. Als einer der größten Geber für humanitäre Hilfe weltweit ist sich Deutschland der Verantwortung bewusst, auch chronische und klimabedingte Krisen mit Nachdruck auf die Agenda zu bringen.“

Die Konsequenzen der vergessenen Krisen sind hoch: Um im Jahr 2020 humanitäre Hilfe für knapp 109 Millionen Menschen in Krisenregionen weltweit zu leisten, werden laut den Vereinten Nationen rund 26 Milliarden Euro benötigt.

Den ganzen Bericht lesen Sie hier. Mehr über die Arbeit unserer Bündnisorganisation CARE erfahren sie hier. In Madagaskar führt CARE eines ihrer wichtigen Projekte zum Schutz vor Klimawandel, wiederkehrenden Naturkatastrophen und daraus resultierenden Hungerkrisen durch. Mehr dazu lesen sie hier.

Suffering in Silence – Top 10 der vergessenen Krisen

  1. Madagaskar – 2,6 Millionen Menschen leiden durch die klimatischen Veränderungen an Hunger
  2. Zentralafrikanische Republik – Ein brutaler Konflikt im Herzen Afrikas: Etwa 2,6 Millionen Menschen brauchen dringend humanitäre Hilfe
  3. Sambia – Wiederholt fallen Ernten aus. Etwa 2,3 Millionen Menschen brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe
  4. Burundi – 1,7 Millionen Menschen haben nicht genug Mittel, um ihre Familien zu ernähren
  5. Eritrea – Schwere Dürre: Die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren leidet an Unterernährung
  6. Nordkorea – Ein Land in Isolation: 10,9 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
  7. Kenia – Überschwemmungen und Dürren: Mehr als 1,1 Millionen Menschen hungern
  8. Burkina Faso – Bewaffnete Konflikte und Gewalt: 5,2 Millionen Menschen sind betroffen
  9. Äthiopien – Naturkatastrophen, Mangelernährung und Vertreibung: 7,9 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen
  10. Tschadsee-Region – Konflikte, Vertreibung und Hunger: 10 Millionen Menschen brauchen Hilfe

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Armut und Hunger

Armut und Hunger gehören bei vielen Menschen zum Alltag. 380 Millionen Frauen, Männer und Kinder in Afrika müssen von weniger als 1,90 Dollar am Tag leben.

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Armut und Hunger

Armut und Hunger gehören bei vielen Menschen zum Alltag. 380 Millionen Frauen, Männer und Kinder in Afrika müssen von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben – unterhalb der sogenannten Armutsgrenze. Bildungsmangel, Krankheiten und Geldknappheit verfestigen den Kreislauf der Armut.

Armut und Hunger sind tägliche Realität

Im Jahr 2016 hatten weltweit 815 Millionen Menschen nicht genug zu essen, das sind 13 Prozent der Weltbevölkerung. Erstmals seit zehn Jahren ist die Zahl der Hunger Leidenden wieder angestiegen. Nach Schätzungen der Weltbank leben 45 bis 50 Prozent der Gesamtbevölkerung Afrikas südlich der Sahara unterhalb der Armutsgrenze, das heißt von weniger als 1,90 Dollar (PPP) am Tag (World Food Program).

Armut hat viele Gesichter, das hässlichste ist das des Hungers. Circa 240 Mio. Menschen in Afrika leiden an chronischem Hunger, d.h. sie müssen dauerhaft mit weniger als 1800 Kalorien pro Tag auskommen.

Hungersnöte, wie sie in 2011 und 2017 Millionen Menschen in Ostafrika erlebten, machen das Gespenst des Hungers immer wieder mit erschreckenden Bildern für die Weltöffentlichkeit sichtbar. Diese Bilder sind aber nur die Spitze des Eisberges und lassen nur bedingt den Blick auf die komplexen Hintergründe zu.

Armut – ein Kreislauf

Armut und Hunger als schlimmste Form der Armut sind ein Bündel aus Symptomen, Ursachen und Folgen, die ineinandergreifen und abhängig voneinander sind. Viele Kennzeichen von Armut wie  Unterernährung, Kindersterblichkeit, geringe Lebenserwartung, Mangel an Bildung und Ausbildung, Krankheiten und Geldmangel sind gleichzeitig oft auch Ursachen von Armut.

Viele Länder in Afrika südlich der Sahara befinden sich in diesem Kreislauf der Armut, der nur schwer zu verstehen und zu durchbrechen ist.

Hintergründe und Ursachen

Armut und Hunger sind trotz komplexer Ursachen kein unveränderliches Schicksal. Afrika hat das Potenzial, sich selbst zu ernähren. Auf dem Kontinent gibt es ausreichend fruchtbaren Boden, eine Fülle natürlicher Ressourcen, Wirtschaftswachstum und Arbeitskraft. Doch eine Vielzahl von Faktoren, die nicht nur auf dem Kontinent selbst, sondern auch im unfair gestalteten globalen Handels- und  Wirtschaftssystem zu finden sind, hemmen die Entfaltung des vorhandenen Potenzials.

Informieren Sie sich im Detail über die Hintergründe:

Nahrungssicherung

Nahrungsmittelkrisen und Hunger sind leider wiederkehrende Realität auf dem afrikanischen Kontinent. Die Ursachen liegen unter anderem in unfairen Handelbeziehungen, Nahrungsmittelspekulationen sowie auch in klimatischen Veränderungen.

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Nahrungssicherung

An landwirtschaftlichen Produkten wie Baumwolle, Kakao, Reis oder Hirse mangelt es Afrika nicht. Dennoch sind Nahrungsmittelkrisen und Hunger wiederkehrende Realität. Die Ursachen liegen unter anderem in unfairen Handelbeziehungen, Nahrungsmittelspekulationen sowie auch in klimatischen Veränderungen.

Wenn Nahrungsmittel nicht satt machen

Die Landwirtschaft stellt in Afrika eine Schlüsselbranche dar. Der Kontinent bietet fruchtbare Böden, Wasser und Arbeitskraft. Besonders an Ackerflächen mangelt es nicht. Pro Einwohner stehen 0,25 Hektar Nutzfläche zur Verfügung, dies entspricht dem Weltdurchschnitt.

Zu den meist angebauten landwirtschaftlichen Produkten zählen Reis, Hirse, Mais, Jamswurzel, Maniok, Okra, Bananen, Kaffee, Baumwolle, Kakao, Erdnüsse, Palmöl, und Datteln. Trotz Armut und wiederkehrender Nahrungsmittelkrisen sind Experten sich einig: Afrika hat das Potential, sich selbst zu ernähren.

Über 60 Prozent aller erwerbstätigen Afrikaner südlich der Sahara sind im Agrarsektor tätig. Doch das Potenzial der Landwirtschaft kann sich, bedingt durch eine Vielzahl von Faktoren, nicht frei entfalten. Unfaire Handelsbedingungen, Energiepolitik, steigende Weltmarktpreise für Nahrungsmittel und klimatische Bedingungen sind einige der Ursachen hierfür.

Biosprit: Treibstoff für den Hunger

Ein wesentlicher Faktor für die Verknappung von Nahrungsmitteln in Afrika südlich der Sahara ist der weltweite Aufschwung von Agrartreibstoffen durch die Energiepolitik vieler Industrienationen.

Für die Produktion des Treibstoffs werden vermehrt Nutzpflanzen wie Mais, Zuckerrohr, Ölpalmen oder Sojabohnen angebaut. Dies geschieht bevorzugt auf Anbauflächen von Entwicklungsländern. Die dort angebauten Agrarprodukte werden schließlich durch die steigende Produktion von Biotreibstoff „verheizt“ und stehen nicht für die Produktion von Lebensmitteln zur Verfügung. In diesem Zusammenhang werden darüber hinaus auch bestehende Landrechte der einheimischen Landwirte verletzt. Denn für die Nutzung der Anbauflächen, werden die Menschen oft gewaltsam von ihrem Land vertrieben oder zum Verkauf ihres Grund und Bodens gezwungen.

Die steigende Nachfrage von Agrarrohstoffen für Biotreibstoff führt zudem zu einem Anstieg der Weltmarktpreise für Nahrungsmittel. Dies führt zu einem weiteren Nachteil für afrikanische Länder. Denn die, auf den Flächen der ausländischen Investoren produzierten Nahrungsmittel, werden exportiert. Afrika wird gezwungen, Grundnahrungsmittel wie Getreide zu hohen Preisen zu reimportieren. Biosprit fördert Hunger!

Das Thema im Detail

Spekulationen mit Nahrungsmitteln

Der extreme Anstieg der Preise für Agrarrohstoffe ist jedoch nicht allein auf die vermehrte Produktion von Biotreibstoffen zurück zu führen. Signifikanten Einfluss auf den Preisanstieg haben auch zunehmende Spekulationen an den internationalen Börsen.

Die Weltmarktpreise stiegen in den letzten Jahren in unnatürliche Höhen. Dies liegt daran, dass Preise für Nahrungsmittel heute nicht mehr ausschließlich Ergebnis von tatsächlichem Angebot und realer Nachfrage sind.
Sie hängen zunehmend von fiktiven Erwartungen der internationalen Börsen ab. Spekulationen – die ursprünglich eine preisstabilisierende Wirkung im Rahmen des Handels von Agrarrohstoffen hatten – haben in Folge des Zusammenbruchs der Immobilien- und Kreditmärkte in 2007/2008 stark zugenommen. Auf der Suche nach neuen Anlageformen stiegen die Banken und Fondsgesellschaften in den Handel mit Agrarrohstoffen ein. Nicht die tatsächliche Warentransaktion, sondern die Diversifizierung der Anlagen und kurzfristige Gewinne stehen hierbei im Vordergrund. Dieses Spekulieren auf steigende und fallende Preise führt zu massiven Preisschwankungen und steigenden Grundnahrungsmittelpreisen.

Das Thema im Detail

Klimawandel verschärft den Hunger

Zunehmend bedroht auch der weltweite Klimawandel die Nahrungsmittelproduktion in afrikanischen Staaten. In den nächsten Jahrzehnten könnte sich der Klimawandel zu einer katastrophalen Gefahr für die Ernährungssicherheit entwickeln. Experten vermuten schon jetzt einen extremen Rückgang der Ernteerträge von Mais, Weizen und anderer Grundnahrungsmittel durch verstärktes Auftreten von Dürren, Überschwemmungen und weiteren Umweltkatastrophen.

Besonders kleinbäuerliche Betriebe werden sich mit noch größeren Schwierigkeiten konfrontiert sehen, ihren Eigenbedarf zu decken. Zusätzlich führt die verminderte landwirtschaftliche Produktivität durch den Klimawandel zu einer Steigerung der Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt.

Das Thema im Detail

Fazit

Um Afrikas Potenzial zur Versorgung der eigenen Bevölkerung zu fördern, bedarf es konkreter Maßnahmen.

  • Investitionen in eine an veränderte Bedingungen angepasste Landwirtschaft und optimale Bewässerungssysteme könnten Ernteverluste durch den globalen Klimawandel verringern.
  • In Sachen Biotreibstoff muss insbesondere die hohe Beimengungsrate von 10 Prozent in der Europäischen Union herabgesetzt werden.
  • Um zu verhindern, dass die Preisanstiege für Grundnahrungsmittel Armut und Hunger in Afrika weiterhin schüren, müssen auch Spekulationen an den Börsen stärker reguliert werden.
  • Die vieldiskutierte Finanztransaktionssteuer – eine Steuer auf börsliche und außerbörsliche Finanztransaktionen – verspricht großes Potenzial für die Eindämmung ausufernder Spekulationen und die Finanzialisierung lebenswichtiger Nahrungsmittel. Die Finanztransaktionsteuer im Detail.

Land und Ressourcen

Vor allem in der ertragreichen Landwirtschaft liegt Afrikas großes Potenzial. Doch trotz dieser guten Bedingungen profitiert die Bevölkerung kaum von diesem Reichtum.

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Land und Ressourcen

Fruchtbare Böden, Öl, Diamanten, Gold – Subsahara Afrika verfügt über beträchtliche und vielfältige Rohstoffvorkommen. Vor allem in der ertragreichen Landwirtschaft liegt Afrikas großes Potenzial. Doch trotz dieser guten Bedingungen profitiert die Bevölkerung kaum von diesem Reichtum.

Land und Ressourcen satt und trotzdem Hunger

Afrika südlich der Sahara ist reich an fruchtbaren Böden und natürlichen Ressourcen. Den Landwirten mangelt es nicht an Flächen. Pro Einwohner gibt es heute ca. 0,25 Hektar Nutzfläche, diese entspricht dem Weltdurchschnitt. Auch die Rohstoffvorkommen sind üppig: 10 Prozent der weltweiten Ölvorkommen, 50 Prozent der Diamantenvorkommen und 25 Prozent der globalen Goldvorkommen befinden sich in Afrika. Viele weitere natürliche Ressourcen wie Mangan, Kobalt, Chrom und Coltan sind wichtige Rohstoffe und attraktiv für die Erzeugung von Stahl, für die Luftfahrtindustrie oder von besonderer Bedeutung für die Mobiltelefonindustrie. Besonders rohstoffreiche Länder sind Sudan, Nigeria oder die demokratische Republik Kongo.

In diesen Ländern profitiert die Bevölkerung kaum vom Handel mit den Ressourcen, obwohl große Mengen an Rohstoffen von den Industrieländern exportiert werden. In vielen Ländern regt sich in der Bevölkerung der Widerstand gegen den Ausverkauf ihrer Länder.

Die Rohstoffinitiative der EU verschärft die Armut

Die Kritik vieler Länder des subsaharischen Afrikas richtet sich dabei gegen Aspekte der EU-Politik.
Diese sichert sich mit ihrer Rohstoffinitiative (2011) den ungehinderten Zugriff auf wertvolle Bodenschätze und Rohstoffe und übt dabei massiven Druck auf die Exportländer aus. So sollen die entsprechenden Länder Handelsbegrenzungen wie Exportsteuern für Rohstoffe abschaffen und ausländische Direktinvestitionen ermöglichen.
Ökologische, soziale, politische sowie entwicklungspolitische Belange finden in dieser geostrategisch ausgerichteten Initiative der EU kaum Beachtung.

Das Thema im Detail

Landraub gefährdet die Ernährungssicherung

Neben den bekannten Rohstoffen wie Öl, Diamanten oder Coltan ist seit einigen Jahren vor allem der fruchtbare Boden vieler afrikanischer Länder von verwertbarem Interesse für viele Staaten. Durch die wachsende Nachfrage nach Agrarprodukten sind Industrie- und Schwellenländern zunehmend an fruchtbaren Flächen in Afrika interessiert.

Die wachsende Nachfrage ist beispielsweise mit dem verschwenderischen Einsatz von Nahrungsmitteln für Agrartreibstoffe und einem steigendem Fleischkonsum, der wiederum die Nachfrage nach Futtermitteln erhöht hat, zu erklären. Viele Millionen Hektar Land haben sich ausländische Regierungen und Konzerne durch Kauf oder Pacht in den letzten Jahren in Subsahara-Afrika gesichert.

Auf diesem Land werden zunehmend Grundnahrungsmittel oder Energiepflanzen für die Nahrungs- und Energiesicherung der investierenden Länder angebaut. Durch diese Praxis werden bestehende Landrechte der Besitzer, beispielsweise Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, verletzt. Die Praxis des Landraubs gefährdet massiv die Ernährungssicherung der betroffen Menschen, da ihnen das Land nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung steht.

Zudem werden die verbleibenden Böden durch falsche Anbaumethoden verarmt oder zerstört oder aufgrund mangelnder Investitionen vernachlässigt.

Das Thema im Detail

Potenziale liegen in der ländlichen Entwicklung

Der Umfang der Mittel und Programme für die Landwirtschaft ist in den vergangenen 20 Jahren ständig zurückgegangen.
Die Folgen davon spüren die Bauern in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara: In den vergangenen 25 Jahren sind die Einkommen in der Landwirtschaft in dieser Region im Schnitt um weniger als ein Prozent pro Jahr gewachsen. Das ist im weltweiten Vergleich die mit Abstand niedrigste Rate.

Potenziale, wie sie die kleinbäuerliche Landwirtschaft bietet, werden so nicht ausgeschöpft. Dabei machen bereits heute Millionen kleiner Subsistenzlandschaften und diversifizierter Kleinbetriebe den Großteil der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion aus. Zudem sichert die kleinbäuerliche Landwirtschaft langfristig mehr soziale Gerechtigkeit und schützt die natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft, Energie und die Vielfalt landwirtschaftlicher Nutzpflanzen.

Das Thema im Detail

Ländliche Entwicklung kann Hungerkatastrophen verhindern

Auch die erschreckende Hungerkrise in Ostafrika 2011 ist im Kern auf die jahrzehntelange mangelnde Unterstützung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, den unzureichenden Zugang zu Land und die Übernutzung der Böden zurückzuführen. Wäre hier rechtzeitig gehandelt und bereits früher mehr investiert worden, hätte die Hungersnot vermieden werden können.