Aus Abfall wird Energie: Afrikapreis für Innovationen 2021 für Biogasanlage

Für seine Biogasanlage, die Kleinbäuerinnen und -bauern in Côte d’Ivoire zu Nebeneinnahmen verhelfen kann, gewann der Chemieingenieur Noël N'guessan den Afrikapreis für Innovationen 2021.

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Aus Abfall wird Energie: Afrikapreis für Innovationen 2021 für Biogasanlage

Noël N’guessan entwickelte die kostengünstige Biogasanlage “Kubeko”, die Bioabfälle zu Energie weiterverarbeitet. Dafür werden landwirtschaftliche Ernteabfälle kompostiert. Bei diesem Prozess entstehen trockener und feuchter Kompost sowie Gas, das zum Kochen verwendet werden kann. 

Die Geräte können Kleinbäuerinnen und -bauern dabei helfen, Bioabfälle effizient zu nutzen und zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. Sie ermöglichen ihnen und ihren Familien, ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand mehr Einkommen aus den Nebenprodukten ihrer Ernte zu erzielen.  

N’guessan ist der erste Ivorer, der mit einer in Côte d’Ivoire entwickelten Innovation den Afrikapreis gewinnt.  

Aus Abfall werden Nebeneinkünfte 

„Bioabfälle machen das Zwei- bis Fünffache der verkauften Ernten oder Produkte aus, d. h. 30 Millionen Tonnen Abfall, die jährlich in Côte d’Ivoire entsorgt werden“, so N’guessan. „Durch die Wiederverwendung dieser Abfälle kann Kubeko den Ivorern helfen, ein zusätzliches Einkommen zu erzielen, was das Leben von Tausenden von Landwirten und ihren Familien erheblich verbessert.“  

Senkung der Produktionskosten, um Kubeko erschwinglicher zu machen 

Seitdem das Kubeko-Team in die engere Wahl für den Afrikapreis gekommen ist, hat es seine Produktionskosten von 800 auf 700 Dollar verringert, was seine Produkte finanzierbarer macht. Das Team hat zwei Biogasanlagen in Betrieb genommen und bisher 50 Komposter auf Kakao-, Palmöl- und Mangofarmen installiert. Kubeko wurde auch vom Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung in Côte d’Ivoire beauftragt, im Rahmen der nationalen Kompostierungs- und Bioabfallstrategie des Ministeriums mögliche Nutzerinnen und Nutzer in der Verwendung von Kubeko zu schulen.  

Afrikapreis für Innovationen unterstützt aufstrebende Talente 

Die britischen Royal Academy of Engineering verleiht den Afrikapreis für Innovation seit 2014. Er ist Afrikas größter Preis für technische Innovationen und hat viele heute erfolgreiche Ingenieurinnen und Ingenieure entdeckt. In seinem siebten Jahr unterstützt der Preis talentierte afrikanische Unternehmerinnen und Unternehmer aus Ländern südlich der Sahara, die technische Innovationen entwickelten und damit wichtige Probleme in der Gesellschaft auf neue Weise angehen.  

Mentoring der Teilnehmenden vor der Preisverleihung 

Sechzehn Erfinderinnen und Erfinder aus acht Ländern südlich der Sahara, die in die engere Wahl gekommen waren, wurden acht Monate begleitet, entwickelten ihre Geschäftspläne und lernten, ihre Innovationen zu vermarkten. Die Gruppe wurde darin geschult, effektiv zu kommunizieren, sich auf Kunden zu konzentrieren und selbstbewusst auf Investierende zuzugehen.  

Networking für die Zukunft 

Der Afrikapreis stellt außerdem Kontakte zu Menschen und Netzwerken im Vereinigten Königreich und in ganz Afrika her, die ihre geschäftliche und technologische Entwicklung beschleunigen können – von anderen Unternehmerinnen und Unternehmern hin zu potenziellen Investierenden und Lieferunternehmen. 

Englische Übersetzung des Artikels “First Ivorian-based innovation wins the Africa Prize for Engineering Innovation” von Robin Whitlock vom 13.07.2021 aus dem Renewable Energy Magazine. 

04.08.2021

Die dritte Welle in Afrika

Im Juli 2021 stieg die dritte Corona-Welle in Afrika stark an. In nur einer Woche meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Anstieg der Todesfälle um über 40 %. Der Impffortschritt verläuft hingegen nur schleppend.

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Die dritte Welle in Afrika

Die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation für Afrika Dr. Matshidiso Moeti, welche für ihre lange Erfahrung im Amt und bedächtigen Aussagen bekannt ist, teilte Anfang Juli in einer eindringlichen Nachricht mit, dass die dritte Welle Afrika sehr stark treffen würde und dass es zu einer Tragödie kommen könnte.  

Gründe für die dritte Welle: Delta-Variante und fehlender Impfstoff 

Schuld daran ist die Delta-Variante des Covid-19-Virus und der fehlende Impfstoff in den meisten afrikanischen Ländern. Erst 3,2 % der Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent sind mindestens einmal geimpft. Zum Vergleich: in der EU sind es 58,3 % (Stand 29.07.2021, Our World in Data). 

Unterschiedliche Probleme 

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Erde, mit über 1,3 Milliarden Menschen auf 55 Länder verteilt. Dass sich die Situationen in den einzelnen Ländern unter anderem stark voneinander unterscheidet, sollte klar sein.  

Der Mythos, das Corona-Virus würde Afrika aufgrund des jungen Durchschnittsalters und viel Aktivität an der frischen Luft “verschonen”, wurde von den aktuellen Ereignissen widerlegt.  

Überlastete Krankenhäuser und fehlender Impfstoff in Uganda 

Das größte Problem in den meisten Ländern ist der fehlende Impfstoff. In Uganda beispielswiese kamen im März nur eine Millionen Impfdosen AstraZeneca über die COVAX-Initiative an. Damit konnte nur ein Bruchteil der über 44 Millionen Menschen im Land geimpft werden.  

Im Juli waren die Krankenhäuser im ganzen Land überlastet, Sauerstoff wurde knapp und viele Menschen mussten ihre Verwandten zuhause selbst versorgen. In Uganda kostet eine Behandlung auf der Intensivstation 2000 € pro Tag, das können sich die meisten Menschen nicht leisten. Auch die Corona-Behandlungszentren sind überfüllt und nicht ausreichend ausgestattet. Nun droht die Regierung mit mehrmonatigen Haftstrafen für das nicht Einhalten von neuen Lockdown-Maßnahmen.  

Vielzahl der Coronatoten in Südafrika tauchen nicht in Statistik auf 

Auch in Südafrika war die Lage zuletzt bedrohlich: Anfang Juli wurde eine Übersterblichkeit von 3.200 Menschen innerhalb einer Woche verzeichnet, die Behörden gaben allerdings nur 700 offizielle Corona-Tote an. Es wird vermutet, dass teilweise nur die Toten in den Statistiken auftauchen, die auf Corona-Intensivstationen starben. Es ist wahrscheinlich, dass es in anderen Ländern zu vergleichbaren Situationen kommt. 

In Tansania startet die Impfkampagne unter neuer Präsidentin 

Bessere Nachrichten kommen aus Tansania, dort startete am 28. Juli die erste Impfkampagne des Landes. Der ehemalige Präsident Tansanias Magufuli hatte, statt auf Impfungen, auf heilende Gebete gesetzt. Die neue Präsidentin Samia Suluhu Hassan, hatte sich nun am 28. Juli als eine der ersten Personen impfen lassen, um die Vorurteile und Ängste der Bevölkerung zu verringern. In Tansania sollen zunächst medizinisches Personal, Ältere und Menschen mit Vorerkrankung geimpft werden. Doch auch in Tansania gab es für 58 Millionen Menschen nur eine Millionen Dosen Johnson und Johnson. 

Impfskepsis führt zur Vernichtung von Impfdosen im Kongo  

Im Kongo hingegen müssen nun wahrscheinlich 300.000 Impfdosen vernichtet werden, da das Ablaufdatum überschritten wurde. Im März hatte der Kongo 1,7 Millionen Dosen AstraZeneca durch COVAX erhalten, 1,3 Millionen davon allerdings bald an andere Länder weitergegeben, da zu erwarten war, dass viele Menschen im Kongo sich nicht impfen lassen würden. 

Neben der schlecht ausgebauten Infrastruktur gab es eine große Impfskepsis im Kongo. Ausgelöst durch die Thrombosewarnungen durch AstraZeneca, falsche Informationen und fehlende Kommunikation.  

Auch in Deutschland wurde AstraZeneca nach Informationen über die möglichen Gefahren einer Hirnthrombose kaum mehr verimpft, da die Menschen lieber auf andere Impfstoffe zurückgriffen. Im Kongo wird nun darauf gehofft, dass bei der nächsten Lieferung von COVAX auch Impfstoffe der Hersteller BioNTech-Pfizer oder Moderna dabei sein werden. 

Afrikanische Länder wollen selbst Impfstoff produzieren 

Mehrere Länder in Afrika wollen nun mit der eigenen Produktion von Impfstoff beginnen. Darunter der Senegal, hier soll ab 2022 Impfstoff hergestellt werden. In Südafrika soll zunächst einmal nur Impfstoff abgefüllt werden, dies allerdings schon in näherer Zukunft, so das Unternehmen BioNTech-Pfizer. 

Ungleiche Verteilung des Impfstoffes  

Zurzeit stellt die ungleiche Verteilung des Impfstoffes auf der Welt das größte Problem der Pandemie dar: in den wohlhabendsten Ländern der Erde ist ein immer größerer Teil der Bevölkerung immunisiert. Doch in großen Teilen der Welt ist die nicht der Fall. Die Mutationen des Covid-19-Virus, die dort entstehen wo es noch zu einer Vielzahl von Ansteckungen kommt, werden sich in der ganzen Welt ausbreiten. Es kommt schon bei der aktuellen Delta-Variante dazu, dass auch geimpfte Menschen sich infizieren. 

Auch Deutschland ist Teil des Problems 

Das Horten von Impfdosen von reichen Ländern ist nicht nur egoistisch, sondern bringt niemandem etwas, denn sobald sich Mutationen in Gebieten entwickeln, welche nicht genug Impfstoff haben, können sie sich auf der Welt ausbreiten. 

Auch in Deutschland hatte Gesundheitsminister Spahn Anfang Juli bekanntgegeben, dass er mit 200 Millionen Impfdosen für Deutschland im nächsten Jahr planen will. Während in Deutschland 2022 die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten wird sich ein drittes Mal impfen zu lassen, werden viele Menschen in afrikanischen Ländern aber auch weltweit noch nicht einmal Zugang zu einer einfachen Impfung erhalten haben.

Quelle:   

o. A. / Hoffnung auf Impfstoff “Made in Senegal” vom 22.07.2021 in Tagesschau.  

Van Dijk, L. / “Schlimmer als alles bisher” vom 05.07.2021 in der taz.  

Hoffmann, H. / Heilkräuter statt Sauerstoff vom 15.07.2021 im Spiegel.  

Raupp, J. / Impfskepsis: Kongo muss massenhaft COVID-Vakzin vernichten vom 22.07.2021 in DW.  

Wilhelm, J. P. / COVID-19: Afrika plant die Impfstoff-Revolution vom 02.07.2021 in DW.  

AFP / Samia Suluhu Hassan kicks off Tanzania’s Covid vaccination with first jab vom 28.07.2021 in africanews. 

Könnte Heilpflanze gegen Malaria auch gegen Covid-19 wirken?

Die Heilpflanze Artemisia annua wird in Deutschland Einjähriger Beifuß genannt. Aus dem chinesischen Heilkraut wird der Wirkstoff Artemisinin gewonnen. In Reinform gilt dieser als das bisher wirkungsvollste Mittel gegen Malaria.

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Könnte Heilpflanze gegen Malaria auch gegen Covid-19 wirken?

Malaria ist eine der verbreitetsten Krankheiten auf dem afrikanischen Kontinent. Erst vor kurzem wurde eine wirksame Impfung gegen sie entwickelt. Zur Behandlung wird eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamenten empfohlen. Unteranderem dem Wirkstoff Artemisinin. Der Wirkungsmechanismus des Mittels ist bisher noch nicht vollständig geklärt. 

Pflanzenheilkunde gegen Malaria 

Artemisinin kann aus der Heilpflanze Artemisia annua gewonnen werden, diese Pflanze wird von einigen Menschen selbst im Garten angebaut und als Naturheilmittel gegen Malaria und weitere Krankheiten eingesetzt. 

Tatsächlich wurde in einer Studie die Wirksamkeit von Tee aus der Heilpflanze gegen Malaria nachgewiesen. Hierbei wurde Tee aus den Pflanzen Artemisia annua und Artemisia afra gebrüht. Es zeigte sich, dass Tees aus beiden Pflanzen besser wirkten als herkömmliche Medikamente. Da die Artemisia afra allerdings den Wirkstoff Artemisinin nicht enthält, muss der Erfolg der Heilmittel auf zum Teil unterschiedlichen Wirkungsmechanismen beruhen.  

Artemisinin ein echter Allrounder 

Jedoch nicht nur gegen Malaria kann Artemisinin helfen. Der Wirkstoff wird in vielen weiteren Medikamenten eingesetzt, bspw. zur Behandlung von AIDS oder Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen. Die effiziente Entwicklung von möglichst konzentriertem Artemisinin ist daher von größter Wichtigkeit. Auch, da sich Menschen immer wieder mit Malaria infizieren können, was bedeutet, dass einige Familien ihren Kindern mehrmals im Jahr Medikamente kaufen müssen. Dies ist für einige Familien zu teuer.  

Suche nach effizienter und kostengünstiger Herstellung  

Eine kostengünstige und effiziente Herstellung des Wirkstoffes Artemisinin aus der Heilpflanze wäre die Lösung. Der Potsdamer Forscher Peter H. Seeberger entwickelte ein Verfahren, für welches es nur gehäckselte Pflanzenfette, Luft und Sonne benötigt.  

Solche Methoden könnten durchaus auch in Afrika entwickelt und ausgebaut werden. Kritisiert wird häufig, dass die Pharmaindustrie sich gegen die Forschung an dem Naturheilkraut zu stellen scheint.  

So sprach sich die Weltgesundheitsorganisation gegen die Anwendung von Tees mit Artemisia afra aus, da die Befürchtung im Raum stünde, dass sich eine Resistenz gegen Malariamedikament entwickeln könnte.  

Die Anwendung von Tees gegen Malaria wurde erst wenig erforscht, doch die Chance einer günstigen und effizienten Alternative zu Medikamenten aus Europa oder den USA sollten Grund genug sein, um in tiefergehende Forschungen zu investieren. 

Artemisinin gegen Covid-19? 

2020 kam der Wirkstoff Artemisinin wegen seinen antiviralen Aktivitäten auf den Radar der Forschung gegen das Corona-Virus. 2005 hatten Untersuchungen gezeigt, dass ein alkoholisches Extrakt aus Artemisia annua gegen SARS, einem dem Corona-Virus verwandten Virus, Wirkung zeigte.  

Inspiriert davon, kam es 2020 auch zu einer Studie des Max-Planck-Instituts. Ob der Wirkstoff nun neben Malaria auch erfolgreich gegen das Covid-19-Virus eingesetzt werden kann, wird sich zeigen, die Studie wurde noch nicht abgeschlossen. 

Quellen:

Wildermuth, V. / Afrikanischer Kräutertank als Heilmittel gegen Covid-19? Vom 10.06.2020 in Deutschlandfunk.   

Budinger, V. / Artemisia Annua: Forschung in Deutschland, ungeprüfter Kräutertee in Madagaskar vom 11.05.2020 in der Deutschen Apotheker Zeitung.  

Flähming, R. / Der Kampf mit dem Fieber vom 13.02.2021 in der Süddeutschen Zeitung. 

Modul Gesundheit SEK

Die flexiblen Unterrichtsmodule für Afrika in der Schule umfassen differenzierte Hintergrundinformationen, Arbeitsblätter für den praktischen Unterricht, ein Role Model das Handlungsoptionen für Schülerinnen und Schüler aufzeigt und ein Projektbeispiel aus Afrika.

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Eine smarte Brille übersetzt gesprochene Worte in Gebärdensprache – und andersherum!

Der Student Omar Abdel Salam aus Ägypten entwickelte eine smarte Brille, die gesprochene Worte in Gebärdensprache übersetzt und auf einem kleinen Display vor den Brillengläsern abbildet. Die Erfindung funktioniert auch in die andere Richtung: Über einen kleinen Lautsprecher können Wörter akustisch abgespielt werden, die aus der Gebärdensprache übersetzt wurden.

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Eine smarte Brille übersetzt gesprochene Worte in Gebärdensprache – und andersherum!

Omar Abdel Salam, der Entwickler der smarten Brille namens “SensEar Glasses”, ist Student an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Mansoura University in Ägypten und studiert Kommunikation und Informatik.  

Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen gehörlosen und hörenden Menschen 

Er startete sein Projekt 2015, als ihm klar wurde, dass der Großteil der Menschen keine Gebärdensprache beherrscht und gehörlose Menschen dadurch häufig darauf angewiesen sind durch das Lesen und Schreiben von Wörtern zu kommunizieren. Dies funktioniert allerdings nicht, wenn Menschen weder lesen noch schreiben können. Unabhängig davon, ob es sich dabei um die gehörlose oder hörende Person handelt, kann in diesem Falle nicht direkt kommuniziert werden.  

Smarte Brille soll Gebärdensprache übersetzen 

Abdel Salam kam die Idee zu einer smarten Brille, die gesprochene Sprache in Gebärdensprache übersetzt und andersherum. Dadurch könnten hörende Personen, Menschen verstehen, die in Gebärden kommunizieren und andersherum könnten diese sprechende Menschen verstehen.  

Vor allem Menschen, die weder lesen noch schreiben können, könnten so einfacher mit Menschen kommunizieren und sich leichter in das Gemeinschaftsleben einbringen.  

Andere Innovationen zur Vereinfachung der Kommunikation von gehörlosen Menschen 

Zunächst recherchierte Abdel Salam nach wissenschaftlichen Innovationen auf diesem Gebiet. An der Washington University wurde er fündig: Dort hatten Wissenschaftler Handschuhe und eine Software entwickelt, die Gebärdensprache in Echtzeit in gesprochene Worte übersetzen konnten. Diese Handschuhe sind allerdings auf 660 Zeichen limitiert und helfen nur hörenden Menschen dabei, Gebärden zu verstehen und nicht umgekehrt.  

Auch bei Google wurde Abdel Salam fündig: Google entwickelte eine Brille, die gesprochene Wörter in Schrift umwandelte und diese auf einer Linse vor den Brillengläsern abbildet. Allerdings wurde diese Brille eher für schwerhörige Menschen entwickelt. Zudem gibt Abdel Salam zu denken, dass viele gehörlose Menschen nicht gut lesen können. 

Anteil an funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten unter Gehörlosen sehr hoch 

In Deutschland sind etwa 80 % der gehörlosen Menschen funktionale Analphabetinnen und Analphabeten, bei hörenden Personen liegt der Anteil bei etwa 13 %. Funktionaler Analphabetismus liegt vor, wenn eine Person zwar einzelne Wörter lesen und bspw. Den eigenen Namen schreiben kann, allerdings zu stark eingeschränkt ist, um in angemessener Form am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.   

Der hohe Anteil bei gehörlosen Menschen ist damit begründet, dass die Gebärdensprache eine eigene Sprache mit eigener Grammatik ist. Die deutsche Schriftsprache hat eine vollkommen andere Grammatik und muss somit wie eine komplett neue Sprache erlernt werden. Dies erschwert das Lernen von Lesen und Schreiben.  

Ein langer Prozess zur praktisch anwendbaren smarten Brille 

Abdel Salam entwickelte mehrere aufeinander aufbauende Modelle seiner smarten Brille. Zunächst handelte es sich erst um ein Programm auf einem Smartphone, welches gesprochene Wörter in Zeichensprache übersetzte. In den nächsten Schritten wurde die Zeichensprache vor der Linse von Brillen abgebildet, teilweise verwendete er dafür Virtual-Reality-Technologien. Mit der Zeit schaffte er es die Größe und das Gewicht der Brille zu reduzieren. Auch die Anzahl an Wörtern, die übersetzt werden konnte, stieg mit der Zeit an.  

In seinem siebten Modell schaffte er es, die praktische Anwendung der Brille stark zu verbessern: Mit Hilfe eines kleinen Lautsprechers an der Brille kann die übersetzte Zeichensprache in gesprochene Wörter abgespielt werden. So kann mit der Brille nun auf einfache Weise in beide Richtungen kommuniziert werden. 

Smarte Brille könnte zum „Lesen” von Büchern verwendet werden 

Zurzeit arbeitet Abdel Salam an einem Update, welches es möglich machen soll, dass geschriebene Wörter und ganze Bücher durch die Brille in Zeichensprache übersetzt werden können. So kann gehörlosen Menschen, die nicht lesen können, der Zugang zu Büchern und Bildung ermöglicht werden.  

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels “Smart glasses” may solve the problems of the deaf and dumb .. What did Omar Abdel Salam do? von Moataz Ghoneim in RUETIR vom 16.05.2021 (ursprünglich in skynewsarabia vom 16.05.2021). 

21.07.2021 

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Die Hungersnot in Madagaskar – eine Folge des Klimawandels

In Madagaskar herrscht eine schwere Hungersnot. Durch mehrere Dürrejahre in Folge kam es zu hohen Ernteausfällen. 400.000 Menschen sind vom Hungertod bedroht.

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Die Hungersnot in Madagaskar – eine Folge des Klimawandels

In Madagaskar waren die letzten Jahre von großer Trockenheit und Dürre geprägt, 2021 trat nun die schlimmste Dürre seit 40 Jahren ein. Infolgedessen und aufgrund verheerender Sandstürme wurden Felder unbestellbar.  

Viele Madagassinnen und Madagassen sind auf Ernteerträge angewiesen 

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und hat etwa die 1,6-fache Größe Deutschlands. Auf der riesigen Insel leben etwa 27 Millionen Menschen. Im Süden des Landes versorgen sich 90 % der Bevölkerung selbst. Das bedeutet sie züchten Vieh und bauen Getreide und andere Lebensmittel auf ihren Feldern an.  

Verschlimmerung der Hungersnot durch die Corona-Pandemie 

Die Corona-Pandemie sorgt zudem dafür, dass Einnahmen wegfallen, Lieferketten durchbrochen sind und die Preise von Grundnahrungsmitteln steigen.  

Dies führt dazu, dass zurzeit 400.000 Menschen auf Madagaskar vom Hungertod bedroht sind. Der Landesleiter der Welthungerhilfe vor Ort gibt an, dass Menschen Insekten, Lehm und Blätter essen. Im aktuellen Welternährungsbericht heißt es, dass weltweit 10 % der Menschen unterernährt sind.  

Hunger als globales Problem  

Laut Weltbank leiden etwa 270 Millionen Menschen an Hunger. Die internationale Staatengemeinschaft setzte sich 2015 das Ziel, den Hunger bis 2030 zu stoppen. Allerdings könnten laut Prognosen bis 2050 sogar 80 Millionen zusätzliche Menschen von Hunger, in Folge von Dürre, ausfallenden Ernten und steigenden Preisen betroffen sein. 

Hungersnot in Madagaskar als Folge des Klimawandels 

Die Menschen, die in Madagaskar verhungern, sterben weder an Kriegen noch an Konflikten, sondern an den Folgen des Klimawandels. Obwohl die Länder des globalen Südens am wenigsten Treibhausgase ausstoßen, sind die klimatischen Folgen dort am verheerendsten.  

Klimakatastrophen und Hungersnöten sind häufige Fluchtursachen 

Bis 2050 könnten 143 Millionen Menschen gezwungen sein, in Folge des Klimawandels aus ihrer Heimat zu fliehen. In Afghanistan bspw. flüchten schon heute mehr Menschen vor Trockenheit und Überflutung als vor terroristischen Angriffen der Taliban.  

Die Agenda 2030 und die 17 Ziele 

Mit der Agenda 2030 verpflichteten sich alle 193 Staaten, die den so genannten “Zukunftsvertrag” unterschrieben, allen Menschen der Erde bis 2030 ein Leben in Würde zu ermöglichen. Vor allem die wohlhabenderen Länder stehen in der Pflicht zu handeln.  

Vernetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung 

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die in der Agenda 2030 beschlossen wurden, müssen immer vernetzt betrachtet werden. Um Hungersnöte wie in Madagaskar zu verhindern, müssen mehrere Ziele verfolgt werden:  

Zunächst liegt das wichtigste Ziel auf der Hand: Ziel 2 – Kein Hunger. Um dies zu erreichen, ist es allerdings notwendig Ziel 1 “Keine Armut” und Ziel 13 “Maßnahmen zum Klimaschutz” mit einzubeziehen. Zu diesen Maßnahmen gehört es bspw., dass unser wachsender Energiebedarf in Zukunft nur noch durch klimaneutrale Quellen gedeckt werden soll. Armut kann durch hochwertige Bildung (Ziel 4) und Geschlechtergleichheit (Ziel 5) verhindert werden. Auch das 16. Ziel “Friede, Gerechtigkeit und starke Institutionen” spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Armut.  

Akute Hilfe und langfristige Lösungen sind nötig 

Zurzeit ist akute Hilfe durch Nahrungsmittel in Madagaskar essentiell und für viele der Menschen überlebensnotwendig. Um zukünftige Ereignisse dieser Art zu vermeiden, müssen langfristige und nachhaltigere Lösungen angegangen und umgesetzt werden.  

Falls auch Du Dich für die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung einsetzen möchtest, gibt es hier einen interessanten Artikel für Dich.  

Quellen:

o. A. / Hunderttausenden droht der Hungertod vom 26.06.2021 in der Tagesschau.  

Büscher, G. / Madagaskar: Wenn Corona und Hungersnot aufeinandertreffen vom 13.07.2021 in der WAZ.  

21.07.2021

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Africa Today – Workshops über Afrika heute

Africa Today ist ein Workshop-Format für bis zu 125 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe. Der Themenschwerpunkt liegt auf den Innovationen des afrikanischen Kontinents heute oder auch Africa Today".

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WhatsApp-Alternativen aus Afrika

WhatsApp ist der wichtigste Messenger-Dienst in Afrika südlich der Sahara. Alternative Apps wie Ayoba und Moya Messaging bieten jedoch vielversprechende Zusatzfunktionen, die auf spezielle regionale Bedürfnisse angepasst sind.

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WhatsApp-Alternativen aus Afrika

Weltweit verwenden zwei Milliarden Menschen WhatsApp mindestens einmal im Monat. In Nigeria ist WhatsApp sogar die meistgenutzte Messenger-App, mit 90 Millionen Nutzenden! In Kenia ist WhatsApp für etwa die Hälfte des Datenflusses im Internet verantwortlich.  

Vorteile von WhatsApp 

Einige Mobilfunkunternehmen bieten “WhatsApp-Pakete” an. Diese sind günstiger als gewöhnliche Datenpakete und rentieren sich sowohl für WhatsApp als auch die Mobilfunkunternehmen.  

Gerade diese Pakete erschweren den Markteintritt von kleineren Messenger-Diensten, obwohl diese zum Teil sehr praktische Zusatzfunktionen beinhalten.  

Alternativ-Messenger Ayoba ist in vielen Sprachen erhältlich 

Zum einen wäre da die Messenger-App Ayoba. Sie wurde in Südafrika von dem Mobilfunkunternehmen MTN entwickelt und ist in 22 Sprachen erhältlich: unter anderem in afrikanischen Sprachen wie Hausa, Igbo, Kinyarwanda, isiXhosa, isiZulu, Swahili und Yoruba.  

Die App hat neben dem Direktnachrichtensystem viele Zusatzfunktionen . Es ist gibt beispielsweise mehr als 100 Informationskanäle in den verschiedensten Bereichen, über Sport, Musik, Politik, Kultur und vieles mehr. Alle Inhalte werden von einer Redaktion darauf geprüft, ob sie jugendfrei sind.  

Ayoba lässt die Kommunikation mit ausschließlich SMS-fähigen Handys zu 

Eine Besonderheit der App ist es, dass sie eine barrierefreie Kommunikation zwischen Smartphones und älteren 2G-Mobiltelfonen zulässt. Denn Nachrichten, die über Yoruba an ein Telefon geschickt werden, auf dem die App nicht installiert ist, werden einfach in SMS umgewandelt. Umgekehrt werden SMS einfach in die Messenger-Software übersetzt. Dies ist ein Vorteil, da die Mehrheit der Menschen in Afrika südlich der Sahara noch kein Smartphone haben.  

In Zukunft will MTN ein Bezahlsystem in die App integrieren, mit dem Nutzerinnen und Nutzer einfach über ihr Telefon bezahlen können. Auch das Musik- und Video-Streamen soll in Zukunft über Yoruba möglich sein.  

Moya Messaging funktioniert ohne eigene mobile Daten 

Eine weitere interessante Messenger-App ist Moya Messaging. Denn diese App ist nicht nur komplett kostenlos wie die meisten anderen Messenger-Dienste, sie verbraucht auch nicht die mobilen Daten der Nutzenden. Das bedeutet, es fallen auch keine Extrakosten an ein Mobilfunkunternehmen an. Dies wird durch Videowerbung möglich, welche den Nutzenden von Zeit zu Zeit vorgespielt wird.  

Zahlen mit der Moya-Messaging-App 

Zudem hat Moya schon ein Zahlungssystem integriert: Moya Pay. Dies verwenden viele Klein- und Kleinstunternehmenden, die so eine alternative Zahlungsmöglichkeit zum Bargeld anbieten können.  

Bis jetzt hat Moya Messaging 4,5 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer und Ayoba 5,5 Millionen. Ob sich die zwei Dienste in Zukunft durchsetzen werden, wird sich zeigen. Die Zusatzfunktionen sind auf jeden Fall vielversprechend! 

Quellen:

Knupp, M. / Streaming und FinTech aus Südafrika in Germany Trade & Invest vom 21.05.2021.  

Fröhlich, S. / Afrika: Es muss nicht WhatsApp sein in DW vom01.07.2021.  

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Ousmane Sembènes ausgezeichneter Film “Mandabi” restauriert und ins Deutsche übersetzt

Ousmane Sembène wird als Vater des afrikanischen Kinos bezeichnet. Sein zweiter Langspielfilm “Mandabi” feierte 1968 seine Erstveröffentlichung. Nun wurde der Film in einer 4K Auflösung restauriert und erstmals auf Deutsch veröffentlicht.

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Ousmane Sembènes ausgezeichneter Film “Mandabi” restauriert und ins Deutsche übersetzt

Inhalt des Films 

Die Drama-Komödie “Mandabi” handelt von Ibrahima Dieng, einem arbeitslosen Mann in Dakar. Dieser erhält eines Tages eine Postanweisung von seinem Neffen aus Paris. Eine Postanweisung ist eine Geldsendung von einer Poststelle zur anderen.  

Diengs Neffe schickt ihm 20.000 Franc, wovon er allerdings nur 2.000 behalten soll. Das restliche Geld soll er für seinen Neffen und dessen Mutter aufbewahren. Ibrahim Dieng hat eine große Familie zu versorgen. Als diese Familie, Nachbarn und Freunde Wind von dem angeblichen Reichtum Diengs bekommen, sehen sie ihre Chance der Armut zu entfliehen.  

Das Problem ist allerdings nicht nur, dass nur ein Zehntel des Geldes für Dieng und seine Familie gedacht ist, sondern zudem, dass ein Ausweis nötig ist, um die Postanweisung abzuholen. Da Dieng weder Ausweis noch Geburtsurkunde besitzt, beginnt für ihn eine nervenaufreibende Reise durch die korrupte senegalesische Bürokratie.  

Der Film “Mandabi” basiert auf einer Kurzgeschichte von Ousmane Sembène. Im Film wird die senegalesische Gesellschaft tief ironisch und gezeichnet von Kolonialismus, Korruption, Gier und Armut dargestellt. 

“Mandabi” ist der erste lange Spielfilm auf Wolof 

“Mandabi” ist der erste Film, der in der afrikanischen Sprache Wolof gedreht wurde. Drehbuchautor und Regisseur Ousmane Sembéne hatte den Wunsch einen Film zu produzieren, der für den Großteil der senegalesischen Gesellschaft zugänglich ist. Obwohl Französisch die Amtssprache Senegals ist, verstehen mehr als 66% der Menschen diese Sprache nicht. Wolof hingegen ist weit verbreitet und wird von 80% der Bevölkerung gesprochen.  

Ousmane Sembène als Vater des afrikanischen Kinos 

Ousmane Sembène gilt als der Vater des Kinos in Afrika südlich der Sahara. “Mandabi” zählt zu seinen brillantesten und lustigsten Filmen. 1968 wurde er bei den 29. Filmfestspielen Venedigs mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt Sembène den Sowjetischen Regiepreis des Taschkent Film Festival of African and Asian Cinema. 

Restauration und Übersetzung ins Deutsche 

Nun wurde der Film restauriert und mit neuem Artwork des nigerianischen Künstlers Adekunle Adeleke versehen. Der restaurierte Film wurde 2019 beim Lumiere Festival in Lyon präsentiert und ist seit dem 24.06.2021 auf DVD in deutscher Sprache erhältlich.   

Weitere Infos:  

Studiocanal: MANDABI / DIGITAL REMASTERED 

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Nairobis Matatus – Popkultur auf Kleinbussen

In Nairobi sind Matatus die häufigsten Fortbewegungsmittel. Dabei handelt es sich um Kleinbusse, die den öffentlichen Nahverkehr in Kenias Hauptstadt prägen. Wegen der großen Konkurrenz dreht sich alles darum die Kleinbusse so unterschiedlich und auffällig wie möglich zu bemalen und auszubauen.

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Nairobis Matatus – Popkultur auf Kleinbussen

Matatus – die wichtigsten Fortbewegungsmittel Nairobis 

Kenias Hauptstadt Nairobi ist eine ständig wachsende Stadt mit einer einzigartigen Identität. Das zeigt sich auch im öffentlichen Nahverkehr der Stadt. 

Die vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Nairobis werden tagtäglich von einer großen Menge an Kleinbussen hin- und her transportiert. Diese Kleinbusse haben schon eine große Berühmtheit erlangt und sind unter den Namen Matatus bekannt.  

Konkurrenzkampf wird zu Kreativität 

Über die Zeit hat sich die Matatu-Industrie von einem praktischen Beförderungsdienst hin zu einer blinkenden aufregenden Kultur verwandelt. 

Aber weshalb machen sich die Anbietenden von Matatu-Fahrten so einen großen Aufwand mit dem Ausbau ihrer Busse, wenn diese doch scheinbar nur für den öffentlichen Verkehr gebraucht werden? 

Die Konkurrenz ist groß: Um aus der Menge an verschiedenen Matatus herauszustechen, ließen die Betreibenden immer auffälligere Bilder auf ihre Kleinbusse malen. 

Die Matatus sind mit den unterschiedlichsten Bildern und Schriftzügen geschmückt, von Filmtiteln und -charakteren über Religionsbekundungen, lokalen und internationalen Prominenten und vielen weiteren Motiven ist alles dabei. Auch leuchtende LED-Buchstaben gibt es an einigen Matatus zu bestaunen. 

Ihre Innenräume sind mit hochwertigen Soundsystemen ausgestattet, damit die Kundinnen und Kunden die Musik auf der Fahrt zu ihrem Ziel in bester Soundqualität genießen können. 

Der Matatu-Fahrer Moses glaubt, dass durch die Verzierungen eine ganz bestimmte Altersgruppe von Kundinnen und Kunden angesprochen wird. Ein weiterer Fahrer meint, dass sich die Busse durch die aufwändige Bemalung und Soundanlagen schneller füllen würden und die Menschen somit pünktlicher zur Arbeit kommen.  

Dokumentation der Matatu-Kultur 

Brian Wanyama ist der Gründer von “Matwana Matatu Culture”, einer Organisation, welche sich die Dokumentation der neuen Trends in der Matatu-Industrie verschrieben hat und diese über die Grenzen Kenias bekannt machen möchte. Wanyamas Meinung nach sind Matatu-Fahrten mehr als reine Beförderung.  

Die Matatu-Kultur erreichte schon internationale Aufmerksamkeit durch das Forbes-Magazin, welches die Fahrt mit einem der Kleinbusse jedem Besuchenden Nairobis ans Herz legt und als eine der besten Erlebnisse in der Hauptstadt beschreibt. 

Stetige Veränderung durch popkulturelle Trends 

Da die Kultur der Matatus von popkulturellen Trends beeinflusst wird, verändern sich die Kleinbusse ständig – doch durch Wanyamas Organisation bleiben wenigstens Bilder der Kunstwerke erhalten! 

Übersetzung des Artikels “Nairobi’s Matatus, pimped-up rides like no other” Agak, R. in africanews vom 17.06.2021. 

Datum: 02.07.2021 

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Die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga wurde am 21. Juni 2021 zur Friedenspreisträgerin des Stiftungsrats des Deutschen Buchhandels gewählt.

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Herero-Anführer Vekuii Rukoro verstorben

Das Oberhaupt der Herero ist am 18. Juni 2021 in Windhoek an Covid-19 gestorben. Vekuii Rukoro hatte in der letzten Zeit immer wieder das deutsch-namibische Aussöhnungsabkommen kritisiert.

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Herero-Anführer Vekuii Rukoro verstorben

Vekuii Rukoro wurde 1954 im damals noch von Südafrika besetzten Südwestafrika, heute Namibia, geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Rechtsanwalt und Geschäftsmann.  

Die einflussreiche Karriere von Vekuii Rukoro 

Schon in den 70er Jahren trat Rukoro in die South West African National Union (SWANU) ein, in der viele Herero organisiert waren. Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 war die SWANU eine von mehreren kleineren Parteien, welche die Dachorganisation Namibia National Front bildeten. Diese Front trat zu den ersten Wahlen Namibias an. Dadurch gelang es Rukoro bei der Verfassungsgebenden Versammlung dabei zu sein und bei der Verfassung Namibias mitzuwirken. 

1990 wurde Rukoro zum Vize-Justizminister ernannt, fünf Jahre später wechselte er die Partei und wurde zum Generalstaatsanwalt. Diesen Posten behielt er bis 2000, als er in die Wirtschaft ging.  

Er leitete den Vorstand der nationalen Fluggesellschaft Air Namibia und war bis 2017 Geschäftsführer der Meat Cooperation Namibia.  

2014 wurde er zum Oberhaupt der Herero ernannt. Diese Entscheidung wurde innerhalb der Volksgruppe teilweise kritisiert. 

Rukoros Forderungen  

In seiner Rolle als “Paramount Chief” der Herero setzte Rukoro sich stark für die Forderung nach Gerechtigkeit bezüglich des Völkermordes ein, der vom Deutschen Reich an den Herero und Nama Anfang des 20. Jahrhunderts verübt wurde.  

Erst Ende Mai dieses Jahrs ergaben die mehr als fünfjährigen Verhandlungen zwischen der deutschen und der namibischen Regierung ein Abkommen, durch welches Deutschland den Völkermord an den Herero und Nama anerkennt und 1,1 Milliarden Euro Hilfszahlungen an Namibia zusagte.  

Kritik am deutsch-namibischen Abkommen 

Dieses Abkommen wurde von Rukoro stark kritisiert. Einerseits, da neben der namibischen Regierung die Oberhäupter und Repräsentierenden der Herero und Nama zu wenig in die Diskussion miteinbezogen worden waren. Andererseits kritisierte er die Summe von 1,1 Milliarden Euro und sah die Höhe dieser als Beleidigung an. Zudem handelt es sich um eine “Hilfszahlung”, die an die namibische Regierung gehen wird, statt um Reparationszahlungen an die Nachkommen der Opfer der deutschen Kolonialmacht in Namibia.  

Vekuii Rukoro verstarb mit 66 Jahren 

Als Rukoro bis zuletzt zu Demonstrationen bspw. gegen den Besuch von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier aufrief, war ihm immer wichtig, dass die Corona-Schutzmaßnahmen von Demonstrierenden beachtet wurden. Nichts destotrotz erlag er nun am 18. Juni einer Covid-19-Infektion. 

Quellen:

Ngutjinazo, O. / Meinung: Vergebliche Entschuldigung für den Völkermord in Namibia in DW vom 11.06.2021. 

Nebe, C. / Herero-Anführer Vekuii Rukoro: Ein kompromissloser Kämpfer ist tot in DW vom 18.06.2021. 

Datum: 28.06.2021

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Common Voice – größter öffentlicher Sprachdatensatz

Das Non-Profit-Unternehmen Mozilla entwickelt eine Open-Source-Plattform, um sprachgesteuerte Technologien in jeder lebendigen Sprache möglich zu machen. Dies könnte insbesondere Menschen, die nicht lesen oder schreiben können in Zukunft das Leben erleichtern.

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Common Voice – größter öffentlicher Sprachdatensatz

Heute können viele neue Technologien ganz einfach mit der eigenen Stimme gesteuert werden, ob Smartphone, die Beleuchtung der Wohnung oder sogar Autos. Allerdings sprechen diese Sprachassistenten nicht alle Sprachen der Welt. Weder Apples Sprachassistentin Siri noch Amazons Alexa beherrschen auch nur eine afrikanische Sprache.  

Common Voice als Alternative  

Mozilla ist ein Non-Profit-Unternehmen, das unter anderem den Webbrowser Firefox entwickelte. Im Juni 2017 ging dann die freie Datenbank für Spracherkennungs-Software “Common Voice” online. Die Open-Source-Initiative “Common Voice” gab im Mai 2021 bekannt, dass nun an einem Datensatz zur Sprache Swahili, die unter anderem in Ruanda, Kenia und Tansania gesprochen wird, gearbeitet werden soll. Finanziell unterstützt wird dieses Vorhaben von der deutschen und britischen Regierung und der Bill und Melinda Gates Stiftung. 

Sprachsteuerung diversifizieren 

Common Voice wurde allerdings nicht exklusiv für afrikanische Sprachen entwickelt, vielmehr setzten sich die Entwicklerinnen und Entwickler zum Ziel eine Open-Source-Plattform aufzubauen, die die Grundlagen für sprachgesteuerte Technologien in allen 7.100 “lebendigen Sprachen” legt. Bei lebendigen Sprachen handelt es sich um Sprachen, die heute von einer Sprachgemeinschaft verwendet werden. 

Bis heute wurden 9.000 Stunden Sprachaufnahmen von 160.000 Menschen in 60 verschiedenen Sprachen eingereicht. Für sprachgesteuerte Technologien werden riesige Datenmengen benötigt. Große Unternehmen nutzen dabei Daten, die der Allgemeinheit nicht zugänglich sind. Mozilla möchte mit Common Voice freizugängliche Datensätze schaffen, mit denen jeder und jede eigene Programme entwickeln kann – und das in jeder Sprache. 

Die Common VoicePlattform ist einfach zu bedienen: Auf der Webseite kann man direkt beginnen seine eigene Stimme aufzunehmen und etwas beizutragen. Praktisch sollen fünf verschiedene Sätze vorgelesen und aufgenommen werden. Diese Sätze werden dann in einem nächsten Schritt von mindestens zwei anderen Menschen angehört, diese müssen dann bestätigen, dass sie richtig vorgelesen wurden. Auch diese Aufgabe kann auf der Webseite übernommen werden.  

Nach Hackathon wird Chatbot Mbaza entwickelt 

12 Millionen Menschen in Ruanda sprechen die Sprache Kinyarwanda. Nach einem Hackathon, den Common Voice in der Hauptstadt Kigali veranstaltete, ist Kinyarwanda nun eine der schnellst wachsenden Sprachen der Plattform.Bisher wurden 1.700 Stunden Sprachaufnahmen eingeschickt. 

Infolge des Hackathons entstand das Startup “Digital Umuganda”, welches sich auf Lösungen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz spezialisierte. Umugunda bedeutet “Gemeinschaft” und “Kooperation” in Kinyarwanda.  

Digital Umuganda entwickelte den Chatbot Mbaza mit Hilfe des Datensatzes von Common Voice. Mbaza eröffnet Menschen, die nicht lesen oder schreiben können, einen einfacheren Weg mit lokalen Behörden und Regierungen Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. Beispielsweise durch Spracherkennung, somit können auch Menschen, die nicht schreiben können, Briefe verfassen oder Informationen aus öffentlichen Dokumenten ziehen. Die Kommunikation mit Behörden oder Banken könnte dadurch für Analphabetinnen und Analphabeten erleichtert werden. Dadurch könnten sie ihr Leben auch unabhängiger von anderen führen.  

Sprachsteuerung für alle 

Nun soll Common Voice in Afrika expandieren, begonnen werden soll mit ostafrikanischen Sprachen. Da Common Voice auf die Sprachspenden seiner Community angewiesen ist, wird derzeit der nächste Schritt sein diese Community zu vergrößern.  

Wie wichtig Sprache ist und welche innovativen Lösungen für Verständigungs- und Repräsentationsschwierigkeiten schon entwickelt wurden, könnt ihr in diesen Artikeln nachlesen:  

Student entwickelt Übersetzungssoftware für die Sprache „Fon” 

Afrikanische Schülerinnen und Schüler schreiben Wikipedia-Artikel über ihren Heimatkontinent 

Quelle:  

Baumann, F. / NVIDIA investiert 1,5 Millionen Dollar in Mozillas Common Voice-Projekt in mobile geeks am 16.04.2021. 

Corbley, A. / Siri and Alexa Don’t Support African Languages But This Nonprofit Swooped in to Offer 60 New Voices – Including Welsh im Good News Network vom 09.06.2021 

Datum: 25.06.2021

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Designer Pathé Ouédraogo feiert 2021 seine 50-jährige Karriere

Pathé Ouédraogo wurde in den 90er Jahren als Schneider von Nelson Mandela bekannt und ist eine der wichtigsten Fashion-Ikonen Afrikas. Mandela trug 1994 das erste Mal eines von Pathé’Os bunten Hemden, welche als sein Aushängeschild gelten. 2021 feiert Pathé’O sein 50-jähriges Jubiläum als Designer.

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Designer Pathé Ouédraogo feiert 2021 seine 50-jährige Karriere

Als 20-Jähriger verließ Pathé Ouédraogo sein Heimatland Burkina Faso, um an der Cote d’Ivoir Arbeit zu finden. Er wollte auf einer Kakaoplantage arbeiten, dies klappte allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht. Deshalb brachte er sich das Schneidern bei.  

Mit der Zeit machte er sich einen immer größeren Namen, 1987 gewann er die lokale Preisverleihung der “Golden Scissors”. Seinen ersten eigenen Laden eröffnete er in Abidjan, dort ist er noch heute jeden Tag anzutreffen.  

Nelson Mandela trägt Pathé’Os Hemden 

Sein Durchbruch gelang Pathé’O (unter diesem Namen bekannt) 1994 als die Sängerin Miriam Makeba vier seiner Hemden an den ehemaligen südafrikanischen Präsident Nelson Mandela verschenkte. Dieser trug eines der Hemden zu einem Besuch in Frankreich und erwähnte Pathé’Os Namen. Neben Nelson Mandela trugen weitere afrikanische Oberhäupter wie Marokkos König Mohammed VI oder Ruandas Präsident Paul Kagame Pathé Ouédraogos Hemden. 

Pathé’Os Signaturstück sind mit bunten afrikanischen Mustern bedruckte Hemden. Sein Ziel ist es, den Stolz und Respekt vor Afrikas eigener Mode zu steigern. Er designt und produziert seine Stücke zu 100 % in Afrika.  

Luxusmode aus Afrika 

2020 arbeitete Pathé Ouédraogo an der Dior Cruise 2020 Kollektion mit. Durch die Zusammenarbeit wollte Pathé’O zeigen, dass auch afrikanische Mode Haute Couture sein kann.  

100 % Made in Africa 

Heute besitzt Pathé’O Geschäfte in zehn Ländern Afrikas und beschäftigt 60 Mitarbeitende. Außerdem gibt er Workshops für Schneiderlehrlinge. Pathé Ouédraogo möchte nun der nächsten Generation die Werkzeuge mitgeben, um afrikanische Mode zu kreieren und diese mit Stolz zu tragen.  

Quellen:

Salter, S / meet the dior cruise collaborator who dressed nelson mandela in I-D vom 01.05.2019.  

o.A. / 50 YEARS ON, MANDELA’S TAILOR, PATHE’O, IS ON A MISSION TO BOOST AFRICAN FASHION In eyewitness news vom 02.06.2021. 

Hamaji / Pathe O, the designer who dressed royals in Hamajimagazin vom 31.10.2019. 

Datum: 25.06.2021

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Gynäkologin Dr. Jemimah Kariuki erhält Auszeichnung der WHO für ihren Einsatz in Kenia

Die 28-jährige kenianische Gynäkologin Dr. Jemimah Kariuki erhält eine Auszeichnung der WHO für ihre Initiative „Wheels for Life“, mit der sie seit April 2020 in Nairobi dafür kämpft, Schwangeren den Zugang zu medizinischer Versorgung zu sichern.

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Gynäkologin Dr. Jemimah Kariuki erhält Auszeichnung der WHO für ihren Einsatz in Kenia

Angefangen hatte alles mit einem Twitter-Beitrag von Jemimah Kariuki am 07. April 2020, in dem sie einen Aufruf startete: Alle schwangeren Frauen, die sich während der Ausgangssperre in einer Notfallsituation befinden, sollten sich melden und sie würde probieren zu helfen. Tausende Frauen schrieben ihr! 

Angestiegene Müttersterblichkeit in Folge der Maßnahmen gegen Covid-19 

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Müttersterblichkeitin Kenia stark gestiegen. Durch die nächtlichen Ausgangssperren fiel der öffentliche Nahverkehr aus und die Preise für Krankenhaustransporte stiegen. Laut Deutscher Welle konnten in einigen Teilen Kenias nur noch ein Viertel der schwangeren Frauen eine Mütterberatungsstelle aufsuchen.  

Eine Studie der Johns-Hopkins-Universität fand heraus, dass in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in Folge der erforderlichen Maßnahmen gegen Covid-19 1,1 Millionen mehr Kinder und 56.700 mehr Mütter bei der Geburt oder während der Schwangerschaft ums Leben kamen. Weitere Gefahren, die während der Covid-19-Pandemie für Frauen und Mädchen zugenommen haben, sind der schlechte Zugang zu Verhütungsmitteln und Bildung, Übertragung des HI-Virus, Kinderhochzeiten und häusliche Gewalt

Kostenlose medizinische Beratung und Transport für schwangere Frauen 

Jemimah Kariuki erkannte die gefährlichen Auswirkungen der Ausgangsperren für Schwangere. Da es in Kenia keinen öffentlichen Rettungskräfte gibt, entwickelte sie die Idee von “Wheels for Life”. Durch einen kostenlosen Telefondienst können Schwangere bei Wheels for Life medizinische Beratung sowie einen kostenfreien Transport zum nächstgelegenen Krankenhaus erhalten. Bis heute erhielt Wheels for Life mehr als 100.000 Anrufe. Durch die Beratung und den kostenlosen Transport in einem Rettungswagen oder in einem Auto konnten über 1000 Babys sicher geboren werden. Wheels for Life wird durch Spenden und öffentliche Mittel finanziert. Das Programm hat mittlerweile weitere Ärztinnen und Ärzte dazu bewogen, sich zu beteiligen. 

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Als Reaktion auf ihre Auszeichnung schrieb Kariuki bei Twitter, der Award sei ein Zeichen an junge Menschen, dass sie es schaffen können etwas zu ändern und an Schwangere, dass der Welt ihr Leben am Herzen liege.    

Form

Quellen: 

Cherono, Stella / Kenyan doctor wins WHO Director General’s award vom 26.05.2021 auf Nation Africa. 

Deutsche Afrikastiftung / Pressespiegel KW 21: Kurswechsel vom 22.05.-28.05.2021.  

Datum: 23.06.2021

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Sierra Leone: Schutz vor Hunger und Armut

Die Folgen der Ebola-Epidemie sind in Sierra Leone immer noch spürbar. Mit unterschiedlichen Projekten in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft und Einkommensförderung unterstützt unsere Bündnisorganisation ora Kinderhilfe die lokale Bevölkerung.

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Sierra Leone: Schutz vor Hunger und Armut

Leben in Sierra Leone  

Sierra Leone gehört zu den schwächsten Ländern der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) belegt es Platz 179 von 188. Armut, Krankheit und Perspektivlosigkeit bestimmen das Leben der Menschen. 

Die Not der Bevölkerung 

60 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Ein besonderes Problem ist die Jugendarbeitslosigkeit, die mit 70 Prozent extrem hoch ist. Armut und ein völlig überfordertes Gesundheitssystem haben dazu geführt, dass Sierra Leone besonders unter der 2014 ausgebrochenen Ebola-Epidemie zu leiden hatte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Sierra Leone erst am 7. November 2015 für ebolafrei erklärt. 

Die Folgen der verheerenden Epidemie sowie die des Bürgerkriegs von 1991 bis 2002 sind allerdings überall im Land schmerzhaft spürbar. Viele Familien sind zerrissen. Mütter und Väter sind gestorben. Die Kinder sind als Waisen zurückgeblieben. Großes Elend beherrscht das Land – physisch wie psychisch. 

Familien stärken 

Nachdem ora Kinderhilfe während der Ebola-Krise Nothilfe leistete, wird das Land seit 2016 dauerhaft und nachhaltig von der Organisation unterstützt. Dazu wurde noch im Jahr 2015 die Vineyard Community Development (VCD) gegründet. In Zusammenarbeit mit ora Kinderhilfe lindert VCD das Leid der Menschen in Makeni im Landesinneren und in Grafton in der Nähe der Hauptstadt Freetown. 

Makeni 

In Makeni hat ora Kinderhilfe ein Patenschaftsprogramm für Kinder ins Leben gerufen. Die Jungen und Mädchen erhalten gesunde Nahrung, Kleidung und Schulmaterialien. Zudem hat ora Kinderhilfe Land für ein Landwirtschaftsprojekt als Einkommen generierende Maßnahme gekauft. Hier werden die Familienmitglieder der Patenkinder vor Ort in Landwirtschaft geschult. Auf dem Acker werden unter anderem Erdnüsse und Kartoffeln angebaut. Die Erlöse vom Verkauf der Ernte fließen als Löhne in die Familien, in den Erwerb von neuem Saatgut und in den weiteren Ausbau des Projektes. Parallel dazu lernen die Erwachsenen lesen und schreiben und werden in Buchführung sowie Hygienemaßnahmen unterrichtet. 

Grafton 

In Grafton haben wir im Juni 2017 eine Bäckerei eröffnet, die als Ausbildungsbetrieb dient. Junge Frauen erlernen dort das Handwerk und können so später selbst für sich und ihre Familien sorgen. In der Bäckerei wird hauptsächlich Bananenbrot und „Rich Cake“ gebacken und zum Verkauf angeboten. 

Zudem gibt es seit einiger Zeit eine Fußballmannschaft. Dort spielen ca. 30 Jugendliche im Alter zwischen 8 und 17 Jahren mit. Ziel ist es, den Jungen eine sinnvolle Beschäftigung neben der Schule zu geben, um sie Disziplin, Zielstrebigkeit, Erfolgserlebnisse und Teamgeist zu lehren und sie davon abzuhalten, auf die schiefe Bahn zu geraten. 

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Ruanda: Langfristige Entwicklungszusammenarbeit

Die Folgen des Völkermordes 1994 in Ruanda sind bis heute zu spüren: Viele Familien leben unterhalb der Armutsgrenze. Unsere Bündnisorganisation ora Kinderhilfe setzt sich in unterschiedlichen Projekten dafür ein, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und leistet Grundversorgung und Bildung für die Hinterbliebenen der Opfer des Völkermords.

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Ruanda: Langfristige Entwicklungszusammenarbeit

Leben in Ruanda  

Ruanda ist das am dichtesten besiedelte Land Afrikas. Auf einer Fläche kleiner als Brandenburg leben mehr als zehn Millionen Menschen. Im Jahr 1994 fand hier einer der blutigsten Völkermorde des 20. Jahrhunderts statt – eine Million Kinder, Frauen und Männer wurden in nur 100 Tagen getötet. Die Folgen des grausamen Genozids sind bis heute allgegenwärtig in dem kleinen zentralafrikanischen Staat. Zwar herrscht nun Frieden und die Verhältnisse sind einigermaßen stabil, doch die Probleme sind unübersehbar.  

Land der Witwen und Waisen  

Seit dem grausamen Völkermord 1994 hat Ruanda starke wirtschaftliche Fortschritte zu verzeichnen. Dennoch liegt die Lebenserwartung bei nur 58 Jahren. Viele Familien leben unterhalb der Armutsgrenze. Begründet liegt dies in der hohen Bevölkerungsanzahl. Die Landknappheit ist groß und die Erträge reichen zur Versorgung nicht aus. Regional und saisonal kommt es immer wieder zu Hungersnöten. In manchen Gebieten herrscht chronische Unterernährung. Besonders betroffen davon sind die durch den Genozid verarmten Frauen. Traumatisiert und häufig angesteckt mit Infektionskrankheiten, vor allem mit HIV und AIDS, leben sie außerhalb der Städte im Elend. Viele Frauen sind durch Vergewaltigungen infiziert worden. Sie mussten diese während des Genozids erleiden. Gewaltverbrechen und Misshandlungen waren Teil der Strategie der Kämpfer. Sie zielten bewusst darauf, die Körper und Seelen der Frauen zu zerstören. 

Die Projektarbeit von ora Kinderhilfe in Ruanda 

Gemeinsam mit der ruandischen Organisation Solace Ministries hilft ora Kinderhilfe Kindern und Familien in sieben Regionen – unter anderem in Runda, Kabuga, Nyagasambu und Bicumbi.  

In den Communities haben sich aus den Witwen und Waisen oft neue Familien gebildet. Ihnen helfen sie auf unterschiedliche Weise. Es gibt ein Landwirtschaftsprojekt, das besonders die Frauen darin unterstützt, ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. Darüber hinaus hilft ora Kinderhilfe mit Tieren das Auskommen zu sichern. Besonders trächtige Kühe, Ziegen und Hühner helfen den Frauen. Sie geben Milch, Fell, Eier und Fleisch. Die Frauen nutzen die Erzeugnisse für sich und ihre Kinder und verkaufen einen Teil auch an Nachbarn und Bekannte. So entwickelt sich nach und nach ein kleiner wirtschaftlicher Kreislauf.  

Viele Frauen und Kinder erhalten zudem psychologische Hilfe, um die traumatischen Erfahrungen des Völkermordes zu verarbeiten. Den Kindern wird der Schulbesuch ermöglicht und alle werden krankenversichert.  

Patenschaftsprogramm  

Seit 12 Jahren engagiert sich ora Kinderhilfe in Ruanda. Derzeit sind 483 ora-Patenkinder in ihrem Programm. Ihnen allen wird der Schulbesuch ermöglicht. Sie erhalten Kleidung, Schuhe, Schulmaterialen und bei Bedarf auch Medikamente. 

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Kenia: Neue Anbaumethoden in Kinari und Karangatha

In Kinari und Karangatha reicht die Ernte der einheimischen Bauernfamilien nicht aus, um davon leben zu können. Unsere Bündnisorganisation ora Kinderhilfe arbeitet mit ihnen zusammen und schult sie in neuen Anbaumethoden, sodass die Familien höhere Einkommen erzielen.

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Kenia: Neue Anbaumethoden in Kinari und Karangatha

Leben in Kenia 

Kenia gilt als wirtschaftlicher Motor Ostafrikas: Touristen werden von den reichen Schätzen der Natur und idyllischen Stränden angezogen, in aller Welt werden Schnittblumen aus Kenia gekauft sowie Kaffee und Tee aus Kenia getrunken. Die beachtliche wirtschaftliche Kraft des Landes kann über seine Probleme nicht hinwegtäuschen. Jede zweite Person in Kenia lebt unterhalb der Armutsgrenze, jede Vierte muss gar mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Die häufigen Dürren verschlimmern die Lage noch: Auf den kargen und trockenen Böden kann nichts gedeihen, die Menschen müssen hungern und können die Schulgebühren für ihre Kinder nicht aufbringen. 

Ernte in Kinari  und Karangatha

In Kinari arbeitet ora Kinderhilfe mit einheimischen Bauernfamilien zusammen. Sie leben nur von dem, was sie auf ihren Feldern ernten – meistens viel zu wenig. Armut, Hunger und Elend sind die Folge. Die Anbaumethoden stammen häufig noch aus dem vorletzten Jahrhundert, das Saatgut ist minderwertig, hochwertiger biologischer Dünger ist kaum vorhanden. Dazu kommt, dass es keine Lagermöglichkeiten für die Ernte gibt und z.B. die Kartoffeln ungesäubert direkt an der Straße verkauft werden müssen. ora Kinderhilfe schult die Bauern vor Ort in fortschrittlicheren Anbaumethoden. Zusätzlich schaffen sie Lagermöglichkeiten für die Ernte. Dadurch können die Familien höhere Einkommen erzielen und ihre Kinder eine Schulausbildung ermöglichen bzw. medizinisch versorgen lassen. In Kinari ermöglicht ora Kinderhilfe so ca. 40-50 Familien mit ca. 100 Kindern ein eigenes Einkommen zu generieren.   

Auch in Karangatha arbeitet ora Kinderhilfe mit den einheimischen Bauern zusammen. Mehr als 70 Kinder befinden sich in dem ora-Patenschaftsprogramm, werden also gesund ernährt, medizinisch versorgt und können regelmäßig in die Schule gehen. Aber auch ihre Eltern nehmen am ora-Patenschaftsprogramm als Teilnehmer des Landwirtschaftsprojekt in Karangatha teil. Auf einem zwei Hektar großen Acker erlernen sie moderne Anbaumethoden sowie den ökologischen Umgang mit der Natur. Auf dem Feld werden Süßkartoffeln und Kohl angebaut. Das Projekt konnte bereits mehr als vier erfolgreiche Ernten verzeichnen.  

Patenschaftsprogramm  

In dem ora-Patenschaftsprogramm befinden sich derzeit etwa 200 Kinder aus Kinari und Karangatha. Während ihre Eltern an den Einkommen schaffenden Maßnahmen teilnehmen, gehen die Kinder in die Schule. Außerdem werden sie gesund ernährt, haben ausreichend Kleidung und Schulmaterial und erhalten, wenn nötig, Medikamente. 

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Kenia: Dem Hunger und der Armut begegnen

Die Region Ilbisil im Massai-Land ist von extremer Trockenheit geprägt. Ein großes Problem für das Volk der Massai und ihre Tiere. Unsere Bündnisorganisation ora Kinderhilfe unterstützt vor Ort mit dem Bau von Brunnen, um die Erträge aus der Landwirtschaft und Viehhaltung zu steigern.

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Die Region Ilbisil im Massai-Land ist extrem trocken. Für das Volk der Massai, das hauptsächlich von Viehhaltung lebt, ist das ein großes Problem: Weil die Felder und Pflanzen verdorren, sind die Massai gezwungen, mit den viel zu mageren Tieren von Wasserstelle zu Wasserstelle zu ziehen. So können die Familien nicht sesshaft werden und die Kinder nicht regelmäßig zur Schule gehen. Alles hängt am Wasser! Sind die Tiere zu mager, haben die Menschen zu wenig zu essen. Haben die Menschen zu wenig zu essen, wachsen die Kinder mit extremen Mangelerscheinungen auf.  

Wasser für Mensch und Tier 

Deshalb hat ora Kinderhilfe in Ilbisil einen Brunnen gebaut und entwickelt derzeit ein spezielles Landwirtschaftsprojekt. Das Projekt sichert ganzjährig Wasser für Mensch und Tier. Die Familien können endlich an einem Ort heimisch werden und die Kinder regelmäßig in die von ora Kinderhilfe initiierte Schule gehen.  

Das Wasser befördert ora Kinderhilfe aus 280 Meter Tiefe über eine Solarpumpe an die Oberfläche. Über einen Teil des Wassers kann die Gemeinschaft selbständig verfügen. Die zweite Hälfte des Ertrages ist für ein „Drip-Drop-System“ bestimmt. Durch gezielte Tröpfchenabgabe aus Schläuchen werden die angebauten Pflanzen direkt an der Wurzel bewässert und der Ertrag des Bodens deutlich gesteigert. Die Tiere erhalten mehr Nahrung und neue Gemüsesorten können zur eigenen Nutzung sowie zum Verkauf angebaut werden. So werden das Einkommen und der Lebensstandard der Gemeinschaft gesteigert. 

Patenschaftsprogramm 

Derzeit kümmert sich ora Kinderhilfe um 165 Patenkinder in der Region. Sie können sich satt essen, gehen in die Schule, erhalten Kleidung und Medikamente. Möglich wird all das durch die ora-Pateninnen und -Paten. 

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Kenia: Hilfe für Aids-Waisen

In Kenia leben etwa 1,2 Millionen Aids-Waisen. Nur selten bekommen sie staatliche Unterstützung. In dem Chafisi Waisenhaus unserer Bündnisorganisation ora Kinderhilfe finden sie ein liebevolles Zuhause. Außerdem können sie wieder zur Schule gehen und werden mit gesunder Nahrung versorgt.

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Leben in Kenia 

Kenia gilt als wirtschaftlicher Motor Ostafrikas: Touristen werden von den reichen Schätzen der Natur und idyllischen Stränden angezogen, in aller Welt werden Schnittblumen aus Kenia gekauft sowie Kaffee und Tee aus Kenia getrunken. Die beachtliche wirtschaftliche Kraft des Landes kann über seine Probleme nicht hinwegtäuschen. Jede zweite Person in Kenia lebt unterhalb der Armutsgrenze, jede Vierte muss gar mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Die häufigen Dürren verschlimmern die Lage noch: Auf den kargen und trockenen Böden kann nichts gedeihen, die Menschen müssen hungern und können die Schulgebühren für ihre Kinder nicht aufbringen. 

Aids – ein großes Problem 

HIV und Aids sind zu einem großen Problem geworden. Allein rund 180.000 Kinder leben mit dem Virus. Hinzu kommt, dass viele Kinder ihre Eltern an die Krankheit verlieren: In Kenia leben etwa 1,2 Millionen Aids-Waisen. Sie erhalten nur selten staatliche Unterstützung. Wenn die Kinder niemanden finden, der sich um sie kümmert, sind sie allein auf sich gestellt: Sie leben auf der Straße, müssen arbeiten und können nicht zur Schule gehen. 

Das Chafisi Waisenhaus für Aids-Waisen

Seit 2008 setzt sich ora Kinderhilfe in der Nähe von Malindi dafür ein, dass Aids-Waisen ein neues liebevolles Zuhause finden. Sie unterhalten das von William Fondo gegründete „Chafisi Waisenhaus“ mit angegliedertem Internat in Watamu. Etwa 250 Kinder leben dort in sicheren Verhältnissen. 

Bildungsförderung: Die „Wings of Mercy“ Schule 

Bildung ist der beste Weg aus der Armut. Deshalb wurde die Schule „Wings of Mercy Academy“ gegründet, die mittlerweile etwa 200 Kinder besuchen. Mehr und mehr Patenkinder lernen hier Lesen, Schreiben und Rechnen. ora Kinderhilfe unterstützt Pastor William Fondo und sein Team und hilft, die Kosten für den Schulbesuch von Waisenkindern und Kindern aus armen Familien zu tragen.  

Dank der Spenden in den vergangenen Jahren ist es ihnen gelungen, das Projekt nach und nach weiter auszubauen. Es sind Klassenräume, neue Waschräume, mehr Lehrer und mehr Schüler hinzugekommen. Auch ein Acker gehört inzwischen zum Eigentum der Schule: Er stellt die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit gesunder Nahrung sicher.  

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Paten der ora-Patenkinder: Jeder Pate fördert sein Patenkind persönlich, aber zugleich auch das gesamte Projekt (Lehrergehälter, Ausbau der Räume, Neuanschaffungen für den Unterricht, Saatgut zur Versorgung der Schülerinnen und Schüler etc.). Etwa 100 der Schülerinnen und Schüler sind ora-Patenkinder.  

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Burundi: Ernährung sichern

Unsere Mitgliedsorganisation ora Kinderhilfe arbeitet seit 2016 mit dem Projektpartner "Sojpae" zusammen. Unter anderem in Gihanga und Murenge: Dort unterstützen sie Familien bei der Schweine- und Ziegenzucht, bei Landwirtschaftsprojekten und bieten Alphabetisierungskurse an.

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Burundi: Ernährung sichern

Leben in Burundi  

Der dicht bevölkerte Binnenstaat gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung belegt es den 185. Platz von insgesamt 189 Rängen. 2018 hatte das kleine Land das niedrigste BIP der Welt. Die Übernutzung der Böden, die Auswirkungen des Klimawandels, aber besonders die gravierenden Mängel in der Regierungsführung verhindern jeglichen Aufschwung. Politische Instabilität, fehlende Rechtsstaatlichkeit und fortwährende Menschenrechtsverletzungen sorgen dafür, dass die Bevölkerung in Elend und Armut verbleibt. Die Lebenserwartung liegt bei nur 60 Jahren. 

Die Not der Bevölkerung 

Mit 70 Prozent hat Burundi laut der Weltbank eine der höchsten Armutsraten der Welt. Das bedeutet, dass 1,4 Menschen von unter einem Dollar am Tag leben müssen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen hungert. Etwa 2 Millionen Menschen drohen zu verhungern. 

Die Kinder leiden besonders. Burundi ist ein sehr junges Land. 46 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahren alt. Umso schlimmer ist es, dass die Quote der Analphabeten bei 40 Prozent liegt. Kinder stellen die ärmste Bevölkerungsschicht dar. Etwa 11 Prozent aller lebend geborenen Kinder erleben ihr 5. Lebensjahr nicht. Sie sterben an Auszehrung oder vermeidbaren Krankheiten. 

Tausende Mädchen und Jungen müssen Kinderarbeit verrichten. Ein Viertel der 10- bis 14-Jährigen schuftet schwer körperlich. Besonders schlimm sind die gewaltsamen und sexuellen Übergriffe auf Mädchen. Häufig geraten sie in die Fänge von Menschenhändlern, werden versklavt, verkauft und zur Prostitution gezwungen. 

Gihanga und Murenge: Landwirtschaftsprojekte und Ziegenzucht  

Nördlich der Hauptstadt Bujumbura in Gihanga und im Landesinneren in Murenge unterhält ora Kinderhilfe gemeinschaftlich organisierte Landwirtschaftsprojekte. Über 130 Familien profitieren davon, dass gemeinsam gesät, geerntet, gegessen und ein Teil der Ernte verkauft wird. Die Erlöse fließen zu gleichen Teilen an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bohnen, Mais, Maniok und verschiedene andere Gemüsesorten werden regelmäßig gepflanzt und geerntet. Besonders die Ernährungssituation und der gesundheitliche Zustand der Kinder haben sich seitdem sehr verbessert. 

Zudem hat ora Kinderhilfe in den Dörfern eine Schweine- und Ziegenzucht ins Leben gerufen. 150 Familien konnten bereits ein oder mehrere Tiere erhalten. Mit der Schweine- und Ziegenzucht hat sich die Gesamtsituation im Dorf sehr verbessert. Nicht nur Milch und Fleisch erhalten die Menschen gesünder, auch das Kümmern um die Tiere hat positive Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft.  

In den Alphabetisierungskursen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur lesen und schreiben, sie erlernen auch Dinge wie Haushaltsführung, Planbarkeit und den richtigen Umgang mit Lebensmitteln. Hygieneschulungen gehören ebenso zum Programm wie der Austausch über Neuigkeiten und das Hören von Gottes Wort. Neben den Alphabetisierungskursen gibt es in Murenge außerdem noch mehrere Trommelkurse für Kinder und Erwachsene. Das gemeinsame Musizieren macht den Musikerinnen und Musikern viel Spaß; bei allen öffentlichen Versammlungen und Veranstaltungen bieten die Gruppen ihr Können dar. 

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Burundi: Von Ernährungszentrum bis Bäckerei

Unsere Mitgliedsorganisation ora Kinderhilfe arbeitet seit 2016 mit dem Projektpartner "Sojpae" zusammen. Unter anderem in Musaga: Dort haben sie ein Ernährungs- und Freizeitzentrum eingerichtet, unterstützen Familien bei der Hühner- und Ziegenzucht und fördern mit einer Bäckerei das Einkommen von Müttern.

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Burundi: Von Ernährungszentrum bis Bäckerei

Leben in Burundi

Der dicht bevölkerte Binnenstaat gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung belegt es den 185. Platz von insgesamt 189 Rängen. 2018 hatte das kleine Land das niedrigste BIP der Welt. Die Übernutzung der Böden, die Auswirkungen des Klimawandels, aber besonders die gravierenden Mängel in der Regierungsführung verhindern jeglichen Aufschwung. Politische Instabilität, fehlende Rechtsstaatlichkeit und fortwährende Menschenrechtsverletzungen sorgen dafür, dass die Bevölkerung in Elend und Armut verbleibt. Die Lebenserwartung liegt bei nur 60 Jahren.

Die Not der Bevölkerung

Mit 70 Prozent hat Burundi laut der Weltbank eine der höchsten Armutsraten der Welt. Das bedeutet, dass 1,4 Menschen von unter einem Dollar am Tag leben müssen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen hungert. Etwa 2 Millionen Menschen drohen zu verhungern.

Die Kinder leiden besonders. Burundi ist ein sehr junges Land. 46 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahren alt. Umso schlimmer ist es, dass die Quote der Analphabeten bei 40 Prozent liegt. Kinder stellen die ärmste Bevölkerungsschicht dar. Etwa 11 Prozent aller lebend geborenen Kinder erleben ihr 5. Lebensjahr nicht. Sie sterben an Auszehrung oder vermeidbaren Krankheiten.

Tausende Mädchen und Jungen müssen Kinderarbeit verrichten. Ein Viertel der 10- bis 14-Jährigen schuftet schwer körperlich. Besonders schlimm sind die gewaltsamen und sexuellen Übergriffe auf Mädchen. Häufig geraten sie in die Fänge von Menschenhändlern, werden versklavt, verkauft und zur Prostitution gezwungen.

Vielseitige Projektarbeit in Musaga

Das mit wenigen Mitteln begonnene Ernährungszentrum der ora Kinderhilfe hat sich zu einem großen Projekt entwickelt. Weiterhin werden stark mangel- und unternährte Kinder dort mit einer speziellen hochkalorischen Diät aus natürlichen Zutaten versorgt. Deren Eltern erhalten Kurse zum Thema gesunde Ernährung. Sie lernen, was Vitamine sind, welche Inhaltsstoffe es gibt und was der Körper braucht, um ihn gesund zu erhalten. Der Erfolg der Behandlungen wird durch nachfolgende Hausbesuche bei den Kindern und Familien sichergestellt.

Darüber hinaus haben sich Behandlungen für Mütter im Ernährungszentrum etabliert. Mit Wurmkuren und anderen Behandlungen werden kranke Mütter behandelt. Für Schwangere gibt es ebenfalls Wurmkuren, Folsäuretabletten, ergänzende Lebensmittel bei gefährlichem Untergewicht der werdenden Mütter sowie Kurse zum Thema Ernährung und zur Schwangeren- und Kindergesundheit. Auch Hilfe im Umgang mit Behörden gehört dazu; seitdem ora Kinderhilfe das macht, haben deutlich mehr Kinder eine Geburtsurkunde erhalten.

Neben dem Ernährungszentrum gibt es im Freizeitzentrum zahlreiche Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Hausaufgabenhilfe, Tanz- oder Englischkurse machen den Teilnehmenden viel Freude.

Besonders arme Familien unterstützt ora Kinderhilfe mit Hühnern, Ziegen und Saatgut. Mehr als 400 Familien besitzen inzwischen Hühner und Ziegen. Die Zucht der Hühner hat sich auf über 2.500 Stück erhöht (Stand Oktober 2020).

Seit 2019 gibt es noch eine Bäckerei. Die dort produzierten Brote und Kuchen werden für den Einkaufspreis an die Mütter der ora-Patenkinder abgegeben. Diese wiederum verkaufen die Backwaren an Kundinnen und Kunden weiter. Die daraus erzielten Erlöse helfen den Familien ihre Situation zu verbessern.

 

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ora Kinderhilfe international e.V.

Ein eigenständiges Leben in Würde - dazu verhilft ora Kinderhilfe den Kleinsten und Schutzlosesten einer jeden Gesellschaft und ihren Familien in fünf Ländern Afrikas.

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Verhindern Fairtrade-Produkte Kinderarbeit?

In Deutschland werden rund 1,9 Milliarden Euro jährlich für faire Produkte ausgegeben, damit ist Deutschland eines der wichtigsten Absatzmärkte für fair gehandelte Waren. Die Vorstellung, mit ein paar Cent mehr die Lebensbedingungen der Produzierenden in Ländern des globalen Südens zu verbessern und Produkte zu konsumieren, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, klingt verlockend.

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Verhindern Fairtrade-Produkte Kinderarbeit?

Es gibt unterschiedliche Siegel auf den deutschen Märkten die Produkte als “fair gehandelt” auszeichnen. Alternativen zum sehr bekannten “Fairtrade”-Siegel sind “GEPA fair+”, “Naturland fair” und “Rapunzel Hand in Hand”. Produkte mit Fairtrade-Siegel werden nicht nur in Biomärkten, sondern auch in Discountern angeboten. 

Ein Ziel von Fairtrade und Co. ist es sich für bessere Arbeits- und Lebensverhältnisse der Produzierenden einzusetzen. So ist es auch erklärtes Vorhaben Kinderarbeit zu bekämpfen.  

So wirkt Fairtrade gegen Kinderarbeit 

Im Fairtrade-System sind ausbeuterische Kinderarbeit und Zwangsarbeit verboten. Um dies zu erreichen, gibt es bei Fairtrade bestimmte Vorgaben. Wenn ein von Fairtrade verifizierter Produzent in einem Land liegt, in dem die Wahrscheinlichkeit für Kinderarbeit hoch ist, müssen bestimmte Maßnahmen umgesetzt werden.  

Dazu gehört es, dass sich die produzierenden Betriebe in ihren Richtlinien klar gegen Kinderarbeit positionieren und ein eigenes Kontrollsystem erarbeiten, um Kinderarbeit zu verhindern. Falls es doch zu ausbeuterischer Kinderarbeit kommt, sind alle Menschen im Fairtrade-Netzwerk verpflichtet diesen Verstoß zu melden. Nicht nur bei Fairtrade selbst sondern auch bei lokalen und internationalen Kinderrechtsorganisationen.  

So soll gesichert werden, dass das Kindeswohl so schnell wie möglich wieder geschützt werden kann. Sollten die Verstöße zu schwerwiegend sein, verliert der Produktionsstandort die Fairtrade-Verifizierung. 

Mindestpreise gegen Armut 

Außer Prävention und Bestrafung gibt es bei Fairtrade den Ansatz der fairen Bezahlung. Denn Armut ist die größte Ursache für Kinderarbeit. Fairtrade zahlt immer einen festen Mindestpreis, so haben die Menschen in Fairtrade-Produktionen ein regelmäßiges Mindesteinkommen. Ob dies ausreichend ist, wird allerdings häufig kritisch hinterfragt. Zusätzlich gibt es eine Prämie mit der Projekte, wie der Bau von Schulen oder Spielplätzen, finanziert oder Stipendien ermöglicht werden können. 

Fairtrade-Verifizierung zu teuer für viele 

Für kleinere Produzierende beispielswiese Kleinbäuerinnen und -bauern, die Kakao oder Kaffee anbauen, ist ein Fairtrade-Zertifikat zu teuer. Die Antragsgebühr liegt bei etwa 525 Euro, die für die Erstzertifizierung sogar bei 2.250 Euro. Dazu kommen jährliche Kosten, die Fairtrade mit Schulungen für die Steigerung der Produktivität erklärt. 

Keine langfristigen positiven Erfolge durch Fairtrade? 

Unterschiedliche Forschungsgruppen stellten außerdem fest, dass einige Fairtrade zertifizierte Produzierende in Äthiopien und Uganda weniger verdienen als vergleichbare Betriebe ohne Fairtrade-Zertifizierung. Eine andere Forschungsgruppe fand heraus, dass es kaum langfristige positive Effekte für Kaffeebäuerinnen und -bauern in Guatemala durch Fairtrade gab, da die hohen Zertifizierungskosten die wirtschaftlichen Vorteile wieder neutralisierten. 

Einige Ökonomen gehen davon aus, dass der “ethische Konsum” in Ländern des globalen Nordens Kinderarbeit sogar fördert, anstatt sie zu verringern. Grund dafür ist die Annahme, dass wenn mehr und mehr Produktionsstätten sich durch Fairtrade verifizieren lassen und Kinder als Arbeitskräfte dort nicht mehr zulässig sind, vermehrt Kinderarbeit in die informellen Sektoren der Landwirtschaft verschoben wird. Dort sind Bezahlung und Arbeitsbedingungen meist noch schlechter und im schlimmsten Fall müssen mehr Kinder einer Familie arbeiten gehen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. 

Fairtrade wirkt nur schlecht gegen Kinderarbeit 

Fairtrade steht also häufig in der Kritik nicht effektiv gegen Kinderarbeit zu wirken. Das bedeutet nicht, dass fair gehandelte Produkte insgesamt nicht dafür sorgen können, dass sich die Arbeitsbedingungen für Produzierende verbessern. Es scheint allerdings nötig zu sein, sich genauer mit einzelnen Produkten, ihren Lieferketten und ihrer Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, um ganz sicher sein zu können.  

Echte Veränderungen durch Politik und Wirtschaft 

Die Wirtschaft und Politik sind die entscheidenden Kräfte die grundlegend etwas an Kinderarbeit und Zwangsarbeit verbessern könnten. Höhere Mindestpreise für Produkte wären eine Option. Auch die Verarbeitung von Produkten wie Kakao oder Kaffee in den Anbauländern würde zu einer Wertsteigerung und einem wirtschaftlichen Aufschwung führen. Auch Deutschland ist Teil des Problems: Beispielsweise kann Rohkaffee zollfrei nach Deutschland eingeführt werden, wohingegen gemahlener und gerösteter Kaffee mit 7 % bezollt wird. Diese Ungleichheiten führen zu weniger Investitionen in den Ausbau von Weiterverarbeitungsbetrieben in den Anbauländern selbst. Somit bleiben die Lebensumstände dieselben.  

Quellen:

o. A. / Fairtrade und Kinderrechte Factsheet vom 05.2020 von Fairtrade Deutschland.  

Döpke, M. / Hilft Fairtrade wirklich? Ausgabe 7/10 Geo.   

Scherer, K. / Der bittere Beigeschmack der Schokolade vom 02.01.2018 in der Süddeutschen Zeitung. 

Hansen, A. / Wenn Kaffee bitter schmeckt 18.08.2014.  

Datum: 09.06.2021

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Menstruationshygiene kennt keine Pandemie

Am 28. Mai war Menstrual Hygiene Day – doch während auch an den anderen 364 Tagen im Jahr ein großer Teil der Weltbevölkerung menstruiert, stellt die Pandemie und ihre ökonomischen Folgen Menstrual Hygiene Management vor alte Herausforderungen und gefährdet Erfolge.

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Menstruationshygiene kennt keine Pandemie

MHM und die Sustainable Development Goals

Ungefähr 1.8 Milliarden weibliche, non-binäre und Trans-Personen menstruieren. Das sind eine Menge Menschen, die bei der Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) nicht zurückgelassen werden dürfen. Menstrual Hygiene Management (MHM) umfasst die Maßnahmen, die notwendig und angebracht sind, damit Mädchen und generell alle Personen, die menstruieren in unterschiedlichen Kontexten privat und sicher ihre Monatsblutung managen können. Dazu gehören unter anderem der Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäranlagen und bezahlbaren Hygieneartikeln, Wissen über den eigenen Körper und gesundheitsfördernde Maßnahmen sowie der Abbau von Stigmata durch Bildung. Für Menstruationsgesundheit und den Abbau von Stigmata sind Investitionen in nachhaltige Wasser-, Sanitär- und Hygieneeinrichtungen notwendig. Denn MHM ist eine wichtige Grundlage für die psychische, sexuelle und reproduktive Gesundheit von Frauen und die Erreichung von SDGs 3 (Gesundheit), 4 (Bildung), 5 (Geschlechtergleichstellung), 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) und 10 (Weniger Ungleichheiten).

Periods Don’t Stop for Pandemics

Obwohl durch Covid-19 Hygienemaßnahmen wie Händewaschen stärker ins Bewusstsein gerückt sind, werden andere hygienebezogene Bedürfnisse eher verdrängt: Doch Menstruierende brauchen nach wie vor Periodenprodukte, den Zugang zu Toiletten, Seife, Wasser und nicht zuletzt Privatsphäre. Schätzungsweise 500 Millionen Menstruierende auf der Welt haben aber bereits unabhängig von der Pandemie nicht die benötigten Ressourcen dazu.

Die Pandemie birgt nun die Gefahr, bestehende Mängel im MHM zu verschärfen. Ein Faktor kann der Mangel an Impfstoff außerhalb von reichen Ländern sein. Denn so verharrt der Fokus von Regierungen auf einer Verhinderung der Ausbreitung des Virus durch Hygienemaßnahmen und Lockdowns.
Der dadurch gestiegene Bedarf an Wasser und Seife lässt diese dann an anderer Stelle knapp werden: zum Beispiel bei der Menstruationshygiene. Schulen und öffentliche Toiletten wurden zum Teil geschlossen und so fehlt auch vermehrt der Zugang zu Sanitäreinrichtungen. Schulschließungen führen zudem zu weniger Bildung über sexuelle Gesundheit. Wissen über die Menstruation ist jedoch wichtig, um sie sicher zu managen.

Dazu kommt, dass Lieferengpässe infolge von Lockdowns und Grenzschließungen zu Preissteigerungen von Waren geführt haben – darunter auch Binden, Tampons und Seife. Gleichzeitig zwingt ein verringertes Haushaltseinkommen viele Mädchen und Frauen dazu, ihren Bedarf an Periodenprodukten hintenanzustellen. Bei einem Mangel an Periodenprodukten behelfen sich menstruierende Personen mit Stoffresten oder Zeitungspapier. Diese bergen jedoch ein hohes Infektionsrisiko und sind nicht genügend saugfähig. Aus Angst vor Flecken auf ihrer Kleidung verpassen so viele Mädchen und Frauen Schulunterricht und haben damit nicht den gleichen Zugang zu Bildung.

Kostengünstiger und nachhaltiger als Wegwerfprodukte

Die Firma „Ruby Cup“ bietet mit wiederverwendbaren Menstruationstassen eine sichere, nachhaltige und kostengünstige Alternative. (Der Ruby Cup befindet sich auch in unserem Afrika-Koffer für die Sekundarstufe). Mit der Initiative „Buy One, Give One“ wird durch jede verkaufte Menstruationstasse eine weitere gespendet – an ein Mädchen in Kenia ohne Zugang zu Periodenprodukten. Zu dem Projekt gehören außerdem die Verteilung der Menstruationstassen in Schulen sowie ein Workshop, der über die Verwendung der Menstruationstasse, die weibliche Anatomie und den Zyklus informiert.

Mädchenfreundliche Toiletten und Kampf gegen das Periodentabu

Neben Hygienemaßnahmen brauchen Mädchen Räume, in denen sie Privatsphäre haben und sich sicher fühlen. Unsere Mitgliedsorganisation CARE unterstützt in der Provinz Mashvingo im Süden Simbabwes mädchenfreundliche Toiletten. Diese sind mit Hygieneartikeln, Spiegeln und einem Vorrat an waschbaren Stoffbinden ausgestattet. Die Spiegel geben den Mädchen Sicherheit, weil sie darin Flecken auf ihren Schuluniformen sehen könnten. Mit dem Kinderhilfswerk Global Care werden in Uganda wiederverwendbare und hygienische Binden genäht und zusammen mit Eimern und Reinigungsutensilien verteilt.

Neben Menstruationstassen sind wiederverwendbare Binden für viele erschwinglich und angenehm. Schließlich entscheidet nicht nur der Kostenfaktor über die Wahl des Menstruationsartikels. Jede menstruierende Person muss die Möglichkeit haben durch Wissen und Zugang frei darüber entscheiden zu können, was angenehm und sicher für sie ist. Dafür braucht es mehr Initiativen, wie die unserer Mitgliedorganisationen, damit alle Menschen gleichberechtigt am sozialen und ökonomischen Leben teilhaben.

Quellen:

Kamowa, V., Mahon, T.; Sommer, M. / Creating a more equal post-COVID-19 world for people who menstruate vom 28.05.2020 auf WaterAid.org.  

Sommer, M. / Menstrual hygiene management in humanitarian emergencies: Gaps and recommendations vom Januar 2012, Practical Action Publishing.

WASH United / PERIODS DON’T STOP FOR PANDEMICS vom 28.05.2020 menstrualhygieneday.org.

Datum: 08.06.2021


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Rette Nr. 5 – Stoppt Kinderarbeit

GEMEINSAM FÜR AFRIKA setzt mit Live-Performance in drei deutschen Städten ein eindrucksvolles Zeichen gegen Kinderarbeit.

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Geringe Kaffeepreise führen zu Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen

Kaffee ist das absolute Lieblingsgetränk der Deutschen, fast 150 Liter trinkt jede Person durchschnittlich im Jahr. Außerdem ist Kaffee nach Erdöl der wichtigste Exportrohstoff der Welt. Der meiste Kaffee wird in Südamerika und Afrika produziert. Doch in vielen Anbauländern gibt es immer noch ausbeuterische Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen.

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Geringe Kaffeepreise führen zu Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen

Die Kaffeebohnen werden mühsam von Hand geerntet. Trotzdem ist der Preis für Rohkaffee sehr gering. Der Weltmarktpreis lag im Januar 2020 bei etwa einem US-Dollar pro Pfund (etwa ein halbes Kilo). Für die Menschen auf den Kaffeeplantagen ist es schwierig genügend Kaffee zu ernten, um ihr Leben damit ausreichend finanzieren zu können. Deshalb müssen häufig ihre Kinder mithelfen.  

Kinder arbeiten auf Kaffeeplantagen als Erntehelfende, aber auch um die Bohnen zu säubern und zu sortieren oder die Pflanzen einzusprühen und zu düngen. Viele Kinder müssen zudem die schweren Kaffeesäcke schleppen. Die großen Gewichte sind eine starke Belastung für den Rücken und die Gelenke.  

Fairer Kaffee ist eine Seltenheit in Deutschland 

Nur etwa zehn Prozent des deutschen Kaffees werden fair produziert. Fairtrade zahlt einen festen Mindestpreis von 1,40 US-Dollar pro Pfund, um die Schwankungen des Weltmarktpreises abzudämpfen. Zusätzlich erhalten die Kaffeeanbauenden eine Prämie von 20 US-Cent pro Pfund, mit der Gemeinschaftsprojekte, wie der Bau von Schulen, finanziert werden sollen. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten und es gibt Systeme zur Kontrolle und Prävention. 

Für biologisch angebauten Kaffee gibt es eine weitere Prämie von 30 US-Cent pro Pfund. Leider reicht dies trotzdem nicht aus, damit alle Fairtrade zertifizierten Kaffeebäuerinnen und -bauern ein existenzsicherndes Einkommen haben. 

Die Wertschöpfung liegt in Deutschland statt in den Rohstoffländern 

Afrikanische und südamerikanische Länder sind die größten Exporteure von Rohkaffee, doch die wahre Wortschöpfung passiert in anderen Ländern. Deutschland ist der größte Exporteur von geröstetem Kaffee. Dieser lässt sich im Vergleich zu Rohkaffee für mehr als das Doppelte verkaufen. Das bedeutet, dass erst das Rösten der Kaffeebohnen den günstigen Rohstoff zu einem mitunter teuren Konsumgut werden lässt.  

Deutschland unterstützt dieses Vorgehen, indem die Steuern für gerösteten Kaffee, der aus anderen Ländern importiert wird, bei 7,5 % liegt – Rohkaffee darf hingegen zollfrei eingeführt werden.  

Gerechtere Kaffeepreise, um Kinderarbeit zu reduzieren 

Der Grund von ausbeuterischer Kinderarbeit ist die Armut ihrer Eltern. Hohe und transparente Kaffeepreise könnten das Problem lösen. Ein Vorschlag dafür ist, dass die Arbeitenden umgerechnet 10 US-Cent pro Tasse Kaffee erhalten sollten (bei Fairtrade Kaffee sind es etwa 2,5 US-Cent). 

Verlagerung der Wertschöpfung nach Afrika und Südamerika für eine nachhaltige Veränderung 

Ein anderer Vorschlag ist es, dass Rohstoffländer ihren Kaffee selbst rösten, mahlen und verpacken sollten, um dann das fertige Produkt exportieren zu können. So könnte 60 % mehr Umsatz erwirtschaftet werden und die Wertschöpfung würde in den Rohstoffländern bleiben. Davon würden nicht nur Kaffeebäuerinnen und -bauern profitieren, sondern auch die Menschen, die den Kaffee rösten, die Verpackungen herstellen und die Etiketten für diese drucken.  

Schätzungsweise könnten so in Äthiopien – dem größten Rohkaffeeexporteurs Afrikas – etwa 280.000 neue Jobs entstehen. Weitaus mehr als durch klassische Entwicklungshilfe möglich wäre. 

Weitere Informationen: 

Kaffee Fact Sheet von Fairtrade von Mai 2019. 

Amann, S. et al. / Die bittere Wahrheit über unser Lieblingsgetränk vom 21.09.2017.  

k. A. / Kaffee vom 29.11.2010 in aktiv-gegen-kinderarbeit.  

Datum: 03.06.2021

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Kinderarbeit in Minen

In den Minen afrikanischer Länder werden einige der wertvollsten und wichtigsten Rohstoffe unserer Zeit wie Kupfer, Coltan, Gold und Kobalt gefördert. Allerdings geschieht das häufig, indem Kinder unter gefährlichen Bedingungen extrem hart körperlich arbeiten müssen und ausgebeutet werden.

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Kinderarbeit in Minen

Kinderarbeit in Goldminen 

In Tansania und Niger wird das wertvolle Metall Gold gefördert. Kinder, die in Goldminen arbeiten tun dies meist ohne Schutzkleidung. Das führt dazu, dass sie Staub einatmen und in Berührung mit giftigem Quecksilber kommen. Dies und die Gefahr in den Minen abzustürzen, birgt große gesundheitliche Risiken.  

Kinderarbeit in Kobaltminen 

In der Demokratischen Republik Kongo, einem der rohstoffreichsten Länder der Erde, wird vor allem das Metall Kobalt abgebaut. Mehr als 60 % des weltweiten Kobalts stammt hierher. Allerdings wird es oft unter höchstgefährlichen Bedingungen gefördert: Immer wieder stürzt die Erde über Menschen ein, Steine fallen auf Köpfe oder Menschen stürzen beim Klettern in eine Mine ab. Kinderarbeit ist keine Seltenheit. 2019 arbeiteten im Kongo mindestens 22.000 Kinder in den Minen. Die über 7-jährigen Kinder arbeiten oft mehr als acht Stunden pro Tag. Dabei verdienen sie kaum mehr als 1,50 Euro an einem ganzen Tag. Kobalt wird für Smartphone-Akkus genauso gebraucht wie für die Batterien von Elektro-Autos.   

Kobaltabbau im eigenen Garten 

Viele Menschen graben bis zu 50 m tiefe Löcher in ihre eigenen Gärten, um dort nach Kobalt zu graben. Doch auch in offiziellen Kobaltminen werden die von der Regierung auferlegten Sicherheitsregeln und das strenge Verbot von Kinderarbeit häufig missachtet.  

Fehlende Perspektiven sind Grund für gefährliche Arbeit 

Trotzdem gibt es für viele Menschen im Kongo keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen. Und da sich viele Familien die Schulbildung für ihre Kinder nicht leisten können, fangen diese schon in jungen Jahren an zu arbeiten. Mit ihrem Lohn können die meisten aber gerade mal für ihre Kleidung und ihr Essen aufkommen. Kinder werden in der Regel schlechter bezahlt als Erwachsene. 

Sparen, Bildung oder die Finanzierung von Medizin ist für Familien und Kinder kaum möglich. Jedoch verdient ein Mensch, der in Minen arbeitet, mehr als eine Person, die in der Landwirtschaft tätig ist. Vielen Kindern wird keine bessere Alternative geboten, weshalb sie sich trotz der Gefahr für die Arbeit in den Minen entscheiden. 

Keine gute Lösung in Sicht 

Viele große Automobilhersteller setzen nun auf industrielle Großminen, um Kinderarbeit ausschließen zu können. Diese Großminen verschmutzen allerdings ihre Umwelt und können das Problem der Armut in der Bevölkerung nicht lösen. So schleichen sich die Menschen nachts auf unbewachte Großminen und setzen sich in der Dunkelheit noch größeren Gefahren aus.  

Andere Unternehmen geben an überhaupt kein Kobalt mehr aus der DR Kongo zu beziehen. Doch dies scheint auch nicht die Lösung zu sein. Der Bedarf an Kobalt wird in den nächsten Jahren ansteigen und nicht ohne die Vorkommen der DR Kongo gedeckt werden können. Dies könnte laut Experten zu einem erheblichen Anstieg von Schmuggel führen.  

Quellen: 

Staude, L. / Der hohe Preis für Elektroautos und Smartphones vom 25.07.2017 in Deutschland Funk.  

Gerding, J. / Kobalt aus dem Kongo: Der Makel der E-Mobilität vom 02.07.2019 in DW.  

Datum: 03.06.2021

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Ist das neue Lieferkettengesetz wirksam gegen Kinderarbeit?

Deutschland ist stark von Importen aus dem Ausland abhängig. Somit ergibt sich eine Verantwortung für Menschen, die in anderen Ländern Produkte unseres alltäglichen Lebens herstellen. Um beispielsweise etwas gegen ausbeuterische Kinderarbeit innerhalb unserer Lieferketten zu sorgen, soll nun das Lieferkettengesetz verabschiedet werden.

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Ist das neue Lieferkettengesetz wirksam gegen Kinderarbeit?

Von allen Industrienationen der Erde ist Deutschland am stärksten  in internationale Lieferketten eingebunden. Im Jahr 2018 machten 320.000 deutsche Exportunternehmen einen Umsatz von 1,32 Billionen Euro. Sogar über 770.000 Unternehmen sind über den Import im internationalen Handel aktiv und erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von 1,09 Billionen Euro. 

Viele alltägliche Dinge kommen aus anderen Ländern 

Die wichtigsten Importe aus anderen Ländern stellen mit 63 % Textilien dar, auch elektronische Geräte werden zu 45 % importiert. Die chemisch pharmazeutische Industrie bezieht 39 % Rohstoffe und Produkte aus anderen Ländern. Auch 39 % der Lebensmittel müssen nach Deutschland importiert werden. 

Sehr viele alltägliche Produkte werden also nicht in Deutschland hergestellt. Viele Rohstoffe, die für diese Produkte nötig sind, kommen aus dem globalen Süden. Einige dieser Rohstoffe und Produkte werden in anderen Ländern unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen produziert. Dazu gehören unter anderem ausbeuterische Kinderarbeit oder Zwangsarbeit. 

Deutschlands Verantwortung für menschenwürdige Arbeitsbedingungen 

Durch die engen internationalen Verbindungen durch Lieferketten steht Deutschland auch in der Verantwortung etwas gegen menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen in anderen Ländern zu tun. Denn laut Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar. Und das schließt nicht-deutsche Menschen mit ein.  

Nach langen Diskussionen zwischen den Bundesministerien für Entwicklung, Arbeit und Wirtschaft verabschiedete das Bundeskabinett im März 2021 ein Gesetzentwurf für ein neues Lieferkettengesetz. Möglicherweise wird der Entwurf noch im Juni 2021 vom Deutschen Bundestag verabschiedet. 

Das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten 

Zunächst heißt das Gesetz eigentlich “Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten” und klingt erst einmal vielversprechend: Deutsche Unternehmen sollen die Menschenrechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in ihren Zulieferunternehmen aus dem Ausland schützen. Dafür sollen Risikoanalysen durchgeführt werden und Präventionsmaßnahmen bspw. gegen Kinderarbeit oder Zwangsarbeit entwickelt und umgesetzt werden.  

Zudem sollen Beschwerdeverfahren eingerichtet werden, damit Arbeiterinnen und Arbeiter aus ausländischen Unternehmen Menschenrechtsverletzungen melden können. Diese müssen dann mit Hilfe deutscher Unternehmen in Zukunft vermieden oder zumindest minimiert werden. 

Lobbyarbeit führt zu milderem Gesetzentwurf 

Das Gesetz wurde allerdings durch Lobbyverbände deutscher Unternehmen stark abgemildert: Nun sollen nicht mehr alle Unternehmen von dem Gesetz betroffen sein, sondern nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Das sind etwa 4.800 in Deutschland. Auch große Niederlassungen ausländischer Unternehmen in Deutschland sind von dem neuen Gesetz betroffen. 

Deutsche Unternehmen nur für direkte Zulieferfirma verantwortlich 

Unternehmen sind nun auch nicht mehr direkt für alle Zulieferfirmen in ihrer Lieferkette verantwortlich, sondern nur noch für die unmittelbaren. Das bedeutet, die ersten Stationen der Lieferketten müssen nicht aktiv von deutschen Unternehmen kontrolliert werden. Ihre Sorgfaltspflichten gelten bei mittelbaren Zulieferern nur anlassbezogen, d.h. wenn eine Beschwerde vorliegt oder bereits ein Schaden entstanden ist. Allerdings sollen auch für mittelbare Zulieferfirmen Beschwerdeverfahren eingerichtet werden. Sollten menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen bei mittelbaren Zulieferfirmen dem Unternehmen bekannt werden, müssen Konzepte zur Minimierung dieser erarbeitet und umgesetzt werden. Konkrete Verantwortung tragen deutsche Unternehmen allerdings nur für ihre direkten Zulieferfirmen. 

Keine Schadensersatzansprüche im Falle von Gesetzverstößen 

Falls diese Auflagen verletzt werden, sollen deutsche Unternehmen künftig Bußgelder zahlen müssen. Zivilrechtliche Strafen, wie Schadensersatzansprüche, werden allerdings durch das Gesetz ausgeschlossen. Trotzdem soll es für ausländische Arbeitnehmende möglich werden sich im Falle von menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen von Nichtregierungsorganisationen oder Gewerkschaften in Deutschland vertreten zu lassen und deutsche Unternehmen zu verklagen. Allerdings kann nicht auf Schadensersatz geklagt werden. 

Abgemildertes Lieferkettengesetz kaum wirksam gegen Kinderarbeit 

Insgesamt erfüllt das Gesetz nicht die Erwartungen auf einen wirksamen Schutz der Menschen- und Kinderrechte. Denn Kinderarbeit findet sich selten bei den direkten Zulieferern deutscher Unternehmen, sondern eher in früheren Stationen der Wertschöpfungskette. So beispielsweise beim der Kakao– und Kaffeeanbau, bei der Baumwollernte oder im Bergbau. Diese Stationen fallen allerdings kaum unter das neue Lieferkettengesetz bzw. Müssen nur anlassbezogen kontrolliert werden. Zusätzlich entsteht die Gefahr das Kinderrechtsverletzungen in frühere Stufen der Lieferkette verlagert werden, damit sie nicht von deutschen Unternehmen nachverfolgt werden müssen. Es ist außerdem fraglich, ob der Beschwerdemechanismus für Kinder und Jugendliche auch praktisch zugänglich ist. Nicht zuletzt steht Kinderarbeit in Verbindung mit Kinderarmut. Diese wird durch das Gesetz nicht bekämpft. 

Um Rechte von Kindern tatsächlich richtig schützen zu können, wäre es nötig alle Beteiligten einer Lieferkette sorgfältig zu überprüfen. Der aktuelle Entwurf des Gesetzes wird wohl wenig positive Auswirkungen auf Kinderrechte mit sich bringen. 

Quelle:

Much, L. / Warum Kinder ein wirksames Lieferkettengesetz brauchen von Unicef vom 19.02.2021.  

o. A. / Durchbruch bei umstrittenen Lieferkettengesetz vom 31.05.2021 in absatzwirtschaft.  

Gesetzentwurf über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten vom 24.03.2021 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Datum: 02.06.2021

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Kinderarbeit auf Kakaoplantagen nimmt zu

Obwohl sich einige der größten kakaoverarbeitenden Unternehmen schon 2001 das Ziel setzten Kinderarbeit auf Kakaoplantagen abzuschaffen, stieg diese zuletzt wieder an. 2020 arbeiteten mehr Kinder auf Kakaoplantagen als noch vor 10 Jahren. Statt höhere Kakaopreise an Kakaobäuerinnen und –bauern zu zahlen, setzen Unternehmen auf Aufklärungskampagnen gegen Kinderarbeit.

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Kinderarbeit auf Kakaoplantagen nimmt zu

Über 60 % des weltweiten Kakaos stammt aus den westafrikanischen Ländern Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) und Ghana. Diese Gegend ist am stärksten von Kinderarbeit betroffen. Die meisten Kakaoplantagen gehören Kleinbäuerinnen und -bauern. Diese verdienen oft pro Tag weniger als 1,25 US-Dollar, was deutlich unter der Armutsgrenze liegt. Um Arbeitskräfte auf ihren Plantagen einzustellen, reicht das Geld oft nicht aus, dann müssen auch die eigenen Kinder arbeiten.  

Welche Folgen hat die Arbeit auf Kakaoplantagen für Kinder? 

Kinder helfen bei der Ernte des Kakaos, tragen die Früchte zusammen, pflegen die Bäume, jäten Unkraut, düngen und übernehmen andere Aufgaben auf der Plantage, wie Wäsche waschen, putzen oder kochen. 

Die Arbeit auf den Plantagen ist schwer: Kinder müssen zum Teil mit gefährlichen Werkzeugen, wie Macheten arbeiten oder Kakaosäcke schleppen, die bis zu 70 Kilogramm wiegen können. Außerdem müssen sie Kakaopflanzen mit Pestiziden besprühen, die giftig sein können. Teilweise arbeiten Kinder nicht auf der Plantage der eigenen Eltern und haben kaum Kontakt zu ihnen. Manche Kinder werden auch beschimpft, gedemütigt oder geschlagen. Dies führt zu physischen und psychischen Störungen bei den Kindern.  

Teufelskreis der Kinderarmut 

Arbeitende Kinder haben zudem kaum eine Chance die Schule zu besuchen und erfolgreich abzuschließen. Dadurch bleibt es ihnen oft unmöglich einen richtigen Beruf zu erlernen und einer sicheren Arbeit nachzugehen, um sich und ihre zukünftigen Familien ernähren zu können.  

Anstieg der Kinderarbeit im Kakaoanbau 

In den letzten zehn Jahren stieg die gefährliche Kinderarbeit auf Kakaoplantagen um 14 %. Dem guten Vorsatz großer kakaoverarbeitender Unternehmen wie Mars, Ferrero und Nestlé zum Trotz: Diese und weitere Unternehmen nahmen sich 2001 vor, dass bis 2005 keine Kinder mehr auf Kakaoplantagen arbeiten sollten. Dieses Vorhaben wurde mehrmals verschoben und abgeschwächt. Zuletzt sollte Kinderarbeit bis 2020 um 70 % reduziert werden, auch dieses Vorhaben scheiterte kläglich.  

Da der niedrige Weltmarktpreis der Grund für Kinderarbeit ist, müssten die Bäuerinnen und Bauern produktiver werden, so die großen Unternehmen wie Mars, Ferrero und Nestlé. Die Unternehmen stellten Bäuerinnen und Bauern deshalb produktivere Anbaumethoden vor und veranstalteten Kampagnen gegen Kinderarbeit. 

Niedrige Kakaopreise führen zu Kinderarbeit 

Etwa 30 Gramm Kakao sind in einer Standardschokolade enthalten, im Einkauf kosten diese etwa 7 Cent. Erst mit der Weiterverarbeitung durch die Industrie steigt der Wert von Kakaoprodukten erheblich an. Ein höherer Kaufpreis von Kakao würde von Konsumierenden also kaum bemerkt werden und könnte Existenzen sichern. Der Kakaopreis ist heute mit 2000 US-Dollar pro Tonne nur noch etwa halb so hoch wie in den 1970er Jahren.  

Lösungen im Kampf gegen Kinderarbeit 

Heute arbeiten über 1,6 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen in Westafrika, 10.000 von ihnen sind von Sklaverei und Kinderhandel betroffen. Die Regierungen Ghanas und Côte d’Ivoires gründeten 2020 eine Art Kartell, welches das Kakaoangebot sowie den Kakaopreis regulieren soll. Die Regierungen verlangen pro verkaufter Tonne Kakao einen Aufschlag von 400 US-Dollar. Dieser soll Kakaobäuerinnen und -bauern einen existenzsichernden Mindestpreis garantieren. Die Auswirkungen des Aufschlags sind allerdings noch nicht endgültig geklärt oder belegt.  

Trotzdem wird deutlich, dass die Regierungen der beiden Länder im letzten Jahr mehr für Kakaobäuerinnen und -bauern getan hat als die Kakaoindustrie in den letzten 20 Jahren.  

Ein Lieferkettengesetz könnte Unternehmen in Deutschland und Europa dazu verpflichten, auf die Einhaltung des Verbots von Kinderarbeit auf den Plantagen zu achten und diese gründlicher zu kontrollieren. 

Fairtrade-Schokoladenanbietende garantieren Kakaobäuerinnen und -bauern einen Mindestpreis von 2.100 US-Dollar pro Tonne. Kritische Stimmen meinen jedoch, dass selbst dieser Preis nicht für ein existenzsicherndes Einkommen ausreichen würde. Trotzdem: Fairtrade-Unternehmen kontrollieren ihre Lieferkette ganz genau, um zu verhindern, dass Kinder auf ihren Plantagen arbeiten.  

Quellen: 

Northoff, E. / Mit höheren Kakaopreisen gegen illegale Kinderarbeit vom 12.2020 in Welthungerhilfe.  

o. A. / Kinderarbeit im Kakaosektor von Oro Verde.  

Becker, A. / Kakao: Kein Fortschritt im Kampf gegen Kinderarbeit vom 13. 11.2020 in DW.  

Datum: 27.05.2021

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Kinderarbeit auf Baumwollplantagen in Afrika

In Deutschland kaufen Menschen im Schnitt 60 Kleidungstücke im Jahr, sind aber selten bereit genug Geld auszugeben, um eine faire Produktion zu gewährleisten. Kinderarbeit ermöglicht es Unternehmen, ihre Ware sehr günstig zu produzieren. Auch in Afrika arbeiten Kinder auf Baumwollplantagen oder in der Textilindustrie. Dort sind sie gesundheitlichen Risiken wie Pestiziden oder giftigen Dämpfen ausgesetzt.

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Kinderarbeit auf Baumwollplantagen in Afrika

Weltweit gibt es etwa 152 Millionen arbeitende Kinder, 73 Millionen von ihnen führen gefährliche Kinderarbeit aus. Das bedeutet, dass sie gesundheitsgefährdende, ausbeuterische oder körperlich zu anstrengende Tätigkeiten ausüben müssen und nicht zur Schule gehen können. 71 % der Kinder arbeiten in der Landwirtschaft: Baumwolle ist dabei eines der häufigsten Produkte, bei dessen Ernte und Weiterverarbeitung Kinder zur Arbeit angestellt werden.  

Kinderarbeit auf Baumwollplantagen  

In der Textilindustrie ist Kinderarbeit ein großes Problem. In Afrika arbeiten insbesondere auf Baumwollplantagen viele Kinder. Da Baumwolle in großen Monokulturen angebaut wird, verbreiten sich Schädlinge schnell. Kinder müssen in den Sommermonaten infizierte Blätter und schädliche Raupen von den Pflanzen entfernen. Bei der Baumwollernte bevorzugen Arbeitgebende Kinder, weil ihre kleinen Finger die Blüten weniger beschädigen.  

Gesundheitliche Gefahren  

Auf den Feldern sind Kinder den vielen Pestiziden ausgesetzt, die zum Schutz vor Schädlingen auf die Pflanzen gesprüht werden. Die jungen Organe der Kinder können diese Giftstoffe schlechter abbauen, zudem gelangen die Gifte auch schneller durch die dünne Kinderhaut in den Körper. Viele Kinder leiden an chronischen Augenentzündungen, Nieren- und Leberproblemen oder Atemwegserkrankungen. 

Textilindustrie nutzt Kinder als günstige Arbeitskräfte aus 

Auch für die einzelnen Schritte in der Produktion von Kleidung werden niedrigqualifizierte Arbeitskräfte benötigt. Beispielsweise beim Annähen von Knöpfen, Färben von Stoffteilen oder Besticken von Kleidung. Beim Färben von Kleidung sind die Kinder giftigen Dämpfen ausgesetzt.  

Kinder werden eingestellt, weil sie weniger Geld kosten. Sie sind nicht in Gewerkschaften organisiert und können sich schlechter für ihre eigenen Bedürfnisse einsetzen. Da Lieferketten in der Modeindustrie lang und komplex sind, ist es für Unternehmen schwer, jede Produktionsstation genau zu kontrollieren. Das ermöglicht es zuliefernden Produktionsfirmen, Kinder einzustellen ohne dass große Marken etwas davon erfahren. 

In Nähereien, eine der letzten Stationen vor dem Verkauf im Laden, arbeiten heute kaum noch Kinder, da große Unternehmen hier einen Einblick in die Produktion haben. Die Lieferkette bis hin zu einzelnen Baumwollplantagen zu verfolgen, ist hingegen aufwändiger. 

Fast-Fashion als Treiber von ausbeuterischer Kinderarbeit 

Der weltweite Fast-Fashion Trend begünstigt Kinderarbeit in der Textilindustrie. Zwischen den Jahren 2000 und 2015 hat sich die Zahl an verkaufter Kleidung verdoppelt. Ein Mensch in Deutschland kauft sich im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke im Jahr. Das bedeutet es wird viel mehr Kleidung produziert. Trotzdem geben Menschen in Deutschland nur etwa 8 % mehr Geld für Kleidung aus als vor 15 Jahren. Das heißt, dass Kleidung heute deutlich weniger kostet bzw. billiger produziert wird, als noch vor einigen Jahren. 

Es wird nur wenig faire Kleidung verkauft 

Obwohl vielen Menschen bekannt ist, dass günstige Kleidung nur durch ausbeuterische Arbeit produziert werden kann, machen Fairtrade-Produkte nur einen kleinen Anteil an verkaufter Kleidung aus. 2018 machten sie gerade mal 0,3 % des Gesamtumsatzes durch Bekleidung in Deutschland aus. 

Kinderarbeit verbieten reicht nicht aus 

Das Verbot von Kinderarbeit allein ist nicht die Lösung des Problems. Familien sind häufig dazu gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu schicken, da das Gehalt der Eltern nicht für den Lebensunterhalt der ganzen Familie ausreicht. Wenn die Lebenssituation der Kinder und ihrer Familien nicht insgesamt verbessert wird, könnte ein Verbot von Kinderarbeit dazu führen, dass sich die Arbeit in weitaus schlimmere Bereiche wie Drogenhandel oder Prostitution verlagert. 

Durch kostenlose Bildung, die Einführung der Schulpflicht und existenzsichernde Mindestlöhne könnte Kinderarbeit vorgebeugt werden. Auch das neue Lieferkettengesetz in Deutschland soll dazu dienen, Kinderarbeit zu reduzieren. 

Bewussterer Konsum und Nachhaltigkeitssiegel 

Auch ein bewusster Konsum kann einen Teil der Lösung darstellen. Weniger Kleidung zu kaufen, kann ein erster Schritt sein, genau wie Second-Hand einzukaufen oder auf die faire Produktion von Kleidungsstücken zu achten. Das kann durch Nachhaltigkeitssiegel gelingen. Siegel wie Fairtrade, die Fair Wear Foundation, oder der Global Organic Textile Standard (GOTS) überprüfen ihre gesamte Lieferkette. 

Erfahrt in unserem digitalen Workshop über Baumwolle und Kleidung aus Afrika mehr über dieses Thema! 

Quellen: 

Reichert, I. / Darum ist uns Kinderarbeit beim Kleiderkauf egal vom 13.12.2019 in Quarks.  

Fröhlich, S. / Verbieten reicht nicht: Kinderarbeit in Afrika vom 12.06.2019 in DW.  

Moulds, J. / Child labour in the fashion supply chainn in the guardian.  

Datum: 26.05.2021

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Ghanas Jugend protestiert über die sozialen Medien für ein besseres Leben

In Ghana riefen junge Menschen die Regierung über soziale Medien auf, für bessere Lebensbedingungen in dem westafrikanischen Staat zu sorgen. Nun wurde die Bewegung davon abgehalten, ihren Protest auf die Straße zu bringen.

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Hashtag für bessere Lebensbedingungen 

Nutzerinnen und Nutzer der sozialen Medien in Ghana begannen vor kurzem unter dem Hashtag #fixthecountry (Deutsch: repariert das Land) die Regierung dazu aufzufordern, für bessere Lebensbedingungen der Bevölkerung zu sorgen. Einige ihrer Forderungen sind mehr Arbeit, weniger Steuern, keine Korruption und eine bessere Bildung.  

Die Initiative beginnt nun auch in der analogen Welt Fuß zu fassen. Der Aktivist Ernesto Yeboah erklärte, dass die Aktion aus dem Gefühl der Jugend heraus entstand, nicht von den regierenden Mächten gehört zu werden.  

Ghanas Jugend übt Druck auf Regierung aus 

Unter 35-Jährige machen etwa 77 % der afrikanischen Bevölkerung aus. Junge Afrikanerinnen und Afrikaner haben schon lange bemerkt, dass sie über die sozialen Medien einen gewissen Druck auf Regierungen ausüben können. Nach größeren Protesten in den sozialen Medien reduzierte die ghanaische Erdöl-Behörde vor kurzem die Preise für Benzin – allerdings ohne zuzugeben, unter jeglichem Druck zu stehen. 

Geringe Jobmöglichkeiten führen zu Unzufriedenheit 

Die Unterstützerin der Bewegung Maltiti Sayida Sadick zog aus dem Norden Ghanas nach Accra, um einen Job zu finden. Doch selbst in der Hauptstadt ist es schwierig für Sadick, ein sorgenfreies Leben mit ihrem Gehalt zu finanzieren. Trotz einer abgeschlossenen Schulausbildung verdient sie kaum genug, um Miete, Essen, Strom-, Gas- und Wasserrechnungen bezahlen zu können. 

Nur 10 % der 270.000 Studierenden in Ghana finden ein Jahr nach ihrem Abschluss einen Job. Immer mehr junge Menschen sprechen auf den sozialen Medien über ihre Lebenssituation. Die Regierung kennt die Probleme. Der Regierungssprecher Courage Nobi erklärt, dass Ghana in Folge der Corona-Pandemie vor vielen Herausforderungen stünde, für die allerdings niemand etwas könnte. Zudem tue die Regierung alles, um die Situation zu verbessern.  

Aus dem Internet auf die Straße 

Die Bewegung #fixthecountry ist wenig überzeugt von diesen Aussagen und rief in der ersten Mai-Woche 2021 in den sozialen Medien zu einer Demonstration auf. Diese wurde von einem Gericht auf Geheiß der Regierung gestoppt, da sie gegen Corona-Schutzmaßnahmen verstoßen würde.  

Die Entscheidung wurde kritisiert, da auch Wahlkampfveranstaltungen ohne besondere Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie stattfanden. 

Kritik von Seiten der Regierung 

Der Parlamentarier Frank Annoh-Dompreh missbilligt die Bewegung und Regierungsbefürworter verwendeten den Hastag #fixyourself (Deutsch: repariere dich selbst) als Antwort auf die Kritik an der Regierung. Daraufhin gab es jedoch einen so großen Protest in den sozialen Medien, dass Annoh-Dompreh sich für seine Aussagen entschuldigte.  

Für den Aktivisten Ernesto Yeboah reicht das nicht aus. Viele jüngere Menschen glauben nicht daran, dass die bestehende Regierung dazu fähig ist, die Probleme des Landes zu lösen. Yeboah setzt seine Hoffnung in die Jugend Ghanas. 

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels Ghana’s youth turn to social media to ‚fix country’s problems‘ von Krippahl, C. in DW vom 12.05.2021. 

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Seit 2015 laufen die Verhandlungen über die Anerkennung des Vernichtungskrieges an den Herero und Nama als Völkermord. Nun konnte eine Einigung erreicht werden.

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Am 15. Mai 2020 einigten sich der frühere CDU-Abgeordnete Ruprecht Polenz und der namibische Ex-Diplomat Zedekia Ngavirue auf ein gemeinsam erarbeitetes Rahmenabkommen, welches in zwei Wochen von den Außenministern Namibias und Deutschlands unterzeichnet werden soll.  

In diesem Dokument wird unter anderem festgelegt, dass Deutschland den Vernichtungskrieg an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 aus heutiger Sicht als Völkermord anerkennt.  

Völkermord an den Herero und Nama 

Das Deutsche Kaiserreich besetzte zu Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem die Kolonie Deutsch-Südwestafrika, welche im Gebiet des heutigen Namibias liegt. Die existenzbedrohenden Maßnahmen der deutschen Kolonialmacht und rassistische Diskriminierung führten im Januar 1904 zum Aufstand der dort lebenden Volksgruppe der Herero. 

Dieser Aufstand wurde im August 1904 niedergeschlagen und deutsche Soldaten trieben Tausende Hereros in die fast wasserlose Omaheke-Wüste, wo diese verdursteten. 

Im Oktober 1904 griff daraufhin das Volk der Nama in einem Guerillakrieg an. Durch den Tod wichtiger Anführer verloren diese allerdings den Kampf und ergaben sich den deutschen Kolonialmächten. Der Krieg wurde im März 1907 für beendet erklärt.  

In den folgenden Jahren wurden Herero und Nama in Konzentrationslager gebracht, in denen die Hälfte der Menschen starb. Die koloniale Vernichtungspolitik der Deutschen in Südwestafrika forderte zwischen 50.000 und 70.000 Opfer. 

Entschuldigung und Entschädigung 

Bundespräsident Steinmeier soll nun im Laufe des Jahres zu einem Festakt ins namibische Parlament kommen und dort offiziell um Entschuldigung bitten. Des Weiteren sollen Entschädigungszahlungen in soziale Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama fließen. 

Kritisiert wird, dass die genaue Höhe der Zahlungen bisher nicht bekanntgegeben worden ist. Einen weiteren Kritikpunkt stellt der Umgang mit den Vertreterinnen und Vertretern der Herero und Nama dar, die nur am Rande an den Verhandlungen beteiligt waren. Stattdessen verhandelte Deutschland hauptsächlich mit der namibischen Regierung. 

Quellen: 

o.A. / Versöhnungsabkommen zwischen Deutschland und Namibia paraphiert in Deutschlandfunk vom 15.05.2021. 

Van Riel / Deutschland entschuldigt sich für Genozid in Neues Deutschland vom 16.05.2021. 

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Die Südafrikanische Romcom-Revolution

In Südafrika gibt es einen Boom von romantischen Komödien (Romcoms) mit mehrheitlich schwarzen Menschen vor und hinter der Kamera. Eine neue Generation von Filmschaffenden wächst heran und zeigt Johannesburg als moderne Metropole.

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Netflix in Südafrika 

Netflix kam Anfang 2016 auf den südafrikanischen Markt. Der Streaming-Anbieter für Filme, Serien und Dokumentationen veränderte die Film- und Fernsehbranche Südafrikas, wie überall auf der ganzen Welt auch.  

Einen weiteren Wendepunkt stellten die seit etwa 2015 immer populärer werdenden schwarzen romantischen Komödien dar, die bis heute große kommerzielle Erfolge in Südafrika feiern. Zum ersten Mal hatten südafrikanische Filmemacherinnen und -macher große Erfolge an den Kinoabendkassen. Zudem konnten sie ihre Filme bei Streaming-Plattformen anbieten. 

Netflix hat 2021 etwa 200 Millionen Abonnenten. Die Art und Weise, in der Streaming-Dienste die Produktion, die Verteilung und den Verbrauch von Inhalten verändert haben, stellt den größten Umbruch in der Filmindustrie seit Jahren dar. 

Hindernisse für die Verbreitung von Netflix in Afrika 

Auf dem afrikanischen Kontinent verläuft die Ausbreitung von Netflix allerdings langsamer als an anderen Orten der Welt. Das liegt einerseits an den Kosten für Netflix selbst, andererseits an den hohen Kosten für die Internetverbindung. Dies führt dazu, dass der Anbieter nur 1,4 Millionen Abonnenten auf dem Kontinent hat. Trotzdem wachsen die Branchen für die Produktion und Erfassung von Onlineinhalten für Streaming-Plattformen in vielen afrikanischen Ländern.  

Lokale Konkurrenz  

Es geht dabei nicht nur um Netflix, sondern auch um südafrikanische Unternehmen wie Multichoice, welches digitales Sattelitenfernsehen DStv und einen Video-Streamingdienst namens Showmax anbietet. Nach eigenen Informationen sollen DStv und Showmax mittlerweile sogar mehr lokale Nutzerinnen und Nutzer haben als Netflix. 

Leichte Unterhaltung durch romantische Komödien 

Südafrikanische Romcoms scheinen perfekt geeignet für die Welt der Streamingdienste. Derzeit auf Netflix verfügbar sind romantische Komödien wie “Mrs. Right Guy” (2016), „Catching Feelings” (2017) und „Seriously Single” (2020). 

Die Filme “Vir Altyd” (Für immer) von 2016, “Happiness Is a Four-Letter Word” und “Mr Right Guy” spielten alle Rekordgewinne in den südafrikanischen Kinos ein. Kommentatoren meinen, dass das südafrikanische Publikum genug von anspruchsvollen intellektuellen, sozialkritischen Filmen hat und sich eher Genre-Filmen und leichterer Kost zuwendet. 

Die neue Generation an Filmschaffenden in Südafrika 

Die neuen südafrikanischen Romcoms brechen mit dem Narrativ der interkulturellen Liebe, welches die vorherige Generation vermehrt bearbeitete. Heute spielen die Romcoms häufig in der Mittel- und Oberschicht Johannesburgs und zeigen hauptsächlich junge, hippe, wohlhabende, gutaussehende, heterosexuelle schwarze Charaktere, die sich ineinander verlieben. 

Ein weiterer Unterschied zu der früheren Generation ist, dass alle Filme (bis auf Vir Altyd) von schwarzen Regisseurinnen und Regisseuren produziert wurden. Dies zeigt, dass Südafrikas Filmindustrie sich langsam verändert. 

Das moderne Johannesburg 

Die meisten Filme spielen in Johannesburg und zeigen die Stadt als moderne Metropole. Dabei wird allerdings nicht vergessen, die Wiedersprüche aufzuzeigen, die es in einer Stadt mit sozialen Konflikten und sozioökonomischen Ungleichheiten gibt. Dies wird durch Erzählstränge und Bilder erreicht.  

In den südafrikanischen Romcoms werden schwarze urbane Menschen gezeigt, die sich in wohlhabenden Umgebungen bewegen, von denen sie lange ausgeschlossen waren. Wahrscheinlich erfreuen sich die Filme auch deshalb so großer Beliebtheit. 

Übersetzte Zusammenfassung des Artikels South Africa’s romcom revolution and how it reimagines Joburg von Frassinelli, P. veröffentlicht in The Conversation am 02.05.2021. 

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Investigativjournalistin Tobore Ovuorie wird mit dem Freedom of Speech Award ausgezeichnet

Tobore Ovuorie ist investigative Journalistin aus Nigeria. 2013 recherchierte sie zu internationalem Sex- und Organhandel. Dafür arbeitete sie undercover als Sexarbeiterin. Nun erhielt sie den Freedom of Speech Award der Deutschen Welle.

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Investigativjournalistin Tobore Ovuorie wird mit dem Freedom of Speech Award ausgezeichnet

Verdeckte Recherche zum Menschenhandel

Sieben Monate recherchierte Tobore Ovuorie verdeckt zu den Vorgängen im organisierten Sex- und Organhandel in Nigeria. Dafür baute sie sich mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen eine falsche Identität auf, veränderte ihr Erscheinungsbild und ihre Art zu sprechen. Sie gab sich als Prostituierte aus und wurde von einer Zuhälterin aufgenommen.  

Nach einigen Monaten erklärte ihr ihre Zuhälterin, dass sie nun nach Italien geschmuggelt werden könnte. Ovuorie wurde kurz darauf mit einigen anderen Prostituierten in einem Bus in das benachbarte Benin gebracht. Während der Fahrt musste Ovuorie miterleben, wie zwei ihrer Mitfahrerinnen enthauptet wurden, ihnen sollten Organe entnommen werden.  

In Benin gelang ihr dann mit Hilfe einer befreundeten Journalistin die Flucht. Ihre Recherche war ein voller Erfolg. Nigerianische Behörden ermittelten infolgedessen gegen einen Menschenhandelsring. Außerdem wurde ihre Geschichte durch den Netflix-Film Òlòtūré adaptiert. Dies allerdings ohne die ausdrückliche Erlaubnis der Journalistin.  

Ovuorie wird mit dem Freedom of Speech Award ausgezeichnet 

Nun zeichnete sie die Deutsche Welle mit dem Freedom of Speech Award aus. Dieser Award wird an Menschen vergeben, die sich in herausragender Weise für die Freiheitsrechte, insbesondere die Presse- und Meinungsfreiheit, einsetzen. Mit diesem Preis soll Ovuorie persönlich, aber auch der gesamte freie Journalismus Afrikas gefördert werden, so DW-Intendant Peter Limbourg. 

In ihrer Zeit undercover wurde Tobore Ovuorie geschlagen und missbraucht, sie kam ins Krankenhaus und wäre fast gestorben. All diesen Risiken setzte sie sich aus, um die Wahrheit herauszufinden und die Realität tausender Frauen authentisch abzubilden. 

Gerechtigkeit durch investigativen Journalismus 

Schon als Kind war Tobore Ovuorie klar, dass sie Journalistin werden wollte. Sie schrieb viele Texte und schickte sie an nigerianische Tageszeitungen. Sie gab nicht auf, egal ob die Zeitungen ihre Texte ablehnten oder nicht. 

Ihr Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit begann in der Oberschule, als die Mutter einer Klassenkameradin beschuldigt wurde, ihren Mann durch Hexerei getötet zu haben. Sie widersprach diesem Gerücht. 

Und obwohl alle ihr sagten, sie solle sich nicht einmischen und still sein, protestierte sie weiter. Sie schrieb alle Details der Geschichte auf und als ihr Vater den Text fand, ermutigte er sie, mit ihrem Schreiben für Gerechtigkeit einzustehen. 

In ihrem späteren Berufsleben musste Ovuorie immer wieder mit den Vorurteilen in der nigerianischen Medienbranche Frauen gegenüber aufräumen. Sie wollte nicht nur über Familie, Mode und Unterhaltung schreiben, sondern sich ernsthafteren Themen zuwenden.  

Folgen der traumatischen Erlebnisse  

Viele der schrecklichen Erfahrungen, die Ovuorie in ihrer Zeit undercover erlebte, haben langfristige Folgen für sie. Ovuorie leidet unter Depressionen und posttraumatischer Belastungsstörung, eine Zeit lang dachte sie sogar an Selbstmord. 

Auch nach der Recherche zu Zwangsprostitution widmet sich Ovuorie schweren Themen wie dem Menschenhandel in Libyen oder der Stigmatisierung von mit HIV infizierten Kindern. Zurzeit recherchiert sie, ob Botschaftsangestellte in Nigeria etwas mit Menschenhändlern zu tun haben und diesen möglicherweise bei ihren Geschäften helfen. 

Weitere Informationen:  

Sina, M. / Tobore Ovuorie: Aufstehen für die Stimmlosen in DW vom 03.05.2021. 

Ovuorie, T. / From Sex Work To Slavery And Murder in Zam vom 22.01.2014. 

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Frauenrechtlerin Nawal El Saadawi verstorben am arabischen Muttertag

Nawal El Saadawi war eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen aus Ägypten. Sie setzte sich gegen Genitalverstümmelung und für die Rechte von Frauen ein. Für viele verkörperte sie den Kampf der arabischen Frauen für Selbstbestimmung. Am 21. März 2021, dem arabischen Muttertag, ist sie in Kairo verstorben. Sie wurde 89 Jahre alt.

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Frauenrechtlerin Nawal El Saadawi verstorben am arabischen Muttertag

Die Frauenrechtlerin, Ärztin und Aktivistin Nawal El Saadawi wurde 1931 in einem Dorf namens Kafr Tahlan in der Nähe Kairos geboren. Ihre Eltern waren gebildet und erklärten ihr immer wieder, Mädchen und Jungen seien gleich. Im Alter von sechs Jahren allerdings wurde sie eines Nachts aus ihrem Bett gezogen und ins Badezimmer gebracht. Dort wurden ihr unter schrecklichen Schmerzen und den Blicken ihrer Mutter ihre Genitalien verstümmelt.  

Aktivistin gegen Genitalverstümmelung 

Dieser Vorfall führte dazu, dass sie sich ihr ganzes Leben gegen Genitalverstümmelung einsetzte.  
Im Jahr 1955 schloss El Saadawi ihr Medizinstudium ab und begann in den ländlichen Gebieten Ägyptens zu arbeiten, wo sie die Missstände der Bevölkerung kennenlernte. Dort behandelte sie häufig Mädchen, die wie sie Opfer von Genitalverstümmelung geworden waren.  

Publikationen zur Sexualität der Frau 

Später arbeitete sie im Universitätsklinikum in Kairo und wurde 1967 zur Direktorin für Gesundheitserziehung im ägyptischen Ministerium für Gesundheit. In dieser Stellung veröffentlichte sie die Zeitschrift  aṣ-Ṣiḥḥa (Deutsch: „Die Gesundheit“). Nach der Veröffentlichung einer provokativen Studie zu Frauen und ihrer Sexualität wurde die Zeitschrift allerdings eingestellt.  

Politische Folgen von El Saadawis Aktivismus 

Als El Saadawis Buch “Frauen und Sex” 1972 in Ägypten veröffentlicht wurde, wurde sie aus ihrem Amt im Gesundheitsministerium enthoben. Während der Amtszeit des Präsidenten Anwar Sadat wurde El Saadawi wie viele linke Aktivistinnen und Aktivisten in Ägypten zu dieser Zeit inhaftiert. Ende der 90er Jahre verließ sie Ägypten und ging in die USA ins Exil. Erst 2005 kehrte sie nach Ägypten zurück. 

Nawal El Saadawi schrieb über Themen wie Jungfräulichkeit, sexuellen Missbrauch, Prostitution und zeigte auf, dass finanzielle Probleme ebenso wie Moralvorstellungen und religiöser Extremismus zu Missbrauch führen können. Ihre Publikationen führten immer wieder zu Kontroversen in Ägypten. 

Sie schrieb insgesamt 50 Sach­bücher und Romane über ­Sexualität und Frauenrechte, mehrere davon wurden in Ägypten und anderen arabischen Staaten verboten.  

Kritik an weltweiten patriarchalen Strukturen 

In Deutschland oder den USA wurde El Saadawi hingegen gefeiert. Allerdings kritisierte sie die Darstellung “der arabischen Frau” in den Medien der USA und Deutschlands. El Saadawi betonte, dass die Unterdrückung der Frau nicht nur im Islam vorkommen würde, sondern dass ebenso das Christen- und Judentum patriarchalen Strukturen dienten. In einem Interview mit dem SPIEGEL von 2012 forderte sie säkulare Gesetze. 

Außerdem kritisierte El Saadawi, dass die Unterdrückung der arabischen Frau oft allein als Folge von Kultur und Religion angesehen wurde, und wirtschaftliche und politische Faktoren häufig unberücksichtigt blieben. 

Internationaler Feminismus 

Sie setzte sich für eine internationale Solidarität unter Frauen ein. Diese Solidarität ist laut El Saadawi nur möglich, wenn alle Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, Gemeinsamkeiten anerkannt und Unterschiede akzeptieren werden.  

El Saadawis kontroverser politischer Aktivismus  

2011 war sie Teil des Protestes gegen die Mubarak-Regierung und kritisierte 2012 die Muslimbruderschaft, die Errungenschaften der Revolution in Ägypten für sich zu nutzen.  

Nach der Machtübernahme des heutigen Präsidenten Abdel Fatah al-Sisi 2014 verteidigte El Saadawi diesen, trotz seiner bekannten Menschenrechtsverletzungen. Dies stellt einen Bruch zu ihrem jahrelangen Kampf gegen illegitime politische Macht dar.  

Dennoch verkörpert Nawal El Saadawi für viele Frauen in Ägypten und anderen arabischen Ländern den Kampf gegen Unterdrückung und Ungleichheit von Frauen. Ihr Werk und ihre Errungenschaften stehen, auch nach ihrem Tod am 21. März 2021, für ihren stetigen Aktivismus für die Selbstbestimmung der Frau. 

Quellen:  

o. A. / Frauenrechtlerin Nawal al-Saadawi verstorben in DW vom 21.03.2021. 

El-Gawhary, K. / Tod einer Ikone in der taz vom 22.03.2021. 

Engelcke, D. / Wie Nawal El Saadawi zur Ikone des Feminismus wurde in zenith vom 29.03.2021. 

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Besondere Therapie gegen Depressionen in Zimbabwe: Freundschafts-Bänke

Dixon Chibanda entwickelte eine besondere Form der Therapie in Zimbabwe, damit jeder Person in Not geholfen werden kann: Ausgebildete Großmütter sitzen auf “Freundschafts-Bänken” und bieten Verhaltenstherapie für Menschen mit Depressionen an.

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Besondere Therapie gegen Depressionen in Zimbabwe: Freundschafts-Bänke

Depressionen und Suizid 

In Zimbabwe leben 16,5 Millionen Menschen, viele Menschen sind HIV-positiv und das Land leidet unter Dürre, Inflation, Korruption und Nahrungsmittelmangel. Medikamente und gesundes Essen sind für viele Menschen zu teuer. Unterstützung von ausgebildetem medizinischem Personal gibt es kaum. Denn in ganz Zimbabwe gibt es nur ein paar dutzend Psychologinnen und Psychologen.  

Weltweit leiden etwa 300 Millionen Menschen an Depressionen, einer der häufigsten Gründe für Selbstmord. In Zimbabwe werden Depressionen oder Angststörungen “Kufungisisa” genannt, das heißt “zu viel denken” auf Shona.  

Viele Menschen sehen keinen Ausweg aus ihrem Leid und die Selbstmordrate in Zimbabwe steigt seit Jahren an, sie ist eine der höchsten in ganz Afrika.  

Kaum Therapiemöglichkeiten in Zimbabwe 

Dixon Chibanda ist Psychologe in Zimbabwe, ein Schlüsselerlebnis brachte ihn auf eine Idee, die vielen das Leben rettet:  

Ein Kollege aus einer anderen Stadt rief ihn abends an, eine Patientin von Chibanda war in ein Krankenhaus eingeliefert worden, 200km von Harare entfernt. Sie hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Arzt und Chibanda einigten sich, dass die Patientin, sobald sie entlassen wurde, mit ihrer Mutter zu Chibanda nach Harare kommen sollte, um mit ihm zu sprechen.  

Als die Frau nach mehreren Wochen nicht gekommen war, meldete sich schließlich ihre Mutter: ihre Tochter hatte sich vor drei Tagen am Mangobaum der Familie erhängt. Chibanda war geschockt und fragte, weshalb sie nicht zu ihm gekommen waren. Die Mutter antwortete, dass sie die 15 Dollar für ein Busticket nach Harare nicht bezahlen konnten.  

Therapiemöglichkeiten in der Nähe 

Durch dieses Erlebnis wurde Chibanda das Problem deutlicher als je zuvor. Es gab zu wenig psychologische Hilfe, um für jede Person erreichbar zu sein. So entschloss Chibanda, dies in die Hand zu nehmen und zu ändern.  

Chibanda erkannte, dass es eine verlässliche Personengruppe in jeder Gemeinde gab: Großmütter. Es gibt sie überall und die Chancen sind gering, dass sie ihre Gemeinden bis zum Tod noch einmal verlassen werden. 

TherapieTools für Großmütter 

So begann er 2006, Großmütter in evidenzbasierter Gesprächstherapie zu trainieren. Die alten Damen erlernten die Fähigkeit richtig zuzuhören und empathisch zu reagieren. Ihnen wurde gezeigt, wie sie bei Menschen eine Verhaltensaktivierung erwirken können oder Aktivitätenplanungen aufzustellen. Alles auf einer verhaltenstherapeutischen Grundlage.  

Wenn die Großmütter eine Einführung in die Gesprächstherapie erhalten haben, können sie auf sogenannten “Freundschafts-Bänken” (Original: “Friendship Bench”) für andere da sein. Betroffene Menschen können den Großmüttern ihr Leid klagen und ein offenes Ohr und konstruktive Hilfe erhalten.  

Freundschafts-Bänke stehen mittlerweile in fünf verschiedenen Ländern, insgesamt arbeiten dort 700 ausgebildete Helferinnen und Helfer im Alter von 35 bis 85 Jahren.  

Wirkung der therapeutischen Maßnahmen 

Die Auswirkungen der Freundschafts-Bänke wurden 2016 in einer klinischen Studie belegt. Es konnte eine Reduzierung von Selbstmordgedanken und Depression um 80% und eine 60-prozentige Steigerung der Lebensqualität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nachgewiesen werden. 

Bis heute saßen etwa 65.000 Menschen auf den Freundschafts-Bänken und erhielten Hilfe bei mentalen Problemen.  

2020 wurde das Konzept sogar in die USA importiert, auch in New York gibt es heute Freundschafts-Bänke. Auf ihnen sitzen allerdings nicht hauptsächlich Großmütter, sondern Menschen jeden Alters. 

Auswirkungen von Corona auf Depressionen und die Freundschafts-Bänke 

Die Corona-Pandemie fordert viele Opfer. Gerade in schweren Krisen ist die mentale Gesundheit stark gefährdet. Viele der Helferinnen auf den Freundschafts-Bänken sind Großmütter im hohen Alter, sie gehören zur Risikogruppe. Trotzdem bringen es viele von ihnen nicht übers Herz, hilfesuchende Menschen in Not abzuwimmeln. Als Alternative sind Telefongespräche möglich, doch nicht jede Person hat ein Telefon und manchmal ist der persönliche Kontakt zu einem Menschen das Einzige, was hilft.  

Chibanda selbst verlor schon sechs befreundete Kolleginnen und Kollegen an das Corona-Virus und auch einige Großmütter erlagen der Krankheit. Wenn Selbstisolierung keine Möglichkeit darstellt, ist der einzige Ausweg aus der Pandemie ein schneller Zugang zu Impfstoffen für alle, so Chibanda. 

Quellen:  

Webseite „Friendship Bench“

o. A. / Coronavirus in Zimbabwe: ‚We need vaccines now‘ in BBC vom 26.01.2021.

Chibanda, D. / „Why I train grandmothers to treat depression“ in TEDWomen 2017 von November 2017.

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Mehr Kinderehen infolge der Corona-Pandemie

Durch Schulschließungen in der Corona-Pandemie verpassen Schülerinnen und Schüler in Afrika nicht nur ihre Chance auf Bildung. Häusliche Gewalt, Kinderehen und frühe Schwangerschaft können weitere schrecklichen Folgen sein.

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Mehr Kinderehen infolge der Corona-Pandemie

In fast allen Ländern der Welt wurden zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Schulen geschlossen. In Afrika südlich der Sahara blieben die Schulen im Schnitt 101 Tage geschlossen. 

Anstieg von häuslicher und sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen 

Während der Schulschließungen verbrachten Kinder mehr Zeit zuhause. Vor allem für Mädchen bedeutete dies, häufig häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein und schlimmstenfalls ungewollt schwanger zu werden. 

10 % mehr Kinderehen im nächsten Jahrzehnt 

UNICEF schätzt, dass es infolge der Corona-Pandemie in den nächsten zehn Jahren zu etwa 10 % mehr Kinderehen kommen wird. Das würde bedeuten, dass im nächsten Jahrzehnt 110 Millionen Kinder in einem Alter unter 18 Jahren heiraten werden.  

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 2 % der Mädchen nach Wiedereröffnung der Schulen nicht zurückkehren werden. Ein Grund ist, dass Eltern die Erfolge durch Bildung in diesen Zeiten nicht sehen können und teilweise keinen Sinn in der Fortführung des Schulbesuches sehen. 

Lockdown- und Social-Distancing-Maßnahmen haben in vielen Haushalten zu einem Einbruch von Einkommen geführt. Um sich aus finanziellen Notlagen zu retten, mussten viele Familien sparen, beispielsweise bei Kosten für die Bildung ihrer Kinder. Auch die Verkleinerung des Haushalts führt zu weniger Kosten und kann Eltern dazu zwingen, ihre Kinder zu verheiraten. Dieses Vorgehen geht oft mit dem Wunsch einher, den eigenen Kindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Wenn zudem eine Mitgift an die Familie der Braut gezahlt wird, steigt das Risiko einer Kinderehe in wirtschaftlichen Krisen um 3 % (UNICEF). 

Folgen von Kinderehen für junge Mädchen 

Mädchen, die heiraten, wenn sie minderjährig sind, sind häufiger von häuslicher Gewalt betroffen und besuchen kürzer eine Schule. Dadurch haben Mädchen und Frauen geringere Chancen, mit ihrer Arbeit genug Geld zu verdienen, um sich selbst zu versorgen und können in eine Abhängigkeit zu ihrem Ehemann geraten. Kinderehen können außerdem dazu führen, dass Mädchen aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen werden und ihre Bezugspersonen verlassen müssen. 

Frühe Schwangerschaft als Folge von Kinderehen 

Zudem werden Mädchen durch eine frühe Heirat früher schwanger, das führt häufig zu gesundheitlichen Problemen während der Schwangerschaft und der Geburt. Im globalen Süden bekommen jährlich etwa 12 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 und mindestens 770.000 unter 15-Jährige ein Kind.  

Die weltweit häufigste Todesursache für Mädchen zwischen 5 und 19 Jahren sind Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt. Von etwa 5,6 Millionen Schwangerschaftsabbrüchen von Mädchen zwischen 5 und 19 sind 3,9 Millionen nicht sicher.  

Maßnahmen für den besseren Schutz von Frauen und Mädchen nötig 

Die Corona-Pandemie hat Geschlechterungleichheit verschärft und bedroht Fortschritte in der Entwicklung hin zu einer gerechteren Welt. Die Nachwirkungen der Pandemie werden noch etwa ein Jahrzehnt zu spüren sein.  

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore meint, ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie wären sofortige Maßnahmen nötig, um die Folgen für Mädchen und ihre Familien zu mildern: „Durch die Wiedereröffnung von Schulen, die Umsetzung wirksamer Gesetze und Politiken, die Sicherstellung des Zugangs zu Gesundheits- und Sozialdiensten – einschließlich geschlechtsspezifischer und fortpflanzungsmedizinischer Gesundheitsdienste – und die Bereitstellung umfassender sozialer Schutzmaßnahmen für Familien können wir das Risiko eines Mädchens, dass ihr ihre Kindheit durch Kinderheirat gestohlen wird, deutlich verringern“.  

Quellen:  

“Corona treibt Hunderttausende Mädchen in Zwangsehe” in DW vom 01.10.2020. 

WHO: “Adolescent pregnancy” 31.01.2020. 

WHO: “School closures and teenage pregnancy“ 2021. 

UNICEF Bericht: “COVID-19: A threat to progress against child marriage” März 2021. 

UNICEF: “Early childbearing” November 2019. 

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